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✵Vom Leben einer Heilerin✵

von Aidana
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
OC (Own Character)
04.03.2021
04.05.2021
3
7.896
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Dieses Kapitel
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08.03.2021 3.366
 
✵Tag 179✵

Heilerschülerin

Anfang Blattfrische | Letzter Tag als Junges

"Mama, wo ist Papa?"
Erschrocken blickte eine helle Kätzin auf den Ursprung der piepsigen Stimme hinab. Ihre Tochter, die eigentlich schon längst schlafen sollte, schaute sie aus großen, blauen Augen fragend an. Ein kleiner Kater lag neben ihr, seine Brust hob und senkte sich gleichmäßig.
In den Augen der Königin trat Schmerz, doch sie schüttelte sich und blickte ihre Tochter tadelnd an.
"Solltest du nicht längst schlafen? Und wieso fragst du mich das überhaupt?", antwortete, die Kätzin. Immer noch verwundert. Die winzigen Augen des Junges blinzelten träge, doch sie dachte nicht einmal daran, zu schlafen.
"Alle Jungen hier haben Papas. Da wäre es nur logisch, wenn Himmelsjunges und ich auch einen hätten, sonst würde ja irgendetwas nicht stimmen", meinte die Kätzin, als wäre es das Natürlichste der Welt. Die Königin blinzelte verwundert und fuhr ihren Schweif langsam über das graue Fell ihrer Tochter. Sie seufzte tief.
"Dein Vater ist an einem besseren Ort", antwortete die Kätzin, doch ihre Stimme klang erstickt, als hätte sie einen Frosch verschluckt.
"Der SternenClan hat ihn aufgenommen, aber keine Sorge, dort geht es ihm gut. Er wird uns nur leider nie besuchen kommen können."
Das Junge schien verstanden zu haben, denn es riss erschrocken die Augen auf. Mit einer plötzlichen, heftigen Wut sprang es auf und sträubte das Fell.
"Der SternenClan? Den gibt es nicht!", fauchte sie mit einem Mal. Himmelsjunges regte sich neben dem Pelz der Königin, doch die kleine Kätzin wurde nicht leiser.
"Wenn es ihn wirklich geben würde, dann würden sie mir nicht einfach so meinen Papa wegnehmen, während alle anderen ihn behalten dürfen. Das ist doch fernab jeglicher Logik!"


