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Back to the Crown - Royals Alive

GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Camilla Duchess of Cornwall Catherine "Kate" Duchess of Cambridge Charles of Wales Königin Elisabeth II Prinz Henry "Harry" of Wales William Duke of Cambridge
09.03.2021
04.05.2021
8
20.600
11
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25 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
22.04.2021 3.031
 
Disclaimer
Meine lieben, zunächst mal vielen, vielen Dank für die fleißigen Leser meiner Fanfiction. Ich bin von den Reviews immer sehr berührt und freue mich über den Austausch mit euch jedes Mal aufs Neue. Gerne mehr davon.
Auch bin ich fassungslos über die breite Resonanz auf meine FF rund um Harry & Co. Ich danke euch. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie viel mir das bedeutet, dass meine Geschichte gelesen wird.

Nun aber zu meinem neuen Kapitel. Es wird sehr emotional, in jeder Hinsicht, auch die Kinder von Meghan und Harry haben unter der Situation zu leiden, das wird deutlich. Kate beschreitet ganz neue Wege und wir lernen auch sie besser kennen.

Mehr möchte ich jetzt nicht verraten :-) Viel Spaß beim lesen und wie immer freue ich mich auf Kommentare, Ideen, Anregungen und Kritik.

Eure Alexa


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Kate griff unruhig nach ihrer Tasse Tee, die ihr eines der Mädchen servierte, nachdem sie in den Wintergarten geführt worden war. Kate nippte an ihrer Tasse und tippte unruhig mit der Schuhspitze auf den Boden. Sie wartete beinahe dreißig Minuten darauf, dass Harry sich zu ihr gesellte. Vielleicht wollte er sie gar nicht empfangen? Waren ihre Bemühungen die Familie zu einen etwa zum Scheitern verurteilt, bevor sie überhaupt die Chance bekam zwischen den Brüdern zu vermitteln? Hin und hergerissen zwischen den Benimmregeln, die man ihr seit frühester Kindheit eingebläut hatte und dem übermächtigen Wunsch nach Harry brüllend durch die Flure von Althorp zu stürmen, wusste Kate nicht, ob sie bleiben sollte wo sie war oder ob sie ihren Schwager selbst aufstöbern sollte. Sie seufzte und stellte mit einem leisen Klirren, als die Teetasse aus edlem Porzellan die Untertasse berührte, ihren Tee zur Seite.
Just in dem Augenblick, als Kate beschloss nicht mehr länger zu warten, öffnete sich die Tür und ein erschreckt aussehendes Dienstmädchen eilte auf sie zu. „Königliche Hoheit, der Duke bittet um Entschuldigung, er wird Ihnen gleich Gesellschaft leisten.“
Kate griff besorgt nach dem Arm des Mädchens, sie war noch ein junges Ding, vielleicht zwanzig und zitternd fuhr diese herum. „Herzogin?“ „Ist dem Duke etwas zugestoßen?“ Kates Verhalten eine Angestellte aus einem anderen Haushalt auszuhorchen war derart indiskutabel, dass ihr die Luft wegblieb, als ihr bewusst wurde, was sie gerade im Begriff war zu tun. Ihre Sorge um Harry überwog jedoch und aufmunternd lächelte sie dem Mädchen zu. „Nun ja, wie soll ich es Ausdrücken? Der Duke ist gänzlich außer sich.“ Das Mädchen räusperte sich und zappelte unruhig. „Er war in Tränen aufgelöst, Sie verstehen?“ flüsterte die Angestellte Kate verschwörerisch zu.
Kate war wie vor dem Kopf gestoßen. Harry schien sich in diesem Augenblick in einem absoluten Ausnahmezustand zu befinden. Kurz entschlossen straffte sie sich. „Bringen Sie mich zum Duke, sofort.“ Bat sie mit all ihrer mühsam erworbenen Autorität. „Herzogin, das wird mich meinen Job kosten, ich hätte es Ihnen nicht einmal erzählen dürfen.“ Das arme Ding wurde ganz blass, selbst die niedlichen Sommersprossen auf ihrer Nase verloren ihre Farbe. „Sollte dieser Fall eintreten, werde ich dafür sorgen, dass Sie eine andere, adäquate Stelle antreten dürfen.“
Einige Sekunden verstrichen und die beiden Frauen musterten sich gegenseitig, die Spannung im Raum war beinahe greifbar. Schließlich traf die Angestellte eine Entscheidung und drehte sich eilig um. „Kommen Sie, ich bringe Sie zum Duke of Sussex.“ Sie huschten leise durch die Gänge und Kate war froh niemandem über dem Weg zu laufen. Endlich hielt das Dienstmädchen vor einer Tür inne, nickte mit dem Kopf, knickste und bog eilig um die Ecke.
Kate blieb einige Zeit vor der Tür stehen, ihre Hand schwebte über der Türklinke. Wie würde Harry darauf reagieren, wenn sie ihm in solch einer emotionalen Situation überraschte? Erst als ganz in ihrer Nähe eine Tür geöffnet und geschlossen wurde, drückte Kate die Klinke hinab und öffnete diese vorsichtig, bevor sie durch den schmalen Türspalt in den Raum schlüpfte. Sie wollte keinesfalls dabei überrascht werden, wie sie in einem Privatflügel von Althorp herumspazierte.

