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✵Vom Leben einer Heilerin✵

von Aidana
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
OC (Own Character)
04.03.2021
04.05.2021
3
7.896
6
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Dieses Kapitel
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04.05.2021 3.442
 
✵Tag 179✵

Ärger

Anfang Blattfrische | Erster Tag als Schülerin

"Wildjunges, komm doch zu uns!", rief ihre Mutter Weißflügel und riss die Kätzin aus den Gedanken, die so tief hingen wie das Wassernest der Sonne. Ihre Augen waren zu dünnen Schlitzen verzogen und sie machte keinerlei Anstalten, auch nur daran zu denken, aufzustehen. Der kühle Wind schien um ihre Ohren zu rauschen und ihr Schweif peitschte hin und her. Kälte kroch unter ihr graues Fell und schmiegte sich an den zierlichen Körper, sodass Wildjunges vor Zittern erschauderte.
"Wildjunges, komm her, du bekommst noch einen Weißen Husten!"
Die Blattleere hatte vollständig die Krallen um das Lager geschlossen. Sanft tanzten Schneeflocken den Himmel hinunter und sammelten sich auf ihrem dichten Pelz, doch darauf achtete sie nicht. Sie war voll und ganz darauf konzentriert, die Anweisungen ihrer Mutter zu ignorieren.
"Wieso sollte ich?", fragte die kleine Kätzin, sie konnte sich einen leicht spöttischen Unterton nicht verkneifen.
"Der große SternenClan gibt doch auf uns acht, er wird mich schon nicht sterben lassen!"
Die Augen ihrer Mutter blitzten kurz auf, doch sie kam nicht näher. Es verwunderte Wildjunges ein wenig, denn normalerweise sorgte sie sich zu sehr um ihre Gesundheit.
Der Grund für diesen plötzlichen Wechsel wurde ihr kurz darauf aber klarer. Denn die junge Kätzin verlor mit einem Mal den Boden unter den Pfoten. Erschrocken schnappte sie nach Luft, ihre Beine zappelten in der Leere herum und ein dünnes Fauchen verließ ihren Mund. Mit einem kurzen Blick über die Schulter erkannte sie Silberpfote, den Heilerschüler des DonnerClans, der sie mit sich trug und in die Richtung ihrer Mutter steuerte. Wildjunges war empört und wütend, doch einen weiteren Kommentar konnte sie einfach nicht für sich behalten.
"Siehst du? Der große SternenClan hat mich gerettet! Oder besser gesagt der Prophet der heiligen Kräuterpflücker und Mäusehirne."


~Gespräch zwischen Wildjunges, Weißflügel und Silberpfote

Als sich die Versammlung auflöste, blieb ein Gefühl der Leere in Wildpfote zurück, als realisierte sie jetzt erst, was soeben geschehen war. Himmelspfote, Sonnenpfote und Thymianpfote tappten zu ihren Mentoren, auch, wenn sie von der Kätzin noch einen giftigen Blick erntete, den sie aber geflissentlich ignorierte. Sie konnte ja selbst nichts dafür, dass sie eine Heilerin werden sollte. Meine Güte, sie wollte ja nicht einmal eine werden.
Silberblick stand wartend einige Fuchslängen entfernt und zuckte ungeduldig mit dem Schweif, doch die Schülerin ignorierte seinen fordernden Blick. Sicherlich wollte er mit seiner ersten Kräuterlektion anfangen und ihr nebenbei das unnütze Grünzeug in die Ohren stopfen, doch Wildpfote sah keinen Sinn darin, ihre Aufmerksamkeit sofort mit Schwachsinn zu verschwenden. Oder es überhaupt irgendwann einmal zu tun.
Mit einer fließenden, schwungvollen Bewegung erhob sie sich also, plusterte ihr Fell gegen die heraufziehende Kälte auf und tappte erhobenem Hauptes an Silberblick vorbei. Sie würde nun das Territorium erkunden, immerhin wollte sie herausfinden, wieso Disteln an ihrem Fell festhängen konnten. Das war um einiges relevanter und spannender als dieser andere Fuchsdung.

"Was zum... Wo läuft sie da hin?"

