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Die Stadt klingt immer noch nach uns

GeschichteDrama / P16 / Gen
Marias und Ollis Eltern OC (Own Character) Olli
03.03.2021
30.04.2021
2
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Die Stadt klingt immer noch nach uns.



Goodbye Munich, Hello Dortmund!


Dortmund. Kanns noch schlimmer werden? Hoffentlich nicht. Aber nach meiner Meinung wurde ja nie gefragt. Ich hätt mir sofort denken müssen, dass an dem Feriencamp etwas faul war. Wann schickte mein Vater mich sonst schon in ein Feriencamp, in das ich wollte? Das wir uns eigentlich auch nicht leisten konnten. Ein Sportcamp, die ganzen Sommerferien über. Zu schön um wahr zu sein. Denn ein paar Tage nach meiner Ankunft dort, teilte er mir über Telefon mit, dass wir umziehen. Nach Dortmund! Weg von München. Dass ich ausgeflippt bin, war doch vollkommen klar. Ich war zwar in Dortmund geboren, konnte mich aber nicht mehr an die Zeit dort erinnern, oder an meine Mutter, denn diese starb weswegen mein Vater und ich nach München zogen – als ich 4 war. Doch ich hatte mich beruhigt und erstmal das Camp genossen. Selbst Freunde fand ich, die Leute dort waren echt gechilt drauf. Mit einem Junge hatte ich mich sogar besonders gut angefreundet, mit Hannes. Er war aus Dortmund. So kannte ich wenigstens schon jemanden da. Mit ihm saß ich jetzt auch im Zug und war mehr als genervt. "Scheiße Hannes, ich schwör's dir! Sobald wir am Bahnhof sind steig ich in den nächsten Zug nach München! Er kann mich doch nicht dort wegreißen!" regte ich mich mal wieder auf, sah die Landschaft an mir vorbeiziehen. Ich konnts noch immer nicht fassen. Sonst waren wir doch auch ein eingespieltes Team, wie konnte er das tun? Ich zwirbelte mir eine Haarsträhne um den Finger, schwarz und an den Spitzen türkis gedippt. "München war mein Leben! Ich hatte alles dort. Meine Freunde, meine Clique, meine Band, selbst die Schule war in Ordnung. Was soll ich meinem Freund sagen? Etwa ein 'Sorry Schatz, ich bin mal eben nach Dortmund abgezischt'?" fuhr ich fort, merkte wie die Tränen kamen. Ich will nicht weg, verdammt nochmal! Mir egal wie cool Dortmund angeblich ist, München ist Tausend mal cooler! Ich kenn jede Ecke, jede Straße und jede Gasse. Zwar verdient Papa keine Millionen aber wir kamen immer durch. Hatten eine gemütliche zwei Zimmer Wohnung, ich hatte meine Band und alles war gut wie es war. Warum musste er jetzt alles zerstören? "Hey, er hat sicher einen Grund. Aber wein nicht, ich hab keine Ahnung was ich dann tun soll wenn jemand weint!" versuchte Hannes mich zu beruhigen - oder so ähnlich. Zögernd legte er einen Arm um mich und ich legte einfach den Kopf an seine Schulter. "Dem tret ich aber heute nicht mehr unter die Augen! Das hat er davon." murmelte ich noch, schwieg dann für den Rest der Fahrt. Vielleicht würde ich es doch überleben.

15 Minuten später wurde der Zug langsamer, ich hatte mich wieder eingekriegt. "Sorry, normalerweise bin ich nicht so weinerlich." wandte ich mich an Hannes, hob meinen Kopf und bürstete mir die Haare nochmal. "Kein Ding, hab ich im Camp ja mitgekriegt. Und dazu sind Freunde doch da!" Er lächelte, ich lächelte auch. Im Camp hatten wir schon einigen Bockmist verzapft, die Betreuer hatten es nicht leicht. Dafür, dass er erst 15 war, hatte er es echt drauf. Okay, so viel älter war ich auch nicht. In drei Monaten würde ich 17 werden, am 8. Dezember genauer gesagt. Am besten war aber die mitternächtliche Badeaktion im See gestern Nacht. Am Ende lagen wir samt Betreuer im See, die Bierflaschen schwammen auch noch rum. Naja, nevermind, soviel durften wir ja auch nicht trinken. Der Zug blieb stehen und ich packte die Bürste wieder in meine Reisetasche, steckte meine Haare mit einer Klammer hoch.

