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Die Magie der Steine - Feuer (Band 4)

GeschichteRomance, Fantasy / P18 / Gen
Zauberer & Hexen
09.03.2021
25.07.2021
47
75.118
2
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22.07.2021 1.594
 
Freya war auf dem Weg von der Bibliothek zurück zum Wohnkomplex. Sie hatte nach einem weiteren Buch gesucht, das sie ihrer Tochter mit Damian abends vorlesen konnte. Er selbst war bei Melody geblieben, damit Freya sich in Ruhe umsehen konnte, denn das kleine Mädchen liebte es, die Treppen zu den unterschiedlichen Ebenen hinauf- und hinunterzurennen.

Auf der Brücke sah sie Hanako stehen und glaubte, dass sie mit jemanden sprach. Zumindest öffnete die Schwarzhaarige ihren Mund und schien Worte zu formen.

Ab und an hörte sie sogar ihre Stimme, verstand aber nicht, was sie sagte. Was sie allerdings am meisten verwirrte, war, dass niemand in ihrer Nähe war. Mit wem sprach sie? Sang sie vielleicht einfach nur?

Manchmal sah Hanako sogar nach oben und schien, als würde sie mit einer imaginären Figur reden. Oder übte sie für eine Vorstellung? So ganz schlau wurde Freya in diesem Moment nicht aus ihr.

Freya wollte sich nicht weiter damit beschäftigten, konnte aber nicht weghören, als sie Damians Namen hörte.

Es lag ihr nicht, zu lauschen, doch sie blieb wie angewurzelt stehen und tat so, als würde sie von hier oben den Schulgarten beobachten. Dort waren einige Gruppen, die entweder übten, spazieren gingen oder in Blumenbeeten arbeiteten. Grund genug, ihnen zuzusehen.

Dennoch lag Freyas Aufmerksamkeit bei Hanakos seltsamen Gespräch, in dem sie sagte, dass sie Damian anziehend fand und sehr mochte.

Das versetzte Freya einen Stich ins Herz. Hatte Hanako sich etwa in Damian verliebt? War er der Grund, warum sie Freyas Freundschaft gewollt hatte und warum sie fast jeden Tag zu ihnen kam? Sie wusste, dass Damian sie nicht betrügen würde, und dennoch blieb ein kleiner Restzweifel. Vor allem, da Hanako mit ihren schwarzen Haaren und den leicht schrägen Augen eine exotische Schönheit war.

Es war nicht angenehm zu hören, was Hanako an Damian mochte und wie sie von ihm schwärmte.

Seine gute Körperstatur, sein Sinn für Humor, aber auch seine logische Denkweise und wie er erklären konnte, schienen Hanako zu faszinieren.

Einerseits konnte Freya verstehen, dass einige so reagierten. Es gab viele, die für Damian schwärmten. Doch diese ließ er links liegen. Freyas Griff um das Buch verfestigte sich. Würde Hanako sogar etwas tun, um sie und Damian auseinander zu bringen? Ardelia hatte es bereits versucht, daher war der Gedanke gar nicht so abwegig. Dabei schätzte Freya die Schwarzhaarige gar nicht so ein.

Im Grunde kannte sie die Frau jedoch nicht sonderlich gut. Vielleicht hatte sie bisher nur gespielt.

Freya bekam das Bedürfnis sich mit Damian zu verstecken und ihn festzuhalten.

Das war jedoch lächerlich. Er war ein freier Mann und konnte, wenn er das wollte, sich für jemand anderen entscheiden. Da hatte Freya nichts mitzureden. Was nicht hieß, dass sie nicht um ihn kämpfen würde.

Nur mühsam setzte sie sich wieder in Bewegung. Genau auf Hanako zu, da sie an ihr vorbei gehen musste. Um ihr nicht das Gefühl zu geben, sie belauscht zu haben, rief sie schon von Weitem ihren Namen.

