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Nachts erwacht das Leben

von Ahadi
GeschichteRomance, Freundschaft / P16 / Het
Kate Beckett Richard Castle
04.03.2021
07.05.2021
9
45.095
4
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Dieses Kapitel
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04.03.2021 6.585
 
Ich wünsche euch, sehr verehrte Leserinnen und Leser, einen wunderschönen guten Tag und heiße euch gleichzeitig ganz Herzlich Willkommen zu meiner brandneuen AU-Caskett-Story.

Aber bevor es dann gleich losgeht, entsende ich vorher erst nochmal rasch ein ganz großes „Dankeschön“ an JohannaJames und KBRC87, die mir zu meinem zuletzt veröffentlichten Oneshot ein Review zugeschickt haben.

Tja und da ich euch natürlich nicht länger hinhalten will, als unbedingt nötig, schwenke ich nun auch schon die schwarz-weiße Startflagge und eröffne damit feierlich das erste Kapitel meiner neuesten Geschichte, bei dessen Erkundung ich euch das größtmögliche Maß an Genuss wünsche!

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Die 27-jährige Katherine Houghton Beckett saß im Büro ihres Nachtclubs „Nightlife“ und arbeitete konzentriert an dem anstehenden Papierkram, während sie auf den nächsten Bewerber wartete, der sich auf ihre Jobanzeige in der New York Times, bezüglich der kürzlich frei gewordenen Stelle als Barkeeper, hin gemeldet und heute bei ihr sein Vorstellungsgespräch hatte.

Sie war bereits seit dem frühen Morgen hier und überlegte, während sie den notwendigen Bürokram erledigte, zwischendurch immer wieder fieberhaft, wie sie den Club, den sie vor etwa einem Jahr von ihren verstorbenen Eltern, James und Johanna Beckett geerbt hatte und der, sehr zu ihrem Bedauern, zunehmend in den Miesen war, wieder zum Laufen bringen könnte.

Ihr Vater hatte den Club als junger Mann aus dem Nichts heraus erschaffen, ihn praktisch aus dem Boden gestampft und ihn mit viel Arbeit, Fleiß und Mühe, Stück für Stück aufgebaut, bis er schließlich zu einem der beliebtesten Nachtclubs von ganz New York City geworden war.

Er hatte das „Nightlife“ dreißig Jahre lang erfolgreich und gewinnbringend geführt, die meiste Zeit davon gemeinsam mit seiner über alles geliebten Ehefrau und nun, wo beide tot waren, lag es an ihr den Club im Sinne ihrer Eltern weiterzuführen, aber dafür musste sie erstmal einen Weg finden, um ihn bei der Kundschaft irgendwie wieder populär zu machen.

Aber bevor sie weiter darüber nachgrübeln konnte, wie sie das bitteschön anstellen sollte, klopfte es an ihrer Bürotür, woraufhin sie die Person auf der anderen Seite der Tür mit einem „Ja bitte“ dazu aufforderte die Tür zu öffnen und einzutreten und als dies geschah kam ihre beste Freundin und „Schwester“, Dr. Lanie Parrish, zum Vorschein.

„Was gibt es, Lanie?“, war ihr ganzer Ärger, bezüglich ihrer bislang leider völlig fruchtlosen Suche nach einem möglichen Ausweg, einer sprichwörtlich rettenden Idee, beim Anblick ihrer Freundin, die sie im vergangenen Jahr bei allem nach Kräften unterstützt und ihr jedes Mal, wenn sie am Rande der Verzweiflung stand, immer wieder neuen Mut zugesprochen hatte, wie weggeblasen.

Lanie hatte sich sofort, völlig frei von sich aus, dazu bereit erklärt ihr bei der Durchführung der Bewerbungsgespräche zu helfen, das hieß, dass sie die Kandidaten bei ihrer Ankunft im Club in Empfang nahm, diese bei ihr anmeldete und sie nach Beendigung des Gesprächs auch wieder hinaus geleitete.

Zwar hatten ihre beiden Angestellten, guten Freunde und „Brüder“ Kevin Ryan und Javier Esposito, die für die Sicherheit im Club verantwortlich waren, ihr diesbezüglich ebenfalls ihre Hilfe angeboten, aber sie hatte dankend abgelehnt, weil die Vorstellungsgespräche tagsüber stattfanden und die zwei am Abend bzw. in der Nacht arbeiten mussten.

„Der nächste Bewerber ist da, Süße, ein gewisser…Richard Castle“, antwortete die dunkelhäutige, schwarzhaarige Frau wobei sie zwischendurch kurz auf die Liste schauen musste, auf der die Namen derjenigen stand, die sich auf die Stellenanzeige hin bei ihr gemeldet und mit denen sie einen Termin zum Bewerbungsgespräch anberaumt hatte.

„In Ordnung, schick ihn bitte rein“, entgegnete die Beckett daraufhin und während Lanie der Bitte ihrer besten Freundin nachkam und den besagten Kandidaten zu ihr hereinschickte, warf sie rasch einen Blick auf ihre schwarze Armbanduhr, welche ebenfalls ein Überbleibsel von ihrem Vater war.

Diese verriet ihr, dass es gerade 13:52 war, anschließend schaute sie auf ihren Terminkalender, der sowohl die Namen der Bewerber, als auch die genauen Uhrzeiten enthielt, an dem die jeweiligen Vorstellungsgespräche stattfanden und stellte dabei überrascht fest, dass ihr Termin mit diesem Richard Castle eigentlich erst für Punkt 14 Uhr anstand.

Der gute Mann war also pünktlich, etwas, was in der heutigen Zeit leider keine Selbstverständlichkeit mehr und für sie auch schon mal ein positives Zeichen war, denn wenn sie etwas ganz und gar nicht leiden konnte, dann war es Unzuverlässigkeit, wofür Unpünktlichkeit, ihrer Meinung nach, oft bereits das allererste Anzeichen war.

Unaufrichtigkeit und Untreue waren zwei weitere Dinge, die für sie ein absolutes No-Go waren und übrigens auch der Grund dafür, warum sie mittlerweile schon seit über einem Jahr Single war, denn jeder Mann, mit dem sie bislang zusammen war, hatte sie über kurz oder lang entweder eiskalt belogen oder hinterrücks betrogen oder in manchen Fällen sogar beides gleichzeitig.

