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I rîn - Die Königin

von Fagotruh
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Het
Aragorn Frodo Gandalf Gimli Legolas OC (Own Character)
07.03.2021
25.07.2021
28
45.564
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07.03.2021 1.426
 
Die trockenen Blätter raschelten leise, als ich den dünnen Ast in meinem Sichtfeld vorsichtig zur Seite schob und durch die Lücke im Geäst nach unten spähte.
Die vier mageren Orks am Fuße des Baumes bemerkten das Geräusch nicht und stritten sich stattdessen weiter um die drei Kaninchen, die vor ihnen auf der Erde lagen. Meine Mundwinkel zuckten nach oben und ich ließ den Ast langsam wieder zurückgleiten.

Vor zwei Tagen hatte ich diese Orks an der Grenze zu Rohan bemerkt und war ihnen bis nach Ithilien gefolgt. Zu Beginn hatte ich sie für ein paar harmlose Streuner gehalten, doch mittlerweile war ich mir ziemlich sicher, dass sie ein genaues Ziel hatten.
Mordor.
Wahrscheinlich waren sie die letzten Überlebenden der Spähertruppe, die die Rohirrim vor kurzem in der Nähe von Edoras überrascht und niedergemetzelt hatten. Sie wussten mit Sicherheit nicht, dass es mehr als dämlich war, von einer gescheiterten Mission zu ihrem Gebieter zurückzukehren, doch wenigstens waren sie so schlau gewesen, ihre Rüstungen abzulegen. Hätte ich sie früher als Mordor-Orks erkannt, wären sie jetzt schon tot.

Lautlos sprang ich auf den Ast unter mir, um einen besseren Blick über das Geschehen zu haben.
Der größte der Orks hatte sich die drei Kaninchen geschnappt, öffnete den Mund und wollte schon die Zähne in das Fleisch schlagen, als einer seiner Kollegen ausholte und ihm mit voller Wucht in den Bauch schlug. Die Kaninchen fielen zu Boden und der Ork gab ein Geräusch von sich, das nach einer Mischung aus Keuchen und Knurren klang. Mit einem Brüllen ging er auf seinen Gegenüber los, der nicht die geringste Chance hatte. Seine Rippen brachen mit einem lauten Knacken, und seine blutigen Eingeweide flogen in hohem Bogen durch die Luft.

Angewidert verzog ich das Gesicht. Es sollte mir recht sein, wenn sie sich gegenseitig umbrachten, doch an den Anblick ausgeweideter Orks gewöhnte man sich auch nach zahllosen Schlachten nicht. Beziehungsweise wollte ich mich nicht daran gewöhnen.
Lautlos nahm ich meinen Bogen vom Rücken und zog einen Pfeil aus meinem Köcher. Genug rohes Fleisch für heute.

Vorsichtig balancierte ich auf dem Ast weiter nach vorn, bis er mein Gewicht gerade noch hielt, und legte den Pfeil an die Sehne. Das Holz knackte leise unter meinen Füßen, doch die Orks waren in ihrem Blutrausch viel zu abgelenkt, um mich zu bemerken. Dumme Geschöpfe.

Ruhig atmete ich aus, spannte die Sehne, bis die Federn des Pfeils mein Ohr streiften, und zielte auf den Kopf des größeren Orks.
Das letzte, was er von sich gab, als die Spitze durch seinen Schädelknochen schlug und an der Stirn wieder austrat, war ein überraschtes Grunzen, dann sank er leblos auf die zerfleischte Leiche vor ihm. Um das Überraschungsmoment ausnutzen zu können, ließ ich mich sofort hinter den anderen, nun völlig überrumpelten Orks auf den Boden fallen, rammte ihm einen meiner zwei Dolche ins Rückrad und drehte die Klinge mit einem leisen Knirschen einmal herum.
Mit einem erstickenden Gurgeln kippte auch sein bewegungsloser Körper vornüber zu Boden.

Angewidert wischte ich den Dolch an den Lumpen der Orks ab und steckte ihn wieder in meinen Köcher, dann nahm ich die Kaninchen und legte sie behutsam unter den nächstgelegenen Busch. Sollten sie einem anderen Lebewesen als Nahrung dienen und nicht mit Orkblut getränkt verwesen.

Plötzlich hallte ein markerschütternder Schrei durch den Wald und ließ mich herumfahren. Als das Echo verklungen war, hörte ich schnelle, platschende Schritte auf losem Blätterboden und einen anderen, menschlichen Ruf, der mich schelmisch grinsen ließ.
Schnell kletterte ich wieder auf einen der Bäume und spähte durch das Blätterdach. Dieser Schrei konnte meine Ohren auch nach fünfzehn Jahren der endlosen Suche nicht täuschen.

"Bleib hier du stinkender Verräter!"
Die menschliche Stimme und die platschenden Schritte kamen näher und nur den Bruchteil einer Sekunde nach dem Ruf stürzte eine fahlhäutige Kreatur auf die Lichtung.
Ohne lange zu zögern ließ ich mich leichtfüßig auf den Boden fallen, zog im Flug einen Dolch aus meinem Köcher und schnitt der Kreatur den Weg ab. Bevor sie reagieren konnte, hatte ich sie schon am Hals gepackt und auf den Boden gedrückt.