„Harry?“ flüsterte sie leise und sah sich in dem Raum um, der wie ein Studierzimmer, dass in die Jahre gekommen war, wirkte. „Kann man mich nicht mal eine Minute in Frieden lassen? Ich sagte doch, ich brauche noch einige Minuten!“ Harry kam hinter einem der Regale hervorgeschossen und blieb wie angewurzelt stehen, als er Kate mitten im Raum stehen sah. Mit allem hatte er gerechnet, nur nicht damit. Nur gut, dass er die schlimmsten Spuren seines Gefühlsausbruchs soeben mit kaltem Wasser im nahegelegenen Waschraum beseitigt hatte.
Trotzdem waren noch die letzten Überreste seines nicht gerade sehr männlichen Heulkrampfes deutlich zu sehen.
„Was ist los Harry?“ Kates Stimme klang gelassen, alles an ihr strahlte eine innere Ruhe und Ausgeglichenheit aus und so wie sie inmitten dieses Raumes stand, war sie unerschrocken und unerschütterlich. Das Kate in jenem Moment beinahe die Beine versagten und sie innerlich zitterte wie Espenlaub, sah man ihr nicht an. Die Fassade der gelassenen Frau des Thronfolgers lag wie ein Panzer um ihre Persönlichkeit und sie blieb hauptsächlich deshalb inmitten des Raumes stehen, weil sie fürchtete, ihre Beine würden ihr Gewicht nicht tragen können. Sie wusste, würde sie jetzt versuchen ein Wort über die Lippen zu bringen, würde ihre Stimme versagen, also verschränkte sie ihre Finger, damit Harry die flatternden Hände nicht bemerkte, vor ihrem flachen Bauch ineinander und schwieg.
Plötzlich strömten die Worte aus Harry heraus und durchbrach die Stille, die zwischen ihnen herrschte. „Kate, es tut mir alles so unfassbar leid. Ich wollte kommen, damals, als Grandpa….“ Seine Stimme versagte, doch er nahm tief Luft und räusperte sich. „Aber Rachel war unterwegs und Meghan schien es nicht gut zu gehen. Also beschloss ich bei ihr zu bleiben. Ich weiß jetzt, dass das alles von ihr nur vorgeschoben war, damit ich eben nicht zur Beerdigung nach London flog, aber damals, Ich schwöre dir, ich dachte ich würde meine Tochter verlieren. Ich…Ich weiß, William will mich nicht hier haben, aber ich will zurückkommen und bleiben! Ich möchte nach Hause kommen. Es wäre in Grandpa’s Sinn!“
Mit jedem seiner Worte trat er ein Schritt näher an seine zierliche Schwägerin heran, die für ihn immer wie eine Schwester gewesen war. Er vertraute Kate vorbehaltlos, weshalb Harry ihr den Brief von Philip hinhielt. Kate keuchte, als auch sie das, mittlerweile gebrochene, Siegel der Windsors auf dem Briefumschlag erkannte. „Harry, was ist das?“ Erschrocken taumelte Kate zurück und schüttelte abwehrend den Kopf. Sie hatte das Gefühl, Harry hielt eine Bombe in den Händen. „Du musst den Brief lesen, dann weißt du es.“ Es brach Harrys Herz, die tiefe Trauer in Kates Blick zu sehen, als sie erkannte, dass Philip den Brief kurz vor seinem Tod verfasst hatte. Lange Zeit, nachdem sie das Pergament hatte sinken lassen, herrschte eine tiefe Stille zwischen ihnen beiden. Kate tupfte sich immer wieder mit einem Taschentuch an den Augen die Tränen weg, die sie nicht in ihrem Herzen halten konnte. „Weißt du, er fehlt mir, er fehlt uns allen sehr. Er war ein weiser Mann.“ Murmelte sie und starrte aus dem Fenster. Schließlich drehte sich Kate zu Harry um. „Ich bin heute hergekommen, um mit dir darüber zu sprechen, wie deine zukünftige Rolle im Königshaus aussehen müsste, damit du deine Pflichten, die dir in die Wiege gelegt wurden, wieder mit Freude ausüben möchtest. Wie ich sehe, ist dieser Teil unseres Gespräches überflüssig.“ Sie seufzte und Harry hob fragend eine Augenbraue. „Ich höre da ein ganz überdeutliches „Aber“ in deiner Stimme.“ Lächelte Harry schwach. „Du hast Recht. Der Weg zurück in unsere Reihen führt nur über William. Ihr beide MÜSST euch aussprechen und wieder versöhnen. Damit steht und fällt wirklich alles. Glaube mir, es steht mehr auf dem Spiel als du ahnst.“ Erschrocken bemerkte Harry, wie besorgt und abgespannt seine Schwägerin plötzlich aussah. „Was ist los, Kate?“
Kate schüttelte nur den Kopf und presste sich ihre Hand, in der sie ihr Papiertaschentuch krampfhaft umklammerte, auf die Lippen, ganz so, als wolle sie sich selbst zum Schweigen bringen. Es dauerte einen Augenblick, bis sie sich wieder gefasst hatte. Kate streckte ihre freie Hand nach Harrys aus und umschloss sie mit einem überraschend festen Griff.
„Ich möchte, dass du bei der Beerdigung von Elisabeth vorne bei uns, im engsten Kreis der Familie, sitzt. Du wirst mit mir und William in die Kirche hineingehen und deinen Platz, Schulter an Schulter, neben deinem Bruder finden. William sagen wir nichts davon, du weißt, wenn er wütend wie ein wildgewordener Eber ist, bringt ihn nichts und niemand dazu von seiner sturen Haltung Abstand zu nehmen. Vielleicht funktioniert das Vorhaben euch beide näher zu bringen schon früher, aber ich würde darauf nicht bauen. Und auf der Beerdigung der Queen und eurer Großmutter wird er dir immerhin nicht gleich den Kopf abreißen.“ Kate seufzte erneut leise, ihr war schlecht bei dem Gedanken William derart zu hintergehen, warum musste er auch manchmal so verdammt dickköpfig sein?
„Und in der Zwischenzeit? Ich meine, ich kann Onkel Charles nicht noch länger meine Gesellschaft aufdrängen. Er würde es nie sagen, aber er fühlt sich sehr unwohl mich hier auf Althorp zu Gast zu haben. Bald wird die Meute auftauchen und den Eingang belagern, vor allem wenn sie herausfinden, dass ich hier in London bin und die Schlagzeilen, mit denen Meghan die Zeitungen beliefert, tun ihr übriges.“

