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Verrat am Pharao

von Fanilie
GeschichteLiebesgeschichte, Action / P18 / MaleSlash
Atemu Isis / Ishizu Ishtar Mana Priester Mahaad Priester Seto Yugi Mutou
09.03.2021
29.04.2021
16
38.853
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29.03.2021 1.921
 
-Yugi’s Sicht-

Wütend betrachte ich meine Hände. Der Pharao hat ein reines Herz, sagte Nafi mir mal. Aber wenn er ein reines Herz hat, warum lässt er mich auspeitschen? Und das zum zweiten Mal. Und jetzt sagt er mir doch tatsächlich, dass ich nur um Verzeihung bitten soll. Aus welchem Grund sollte ich das tun? Ich habe nichts falsch gemacht! Doch wenn ich es jetzt nicht tue, dann wird er mich sicherlich auspeitschen lassen. Schließlich sehe ich zu ihm hoch. An der Stirn hat er eine rote Stelle, wo ich ich ihn getroffen habe. Erde an Yugi! Vor dir steht der Pharao! Er braucht nur mit den Fingern schnipsen und du wirst hingerichtet. Seine Forderung am Ufer hat mich geblendet vor Wut. Ich habe nicht nur die körperlichen Schmerzen vom Auspeitschen, nein... auch innerlich ist mein Schmerz so groß, dass ich mir seiner Position kaum bewusst bin. Wie vom Skorpion gestochen, lasse ich meinen Kopf sinken. Mir bleibt letztendlich keine Wahl, als ihn um Verzeihung zu bitten. Dabei ist er derjenige, der genau das tun sollte! Auch weiß ich nicht, was er davon hat, wenn ich in seine Armee eintrete. Ich hole einmal tief Luft und sehe ihn an. Sein Blick ist ruhig und ohne jegliche Wut. Was geht in ihm vor? „Verzeiht mir, mein Pharao“, murmle ich mit leiser Stimme.
„Ist in Ordnung, Yugi. Ich kann deine Wut verstehen. Aber dieses Thema werden wir ein anderes Mal besprechen.“ Die Wachen schneiden mir die Fesseln wieder durch und erschöpft sinke ich auf meine Hände. Meine Wut hat ihren Tribut gezollt. Die Sonne geht bald wieder auf und ich merke, wie die Müdigkeit mich förmlich erschlägt. Dennoch zwinge ich mich auf meine Beine. Der Pharao soll meine Schwäche nicht sehen. Ich will nicht, dass er glaubt gegen mich gewonnen zu haben. Denn das hat er nicht. Der Pharao verschränkt seine Arme vor der Brust. „Wir werden weiterziehen“, befiehlt er. Ich schnaube aus, schließe für ein paar Sekunden meine Augen. Das wird ein harter Tag für mich werden... Wegen der Tatsache, dass ich unerlaubt das Lager verlassen habe, trage ich nun an jeder Schulter die Beutel des Pferdes. Sie sind erstaunlich schwer, dabei hat der Pharao doch nicht viel mitnehmen lassen. Wir sind seit gut einer Stunde wieder unterwegs. Die sengende Hitze nimmt jedes meiner Atemzüge, weshalb mir das Atmen immer schwerer fällt. Der Sand kommt mir heißer vor als am Vortag. Ich bin müde. Ich habe nichts zu essen und auch nichts zu trinken bekommen. Der Pharao und ich haben kein Wort mehr miteinander gewechselt, seit meiner Bitte um Verzeihung. Meine Fußsohlen brennen schmerzlich, denn die Blasen sind nicht vollständig ausgeheilt. Warum lässt der Pharao mich leiden, wenn er mich doch an seiner Seite sehen will? Es ergibt für mich einfach keinen Sinn.