Dieser wiederholte Vertrauensbruch hatte schließlich dazu geführt, dass sie den Glauben an die wahre Liebe fast vollständig verlor und sich seit dem Ende ihrer letzten Beziehung ausschließlich auf andere und aus ihrer Sicht wichtigere Dinge konzentriert hatte, größtenteils darauf ihre Eltern bei der Arbeit im Nachtclub zu unterstützen.

Und seit sie vor gut einem Jahr die Leitung des Clubs übernommen hatte, hatte sie wirklich nur noch ihre Arbeit im Kopf, sie investierte ihre gesamte Energie darin, das Vermächtnis ihrer Eltern fortzuführen, was in Anbetracht der finanziellen Notlage, in der sie sich momentan befand, alles andere als eine einfache Aufgabe war.

Ein richtiges, normales Privatleben, so wie es andere Leute kannten und auch hatten, existierte für sie inzwischen praktisch schon überhaupt gar nicht mehr, sie ging zwar hin und wieder mal mit ihren Freunden Lanie, Kevin und Javier etwas trinken oder essen, aber das war es dann auch schon.

Zwar machten die Männer, die zu ihr in den Club kamen und natürlich auch die, die sie anderswo traf, ihr aufgrund ihres attraktiven und ansehnlichen Äußeren ständig Avancen, aber sie war niemals darauf eingegangen, weil ihr immer gleich von vorne rein vollkommen klar gewesen war, dass 99% der Männer, die mit ihr flirteten, bloß auf das eine aus waren.

Doch bevor sie weiter über ihr kompliziertes Leben nachdenken konnte, klopfte es erneut an ihrer Bürotür, was sie prompt aus ihren Gedanken heraus und wieder zurück in die Realität holte und obwohl sie natürlich nicht durch die geschlossene Tür hindurch gucken konnte, nahm sie ganz stark an, dass wahrscheinlich dieser Richard Castle derjenige war, der so eben angeklopft hatte.

Sie atmete noch einmal kurz tief durch und forderte die Person, bei der es sich vermutlich um den genannten Bewerber handelte, dann mit einem „Herein“ zum Eintreten auf und als die Tür nur wenige Sekunden später auch schon geöffnet wurde, bekam sie prompt große Augen.

Dort vor ihr, im Türrahmen stand ein ca. 1,85m großer, breit und kräftig gebauter, markant gutaussehender Mann, mit dunkelbraunem Haar, der ihrer Schätzung nach etwa Ende zwanzig, Anfang dreißig sein dürfte.

Sie hatte in ihrem bisherigen Leben zwar bereits viele attraktive Männer, wie ihn getroffen, aber dieses Exemplar hatte eindeutig etwas besonderes an sich, sie wusste nicht genau, was das war, doch dieses besagte Etwas raubte ihr auf den Fall prompt den Atem und brachte zudem ihr Herz wie wild zum Klopfen.

„Guten Tag. Mein Name ist Richard Castle. Ich bin hier, weil ich mich um die Stelle als Barkeeper bewerben möchte“, sagte der junge Mann mit einem freundlichen, wenn auch etwas scheuen Lächeln, an die Frau gewandt, die da wenige Meter von ihm entfernt an ihrem Schreibtisch saß.

Und obwohl er in seinen knapp dreißig Lebensjahren schon vielen hübschen Frauen, wie ihr begegnet war, war diese, ohne jeden Zweifel, das schönste, bezauberndste und umwerfendste Wesen, das er jemals zuvor in seinem Leben gesehen hatte, er war völlig hin und weg von ihr.

„Guten Tag, Mr. Castle. Bitte, kommen Sie rein. Ich bin Kate Beckett, mir gehört das Nightlife“, gab sie sowohl die Begrüßung, als auch das Lächeln zurück, stand dann von ihrem Bürostuhl auf und streckte ihm ihre rechte Hand entgegen, die er, sobald er in den Raum getreten war, die Tür hinter sich geschlossen hatte und an den Schreibtisch herangetreten war, auch ergriff.
   
Allerdings ging das Händeschütteln, was eigentlich eine völlig simple und alltägliche Geste war, in diesem Fall nicht ganz reibungslos vonstatten, denn kaum berührten sich ihre Hände, da kam es den beiden so vor, als wären sie gerade vom Blitz getroffen worden, denn ihre gesamten Körper kribbelten plötzlich wie verrückt.

„Bitte, nehmen Sie Platz, Mr. Castle“, bat Kate ihren potentiell zukünftigen Barkeeper, nachdem sie es schließlich doch irgendwie geschafft hatten, sich ganz normal die Hände zu schütteln und setzte sich dann in ihren schwarzen, ledernen, bequemen Bürostuhl, sich im Stillen immer wieder selbst fragend, was das gerade eben bitteschön war.

Sie hatte im Laufe der Jahre natürlich schon unzähligen Menschen zur Begrüßung oder zum Abschied die Hand geschüttelt, aber so etwas derartiges, wie das, was ihr vor wenigen Sekunden widerfahren war, war ihr bis zum heutigen Tage noch nie passiert, beim besten Willen nicht.

Doch sie beschloss sich nicht länger den Kopf darüber zu zerbrechen, was so eben gerade wundersames zwischen ihr und ihrem sexy Bewerber geschehen war und sich stattdessen wieder der wirklich wichtigen und zugleich auch einzig wichtigen Sache zu zuwenden, nämlich dem Vorstellungsgespräch.

„Vielen Dank. Aber bitte, nennen Sie mich ruhig Rick“, kam er ihrer freundlichen Aufforderung nach und nahm auf dem schlichten Stuhl vor ihrem Schreibtisch Platz, während er sich innerlich ebenfalls darüber wunderte, was gerade eben zwischen ihm und der brünetten Schönheit vorgefallen war.

Aber egal, wie sehr er auch überlegte, er fand keine einzige plausible Erklärung dafür, warum eine so einfache Geste ihn so dermaßen aus der Fassung brachte, er mag zwar noch keine Dreißig sein, aber er hatte dennoch bereits so einiges erlebt, doch noch nie etwas, was diesem seltsamen Geschehnis auch nur ansatzweise gleichkam.