~Gespräch zwischen Weißflügel und Wildjunges

"Attacke!", hallte eine Stimme durch das Lager und ein kleiner Kater stürzte sich auf eine am Boden liegende Katze. Fauchend kämpften beide miteinander, während sie aus belustigten Augen beobachtet wurden.
Der Tag war gerade erst angebrochen. Vogelgezwischter erwachte zum Leben und erhellte die friedliche Stille im DonnerClan Lager. Die Sonne erstreckte ihre Strahlen genüsslich über den Wald und umspielte den sanft wehenden Luftzug, der die Bäume zum Wanken brachte. Wildjunges Pelz wurde leise von diesem umspielt, die kleine Kätzin beobachtete interessiert die Hebung und Senkung des hellgrauen Fells, zählte die Herzschläge, die der Wind benötigte, um wieder von dannen zu ziehen. Geistesabwesend saß sie in der Nähe des Königinnenbaus und achtete nicht auf die Spielchen, die ihre Baugefährten trieben. Aus den Augenwinkeln sah sie, dass sich auch Himmelsjunges in das Getümmel gestürzt hatte. Sie wusste nicht, ob auch von ihr erwartet wurde, dort mitzumachen, doch dieses Spiel war weder nützlich, noch logisch, also hielt sich Wildjunges lieber davon fern.
Das Lager erwachte langsam zum Leben. Sturmwolf und Rosensee tappten leise aus dem Lager und streckten sich genüsslich, die beiden jungen Krieger hingen wie Kletten aneinander, so hatte es Wildjunges mitbekommen. Ein neuer Gedanke schlich sich in ihren Kopf.
Wieso bleiben Kletten eigentlich überall hängen?
Die graue Kätzin schwor sich, dieser Sache sofort auf dem Grund zu gehen, sollte sie endlich aus diesem eintönigen Lager herauskommen.
"Wildjunges!", rief eine Stimme und riss die Kätzin aus ihren Gedanken. Fragend richtete sie ihren Blick auf den rot-getigerten Kater Sonnenjunges, der mit hochstendem Schweif und einem tiefen Schnurren näher kam. Sein Fell war voll von Dreck und Staub und er stank nach Schlamm und irgendetwas Undefinierbarem. Wildjunges rümpfte ein wenig die Nase, doch richtete ihre Aufmerksamkeit auf den Kater.
"Willst du mit uns spielen?", fragte dieser, aufgeregt und mit leuchtenden Augen.
"Wir spielen "Krieger und Dachs". Himmelsjunges, Thymianjunges und ich sind die Krieger, wir brauchen nur noch einen Dachs!"
Wildjunges verstand den Sinn hinter seinen Worten nicht. Sie sollte einen Dachs spielen?
Ihr blauer Blick richtete sich auf den aufgeregt wirkenden Kater, doch sie wurde nicht schlauer aus ihm. Er schien aufgeregt, als hätte er die Unlogik seiner Frage gar nicht mitbekommen. Vielleicht war er nur etwas durcheinander? Wildjunges hatte sowieso schon oft den Eindruck gehabt, dass der Kater zu seiner Geburt einmal zu oft auf den Kopf gefallen war.
"Wie soll ich denn einen Dachs spielen?", fragte Wildjunges also ehrlich verwirrt. "Dachse haben einen langen, schlanken Kopf, einen breiten Körper und kurze Beine. Wie genau soll ich so etwas darstellen und welchen Nutzen hat das?" Die kleine Kätzin wusste es wirklich nicht und wollte es eigentlich auch gar nicht wissen.
Sonnenjunges starrte sie entgeistert an, als wäre er immer wieder aufs Neue überrascht, wie sehr sich das Denken der Kätzin von seinem unterschied, obwohl sie sich schon so lange kannten. Wildjunges erwiderte den Blick nur emotionslos und erinnerte sich an alle vergangenen Situationen, die ähnlich gewesen waren. Sie hatte immer wieder abgelehnt bei solchen Dingen mitzumachen, aber irgendwie hatte Sonnenjunges es immer noch nicht gerafft.
Mäusehirn.
Ihre Gedanken klangen wohl ein wenig verächtlich, doch sie sprach sie nicht aus. Sie wusste, wie leicht man den pummligen Kater verletzen konnte.
Aus blauen Augen beobachtete sie ihn also dabei, wie er sich kopfschüttelnd entfernte und seiner jüngeren Schwester etwas zuflüsterte. Thymianjunges nickte und betrachtete ihre Baugefährtin aus schmalen Augen, doch Wildjunges ignorierte diesen berechnenden Blick nur. Sie hatte schon mitbekommen, dass die meisten Individuen dazu neigten, schlecht über andere zu reden.
Wieso nicht einfach ins Gesicht sagen? Bin ich wirklich die einzige Katze, die so denkt?
Seufzend legte sie ihren Kopf auf ihre Pfoten und betrachtete das Braun der Erde, das in ihrem Fell haftete. Manchmal fragte sie sich, wie diese unterschiedlichen Farben von anderen Tieren wahrgenommen wurden. War Erde für sie immer noch braun oder vielleicht sogar blau? Und war der Himmel dann gelb oder blieb er immer noch der gleiche? Wildjunges schüttelte den Kopf.
So viele Fragen und nirgendwo Antworten.
Ihr Schweif peitschte hin und her, als die Sonne ihren Rücken wärmte und sich über die Lichtung ausbreitete. Sanfte Lichtstrahlen umschmeichelten das grüne Gras, die frischen Knospen der Bäume betonten den aufziehenden Frühling, der eine angenehme Wärme versprach. All das realisierte Wildjunges auf einmal, die ganzen Eindrücke schienen förmlich auf sie einzuströmen. Und trotzdem entging ihr das unangenehme Gefühl nicht, beobachtet zu werden.
