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Gefangen in einer fremden Welt

GeschichteFantasy / P18 / Gen
03.03.2021
03.05.2021
7
25.838
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03.03.2021 3.147
 
Es ist einer dieser miesen, nasskalten Herbsttage, dieses Mittelding zwischen Herbst und Winter, aber von beiden Jahreszeiten nur das Schlechte. Ich gehe von der Uni nach Hause, in Richtung des Parks der zwischen mir und meinem zuhause liegt. Nur noch ein paar hundert Meter, dann würde ich diesem Scheißwetter entfliehen. Es weht ein ziemlich starker Wind und dieser Schneeregen ist ja so was von ungemütlich. Der Himmel ist bedeckt von tiefschwarzen Wolken und obwohl es erst drei Uhr am Nachmittag ist, ist es ziemlich dunkel. Der Wind zerrt an meiner Kapuze, versucht mich aus dem  Gleichgewicht zu bringen. Kurz gesagt, so ein richtiger Scheißtag. Heute werde ich nichts tun, außer mich in meine Decke kuscheln und Filme gucken. Hoffentlich hat mein kleiner Bruder etwas von dem Kuchen übergelassen. Ich mag Kuchen. Sehr sogar. Während ich so dahingehe und mit meinen Kopfhörern Musik höre, wird der Schneeregen sogar noch stärker. Es fängt jetzt sogar leicht zum Hageln an. Seriously? Was soll das denn jetzt? Besorgt beschleunige ich meine Schritte, husche unter dem Torbogen des Parkeinganges hindurch und haste in Richtung zuhause. Ich finde Hagel ziemlich creepy, habe Angst, dass so riesige Hagelkörner runterfallen, mich erschlagen oder so. Wäre nicht so cool, hänge eigentlich ziemlich an meinem Leben. Also nix wie weiter! Währenddessen wird der Hagel immer stärker, langsam tun die Körner schon weh, obwohl ich eine Kapuze aufhabe. Immerhin, die Bäume hier im Park schützen mich ein wenig und ich habe es nicht mehr weit bis nach Hause. Ich bin fast in der Mitte des Parks angelangt, vor mir ist ein kleiner geschotterter Platz, in der Mitte ein Denkmal von irgend so einem Dude aus dem Mittelalter oder so. Ich jedenfalls schenke der Statue keinerlei Beachtung, laufe fast schon vorüber, sehe schon die Bäume, die Hagelkörner prasseln auf mich ein und tun freaking weh. Ab den Bäumen wäre ich geschützt und dann ist da so ein kleines Hüttchen wo ich mich unterstellen kann. Soll mich halt meine Ma abholen. Hab sicher keinen Bock von Hagelkörnern erschlagen zu werden. Nur noch ein paar Meter...

WAAMM!

Irgendwas verdammt Schweres hat mich am Kopf getroffen, ich gerate aus dem Gleichgewicht, taumle, mache noch ein paar Schritte, dann falle ich um. Ein stechender Schmerz durchzuckt meine rechte Wange, die Schotterkörner reißen sie auf, ich kann ein bisschen Blut schmecken. Dann wird es dunkel um mich.