Und letztendlich beschloss auch er sich erstmal keine weiteren Gedanken mehr darüber zu machen, was das so eben ungewöhnliches war, was er genauso gut auch noch später machen konnte, jetzt wollte er erst einmal das Anliegen abwickeln, wegen dem er hier her ins „Nightlife“ gekommen war.

„In Ordnung, Rick. Dann zeigen Sie mir doch bitte mal Ihre Unterlagen“, war es zwar normalerweise nicht ihre Art jemanden, den sie gerade zum ersten Mal getroffen hatte, gleich mit dem Vornamen oder wie in diesem Fall Spitznamen anzusprechen, aber sie dachte sich „Was soll’s?“, schaden konnte es ja schließlich nicht, zumal er sie ja auch darum gebeten hatte.

Er dagegen fragte sich, als er diese Worte vernahm, einige Sekunden lang ernsthaft, ob sie womöglich gerade in seinen Kopf gesehen hatte, welcher den Satz „Okay, zurück zur Sache, Rick“ beinhaltete, er verwarf diesen Gedanken jedoch genauso schnell wieder, wie er ihm zuvor überhaupt in den Sinn gekommen war und ermahnte im sich im Stillen selbst.

Schließlich hatten er und Ms. Beckett diesen Termin nicht miteinander vereinbart, um hier in ihrem Büro ein gemeinsames Kaffeekränzchen abzuhalten, sondern ein Bewerbungsgespräch und von daher war es auch vollkommen logisch, dass sie gerne einen Blick auf seine Unterlagen werfen wollte.

Also öffnete er die dunkelbraune, lederne Aktentasche, die er dabei hatte, holte die Mappe mit den Unterlagen, die sie sehen wollte, heraus und reichte ihr diese mit einem „Hier bitte“, woraufhin sie die Mappe mit den Worten „Vielen Dank“ entgegen nahm und direkt vor sich auf den Schreibtisch legte.

Sie schlug die Mappe auf und sah sich die darin abgehefteten Papiere, darunter natürlich auch das obligatorische Anschreiben, sowie seinen Lebenslauf, gründlich an, in Zweiterem las sie unter anderem, dass er bis vor Kurzem noch als Barkeeper in einer Bar, namens „The Old Haunt“ gearbeitet hatte.

Das „Old Haunt“ war, so viel sie wusste, eine geschichtsträchtige Bar, in der nicht nur bekannte Schriftsteller, wie zum Beispiel Ernest Hemingway, einst zu Gast waren, sondern die in Zeiten der Prohibition auch zu den berüchtigsten Flüsterkneipen in ganz New York City zählte.

Und wenn sie sich richtig erinnerte, dann stand vor einigen Wochen in der Zeitung, dass das „Old Haunt“, nachdem es aufgrund von Insolvenz leider schließen musste, von einem reichen Unternehmer aufgekauft und von diesem zu einer modernen Kaffeebar umgebaut worden war.

„Okay Rick, das sieht auf den ersten Blick ja alles ganz passabel aus“, sagte sie zu ihm, nachdem sie sich zum Schluss ein Empfehlungsschreiben von seinem letzten Arbeitgeber, dem ehemaligen Besitzer des „Old Haunts“, durchgelesen hatte, das ihn als einen freundlichen, kompetenten, zuverlässigen, hilfsbereiten und treuen Mitarbeiter beschrieb.

„Allerdings habe ich im Laufe der Jahre die Erfahrung gemacht, dass das, was auf dem Papier steht, immer nur ein Teil der Geschichte eines Menschen ist. Der andere Teil ist das, was die Person selbst zu erzählen hat“, gab sie ihm anschließend zu verstehen, dass es ihr bei der Auswahl ihrer Angestellten nicht ausschließlich auf das ankam, was in den Unterlagen stand.

„Also Rick, erzählen Sie mir etwas von sich“, mit diesen Worten lehnte sie sich in ihrem Bürostuhl zurück, verschränkte ihre Arme vor der Brust und sah ihn neugierig und abwartend zugleich an, mächtig gespannt auf das, was sie wohl gleich von ihm zu hören bekommen würde.

„Tja, was gibt es über mich zu erzählen?“, nahm er sich einen kurzen Augenblick Zeit, um sich zu überlegen, was er ihr von sich selbst berichten sollte und auch konnte, natürlich möglichst ohne zu riskieren, dass sie ihn geradewegs wieder nach Hause schickte.

„Ich bin 29 Jahre alt, gebürtiger New Yorker, Sohn einer allein erziehenden Mutter, mit der ich, aufgrund ihrer Arbeit, oft umziehen musste, ich bin daher viel herumgekommen im Land und habe zahlreiche Schulen, in verschiedenen Staaten besucht“, begann er mit der Aufzählung der Fakten, bezüglich seiner Person.

Von denen standen zwar einige auch in den Papieren, die er ihr ausgehändigt hatte, aber er dachte so bei sich „Was kann’s schon schaden?“, es konnte ja wohl kaum so schlimm sein, wenn sie das eine oder andere auch nochmal von ihm selbst, aus seinem Munde hörte.

„Des Weiteren bin ich allein stehend, habe weder Kinder, noch irgendwelche Vorstrafen, in meiner Freizeit koche und lese ich gerne, überwiegend Krimis und ich bin Science-Fiction-Fan“, entging ihm, da er sie die ganze Zeit über aufmerksam musterte, nicht, dass sie bei den letzten beiden Dingen, die er aufzählte, aufhorchte, regelrecht die Ohren spitzte.

„Ja und das war im Grunde dann auch schon alles, was es über mich zu erzählen gibt. Es sei denn natürlich, Sie wollen sonst noch irgendetwas von mir wissen, Ms. Beckett, etwas Bestimmtes vielleicht sogar“, wusste er wirklich nicht im geringsten, was er ihr sonst noch über sich erzählen sollte bzw. könnte.

„Nein, das wäre fürs Erste alles, was ich wissen möchte“, erwiderte sie, nachdem sie kurz überlegt hatte und machte sich dann auf einem extra dafür vorgesehenen Zettel, der bei ihr auf dem Schreibtisch lag, ein paar Notizen, bezüglich der Dinge, die er so eben ihr gegenüber geäußert hatte.

