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Whole

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Dr. John Watson Sherlock Holmes
10.03.2021
30.08.2021
35
80.873
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22.06.2021 1.696
 
Nach der zweiten schriftlichen Prüfung ließ sich Sherlock seufzend an den Tisch sinken, an dem bereits John, Mike und Greg saßen. Keiner von ihnen sagte etwas, alle starrten leicht paralysiert in ihr Essen.
„Alles okay bei euch?“, fragte Sherlock. Unter dem Tisch stupste er vorsichtig Johns Schienbein mit seinem Fuß. Dieser hob den Kopf und schaute Sherlock verständnislos an.

„Fandest du etwa die Matheprüfung nicht so furchtbar wie wir?“, fragte er.
„Ernsthaft? Ihr zieht alle so ein Gesicht wegen der Prüfung? Man könnte meinen, es sei jemand gestorben.“, schnaubte Sherlock und schüttelte amüsiert den Kopf.

„Meine Karrierepläne sind gerade gestorben.“, murmelte Mike.

Sherlock zog die Augenbrauen nach oben. „Warum das?“
Mike hob den Kopf und schaute ihn verzweifelt an. „Weil ich einen NC zu erfüllen habe, um beim Medizinstudium angenommen zu werden. Und ich habe noch nicht meine Zusage, wie John. Gott, am Ende muss ich Hausmeister werden oder so.“, sagte Mike und ließ den Kopf wieder in seine Hände sinken. Die anderen am Tisch sahen aus, als hätten sie das alles schon mehrfach gehört.

Sherlock schaute John und Greg an.
„Fandet ihr die Prüfung auch so schwer wie Mike?“, fragte er.

„Definitiv. Obwohl Mike sich hier wahrscheinlich wegen einer 2 in die Hose macht und ich fürchten muss, dass ich durchgefallen bin.“, murrte Greg.

John zuckte mit den Schultern. „Ich fand die Prüfung auch schwer. Aber wie Mike schon gesagt hat, ich habe meine Zusage, die Prüfung ist erstmal egal, solange ich bestehe. Du fandest sie wahrscheinlich ziemlich einfach, oder? Du bist schon nach zwei Stunden gegangen.“, stellte John fest.

Sherlock begann in seinem Essen herumzustochern. „Ich fand die Prüfung einfach.“, sagte er leise. John schaute ihn grinsend an. Sherlock wusste nicht so recht, wie er darauf reagieren sollte. Er zog eine Augenbraue nach oben und schaute John fragend an. Dieser schüttelte nur den Kopf und machte sich leise lächelnd über sein Essen her.

*

Später in der Woche brachen die Wolken endlich auf und die Sonne kam heraus. Für Mai wurde es richtig schön. Die Jungen der Schule holten die kurzen Hosen und T-Shirts aus der Versenkung hervor und die Mädchen die Tops, Kleider und Röcke. Alle waren bester Stimmung, was auch an John und Sherlock nicht vorbeiging.

Sie waren gerade mit ihren Büchern für die letzte Prüfung auf dem Weg nach draußen in den Hof, um ein bisschen zu lernen.
„Kaum zu fassen, dass letzte Woche manchmal nur 10 Grad waren.“, überlegte John laut.

„Hm.“, machte Sherlock nur und blieb stehen, als er sah, dass jedes Stück Gras, jede Bank und jeder Tisch mit Schülern übersäht war. Alle wollten so viel Sonne aufschnappen wie möglich.

Auch John stoppte und seufzte. „Ist jetzt nicht der Ernst.“, murmelte er. „Ich habe keine Lust in die Bibliothek zu gehen. Ich will auch in die Sonne.“, beschwerte sich John.

„Ich weiß, wo wir hingehen könnten, wo uns niemand stört und wir trotzdem draußen sind.“, bot Sherlock an. Er hatte noch nie jemanden mit zum See genommen, doch bei John störte ihn es nicht, wenn er mitkam.

„Dann los. Worauf warten wir?“, fragte John.
„Aber wir müssten mit dem Fahrrad fahren. Zum Laufen ist es etwas weit.“, gab Sherlock zu bedenken.