Schwärze…

Stille…


Dann… Licht... gedämpfte Laute... Wärme. Mein Kopf dröhnt. Langsam beginne ich wieder klarer zu denken. Ich scheine doch noch am Leben zu sein. Meine Wange schmerzt, aber ich liege scheinbar nicht mehr auf dem Schotter, sondern auf irgendetwas Weichem. Hat man mich gefunden und in ein Krankenhaus gebracht? Aber warum dann diese Laute, es klingt ganz anders als in einem Krankenhaus. Plötzlich nehme ich den Geschmack von Erde wahr. Erde! Bin ich etwa tot und die haben mich einfach so eingegraben? Nein, kann nicht sein. Ich versuche meine Augen zu öffnen. Es ist fast unmöglich, meine Augenlieder sind bleischwer. Ich schaffe es, sie zumindest einen Spalt aufzubekommen. Grelles Licht blendet mich, ich blinzle. Ich versuche wieder die Augen zu öffnen, schaffe es schon besser. Sie gewöhnen sich so langsam an das Licht. Noch sehe ich verschwommen, aber meine Sicht wird klarer. Und ich merke, dass ich ganz sicher in keinem Krankenhaus bin. Jetzt fühle ich es, ich liege auf Moos, auf Farnen, auf weicher Erde. Hä! Bin ich etwa in einem Wald? Langsam kann ich meine Umgebung genauer erkennen und ja – ein Wald. Wie ich so gen Himmel sehe, kann ich Baumwipfel sehen, hohe Bäume und einen knallblauen Himmel. Eigentlich ziemlich idyllisch. Also ein Wald. Warum bin ich in einem Wald? Wie komme ich hierher? Oder halluziniere ich etwa?  Gaukelt mir mein Gehirn etwas vor? Kann eigentlich nur sein, vielleicht hab ich eine Gehirnerschütterung. Aber es fühlt sich irgendwie ziemlich echt an. Der Boden, die Bäume, jetzt kann ich auch die Laute besser identifizieren. Waldgeräusche, Vogelgeschrei. Irgendwelches Viehzeug, das durch das Gebüsch kreucht. Und noch etwas fällt mir jetzt auf. Die Luft, sie ist so – rein. Viel besser als zu Hause, es riecht nach Natur, nach schwarzer Erde, nach Harz, nach Leben. Es erinnert mich irgendwie an einem Urlaub, den ich mal mit meinen Eltern gemacht habe, in Montana. Wir waren dort wandern und die Luft war dort ebenso klar und rein wie hier. Also entweder ist mein Gehirn zu wahrhaften Meisterleistungen in Sachen Illusion fähig, oder das Ganze ist echt. Aber wenn das echt wäre, wo bin ich dann? Und warum? Und überhaupt – wie? Das ist doch eigentlich unmöglich. Geradezu gegen alle Grenzen der Physik. Ich mache noch mal die Augen zu, vielleicht ist danach wieder alles normal. Ich träume wahrscheinlich. Natürlich. Also Augen zu und wieder auf. Immer noch der Wald. Ernsthaft? Panik durchfährt mich. Was wenn ich hier nicht mehr wegkomme? Wenn ich hier verhungere? Oder sonst wie sterbe? Und meine Eltern – die machen sich doch bestimmt Sorgen.
Verflixt, jetzt reiß dich zusammen Kathi, du bist doch kein Kind mehr! Rumheulen bringt dich jetzt nicht weiter! Also, aufstehen, umsehen, nachdenken!
Leichter gesagt als getan. Das mit dem Aufstehen funktioniert ja eigentlich ganz gut, aber irgendein dummes Dornengestrüpp muss ja gerade neben mir wachsen. Und ich natürlich voll rein mit der Hand. AUA! Als hätte ich nicht schon genug Probleme am Hals. Zumindest ist es nur meine linke Hand. Und so was sollte ich überleben. Hab schließlich auch einen Eisball auf den Kopf überstanden. Ob die Gallier das meinen, wenn sie sich davor fürchten, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt? Naja egal.
Jetzt, in stehender Position, habe ich auf jeden Fall einen weitaus besseren Überblick. Und was ich sehe begeistert mich jetzt nicht gerade übermäßig. Ich bin auf einer winzigen Lichtung, rund herum nichts als Wald. Ein ziemlich natürlicher Wald. Dunkel, eng gewachsen, fast undurchdringlich. Hier auf der Lichtung hauptsächlich Farne, Moose, ein paar kleine Sträucher. Und dieser vermaledeite Dornbusch! Ringsum höre ich Vogelgezwitscher und andere Waldlaute. Über mir kann ich ein paar kleine Vöglein sehen, im Unterholz zischen ein paar Häschen hin und her und in den Baumwipfeln huschen Eichhörnchen herum. Kurzum, wie gesagt eine Idylle.