Ruckartig hob sie den Kopf an und richtete ihren scharfen Blick auf den grauen Pelz der Katze, die sie von oben bis unten musterte. Es war die Heilerkatze Silberblick, den sie im Inneren immer gerne "Mäusehirn" nannte und nicht umhin konnte, es ihm auch einige Male ins Gesicht zu sagen.
Eine Katze, die an den SternenClan glaubt. Den kann man gar nicht ernst nehmen.
"Such dir einen See und betrachte dich in deinem eigenen Spiegelbild, nur nimm deine Augen von mir runter!", rief ihm Wildjunges mürrisch zu und legte ihren Kopf erneut auf ihre Pfoten. Aus den Augenwinkeln sah sie nur, wie der Heiler verwirrt blinzelte, scheinbar war er es nicht gewohnt, so angefahren zu werden. Trotzdem schienen seine sturmgrauen Augen düster zu werden, als er sich langsam in Bewegung setzte. Und zu Wildjunges Pech kam er geradewegs auf sie zu.
Wunderbar.
Als Silberblick schließlich direkt vor ihren Pfoten stehen blieb, blickte sie immer noch nicht zu ihm auf. Stattdessen wartete sie nur still, bis er sich räusperte und seine Stimme erhob.
"Wildjunges, ich muss mit dir sprechen", meinte er still, doch die Angesprochene blieb stumm liegen und zuckte mit dem Ohr, um den Kater vom Weiterreden zu stoppen. Sie war auf kein Gespräch aus und hatte ehrlich gesagt auch keine Ahnung, was der Kater eigentlich von ihr wollte. Der junge Heiler schien immer wieder verblüfft über den eigenen Willen der Kätzin zu sein, doch in seinen Augen schimmerte trotzdem die Wut. Die Kätzin wusste, dass der Kater ziemlich aufbrausend und temperamentvoll war. Vielleicht lag das daran, dass er noch ziemlich jung war, doch Wildjunges war noch nicht einmal eine Schülerin und sie fuhr auch nicht bei jeder Gelegenheit aus dem Pelz.
"Vielleicht musst du mit mir sprechen, ich aber nicht mit dir. Also sehe ich keinen Grund für ein Gespräch.", erklärte die Kätzin ruhig und wandte ihren Blick provokant ab. Der Kater schien am liebsten auf sie losgehen zu wollen, sein Nackenfell stellte sich bedrohlich auf und ein Knurren blieb in seiner Kehle stecken.
"Na schön!", fauchte er also nur, wobei in seinen Augen ein Funken der Schadenfreude aufglomm.
"Du wirst schon sehen, was du davon hast!"
Laut stapfte er davon und verschwand hinter den Brombeerranken, die den Heilerbau von der Außenwelt trennten. Wildjunges sah ihm verwundert hinterher.
Was meinte er damit?
Mit einem Schweifschnippen verdrängte sie die unangenehmen Möglichkeiten, die ihr sofort in den Kopf schlichen. Vermutlich war das nur das Geschwätz einer verärgerten und teils auch verblödeten Katze, der einfach zu lange in der Sonne gelegen war.
Als Wildjunges ihren Kopf in den Himmel hob und sofort erkannte, dass es schon Sonnenhoch war, begann es in ihrer Brust zu kribbeln. Genau jetzt sollten eigentlich die Schülerzeremonien stattfinden und es nervte sie, dass sich Finkenstern offensichtlich verspätete. Wenn er schon eine Tageszeit verkündete, dann sollte er sich auch gefälligst daran halten.
Doch die graue Kätzin mit den weißen Streifen hatte sich zu früh aufgeregt, denn in genau diesem Moment tappte der Anführer auf die Hochnase, seine Brust weit nach vorne gestreckt und mit funkelndem, braun-rotem Fell stach der Kater sofort ins Auge. Sein grüner Blick strich über die Menge und blieb an jedem einzelnen Jungen hängen, welches heute ernannt werden sollte. Dazu gehören nicht nur Wildjunges und Himmelsjunges, sondern auch Sonnenjunges und Thymianjunges.
Der Schülerbau wird voll werden.
Wildjunges hoffte nur, dass niemand von ihren zukünftigen Baugefährten Dreck liebte, denn sie tat das definitiv nicht. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie, wie ihre Mutter Weißflügel zu Himmelsjunges eilte und sein zerzaustes Fell glatt strich, während dieser nur peinlich berührt auf den Boden starrte. Auch Holunderherz kümmerte sich um das Aussehen ihrer Jungen, denn alle wussten, was ihnen gleich bevorstand.
Während Sonnenjunges einfach nicht still sitzen konnte und wie ein Verrückter umherzappelte, beschwerte sich Thymianjunges über irgendetwas, wie sie es eigentlich immer tat. Ihre Mutter schien mit dem Pelz ihres Bruders fertig zu sein und ihr suchender Blick glitt über die Lichtung.
Als Weißflügel ihre Tochter entdeckte, sprang sie mit glänzenden Augen auf und eilte zu ihrer Tochter, um ihr Fell für diese wichtige Zeremonie zu säubern. Als sie dort aber ankam, sah sie verwirrt, dass Wildjunges jede einzelne Strähne perfekt selbst gerichtet hatte. Kopfschüttelnd betrachtete ihre Tochter und schien sich immer wieder über ihre Andersartigkeit zu wundern. Diese erwiederte ihren Blick nur.
Ich mag halt Sauberkeit. Ist das ein Problem?
Scheinbar schon, denn dieser besorgte Gesichtsausdruck, den ihre Mutter ihr immer wieder schenkte, sagte schon alles.