„Das ist in der Tat eine unvorhersehbare Komplikation und trägt nicht gerade dazu bei, William zu besänftigen, die Pressegeschichte um die Scheidung von euch beiden haben seinen Zorn eher gesteigert. Ich nehme an, Meghan wird dafür sorgen, dass die Presse in den nächsten Monaten die Geschichte noch mehr hochschaukelt. Ich verstehe sie in der Hinsicht nicht. Archie ist jetzt in einem Alter, wo er sehr wohl versteht, was die Leute hinter seinem Rücken tuscheln und auch Rachel….“ Kate presste ihre Lippen fest zusammen, um nicht noch mehr ihrer Gedanken über die Frau ihres Schwagers preis zu geben.
„Ihr bedeuten die Kinder nichts. Sie setzt sie als Mittel zum Zweck ein, als Druckmittel, wenn du so willst, damit ich zu ihr zurückkehre. Und das werde ich nicht. Ich werde nicht mehr Meghans Mann sein, auch um den Willen der Kinder nicht. Ich kann das alles nicht mehr. Ich werde das Sorgerecht einklagen und dafür sorgen, dass das Aufenthaltsbestimmungsrecht nach England verlagert wird. Ich möchte, dass Archie endlich sein Geburtsrecht erhält und auch Rachel ihre Wurzeln, ihr Erbe, kennenlernt. Nur benötige ich dafür einen verdammt guten Anwalt. Denn Meghan wird mit harten Bandagen kämpfen.“ Platzte die größte Sorge aus Harry heraus.
Kate ließ ihn all die angestauten Sorgen und Gedanken loswerden und tat das Einzige, was ihr einfiel, als sie Harry mit gebeugten Schultern und vollkommener Ratlosigkeit vor sich stehen sah: Sie nahm ihn ganz fest in den Arm, ganz so, wie sie es bei George tat, wenn er traurig war. „Wir werden auch das hinbekommen. Ich kenne da eine hervorragende Anwältin, sie arbeitet in einer Kanzlei mit sehr gutem Ruf, die sich auf derartige Fälle in Adelskreisen spezialisiert hat. Sehr kostspielig, aber äußerst diskret.“ Kates Gedanken huschten zu ihrer alten Schulbekanntschaft, Tess, die ihr eben nach so vielen Jahren über den Weg gelaufen war. Sie konnte sich durchaus vorstellen, dass Lady Teresa Edgcumbe genau die Anwältin war, die Meghan Markle in der Luft zerreißen würde. Sie beschloss sich diskret nach ihrem Werdegang zu erkundigen und einige Fäden im Hintergrund zu ziehen. Denn auch sie hatte niemals die Worte ihrer Schwägerin vergessen, die sie seit dem skandalösen Interview verfolgten.
Wie kleine Giftpfeile hatten sich die gut platzierten Lügen von Meghan in ihr Fleisch gebohrt und einzig Elisabeth war es gelungen Kate zur Raison zu bringen. Kate hätte nichts lieber getan, als der Öffentlichkeit zu erzählen, was so kurz vor der Hochzeit tatsächlich passiert war. Sie war ein friedfertiger Mensch und verabscheute jede Art von Konfrontation, aber Meghan Markle hatte die Gabe die schlechtesten Eigenschaften in Kates Wesen hervorzurufen und damals wurde Kate von einem rücksichtslosen Zorn überwältigt, von dem sie gar nicht gewusst hatte, dass sie ihn in sich trug.

