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System(aus)fall

Kurzbeschreibung
OneshotAllgemein / P12 / Gen
Satoru Gojo
03.03.2021
03.03.2021
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Gojo Saturos himmelblaue Augen schlossen sich resigniert, als er die Nachricht auf seinem Handy mehrmals durchgelesen hatte und es schließlich in seine Hosentasche wandern ließ.
Yuji Itadori war tot.
Sein Schüler im ersten Jahr, von dem er sich so vieles versprochen hatte, und auf eine Mission geschickt wurde, die er einfach nicht überleben konnte. Das Gefäß des legendären Fluches war stark und er wusste seit der Begegnung mit Yuji, dass die Akademie von seinem Eintritt profitieren würde. Der Weißhaarige sah über den Rand seiner Brille hinweg und beobachtete die Menschen, die sich durch die Passage drängten, während er an dem Strohhalm seiner Limonade zog. Der Jujuzist traute es den Ältesten zu, dass sie die Gefahr, die sie schon von Anfang an in Yuji sahen, beseitigen wollten. Dabei schickten sie den aufgeweckten Jungen in den sicheren Tod und riskierten auch das Leben einiger anderer Fluchmagier. Dem Weißhaarigen war es klar, dass ihre Arbeit Opfer benötigte, da sie einfach unvermeidbar waren. Seine oberste Prioriät lag immer darin, den Feind unschädlich zu machen, dabei waren unschuldige Zivilisten oder Fluchmagier, die wissen sollten worauf sie sich einließen, unbedeutsam. Doch in diesem Fall war es einfach sinnlos. Gojo entfuhr ein genervtes Schnalzen, als er daran dachte, welche Mühen es gekostet hatte, den alteingesessen Bürokraten zu erklären, welchen Nutzen man aus dem Jungen ziehen konnte. Er war sich sicher, dass er zumindest etwas mehr Zeit gehabt hätte. Yujis Potenzial war bei weitem nicht vollends ausgeschöpft worden und er sah in ihm die Möglichkeit, eine sehr kampfstarke Generation auszubilden. Nobara und Megumi hatten es gerade noch so geschafft, allerdings bezweifelte ihr Lehrer nicht, dass es mehr Glück und die Aufopferung von Yuji war, die das bewerkstelligte.
Seine Gedanken gingen auf und ab und dieses Ereignis bestärkte nur die Notwendigkeit eines Systemfalls, den Gojo schon jahrelang für mehr als nötig empfand. Dem Weißhaarigen missfiel es immer mehr als stärkster Fluchmagier, auf die Launen eines alten Mannes hören zu müssen, obwohl er es deutlich besser wusste.
Seufzend stand er auf und machte sich auf den Weg zur Akademie, in der der Körper von Yuji untersucht werden sollte. Als sein Lehrer wollte er dabei sein und womöglich war das auch der Grund, warum Ijichi ihm geschrieben hatte. Die Textnachricht war kurz, dennoch konnte er die Nervosität und die schlichte Überforderung des Schwarzhaarigen zwischen den Zeilen erkennen, womöglich auch die Schuld, Teil davon zu sein, dass heute ein 15-Jähriger gestorben war.

Der Lehrer betrat das Gelände der Akademie, die durch eine Barriere gut geschützt war. Seine Sonnenbrille tauschte er durch die Augenbinde und hechtete die Stufen hinauf. Shoko hatte versprochen, dass er dabei sein könnte, wenn sie ihn sezieren würde. Man war sich nicht sicher, wie genau Yujis Tod sich auf den Fluch Sukuna auswirken würde. Verschwunden war er kaum, da es noch einige Teile von ihm gab, die er auf der Welt verteilt hatte. Ijichi kam mit gesenktem Kopf auf ihn zu und richtete sich die Brille, als Gojo endlich angekommen war.
„Gojo. Na endlich!“
Der Weißhaarige hob die Hand zum Gruß und lächelte.
„Oi, Ijichi. Ich hoffe, Shoko konnte ihre Finger noch bei sich behalten.“ Der Angesprochene schnaubte über die nonchalante Begrüßung, so als wäre nicht gerade jemand gestorben.
„Macht dir die Sache gar nichts aus?“, schnaubte er und musterte Gojo dabei, wie er sich durch die weißen Haare fuhr. Er antwortete nicht, stattdessen steckte er seine Hände in die Hose und ging Richtung Labor, der einzige Ort, an dem Shoko ihre Untersuchungen durchführte.

