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promises

von Satyrical
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Mahiru Shirota Neugear Hatiwelt Sleepy Ash / Kuro Toru Shirota
07.03.2021
07.03.2021
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"Herr Hatiwelt, sie-"

Mit einem Knurren stieß Gear die überfordert wirkende Krankenschwester beiseite, die versucht hatte, dem Werwolf den Eintritt in den Kreißsaal zu verwehren.

Er betrat den Kreißsaal. Überall waren Ärzte, Krankenschwestern, so viele Menschen in diesen verdammten grünen OP-Kitteln.
Einer der Ärzte wandte sich ihm zu. Er öffnete den Mund, aber Gear verstand kein Wort.  An seinem Kittel, seinen weißen Handschuhen, klebte Blut. Youtarous Blut.

Der Geruch lag schwer in der Luft, süß, vertraut, und fast verlor sich der Werwolf darin. "Youtarou.." murmelte er. "Youtarou..."

Und dann sah er sie.

Youtarou lag so still, so regungslos da.

Fast, als würde sie nur schlafen.

"Was zum Teufel habt ihr mit ihr gemacht?!", fauchte Gear in die Menge von Ärzten. Doch bevor auch nur einer der Männer in Grün auf seine Frage antworten konnte verwandelte er eine seiner Hände und packte den Oberarzt am Hals.

"Wo ist sie?" Die Stimme des Werwolfs war bitter vor Zorn. "Wo ist unsere Kleine?!"

"Herr Hatiwelt, seien sie doch vernünftig..." brachte der Arzt hervor. Gear stieß ihn so grob gegen die Wand des Kreißsaals, dass diese tiefe Risse bekam. "Oh Gott..." kam es von einer der Krankenschwestern. Eine andere verließ panisch den Raum, und für einen Moment überlegte Gear, ihr nachzujagen, seine Zähne in ihrer Kehle zu vergraben, dem Jagdtrieb nachzugeben den er für lange Monate gezügelt hatte, um Youtarou nicht in Gefahr zu bringen.

"Wo. Ist. Meine. Tochter." Er ließ den Arzt los, welcher leblos an der Wand herunter und zu Boden rutschte. In dünner Spur sickerte Blut aus Mund und Nase des Mannes, und der Werwolf rümpfte die Nase als sich der von Angst saure Geruch des Blutes mit dem Youtarous vermischte.

Seine Ohren zuckten, als er leise Schritte hinter sich hörte, und Gear drehte sich um. Eine der Krankenschwestern war gegangen, um das Kind zu holen, vielleicht war es die, die vor einem Moment so verängstigt den Raum verlassen hatte, und für einen Moment war Gears Zorn verflogen wie Rauch im Wind.

Da war sie. Seine, nein, ihre Tochter. Sie war klein und schwach und das Schönste was Gear jemals gesehen hatte, und mit größtmöglicher Vorsicht schloss er das Mädchen in seine Arme.

"Matilda..." seine Stimme war leise, sanft, und für einen Moment war alles still im Kreißsaal. Kleine Hände griffen nach dem schwarzen Fell seines verwandelten Arms. Er fuhr mit einer Hand über den Rücken seiner Tochter, und oh Gott, fühlte sie sich zerbrechlich an in seinen Armen.

Er trat näher an Youtarous leblosen Körper heran. "Schau, Youtarou." Matilda streckte ihre kleine Hand jetzt nach dem Gesicht ihrer Mutter aus. Youtarous Augen waren geschlossen, sie wirkte so friedlich, und Gear spürte, wie ein Lächeln seine Lippen umspielte.
Youtarou hatte es immer geliebt, wenn Gear lächelte. Das hatte ihm seine Gefährtin immer und immer wieder gesagt. Im Nachhinein wünschte er sich, er hätte es viel öfter getan.

"Unsere Tochter... Sie ist wunderschön." Sanft fuhr er mit einer Hand durch die silbergrauen Haare Youtarous. Sie waren nass mit Schweiß. Kein Wunder, dachte sich Gear traurig, nach der Tortur die seine Gefährtin hier hatte durchstehen müssen. Kein Wunder.

