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Zu gern haben

von Virtulina
OneshotFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Jimin Jungkook
02.03.2021
02.03.2021
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1.967
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„Jimin-ssi, wo, wie und mit wem würdest du am liebsten einen freien Tag verbringen wollen?“, fragen die Moderatoren der Radioshow, bei der wir heute zu Gast sind. Jimin Hyung muss nicht lange überlegen: „Wenn ich einen Tag frei hätte, würde ich gerne mit Jungkook-ah ans Meer fahren und mit ihm Hände haltend den Strand entlang laufen. Er ist so süß.“

Warum sagt er das?!! Warum sagt er immer diese Dinge in aller Öffentlichkeit! Augenblicklich kann ich mir die Röte ins Gesicht schießen spüren. Verlegen sehe ich weg, als mir Jimin Hyung ein Lächeln schenkt. Warum? Er muss doch wissen, dass ich darauf nicht reagieren kann und keine Ahnung, dass das einfach falsch und seltsam und, und, und keine Ahnung einfach dämlich ist.

„Das kam ja wie aus der Pistole geschossen, warum ausgerechnet mit Jungkook-ssi?“, bohren die Interviewer nach. Und Jimin Hyung erzählt schamlos weiter: „Naja, weil ich ihn süß finde. Wahrscheinlich weil er der Maknae ist.“ Und ich möchte am liebsten geschmeichelt im Erdboden versinken. Warum sagt er so was öffentlich?

Er hatte solche Dinge schon öfter gesagt. Ich weiß doch schon, dass er mich mag. Ich weiß, dass er mich sogar mehr als mag. Das hatte er mir schon gestanden. Damals, letzten Valentinstag beispielsweise, als wir für die Fans livestreamten – oder war das schon vorletzten Valentinstag? – als er mich fragte, warum er mich so gerne habe. Er hatte mir dabei über den Kopf und Nacken gestrichen, wie er es seit neuestem regelmäßig tut, abends. Er hatte mir an diesem Valentinstag mehrmals gesagt, dass er mich zu gerne habe...

„Ich glaube Jimin steht etwas zu sehr auf Männer.“ Der Einwurf kam von Tae Hyung. Oh Gott, spinnt er!!! Die Hyungs müssen doch wissen, auf was das am Ende hinaus läuft!!! „Auf dich stehe ich jedenfalls nicht!“, kontert Jimin Hyung und Yoongi Hyung setzt dann die Krönung meiner rosigen Beschämung oben drauf: „Jimin meinte auch schon in vorangegangenen Interviews, dass er am liebsten etwas mit Jungkook machen würde.“

„Jungkook-ssi, bist du einverstanden mit Jimin-ssis Plänen?“, fragt nun zu allem Überfluss auch noch der Moderator. Was soll ich sagen?

„Nein! Ich gehe an meinem freien Tag mit Seokjin Hyung durch die Stadt bummeln!“ Oh Gott, das war dann wohl die unglaubwürdigste Aussage, die ich hätte treffen können!!! Meine Hyungs wissen alle ganz genau, dass ich Stadtbummel über alles in der Welt hasse. Könnte ich Zeitreisen wüsste ich sogar, dass ich in ein paar Jahren memeverdächtig I like countryside in die Kamera rufen würde, ich wüsste, dass ich das Meer in Interviews meist über alles bevorzugen werden würde, über die Stadt, über die Berge, einfach über alles. Und meine Hyungs wissen genau wie ich, dass dies auch schon heute meine Präferenz darstellt.
Und Jimin Hyung weiß es am besten. Er weiß, dass ich ans Meer will. Am liebsten nach Busan. Zu meinen Eltern. Ich hatte es ihm das letzte Mal, als er abends mit mir in meinem Bett lag, erzählt.

Bitte stellt mich nicht bloß!!! Bitte sagt nicht, dass ich lüge!!!

Gott sei Dank erhören meine Hyungs mein stilles Bitten. Das Interview geht weiter, geht zu unverfänglichen Themen über und ich kann aufatmen. Erneut fange ich ein mir geltendes Lächeln von Jimin Hyung auf. Es beschert mir augenblicklich einen unangenehm schüttelnden Schauer. Ich kann mir nicht helfen und lächele trotzdem schüchtern zurück. Bevor ich wegsehe kann ich gerade noch erkennen, wie ihn meine Reaktion eine Nuance glücklicher strahlen lässt. Er mag meine Aufmerksamkeit.

Ständig will Jimin Hyung meine Aufmerksamkeit, nicht nur vor den Kameras. Ich mag ihn ja auch sehr, sonst würde ich nicht die längste Zeit des Tages mit ihm verbringen. Seit unserem Debüt ist es vor allem Jimin Hyung, der mit mir ist, der mir beim Training hilft, der mich bei anderen Arbeiten unterstützt, der mit mir seine Freizeit verbringt. Es ist Jimin Hyung, den ich am meisten ärgere. Es macht so viel Spaß. Zusammen mit ihm ist alles immer so lustig...

Alles ist immer lustig mit ihm, außer die Abende. Die Abende sind... irgendwie anders.

