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Whole

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Dr. John Watson Sherlock Holmes
10.03.2021
30.08.2021
35
80.873
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01.07.2021 2.303
 
Aus der letzten schriftlichen Prüfung gingen sowohl John als auch Sherlock eher. John holte Sherlock auf dem Gang zu ihren Zimmern ein.
„Hey, Sherlock!“, rief er und kam neben ihm zum Stehen.

„John! Du bist auch schon fertig?“

„Ja, die Prüfung war gar nicht mal so schwer, wie erwartet. Hey, ich habe überlegt, hättest du Lust mit in die Stadt zu gehen? Wir könnten irgendwo was trinken gehen, zur Feier des Tages?“, fragte John und schaute dabei auf seine Schuhe.

Sherlock stockte kurz. Er wusste nicht so recht, wie er Johns Worte interpretieren sollte. Fragte John ihn gerade nach einem Date? Oder verstand Sherlock ihn ganz falsch und Mike und Greg würden mitkommen und es war einfach ein Abend mit Freunden?

„Was gibt es denn zu feiern?“, fragte Sherlock vorsichtig, um nicht gleich seine Antwort geben zu müssen.
„Na, dass wir die schriftlichen Prüfungen geschafft haben!“, sagte John gut gelaunt.

Sherlock seufzte auf. „John, ich würde nichts lieber tun, als mit dir etwas trinken zu gehen. Wirklich. Aber ich kann nicht.“, sagte Sherlock geknickt. Warum musste er auch ausgerechnet an dem Tag, an dem John mit ihm etwas machen wollte, diesen bescheuerten Termin bei Dr. Brown haben?

„Oh! Was hast du denn vor?“, fragte John und schaute Sherlock wieder an.

Sherlock schaute sich kurz in dem Gang um, in dem sie standen. Es war gerade eine Pause und die Schüler der unteren Jahrgangsstufen gingen von einem Klassenzimmer ins nächste. Der Gang war relativ voll und Sherlock wollte nicht unbedingt, dass sie jemand hörte.
„Kommst du kurz mit in mein Zimmer?“, fragte er also und zog eine Augenbraue nach oben.

John runzelte zwar die Stirn, folgte Sherlock aber ohne zu fragen in dessen Zimmer. Sherlock schloss die Tür hinter John und lief hinüber zu seinem Schreibtisch. Er lehnte sich dagegen und schaute John an.

„Ich habe dir doch von Dr. Brown erzählt, oder?“ Als John nickte, fuhr Sherlock fort. „Und ich habe dir auch erzählt, dass bei meiner letzten Untersuchung meine Blutwerte auffällig waren. Ich muss heute nochmal zu ihm, damit er mir nochmal Blut abnimmt.“, erklärte Sherlock.

„Oh. Soll ich mitkommen?“, fragte John ernst.
„Was? Nein, warum solltest du?“, fragte Sherlock verwirrt.

„Kein Ahnung, hätte ja sein können, dass du jemanden dabeihaben möchtest. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Untersuchungen sehr angenehm sind.“, erklärte John und zuckte mit den Schultern.

„Oh. Nein, er nimmt mir heute nur Blut ab. Mehr nicht. Das halte ich schon aus. Aber du hast Recht. Die Untersuchungen sind wirklich furchtbar.“, gab Sherlock zu.

„Das glaub ich dir. Ist echt nicht fair, dass du das alles aushalten musst, nur weil du ein Omega bist.“, sagte John. Sherlock zuckte nur mit den Schultern und begann seine Sachen zusammenzupacken, die er an diesem Nachmittag brauchen würde.

„Denkst du, deine Blutwerte sind wieder okay?“, fragte John nach einer kurzen Stille. In seiner Stimme schwang leise Sorge mit und Sherlock wurde ganz warm ums Herz, als er feststellte, dass er einen Freund hatte, der sich so um ihn sorgte.

„Ich weiß es nicht mit Sicherheit. Natürlich nicht. Aber ich hatte jetzt schon mehrere Hitzephasen, die auch alle regelmäßig gekommen sind. Außerdem habe ich eine Hitze mit einem Alpha verbracht.“ Dabei schaute Sherlock John vielsagend an, dessen Wangen sich rot färbten. „Was, laut Dr. Brown, für den Hormonhaushalt Wunder tun soll.“ Sherlock stockte kurz, um sich zwischen zwei Büchern zu entscheiden. „Also ja, ich bin relativ optimistisch, dass alles wieder in Ordnung ist.“, sagte Sherlock und schaute John an.

