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Maze Runner - Die Auserwählten im Königsspiel

von eiswolf23
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Div
Brenda Gally Minho OC (Own Character) Thomas
09.03.2021
09.03.2021
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Roland




Salzkörner prasselten gegen die grünen Augengläser seiner Schutzbrille, andernfalls würde ihm die schwere von Kalk vollgestopfte Küstenluft glatt die Augen zerschleißen. Der Ring seiner Atemmaske hatte sich vom Mund gelöst als er die steile Anhöhe hochgeklettert war, er atmete nur ein paar wenige Züge der giftigen Luft nachdem anstrengenden Aufstieg ein und schon füllten sich seine Lungen mit Schwefel. Ein bleierner Geschmack legte sich in seinem Mund breit. Er zog die Bandagen enger und überprüfte die Amatur an seinem linken Handgelenk, er hatte noch für Fünfundvierzig Minuten Sauerstoff, dann musste er dieses trostlose Brachland so schnell wie möglich wieder verlassen sonst würden die vielen schädlichen Giftstoffe in der Luft seine Lungenflügel verätzen. Seine klobige Schutzausrüstung bestand aus einem Ektoskelettartigem Panzer den Roland unter einem zerschlissenen grauen Poncho und mit weißen Salzflecken bedeckten Hosen verbarg. Seine mit Eisenpajetten besetzten Stiefel reichten ihm fast bis zum Knie. Roland hatte sie mit Bändern festgeszurt dennoch spürte er eine dünne Schicht Kies unter seiner Sohle wenn er auftrat. Von dieser Dolchartigen Anhöhe hatte er einen ungetrübten Rundumblick auf das zerklüftete Brachland unter ihnen. Das Terra hier war ganz mit pechschwarzem Obsidian überzogen, nur durchzogen von silbernen Venen die sich einem Spinnennetz gleich in immer größer werdenden Umfang in alle Richtung hin ausbreiteten. Und zum Zentrum hatten sie ein gewaltiges Bauwerk geschmiedet aus dunklem Metall und Beton, gedeckt mit blutroten Pipelines die tief in die verbrannte Erde reichten. Die Sonne hatte vor vielen Jahren die ganze Welt verbrannt, nur noch da wo es genug Energie gab um mit riesigen Filteranlagen ein künstliches Klima zu erschaffen waren noch einzelne grüne Flecken vorhanden. Aber diesem Land hier an der Westküste war etwas anderes, etwas noch viel schlimmeres als die Macht der Sonne geschehen. Hier war WCKD geschehen “Ich weiß nicht wie es dir geht, aber für mich sieht es aus der Nähe sogar noch viel größer aus.“ Meinte Susi Pike, seine Rechte Hand und Erste Offizierin als sie neben ihm durch das Fernglas spähte.

Vor Jahren hatten schreckliche Solarstürme die Oberfläche ihrer Welt verbrannt und die meisten der natürlichen Süßwasserquellen verdampfen lassen, die wenigen unterirdischen Reservoirs waren selten und hart umkämpft. WCKD hatte daher überall an den Küsten fast achtzehn Hydrofabriken errichtet. Riesige mechanische Konstrukte, Wunderwerke der Technik die tödliches Meerwasser vom Salz befreiten und in sauberes Trinkwasser verwandelten und dann über kilometerlange Rohre in ihre Städte, Zitadellen und Labyrinthe leiteten. Diese Anlagen bildeten das eiserne Rückgrat ihrer Vormachtstellung auf dem gesamten Kontinent, ohne Wasser gab es kein Leben, wer es kontrollierte der kontrollierte auch automatisch alles andere. So verhasst und gefürchtet das Welt Chaos- und Katastrophendepartment auch war, wagten nur die wenigsten, die aller stärksten wie etwa der Rechte Arm oder die Walker-Koalition eine weitreichende Organisation von verschiedenen Widerstandsgruppen und mächtigen Warlords, sie offen herauszufordern. WCKD machte vielen Stämmen und Gruppen eine Art faustischen Pakt: Sie tauschten ihre Kinder für ihre Genexperimente ein gegen Wasser, Nahrung, Medizin oder Treibstoff. Ein scheinbar faires Angebot, man tauschte hungrige Mäuler gegen Essen ein und die Chance auf ein baldiges Heilmittel gegen den Brand wie es die WCKD-Propaganda immer versprach, aber in Wahrheit gewannen dadurch allein sie. Das Department hielt die Population kontrolliert geringer und sammelte fast täglich Zehntausende Blutspender ein ohne auf ihre eigene Bevölkerung zurückgreifen zu müssen. Ob sie dabei auch tatsächlich ein Heilmittel fanden war nur noch eine guteinstudierte Parole, ohne jede Bedeutung oder Glaubwürdigkeit. Doch die Nachfrage an Freiwilligen lässt niemals, lautete ein Sprichwort der Brandwüste die sie jetzt ihr Zuhause nannten, und sie wird auch immer schnell beantwortet “Das ist nur Schein, sie wird kleiner aus sehen wenn wir sie erst einmal von einem der Aussichtstürme bewundern können.“ Erwiderte Roland vorgespielt siegessicher und steckte sein Fernglas wieder in seine Tasche zurück. Er hatte die Bilder gemacht die er brauchte und den eigenen Eindruck gewonnen den er wollte. Sie traten vorsichtig den Rückzug an. Sisi ging als erstes da Roland instinktiv die Nachhut für den sicheren Abzug seiner Leute abdeckte, dabei spähte er ein letztes Mal über die Schulter zur Hydrofabrik herüber.