"Du sagtest doch, dass du heute nicht mehr zu deinem Vater gehts. Was tust du denn dann?" wollte Hannes wissen während wir jetzt gemeinsam das Abteil verließen und zum Ausgang gingen. Ich zuckte die Schultern und schulterte gleich meine Reisetasche neu. "Wenn du willst, kannst du bei mir übernachten? Dann gehst du morgen zu deinem Vater?" schlug er nun vor als wir vor dem Zug standen. In der Nähe des Ausganges standen ein paar Jugendliche. 5 Stück und sahen uns entgegen. "Sicher? Hat deine Mutter nichts dagegen?" wollte ich jetzt wissen und musterte den Braunhaarigen unsicher. Wegen mir musste er sich keinen Stress einbrocken. "Nee, die sagt nichts. Sie ist die coolste Frau der Welt." Grinste er woraufhin ich nickte. "Na dann, danke Mitbewohner." Wieder grinste er mich an und gemeinsam steuerten wir zum Ausgang, an den Jugendlichen vorbei welche anfingen ihn zu rufen. Doch er wandte sich ihnen nichtmal zu, winkte nur kurz und meinte "Sorry Leute, hab gerade keine Zeit! Sehen uns morgen!" ohne auch nur stehen zu bleiben. Ich blieb aber stehen und warf einen Blick zu der Gruppe. Ein Mädchen, welches neben einem Jungen im Rollstuhl stand, wirkte ziemlich traurig. "Ist das deine Freundin?" fragte ich, im Camp hatte er mir von seiner Freundin erzählt. Jedenfalls nannte er sie seine Freundin, ich empfand ihre Beziehung nicht als sehr prickelnd. Naja, er war 15 und hatte wahrscheinlich null Erfahrung, laut seinen Erzählungen jedenfalls. Aber das würde ich ihm auch noch klarmachen, jetzt hatten wir ja mehr als 6 Wochen Zeit. Er nickte. "Ja, aber du brauchst mich jetzt, sie seh ich morgen ja noch." winkte er ab und wollte weitergehen, doch ich zog ihn am Arm zurück und verpasste ihm erstmal eine Kopfnuss. "Idiot. Für mich kannst du nicht viel mehr tun als mich bei dir übernachten zu lassen, du kannst nichts dafür dass ich sauer auf meinen Vater bin. Aber du kannst etwas dafür wenn sie jetzt sauer auf dich ist. Also beweg deinen Arsch dahin und begrüss sie. Wenn Jan einfach an mir vorbei gehen würde nachdem ich ihn 6 Wochen nicht sah, würde ich ihm erstmal eine Scheuern und ihn 3 Wochen nicht ranlassen." verklickerte ich ihm, schob ihn dann vor mir her zu seinen Freunden. "Nicht ran lassen? Was meinst du?" wollte er wissen, doch ich schüttelte nur den Kopf. "Vergiss es." murmelte ich noch, doch das bekam er wahrscheinlich schon nicht mehr mit, da die Brünette ihm um den Hals fiel. Ich blieb mal lieber unauffällig daneben stehen und kramte mein Handy raus, um Jan alles zu erklären.

Es war 18 Uhr als wir bei Hannes Zuhause ankamen, um 16 Uhr war der Zug eingefahren. Er hatte mich seinen Freunden vorgestellt und anschließend waren wir noch alle ein Eis essen, beziehungsweise holten uns ein Eis und sie zeigten mir etwas von Dortmund. Sie schienen auch echt chillig zu sein, jedenfalls die Meisten. Dieser Grieche und so ein Blonder hatten nähmlich echt platte Scherze gerissen, aber mit der Zeit würde sich das sicher auch noch ändern. Oder auch nicht. Nun jedenfalls waren wir bei Hannes und er zeigte mir kurz das Haus. Echt gemütlich, erinnerte mich an meine und Papas alte Wohnung. Er und seine Mutter waren ein Zwei-Mann-Team. Wie Papa und ich früher. Doch jetzt würde nichts mehr wie früher werden. Naja, vielleicht doch? Das würde ich morgen sehen, aber erstmal musste ich ihm wieder vertrauen. Und das konnte ich momentan absolut gar nicht. "Du? Hannes?" fragte ich als ich die Küche betrat und den Jüngeren mit dem Kopf im Kühlschrank vorfand. "Yow?" kam von ihm gedämpft, ich wollte erst gar nicht wissen was er da tat. "Kann ich kurz duschen gehen? Ich hab noch Algen vom See im Haar." fragte ich, erhielt von ihm einen Daumen hoch. "Du findest das Bad, oder?" wollte er wissen, ich stimmte zu und verzog mich auch gleich mit einem von Jan's T-Shirts und einer Hotpant ins Bad. Das Outfit in dem ich meistens geschlafen hatte im Camp, durch das Waschen roch das Shirt aber leider nicht mehr nach ihm. Ich vermisste ihn, und wie, und konnte das Wochenende nicht schnell genug herbei sehnen. Doch leider war erst Sonntagabend und morgen sollte ich eigentlich in die Schule. Ob ich aber auch ging, wusste ich noch nicht. Ich sollte mich anmelden gehen und so. In der Dusche drifteten meine Gedanken wieder umher, wiegten Vorteile und Nachteile des Umzuges ab und am Ende war ich genauso ratlos wie vorher, entschloss, dass ich es einfach akzeptieren musste. Nachdem Haare gewaschen waren, überflüssige Haare entfernt und Poren sauber waren, stieg ich wieder aus der Dusche, wickelte mir ein Handtuch um und trocknete meine Haare mit dem Handtuch etwas ab, trug eine Kur auf. Da klingelte die Tür und im nächsten Moment erklang Hannes Stimme. "Liz? Kannst du vielleicht kurz aufmachen? Ich hab die Hände voll Teig!" rief er und ich wollte erst gar nicht wissen, warum er die Hände voll Teig hatte. Oder welchem Teig. Was kochte er bitte, dass er Teig kneten musste? "Ist sicher nur meine Mutter, ich hab ihr schon Bescheid gesagt, dass du hier schläfst!" rief er noch nach, als ich gerade das Bad verließ. Nur in einem Handtuch, aber wenn es nur seine Mutter war, würde sie schon nichts sagen. Ich konnte danach ja sofort wieder ins Bad und mich anziehen. "Kein Ding." rief ich ihm zu, öffnete auch die Tür. Doch vor der Tür stand nicht seine Mutter sondern ein Kerl. "Scheiße, du bist heiß!" waren seine ersten Worte woraufhin ich grinsen musste, nachdem der Schock weg war. "Ich weiß." meinte ich nur, drehte mich um und ging wieder zum Bad, da ich Hannes aus der Küche schreien hörte "Olli, labber keinen Mist! Ich kann auch heiße Mädchen kennen!" woraufhin der Kerl mit Mütze von der Tür nur erwiederte "Achja?" Alter, in was für einen Haufen war ich da nur geraten? Naja, so würde die Zeit in Dortmund wenigstens nicht langweilig werden.
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