Es stank stechend nach Formaldehyd und die Kälte des Leichenschauhauses verursachte eine plötzliche Gänsehaut bei Gojo. Die Medizinerin war noch nicht da und so entschied er sich, auf einer Bank Platz zu nehmen und auf sie zu warten. Ijichi lehnte sich an die Wand neben ihn. Die Stille drückte und Gojo konnte die Kontur eines Körpers unter dem weißen Leintuch erkennen. Der Raum war durch die Neonröhren hell erleuchtet, während sie leise vor sich hinsurrten. Er überschlug die Beine und starrte auf die schwarzweißen Kacheln, die den Boden zierten.
„Ich hasse es, Lehrer zu sein“, erklärte er ruhig und bemerkte, dass er die Aufmerksamkeit des Schwarzhaarigen schnell auf sich zog. „Der einzige Grund, warum ich hier bin, ist, dass ich einen Traum habe.“ Für einen Moment wurde es es seltsam still und Ijichi sagte zuerst kein Wort, um Gojos seltsamen Stimmungswechsel mit Neugier zu verfolgen.
Nachdem Gojo sich lässig nach vorne gelehnt hatte, hielt er es aber nicht mehr länger aus.
„Der wäre?“
„Es wäre so leicht die Ältesten einfach zu töten, allerdings würde es nichts bringen. Man würde sie nur ersetzen und es ginge von vorne los.“ Der Weißhaarige seufzte und hob das Kinn, alleine der Gedanke brachte einen Sturm im Inneren von Gojo auf. „Wir brauchen eine Revolution.“
Ijichi kannte bereits das Gerede des Jujuzisten, jeder kannte sie in den eigenen Reihen, trotzdem irritierte es immer wieder, mit welcher Inbrunst er den Hass gegen die Obrigkeit erklärte und sogar mit Gedankenexperimenten spielte, sie einfach auszulöschen. Man nahm ihn mittlerweile nicht mehr ernst. Man hasste ihn einerseits, doch andererseits wusste man, dass die Akademie der Jujuzisten ohne Gojo Saturo auf verlorenem Posten stand. Jeder wusste das. Und Gojo wusste es am besten.
Nicht ohne Grund setzte er nicht nur seine Feinde herab, sondern auch seine Kollegen. Gojo war ein gespaltener Charakter, falls er überhaupt einen besaß. Ijichi kannte ihn schon sehr lange, aber er würde nicht behaupten, ihn gut zu kennen. Der Jujuzist kam aus einem starken Clan, niemand verstand etwas von dessen Kraft und überraschte immer aufs Neue mit seinen Fähigkeiten. Doch er hatte ebenso ein offenes Ohr, eine Verspieltheit und Freundlichkeit, die nur seine engsten Vertrauten zu spüren bekamen. Seit Generationen gab es niemanden vergleichbaren.
Also ließ man ihm Narrenfreiheit, so anstrengend das auch war, aber der Weißhaarige war nun mal der stärkste Fluchmagier, den die Welt kannte.
„Lässt du etwa nach?“

Gojo schnaubte und ballte seine Hände zu Fäusten, sodass Ijichi die Knochen knirschen hören konnte. „Der neue Jahrgang ist talentiert.“ Sein Kiefer knackste und er bemerkte erst jetzt, dass Shoko in den Raum getreten war und bereits das ausgewaschene Leintuch von dem Körper zog. Ihre Augenringe waren prominenter als sonst und selbst mit dem Abstand, den die beiden Männer von der Ärztin hatten, rochen sie den Alkohol. „Ich werde jetzt anfangen. Wollt ihr von da drüben zusehen?“
Das Latex schnalzte, als sie es sich über die Finger zog und hoffte darauf, ihre Arbeit schnell erledigen zu können. Doch plötzlich entfuhr Ijichi ein schockierter Laut und er konnte kaum glauben, was gerade passierte. Er hatte heute Nacht kaum geschlafen, die Mission und die Folgen waren nervenaufreibend und die Bürokratie dauerte lange an, sodass er kaum eine Minute Ruhe hatte. „Gojo?“ Seine Stimme quietschte und er fuhr sich geschockt durch den schwarzen Haarschopf, als Yuji Itadori sich aufsetzte und sich über seine Nacktheit wunderte.
Shoko wandte sich um und runzelte die Stirn, während Gojo nur herzlich zu lachen anfing.
Wer hätte gedacht, dass Yuji selbst dem Tod trotzen konnte. Demnach konnte der Lehrer neue Hoffnung schöpfen. Er musste nur besonders darauf achten, dass man den jungen Schüler nicht mehr zu nahe kam. Es stand außer Frage, dass er stärker werden musste und dafür würde Gojo seine Zeit opfern.

„Willkommen zurück, Yuji!“
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