An den schroffen Felsküsten, deren Klippen scharf wie gewaltige versteinerte Dornen mit den Spitzen in Richtung des Inlandes ragten, so dass sie selbst wie erstarrte Wellen aussahen, ragte ein gewaltiger Industriekomplex auf. Mehrere Schachtelartige Komplexe, aneinander geschweißt wie Metallsärge und verbunden durch vergitterte Brücken du Schächte. Gewaltige Rohre reichten tief ins Meer, pumpten das Wasser hoch und erzeugten dank der Gezeiten auch noch nebenbei Strom. Hunderte hohe Schlotte stachen wie Lanzen hoch in den aschgrauen Himmel und stießen gewaltige Rauchschwaden hinaus welche die Luft zusätzlich vergifteten und ein feindliches Eindringen von außen her schier als unmöglich gestallte. Nur eine einzige Straße führte zur Anlage durch die schwarzen Lavafelder. Darin vergraben waren zylinderförmige Landminen die, wenn man sie auslöste, Schwärme von mutierten Bestien freiließen. Der scharfe Meereswind trieb wandernde Salzdünnen tiefer ins Landesinnere, weg von der windumspielten Küste. Die Wellen brachen an den scharfkantigen Klippen, weiße Gischt berstete daran wie Glas. In weiter Ferne ragten hinter der Hydrofabrik im Norden die riesigen Gipfel brodelnder Vulkane auf die an der Küste wieder, von der Sonne befeuert, zum Leben erwacht waren und nun unablässig weitere Aschewolken emporstießen und den Himmel verdunkelten. Ruß schneite von oben her auf sie herab und bedeckte schon bald seine Schultern und den von einer Kapuze verdeckten Kopf. Ruhig sprudelte Lava aus ihren Gipfeln heraus und floss in dünnen Rinnsalen an ihren Hängen herab ins Meer wo sie zischend verdampften und erhärteten. Roland konnte regelrecht sehen wie WCKD diesem Land das Leben aussaugte wie ein mörderisches Insekt. Ein krankes, unnatürliches Geschwür das man herausschneiden musste. Und Ich werde es herausschneiden. Das hatten Krebs und Ungeziefer miteinander gemeinsam, wenn man nicht wirklich auch den allerletzten Rest sorgsam aus der hintersten Spalte kratzte und entfernte vermehrten sich diese kleinen Sporen immer wieder aufs Neue. Sie streuten und eroberten ihr altes Königreich zurück. Der Fall der Letzten Stadt, wie WICKED´s Kopf genannt wurde, verbreitete sich wie ein Lauffeuer im ganzen Land.