Und obwohl sie natürlich schon ein wenig verwundert darüber war, dass er sie ganz bewusst mit „Ms. Beckett“ angesprochen hatte und sich fragte, woher er denn wusste, dass sie eine Miss und keine Misses war, nahm sie schlichtweg an, dass dies keine Feststellung, sondern viel mehr eine Vermutung von ihm war, die daher rührte, dass sie keinen Ehering am Finger trug.

„Hören Sie, Rick, ich möchte ehrlich zu Ihnen sein“, meinte sie als Nächstes zu ihm und stützte sich mit ihren Unterarmen auf der Schreibtischplatte ab, während sie ihm direkt in seine Augen blickte, die so blau und tief waren, wie das Meer und in denen sie am liebsten stundenlang versinken würde.

„Wie Sie sich bestimmt denken können, sind Sie nicht der Einzige, der sich auf die Annonce hin bei mir beworben hat. Daher kann ich Ihnen, so leid es mir tut, jetzt noch keine Zusage geben“, sagte sie anschließend in etwa dasselbe zu ihm, was sie auch zu den übrigen Bewerbern gesagt hatte, mit denen sie bereits ein Vorstellungsgespräch geführt hatte.

Obwohl sie, wenn sie ganz ehrlich zu sich selbst war, im direkten Vergleich zu den Kandidaten, die sie bislang persönlich getroffen und zumindest ein klein wenig kennen gelernt hatte, bei ihm schon am ehesten das Gefühl hatte, dass er der geeignete Mann für den Job war, aber sie musste fair gegenüber seinen Mitbewerbern sein.

„Kein Problem. Nehmen Sie sich ruhig so viel Zeit, wie Sie benötigen“, hatte er natürlich vollstes Verständnis dafür, dass sie erst alle, die sich, so wie er, für die freie Arbeitsstelle als Barkeeper beworben hatten, interviewen musste, bevor sie eine endgültige Entscheidung treffen konnte, so war das nun einmal.

Die Braunhaarige hingegen war von dieser Aussage verblüfft und das nicht zu knapp, was daher rührte, dass die Bewerber, mit denen sie bisher gesprochen hatte, enttäuscht und mitunter natürlich auch etwas sauer gewesen waren, als sie zu ihnen gesagt hatte, dass sie ihnen leider keine sofortige Zusage geben konnte.

Er war wirklich der Erste, der so verständnisvoll auf diese Mitteilung reagierte und der, seinen Worten nach zu urteilen, auch dazu bereit zu sein schien geduldig abzuwarten, bis sie auch noch mit den restlichen Anwärtern gesprochen hatte und nach der nötigen Bedenkzeit, ihre Wahl getroffen hatte.

Und mit eben genau dieser Reaktion, die, wie gerade bereits erwähnt, bislang einmalig war, sammelte er einen weiteren Pluspunkt bei ihr, der ihn, ohne das er es wusste oder auch nur im geringsten ahnte, einen Schritt näher an den ersehnten Job als Barkeeper heranbrachte und auch in persönlicher Hinsicht wurde er ihr dadurch noch ein Stück weit sympathischer.

„Außerdem möchte ich Ihnen der Fairness halber mitteilen, dass, falls Sie den Job bekommen sollten, ich Ihnen dann leider nicht sehr viel zahlen können werde“, sah sie sich in der Pflicht, ihn bereits jetzt darüber aufzuklären, dass sie nicht dazu in der Lage wäre ihm gehaltsmäßig ein Vermögen zahlen zu können.

„Okay. Dürfte ich den Grund dafür erfahren?“, fragte er sie daraufhin in einer ruhigen, freundlichen Tonlage, womit er sie erneut mächtig überraschte, weil jeder Bewerber, dem sie bislang diese „Hiobsbotschaft“ übermittelt hatte, auch entweder enttäuscht oder relativ wütend auf diese reagiert hatte, aber er schien ganz offensichtlich eine Ausnahme von der Regel zu sein.

Und obwohl sie den Grund für ihre finanziellen Probleme natürlich genauso gut hätte vor ihm verheimlichen können, um nicht zu riskieren, dass er womöglich noch als Bewerber absprang, stand für sie dennoch völlig außer Frage ihn anzulügen, zumal sie ihm durchaus zutraute ihre aktuelle Zwangslage verstehen und zumindest halbwegs nachempfinden zu können.

Zwar kannte sie ihn gerade mal wenige Minuten, aber sie hatte trotzdem das Gefühl, dass sie ihm alles, aber auch wirklich einfach alles erzählen, ihm all ihre Sorgen und Nöte anvertrauen konnte, sie wusste zwar nicht genau, wieso dem so war, aber sie war sich dessen absolut sicher, von daher würde sie ehrlich zu ihm sein, so hart es für ihn auch sein würde.

Auch wenn es, ihrer Meinung nach, eigentlich bereits vollkommen ausreichte, dass sie sich pausenlos mit den gravierenden Auswirkungen auseinandersetzen musste, die daher rührten, dass das „Blue Moon“, an anderer Nachtclub, der nur ein paar Straßen weiter lag, ihr seit einiger Zeit die Gäste abspenstig machte.

Das „Blue Moon“ existierte bereits annähernd so lange, wie das „Nightlife“ und obwohl die zwei Clubs natürlich von Anfang an miteinander konkurriert hatten, wie das nun einmal so üblich war, hatten sie dennoch die meiste Zeit über friedlich nebeneinander her existiert, es hatte in all den Jahren nie irgendwelche größeren, nennenswerten Fehden zwischen den beiden Nachtclubs gegeben.

Auch als sie vor etwa einem Jahr im „Nightlife“ das Zepter übernommen hatte, war noch alles in Ordnung gewesen, die Geschäfte liefen prima und es gab keinerlei finanziellen Engpässe, doch seit circa sechs Monaten blieb bei ihr urplötzlich, quasi von einem Tag auf den anderen, die Kundschaft aus.

Selbst die Leute, die noch zu Lebzeiten ihrer Eltern regelmäßig in den Club gekommen und jahrelang treue Stammgäste waren, kamen auf einmal nicht mehr hier her, mieden das „Nightlife“ als wäre es ein ansteckender Virus und gingen stattdessen ins „Blue Moon“ oder irgendwo anders hin, nur halt nicht mehr zu ihr.    

