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Drachenaugen - Der Hinterhalt (Band 4)

GeschichteRomance, Fantasy / P16 / Het
10.03.2021
06.05.2021
20
30.027
7
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Dieses Kapitel
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10.03.2021 1.592
 
Kapitel 1

Die Reise durch Freyrs Königreich hatte einiges in Fenrir hinterlassen. Die ganzen Eindrücke, neue Leute und ein Teil ihrer Vergangenheit veränderten die junge Haremsdame.

Die Angestellten, die mitgekommen waren, bekamen ein paar Tage Ruhe, damit sie sich erholen konnten. Genauso wie die Pferde, die wiehernd ihre Kameraden begrüßt hatten.

Auch König Freyr und Fenrir erholten sich ein paar Tage, bis der Alltag sie wieder einholte. Die junge Haremsdame schlief wieder im Haremsbereich und unterhielt sich ab und an mit Lady Sinon, die noch immer eine Art Mentorin für sie war. Zumindest dann, wenn Fenrir nicht mit dem König unterwegs war.

Irgendwie hatte der Alltag, der bei Fenrir aus Üben, durch den Garten streifen und reiten etwas Beruhigendes an sich. Nach all den Gefahren, die sie auf der Reise mit Freyr durchgestanden hatte, war es ein befreiendes Gefühl, sich wieder im Schloss zu befinden.

Hier fühlte sie sich sicher und beschützt.

Es klopfte an ihrer Zimmertür und Suno huschte hinein. "Guten Morgen Lady Fenrir", sagte sie höflich und hatte ein Kleid dabei. "König Freyr erwartet Euch."

Überrascht, bereits so früh am Morgen von ihm erwünscht zu sein, hob sie ihren Kopf. Sie war gerade dabei gewesen, ein Bild zu malen. Nachdem Aljah ihr das Malen nicht hatte beibringen wollen, hatte Fenrir angefangen, es selbst zu versuchen. Ihre Versuche waren sehr kläglich und sahen meist nicht so aus, wie sie es sich vorstellte. Aber es war ein netter Zeitvertreib, wenn Lady Sinon etwas zu tun hatte.

Die junge Haremsdame legte den Stift zur Seite und stand auf. "In Ordnung. Hilfst du mir?", bat sie ihr Dienstmädchen lächelnd.

Suno lächelte und hielt ihr das Kleid hin. "Natürlich", sagte sie, denn dafür war sie da.

Beeindruckt, wie hübsch das Kleid war, zog sich Fenrir aus und ließ sich helfen. Die Grundfarbe des Kleids war überwiegend weiß, doch die rechte Seite war Dunkelblau. Ihre Arme wurden bedeckt und es hatte einen schön geschwungenen Ausschnitt, der einiges von ihrem Dekolleté preisgab, denn der Schnitt war sehr tief angesetzt worden.

Ihr gefiel das elegant geschnittene Kleid mit dem weiten Rock und sie drehte sich einmal im Kreis, bevor sie sich im Spiegel ansah. "Das ist sehr hübsch", sagte sie begeistert und lachte.

Suno musterte sie und nickte schließlich. "Das ist gut so", bemerkte sie mehr zu sich selbst als zu Fenrir und bat sie schließlich, ihr zu folgen.

Diese war schon gespannt, was er vorhatte. Ausreiten? Oder eine Weile im Garten verbringen, um sich von der stressigen Arbeit zu erholen?

Elegant folgte Fenrir ihrem Dienstmädchen und sah nach draußen in den Blumengarten. Es war kälter geworden, doch noch gab es keinen Schnee, weshalb die Blumen noch sichtbar waren. Vielleicht waren diese sogar magisch, dass sie im Winter blühten.

Suno führte Fenrir in die Privatgemächer des Königs und sie traf auf Freyr, als dieser gerade fertig mit anziehen war.