„Aber ich habe kein Fahrrad.“, sagte John und runzelte die Stirn.
Sherlock verdrehte die Augen. „Ich weiß. Aber meins hat einen Gepäckträger. Da kann einer von uns beiden drauf. Das geht schon, vertrau mir.“

Sie gingen noch einmal zu ihren Zimmern und packten ihre Sachen in einen Rucksack. Sherlock steckte auch noch eine Decke, eine Flasche Wasser und eine Packung Schokolade ein. Sie trafen sich fünf Minuten später wieder bei Sherlocks Fahrrad.

„Ich weiß echt nicht, ob das so eine gute Idee ist.“, gab John zu bedenken.
„Wenn du nicht willst, dann kann ich mich auch auf den Gepäckträger setzen.“, bot Sherlock an. Er fischte die Decke aus seinem Rucksack und faltete sie noch einmal in der Mitte und legte das Päckchen auf den Gepäckträger, damit es etwas gemütlicher wurde.

John schnaubte auf, riss Sherlock den Rucksack aus der Hand, schulterte ihn und drehte sich zum Fahrrad um. „Ich schaff das schon. Also? Kommst du?“, fragte er.

Sherlock verdrehte noch einmal die Augen, schwang aber ein Bein über sein Rad und schaute dann John erwartungsvoll über seine Schulter an. Dieser atmete tief durch und rutschte dann hinter Sherlock auf den Gepäckträger.
„Alles okay?“, fragte Sherlock.

„Klar, fahr los.“, sagte John, doch Sherlock konnte die Nervosität in seiner Stimme hören.

„Halt dich am besten irgendwo fest.“, riet Sherlock.
Einen Moment später spürte er Johns warme Hände an seiner Hüfte. Sherlock atmete durch und stieß sich ab. Die ersten Meter wackelte alles noch bedrohlich doch nach ein paar Tritten waren sie schnell genug, um relativ sicher vorranzukommen.

„Du hast das noch nie gemacht, oder?“, fragte Sherlock über seine Schulter.
„Nein, bisher hatte ich immer mein eigenes Fahrrad. Warum sollte ich da freiwillig auf dem Gepäckträger von jemand anderem mitfahren?“ Sherlock kicherte leise auf.

Den Rest der Fahrt sagte keiner von beiden etwas. Erst, als sie schon fast da waren, räusperte sich John leise.
„Wie weit ist es noch?“, fragte er mit angespannter Stimme.

„Vielleicht zwei Minuten.“, sagte Sherlock über seine Schulter.

Am Wegesrand hielt Sherlock an und sie stiegen beide ab. Sherlock lehnte sein Fahrrad an einen Baum, der vom Weg nicht direkt zu sehen war.
„Gott, mein Po wird nie wieder sein, wie er vorher war.“, beschwerte sich John. Sherlock ließ seinen Blick an John hinabgleiten und grinste ihn an.

„Also wenn du mich fragst, sieht er immer noch ganz okay aus.“, sagte Sherlock. John schubste ihn leicht gegen die Schulter und verdrehte die Augen.

„Also? Wo ist nun dein geheimer Ort?“, fragte John mit genervter Stimme, lächelte Sherlock aber breit an. Seine Augen funkelten und Sherlock hätte ihn in diesem Moment am liebsten geküsst. Ihre Blicke trafen sich und Sherlock hatte das Gefühl die Luft zwischen ihnen sei elektrisch geladen.

John wandte seinen Blick als erster ab. Sherlock räusperte sich und atmete einmal tief durch.
„Komm. Hier geht es lang.“, sagte er und ging noch ein paar Meter auf dem Weg entlang, bis er nach links auf einen kaum sichtbaren Pfad ins Gebüsch abbog. John folgte ihm ein paar Meter weiter durch Büsche und an Bäumen vorbei, bis sie auf einmal am Rande des Sees standen.

„Wow.“, sagte John leise. „Warum weiß ich nicht, dass dieser See existiert?“
„Weil die meisten aus der Schule keine Fahrräder haben und kaum jemand läuft eine Stunde lang bis zu einem See, wenn es ein Schwimmbad nur zehn Minuten von der Schule entfernt gibt.“, erklärte Sherlock.

„Aber es ist so wunderschön.“, sagte John.