So übertrieben und wundersam waren die Erzählungen das sie gar nicht wahr sein konnten. Das Zentrum von WCKD´s Macht von ein paar Horden Rebellen gestürmt und erobert? Ihre Führer tot und ihre Soldaten Legionenweise abgeschlachtet? Hunderte Kinder befreit und wieder ihren Familien zurückgegeben? Nein das konnte einfach nicht wahr sein. Roland schüttelte mit bissiger Miene den Kopf. Seine Kinder waren von WCKD geholt worden, ausgelost bei einer fairen Lotterie um das Überleben des Clans für eine weitere Saison zu sichern. Aber als der Zustrom von Gerüchten und Erzählungen nicht nachließ sondern sogar immer unglaublichere Ausmaße annahm wagte sogar Roland seine bisherigen Zweifel allmählich nochmal zu überdenken. Teilweise zumindest “Und was jetzt Boss?“ Auf den letzten Metern des steilen Abhangs rutschte er ab und schlitterte ungebremst die staubige Kiesschanze herab. Er stand wieder auf und klopfte sich den Staub wieder ab und ging zu seinem schwer beladenen Konvoi zurück. Susi wartete dort mit dem Rest seiner Leibwache auf ihn “Einheit drei soll nochmal die Nordschanze überprüfen und Fünf die im Osten. Ich will saubere Scanns von dem ganzen Terra.“ Befahl er seinen Offizieren durch die klobige Atemmaske hindurch und setzte sich in das Führerhaus seines Leitwagens hinein. Sie verschlossen die luftdichten Türen und öffneten die Sauerstoffzufuhr der Tanks im hinteren Bereich des Wagens so das sie ihre Masken abnehmen konnten. Roland trimmte sich die Barthaare stets kurz damit die Maske nicht so leicht verrutschte aber irgendwie konnte er sich nie ganz von dem Ding trennen. Man sagte Roland damit sähe er aus wie sein Vater und das war es ihm alle Mal wert “Das Ding ist riesig und wird schwer bewacht. Es anzustarren ändert daran nicht viel.“ Warnte ihn Susi und führte den Konvoi zurück in Richtung Osten, zurück nach Hause, tiefer in die Dünenmeere der Brandwüste zurück.

“Letzten Monat hat der Sicherheitsdienst zwei Einheiten abgezogen, in dem davor sogar drei. Wie viele glaubst du sind jetzt noch da, hä? Vierhundert Mann vielleicht? Fünfhundert?“ Schätze er ab was Susi mit einem unbeeindruckten Schulterzucken beantwortete.

“Auf jeden Fall noch genug, seit dem Fall der Letzten Stadt sind die WCKD-Außenposten im ganzen Land in Alarmbereitschaft versetzt worden. Truppen werden ständig hin und her verlegt.“ Meinte seine Erste Offizierin eindringlich.

“Ja, und zwar zu Stationen die als gefährdet eingestuft werden. Diese Hydrofabriken sind ein lebenswichtiger Zweig ihrer Macht aber sie verlassen sich allein auf ihre Mauern und Waffensysteme um sie zu verteidigen und glauben gar nicht, dass jemand es wagen wird sie anzugreifen.“ Meinte Roland.

“Ja natürlich es ist ja auch wahnsinnig es überhaupt zu versuchen. Hunderte Meilen zerklüftetes Ödland umgeben die Anlage, durchsetzt mit Minenfeldern und Selbstschussanlagen. Der Himmel wird mit Gleitern patrouilliert und die Küste von Sonar bewacht. Ich sehe keinen Weg wie wir unversehrt da reinkommen sollen.“ Erwiderte Susi.