„Guten Morgen Eure Hoheit. Ich hoffe, Ihr hattet eine angenehme Nachtruhe", grüßte Fenrir mit funkelnden Augen. So viel sie wusste, war er in der Nacht nicht geflogen und konnte sich so theoretisch ausruhen. Außer, er hatte Zeit mit seinen anderen Haremsdamen verbracht.

Da er sich gerade erst angezogen hatte, ging sie davon aus, dass er noch nicht gearbeitet hatte.

"Ja, das hatte ich", sagte er mit einem Lächeln. "Ich möchte, dass du mich heute begleitest", erklärte Freyr.

"Wohin?", fragte sie sogleich neugierig und nickte Suno, die sich mit einem Knicks verabschiedete, zu.

"Du wirst mich heute bei meiner offiziellen Arbeit begleiten", erklärte Freyr genauer.

Fenrirs dunkelgrüne Augen weiteten sich. Meinte er das tatsächlich ernst? Bisher hatte er wenn überhaupt Lady Sinon darum gebeten. Seine Lieblingsharemsdame, die wohl auch mehr Geheimnisse als andere wusste.

"Wie Ihr wünscht, Eure Majestät", sagte Fenrir mit einem Knicks, wobei sie das Kleid ein bisschen zur Seite zog. In ihrer Stimme war freudige Erwartung zu hören.

Freyr reichte ihr den Arm. "Verhalt dich erst einmal ruhig und bleib an meiner Seite."

Die junge Dame nickte, nahm seinen Arm an und folgte ihm die Schlossflure entlang. Auf dem Weg bedankte sie sich bei ihm für das schöne Kleid. "Es fühlt sich sehr angenehm an", gestand sie lächelnd und ihr Grinsen wurde breiter, als sie eine Fee um die Ecke huschen sah.

"Es ist für den Anlass angemessen", behauptete er mit einem sanften Lächeln.

Neugierig wollte Fenrir wissen, um was es bei seiner Arbeit ging. Und warum ausgerechnet sie dabei sein sollte.

"Ich möchte, dass du lernst, was ich tue", erklärte er. "Heute gebe ich Audienzen", informierte er sie.

Stirnrunzelnd warf sie dem König einen Blick zu. "Was ist das?", fragte sie interessiert. Das Wort kannte sie nicht, weshalb sie keine Ahnung hatte, um was es dabei ging.

"Im Grunde sitze ich auf meinem Thron, empfange Leute und höre mir ihre Probleme an", erklärte er nüchtern. "Dann versuche ich zu helfen."

Fenrirs dunkelgrüne Augen strahlten. Darauf war sie sehr gespannt. Wie er mit seinen Untertanen umging, wusste sie mittlerweile. Das hatte sie auf der Reise festgestellt. "Kommen die Leute aus allen Teilen Eures Königreiches?", fragte sie interessiert.

"Ja. Es sind auch alle Schichten darunter. Sie kommen, wenn sie ihre Probleme nicht während der Reise an mich herantragen konnten. Manchmal schicken sie auch einen Vertreter", erklärte er, während er Fenrir durch die Flure führte.

In diesem Bereich war sie bisher noch nicht gewesen, weshalb sie vermutete, dass es ein spezieller Teil des Schlosses war. Obwohl sie hier bereits einige Zeit lebte, hatte sie noch immer nicht das ganze Schloss inspiziert. Einige Teile waren sicherlich auch verboten.

Freyr führte die junge Frau in eine große Halle, wo bereits einige Dienstleute warteten. In der Mitte stand ein großer Thron mit einem kleineren daneben.

Der Thron, auf dem wohl Freyr Platz nehmen würde, war mit zwei Drachen verziert, die sich um die Armlehnen nach oben schlängelten und dort zusammen trafen. Wie elegant und prachtvoll der Thron aus Gold aussah! Es trieb Fenrir Tränen in die Augen, denn Drachen waren einfach wunderschön.

Eigentlich wirkte der Saal eher kalt, weil nicht viel darin stand. Doch der rote Teppich, der von der Tür zum Thron führte, gab ein warmes Gefühl. Ganz zu schweigen von den ganzen Drachenstatuen, die alle einzigartig aussahen.

