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Unten am Fluss

von eve001
OneshotAllgemein / P12 / Gen
Lily Potter Severus Snape
07.03.2021
07.03.2021
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Hallo :-)

Dieser kleine Oneshot ist beim Schreiben meiner FF Dunkle Jahre entstanden. Dort passt er aber nicht als Ganzes hinein, deshalb poste ich ihn extra.

Viel Spaß :-)

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Unten am Fluss

Die bunten Plakate hingen schon seit Wochen an jeder Ecke in Cokeworth. In großen Lettern kündigten sie den alljährlichen Jahrmarkt auf dem Hauptplatz an. Bisher hatte Severus den Plakaten nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt, doch Lily sprach schon seit Tagen von nichts anderem mehr. Sie wollte mit Severus auf den Jahrmarkt gehen und er hatte natürlich eingewilligt. Wie hätte er ihr auch den Wunsch abschlagen sollen, wenn sie ihn doch mit ihren grünen Augen so flehentlich angesehen hatte?

Am Freitag war es so weit. Severus stand vor dem angelaufenen Spiegel in seinem Zimmer. Er zog sich den Gürtel seiner übergroßen und zu kurzen Jeans enger und schlüpfte in ein neues T-Shirt, das ihm ein wenig zu lang war. „Neu“ meinte dabei aber nur, dass es seine Mutter erst vor ein paar Tagen im Gebrauchtwarenladen gekauft hatte. Für neue Kleidung war im Hause Snape kein Geld übrig.

Immer zwei Stufen auf einmal nehmend lief Severus die Treppe hinunter, er stoppte jedoch, als er das Wohnzimmer erreichte. Sein Vater mochte es nicht, wenn er im Haus lief. Oder laut sprach. Auf Zehenspitzen schlich der schwarzhaarige Junge durch den Flur, die Eingangstür war schon in greifbarer Nähe, doch eine Stimme hielt ihn zurück.

„Severus?“

Widerwillig blieb er stehen und wandte sich zu seiner Mutter um. Er durfte keine Zeit mehr verlieren! Lily wartete bestimmt schon auf ihn.

Eileen Snape kam von der beengten Küche in den Flur. Sie trug eine fröhliche, geblümte Schürze, die so gar nicht zu ihrem traurigen, mürrischen Gesichtsausdruck passte. Für einen kurzen Moment betrachtete sie ihren Sohn nachdenklich, der schon eine Hand auf der Türklinke hatte und es offensichtlich gar nicht mehr erwarten konnte, das Haus zu verlassen. Ein kleines Lächeln breitete sich auf Eileens schmalen Gesicht aus. Jedoch verschwand es so schnell wieder, wie es erschienen war, denn ihre rechte Gesichtshälfte war geschwollen und selbst das kleinste Lächeln verursachte ihr Schmerzen.

Severus war das nicht entgangen. Er betrachtete erst ihre Wange und senkte dann wütend und beschämt zugleich seinen Blick.
„Ich – Ich habe nicht aufgepasst und bin gegen den Türrahmen gelaufen“, flüsterte sie.
Severus nickte, obwohl er wusste, dass sie log. Er hatte Vater schreien gehört. Wie immer hatte er gemeine Dinge gesagt. Abscheuliche Dinge. Und das alles nur, weil er wieder auf das Arbeitsamt gehen musste. Am Abend, wenn er aus dem Pub heimkommen würde, würde es noch schlimmer werden.

Mrs. Snape griff in die Tasche ihrer Schürze und überreichte ihrem Sohn anschließend eine glänzende Ein-Pfund-Münze.
„Mach dir einen schönen Tag mit Lily“, sagte sie.
Severus starrte die Münze in seiner Hand ungläubig an. Mit offenem Mund blickte er zu seiner Mutter, unfähig auch nur ein Wort zu sagen.
Seine Reaktion entlockte Mrs. Snape ein Schmunzeln, das ihre Augen nicht erreichte, denn sie sahen ihn traurig an. „Sei bei Einbruch der Dunkelheit wieder zu Hause, ja?“
„Danke, Mum.“ Mit einem breiten Grinsen im Gesicht schloss Severus seine Faust um die Münze. Er hatte noch nie so viel Geld für sich alleine gehabt! Damit würde er Lily etwas Schönes kaufen!

So schnell ihn seine Beine trugen rannte er über das Kopfsteinpflaster. Seine Hand war fest um die Münze geschlossen. Sie war sein größter Schatz. Severus ahnte, dass seine Mutter dafür irgendwo anders hatte einsparen müssen, nur um ihm einen schönen Nachmittag zu ermöglichen.