„Eine Hitze mit einem Alpha zu verbringen ist gut für einen Omega?“, fragte John erstaunt.

„Anscheinend ja. Dr. Brown meinte, dass niemand so genau weiß, was bei einer Hitze hormontechnisch genau passiert. Aber die Hormonkonzentrationen im Körper des Omegas sollten dadurch irgendwie total stabilisiert werden. Das hält wohl nicht ewig an, aber zwei, drei Wochen.“, sagte Sherlock und schloss seinen Rucksack.

„Und passiert sowas ähnliches auch bei einem Alpha?“, fragte John interessiert.

Sherlock lehnte sich an seinen Schreibtisch und schaute John mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„John, ihr Alphas habt zwar auch Hormone, aber bei weitem nicht solche Hormonschwankungen, wie ein Omega braucht, um fertil zu sein. Ich kann mir vorstellen, dass ihr auch ausgeglichener seid, nach einer Hitze mit einem Omega, aber ich glaube nicht, dass es so einen großen Effekt hat.“

„Hm.“, machte John nur. „Wann musst du los?“
Sherlock schaute auf seine Uhr. „Jetzt. Mein Dad dürfte gleich hier sein.“

„Und wann bist du wieder da?“, fragte John.
„Wahrscheinlich erst spät. Dad und ich wollten vielleicht noch was essen gehen nach dem Termin.“

„Ach, das klingt doch auch gut. Sag deinem Dad liebe Grüße.“ John stand von Sherlocks Bett auf und sie gingen zusammen aus Sherlocks Zimmer. An Johns Zimmer blieb John jedoch nicht stehen und ging weiter neben Sherlock her.

„John, du musst nicht mit rauskommen.“, versicherte ihm Sherlock und lächelte ihn an.
„Doch, doch. Ich habe doch sowieso nichts anderes zu tun.“

Sie warteten noch fünf Minuten auf dem Parkplatz, bis Sherlocks Dad da war.
„Dann sehen wir uns morgen?“, fragte John und drehte sich zu Sherlock. Dieser nickte nur. Er war etwas nervös, auch wenn er wusste, dass es dafür keinen Grund gab.

John ergriff Sherlocks Hand und drückte sie kurz. „Du schaffst das.“, sagte er leise.
„Danke.“, murmelte Sherlock und drückte Johns warme Hand zurück. Jetzt wäre es ihm doch lieber gewesen, wenn John mitkommen würde. Sie ließen sich los und Sherlock ging zur Beifahrerseite des Autos. Er öffnete die Tür und ließ sich neben seinen Dad fallen.

Dieser schaute aus dem Fenster zu John, der noch immer mit besorgter Miene am Rande des Parkplatzes stand. Siger schaute dann zu Sherlock und zog eine Augenbraue nach oben, während er losfuhr.

„Ihr beide saht- wie sag ich das am besten? Irgendwie innig miteinander aus.“, sagte Siger und schaute Sherlock forschend an.
„Wenn du denkst.“, sagte Sherlock nur. Er hatte gar keine Lust mit seinem Dad über John zu reden.

Siger schien auch erstmal ohne Erklärung zufrieden zu sein. Er ließ Sherlock die ganze Autofahrt lang in Ruhe seinen Gedanken nachhängen. Erst, als sie auf den Parkplatz vor Dr. Browns Praxis fuhren, ergriff er wieder das Wort.

„Sei nicht aufgeregt. Es wird schon alles wieder in Ordnung sein.“, ermunterte er seinen Sohn.
„Ich hoffe es.“, sagte Sherlock und stieg aus. Sie betraten gemeinsam die Praxis und Sherlock trat an den Tresen, während es sich sein Dad im Wartezimmer gemütlich machte.

Zehn Minuten später wurde Sherlock auch schon aufgerufen und Dr. Brown hielt ihm lächelnd die Tür zu seinem Behandlungsraum offen.
„Sherlock, es ist schön, dich zu sehen.“, sagte Dr. Brown.

Sherlock brummte nur etwas Unverständliches und setzte sich auf den Stuhl auf der Patientenseite von Dr. Browns Schreibtisch.
„Also? Wie geht es dir?“, fragte der Arzt und setzte seine Brille ab, um Sherlock anzusehen.

„Ganz gut würde ich sagen.“, murmelte Sherlock.

Dr. Brown zog eine Augenbraue nach oben, setzte seine Brille wieder auf und schaute angestrengt auf seinen Computer, wo er wahrscheinlich Sherlocks Akte offen hatte.