Und was ziemlich merkwürdig oder viel mehr verdächtig war, war die Tatsache, dass diese plötzliche Ebbe ungefähr zur selben Zeit eintrat, als das „Blue Moon“ den Besitzer wechselte und das konnte, ihrer Ansicht nach, unmöglich nur ein purer Zufall sein, zumal sie nicht an solche Dinge glaubte.

Allerdings war es bislang lediglich eine bloße Vermutung von ihr, dass der neue Inhaber des „Blue Moon“ absichtlich irgendetwas tat, um ihrem Geschäft ganz bewusst zu schaden und sie in den wirtschaftlichen Ruin zu treiben, stichhaltige Beweise dafür, dass ihr Verdacht korrekt war, hatte sie leider nicht oder jedenfalls noch nicht.

Über die Clubübernahme wurde sogar ganz groß in der Zeitung berichtet, zum einen deswegen, weil es natürlich schon etwas Besonderes war, wenn ein Club nach fast drei Jahrzehnten den Eigentümer wechselte und zum anderen, weil es sich bei dem neuen Besitzer, nach Aussage der Presse, um einen erfolgreichen und vermögenden Geschäftmann handelte.

Aber komischerweise war in dem Zeitungsartikel weder der Name des neuen Inhabers erwähnt worden, noch war ein Bild desselbigen abgebildet gewesen, sodass sie wohl oder übel dazu gezwungen war, sich gegen einen praktisch unsichtbaren Konkurrenten behaupten und durchsetzen zu müssen.

Zwar machte das ihr Unterfangen, das „Nightlife“ vor dem drohenden Ruin zu bewahren, nicht gerade einfacher, aber mit der Unterstützung ihrer Freunde, auf die sie bereits im vergangenen Jahr immer hatte zählen und natürlich auch weiterhin jederzeit würde vertrauen können, sah sie sich durchaus zuversichtlich, diese schwierige Aufgabe letztendlich vielleicht doch noch zum Erfolg führen zu können.

Aber eines stand bereits jetzt hundertprozentig fest, nämlich, dass sie den Club und damit das Lebenswerk ihrer Eltern entweder retten und für die Zukunft erhalten oder am Ende halt doch gemeinsam untergehen würden, als Team, als Familie, eine andere Option gab es nicht, für keinen von ihnen.

„Ehrlich gesagt steht es, in finanzieller Hinsicht, momentan nicht besonders gut um den Club“, setzte sie den Entschluss, den zuvor gefasst hatte, schließlich in die Tat um und teilte ihm offen und mit brutaler Ehrlichkeit mit, wie es nun einmal war und dass das Nightlife aktuell nicht gerade einer Goldgrube glich.
   
„Das tut mir leid zu hören“, entgegnete er daraufhin und sie wusste sofort zweifelsfrei, dass er das keinesfalls einfach nur so daher sagte, ganz im Gegenteil, er wirkte vollkommen ehrlich auf sie und sie konnte nicht anders, als ihn dafür noch ein wenig mehr zu mögen, als sie es ohnehin schon tat.

Kaum war dieser Gedanke in ihrem Kopf erschienen, da ohrfeigte sie sich auch schon geistig, rief sich selbst innerlich zur Ordnung und verbot sich, so etwas auch nur ansatzweise zu denken, sie musste unbedingt objektiv bleiben und durfte auf keinen Fall jemanden bevorzugen, geschweige denn jemanden nur deshalb einstellen, weil er ihr sympathisch war oder weil sie ihn mochte.
   
„Jedenfalls sollten Sie sich, sofern Sie den Job bekommen sollten, dann von vorne rein schon mal darauf einstellen, dass Sie möglicherweise nicht sehr lange hier arbeiten werden“, fuhr sie fort, nachdem sie sich im Stillen streng ermahnt hatte, so wie es ein Lehrer mit einem frechen Schüler tat und ihre Aufmerksamkeit wieder dem Bewerbungsgespräch zugewendet hatte.

„Und ich gebe Ihnen hiermit auch die Möglichkeit, Ihre Bewerbung wieder zurückzuziehen“, fiel es ihr natürlich schon schwer, ihm diese Option zur Verfügung zu stellen, weil sie, trotz ihrer finanziellen Probleme, dringend einen neuen Barkeeper brauchte, aber sie musste ihm gegenüber fair sein und ihm die Chance geben, sich einen anderen, sicheren Arbeitplatz suchen zu können.

Von den Bewerbern, mit denen sie bisher sprach, hatte sie, auf diese Aussage hin, Sätze wie „Ich werde es mir überlegen“ zu hören bekommen, was, ihrer Ansicht nach, übersetzt „Sie brauchen sich gar nicht bei mir zu melden, für einen Hungerlohn arbeite ich garantiert nicht“ bedeuten dürfte und sie war fest davon überzeugt, dass er ihr gleich in etwa genau dasselbe sagen würde.

„Nein, ich bleibe dabei. Ich möchte Barkeeper in Ihrem Club werden“, dachte er, entgegen ihrer Annahme, jedoch überhaupt gar nicht daran, seine Bewerbung einfach so wieder zurückzuziehen, sie steckte ganz offensichtlich in großen, finanziellen Schwierigkeiten und er würde ihr wirklich gerne dabei helfen, wieder aus ihrer misslichen Lage herauszukommen.

Zwar war er sich nicht hundertprozentig sicher, ob er auch wirklich dazu in der Lage wäre, ihr aus ihrer Misere herauszuhelfen, aber er wäre zumindest dazu bereit es zu versuchen, vorausgesetzt natürlich, sie würde ihn überhaupt einstellen und obwohl das im Moment noch gar nicht feststand, war er diesbezüglich trotzdem überaus optimistisch.

Kate, die nicht mit dieser Antwort gerechnet hatte, war natürlich heilfroh darüber, dass Rick auch in dieser Hinsicht anders zu sein schien, als seine Mitkandidaten, er gab offenbar nicht immer gleich auf, wenn mal etwas schwierig wurde oder nicht so verlief, wie er es zuvor erwartet hatte, er war scheinbar genauso eine Kämpfernatur, wie sie, was ihr wirklich sehr imponierte.