Aber wahrscheinlich eine trügerische. In einem unberührten Wald gibt es vermutlich Raubtiere. Okay, in Österreich jetzt nicht gerade, aber wer weiß denn schon wo ich bin. Der Wienerwald wird’s ja nicht gerade sein. Vielleicht bin ich ja auch in Kanada. Oder sonst wo. Jedenfalls scheint es, soweit ich sehe, nicht allzu gebirgig zu sein. Und die Bäume sind neben vereinzelten Laubbäume eigentlich überwiegend Fichten. Also müsste ich doch eigentlich entweder ziemlich hoch oben sein, auf einem Hochplateau oder so, oder aber in einer kalten Klimazone? Vielleicht im Waldviertel? Ja, aber wo gäbe es hier so unberührte Wälder? Vielleicht hätte ich in Geografie doch etwas besser aufpassen sollen. Okay, hilft nix. Ich muss mir einen Bach suchen, den entlang gehen, dann werde ich schon irgendwo hinkommen. Zu einer Straße, oder einer Siedlung. Und von da aus kann ich dann meine Eltern anrufen. Die werden dann schon wissen, was zu tun ist.
Aber vorher noch eine Bestandsaufnahme. Meine Kleidung ist scheinbar noch komplett, Schuhe, Jeans, Regenjacke…
Regenjacke!
Scheiße, es hat ja fürchterlich geregnet und gestürmt. Und jetzt: bestes Wetter, warm, sonnig. Sommerwetter! Wie weit weg bin ich eigentlich? Okay, egal, das wird schon. Das ist jetzt egal, also wo war ich? Ach ja. Also Schuhe, Jeans, Regenjacke, Pulli, Shirt alles da. Sehr gut. Außerdem Handy mit 57 % Akku, besser abschalten, wer weiß vielleicht brauche ich es später noch mal. Kopfhörer, Kaugummi, mein Schulrucksack, ein Gebäckstück und eine halbe Flasche Cola von meiner Jause. Also zumindest meine Ausrüstung ist nicht mal so schlecht.
Also dann, los geht’s. Ich blicke mich um. Die Sonne sehe ich nicht, wo Norden oder Süden ist – keine Ahnung. Also aufs Geratewohl in irgendeine Richtung. Ich sehe mich noch einmal um, entscheide mich dann für die Richtung in der der Wald am lichtesten zu sein scheint und marschiere los.

Etliche Stunden später und ich bin noch immer in diesem verdammten Wald. Verdammt, wie groß ist der Scheiß eigentlich, denke ich mir nur so. Als ich hier gelandet bin, war es laut meinem Handy 16 Uhr gewesen, jetzt ist es schon knapp nach 23 Uhr. Aber die Sonne scheint noch immer und es ist taghell. Also bin ich etwa in einer anderen Zeitzone? Das gibt’s ja nicht! Ich bin hungrig  und extrem durstig und würde jetzt gerne meine letzten Reserven aufzehren, aber ich fürchte, dass es vielleicht noch ziemlich lange dauern könnte, bis ich endlich wieder zivilisierte Orte finde. Also lass ichs und werfe nur einen sehnsüchtigen Blick auf mein letztes bisschen Essen das ich noch über habe und gehe weiter. Der Wald ist recht dicht und immer wieder gibt es diese verfluchten Felder von Brombeeren oder anderem Rankenzeugs, welches mein Fortkommen echt mühselig macht. Und trotzdem, immer und immer weiter, keine Rast, das letzte Mal, dass ich so weit gegangen bin war – vermutlich nie! Und es macht sich auch bemerkbar. Obwohl es recht eben ist, bin ich komplett fertig und verschwitzt. Und die Dornen welche meine Beine zerkratzen und teilweise so hoch sind, dass sie sogar Arme und Gesicht erreichen, machen das Ganze nicht besser. Und doch gehe ich unermüdlich weiter. Plötzlich vernehme ich ein leises Gurgeln und Glucksen. Ich horche auf. Vielleicht finde ich ja einen Bach, dann könnte ich zumindest etwas trinken. Und so suche ich