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Verrat am Pharao

von Fanilie
GeschichteLiebesgeschichte, Action / P18 / MaleSlash
Atemu Isis / Ishizu Ishtar Mana Priester Mahaad Priester Seto Yugi Mutou
09.03.2021
11.04.2021
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07.04.2021 2.503
 
-Pharao Atemu's Sicht-

Yugi hat mich ernsthaft beeindruckt. Nicht jeder würde instinktiv handeln und sein Gegenüber einfach niederstrecken. Allerdings sehe ich ihm an, dass er innerlich damit zu kämpfen hat. Denn er schweigt seit diesem Angriff, wirkt in sich gekehrt. Kein Wort hat seither seinen Mund verlassen, nicht mal eine Beschwerde, dass er Hunger oder Durst hat. Denn selbst jetzt zum Abend ist die Hitze noch präsent. Einen kurzen Blick zu ihm werfend sehe ich, dass sein Gesicht auf den Wangen einen leichten Sonnenbrand hat. Starr schaut er auf den Boden, umarmt sich selbst, denn er hat sich die Arme schützend um die Schultern gelegt. Schließlich entscheide ich mich dazu eine Rast einzulegen.
"Wir halten für die Nacht. Yugi wird mit mir im Zelt sein. Alles andere versteht sich von selbst." Unauffällig schaue ich zu Yugi. Ich erwarte, dass er protestiert, denn bisher ist es ihm zuwider gewesen sich in meiner Nähe aufzuhalten. Vor allen Dingen gehe ich davon aus, dass der Grund der Kuss sein müsste. Doch er schweigt.
Ich steige von meinem Pferd ab und übergebe die Zügel einem der Wachen. Er soll sich um das Tier kümmern, denn ich will mich jetzt Yugi zuwenden. Ihn nicht alleine lassen, mit all diesen negativen Gefühlen.
Vorsichtig, um ihn nicht zu erschrecken, berühre ich ihn am Oberarm. Dennoch zuckt er kurz zusammen und sieht mich an.
"Mein Pharao?"
"Hast du verstanden, was ich gesagt habe?"
Offensichtlich nicht, denn Yugi sieht mich verwirrt an. In seinen Augen erkenne ich, dass er mit sich kämpfen muss. Trauer und Angst stechen jedoch besonders hervor.
"Verzeiht, mein Pharao. Könnt Ihr das bitte wiederholen?", flüstert er. Meine Hand liegt inzwischen auf seiner Schulter, seine Haut ist heiß von der Sonne.
"Du wirst bei mir im Zelt schlafen."
Jetzt erwarte ich sowieso eine gewisse Gegenwehr. Zu meiner Überraschung jedoch nickt er nur und senkt, mit geschlossenen Augen, den Kopf.
Als unser Zelt endlich steht, lasse ich ihn zuerst hinein gehen. Schließlich steht er unschlüssig in der Mitte, wo auch schon eine Fackel eingebettet ist und eine schöne Wärme ausstrahlt. Mit einer Handbewegung deute ich Yugi an, dass er sich auf seinen Schlafplatz setzen soll, dem er brav nachgeht.
"Ich gebe dir frische Kleidung zum Anziehen, schließlich kannst du unmöglich mit blutbefleckten Sachen in Luxor erscheinen. Wir werden am nächsten Tag in der Mittagszeit dort eintreffen."
"Wie Ihr befiehlt, mein Pharao." Ohne sich Gedanken darüber zu machen, dass ich ihn womöglich beobachten könnte, nimmt er die Kleidung aus meiner Hand und zieht sich um. Yugi sieht nicht gerade stark aus, etwas mager und zierlich. Doch wenn ich daran zurückdenke, wie er seinen Angreifer getötet hat, stelle ich fest, dass Körperstatur nicht alles ist. Plötzlich blickt er zu mir auf.
"Könnt Ihr Euch... also, wenn ich...", stottert er. Perplex erwidere ich seinen Blick, dann seufzt er auf und schüttelt den Kopf.
"Ach, es ist nichts, mein Pharao. Habt Ihr ein Leinentuch, damit ich das... Blut... von meiner Haut abwaschen kann?"
Ich nehme aus meinem Beutel ein Tuch heraus, befeuchte es etwas mit Wasser, ehe ich es ihm übergebe. Seine Ausdrucksweise ist im Moment ... niedlich? Ich glaube so nennt man das. Wie kann jemand, der doch so viel Stärke ausstrahlt, so eine Unsicherheit in sich tragen? Das erschließt sich mir nicht. Yugi nimmt dankend das Tuch und wäscht sich das Blut von Armen und Beinen. Er will gerade sein Gesicht säubern. Allerdings sieht er nicht, wo genau er sich sauber machen muss und hält inne.