„Das ist schön zu hören“, teilte sie ihm auch offen mit, wie sehr es sie freute zu wissen, dass er nicht freiwillig aus dem Bewerbungsverfahren aussteigen und stattdessen weiter am Ball bleiben wollte, um den ersehnten Job als Barkeeper zu ergattern und als zusätzlichen Beweis für ihre Freude, schenkte sie ihm ein strahlendes Lächeln.

Er lächelte natürlich unverzüglich zurück und versuchte sich währenddessen daran zu erinnern, wann er zuletzt bei einer Frau ein so wundervolles Lächeln gesehen hatte, nur um schlussendlich zu der Erkenntnis zu gelangen, dass er wirklich noch nie zuvor in seinem Leben ein solches Lächeln gesehen hatte.

„Nun denn, Mr. Castle. Ich danke Ihnen vielmals für Ihr Erscheinen. Wenn ich noch irgendwelche Fragen an Sie haben sollte, melde ich mich bei Ihnen“, sagte sie im nächsten Augenblick zu ihm, erhob sich dann von ihrem Bürostuhl und streckte ihm zum nunmehr zweiten Mal an diesem Tag ihre rechte Hand entgegen.

„Selbstverständlich. Und vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, Ms. Beckett“, entgegnete er, nachdem er ebenfalls von seinem Stuhl aufgestanden war und die ihm gereichte Hand ergriffen hatte und auch diesmal fühlten sich ihre Körper, während des Händeschüttelns, wieder so an, als wären sie regelrecht elektrifiziert worden.

„Gern geschehen. Und falls Sie noch irgendwelche Fragen haben sollten, können Sie sich selbstverständlich auch jederzeit bei mir melden“, wollte sie nach wie vor fair sein und ließ ihn daher wissen, dass nicht nur er sich für weitere Fragen, die eventuell anfielen, zu ihrer Verfügung halten sollte, sondern das für sie natürlich das gleiche galt, frei nach dem Motto: „Gleiches Recht für alle“.

„Ich hätte da in der Tat noch eine Frage an Sie, Kate“, dachte er daraufhin für sich im Stillen „Wollen Sie vielleicht mit mir ausgehen?“, stellte er anschließend in Gedanken die Frage, die er zwar am liebsten laut ausgesprochen hätte, wozu ihm jedoch einfach der nötige Mut fehlte und selbst wenn er mutig genug gewesen wäre, um sie wirklich zu fragen, hätte er es leider nicht tun können.

Zum einen, weil es wahrscheinlich einen schlechten Eindruck auf sie machen dürfte, wenn er, ihr potentiell zukünftiger Angestellter, sie, seine potentiell zukünftige Arbeitgeberin, um ein Date bitten würde und zum anderen, weil er bei ihr auf gar keinen Fall den Verdacht erregen wollte, er würde nur mit ihr ausgehen wollen, um auf diesem Wege den Job zu bekommen.

Und das war mit Abstand das Letzte, war er riskieren wollte, zwar wollte er den Job natürlich schon, aber er wollte ihn auf ehrliche Weise ergattern und nicht, indem er die Chefin des Clubs um den Finger wickelte und falls es so kam, wie er es sich erhoffte und er in Zukunft für sie arbeiten sollte, wäre es dann erst recht ein absolutes No-Go, miteinander auszugehen.

Doch ganz egal, ob er die Anstellung nun bekam oder nicht, er konnte sich auf jeden Fall bereits jetzt, als einen wahren Glückspilz bezeichnen, weil er die unbeschreiblich große Freude hatte Bekanntschaft mit der liebreizenden Kate Beckett schließen und sich sogar ein wenig mit ihr unterhalten zu dürfen.

Zwar fand das Treffen, sowie das Gespräch zwischen ihnen im Zuge eines Vorstellungsgespräches statt, aber sie unter diesen Umständen kennengelernt zu haben, war ihm immer noch hundert-, gar tausendmal lieber, als sie niemals getroffen zu haben, denn wenn dem so wäre, dann wäre ihm ein ganz besonderes Erlebnis entgangen.

„Also dann, auf Wiedersehen, Mr. Castle“, schenkte sie ihm ein weiteres, in seinen Augen, hinreißendes Lächeln und obwohl sie es sich nicht so wirklich erklären konnte, verspürte sie in diesem Augenblick den großen, nahezu sehnlichen Wunsch, ihn bald wiederzusehen und zwar völlig unabhängig davon, ob sie ihn nun einstellen würde oder auch nicht.

„Ja, auf Wiedersehen, Ms. Beckett“, erwiderte er selbstverständlich auch dieses Lächeln sofort und hegte derweil ebenfalls die inständige Hoffnung, sie in Kürze wiederzutreffen, Job hin oder her, was er auf jeden Fall haben wollte, war die Gelegenheit noch einmal ihr bildschönes Antlitz sehen zu können und das, wenn es nach ihm ging, so bald wie möglich.

Er bedachte sie nochmal mit einem kleinen, aber herzlichen Lächeln, bevor er sich umdrehte, zur Bürotür ging, diese öffnete und sie, nachdem er ihr einen letzten Blick zugeworfen hatte, anschließend wieder hinter sich schloss, woraufhin die Frau, die zurückblieb, sich wieder in ihrem Stuhl niederließ und die letzten Minuten in Gedanken noch einmal Revue passieren ließ.

Doch kaum hatte sie damit begonnen, das vorangegangene Gespräch im Kopfe nochmal durchzuspielen, klopfte es urplötzlich an ihrer Bürotür und obwohl sie wirklich kurz daran dachte, es könnte vielleicht Castle sein, verwarf sie diese absurde Idee sogleich wieder und nahm stattdessen an, dass es wahrscheinlich Lanie war.

Und tatsächlich erschien, nachdem sie die Person, die angeklopft hatte, mit einem „Herein“ zum Eintreten aufgefordert hatte, zum zweiten Mal an diesem Tag, niemand anderes als ihre beste Freundin im Türrahmen, von der sie bereits jetzt ganz genau wusste, was sie für ein Anliegen hatte.

„Hey Süße, bist Du beschäftigt oder kann ich reinkommen?“, wollte sie zwar unbedingt wissen, wie das Bewerbungsgespräch mit dem attraktiven Schönling gelaufen war, genau genommen platzte sie geradezu vor Neugierde, aber wenn Kate gerade wichtigere Dinge zu erledigen hatte, dann würde sie ihren Wissensdurst natürlich zurückstellen und sich einfach noch so lange gedulden, bis sie Zeit für sie haben würde.