Ich merke wie die Pferde unruhig werden. Beinahe laufe ich in den Apfelschimmel hinein, doch das Gewicht auf meinen Schultern gibt mir gerade noch einen kleinen Halt. „Halt“, sagt der Pharao. Ich horche auf und sehe mich um. Inzwischen sind wir an einer kleinen Gebirgskette angekommen. Die Felsen sind nicht sehr hoch. Ihr ockerfarbener Ton reflektiert die Helligkeit der Sonne und für einen kurzen Moment glaube ich, etwas Aufleuchten gesehen zu haben. Priester Seto schneidet die Fesseln von Nafi durch, die sich gleich daraufhin die Handgelenke reibt. Der Pharao steigt ab, nimmt mir die Beutel von den Schultern und hängt sie wieder an das Pferd. Die Stille und das Verhalten der beiden machen mich unsicher. Was ist los?
„Denkt Ihr auch was ich denke, mein Pharao?“, sagt Priester Seto ganz leise. Der Pharao nickt daraufhin, legt eine Hand auf seine linke Hüfte und ich sehe kurz ein Schwert aufblitzen. Meine Augen weiten sich. Die Wachen postieren sich um uns herum. Nafi stellt sich direkt hinter Priester Seto. Ich merke eine warme Hand an meinem rechten Arm und werde vom Pharao hinter ihn gezogen. Verständnislos werfe ich ihm einen kurzen Blick zu. „Was-“ „Still!“, faucht er mich an. In meinem Augenwinkel sehe ich eine Bewegung. Bevor ich jedoch näher hinsehen kann, höre ich Schreie aus allen Richtungen.
„Aaaangriiifff!“ Mir bleibt kurz das Herz stehen. Aus jeder Ecke kommen vermummte Menschen heraus. Mit erhobenen Schwertern und Speeren laufen sie in unsere Richtung. Die Wachen im uns herum stürmen direkt auf sie zu.
„Weiche mir nicht von der Seite, Yugi“, sagt der Pharao. Ich blinzle kurz auf. Wohin sollte ich denn noch flüchten?! Es gibt hier keinen Ausweg um davon zu laufen.
„Nafi, nimm das“, höre ich Priester Seto sagen. Er will ihr einen Dolch übergeben, doch hält kurz inne.
„Ich warne dich. Mach keine Faxen.“
Nafi nimmt freudestrahlend den Dolch entgegen und grinst mich an.
„Jetzt darf ich wieder meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen“, sagt sie und rennt zu den Angreifern. Was?! Ich beobachte wie sie auf einen der Vermummten zuläuft. Dieser hebt sein Schwert gegen sie, doch sie weicht ihm geübt aus, indem sie sich vor ihm auf den Sand fallen lässt und ihm das Schwert aus der Hand schlägt. Der Angreifer scheint überrascht zu sein, denn bevor er verstanden hat, was da vor sich geht, hat sie ihm auch schon das Gewand heruntergezogen. Ein Mann mittleren Alters. Nafi steht nun hinter ihm, den Dolch an seinen Hals gesetzt und schneidet ihm die Kehle durch. Entsetzt sehe ich sie an. Seit wann kann sie kämpfen? Und dann noch-
„Yugi, pass auf!“, schreit der Pharao. Ich war so gebannt von diesem Anblick, dass ich überhaupt nicht bemerkt habe, dass der Pharao nicht mehr an meiner Seite steht. Ruckartig sehe ich nach rechts und kann ganz knapp noch dem Schwert ausweichen. Der Vermummte sieht mich an. Nun stehe ich vor ihm, ganz ohne Waffe. Doch er unternimmt nichts.
„Du würdest viel Gold einbringen“, höre ich eine Männerstimme hinter dem Tuch reden.
„Scheinst wohl für den Pharao ganz wichtig zu sein“, sagt er mit einem gefährlichen Unterton. Ich muss laut schlucken. In diesem Moment hasse ich diesen Ring. ‚Ein gefundenes Fressen‘, erinnere ich mich. Er muss ihn gesehen haben. Mit einem Schrei, stürzt er in meine Richtung, doch aus Angst weiche ich zur Seite und falle in den Sand. Ich krieche rückwärts, doch stoße gegen eine Felswand. Mein Angreifer fixiert mich und hebt das Schwert. Jetzt ist es vorbei! Jegliche Gedanken schießen mir durch meinen Kopf. Lass den Schmerz kurz andauern! Mach es schnell! Ich schließe meine Augen, denn ich will meinem Tod nicht in die Augen schauen. Ich rechne mit einem kommenden Schmerz, der mir wahrscheinlich die Sinne raubt, doch es passiert nichts. Langsam öffne ich meine Augen und sehe eine Schwertspitze aus dem Brustkorb meines Angreifers ragen.  Blut fließt daran herunter, bis die Spitze mit einem ekelerregenden Geräusch, rausgezogen wird. Der Mann fällt zur Seite und vor mir steht der Pharao. Er schaut mich an, nimmt schließlich das Schwert, dass auf dem Boden liegt und übergibt es mir. Er hat Blut an seinem Gewand und seine Hand ist auch voll damit. Ich unterdrücke einen Würgereiz und nehme mit zitternder Hand das Schwert entgegen. Kaum hat er es mir übergeben, streckt er mir seine Hand entgegen. Seine Atmung ist schnell. Ohne darüber nachzudenken, nehme ich seine Hand und lasse mich hochziehen.
„Bleib am Leben“, sagt er mir noch kurz, bevor er sich den nächsten Angreifer vornimmt.