die Quelle des Geräusches und komme zu einem kleinen Bächlein, nun, schon fast eher ein Rinnsal. Gott sei Dank! Sofort stürze ich mich zum Wasser und trinke in gierigen Schlucken. Es ist frisch, köstlich und löscht meinen Durst ganz wunderbar. Ich trinke auch noch meinen letzten Rest Cola aus und fülle die Flasche mit dem Wasser. Und jetzt? Wohin? Unschlüssig schaue ich mich um. Ich sollte wohl dem Bach folgen. In Flussrichtung. Irgendwann wird der ja in einen größeren Bach münden. Und wo viel Wasser ist, finden sich auch Siedlungen. Das kommt mir logisch vor. Wenn es in meiner abgefuckten Situation überhaupt so etwas wie Logik gibt. Also marschiere ich weiter, bis in die Abendstunden hinein den Bach entlang. Erst als es dunkel wird erlaube ich mir eine Rast. Aber wo soll ich jetzt schlafen? Mein Blick schweift umher. Am besten oben , in einem Baum. Wer weiß wie sicher es hier ist? Vielleicht gibt’s hier Wölfe, Bären oder so? Ich finde einen Baum, der für mich gut zu erklettern ist und steige hinauf. Die Äste sind recht breit und gut angeordnet, hier denke ich nicht im Schlaf herunterzufallen. Hoffentlich. Und so mache ich es mir so bequem wie möglich. Und obwohl mir hunderttausend Gedanken durch den Kopf schwirren, erledigt die Erschöpfung ihren Deal und ich verfalle so gut wie sofort in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Plötzlich, ein Knurren. Ich schrecke hoch. Im Osten geht langsam die Sonne auf und taucht die Waldlandschaft in einen malerischen rötlichen Schein. Ich sehe mich um. Vom Baum scheine ich glücklicherweise nicht heruntergefallen zu sein. Und doch, irgendwas stimmt nicht. Da! Wieder ein Knurren. Verschreckt blicke ich herab. Fuck! Unter meinem Baum streichen vier Wölfe umher. Sie schienen mich zu ihrem Fressen auserkoren zu haben. Immer wieder versucht einer von ihnen zu mir hoch zu springen, doch der Baum ist Gott sei Dank zu hoch für sie. Trotzdem klettere ich vorsichtshalber noch ein wenig höher. Und jetzt? Mir wird ganz übel. Die Angst kriecht wie ein Gespenst eiskalt meinen Rücken empor. Panisch blicke ich nach unten. Scheiße jetzt werde ich etwa noch gefressen, schießt es mir durch den Kopf. Unfähig mich zu bewegen, sitze ich regungslos da. Vielleicht wissen die gar nicht, dass ich hier bin, denke ich mir noch. Aber dann wird mir klar, dass die natürlich wissen, dass ich hier bin. Warum sollten sie sonst versuchen hochzuspringen? Weil sie Eichhörnchen jagen? Mein Blick fällt auf meinen Rucksack. Vielleicht reicht es ihnen ja wenn ich ihnen meine Jause runterwerfe? Ich nehme die halbe Wurstsemmel und schmeiße sie unter die Wölfe. Den Kaugummi behalte ich. Welcher Wolf frisst denn schon Kaugummi? Sofort stürzen sich die Viecher auf mein letztes bisschen Proviant, ein, zwei Happen und es ist verschwunden. Doch die Wölfe sehen nicht so aus als ob sie damit genug hätten. Mistviecher. Wäre ja auch zu schön gewesen. Und jetzt? Schreien? Warten bis sie genug haben und weggehen? Und wie lange würde das dann wohl dauern. Ob ich mich selbst dann überhaupt noch jemals vom Baum runtertrauen würde, kann ich mir selbst nicht so recht beantworten. So probiere ich es eben mit Schreien. Nicht besonders erfolgversprechend, aber hey, wer weiß. Und sonst kann ich mir ja immer noch was überlegen. Also schreien. Ich hole tief Luft:

„HIIILFE, HIIIIILFE!“

