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Leben

von DocKnod
KurzgeschichteAllgemein / P6 / Gen
10.03.2021
08.04.2021
6
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10.03.2021 364
 
Ich bin ein beeinflussbarer Mensch. Weich, ohne eine eigene Meinung, und wenn eine vorhanden ist ohne die nötige Muße, diese zu vertreten. Ich möchte nicht herausstechen, ich habe das Bedürfnis nach Harmonie, Sicherheit, Liebe, aber von allem nicht zu viel und nur ohne eigenes Zutun. Ist das schlimm? Man soll mir nicht zu nah kommen, denn irgendwann wird jede Beziehung anstrengend.
Natürlich gibt es die eine große Ausnahme, die Person mit der nichts zu viel ist, mit der alles schön ist und mit der man immer zusammen sein kann ohne Bedingung. Diese habe ich gefunden, und liebe sie mit jedem Tag mehr, weil es keine Erwartungen gibt, keine Fehler, nichts Falsches. Jeder andere darf sich gerne in einem weiten Radius um mich herum aufhalten, nah genug, um sich nicht einsam zu fühlen, weit genug weg, um keine Verpflichtung eingehen zu müssen.
Und doch bin ich gefangen worden. Ganz ohne mein Zutun, langsam, unbemerkt und mit faszinierender Präzision webte sie ihr Netz. Pflanzte eine neue Idee ein, die Idee einer Freundschaft, die mehr sein könnte, als das schöne, wunderbare Nebeneinanderher und manchmal miteinander leben. Bis ich wusste, worin ich mich befand, war es zu spät. Und nun trage ich die Verantwortung. Die Verantwortung für jemanden, der sich so an mich gebunden hat wie niemand zuvor. Die Verantwortung für eine Person, die mich zwingt, mein Leben zu ändern, obwohl ich das nicht will.
Ihre Methoden sind simpel. Sie gibt mir pure, bedingungslose Freundschaft in einem Ausmaß, wie ich es nie zuvor erlebt habe. Sie nutzt mein Bedürfnis nach Harmonie, meine Weichheit und Beinflussbarkeit und ich verbiege mich. Versuche den Spagat zu halten zwischen dem was ich will und dem was ich wollen soll. Verschwinde langsam in den Erwartungen, ich verschmelze, verschwinde, winde mich und will gehen. Aber ich kann nicht. Die Verantwortung ist zu groß, und so vergehe ich an dem Versuch, alles richtig zu machen. Ich kann sie nicht enttäuschen. Ich brauche Sie, und das verwehrt es mir, mein Leben so zu führen wie ich es will. Mich einzufügen in die Welt, unsichtbar zu sein. Ich wünsche mir nichts mehr als eine Lösung, eine Erlösung von dem Zwang der Freundschaft. Ich verschwinde im Schatten.
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