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I rîn - Die Königin

von Fagotruh
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Het
Aragorn Frodo Gandalf Gimli Legolas OC (Own Character)
07.03.2021
25.11.2021
74
117.540
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25.11.2021 1.179
 
Die Sonne ging gerade über dem Horizont im Osten auf und erhellte den wolkenlosen Himmel in einem warmen Orange. Die Sterne des klaren Nachthimmels verschwanden langsam im Angesicht des Tages und das Meer spiegelte die Sonne wie eine Scheibe Metall. Die Wasseroberfläche war von sachten Wellen bedeckt, die der Wind stetig gegen die Bugwände unseres Schiffes schlug. Ich stand auf dem Deck an die Rehling gelehnt, lauschte dem Rauschen des Wassers, atmete den salzigen Geruch ein und ließ mir den Wind durch die Haare wehen. Der Sonne hatte ich den Rücken zugewandt, denn meinen Augen galt nur ein Ziel. Der Westen.
Vor drei Tagen waren wir aufgebrochen, um unser bisheriges Zuhause hinter uns zu lassen und dorthin zurückzukehren, wo das Schicksal der Elben eigentlich lag. Die Unsterblichen Lande, die Heimat der Götter. 122 Jahre waren vergangen, seit der Ringkrieg ein Ende gefunden hatte und der Frieden in Mittelerde eingekehrt war. Die Königreiche der Menschen und Zwerge blühten in Pracht und Schönheit, die Hobbits im Auenland hatten sich den Völkern um sich herum etwas geöffnet und trieben nun regen Handel mit den Menschen aus Lindon und Gondor. Auch die Stämme der Elben standen enger in Kontakt als jemals zuvor. Der Düsterwald erhielt nach der Zerstörung Dol Guldurs seinen alten Namen wieder und wurde nun wieder Großer Grünwald genannt, Thranduils Volk siedelte teilweise unter Legolas Führung in das durch den Krieg gebeutelten Ithilien um und verwandelte die öden, vergifteten Ebenen dort in fruchtbare, nun größtenteils von den Menschen aus Gondor bewirtschaftete, Landschaften. Lothlórien stand nun nur noch unter Celeborns Herrschaft und stand in enger Freundschaft mit König Thranduil, da Galadriel nur wenige Jahre nach dem Krieg zusammen mit Elrond, Gandalf und Frodo Mittelerde verlassen hatte. Es war Zeit gewesen für die Ringträger, alle Wunden zu heilen und ein Leben fern ab von Schmerz und Leid zu führen. Für alle, außer mich, denn ich hatte hier meine Aufgabe. Für eine lange Zeit erstrahlten die Grauen Anfurten in alter Pracht, die für jedes lebende Wesen zugänglich war. Wir standen in regem Austausch mit Bruchtal, das unter Elladans und Elrohirs Führung eine Zuflucht für jeden war, der das Nebelgebirge überqueren wollte, und handelten mit Gondor und Rohan. Mit Aragorn, der nach seiner Krönung König Elessar genießen wurde, hatte das wiedervereinigte Königreich einen weisen und gerechten Herrscher, der Bande mit vielen Völkern schloss und nur zum Schwert griff, wenn es nicht anders ging. Er beseitigte die letzten Nachwirkungen Saurons im Süden und Osten und erschloss die verfallenen Gebiete Arnors, Dunlands und Rhovanions. Das Reich hatte seine alte Stärke wieder und mit Aragorns Sohn Eldarion einen würdigen Nachfolger. Ein Nachfolger, der nun der König war.

Vor drei Monaten hatte uns die Nachricht erreicht, dass König Elessar gestorben war. Friedlich im Beisein seiner Familie eingeschlafen und in die ewige Ruhe der sterblichen Völker geglitten. Es war der Moment gewesen, in dem ich realisiert hatte, dass es nun zu Ende war.
Mein Leben hatte in einem Krieg begonnen, ein Drittel davon hatte ich in zahlreichen Kriegen gekämpft und schließlich hatte ich angenommen, in diesem letzten Krieg zu sterben. Doch nun gab es für mich keine Kriege, keine Schlachten mehr, und die Gemeinschaft des Ringes, die nur noch aus Legolas, einem mittlerweile sehr gebrechlichen Gimli und mir bestand, existierte nicht mehr. Vor einem Jahr hatten Elladan und Elrohir als letzte Bewohner Bruchtals diese Gestade verlassen, zuvor schon zahlreiche Elben aus Lothlórien, dem Waldlandreich und Ithilien. Die Grauen Anfurten lagen verlassen da, denn auch Círdan war mit den letzten Verbleibenden meines Volkes schon gen Westen gesegelt. Legolas und ich waren geblieben.