Ruckartig zuckte Wildpfote zusammen und blieb stehen. Hatte der Kater etwas gesagt? Ein Blick in seine Richtung zeigte ihr, dass dem nicht so war, also zuckte sie gleichgültig mit einem Ohr und lief weiter. Hatte sie sich bestimmt nur eingebildet.
"Sag mal, Wildpfote, was soll das denn werden?", rief der junge Heiler mit einem wütenden Unterton.
Wie, was soll das werden? Das sieht man doch wohl eindeutig?
"Ich laufe, das kann man doch gut erkennen!", antwortete die Kätzin und fragte sich nebenbei, wie man das übersehen konnte. Oder war das eine Rhetorische Frage gewesen? Sie konnte die nie auseinanderhalten!
"Und das mache ich, indem ich eine Pfote vor die andere setze, falls du mich das fragen wolltest. Nur, damit du es mir nachmachen kannst."
Ihr Sarkasmus war wohl nicht zu überhören, denn er erzielte die geplante Wirkung. Silberblick fauchte empört auf und sprang auf die Pfoten, das Fell zu allen Seiten ab. Einige Katzen des Clans beobachteten das Spektakel belustigt, andere verdrehten nur die Augen und flüsterten mit einander. Im Mittelpunkt zu stehen mochte die Kätzin zwar nicht sonderlich, aber stören tat es sie auch nicht. Stattdessen hing sie lieber ihren eigenen Gedanken nach.
Wieso läuft man überhaupt mit dem Pfoten und nicht mit dem... Schweif? Oder mit den Ohren? Und wer hat bestimmt, dass alle Katzen so laufen sollen?
Augenverdrehend verscheuchte sie diese lästigen Fragen aus ihrem Kopf. Sie konnte einfach nichts dagegen tun, sie schlichen sich wie von selbst in ihr Gehirn und verlangten nach einer sofortigen Antwort. Wie damals vor vielen Monden, als sie Finkenstern gefragt hatte, warum ein Junges kein Anführer sein durfte und warum er einer war. Sie hatte es wirklich nicht verstanden und hatte ihm ehrlich mitgeteilt, dass er ja nichts anderes tat, als den ganzen Tag herumzuliegen und dass ein Junges oder ein Schüler diese Arbeit auch übernehmen konnte. Danach hatte sie wirklich einen riesen Ärger bekommen, doch sie konnte es noch immer nicht nachvollziehen. Das war ihre Beobachtung gewesen und sie hatte unschuldig gefragt, wieso dem so war. Doch mit der Zeit merkte Wildpfote, dass die meisten Katzen ihre Fragerei nicht mochten oder als unverschämt empfanden, also behielt sie ihre Gedanken lieber für sich.

"Wenn dieses Mäusehirn nur einen Herzschlag lang glaubt, dass sie ohne meine Erlaubnis einfach so aus dem Lager darf, dann irrt sie sich aber gewaltig."