So brülle ich in den Wald hinein und mit jedem weiteren Hilfeschrei sinkt meine Hoffnung, doch von jemand erhört worden zu sein. Wer sollte auch schon an diesem gottverlassenen Ort sein? Also beschließe ich es aufzugeben. Mich meinen Schicksal zu ergeben, dass es wohl so sein soll, dass mein Leben auf einem Baum, umringt von Wölfen, enden würde. Doch dann, plötzlich erscheint eine Gruppe Menschen, fast wie aus dem Nichts. Aber was für welche. Hochgewachsen und in güldene Rüstungen gehüllt, der Vorderste mit einer dunkelblauen langen Robe bekleidet, bieten sie einen äußerst seltsamen Anblick. Vielleicht Cosplayer oder so? Doch dann hebt der Mann seinen Arm, wie aus dem Nichts erscheint ein Feuerball, welcher den Wölfen entgegenjagt. Der Wolf der vom Flammenball getroffen wird, stößt nur noch ein Winseln aus, dann bricht er verkohlt tot zusammen. Ich schreie vor Schreck kurz auf. Wtf war das? Zwei weitere Krieger nehmen einen Bogen zur Hand und schießen zwei der Wölfe mit sauberen Kopfschüssen ab. Der vierte Wolf sucht schleunigst das Weite.
Okay, wer auch immer die sind, auf jeden Fall können sie gut mit Waffen umgehen. Und haben keine Angst vor ein paar Wölfen.
Erleichtert mache ich auf mich aufmerksam: „Juchhu, hier bin ich, danke für eure Rettung.“ Ich versuche nicht allzu verschreckt zu wirken, ob der Geschehnisse, deren Zeuge ich gerade geworden bin. Jener Mann, welcher den Feuerball abgeschossen hatte blickt zu mir hoch. „So komme sie herunter, um uns zu unterrichten, wie sie in diese missliche Lage gekommen sei!“ Sein Ton klingt kalt und gebietend, nicht so als ob er erfreut wäre mich zu sehen. Aber gut, der kennt mich ja nicht, und wer weiß, falls das wirklich ein Cosplayer ist, dann hat er vielleicht keine Freude mit einem Mädchen ;) Also schwinge ich mich, nicht gerade athletisch vom Baum herunter und gehe zu den fremden Rettern. Nun fallen mir schon etliche Dinge mehr an den Fremden auf. Insgesamt sind sie zu siebt, sechs tragen Rüstungen, nur einer eine dunkelblaue Robe.  Dieser scheint der Anführer zu sein.  Die Robe ist mit goldenen Mustern verziert, ebenso wie die Stiefel, die Handschuhe und die Kapuze, die er trägt. Die  Rüstungen der anderen scheinen aus echtem Metall zu sein, zumindest sofern ich das beurteilen kann. An ihrer Seite tragen sie Waffen, Schwerter, Äxte, Bögen. Nicht gerade beruhigend, dieses martialische Auftreten. Am beunruhigendsten jedoch sind ihre Gesichter. Alle von großer Schönheit, fast schon zu makellos, ähneln sie einander, als ob sie allesamt Geschwister wären. Ihre Gesichter schienen frei von jeglicher Mimik, ausdruckslos und fast schon kalt starren sie mich an. Ein Schauer fährt mir über den Rücken. Was sind denn das für welche? Und warum sehen die so aus? Wo zur Hölle bin ich hier gelandet? Das und tausend andere Gedanken schießen mir durch den Kopf. Der Mann in der Robe mustert mich abschätzig von oben bis unten. Ganz kurz scheint sein Gesicht Verwunderung auszudrücken, so als ob meine Aufmachung ihn genauso irritiere wie mich die seine, aber dann weicht sie schon wieder dem emotionslosen, stechenden Blick. Obwohl mir ganz und gar nicht wohl bei der Sache ist, versuche ich ein unbekümmertes, freundliches Gesicht aufzusetzen. „Hallo ihr, Dankeschön, dass ihr mich...“
„Schweige sie!“, herrscht mich der Fremde gebieterisch an.