"Könntet Ihr...?", fragt er schüchtern und streckt ein wenig seine Hand in meine Richtung. Nichts lieber als das! Seinem Gesicht nahe zu sein, vermisse ich seit unserem ersten Kuss. Ich nehme das Tuch, setze mich zu ihm herunter und beginne an der Stirn. Yugi sieht mir dabei in die Augen ohne auch nur zur Seite zu sehen.
"War das dein erster Kampf?", frage ich neugierig. Nach dem Überraschungsangriff tut die Stille zwar meiner Seele gut, aber ich will seine schöne tiefe Stimme hören. Meines Erachtens nach hat er zu lange geschwiegen.
"Wenn es um Leben und Tod geht, dann ja, mein Pharao."
Mit dem Tuch wische ich nun von der Stirn zu seinen Wangen hinunter. Er zuckt kurz zurück, denn das Reiben auf der sonnenverbrannten Haut scheint ihm weh zu tun. Ich lasse den Druck etwas nach und gehe sanft zu seinem Kinn hinunter. Dabei fällt mein Blick wieder auf diese zarten Lippen...es fehlt nicht viel, Atemu und du kannst sie spüren! Yugi bemerkt meinen Blick und schluckt laut auf. In seine Augen schauend warte ich auf eine Reaktion. Tatsächlich rückt er ein Stück weit zurück.
"Danke, mein Pharao."
Ich stehe auf und hole mir ein frisches Gewand. Provozierend beginne ich mich auszuziehen und knüpfe wieder an das Gespräch.
"Du warst wirklich mutig, Yugi. Das hat mich beeindruckt. Nimm es als Anstoß für mein Angebot, das ich dir unterbreitet habe."
Das Tuch habe ich achtlos in eine Ecke des Zeltes geworfen. Ich höre ein lautes Einatmen von Yugi, als ich komplett nackt vor ihm stehe. Und obwohl ich ihm den Rücken zugedreht habe, fühle ich seinen Blick auf mir. Ein Grinsen schleicht sich auf meine Lippen.
"Ich kann durchaus nachvollziehen, wie es sich anfühlt jemanden zu töten. Das schlechte Gewissen und die ganzen Schuldgefühle. Lass dich davon nicht niederdrücken. Denn, wenn nicht dein Angreifer tot wäre, wärst du es. Und glaube mir, solche Menschen machen sich keine Gedanken darüber, dass sie jemandes Leben ausgelöscht haben. Sie selbst können das nicht mal mehr an den Fingern abzählen wie viele Menschenleben sie vernichtet haben", versuche ich ihn zu ermutigen. Während ich mir mein sauberes Gewand überziehe, schweifen meine Gedanken unwillkürlich an meinen ersten Kampf ab. Mein Vater wollte mit mir in ein nahe gelegenes Dorf reiten, doch wir wurden von Räubern angegriffen die dabei waren, den Besitz der dort lebenden Menschen zu plündern. Viele Menschen, vor allem Frauen und Kinder, haben dort ihr Leben verloren und bis heute frage ich mich, warum wir nicht alle haben retten können.
Ich wende mich wieder Yugi zu, der mich von oben nach unten mustert.
"Was, wenn ich mich dazu entscheide, nicht in Eure Armee einzutreten?"
Auf diese Frage bin ich nicht gefasst gewesen. Denn ich bin mir so sicher, dass er mein Angebot annimmt. Also sage ich schlicht:
"Dann wirst du bis zu meinem Ableben mein persönlicher Sklave bleiben."
"Im Prinzip ist es letztendlich nicht wichtig wie ich mich entscheide, ich werde den Palast nie wieder verlassen", sagt er abwertend. Ich nicke.
"Wer war das Mädchen, dass sich vor unserer Abreise bei Euch verabschiedet hat?"
Von der Frage verwundert, setze ich mich auf meinen Schlafplatz und sehe ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue an. Das ist etwas was Sklaven in unserem Palast nicht wissen dürfen und da sie vom Rang weit unter uns sind, sind ihnen solche Fragen nicht einmal gestattet.
"Warum möchtest du das wissen?", antworte ich mit einer Gegenfrage. Yugi zuckt mit den Schultern.