"Du bist das Mäusehirn, wenn du glaubst, du könntest mich davon abhalten!", antwortete die Kätzin ruhig und drehte sich zu ihrem Mentor um. Sie hätte einen wütenden Blick erwartet, doch stattdessen war er verwirrt und auch eine Spur... Besorgt? Bildete sie sich das nur ein? Wieso sollte er sie so anschauen?
"Ich habe gar nichts gesagt, Wildpfote", erklärte der Kater mit einer möglichst ruhigen Stimme, doch diese Ruhe täuschte er offensichtlich nur vor. Langsam kam er auf sie zu, setzte eine Pfote vor die andere, als wäre sie ein wildes Tier, das er nicht verscheuchen wollte.
Hat er nicht?
Unruhe breitete sich in der Kätzin auf und sie schüttelte sich. Sie war doch kein Mäusehirn, natürlich hatte er mit ihr geredet! Es war so laut gewesen, das hätte der gesamte Clan hören sollen! Vielleicht hatte der Kater einfach nicht mitbekommen, wie er diese Worte ausgesprochen hatte, denn er war ein Mäusehirn! Natürlich bekam er so etwas nicht mit.
Wildpfote klammerte sich an die Vorstellung, die am meisten Sinn machte und bekräftigte ihre eigenen Gedanken mit einem kleinen Nicken. Während des ganzen Überlegens hatte sie nicht bemerkt, dass ihr Silberblick immer näher gekommen war. Nun stand der Kater direkt vor ihr und blickte auf seine kleine Schülerin hinab, die Augen zu Schlitzen verengt. Sein sturmgrauer Blick schien sich in sie zu bohren, doch die Sorge wich nicht aus seinem Gesicht.
Wildpfote wich reflexartig einige Schritte zurück, die unmittelbare Nähe zu anderen Katzen hatte sie schon immer seltsam nervös gemacht, doch sie wollte ihr Unbehagen nicht allzu deutlich zeigen.
"Schau mich nicht so an!", fuhr sie ihn stattdessen an, um ihre Emotionen zu verbergen. Die Nervosität umklammerte ihre Brust eisern und schien sie nicht loslassen zu wollen. Was geschah auf einmal mit ihr? Ihre Pfoten fingen an, unangenehm zu zittern und zu ihrem Pech bemerkte das auch ihr Mentor. Sein Blick verdüsterte sich weiter und er schien einen innerlichen Entschluss zu fassen.
"Komm mit, Wildpfote. Dir scheint es nicht sonderlich gut zu gehen, ich werde dich einmal untersuchen."
Kopfschüttelnd entfernte sie sich erneut um einige Schritte und drehte sich weg. Ihr Körper zitterte unaufhaltsam, doch an der Kälte lag es ganz sicher nicht.
Dämlicher Körper! Was hat er denn? Ich fühle mich weder krank, noch werde ich es!
Dieses Gefühl des Kontrollverlustes verängstigte sie enorm. Wildpfote wusste auf einmal, dass sie einen Augenblick für sich brauchte. Ihre Seelenspiegel betrachteten den Kater noch einmal analytisch und nüchtern, dann rannte sie davon, in Richtung Lagerausgang, ohne auf seine wütenden Rufe zu achten. Der Brombeertunnel erstreckte sich über ihrem Kopf, als sie den Felsenkessel schwer schnaufend verließ, zum ersten Mal in ihrem Leben. Sturmwolf und Rosensee schauten ihr verwundert hinterher, Rufe hallten durch die Bäume und vermischten sich mit ihrem hektisch ausgestoßenen Atem. Ein Blick über die Schulter zeigte ihr, dass ihr Silberblick gefolgt war, doch die Schülerin schien ihn langsam abzuhängen. Sie war zwar klein, doch ziemlich flink und schnell, vermutlich verhalf ihr ihre Größe dazu. Bäume huschten an ihr vorbei, feuchte Erde blieb an ihren Pfoten hängen und der Duft von Frühlingsblumen stieg ihr in die Nase. Ihr mittellanges Fell blieb an einigen Büschen hängen, leise fluchend riss sie sich ein paar Büschel aus und wurde kontinuierlich langsamer. Wildpfotes Gedanken wirbelten umher wie Blätter in einem Sturm und schienen sie unter ihnen zu vergraben. Ihr Herz raste nicht mehr allzu sehr, doch ihr Körper schien immer noch unaufhaltsam zu zittern. Was, bei allen Gesetzen der Natur, geschah hier mit ihr? Sie fühlte sich erbärmlich und erschöpft und es schien einfach nicht aufzuhören.
Als Wildpfote stehen blieb, versuchte sie erst einmal ihre Gedanken zu verdrängen, sonst dachte sie auch darüber zu viel nach.