"Ahh! Lass mich los! Garstiges Elbenweib!", schrie die Kreatur und versuchte mit seinen patschigen Händen meine Haare zu fassen zu kriegen, allerdings drückte ich ihm einen Dolch an die Kehle, bevor er eine Gelegenheit dazu hatte.
In diesem Moment stürzte jemand laut keuchend hinter mir aus dem Dickicht.

"Mae govannen, Aragorn", sagte ich ohne aufzusehen. Schritte kamen näher und mein Grinsen wurde breiter.

"Was tust du denn hier?", keuchte der Waldläufer. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie er sich schwer atmend auf seinen Knien abstützte.

"Ich hindere deine Beute am Fliehen, wenn's genehm ist", erwiderte ich. Mit einem Auge schielte ich nach oben und verlagerte mein Körpergewicht, um ihn ansehen zu können.

Aragorns Miene blieb unverändert, bis sich auch sein Mund zu einem breiten Grinsen verzog.
Triumphierend nickte ich ihm zu, bis Gollum wieder meine Aufmerksamkeit auf sich zog, da er sich unter meinem Griff wandte wie ein Aal auf dem Trockenen. Im Prinzip war er auch nichts anderes. Ich hatte das Gefühl, diese an sich schon scheußliche Gestalt war noch abgemagerter und fischähnlicher geworden, seit ich sie das letzte mal gesehen hatte.

"Er hat einfach die Fesseln durchgekaut, als ich einen Moment nicht hingesehen habe", sagte Aragorn, als er sich neben mich kniete und Gollums Arme festhielt.

"Das wundert mich nicht", stellte ich mit einem Blick auf die Reste der Fesseln fest, die an den dünnen Handgelenken des Wesens hingen. "Dieses Seil sieht aus, als hätte es schon meine Geburt miterlebt."

Aragorn brummte neben mir nur beleidigt etwas vor sich hin und drückte mit dem Ellenbogen Gollums Hals auf den Boden, damit ich ein Seil von meinem Gürtel nehmen konnte. Gründlich band ich es ihm um Hals und Handgelenke. Als die Fasern seine Haut berührten, schrie er erneut wie ein Tier auf und wir mussten uns fast mit unserem gesamten Gewicht auf ihn legen, damit er nicht entwischte.

"Nehmt es ab! Gollum! Nehmt es ab! Es brennt!"

"Hab dich nicht so!", herrschte ich ihn an. "Ich kann mir vorstellen, Saurons Foltermaschinen waren um einiges schlimmer, als ein Stück Elbenseil!"
Gollum wimmerte noch einmal, dann verstummte er und schaute mich aus großen Augen an.
"Geht doch", murmelte ich, stand auf und steckte meinen Dolch wieder weg.

Aragorn tat es mir gleich und band das andere Ende das Seils an seinem Gürtel fest. Als sein Blick auf die drei Orkleichen, das vollkommen blutdurchtränkte Gras und die losen Eingeweide vor ihm fiel, legte er die Stirn in Falten.
"Dir ist klar, dass Ork nicht schmeckt?", witzelte er und betrachtete die Körper näher.

"Nein, wirklich?", erwiderte ich gespielt überrascht. "Ich wollte sie mir gerade braten."

Aragorn lachten leise und hockte sich neben den Leichen auf den Boden. Er stieß den Kopf des größeren Orks an, sodass dieser zur Seite kippte und ein Brandzeichen am Hals entblößte.
"Mordor-Orks", sagte der Waldläufer und sah zu mir auf.

Ich nickte.
"Ich denke sie gehörten zu der Meute, die die Rohirrim vor ein paar Tagen gefasst haben", erklärte ich. "Ziemlich armselige Geschöpfe, erst bringen sie sich fast selbst um, dann wehren sie sich nicht einmal."

"So wie ich dich kenne, hast du ihnen auch keine Gelegenheit dazu gegeben", bemerkte der Waldläufer schmunzelnd.

Ich warf ihm einen schelmischen Blick zu, doch in diesem Moment rannte Gollum plötzlich nach vorn und riss Aragorn fast zu Boden. Er hastete zu dem Busch, unter den ich die Kaninchen gelegt hatte, zog eines davon hervor und hieb seine Zähne in das Fleisch.
"Gollum", nuschelte er zufrieden, während er den toten Körper verschlang.

Mit einem Seufzen beobachtete ich, wie sich das hellbraune Fell des Hasen rot färbte und Gollum dessen Eingeweide auf dem Gras verteilte. So wie er aß, hatte er schon recht lange nichts mehr zwischen den Zähnen gehabt.
"Wo bringen wir ihn jetzt hin?", fragte ich an Aragorn gewandt.

"In den Düsterwald zu, König Thranduil", antwortete er.
Mein Blick zuckte zu ihm und ich wollte schon protestieren, als er mich unterbrach: "Gandalf will es so."

Seufzend wandte ich mich wieder Gollum zu, der mittlerweile nur noch ein Skelett mit einigen Haut und Fleischfetzen in den Händen hielt.
"Dann hoffe ich wenigstens, dass Thranduil sich ihm gegenüber von seiner besten Seite zeigt."
Die Ironie in meiner Stimme schien sogar Gollum bemerkt zu haben.
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