"Was wäre denn verkehrt daran es zu wissen? Sollte ich mich dazu entscheiden in Eure Armee einzutreten, will ich wenigstens darauf eingestellt sein, mit welchen Menschen ich dann verkehre."
"Solche Fragen sind dir nicht einmal gestattet, Yugi. Vor allen Dingen hast du mich nicht um Erlaubnis gebeten, mir eine Frage stellen zu dürfen."
Schnaubend legt er sich hin, zieht sich Decke bis ans Kinn und starrt die schon bald erloschene Fackel an.
"Ihr wollt meinen Respekt, und dass ich Euch vertraue, doch solche Werte muss man sich verdienen, mein Pharao. Es zu erzwingen funktioniert nicht. Und wenn Ihr wollt, dass ich Euch vertraue... dann müsst Ihr erst lernen mir zu vertrauen." Entgeistert über seine Worte, lege auch ich mich hin und sehe in seine Augen.
"Sie heißt Mana und wir kennen uns seit unserer Kindheit. Sie ist eine Magier Schülerin und das netteste Mädchen, das mir je begegnet ist. Sie ist wie eine Schwester für mich." Yugi sieht mir in die Augen.
"Jetzt erzählst du mir etwas über Asenath." Ein einfaches Geben und Nehmen. Ein Austausch um eine Vertrauensbasis zu schaffen. Nicht mal eine so schlechte Idee.
Yugi lächelt traurig und dieser Blick versetzt mir einen kleinen Stich im Herzen.
"Sie war wunderbar. Zu allen war sie immer lieb und freundlich. Zuvorkommend. Gerechtigkeit war ihr Lebensmotto. Jeden Tag hatte sie ein Strahlen im Gesicht als wäre sie die Sonne selbst."
"Was ist passiert?", frage ich mitfühlend. Denn ich kann mir nicht vorstellen ein Leben ohne Mana zu führen. Auch wenn wir nur Freunde sind, erhellt sie doch jeden Tag den Palast. Yugi holt tief Luft, ehe er beginnt zu erzählen.
"Es war an einem sonnigen Tag. Wir wollten zum Marktplatz, ein paar Besorgungen für unsere Familien erledigen. An dem Tag wollte auch ihr kleiner Bruder mit, aber er durfte zum Glück nicht. Als wir dann dort waren, sahen wir zwei Wachen an einem Stand stehen. Wir haben immer ihre Pferde verscheucht, weil wir uns einen Spaß daraus machen wollten." Zitternd holt er nochmal Luft.
"Da war diese eine Wache mit einem Apfelschimmel. Ich wollte Asenath aufhalten, denn die Wache war einfach zu nah. Ich wusste, dass er sie erwischen würde, doch sie hat es verharmlost und mir versichert, dass ihr nichts passieren würde. Aber ich sollte recht behalten. Die Wache hat sie gesehen und obwohl sie schneller war, hat er ihr den Weg abgeschnitten. Ich bin sofort hinterher, aber sie wollte partout keine Hilfe. Also musste ich mit ansehen wie sie zum Palast gebracht wurde. Ohne Zeit zu verlieren bin ich zu ihr nach Hause gerannt und habe ihre Eltern geholt. Leider konnten sie nichts mehr ausrichten für ihre Tochter, denn die Tore blieben verschlossen. Ihnen wurde mit der Hinrichtung Asenaths gedroht, wenn sie nicht verschwinden würden."
Erschrocken sehe ich eine Träne an seiner Wange herunterlaufen, würde ich diese doch gerne fortwischen und ihn nicht mehr traurig sehen. Doch ich reiße mich zusammen und bleibe ruhig liegen.
"Seit diesem Tag habe ich sie nie wieder gesehen. Ich weiß nicht mal ob sie noch lebt." Yugi schnieft kurz auf und dreht mir den Rücken zu. Am liebsten würde ich ihm wegen seines Kummers direkt ins Gesicht sagen, dass Asenath mit hoher Wahrscheinlichkeit noch lebt, denn so wie ich unseren Feind kenne, sind Hinrichtungen eine Verschwendung von potenziellen Arbeitern oder Sklaven. Yugi, sie ist womöglich in Kairo! Mein Mund aber bleibt verschlossen. Ich will ihm nicht noch mehr Last aufbürden, denn noch immer muss er sich mit seinem Schock auseinandersetzen und mit der Tatsache, dass er im Palast bleiben wird. Da er sich nicht mehr bewegt, gehe ich davon aus, dass er eingeschlafen ist.
"Wir werden sie finden, Yugi", flüstere ich. Schließlich fallen meine Augen zu.