Ich sollte einfach mal wie Sonnenjunges sein. Keine Sorgen, keine Dunkelheit, einfach nur Freude. Mein Gehirn wäre zwar auch weg, aber wen stört das schon?
Erst nachdem sie tief durchgeatmet und sich beruhigt hatte, entdeckte sie die Schönheit der Natur. Und damit meinte sie nicht das sanfte Rascheln der Blätter im Einklang mit dem Wind, das Grün der kleinen Setzlinge, die am Boden sprossen, oder die geschlossenen, rosa Knospen der Blattgrüne, sondern alles, was dahinter steckte. Wildpfote war wie hin und weg von all diesen Eindrücken und sie vergaß auf einmal das beklemmende Gefühl in ihrer Brust. Ihre Augen hangen an Blättern, die langsam zu Boden sanken und fragten sich, wieso Steine schneller fielen als sie. Hatte es etwas mit der Masse zu tun? Mit dem Wind, der dagegen wirkte?
Fasziniert dachte ihr Gehirn an alle Möglichkeiten, die es gab, doch wer sollte ihr sagen, was davon stimmte? Es gab niemanden, der sich sonst darüber Gedanken machte oder es auch nur wollte.
Wildpfotes ungeteilte Aufmerksamkeit wurde schnell auf etwas anderes gelenkt. Nicht weit entfernt entdeckten ihre scharfen Augen einen Distelbusch. Sie hatte noch nie eines dieser Pflanzen gesehen, doch sie konnte sich noch an die genaue Beschreibung ihrer Mutter erinnern. Das ist schon Monde her gewesen, doch es hatte sie nicht mehr losgelassen.
Schnell näherte sie sich der Pflanze und schnüffelte an ihr. Wildpfote rümpfte die Nase, da sie nicht unbedingt gut roch, doch sofort widmete sie sich fasziniert den kleinen Haken, die sie mit Mühe erkannte. Sie hatte nicht gewusst, dass die Pflanze so etwas hatte, doch nun war ihr klar, wieso sie an dem Fell anderer Katzen hängen bleiben konnten. Die Haken verfingen sich darin, doch die eigentliche Frage war, wieso sie das taten.
Wildpfote hatte nicht bemerkt, wie sie sich langsam aber sicher beruhigte. Die Geschehnisse in der Natur hatten sie schon immer abgelenkt und dieses Mal hatte sie es wirklich nötig gehabt. Was auch immer mit ihr passiert war.
Sie hatte beinahe Schwäche gezeigt.
So etwas darf mir nicht noch einmal passieren.
Entschlossen nickte die Kätzin, leckte eine abstehende Fellsträhne glatt und schob eine abgefallene Distel fein säuberlich neben den Busch. Dann sah sie sich um.
Ihre eisblauen Augen erblickten alles, was sie nur entdecken konnten. Den Lichteinfall der untergehenden Sonne, der sich durch das Geäst zwängte und den Boden zeichnete. Der süßliche Duft von wachsenden Wildbeeren. Und vor allen Dingen.
Keine Katzen.
Sie liebte es, alleine zu sein und ihren Gedanken nachgehen zu können. Im Lager war es immer so voll gewesen, aber hier hatte sie Raum für sich, ein sehr schönes Gefühl.
Wildpfote beschloss, nicht mehr über diesen Vorfall nachzudenken. Sie hatte eine Stimme gehört, die genauso geklungen hatte, wie die von Silberblick. Vielleicht war es einfach eine andere Katze gewesen? Oder sie hatte es sich nur eingebildet? Sie empfand es als schwierig, sich selbst davon zu überzeugen, denn normalerweise bildete sie sich solche Dinge nicht ein.
Vielleicht werde ich auch einfach nur verrückt. Wenn ich es nicht schon bin.
Seufzend schüttelte sie den Kopf, strich einige Blätter weg und zwängte sich durch einen schmalen Pfad zwischen zwei Bäumen. Sie sollte die Zeit alleine genießen, denn irgendwann würde sie zurückkehren und sich das Geschwafel ihres Mentors anhören müssen.
Sie war sich nicht ganz sicher, ob sie das aushalten würde und eigentlich wollte sie es auch gar nicht aushalten. Doch vielleicht hatte sie ja Glück und Finkenstern würde sehen, was für eine schreckliche Heilerschülerin sie war und würde sie zur Kriegerin ausbilden lassen?
Denn was auch immer die heiligen Sterne sagten, der Clan konnte nicht sein Leben riskieren und eine schlechte Heilerin ausbilden lassen, nur, um den mäusehirnigen Willen von toten Fuchsherzen zu erfüllen.