Außerdem gab es noch ein paar Sofas und Stühle an den Seiten, wo man wohl warten konnte.

Freyr führte Fenrir zu dem kleineren Thron und meinte, dass sie sich dort setzen sollte.

Sie wollte schon fragen, warum seine Frau nicht hier war, denn sie war sicherlich mit diesen Dingen vertraut und hatte bestimmt schon oft geholfen.

Doch anstatt etwas zu sagen, ließ sich die Haremsdame auf dem Thron, der mit einem weichen Kissen ausgelegt war, nieder.

Er war sehr bequem und sie fühlte sich nicht so schlecht, wie sie gedacht hatte.

Freyr setzte sich neben sie und saß etwas höher.

Fenrir ließ ihren Blick durch den Saal, der noch leer war, schweifen und fragte den König, ob es keinen gab, der mitschrieb und die Dinge, die besprochen wurden, schriftlich festhielt. Davon ging sie zumindest aus, damit alles seine Ordnung hatte.

Freyr deutete zur Seite, wo eine der Haremsdamen saß. Fenrir kannte sie nicht, hatte sie aber schon einmal gesehen.

Die meisten kannte sie nicht mehr vom Namen her. Zwar hatte Freyr ihr diese bei dem Haremsball vorgestellt, doch so viele Namen waren ihr nicht im Gedächtnis geblieben. Nur einige, mit denen sie öfters zu tun hatte.

Beruhigt, dass Freyr jemanden hatte, der mitschrieb, lächelte sie der Haremsdame zu.

Diese erwiderte das Lächeln, auch wenn es aufgesetzt wirkte. Unsicher.

Es schien, als wäre es nicht normal, dass Fenrir hier war.

Was wohl auch so war, denn sie war noch zu neu im Harem, als dass sie so eine Ehre bekam. Viele waren schon lange dabei und hatten nicht ein einziges Mal dabei sein dürfen.

Was wohl daran lag, dass Freyr den Leuten vertrauen musste.

Solange sie noch allein waren, sah sich die junge Haremsdame um und lächelte freundlich. Selbst, als der Erste angekündigt wurde, verlor sie nicht ihr Lächeln, sondern setzte sich noch aufrechter hin und legte sittsam ihre Hände in den Schoß.

Sie bemerkte, dass sie ihre Hand auf die Armlehne legen und somit Freyrs Hand spüren konnte, wenn sie das wollte.

Jedoch war sie sich unsicher, ob es angebracht war oder nicht. Er hatte ihr nichts von etwaigen Regeln gesagt.

Sie sollte ruhig bleiben und neben ihm sitzen.

Das hatte er gesagt und das würde sie tun.

Das große Tor öffnete sich und einer der Diener kündigte einen Fürsten an. Dieser stolzierte in den Raum, verbeugte sich vor König Freyr, bevor er sein Anliegen vortrug.

Es handelte sich um Probleme auf einer seiner Farmen. Freyr hörte zu und versprach, sich darum zu kümmern.

Das ging eine ganze Weile so, bis Freyr schließlich entschied eine Pause zu machen. Eine Dienerin brachte ihm und Fenrir ein Glas Wein.

Nachdenklich betrachtete die junge Frau die rote Flüssigkeit, bevor sie ihr Glas hob und Freyr zuprostete. "Auf nüchternem Magen?", fragte sie grinsend, denn sie hatte seit den frühen Morgenstunden nichts mehr gegessen. Die Audienz hatte sie aber mit Spannung verfolgt und spürte daher auch kein Hungergefühl. Es war sehr interessant, wie offen die Leute mit Freyr über die Probleme reden konnten und sie fand, dass er sehr gute Arbeit leistete, um die Menschen zu unterstützen.

"Es gibt gleich eine Kleinigkeit", versprach Freyr, der ihr ein müdes Lächeln schenkte.
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