-Yugi's Sicht-

Nach den letzten Worten des Pharao's schließe ich meine Augen und sehe kurz Asenath vor meinen Augen aufblitzen. Der dumpfe Schmerz in meiner Brust lässt nach und ich falle endlich in den Schlaf.

-

"Du wirst viel Gold einbringen. Scheinst dem Pharao sehr wichtig zu sein", zischt mir mein Angreifer ins Gesicht. Ich sehe mich angsterfüllt in dem Raum um. Befinde mich in einem dunklen Raum und stelle fest, dass ich hier in einem Kerker sitze. Meine Hände sind mit einer kalten Metallkette angebunden und mein Gewicht zieht mir schmerzhaft in meinen Handgelenken, da die Kette meine Arme nach oben hält. Obwohl ich weiß, dass ich mich unmöglich selbst befreien kann ziehe ich daran.
"Sei doch nicht naiv!", lacht mein Angreifer mir ins Gesicht.
"Was hast du denn anderes erwartet?", höre ich eine andere Stimme im Raum. In einer dunklen Ecke steht eine Gestalt, die ich bisher nicht wahrgenommen habe. Sie ist eins mit der Dunkelheit. Gänsehaut breitet sich in mir aus, als die Gestalt aus dem Schatten tritt.
"Was?!", bringe ich hervor. Das kann nicht sein! Ich sehe in mein Gesicht und reiße vor Schreck meine Augen auf.
"So überrascht? Naja, im Grunde genommen sollte der Pharao hier sein. Doch aus irgendeinem Grund ist er nicht hier. Warum nicht?", frage ich mich. Eher mein anderes Ich. Er oder ich...ich weiß es nicht. Er läuft herum, schnappt sich den Angreifer und zeigt mit einem Schwert auf mich.
"Warum ist nicht der Pharao hier?!", schreit er mich an.
"Du wolltest ihn doch tot sehen! Schon seit über 10 Jahren! Und was machst du?! Du begnügst dich mit ihm in einem Bett! Schläfst jetzt sogar in einem Zelt mit ihm!"
Zitternd sehe ich ihn an. Da wird er plötzlich ruhig.
"Na gut. Eines Tages schaffst du das. Vorher muss dieser Kerl dran glauben."
"NEIN!", schreie ich. Doch schon rammt er ihm das Schwert schon genau dahin, wo ich es getan habe. Immer und Immer wieder sticht er zu. Tränen laufen mir hinunter.
"HÖR AUF!"
"Aber warum denn?! Du und ich! WIR wollen doch genau das! Du wolltest es! Und eines Tages wird der Pharao dran glauben müssen", grinst er.
"NEIN! NEIN! NEIN!"

-

"Nein!", schreie ich, will mich aufsetzen doch ich werde gewaltsam auf den Boden gedrückt.
"Yugi! Beruhig dich!", schreit mich jemand an. Schmerzhaft schlage ich meine Augen auf und blicke in besorgte rote Augen. Der Pharao krallt seine Hände in meine Schultern und jetzt erst realisiere ich, dass er auf mir sitzt. Schwer atmend und mit pochendem Herzen sehe ich ihm fest in die Augen. Meine Wangen brennen, denn das in meinen Tränen enthaltene Salz frisst sich in meine Haut.
Plötzlich zieht er mich hoch und ich spüre seine Arme um meinen Oberkörper. Unfähig mich zu bewegen, lasse ich es zu. Im nächsten Moment höre ich jemanden das Zelt betreten.
"Mein Pharao, ist alles in Ordnung?! Ich habe einen Schrei vernommen", höre ich Priester Seto aufgebracht sagen.
"Es ist nichts Schlimmes passiert. Yugi hatte wohl einen Albtraum."
"Na wenn das so ist, dann kann ich ja beruhigt wieder schlafen gehen. Eine angenehme Nacht noch, mein Pharao." Ein kurzes Rascheln des Stoffes vom Zelt sagt mir, dass wir wieder alleine sind. Der Pharao hat mich immer noch in seinen Armen und drückt leicht zu. Was ist das für ein Traum gewesen? Warum träume ich so etwas?
Zitternd lege ich leicht meine Arme um den Pharao. Bin froh, dass jemand hier ist und ich nicht alleine mit diesem schrecklichen Traum zurechtkommen muss.
Ich weiß nicht wie lange wir so verharren, doch als ich mich löse, schmerzen meine Glieder von der Position. Der Pharao sieht mir ins Gesicht.
"Es ist normal, dass man nach solch einer Erfahrung einen Albtraum hat", flüstert er mit rauer Stimme. Ich nicke, für mich behaltend, dass auch er eine Rolle darin gespielt hat...
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