Als Wildpfote wieder im Lager ankam, war der Himmel blutrot verfärbt. Orangene Wolken hingen wie Schleier über dem Horizont und die Bäume wippten im Einklang mit dem stärker werdenden Wind. Von der eigentlichen Wärme der Blattfrische war nichts zu spüren, doch Wildpfote fühlte sich erheblich besser als zuvor. Endlich war sie dieser Beengtheit im Lager entkommen und hatte das DonnerClan Territorium entdeckt, auf ihre eigene Art und Weise.
Als die Kätzin durch den Brombeertunnel lief und schließlich im Lager angelangte, war es sehr laut und voll. Die Stille, welche sie die ganze Zeit genossen hatte, zerbrach mit einem unhörbaren Klirren und Wildpfote konnte nicht anders, als genervt die Augen zu verdrehen.
Können Katzen denn nicht ein Mal leise sein?
Da sie sowieso nichts dagegen tun konnte, beschloss sie einfach, sich in irgendeine Ecke zu legen und zu schlafen, denn Hunger hatte sie sowieso nicht, wie immer. Sie wollte das Nest im Heilerbau nicht belegen, denn das würde ja heißen, dass sie in der Nähe von Silberblick schlafen musste. Und im richtigen Schülerbau würde wohl kein Platz für sie sein, immerhin war dieser schon jetzt überfüllt.
In Gedanken versunken, erneut, hatte sie nicht bemerkt, wie sich Himmelspfote ihr genähert hatte. Der weiße Kater kam mit einem leisen Schnurren näher, seine blauen Augen funkelten sanft. Oft war es erstaunlich, wie sehr sich ihr Bruder und ihre Mutter ähnelten. Manchmal fragte sie sich, ob sie nicht aus einer anderen Familie stammte.
"Wie war dein erster Tag?", fragte der Kater und er war so hibbelig, dass Wildpfote sofort wusste, wie seiner gewesen war. Ein leichtes Gefühl der Eifersucht konnte sie nicht unterdrücken, doch sie versuchte, eine möglichst gelassene und neutrale Miene zu zeigen, wie immer. Auch, wenn diese in der Nähe ihres Bruders immer ein wenig auftaute.
"Überraschend gut", meinte sie mit einem kleinen, erfreuten Funkeln im Blick. Himmelspfote hatte wohl eine eher andere Antwort erwartet, sein Blick zeigte ehrliche Überraschung, aber auch Freude.
"Also macht dir das ganze Heilerzeug Spaß? Wenn das so ist, dann freue ich mich wirklich für dich!"
Sein Schnurren war so laut, dass man denken könnte, er würde gleich platzen. Wildpfote hatte kein Problem damit, seine offenkundige Freude zu zerstören.
"So ganz genau stimmt das nicht", erklärte sie ruhig, während sie entspannt ein Blatt aus ihrem Pelz entfernte.
"Ich war die ganze Zeit über weg, nach der Schülerzeremonie bin ich gegangen und habe das Territorium alleine erkundigt. Aber du kannst mir glauben, dabei hatte ich wirklich Spaß."
Bei dem überraschten Blick seitens Himmelspfote, musste die Kätzin sich zusammenreißen, um nicht zu Schnurren. Manchmal war ihr Bruder ziemlich schwer von Begriff, doch dadurch mochte sie ihn nicht weniger, wie es bei anderen Katzen der Fall war. Mit erkennbarem Unbehagen im Gesicht, sprach der große Kater weiter:
"Äh, hat dir Silberblick erlaubt, alleine aus dem Lager zu gehen?"
"Wieso sollte ich ihn darum bitten?"
Entsetzt schnappte er nach Luft und riss die Augen auf.
"Du bist einfach so aus dem Lager gegangen, obwohl Silberblick das nicht erlaubt hat? Du wirst sowas von Ärger bekommen, Wildpfote."
Gleichgültig zuckte sie mit dem Schweif. Das war ihr schon von Anfang an klar gewesen, sie war ja kein Mäusehirn. Sie würde die Strafe einfach über sich ergehen lassen und ignorieren. Der Kater hatte nicht das Recht dazu, ihr irgendetwas zu befehlen.
"Und ich denke, du bekommst diesen Ärger jetzt", flüsterte ihr Bruder und entfernte sich um einige Pfotenschritte. Sie sah, wie er sich mit einem schüchternden Blick zu Weidenpfote, einer Schülerin, gesellte. Diese blickte mit funkelnden Augen zu ihnen, als könne sie das Spektakel gar nicht abwarten.
Wildpfote hingegen drehte sich um und blickte auf ihren Mentoren, der sich bedrohlich vor ihr aufgebaut hatte. In seinem Gesicht schimmerte die Wut und sein Schweif peitschte hin und her.
Sollte er bedrohlich wirken? Die Kätzin war sich nicht so ganz sicher.
"Wo warst du?", zischte der Heiler, das Fell in alle Richtungen abgestellt. Erneut wusste die Schülerin nicht so recht, was diese Frage sollte, es war doch offensichtlich, wo sie gewesen war.