„Nein, komm ruhig rein und setz Dich“, antwortete die Brünette, nachdem sie rasch einen Blick auf die Bewerberliste geworfen und dabei festgestellt hatte, dass der nächste Kandidat erst in über einer halben Stunde hier eintrudeln würde, vorausgesetzt natürlich, er würde pünktlich sein, was sie doch stark hoffte.

Lanie kam der freundlichen Aufforderung ihrer Freundin natürlich nur zu gerne und somit auch unverzüglich nach und kaum hatte sie das Büro betreten und auf dem Stuhl Platz genommen, auf dem kurz zuvor noch Rick gesessen hatte, blickte die schwarzhaarige Frau ihr Gegenüber auch schon neugierig, abwartend und ungeduldig zugleich an.

„Also, jetzt erzähl doch mal. Wie ist das Vorstellungsgespräch mit Rickyboy denn so gelaufen?“, stand für die schwarzhaarige Frau zweifelsfrei fest, dass sie diesen Raum definitiv erst dann wieder verlassen würde, wenn sie alles erfahren hatte, was sie wissen wollte, vorher nicht.

„Wie soll es denn schon gelaufen sein? Es war…ganz gut“, wusste Beckett, die Lanie bereits seit der Schulzeit kannte, natürlich sofort, warum ihre Freundin unbedingt von ihr wissen wollte, wie das Bewerbungsgespräch verlaufen war und zwar, weil sie darauf hoffte, von ihr zu erfahren, wie „Rickyboy“ ihr persönlich so gefiel, als Mann.

„Ganz gut? Ernsthaft? Ist das alles?“, glaubte die Ärztin sich so eben gewaltig verhört zu haben, da kam ein junger, attraktiver und charmanter Mann zu Kate in den Club, unterhielt sich eine ganze Weile mit ihr und alles, was „Ms.-Nightlife“ ihr zu dem Gespräch sagen konnte war, dass es „ganz gut“ lief?!

Sie hatte den starken Verdacht, dass das Vorstellungsgespräch nicht bloß „ganz gut“ verlaufen war, wahrscheinlich wollte ihre „Schwester“ ihr einfach nur nicht mehr darüber verraten, aus welchem Grund auch immer, aber so leicht würde sie garantiert nicht aufgeben, sie hatte jetzt Blut geleckt und würde nicht eher aufhören, bis sie nicht die volle Wahrheit kannte.

„Ja, das Gespräch lief gut“, sehr gut sogar, verbesserte sie in Gedanken ihre getätigte Aussage und wusste ansonsten wirklich nicht, wie sie das Gespräch noch anders beschreiben sollte, außer höchstens vielleicht als angenehm, produktiv und äußerst vielversprechend, aber sie wusste ganz genau, dass, wenn sie solche Worte verwenden würde, Lanie dann überhaupt gar keine Ruhe mehr geben würde.

„Er machte einen guten Eindruck auf mich. Und seinen Referenzen nach zu urteilen, scheint er auch ein sehr kompetenter Barkeeper zu sein“, ergänzte die Braunhaarige und bezog sich dabei auf das Empfehlungsschreiben, das Castle von seinem ehemaligen Chef, dem einstigen Inhaber des „Old Haunts“ ausgestellt und mit auf den Weg bekam.

„Sag mal, Freundin, beherrschst Du eigentlich noch irgendein anderes Wort, als nur „gut“?“, hatte die dunkelhäutige Frau langsam, aber sicher wirklich das Gefühl, dass ihre Gesprächspartnerin nur noch ein einziges Wort kannte und ihr restliches, für gewöhnliches reiches Vokabular, irgendwie verlegt hatte.

„Sorry, aber ich weiß beim besten Willen nicht, was Du sonst noch von mir hören willst“, war ihr zwar natürlich schon vollkommen klar, was Lanie am liebsten von ihr hören wollte und zwar, dass sie Rick wahnsinnig attraktiv fand, was ja auch tatsächlich der Fall war, aber sie würde einen Teufel tun und ihrer neugierigen Freundin dies direkt auf die Nase binden.

„Was ich sonst noch von Dir hören will? Hallo! Brauchst Du etwa neuerdings eine Brille oder was?“, würde die Assistenzärztin, wenn sie nicht ganz genau wüsste, dass dem nicht so war, wirklich glauben, dass ihr Gegenüber blind war oder ähnliches und deswegen partout nicht anerkennen wollte, was für ein Prachtkerl dieser Richard Castle war.

„Entschuldigung, aber ich habe leider nicht die geringste Ahnung, worauf Du hinaus willst“, fand Kate allmählich echt Spaß daran, ihrer Freundin die Ahnungslose vorzugaukeln, wohl wissend, dass sie damit deren Geduld zunehmend strapazierte und sie dadurch auch immer mehr an den Rand der Verzweiflung brachte.

„Okay Mädchen, noch so eine Bemerkung und ich verpass Dir eine“, hatte Lanie langsam wirklich genug davon, von ihrer Busenfreundin an der Nase herumgeführt zu werden und wenn sie nicht jetzt sofort damit aufhören würde, dann würde sie ihre Drohung definitiv wahrmachen und sie schlagen.

„Hör bitte auf, mich hier für dumm verkaufen zu wollen. Du weißt ganz genau, worauf ich hinaus will“, versuchte sie es, bevor sie zu härteren Mittel greifen würde, vorher aber noch einmal auf die sanfte Tour, indem sie sie freundlich, aber bestimmt darum bat, endlich ehrlich zu ihr zu sein.

„Aber gut. Wenn Du unbedingt einen auf unwissend machen willst, werde ich Dir einen kleinen Hinweis geben. Zwei Worte, um genau zu sein und zwar: Knackiger Arsch“, spielte die Ärztin, was natürlich auch Kate sofort klar war, damit auf das Hinterteil des Mannes an, der noch bis vor wenigen Minuten hier war.

Sie hatte zwar einen festen Freund, mit dem sie auch sehr, sehr glücklich war, aber nur weil sie vergeben war, bedeutete das ja noch lange nicht, dass sie die Qualitäten eines anderen Mannes nicht trotzdem zu schätzen wusste, denn schließlich war sie in erster Linie ja auch nur eine Frau, wie jede andere, ebenso wie Beckett.