Vor Überraschung höre ich wirklich auf zu reden. Mann, was fällt dem ein, was ist denn das für ein Arschloch? Aber da er mich ja schließlich mit seinen Kumpels gerettet hat, denke ich mir, kann ich ihm seine Unhöflichkeit ja noch mal nachsehen. Sonst hätte er jetzt schon eine Zurechtweisung erfahren. Aber so lasse ich halt ihn reden.
„Wer ist sie, woher kommt sie, was trägt sie da und was ist ihr geschehen?“, verlangt der Mann zu wissen.
Schon wieder dieser arrogante, gebieterische Tonfall. Jetzt reicht’s dann aber mal.
„Wer will denn das wissen? Und überhaupt, ein wenig höflicher geht’s wohl nicht, he?“  
Der Mann hebt die Hand, eine kleine Feuerkugel tanzt in seiner zur Hälfte geformten Faust. Ich zucke zusammen. Plötzlich hab ich ein ganz mieses Gefühl, ob ich da nicht vom Regen in die Traufe geraten bin.
„Sie redet nur wenn sie gefragt wird, und dann in einem untertänigen Tone!“
„Schon okay“, sage ich, jetzt gar nicht mehr so rebellisch zumute. „Mein Name ist Katharina, ich bin aus Wien, habe keine Ahnung wie ich hierhergekommen bin, suche mein Zuhause, habe auf dem Baum geschlafen, dann kamen die Wölfe dann kamt ihr. Und das was ich hier trage, das ist meine ganz normale Kleidung“, hasple ich hervor. „Und bitte tut mir nichts.“
„Wien? Nie davon gehört. Und auch ihr Name ist fürwahr eigenartig. Uns deucht, sie hat zu viel am Skooma geschnüffelt. Ist sie etwa eine Talosanbeterin?“
Ich habe keine Ahnung was er da redet. Was zu Hölle ist bitte Skooma und wer ist Talos?
„Ich verstehe nicht wovon ihr sprecht, aber ich schnüffle an gar nichts. Und Talos bete ich auch nicht an. Ich bin eigentlich nicht so religiös. Also... ich bin Christin.“ Er sieht mich verständnislos an. „Äh… Ihr wisst schon, Christen, Gott der als Jesus auf die Erde kam und in Menschengestalt unter uns wandelte und die Kranken heilte und Wunder vollbrachte und so Zeug.“
Als ich in sein nun fast schon zornverbranntes Antlitz schaue, merke ich dass ich was sehr falsches gesagt haben musste.
„Soso, sie glaubt also an einen Gott der menschlich ist. Eine Talosanbeterin also, eine Häretikerin. Nehmt sie fest!“
Sofort packen mich zwei Männer und reißen brutal meine  Arme nach hinten. „Hey was soll das!“, protestiere ich noch. Da schlägt mir der Anführer mit der flachen Hand mit Wucht ins Gesicht. Ich stöhne. Die Verzierungen der Handschuhe haben meine Wangen wieder aufgerissen, es brennt wie Feuer. Die beiden Soldaten nehmen nun ein Seil und binden meine Handgelenke zusammen. Starr vor Angst wehre ich mich jetzt nicht mehr, die Schmerzen reichen mir. Die haben bestimmt noch nichts von Menschenrechten und so gehört. Meine Arme schmerzhaft zusammengebunden, höre ich wie der Robe tragende Mann sagt: „ Sobald wir wieder zurück sind, werden wir schon herausfinden, womit wir es mit ihr zu tun haben. Los, los, wir wollen die Festung noch vor Einbruch der Nacht erreichen!“ Und schon marschieren sie los, ich, von zwei Männern flankiert, sowie zwei vor und zwei hinter mir, der Anführer an der Spitze, im Schlepptau.
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