“Ich auch nicht, aber das heißt nicht, dass es keinen gibt.“ Sagte Roland grimmig und starrte weiter mit nachdenklicher Miene durch die verdreckte Frontscheibe des Jeeps in das weite, endlose Wüstenland hinaus. Scharfer Wind pfiff heulend über die Dünenberge hinweg und schleifte die Mauern alter Ruinen die sie passierten. Ein Rudel Cranks wurde von dem Lärm des vorbeiziehenden Zuges aus dem Schatten der Gebäude her ausgeschreckt und hechtete ihnen eine Weile hinterher aber dann verloren sie den Anschluss hinter der nächsten Anhöhe du kehrten zu ihrem Nest zurück. Die Kranken waren neben WCKD, Plünderern und der gnadenlosen Sonneneinstrahlung die größte Plage welche die Brandwüste je heimgesucht hatte. Sie fuhren bis die Sonne sich dem fernen Horizont zuneigte und den sternenklaren Himmel mit einem dünnen Film Violett übermalte. Ein Schwarm sterbender Sterne fiel vom Himmel und zogen dabei einen langen, funkelnden Schweif hinter sich her. Ihr Basislager lag gut versteckt im Death Valley, einem leblosen Areal über das selbst die Geier nur widerwillig ihre Bahnen zogen. Ohne dass man es sah hießen ihre Kundschafter sie in der Heimst willkommen während sie alle anderen mit vergifteten Projektilen wieder anwiesen woanders hin zu gehen. Auf einer flachen, ungewöhnlich geordneten Ebene verborgen hinter hohen Bergen lag der Einlass zu ihrem Nest, einer tief im Untergrund, gut geschützt vor den Augen der Welt und dem Feuer der Sonne verborgenen, Festung aus der Alten Welt die sie an sich gerissen hatten. Einst war das wohl eine geheime Militärbasis oder etwas Ähnliches gewesen aber der Brand hatte die Armee sie aufgeben lassen müssen, bis seine Leute zufällig darüber gestolpert waren. Und nachdem sie den vielen Sand herausgekehrt und die Toten verbrannt hatten, wurde es zu einem recht ansehnlichen und behaglichem Heim. Nun dienten die verlassenen Silos als Versammlungshallen für ihre wichtigsten Ratssitzungen und Anhörungen an denen jeder der wollte teilnehmen durfte “Die Gräben im Norden wurden wieder mit Zement aufgefüllt und die Geschütztürme verstärkt! Da rüber schaffen können wir es aber wir werden viele Männer verlieren!“

Ein lautes Raunen wehte durch die Reihen seiner Leute. Vom Sockel bis hin zur verschütteten Öffnung des Silos erstreckten sich, auf über fünfzig Metern senkrecht in die Höhe in die Wände geschlagene Balkone und Aussichtsplattformen auf denen sich hunderte Männer, Frauen und Kinder zusammendrängten um jedem einzelnen Wort das die Soldaten von sich gaben zu hören.

“Dann nehmen wir diesen Weg eben nicht! Ihre Flotte ist weg! Wir können in kleinen Booten und im Schutz der Nacht uns vom Meer aus anschleichen!“ Schlug Dakota, eine seiner besten Kämpferinnen vor. Über drei Dutzend seiner Befehlshaber und Ratgeber versammelten sich in dem mit Trümmerbrocken gefüllten Grund des Silos und berieten über ihr geplantes Vorhaben bezüglich der Hydrofarm.

“Die See ist viel zu rau! Unsere Krieger würden ertrinken ehe wir auch nur in die Nähe von diesem Ding kommen!“ Meinte Mark, der weißhaarige Hüne war der Älteste in der Runde. Sein dünnes Haar hing ihm in dünnen Strähnen vom Kopf herab. Sein linkes Auge starrte tot in die Leere an ihm vorbei.

“Über Land haben wir erst Recht keine Chance! Die Griever-Fallen sind unüberwindbar!“ Hielt Jaromir dagegen.

“Wenn die Fabrik so stark befestigt ist warum versuchen wir dann überhaupt sie einzunehmen? Zerstören wir sie einfach!“ Meinte eine Stimme aus den oberen Rängen der einfachen Soldaten.

“Wir brauchen diese Hydro-Fabrik, unsere Wasservorräte gehen selbst schon seit Jahren zur Neige. Bald werden sie restlos erschöpft sein. Wir brachen diese Anlage, und zwar intakt!“ Schrie er gegen das Getöse der erhitzten Versammlung an.

“Zapfen wir ihre Pipelines an oder kappen sie!“

“Bitten wir Austin Kaines Leute um Hilfe!“

“Warten wir auf den nächsten Truppenabzug ab!“

“Versuchen wir es über die Seitenwege am Minenfeld vorbei!“

“Da kommen wir zu nahe an den Schwefelseen vorbei!“

Die Sitzung verwandelte sich in einen Brüllwettstreit wer die anderen mit dem Schall seiner Stimme übertreffen konnte. Es galt, wie schon so oft, an Roland Frieden zu stiften und die Versammlung wieder aufzulösen ehe Blut floss. Viele von ihnen waren bis vor nicht allzu langer Zeit noch erbitterten Rivalen um Wasser und Nahrung gewesen. Viele sehnten sich nach dieser Zeit zurück, weshalb auch die Gemeinschaftsquartiere nachts stets bewacht werden mussten “Hast du gesehen wer den Vorschlag gemacht hat, Austin Kaine um Hilfe zu bitten?“ Fragte er seine Rechte Hand während die anderen begannen sich in die oberen Etagen zurückzuziehen.