"Wird sie denn jemals normal sein?"

Verwirrt sah Wildjunges auf. Hatte jemand mit ihr gesprochen? Ihr Kopf schnellte hin und her, doch sie konnte niemanden erkennen, der irgendwie zu ihr blickte.
Hab ich mir wahrscheinlich nur eingebildet.
Trotzdem konnte sie das ungute Gefühl nicht abschütteln, das sich langsam in ihr anbahnte.
"Ich fordere alle Katzen, die alt genug sind, um Beute zu fangen, dazu auf, sich bei dee Hochnase zu einem Clan-Treffen zu versammeln!", rief Finkenstern mit einem Mal und riss Wildpfote aus ihren Gedanken. Himmelsjunges hatte sich zu seiner Schwester gesellt und schnurrte ungehalten.
"Ich freue mich so auf unsere gemeinsame Schülerzeit!", flüsterte er leise und mit funkelnden Augen. Seine Schwester nickte zur Bestätigung. Mehr Emotionen erwartete er wohl auch nicht von ihr, als blickte er zufrieden nach vorne.
Die Katzen versammelten sich langsam. Sturmwolf und Rosensee setzten sich direkt unter die Hochnase und blickten zu Finkenstern hinauf, während sich Lichterpfad, Schneefrost und Ahornflamme flüsternd in die Nähe der Junge setzten. Die Schüler hingegen blieben in der Nähe der Krieger und musterten ihre zukünftigen Baugefahrten forschend. Wildjunges hingegen ignorierte ihre Blicke geflissentlich und wandte sich dem Anführer zu.
"Wir haben uns hier versammelt", sprach der Anführer, "um neue Schüler zu ernennen! Sonnenjunges, Thymianjunges, Wildjunges und Himmelsjunges, tretet..."
"Warte kurz, Finkenstern!", unterbrach Silberblick den Kater auf einmal. Ein paar Katzen schnappten nach Luft und fragten sich wohl, wie der junge Kater einfach seinem Anführer ins Wort fallen konnte.
Was will der denn schon wieder?
Wildjunges Gedanken klangen genervt, doch ihr Gesichtsausdruck blieb kühl und verriet nichts über ihre Abneigung gegenüber dem Kater.
"Ich habe eine Nachricht vom SternenClan erhalten", sprach Silberblick unvermittelt weiter und wartete gar nicht erst auf das Einverständnis von Finkenstern.
Nicht dieser Quatsch.
Wildjunges seufzte und hoffte einfach, dass sich der Kater beeilen würde, denn sie wollte unbedingt das Territorium erkunden. Ob ihr Mentor das erlauben würde, war ihr eigentlich so ziemlich egal.
Der imposante Anführer gab ein Zeichen, damit der Kater weitersprach. Silberblick nickte ihm zu, seine Laune schien wirklich den Tiefpunkt erreicht zu haben.
"Wildjunges soll meine Schülerin werden", sprach er kurz und schmerzlos aus. Alle Blicke richteten sich mit einem Mal auf sie, doch Wildjunges konnte einfach nicht glauben, was sie da gerade gehört hatte.
"Wie bitte?", fauchte die kleine Kätzin mit einem Mal und sprang empört auf.
"Sehe ich so aus, als würden mir tote Katzen etwas befehlen können, die nicht einmal existieren? Sag mal, spinnst du?"
Wildjunges Nackenfell hatte sich zornig aufgestellt, ihre eisigen Augen sprühten Funken. Silberblick richtete seinen stechenden Blick auf die kleine Kätzin, sein Schweif peitschte wütend hin und her. Er öffnete seinen Mund für eine genervte Erwiderung, doch Finkenstern unterbrach ihn mit einer unerschüttbaren Ruhe.
"Wenn der SternenClan es so will, dann müssen wir ihm gehorchen", sprach der Anführer und richtete seinen bohrenden Blick auf Wildjunges.
"Du solltest seinen Willen akzeptieren."
Wildjunges traute ihren Ohren einfach nicht. Sie sollte einem erfundenen Clan gehorchen und dämliche Kräuterpflückerin werden? Drehte ihr Anführer nun völlig durch?