„Bevor ich dir Blut abnehme, würde ich dir noch gern die üblichen Fragen stellen.“, sagte Dr. Brown und fischte einen Anamnesebogen aus einer seiner Schreibtischschubladen.
„Okay, meinet wegen.“, grummelte Sherlock.

„Wann war deine letzte Hitze?“
„Vor zweieinhalb Wochen.“, antwortet Sherlock.

„Also fängt die nächste Hitze nächsten Freitag an?“
„Höchstwahrscheinlich.“

„Wie lang war deine letzte Hitzephase?“

Sherlock schoss das Blut in die Wangen, als er an seine Hitze mit John zurückdachte.  
„Ähm. Etwas länger diesmal als sonst. Es hat schon morgens mit Krämpfen begonnen. Mittags hat es dann richtig angefangen. Und es ging bis Sonntagnachmittag.“, murmelte Sherlock und schaute auf seine Hände, die in seinem Schoss lagen.

„Kannst du dir erklären, warum es diesmal eine Abweichung gab?“, fragte Dr. Brown.

Sherlocks Wangen wurden, wenn möglich, noch röter.
„Ich- ähm- das war das erste Mal, dass ich meine Hitze mit jemandem verbracht habe.“, murmelte Sherlock so schnell er konnte in der Hoffnung, dass Dr. Brown ihn nicht verstand.

Doch der Arzt setzte wieder seine Brille ab und schaute Sherlock an.
„Okay. Gab es sonst irgendwelche Auffälligkeiten oder Besonderheiten?

„Keine Ahnung. Es war ganz anders als eine Hitze allein.“, murmelte Sherlock.
„In Ordnung. Dann mache ich mir, um ehrlich zu sein, keinerlei Gedanken um deine Blutwerte. Wollen wir?“, fragte Dr. Brown und Sherlock war froh, dass der Arzt sich so professionell verhielt.

Sherlock krempelte seinen Ärmel nach oben und setzte sich auf die Liege, auf die Dr. Brown wies. Der Arzt nahm ihm diesmal nur zwei Röhrchen ab und nach zwei Minuten knöpfte sich Sherlock den Ärmel wieder zu.
„Gut, dann rufe ich dich an, wenn die Ergebnisse da sind.“, sagte Dr. Brown.

„Okay.“

„Sherlock?“, fragte Dr. Brown, als er gerade aus dem Raum flüchten wollte.
„Ja?“

„Es tut mir leid, dass ich diese Frage stellen muss. Aber hast du deine Hitzephase mit einem Beta oder einem Alpha verbracht?“

Sherlock stockte. „Mit einem Alpha.“, sagte er leise. Ein erstaunter Gesichtsausdruck huschte über das Gesicht des Arztes. Er wusste genau, was Sherlock von Alphas dachte. Plötzlich sah er besorgt aus.

„Freiwillig oder…?“, fragte Dr. Brown und ließ die Frage bewusst offen. Jetzt verstand Sherlock auch den Blick der Besorgnis.
Er lächelte den Arzt leicht an. „Definitiv freiwillig. Er ist wunderbar. Keine Angst.“, versicherte er seinem Arzt.

„Okay. Hast du vor, deine nächsten Hitzephasen mit jemandem zu verbringen?“, fragte Dr. Brown.

Sherlock runzelte die Stirn. Gute Frage.
„Ich weiß es nicht. Ist das wichtig?“, fragte Sherlock.

„Naja, wenn du deine Hitzephasen mit einem Alpha verbringst, dann sollten wir deine Kontrazeptiva umstellen. Alphas sind doch um einiges fertiler als Betas und wenn du nicht schwanger werden willst, dann sollten wir uns da Gedanken machen.“, sagte Dr. Brown.

„Oh. Aber ich weiß es nicht. Es- wir sind nicht zusammen. Ich weiß nicht, ob er mich so sieht.“, sagte Sherlock leise.

Dr. Brown ging um den Schreibtisch herum und klickte etwas in seinen Computer ein.
„Was hältst du davon, wenn ich dir einfach ein Rezept mitgebe, dass du einlösen kannst, falls es doch dazu kommt? Das ist immer nur eine Tablette am Anfang deine Hitze, die du nehmen müsstest. Der Wirkstoff verändert deine Gebärmutterschleimhaut so, dass sich eine Eizelle nicht einnistet.“ Er blickte auf und schaute Sherlock fragend an.