“Elja, von den Flammenwölfen.“ Das hatte er erwartet. Elja war früher der Erste Offizier seiner Fraktion gewesen ehe Roland das Kommando übernommen hatte.

“Behalte ihn im Auge.“ Befahl er ihr.

“Tu Ich doch schon.“ Gab Susi knapp zurück.

Roland hatte andere jedoch fast noch wichtigere Dinge zu tun. Am Ende eines langen Korridors, dessen meterdicken Betonwände von zugespachtelten Ritzen und grausigen Karikaturen bedeckt waren, lag ein großes, mit prächtigen Möbeln eingerichtetes Krankensimmer. Ein Mobiliar passend zu den Teppichen und Vorhängen an den Wänden. Mit Holzdielen verkleidete Böden und Lichterketten die kreuz und quer von der Decke herabhingen und den Raum in dimmriges Licht tauchten, doch all dieser geraubte Luxus und Komfort den Roland mühevoll über Jahre herangeschafft und hier unten gesammelt hatte lenkten nur kurz von dem kümmerlichen Zustand ihrer einzigen Bewohnerin ab. Ein schwaches Lächeln huschte über seine schmalen Lippen als er die Tür hinter sich schloss und die Muskeln etwas entspannte “Hallo Mutter.“ Viola Jones magerer Körper ruhte, wie eine zurechtgelegte Puppe mitten in den Bergen aus weichen, mit Daunenfedern gestopften Kissen und Samtdecken. Ihre Augen waren geschlossen, ihre Atmung ruhig. Ihre kurzen krausen Haare stachen ihr wild in alle Richtungen vom kleinen Kopf auf ihrem langen Hals her ab, graue Strähnchen zogen sich durch ihre Mähne hindurch. Ledrige Krähenfüße umrahmten ihre großen Augen. Sie schlief drehte aber den Kopf zu ihm hin als Roland auf sie zukam. Behutsam beugte er sich über ihren zierlichen Körper herüber und küsste sie auf die Stirn “Oh Roland, es ist wirklich schön das du immer noch Zeit findest dich mit deiner alten, kranken Mutter zu befassen.“ Krank war ein nettes Wort, allein die vielen Schläuche die von Violas Körper zu einigen Medizinischen Apparaturen führten die um ihr Bett herum standen, hielten sie am Leben. Der Krebs hatte ihre Venen am Rückgrat zerfressen sodass sie keinen Muskel mehr unterhalb des Halses mehr bewegen konnte. Sie musste gefüttert, gewaschen und gepflegt werden und das rund um die Uhr, allein weil sie Rolands Mutter war stellte sicher, dass das auch geschah. Roland schüttelte ihr das Kissen auf und reichte ihr den Strohhalm des Wasserglases damit sie trinken konnte “Spielen wir wieder eine Runde?“ Fragte er hoffnungsvoll. Seine Mutter hatte Roland beigebracht wie wichtig es war zuerst zu denken, dann zu sprechen und dann zu handeln, und zwar durch Schach. Das Spiel der Könige, wo allein die eigene Geistes- und Willenskraft über den Sieg entschied.

“Wirst du es nicht langsam leid ständig gegen eine alte Frau zu verlieren?“ Neckte sie ihr einziges Kind spöttisch während er sich daran machte die Figuren aufs Brett zu stellen.

“Ich lass dich schon seit mindestens drei Jahren Gewinnen weil Ich weiß wie viel es dir bedeutet.“ Gab er schnippisch zurück.

“Ach du hast die Augen deines Vaters Roland, sie Funkeln wenn du mich anlügst genauso wie bei ihm.“ Erwiderte Viola gelassen und begann die Partie, Roland stellte die Figuren für sie um, so wie er es schon seit vielen Jahren tat. Seine Mutter war die klügste Frau die er jemals gesehen hatte, Roland glaubte, wenn sie denn noch hätte laufen können würde sie längst die ganze Welt beherrschen. Sie hatte dieses ruhige Selbstvertrauen und dieses gerissene, konzentrierte Wesen das es fast unmöglich machte sie zu überraschen, Roland tappte noch immer allzu oft gerne in ihre geschickt ausgelegten Fallen hinein.    