„Ich kümmere mich darum, du wirst den besten Anwalt von ganz England an deiner Seite wissen! Und was deine Wohnsituation angeht: Bisher weiß niemand, außer der Familie, dass du hier bist. Warum wohnst du dann nicht im Frogmore Cottage? Ich würde dich dort auf dem Heimweg absetzen, du würdest kein Aufsehen erregen und könntest dort die nächsten Tage zur Ruhe kommen und dich darauf konzentrieren alle weiteren Schritte planen.“ Kate erwärmte sich mit jeder Minute mehr für diesen Plan. Harry jedoch sah die Schwachstellen darin. „Ich kann Charles doch nicht so vor den Kopf stoßen und das Cottage ist doch noch gar nicht vorbereitet für meinen Besuch.“ Kate wischte seine Einwände mit einer Handbewegung zur Seite. „Lass Charles meine Sorge sein, du packst deine Sachen zusammen und ich spreche in dieser Zeit mit deinem Onkel. Und was das Frogmore angeht: Das habe ich für dich herrichten lassen, als ich dem Earl die Nachricht von Elisabeths Tod übermittelt habe. Ich wusste, dass du zurückkommst.“
„Mein Bruder hat Glück dich an seiner Seite zu haben! Du bist eine tolle Frau, Kate.“ Harry nahm seine Schwägerin sanft in den Arm und küsste sie zart auf die Wange. „Danke!“ murmelte er dankbar und fragte sich, womit er ihre Güte verdient hatte.
„Wir sollten bald aufbrechen!“ Kate warf einen kurzen Blick auf dem Fenster und bemerkte, wie die Sonne sich immer weiter dem Horizont zuneigte.
Jetzt, da er wieder eine Richtung und ein Ziel vor Augen hatte, konnte Harry frohen Mutes in die Zukunft blicken. Alles würde gut werden!