Und ihrer Meinung nach, war es wirklich allerhöchste Zeit, dass ihre „Schwester“ sich, nach fast ganzen zwei Jahren des Single-Daseins, endlich einmal wieder so richtig verliebte und einfach mal glücklich war, zwar war momentan nicht gerade der allerbeste Zeitpunkt dazu, weil das Vermächtnis ihrer Eltern drohte pleite zu gehen, aber verdient hätte ihre Freundin es definitiv dennoch.

Kate dagegen fragte sich ernsthaft, auf welche Art von Trip sich ihre Freundin gerade befand und wie sie in dieser schwierigen, scheinbar ausweglosen Situation bitteschön auf die glorreiche Idee kommen konnte, sie verkuppeln zu wollen und das mit einem Mann, den sie heute zum ersten Mal getroffen hatte und daher praktisch überhaupt gar nicht kannte.

Das „Nightlife“, ihr Club, den ihre Eltern einst mühsam, sprichwörtlich mit Blut, Schweiß und Tränen aufgebaut hatten, stand kurz dem Aus und trotzdem hatte die werte Frau Dr. Lanie Parrish offenbar nichts anderes im Sinn, als ihr unbedingt einreden zu wollen, dass sie endlich mal wieder einen Mann in ihrem Leben nötig hatte.

„Hör zu, Lanie. Ich weiß ja, dass Du es im Grunde genommen nur gut meinst. Aber Du wirst ja wohl hoffentlich auch durchaus nachvollziehen können, dass ich zurzeit ganz andere Dinge im Kopf habe, als Männer“, wusste sie zwar, dass ihre Freundin lediglich wollte, dass sie glücklich war, was aber natürlich nichts daran änderte, dass es derzeit wichtigere Dinge gab, um die sie sich dringend kümmern musste und die ihrer vollen Aufmerksamkeit bedurften.

„Ja, das kann ich“, tat es Lanie einerseits zwar im Herzen weh, dass ihre Freundin die Rettung des Clubs vor dem drohenden Bankrott, vor ihr privates Glück stellte, aber andererseits konnte sie diese Handlungsweise natürlich auch verstehen, denn wenn sie an Kates Stelle wäre und es um das Lebenswerk ihrer Eltern ginge, dann würde sie höchstwahrscheinlich genauso handeln.

„Aber trotzdem, ich bleibe dabei, dass Rickyboy nicht nur wahnsinnig gut aussieht, sondern auch einen verdammt knackigen Arsch hat. Auch wenn Du es ganz offensichtlich nicht wahrhaben willst“, wollte die Ärztin es sich aber natürlich dennoch nicht nehmen lassen, Beckett gegenüber noch einmal klar und deutlich ihre Meinung, bezüglich Castle, kund zu tun.

„Ganz wie Du meinst, Lanie“, musste die Brünette sich ganz schön arg auf die Zunge beißen, um nicht anstelle des Satzes, der jetzt letztendlich aus ihrem Mund kam, stattdessen „Da erzählst Du mir nichts Neues, liebe Freundin“ zu sagen, womit sie nur eine weitere Diskussion vom Zaun brechen würde und darauf konnte sie im Moment wirklich liebend gerne verzichten.

„So, ich geh dann mal wieder nach vorne und nehme den nächsten Kandidaten in Empfang“, beschloss die Schwarzhaarige das Gespräch an diesem Punkt zu beenden, auch wenn sie leider nicht alle Antworten erhalten hatte, auf die sie zu Anfang gehofft hatte, aber Kate hatte nun einmal ganz klare Prioritäten und dagegen konnte sie halt nichts machen, so sehr sie es auch wollte.

„Tu das, Freundin, tu das“, entgegnete die angesprochene Frau daraufhin und sobald Lanie das Büro verlassen und die Tür hinter sich zugemacht hatte, widmete die Clubbesitzerin sich wieder ihrem Papierkram, während sie im Stillen hoffte, dass sich die ganze Arbeit und die viele Mühe auszahlen und am Ende wieder alles gut werden würde.

Aber wer weiß? Vielleicht würde sie mit demjenigen, den sie als ihren neuen Barkeeper auserkoren würde, ja einen wahren Glücksgriff landen und dann hätte sie nicht mehr nur drei, sondern sogar gleich vier Leute, die ihr den Rücken stärkten, ihr nach Kräften halfen und sie bei ihrer schwierigen Mission, das Erbe ihrer Eltern am Leben zu erhalten, unterstützten.



Fortsetzung folgt…

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Puh…holla, das war aber mal ein ganz schön langes Kapitel, ich weiß jetzt zwar nicht, ob dem wirklich so ist, aber ich bin mir zumindest ziemlich sicher, dass ich hiermit einen neuen, persönlichen Rekord aufgestellt habe, was die Wortanzahl in einem einzigen Kapitel betrifft.

Ich kann euch allerdings leider nicht versprechen, dass sämtliche Kapitel meiner neuen Geschichte genauso lang werden, wie dieses hier, die Länge der weiteren Kapitel werden höchstwahrscheinlich eher von Mal zu Mal variieren, aber ich versichere euch, dass ich die Kapitel immer so lang wie möglich machen werde.

Auf jeden Fall bin ich, genauso wie ich es bislang immer war, so natürlich auch dieses Mal wieder, bereits jetzt sehr auf eure Rückmeldungen gespannt, mit deren Hilfe ich ja dann auch erfahren werde, ob bzw. wie das erste Kapitel meiner neuen Story euch denn so gefallen hat.

Bis dahin wünsche ich euch allen miteinander noch einen angenehmen Abend, eine geruhsame Nacht, einen schönen Freitag, ein entspanntes, sowie erholsames Wochenende und natürlich auch schon mal einen hoffentlich guten Start in die kommende Woche.

PS: Ich weiß, dass Rick, da er in dieser Geschichte ja kein Schriftsteller ist, eigentlich seinen Geburtsnamen, sprich Rodgers, tragen müsste, aber ich persönlich finde, dass es nur dann eine richtige Caskett-Story ist, wenn er mit Nachnamen Castle und Kate wie immer natürlich Beckett heißt.

Also dann, macht’s gut und bleibt gesund, euer Ahadi.
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