Den Weg zu Lilys Haus kannte er mittlerweile so gut, dass er ihn hätte blind laufen können. Lily wartete schon vor dem Haus. In ihrem gelben Kleid erinnerte sie Severus unweigerlich an die Sonne. Das passte ganz gut zu ihr, denn sie war das Licht in seinem trostlosen Leben. Severus freute sich so sehr, sie zu sehen, dass er sogar die Gegenwart ihrer schrecklichen Muggel-Schwester tolerierte. Petunia stand neben Lily und starrte Severus unfreundlich an, doch das bekam er gar nicht mit. Er hatte nur Augen für Lily und das strahlende Lächeln auf ihren Lippen, mit dem sie ihn empfing.

Der folgende Nachmittag war bestimmt einer der schönsten seines bisherigen Lebens. Irgendwann hatte Petunia zum Glück eine Schulfreundin entdeckt und hatte Severus mit Lily alleine gelassen. So konnten sie ungestört über Hogwarts und die Welt der Zauberer reden und dabei so viel Zuckerwatte und anderen Süßkram essen, bis ihnen schlecht wurde. Während sie von einer Attraktion zur nächsten schlenderten, hatte Lily wie selbstverständlich Severus an der Hand genommen, um ihn im dichten Gedränge nicht zu verlieren. Zuerst hatte er gar nicht gewusst, wie er darauf reagieren sollte. Aber ihre zarte, warme Hand in seiner fühlte sich richtig an. Mit Lily an seiner Seite hatte Severus das Gefühl über den Hauptplatz zu schweben. Die Attraktionen und Fahrgeschäfte interessierten ihn gar nicht mehr. Alles, was für ihn zählte, hielt er an der Hand.

Als es langsam zu dämmern begann, war es für Severus an der Zeit, sich auf den Heimweg zu machen, wie er es seiner Mutter versprochen hatte. Lily bemerkte, dass er immer schweigsamer und nervöser wurde.
„Was ist los?“, fragte sie besorgt und schaute ihn mit ihren grünen Augen forschend an.
„Ich muss nach Hause“, sagte er leise und ließ die Schultern hängen.

Lily erwiderte nichts, sondern drückte leichte seine Hand. Gemeinsam schlugen sie den Weg nach Spinner’s End ein. Vor dem letzten Haus in der heruntergekommenen Gasse blieben die Kinder stehen. Selbst durch das geschlossene Küchenfenster konnte Severus die laute Stimme seines Vaters hören. Irgendetwas flog durch die Küche und landete mit einem lauten Scheppern auf dem Boden.

„Komm“, sagte Lily erschrocken und zog ihn mit sich. „Komm!“ Sie führte ihn weg. Weg von den Stimmen, weg von dem Weinen seiner Mutter und dem wütenden Geschimpfe seines Vaters.

Schweigend gingen sie zu ihrem Versteck unten am Fluss. Dort, wo die Bäume dicht beieinanderstanden und der Fluss nur als Glitzern in der Ferne zu erkennen waren, hatten sie sich diesen Sommer unzählige Male getroffen. Es war ihr geheimer Zufluchtsort, an dem sie ungestört über die magische Welt reden konnten.

Noch immer einander an den Händen haltend legten sie sich nebeneinander ins Gras und blickten zum immer dunkler werdenden Himmel hinauf.
„Bald fahren wir nach Hogwarts“, flüsterte Severus. „Dann wird alles besser.“
Lily nickte langsam. Sie wandte ihren Kopf zu Severus, sah ihn lange nachdenklich an und setzte sich dann plötzlich auf. Vor lauter Unsicherheit biss sie sich auf die Unterlippe.  
„Stimmt etwas nicht?“, fragte er stirnrunzelnd. Er kannte diesen Blick.
„Versprichst du mir etwas, Sev?“
Er nickt, ohne zu zögern.
Lily nahm ihren ganzen Mut zusammen, um das auszusprechen, was ihr auf dem Herzen lag. „Wenn wir in Hogwarts sind… Versprichst du mir, dass wir Freunde bleiben?“
Für einen kurzen Moment sah er sie überrascht an, doch dann breitete sich ein Lächeln auf seinem blassen Gesicht aus, das seine dunklen Augen strahlen ließ. „Wir werden immer Freunde sein.“ Er drückte ihre Hand. „Immer.“
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