Für einen Moment war ihm so, als würde die Zeit still stehen. Für einen Moment waren da nur er, Youtarou und ihre kleine Tochter.
Dann aber griff eine Frau - die Hebamme, vermutete er, auch wenn er ihren Namen bereits wieder vergessen hatte - nach Matilda, und er knurrte tief.

"Fass sie nicht an," knurrte er, und hob drohend die verwandelte Hand. Schwarze Krallen funkelten bedrohlich im weißen Licht der OP Lampen, sein Knurren wurde immer lauter -

Doch bevor der Werwolf seinem Verlangen nachgehen und der alten Frau mit einem Schlag das Gesicht zerkratzen konnte, öffnete sich die Tür zum Kreißsaal ein weiteres Mal.

"Gear."

Seine Ohren zuckten.

Es war Ash. Was machte Ash hier? War er mit Gear und Youtarou hier hergekommen? War er hier, um ihn abzuholen? Er erinnerte sich nicht mehr.

"Kein Wort", knurrte der Werwolf. Sleepy Ash griff sanft aber bestimmt nach Gears hoch erhobener Hand. Die Krallen des Schwarzhaarigen drückten in den Handrücken des Blauhaarigen, und dieser schloss für einen Moment die Augen. "Gear..."

"Kein Wort!"  

Sleepy Ash gehorchte, griff ohne weiteres Wort nach dem Kind in Gears Arm. Ruhig ließ dieser zu, dass der Vampir Matilda zu sich nahm - er vertraute seinem alten Freund.

Das kleine Mädchen war ruhig im Arm des Vampires, sah nur kurz aus müden, blauen Augen zu ihm auf bevor sie sich an ihn lehnte und einschlief. Sleepy Ash hatte einfach diesen Effekt auf Kinder. Bereits auf die seiner jüngeren Brüder, Lawless und World End, hatte er aufpassen dürfen, und ähnlich wie Matilda waren auch William und Juno innerhalb von Minuten in seinem Arm eingeschlafen.

"Ist sie gesund?", fragte er, an die verschreckte Hebamme gewandt. Diese nickte, für einen Moment überfordert von der plötzlichen Konfrontation durch den Vampir, bevor sie ihm ein paar Papiere in die Hand drückte. Matildas Geburtsgröße, Geburtsgewicht...

"Ich bringe sie nach Hause, Gear." Der Werwolf nickte langsam. Kurz spürte er noch die Hand des Vampires tröstend auf seiner Schulter, dann war Sleepy Ash verschwunden.

Er war verschwunden und Gear war alleine. Alleine mit den Ärzten, den Krankenschwestern, alleine mit Youtarou.

"Verschwindet." murmelte er leise, und all der Zorn in seiner Stimme war fort, ersetzt von einem schweren Gefühl der Einsamkeit und Trauer. "Lasst mich alleine."

Weder die Ärzte noch die Krankenschwestern waren dumm genug, um Gear diesen Wunsch zu verwehren. Vielleicht würden sie die Polizei rufen. Vielleicht. Aber was kümmerte das Gear? Er war stärker als jeder dieser verdammten Menschen. Sollten sie doch kommen. Keiner von ihnen würde ihm Youtarou wegnehmen.

Er legte sich zu seiner Gefährtin ins Bett, drückte seinen Kopf sanft gegen Youtarous Brust. "Ich wusste ja, dass ich dich irgendwann verlieren würde..." Gears Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Eine seiner Hände wanderte zu Youtarous Ohr. "Aber so früh...?"

In Gedanken verloren spielte er sanft mit dem goldenen Ohrring. Er stand für so viel. Für Liebe, für Vertrauen, für ein Versprechen. Ein Versprechen, seine Gefährtin nie alleine zu lassen, sei es in guten oder in schlechten Zeiten.

Und doch hatte Youtarou alleine sterben müssen.

"Oh Youtarou..." Er küsste sanft die bereits erkalteten Lippen seiner Gefährtin. "Es tut mir so leid..."

Für einen Moment, in welchem Gear sich sorgsam seine nächsten Worte überlegte, herrschte Stille. Eine Hand fuhr zu seinem eigenen Ohrring.

"Matilda wird genauso wundervoll werden wie du... Versprochen."

Und so gab Gear eines der größten Versprechen seines Lebens.
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