Nur über meine Leiche! Ich werde mir nicht einfach so meine Zukunft stehlen lassen!
"Wieso ich?", rief Wildjunges also laut und beachtete nicht den Schweif ihrer Mutter, der ihr beruhigend über den Rück strich. Ihre Augen funkelten Silberblick mit einer unterdrückten Wut an.
"Wieso nicht sie?"
Die Kätzin zeigte auf ein Junges neben sich.
"Sie heißt Thymianjunges, sie sollte Heilerin werden und mit den Sternen kuscheln!"
Zu ihrer Überraschung nickte ihre Baugefährtin, ein begieriges Funkeln in den Augen. Wollte sie tatsächlich Heilerin werden? Wildjunges hatte zwar immer schon gedacht, dass die Kätzin leicht dämlich war, aber dass es diese Ausmaße annehmen würde, hätte sie nicht gedacht. Das Junges öffnete also den Mund, doch bevor sie weitere Argumente nennen konnte, kam ihr der Anführer des Clans schon zuvor.
"Silberblick", sprach er ruhig und wandte sich dem jungen Heiler zu. Dieser stand mit einem Mal völlig gerade da und wartete auf Finkensterns Befehl.
"Du wirst dich um Wildjunges kümmern und ihr das Heilen beibringen. Wenn der SternenClan will, dass sie deine Schülerin wird, dann sollten wir auf ihn hören."
Silberblick neigte den Kopf und warf Wildjunges einen letzten Blick zu, der sagte, dass sie endlich Ruhe geben und ihr Schicksal akzeptieren sollte. Die kleine Kätzin fauchte nur als Antwort, jetzt konnte selbst sie nicht mehr ihre offensichtliche Aggression verstecken.
"Mäusehirne!", schimpfte sie leise vor sich hin. In ihrem Kopf tobte es wie ein Sturm aus wilden Flammen, doch ihr Herz schien zwei Teile zu zerbrechen.
Heilerin, flüsterte es immer wieder in ihr , doch ganz realisieren konnte sie es immer noch nicht. Sie sollte wirklich für den Rest ihres Lebens Kräuter sammeln und mit Katzen reden, die es nur in ihrer Fantasie gab? Sie sollte wirklich alles aufgeben, auf das sie sich jemals gefreut hatte?
Silberblick wird schon sehen, was er davon hat.
Sie würde die unerträglichste Schülerin werden, die es je im DonnerClan gegeben hatte.
Finkenstern wollte sich wohl nicht weiter mit dem Thema befassen, für ihn war es wohl abgeschlossen. Also setzte sich der Kater bloß hin und beschloss, mit der Schülerzeremonie zu beginnen.
"Katzen des Clans", hob er an und blickte in die Runde. Himmelsjunges zappelte nervös, warf seiner Schwester aber immer wieder traurige Blicke zu. Sie wusste, wie sehr er sich auf ihre gemeinsame Schülerzeit gefreut hatte.
"Wir haben uns hier versammelt, um neue Schüler zu ernennen. Himmelsjunges, Thymianjunges und Sonnenjunges, tretet vor."
Die drei Katzen gehorchten und in Wildjunges brodelte der Zorn. Sie sollte auch dort stehen, mit ihrem Bruder und zur Kriegerin ausgebildet werden. Die Kätzin hatte sich schon immer vorgestellt, wie sie durch den Wald rannte, frei von der bedrückenden Enge des Lagers, für ihre Mutter einen resigen Vogel fing und die Kämpfe ihres Clans ausfechtete. Aber nun wurde sie Heilerin.
"Himmelsjunges, Sonnenjunges und Thymianjunges", sprach Finkenstern weiter. Es schien ihn gar nicht zu kümmern, dass auch er daran schuld war, dass ihr Traum zerplatzt war, wie der Kokon eines gerade geschlüpften Schmetterlings.
"Ihr seid nun sechs Monde alt und es ist an der Zeit, um mit eurer Ausbildung zu beginnen. Von diesem Tag an, bis diese Schüler sich ihre Kriegernamen verdient haben werden sie Himmelspfote, Sonnenpfote und Thymianpfote heißen. Ich bitte den SternenClan, über diese Schüler zu wachen, bis sie in ihren Pfoten die Kraft und den Mut eines Kriegers finden!"