Ich betrachte das Schwert in meiner Hand und sehe erneut jemanden auf mich zukommen. Reflexartig wehre ich den Angriff ab. Ein klirrendes Geräusch ertönt als zwei Schwerter aufeinandertreffen. Der Angreifer tritt mich in den Brustkorb und ich falle erneut in den Sand. Unbewusst halte ich das Schwert vor mir ausgestreckt. Jetzt oder nie! Ich reiße mich zusammen, unterdrücke meine Angst und stoße mit dem Schwert in seine Magengegend. Geschmeidig schneidet es durch ihn hindurch. Der Angreifer lässt daraufhin seine Waffe fallen, sieht mich mit erschrocken en Augen an, ehe er zusammenbricht. Ich ziehe das Schwert wieder heraus. Blut tropft von der Waffe auf den Boden. Ich habe ihn... getötet! Mein Körper fängt an zu zittern. Die Gewissheit lässt mir speiübel werden. Ich bin kein Verbrecher! Und auch kein Mörder! Ich bleibe erstarrt an meinem Platz stehen und die letzten Sekunden des Angreifers wiederholen sich immer und immer wieder vor meinem geistigen Auge. Jemand berührt mich an der Schulter. Angriffsbereit hebe ich wieder das Schwert und halte sie dem Pharao entgegen. Dieser hebt die Hände kurz hoch.
„Langsam...“, spricht er ruhig.
„Gib mir das Schwert, Yugi.“ Als ich nicht reagiere, weil ich unter Schock stehe, geht er langsam um die Waffe herum und legt seine Hände um dessen Knauf. Meine Augen wandern in sein Gesicht. Er wirkt so müde. Und... er hat mich gerettet. Ich wäre längst tot, wenn er meinen ersten Angreifer nicht daran gehindert hätte.
„Es ist vorbei. Wir haben gesiegt“, sagt er weiter und tritt direkt neben mich.

Seine Worte dringen nur langsam aus weiter Ferne zu mir durch. Ich blinzle und lockere meinen Griff. Der Pharao wirft das Schwert zur Seite und packt sein eigenes wieder in die Schwertscheide.
„Das hast du gut gemacht“, lobt er mich. Ich bin überrascht. Er lobt mich, dabei habe ich jemanden getötet.
„Aber... er... ist... er ist tot“, stottere ich. Er lächelt.
„Ja, Yugi. Aber wenn er es nicht ist, wärst du es gewesen.“ Jetzt realisiere ich, in welcher Gefahr ich geschwebt habe. Ich will ihm für meine Rettung danken, doch ich bringe keinen Ton heraus. Zu tief sitzt der Schock. Nafi steht nicht unweit von uns. Priester Seto reißt ihr wieder den Dolch aus der Hand. Sie ist von oben bis unten mit Blut befleckt, und scheint... glücklich? Ja, so sieht sie aus. Sie zwinkert mir zu und folgt Priester Seto zu den Pferden. Ich sehe wieder zum Pharao. „Ihr habt mich gerettet.“ Erstaunt sieht er mich an.
„Aber sicher. Warum sollte ich das nicht tun?“
„Weil ich in Euren Augen ein...Verbrecher bin.“ Er schüttelt den Kopf.
„Nein, Yugi. Das waren nie meine Gedanken. Wie ich dir sagte, ich habe dich aus anderen Gründen aufgenommen.“ Schließlich zeigt er auf die Pferde.
„Wir müssen weiter, sonst werden noch mehr kommen.“ Wir laufen um die leblosen Körper herum, weichen ihnen aus. Ich konzentriere mich darauf, bloß keine der Leichen versehentlich zu Streifen oder über sie zu stolpern. Als wir endlich bei den Pferden ankommen, nimmt jeder wieder seine Stellung ein. Nachdem der Pharao auf dem Pferd sitzt, wendet er sich uns allen zu.
„Wir haben keine Verluste erlitten. Keinen Schwerverletzten. Das soll in Zukunft auch so bleiben. Yugi, ich vertraue darauf, dass du in der Nähe meines Pferdes läufst.“ Ich sehe irritiert an.
Nach dieser Erfahrung, werde ich gewiss nicht flüchten. Zur Bestätigung nicke ich ihm zu. Bevor wir weiter gehen, trinkt jeder noch etwas aus den Ledertrinkbeuteln. Ich rechne damit, dass ich nichts bekomme, doch der Pharao streckt mir seinen Beutel entgegen und dankend nehme ich ihn an. Nachdem wir alle etwas zu Kräften gekommen sind, gehen wir auch schon weiter.
„Das war kein Überraschungsangriff, mein Pharao. Räuber hätten sich nicht verdeckt...“, sagt Priester Seto.
„Diese Männer wussten, dass wir hier entlang gehen.“ Der Pharao seufzt.
„Wir müssen aufpassen, wem wir vertrauen, Seto. Wir sollten wachsamer sein.“ Ich bekomme Gänsehaut bei dem Gedanken, wieder jemanden töten zu müssen... Meine Müdigkeit ist mit einem Schlag verschwunden und ich stehe unter Adrenalin. Mein Hunger hat sich ebenfalls von mir verabschiedet. Ich will jetzt so schnell wie möglich in Luxor ankommen. Dieser sengenden Hitze entkommen und der Angst, wieder angegriffen zu werden. Ich freue mich schon auf unsere Rast... obwohl die Angst in meinen Knochen sitzt, wieder angegriffen zu werden oder sogar im Schlaf getötet zu werden...
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