“Du hast noch immer nur Augen für König und Dame. Dabei übersiehst du ständig den Springer der gut verborgen in der Ecke wartet ihnen durch einen Angriff auf den Rücken des Feindes zu Hilfe zu kommen.“ Meinte seine Mutter mit kratziger Stimme und deutete mit den Augen auf ihre Zangenartige Falle in die er soeben getappt war. Frustriert seufzte er leise. Seine Mutter schenkte ihm niemals einfach so die Antworten auf seine vielen Fragen, nein, das wäre zu einfach und auf Lange Sicht unverantwortlich. Stattdessen zog sie es viel lieber vor Roland dabei zu helfen die Antworten selbst herauszufinden.

“Werden die Hydro-Fabriken, Labyrinthe oder Städte angegriffen rücken sofort Unterstützungstruppen aus den stärkeren Festungen an und greifen unsere Nachhut an.“ Übersetzte er ihre Gedankenspiele.

“Ein Blitzangriff ist zum Scheitern verurteilt, selbst wenn du die Mauern überwinden kannst wirst du dabei so viele Männer verlieren das du deinen Sieg nicht lange genießen kannst.“ Sagte seine Mutter bedächtig. Ronald kratzte sich nachdenklich am Kinn und starrte angestrengt auf das Brett vor sich.

“Und eine Belagerung ist in der Brandwüste nicht durchführbar. Uns fehlen die Männer immer neues Wasser heranzuschaffen und die Griever oder Cranks abzuwehren.“ Sagte Roland.

“Dafür brauchst du Hilfe. Du brauchst mehr Männer. Schmiede Allianzen mit jedem der sich finden lässt. Bitte ihnen was auch immer sie wollen, völlig egal wie unrealistisch diese Versprechungen auch sind. Hol all unsere Feinde und Freunde an einen Tisch. Wenn ihr alle Hydro-Fabriken gleichzeitig angreift können sie unmöglich alle halten.“ Sagte Viola gerissen.

“Die Clans sind zerstritten. Nach dem Fall der Letzten Stadt ist auch noch die letzte Spur von Ordnung und Hierarchie in der Brandwüste verschwunden.“ So sehr Roland WCKD auch gehasst hatte und immer zu hassen würde so hatten sie es doch verstanden die Leute mit harter Hand zur Ordnung zu zwingen. Nach ihrem scheinbaren Untergang krochen jeden Tag zehn neue Warlords und kleine Banden aus ihren dunklen Löchern hervor und griffen jeden an der schwächer war als sie.

“Macht ist auch eine Form von Energie. Sie kann nicht verloren gehen, sie wechselt nur den Träger.“ Sagte seine Mutter “Was war WCKD´s größte Stärke?“

“Sie wurden gefürchtet.“ Sagte er sofort.

“Ja aber warum?“ Hakte sie noch nicht mit ihm zufrieden weiter nach.

“Wegen ihren Armeen und ihren Waffen und ihren Mauern.“ Zählte er der Reihe nach auf.

“Und wie haben sie all das bekommen? Bevor sie so groß und stark geworden waren, warum haben ihnen da so viele Menschen freiwillig alles gegeben was sie brauchten bis es zu spät war es von ihnen zurückzufordern? Was haben sie uns allen versprochen?“ Meinte Viola mit geweiteten Augen. Jetzt verstand er endlich.

“Ich hab aber kein Heilmittel.“ Nach dem Untergang der Letzten Stadt hatte das was vom Rechte Arm noch übrig war sich in den Schatten zurückgezogen und machte sich weiter daran die Labyrinthe zu finden und zu erobern. Die so verheißenen immunen Kinder waren mit ihnen verschwunden.

“Sieh dir deine Dame an. Bedrängt von Springen, Fluchtwege durch Bauern abgeschnitten und der Turm unerreichbar. Wer kann dir jetzt noch rechtzeitig zur Hilfe eilen?“ Fragte sie und tippte mit ihren großen klugen braunen Augen auf die gemeinte Figur.

“Ich brauche einen Läufer.“
 
 
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