Dieser nickte nur. In seinem Kopf drehte sich alles. Er war davon ausgegangen, dass die Kontrazeptiva, die er nahm, auch bei Alphas wirkten. Sherlock schaute an sich herab auf seinen Bauch und stellte sich vor, wie er schwanger aussehen würde. Sein Herz setzte einen Schlag aus und schlug dann mit doppelter Geschwindigkeit weiter. Er fühlte sich, als würde er gleich ohnmächtig werden.

Langsam ging er auf den Stuhl zu, auf dem er vorhin schon gesessen hatte und ließ sich darauf fallen. Er konnte jetzt nicht schwanger sein. Er wollte doch studieren und Detektiv werden. Und er wusste nicht mal, ob John das wollen würde.

„Sherlock? Alles okay?“, fragte Dr. Brown besorgt und betrachtete ihn über den Rand seiner Brille hinweg.
„Heißt das, dass ich schwanger sein könnte?“, fragte Sherlock leise.

Dr. Browns Gesicht glättete sich und er lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Mit ernster Miene schaute er den Omega vor sich an.
„Du hast die Kontrazeptiva genommen, die ich dir das letzte Mal mitgegeben habe?“, fragte er sachlich. Sherlock nickte.

„Und ihr habt Kondome benutzt?“, fragte er weiter. Sherlock atmete tief durch und schüttelte den Kopf.
Dr. Brown seufzte leise auf. „Sherlock, mal von der verhütenden Wirkung abgesehen, solltest du immer Kondome benutzen, wenn du Geschlechtsverkehr hast. Die schützen dich vor allen möglichen Geschlechtskrankheiten.“, sagte Dr. Brown.

„Gott, denken Sie echt, ich wüsste das nicht? Wir hatten beide noch nie mit jemand anderem Sex.“, sagte Sherlock etwas hitziger als beabsichtigt.

„Okay, bist du dir da sicher?“, fragte der Arzt.
Sherlock überlegte kurz, doch er war sich sicher, dass John ihn nicht angelogen hatte. Als sie darüber gesprochen hatten, hatte keiner von beiden an eine gemeinsame Hitze gedacht. Also nickte Sherlock.

„Gut. Dann brauchst du dir wenigstens keine Sorgen um Geschlechtskrankheiten zu machen.“, sagte Dr. Brown. „Hör zu, Sherlock. Die Kontrazeptiva, die du genommen hast, wirken. Bloß nicht so gut wie die, die ich dir jetzt verschrieben habe. Es besteht die Möglichkeit, dass du schwanger bist. Auch wenn diese Möglichkeit gering ist. Ich habe dir ja schon Blut abgenommen, ich melde dem Labor, dass sie auch deinen β- HCG-Spiegel mit checken sollen. Dann haben wir in 3 Tagen Gewissheit. Bis dahin gebe ich dir einen Schwangerschaftstest mit.“, sagte Dr. Brown und kramte etwas aus seinem Schrank hervor.

Sherlock nickte nur und nahm den Test schweigend entgegen. Er verabschiedete sich bei Dr. Brown, der ihm noch einmal gut zusprach. Am Tresen holte er sich seine Karte und das Rezept und dann verließ er mit Siger zusammen die Praxis.

Sherlock fühlte sich wie ferngesteuert. Er wollte nicht schwanger sein. Nicht jetzt. Als er darüber nachdachte, stellte er fest, dass er nichts mehr gegen die generelle Idee hatte schwanger zu sein. Bloß nicht jetzt, wo er doch ganz anderes mit seinem Leben vorhatte. Und John, was würde er sagen, wenn er jetzt schwanger sein sollte? Gott, wenn er daran dachte, wurde ihm ganz mulmig.

„Alles okay?“, fragte Siger und schaute ihn von der Seite an.
„Klar., murmelte Sherlock abwesend.

Sherlock sagte den ganzen Abend nicht viel, während er mit Siger essen ging. Von seinem Curry aß er nur ein paar Bissen und er war froh, als sie endlich wieder im Auto auf dem Weg zur Schule saßen.

Siger fragte ihn noch ein paar Mal, ob alles in Ordnung sei und ob er irgendwelche Sorgen hatte, doch Sherlock nickte nur und war froh, dass Siger sich damit begnügte.

Als sie endlich wieder an der Schule ankamen, verabschiedete sich Sherlock von seinem Dad und ging in sein Zimmer. Er setzte sich auf seine Bettkante und fischte den Schwangerschaftstest aus seiner Jackentasche. Er starrte darauf, während er ihn zwischen seinen Fingern hin und her drehte.


-tbc-
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