Dann hörte Wildjunges schon nicht mehr zu. Nur nebenbei bemerkte sie, wie Himmelspfote Waldfrost als Mentor bekam. Der selbstbewusste Kater sollte ihrem Bruder wohl bei seiner Schüchternheit helfen. Die Mentoren von Sonnenpfote und Thymianpfote wurden Tupfenfell und Stachelauge. Alle wirkten sehr zufrieden, nur Thymianpfote war sichtlich verärgert. Scheinbar war ihr Wunsch, Heilerschülerin zu werden, wirklich ernst gemeint gewesen, was Wildjunges aber irgendwo einleuchtete, immerhin war die Kätzin schon immer zu fein gewesen, um sich die Pfoten als Kriegerin schmutzig zu machen.
"Wildjunges, tritt nun du vor!", erklang auf einmal Finkensterns Stimme und riss die Kätzin aus ihren Gedanken. Wütend schüttelte sie ihren hellgrauen Pelz, quetschte sich durch die Katzenmenge, trat einigen dabei noch mit Absicht auf die Pfoten und kletterte auf die Hochnase hinauf. Ihr Blick streifte den von Weißflügel, die ihr aufmunternd und schnurrend zunickte. Sie wusste wohl, was das für eine Qual für Wildjunges war.
"Katzen des DonnerClans", sprach Silberblick auf einmal los. In Wildjunges regte sich erneute Abscheu.
"Wie ihr wisst, werde ich nicht für immer auf Erden wandeln. Deshalb ist es an der Zeit, dass ich eine Schülerin wähle. Der SternenClan hat sich eine Katze ausgesucht, die scheinbar alles mitbringt, das eine Heilerkatze braucht. Die nächste Heilerin wird Wildpfote sein!"
In Wildpfote regte sich so große Abneigung, dass sie das Gefühl hatte, sie müsse sich gleich übergeben. Sie wollte das wirklich nicht!
Solche miesen...
"Wildpfote, akzeptierst du die Position als Heilerschülerin?", fragte Finkenstern, obwohl er eigentlich wissen sollte, welche Antwort kommen würde. Eine ziemlich dumme Frage, wenn man darüber nachdachte.
"Nein, das tue ich nicht." Wildpfote klang bissig und brummte die Worte leise in sich hinein, doch Finkenstern ignorierte sie und gab das Wort unerschüttert an Silberblick weiter.
"Dann musst du beim nächsten Halbmond zum Mondstein reisen, um vom SternenClan akzeptiert zu werden.", sprach der Heiler, doch auch er sah nicht unbedingt glücklich aus.
"Die besten Wünsche des gesamten DonnerClans werden mit dir reisen.", ergänzte der Anführer, doch es klang so förmlich, dass Wildpfote es einfach nicht ernst nehmen konnte. Widerstrebend legte sie ihre Nase an die ihres neuen Mentors und blickte ihm dabei in die sturmgrauen Augen. Sie wollte ihm jetzt schon klarmachen, dass sie ihm definitiv nicht aufs Wort gehorchen würde. Silberblick schien es verstanden zu haben. Wenn das so wäre, dann würde er sie nicht einfach damit durchkommen lassen, schien er ihr sagen zu wollen. Das wusste sie und es war ihr sowas von egal.
Wildpfote ignorierte die Rufe ihrer Clangefährten, die jubelnd ihre neuen Namen priesen. Sie wusste, dass die kommende Zeit schwierig sein würde.
Doch was Wildpfote nicht wusste, war, dass es gerade erst begonnen hatte.

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Hallo! :)
Hier ist das erste Kapitel. Wie gesagt, Wildpfote ist etwas anders, aber ich hoffe trotzdem, dass ihr sie mögt!
Dieses "Tag 179" am Anfang bedeutet, dass Wildpfote schon seit 179 Tagen am Leben ist, nur, damit niemand fragt!
Noch einen schönen Abend! :)

LG Aidana :)
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