Das ließ Hanako zusammenzucken und als sie sich zu Freya drehte, winkte sie ihr zu.

"Was machst du denn hier?", fragte sie bemüht freundlich.

Hanako wirkte von der Frage überrascht. "Ich beobachte die Leute", sagte sie und deutete nach unten.

"Ziemlich interessant, was für Übungen einige machen", meinte Freya lächelnd und hielt das Buch in ihrer Hand hoch. "Ich war in der Bibliothek. Melody wollte ein neues Buch fürs Lesen", erklärte sie den Grund, warum sie hier allein unterwegs war. Das war sie eigentlich selten.

Hanako lächelte. "Gefühlt lest ihr Melody ständig etwas Neues vor. Sie verschlingt die Bücher förmlich", lachte sie.

Eifrig und sichtlich froh, dass Hanako wohl nicht mitbekommen hatte, dass sie gelauscht hatte, nickte sie. "Ja, sie ist sehr wissbegierig und ich sehe jetzt schon, dass sie alle Bücher selbst liest, sobald sie in der Lage ist. Einige Wörter und Buchstaben kann sie schon", sagte Freya. Sie wusste, dass Melody noch lange nicht so weit war wie die anderen Kinder, die bereits teilweise ganze Sätze schreiben konnten.

"Sie macht sich gut", lachte Hanako.

"Stimmt. Sie wird bestimmt bald alles lesen können. Trotzdem will sie nicht auf das Vorlesen verzichten. Sie meint, dass sie dann sehr gut fantasieren kann", erklärte Freya und seufzte. "Ich sollte zurück. Die beiden warten schon auf mich."

"Ich habe meine Eltern auch sehr lange gebeten, mir vorzulesen", meinte Hanako und nickte Freya zu. "Sehen wir uns morgen wieder zum Essen?"

"Gerne. Kommst du vorbei?", fragte Freya und warf noch einen letzten Blick auf den Schulgarten hinunter. "Melody wollte dir noch zeigen, was für einen Tanz sie gelernt hat."

"Sehr gern", stimmte Hanako schmunzelnd zu. "Bin schon gespannt."

"Dann sehen wir uns morgen", sagte sie lächelnd und ging dann an ihr vorbei.

Hanako winkte ihr noch nach und Freya fühlte sich irgendwie schlecht.

Schätzte sie Hanako vielleicht falsch ein? Bei ihr war sie sich gar nicht so sicher. Gedankenverloren ging sie zurück zu Damian und Melody. "Hier habe ich das Buch", sagte sie lächelnd, als sie die beiden auf dem Sessel sitzen sah.

Melody strahlte und hielt sofort neugierig die Hände auf.

Liebevoll legte sie ihr das Kinderbuch in die Hände. "Bitte sehr", lächelte sie und streichelte ihr zärtlich über den Kopf, bevor sie sich ihnen gegenüber niederließ und die beiden beobachteten.

"Möchtest heute du mir zeigen, was du schon kannst?", fragte Damian, auf dessen Schoß Melody noch immer saß.

"Ich?", fragten Freya und Melody gleichzeitig, weil beide nicht wussten, wen er fragte. Wobei Freya sich fast sicher war, dass er ihre Tochter gemeint hatte.

Damian lachte belustigt. "Na du", sagte er direkt an Melody gerichtet.

Das Mädchen schlug das Buch ernsthaft auf und ließ ihren Finger über die Buchstaben gleiten. Dabei sprach sie die Worte langsam und mit Bedacht aus. "Es war einmal ...", sagte sie und Freya lächelte. Ihr gefiel es, wie eifrig ihre Tochter war.

Damian hielt sie sanft und blickte über ihre Schulter. Er sagte kein Wort und lauschte.

Melodys niedliche Stimme erfüllte den Gemeinschaftsraum und Freya stellte fest, dass ihre Tochter bereits sehr gut lesen konnte. Bei einigen Worten hatte sie noch Probleme, doch Damian half ihr dabei stets aus.