Über dem Plätschern der Wellen vernahm ich auf einmal noch das Geräusch leiser Schritte, die von hinten näher kamen, und bevor ich mich umdrehen konnte, tauchte Legolas neben mir auf und legte einen Arm um meine Taille. Ich sah von der Seite zu ihm auf und musste schmunzeln, da er genießerisch die Augen geschlossen hatte und aufseufzte, als ihm der Wind eine Haarsträhne um die Nase wehte.

"Schläft Gimli noch?", fragte ich leise.

"Ich habe ihn gerade geweckt. Wir müssten bald da sein, und du weißt wie er meckern würde, würde er die Ankunft verschlafen", erwiderte Legolas und folgte meinem Blick in die Ferne.

Vor meinem geistigen Auge stellte ich mir vor, wie sich der Zwerg wutentbrannt vor uns beiden aufbaut und mit erhobenem Finger ein zwergisches Schimpfwort nach dem nächsten loslässt. Trotz seines fortgeschrittenen Alters und dem langen, weißen Bart, der ihn furchtbar weise aussehen ließ, hatte das stets eine belustigende Wirkung.
Auch Gimli hatte nach dem Krieg seine Bestimmung gefunden, indem er die Glitzernden Höhlen unter Helms Klamm mit Zwergen besiedelt hatte und dessen Herr geworden war. Sein kleines Reich wurde innerhalb von wenigen Monaten zum größten Exporteur von Metallen und Edelsteinen südlich des Erebor und eine wunderschöne Zwergenstadt. Doch nun war er alt, konnte nicht mehr so effizient mit Hammer, Meißel oder gar der Axt umgehen und hatte Legolas und mir schließlich in den Anfurten Gesellschaft geleistet. Gimli Elbenfreund hieß er seit dem Krieg, und somit wollte er auch in einem Reich der Elben die ewige Ruhe finden.
Vor allem Legolas hatte es nicht über das Herz bringen können, unseren alten Freund allein in Mittelerde zu lassen und somit hatten wir ihn einfach mitgenommen, auf unserem kleinen, selbstgebauten Schiff, dass nun schon seit drei Tagen über den endlosen Ozean segelte. Gimli sollte der erste und einzige Zwerg sein, der je die Unsterblichen Lande betrat.

"Ich hoffe die Valar lassen uns passieren, wenn sie merken, dass wir einen Sterblichen an Bord haben."

"Gandalf ist dort, er wird uns erkennen und mit offenen Armen empfangen", erwiderte ich und lehnte den Kopf gegen Legolas Schulter. Ich lauschte seinem ruhigen Herzschlag und seufzte wohlig, als er mit der Hand über meinen Rücken strich.

"Ich kann immer noch nicht glauben, dass der alte Mann ein Maia ist", sagte Legolas. "Die paar Zaubertricks waren nur ein Bruchteil seiner wahren Macht."

Ich brummte zustimmend, drehte mich aber um, als Schritte und das Klopfen eines Stockes auf dem Holzplanken des Schiffes ertönten.

"Älter als das Mithril in den Minen und trotzdem benehmt ihr euch wie verliebte Turteltauben!" Gimlis tiefe Stimme hörte sich vom Schlaf noch kratzig an und aus seinem Bart standen einige Strähnen ab. Er lehnte sich neben uns an die Rehling und spähte mit zusammengekniffenen Augen Richtung Westen. "Noch nichts zu sehen?"

"Noch nicht, aber es dürfte nicht mehr weit sein." Ich beugte mich etwas nach unten, um die wirren Strähnen in seinem Bart glattzustreichen. Er ließ es geschehen, denn mit zunehmendem Alter hatte er einiges seiner Kratzbürstigkeit abgelegt.

"Nicht ganz", sagte da Legolas. Er hatte die Augen mit der Hand vom Licht abgeschirmt und auf seinen Lippen bildete sich ein breites Lächeln.

Mein Blick schnellte hoch und mein Herzschlag beschleunigte sich, als ich am Horizont eine Landmasse erblickte. Langgezogen, mit einem hohen Gebirge und unzähligen Lichtern, die in der Mitte das Ufer erhellten. Die Bucht von Eldamar.

"Valinor", flüsterte ich.

Und so hatte mein Weg ein Ende gefunden.



ENDE
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