Sherlock kicherte und zog John weiter. Der Pfad führte am Rande des Sees entlang, bis man auf eine kleine Landzunge kam, die ein wenig in den See hineinreichte. Auf ihr stand eine große Weide, in deren Halbschatten Sherlock die Decke ausbreitete.
„Was sagst du?“, fragte er. John ließ sich neben ihn auf die Decke fallen und schaute auf das klare Wasser hinaus.

„Dass ich ziemlich wütend bin, dass du mir das hier erst jetzt zeigst.“, neckte John und stupste Sherlock mit seiner Schulter an. Sherlock lehnte sich ein wenig der Berührung entgegen und keiner von beiden bewegte sich wieder weg. Sie lehnten sich vorsichtig gegeneinander.

„Glaub mir, im Winter ist es hier nicht im Ansatz so schön, wie jetzt.“, sagte Sherlock leise.
„Danke, dass du mich mit hergenommen hast.“, murmelte John.

Sie schwiegen eine Weile und starrten auf den See. Sie hingen ihren Gedanken nach, bis John irgendwann aufseufzte und im Rucksack nach den Büchern kramte, die sie mitgenommen hatten.
„Wir sollten wahrscheinlich langsam mal anfangen zu lernen.“, sagte John.

„Ja, wahrscheinlich. Wenn ich dich abfragen soll, sag einfach Bescheid.“, bot Sherlock an.
Er und auch John wussten beide, dass Sherlock nicht viel lernen musste und nur für John so tat, als würde er lernen.
„Mach ich.“, sagte John und drehte sich auf den Bauch herum und schlug das Buch auf.

Sie schwiegen eine ziemlich lange Weile, während John lernte und Sherlock größtenteils auf das Wasser starrte. Irgendwann drehte dich John auf den Rücken, verschränkte die Arme hinter seinem Kopf und starrte nach oben an den Himmel. Er sah aus, als wöllte er etwas sagen, doch er schwieg beharrlich weiter, während er mit den Augen ein paar Wolken verfolgte. Sherlock ließ ihn und wartete ab, bis er so weit war.

John drehte den Kopf in Sherlocks Richtung.
„Kann ich dich was fragen?“

„Klar. Alles, was du willst.“, sagte Sherlock leise.
„Als wir uns entschieden haben zusammen nach London zu ziehen, da wusste ich ja noch nicht, dass du ein Omega bist.“ John stockte und Sherlocks Herz zog sich unangenehm zusammen. Hatte sich John wirklich umentschieden und wollte nicht mehr mit ihm zusammenziehen, nur weil er ein Omega war?

„Und ich habe mich gefragt, du weißt schon, ob du das jetzt noch willst.“, schloss John. Sherlocks Herz entkrampfte sich langsam wieder.
„Warum sollte ich das nicht mehr wollen? Für mich hat sich doch nichts geändert. Ich war vorher auch schon ein Omega mit Hitzephasen. Ich hätte es dir sowieso sagen müssen, bevor wir zusammenziehen. In einer Wohnung hätte ich das nie vor dir verstecken können.“, sagte Sherlock.

John lächelte ihn sanft an. „Gut, ich wollte trotzdem nachfragen, falls du deine Meinung geändert hast.“, erklärte John.
„Hab ich nicht.“, sagte Sherlock und schaute John in die Augen. „Hast du?“, fragte er John.

Auf Johns Gesicht breitete sich ein Lächeln aus und er schaute Sherlock mit sanften Augen an. „Nein.“

*

Sie blieben ein paar Stunden am See. Sie versuchten sich auf das Lernen zu konzentrieren und Sherlock fragte John sogar ein paar Mal ab. Doch die meiste Zeit lagen sie in der Sonne, unterhielten sich und dösten.

„Wir müssen unbedingt wieder herkommen, wenn wir mit den blöden Prüfungen fertig sind.“, sagte John als sie gerade ihre Sachen zusammenpackten.

„Das sollte einzurichten sein. Immerhin haben wir anderthalb Monate nach den Prüfungen nichts zu tun, müssen aber in der Schule bleiben. Da können wir meinetwegen jeden Tag herkommen.“

Sie machten sich wieder zurück auf den Weg zu Sherlocks Fahrrad. John sah zwar nicht begeistert aus, wieder auf den Gepäckträger zu müssen, beschwerte sich aber nicht. Schweigend fuhren sie zurück zur Schule.


-tbc-
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