Meghan war ganz und gar mit der Entwicklung der Berichterstattung in den Medien zufrieden. Sie war in aller Munde, vor allem, da die Queen, dieses alte, tattrige Miststück, endlich den Anstand besessen hatte und tot umgefallen war. Sie selbst hegte von Anfang an eine tiefe Abneigung gegen die alte Frau, dennoch war es ihr gelungen, die liebevolle Freundin und später Frau des Enkels zu spielen.
Sie rekelte sich genießerisch in der riesigen Wanne, die das halbe Badezimmer der Suite, in die sie sich die nächsten Tage einquartiert hatte, einnahm. Die Idee für ein Wellnesswochenende war ihr spontan gekommen und wurde von ihr natürlich wirksam und wohldosiert der Presse als Trostpflaster für die gescheiterte Ehe verkauft. Die Kinder wurden in dieser Zeit von ihrer Nanny betreut, Gott sei Dank. Die beiden Plagen waren so anstrengend, fragten ständig nach ihrem Vater, wann er denn wieder komme und weinten ständig. Sie konnte das Gezeter von Rachel nicht mehr ertragen und die ewige Quengelei von Archie wegen seines Vaters, zerrten an Meghans Nerven. So hatte sie sich kurzerhand abgesetzt und gönnte sich eine Auszeit von ihren Mutterpflichten.
Erneut wanderten ihre Gedanken zu dem alten Drachen und Meghan lachte laut auf. Für ihre Rolle als schüchterne und tief beeindruckte Freundin des Prinzen hätte man ihr wahrlich einen Oscar verleihen müssen. Es war so einfach gewesen Harry einzufangen und ganz „zufällige“ Treffen zu arrangieren. Monatelang bereitete sie sich darauf vor, studierte alle Berichte über die Royal-Family, insbesondere über die verstorbene Mutter von Harry, Lady Di. Sie trug ihrer Stylistin auf nach ähnlicher Mode, wie Lady Diana sie getragen hatte, Ausschau zu halten, natürlich zeitgemäß und studierte bestimmte Gesten, den Augenaufschlag und Sprechweisen vor ihrem großen Spiegel des Ankleidezimmers. Und niemand, wirklich niemand wäre auf den Gedanken gekommen, dass alles von ihr inszeniert worden war, um ihr die größtmögliche Publicity zu garantieren. Niemand, außer Piers Morgan, diesem Mistkerl. In einem schwachen Moment bandelte sie damals, vor so vielen Jahren, mit dem Reporter an, in der Hoffnung, dass er ihren Bekanntheitsgrad steigern könnte und ihr Tür und Tor in die Europäische Filmlandschaft öffnen würde. An einem Abend nach einer großen Gala, trank sie zu viel Champagner und gab ihren Plan preis, Piers setzte sie noch in der Nacht vor die Tür. Diese Schmach konnte sie ihm bis heute nicht verzeihen.
Er war es, der die Hetzkampagne in der englischen Yellowpress anfeuerte und sich die Reporter auf sie, Meghan, einschossen und ihr schöner Plan „everybodys Darling“ zu werden grandios fehlschlug. Piers war es gewesen, der als erster erkannte, dass sie Lady Diana kopierte, wenn ihm auch die wahren Hintergründe verborgen blieben. Mit Piers hatte sie kurz nach dem Interview mit Operah, die Meghan ebenfalls gekonnt getäuscht hatte, schon abgerechnet, aber das war erst der Anfang gewesen. Niemand kehrte einer Frau wie ihr den Rücken und blickte nicht mehr zurück. Oh ja, mit Piers würde sie sich befassen, wenn ihr über alles geliebter Ehemann in blutigen Fetzen auf dem Asphalt klebte.