Hatte er heimlich mit ihr geübt? Das würde sie ihm zutrauen.

Aber der Erfolg sprach für sich. Zufrieden warf Freya den beiden einen Blick zu und dachte über Hanako nach. Gleichzeitig lauschte sie Melody, wie sie bedächtig vorlas.

Dabei war sie sehr konzentriert, hörte aber nach einer Seite auf. Wahrscheinlich war es zu anstrengend, was Freya gut verstehen konnte.

Es reichte auch ihrer Meinung nach. Zu viel musste ihre Tochter nicht machen. "Das hast du sehr gut gemacht, meine Kleine", sagte Freya liebevoll und holte ein kleines Stück Schokolade heraus. "Du hast dir eine Belohnung verdient. Aber erst nach dem Essen. Danach gehen wir baden und dann ins Bett", beschloss sie lächelnd.

Melody strahlte zufrieden, denn auch Damian lobte sie, bevor er sich mit ihr erhob. "Soll ich Essen holen gehen?", fragte er und schien Hunger zu haben.

"Gerne. Dann bereite ich den Tisch schon einmal vor", schlug Freya vor. Melody wollte sofort mithelfen, da sie es mochte, ihrer Mutter zu helfen.

Damian ließ die beiden Frauen allein und besorgte das Essen.

In der Zwischenzeit bereitete Freya alles vor. Ihre Tochter war dabei eine sehr große Hilfe. Sie war auch schon darin geübt, dass es ihr nicht schwer fiel.

Dann zog Freya Melody in die Arme und ließ sich auf dem Sofa nieder. Sie wollte gerade einfach nur kuscheln und das von Hanako vergessen.

"Mama, ist was passiert?", fragte Melody, die sich scheinbar Sorgen machte.

Freya schüttelte den Kopf. Damit musste sie ihre Tochter nicht belasten. "Nein, aber ich bin einfach froh, dich zu haben, verstehst du?", murmelte sie am weißblonden Haar ihrer Tochter.

Melody wirkte nachdenklich, bevor sie ernst nickte. "Ja", sagte sie und schmiegte sich an Freya.

"Ich habe einfach gerade viele Gedanken, die ich noch nicht ordnen kann. Aber ich werde sie dich wissen lassen, wenn es soweit ist", versprach Freya ihr und drückte ihre Tochter sanft an sich. "Ich hab dich lieb, meine Kleine."

"Ich hab dich auch sehr lieb", sagte sie und drückte ihre Mama.

"Irgendwie bin ich in letzter Zeit ein wenig niedergeschlagen", sagte Freya leise und streichelte Melodys Rücken. "Es sind Dinge, die einen sehr belasten, man aber nichts dagegen tun kann. Eines Tages wirst du sie verstehen."

"Mama ist traurig", bemerkte sie leise. "Soll ich dich aufheitern?", wollte Melody wissen und klang ernst.

"Ja, bitte", lächelte Freya dankbar und küsste Melody ihre Stirn. Sie war einfach zu niedlich.

Melody schien ein wenig zu überlegen, bevor sie lächelte. "Lass uns etwas singen", sagte sie auffordernd.

"Gerne. Dein Lieblingslied, wenn du im Schlamm gespielt hast?", fragte sie neugierig. Das hatte Freya früher immer zum Lachen gebracht und sie hatte ihrer Tochter gerne dabei zugesehen.

"Ja", jauchzte Melody und beide wollten gerade beginnen, als Damian wieder hereinkam.

Dennoch ließen sich die beiden davon nicht ablenken, sondern begannen, eines hübsches Lied zu singen. Zusammen hörte es sich sehr schön an, wie die beiden Stimmen miteinander harmonierten.

Damian kam langsam näher und Freya sah ihm an, dass er lauschte. Zudem unterbrach er die beiden nicht, setzte sich aber zu ihnen.
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