"Ach, du weißt schon", antwortete sie ruhig und mit völlig ernster Stimme.
"Hier und da. Kurz habe ich ein Gespräch mit einer WindClan Katze geführt, natürlich darüber, wie wunderschön das Heilerleben doch ist. Dann habe ich noch schnell mit einer FlussClan Katze einen Fisch gefangen, der übrigens sehr lecker geschmeckt hat, und habe nebenbei noch einen Krieg mit dem SchattenClan angefangen. Alles in allem ein sehr erfolgreicher Tag. Und was war bei dir so los?"
Ein rot getigerter Kater prustete irgendwo los, nur ein strenger Blick von Waldfrost konnte Glutpfote wieder zum Schweigen bringen. Auf einmal war es im Lager völlig ruhig und die gesamte Aufmerksamkeit richtete sich auf die beiden Katzen. Sofort kribbelte es in Wildpfotes Brust und sie trat unbehaglich von einer Pfote auf die andere. So gut es ging versuchte sie, ihre Gefühle zu verbergen, doch Silberblick entging es nicht, wie die Kätzin sich fühlte. Tief atmete er aus und deutete mit einem Schweifwink in Richtung Heilerbau. Natürlich hatte Wildpfote verstanden und folgte dem Heiler aus einigem Abstand. Sie wollte einfach nur diesen Blicken entgehen, die sich in sie bohrten, sich ihrer annahmen, sie auseinanderreißten...
Zitternd riss sie sich zusammen und tappte dem Heiler hinterher. Sie spürte, wie ihr die Katzen hinterherschauten, doch dann verschwand sie in den Bau. Schnell trat sie durch die Brombeerranken, die den Eingang in eine große Höhle bedeckten. Silberblick blieb stehen und drehte sich zu seiner Schülerin um, einen strengen Blick aufgesetzt.
"Wildpfote, so kann es nicht weitergehen", setzte der Kater an und bemühte sich sichtlich, ruhig zu bleiben. Trotzdem konnte er ein Zucken mit seinem linken Ohr nicht vermeiden. Sie hatte schon bemerkt, dass er das machte, sollte er genervt sein.
"Für mich auch nicht", unterbrach Wildpfote den Kater kühl.
"Aber ich habe eine sehr gute Idee, wie wir diese ganze Streiterei am besten vermeiden könnten. Du gehst einfach zu Finkenstern und sagst ihm, dass ich eine sehr schlechte und unwillige Heilerschülerin bin und überzeugst ihn, dass er mich einem anderen Mentoren übergibt. Du wärst zufrieden, ich wäre zufrieden, keine Probleme mehr."
Silberblick sträubte sein grau getigertes Fell, in seinen Augen tobte ein Sturm.
"Ach, so ist das also. Wildpfote, ich bin kein Mäusehirn..."
Denkst du.
"...ich bemerke es, wenn jemand versucht, mich hereinzulegen. Ich kann dich nicht zu einer Kriegerschülerin machen. Das ist nicht der Wille des SternenClans."
Wildpfote musste tief durchatmen, um vor Wut nicht aus dem Pelz zu fahren. In ihren Augen schimmerte aber trotzdem der blanke Zorn und Silberblick kniff herausfordernd die Augen zusammen.
SternenClan, SternenClan, SternenClan... Hat denn keiner dieser Katzen hier ein eigenständig denkendes Gehirn?
Wildpfote war stur, aber kein Mäusehirn. Sie wusste, dass sie hier nichts ausrichten konnte, denn dummerweise war Silberblick genau so ein Sturkopf.
Der Rest des Gesprächs verlief knapp und kalt. Der Heiler verdonnerte sie zu einem Mond Ältestenpflege, da sie ohne seine Erlaubnis aus dem Lager gegangen war.
"Du hast gezittert, als wäre eine Schar Wespen hinter dir hergewesen. Mit so einem Zustand hättest du nicht abhauen dürfen!", war sein Argument gewesen, doch Wildpfote war diese Bestrafung wirklich egal. Wer sagte denn, dass sie diesen "Ältestendienst" wirklich absolvieren würde?
Als die Nacht hereinbrach, rollte sich Wildpfote in einer Ecke des Lagers zusammen. Zitternd wie Espenlaub, doch sie würde nicht in diesem nach Kräuter stinkenden Bau schlafen, da war es ihr draußen um Einiges lieber.
Denn dort, wo die Sterne über sie wachten und die Natur sie fest umschlossen hielt, fühlte sie sich mehr Zuhause, als in einer Menge voller Katzen.

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Hallo! :)

Ich hoffe es hat euch gefallen! Im Moment ist es zwar noch nicht sehr spannend, aber es wird noch. :)
Über Reviews, Verbesserungsvorschläge und Sonstiges freue ich mich natürlich immer!
Noch einen schönen Dienstag! :)

LG Aidana :)
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