„Ich will zu meinem Pops!“ heulte Rachel bittere Tränen, die ihr in Sturzbächen aus den dunklen Kulleraugen über die niedlichen Pausbäckchen rannen. „Und ich will, das Popa wieder zurückkommt und mit mir gaaaaanz schnell Fahrrad am Strand entlangfährt.“ Krähte Archie unglücklich dazwischen, während Tonja, die beiden Kinder im Auge behielt und gleichzeitig dem Freizeichen ihres Handys lauschte. Sie versuchte schon seit Stunden die Mutter der beiden zu erreichen, doch ständig wurde sie zur Mailbox von Meghan umgeleitet. Das Spa, wo Meghan sich aufhielt, hatte sie auch schon angerufen und bestimmt zehn Nachrichten hinterlassen, doch bisher war kein Rückruf erfolgt.
Die Kinder vermissten ihren Vater schrecklich und fühlten sich von ihrer Mutter allein gelassen. Tonja legte auf, Meghan war nicht zu erreichen, aber vielleicht der Vater der Kinder, Harry. Irgendwo in diesem Haus musste doch die Handynummer von ihm notiert sein. Sie kniete sich vor die beiden hin und nahm sie beide an ihre Seite. „Wisst ihr was? Wir spielen jetzt ein Spiel und das geht so: „Ich suche ein Handy und ein Büchlein, wo ein altmodisches Telefon aufgedruckt ist. Vielleicht ist dort die Telefonnummer von eurem Papa aufgeschrieben und dann rufen wir ihn einfach an, okay?“ Rachel und Archie sprangen in die Luft vor Freude. „Jaaaaaa, das machen wir!“ Archie nahm seine Schwester bei der Hand und gemeinsam stürmten sie aus dem Kinderzimmer, während sich Tonja mit schlechtem Gewissen in Richtung des Arbeitszimmers ihrer Arbeitgeber machte. Sie war noch nicht lange bei den beiden beschäftigt, bekam aber genug Einblick in das Leben des Paares, um zu bemerken, dass hier etwas nicht so lief wie es sollte. Und auch Meghan war keineswegs die liebreizende Person, die sie im Einstellungsgespräch vorgegeben hatte zu sein. Einzig die Liebe zu den beiden Kindern hielten Tonja in diesem Haus fest. Denn wenn sie das Handtuch schmiss, wer würde sich dann um die beiden kümmern?
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