Seit einigen Wochen kommt er auch abends zu mir in mein Zimmer. Die ersten Male saß er nur auf meiner Bettkante und hatte mir durch die Haare gestrichen. Ich wusste nicht wieso. Ich fragte nicht wieso. Ich ließ es einfach geschehen. Er hätte sonst vielleicht aufgehört. Es war so schön still und friedlich, in meinem dunklen Einzelzimmer. Ich wollte es gar nicht wissen! Ich wollte nicht wissen, wieso er das tat.

Er streichelte mich sanft, bis mir eine noch sanftere Stimme Schlaf gut sagte. Ich wollte den Wunsch erwidern, blieb aber still. Ich war sprachlos, konnte nichts sagen. Es ging einfach nicht! Er war mehrere Minuten bei mir gesessen und hatte mir den Kopf gestreichelt... Einfach so.

Und ich hatte nach einigen Minuten die Augen geschlossen und die Zeit durch Jimin Hyungs streichelnde Finger fließen gehört. Einfach so.

Es hatte sich so zerbrechlich angefühlt, wie meine Haare durch zurückhaltende Finger glitten, wie Jimin Hyung die Zeit dabei verstrich. Minutenlang. Es war so seltsam lang. Es war viel zu lang.

Jimin Hyung ließ mich anschließend in der Stille des Zimmers mit einem furchtbar lauten Herzen zurück. Die plötzliche Einsamkeit des Raumes war schockierend gewesen...

Immer öfter musste ich mich danach in den kommenden Wochen fragen, warum ich das alles zuließ, warum ich mich endlos von Jimin Hyung streicheln ließ, warum er schon bald neben mir in meinem Bett lag, immer öfter. Ich wusste die Antwort. Ich verbot mir an die Antwort zu denken. Ich tat es trotzdem immer wieder: Ich mag Jimin Hyung.

Da ist ja auch nichts dabei, machte ich mir vor zu denken, er ist schließlich mein Hyung.

Doch Jimin Hyung mag mich nicht nur! Er hat mich nicht nur zu gern...

Wir lagen beieinander, wiedermal. Mein Raum war bereits dunkel. Ich war bereit bald einzuschlafen. Nur mein Herz war hellwach, weil, weil... Jimin Hyungs Herz spürte ich an meiner Schulter, als er es sagte:

„Ich habe mich verliebt.“

Ich hatte es schon längst gewusst. Es war trotzdem ein beinahe unaushaltbarer Schock, auf den etwas in meiner Brust schmerzend reagierte.

Ich wusste, dass ich die Person war, der seine Verliebtheit galt. Er lag hinter mir, als er diese Worte sagte. Ich traute mich nicht mich umzudrehen. Ich traute mich nicht etwas zu sagen. Es blieb still.

Er sagte nichts mehr. Ich sagte nichts. Ich konnte nichts sagen, ich wusste nichts zu sagen, ich hatte einfach nichts darauf zu sagen. Was hätte ich sagen sollen? Ich traute mich nicht auf mein Herz zu achten. Ich stand nur unter Anspannung, luftanhaltend, luftschnappend. Ich traute mich nicht mehr in diese fragile Stille zu atmen.

Ich hatte es eigentlich gewusst, schon vorher. Die Worte waren dennoch erschreckend, erschreckend... Einfach erschreckend.

Jimin Hyung hatte nach seiner Aussage verlegen das Streicheln über meine Seite eingestellt. Ich merkte, dass er sich in der Luft hängend fühlte. Dass er nicht wusste, was er jetzt, nach diesen Worten, noch durfte...

Es war beängstigend. Für mich. Und ich glaube auch für ihn war es das.

Ich glaubte seine Angst kalt in meinem Rücken zu spüren.

Ich zitterte vor Aufregung, als ich mit meinem angespannten Körper etwas näher zu ihm rutschte. Er sollte einfach weiter darüber streicheln, bitte. Was Abend für Abend schon seit Wochen zwischen uns lag... Ich wusste, dass es nicht normal war. Es war etwas Beängstigendes. Jimin Hyung sollte wieder seine warme Hand nehmen und mich beruhigen!!!

Mein Hyung nahm tatsächlich zögerlich sein Streicheln wieder auf und ich versuchte das Zittern meines Körpers zu unterdrücken. Ich versuchte die Tränen zu unterdrücken. Ich, ich wusste einfach nicht...

Wenn er mir weiterhin in aller Öffentlichkeit seine Liebe entgegen schreien würde, würde es irgendwann auffliegen. Das Beängstigende würde auffliegen.

Das, was ich ihm vorvorvorgestern Abend angedeutet hatte, würde auffliegen...
Ich würde auffliegen...

An besagtem Abend kam er nicht zu mir. Ich bin rüber in sein Zimmer. Tae Hyung und Hoseok Hyung hatten zum Glück schon geschlafen. Jimin Hyung saß am Schreibtisch des Dreierzimmers. Er bemerkte mich erst nicht. Ich wusste nicht mit welcher Intention ich mich in sein Bett legte. Und wusste es eigentlich wohl...

Jimin schrieb etwas auf. Ich beobachtete ihn eine ganze Weile. Er sah konzentriert aus. Bis er plötzlich meinen Blick zu spüren schien. Er sah mir direkt in die Augen!!! Ich glaubte in dem Moment tot umfallen zu müssen. Mein Herz stockte. Doch alles was danach passierte war, dass Jimin Hyung langsam seinen Füller weglegte und auf mich zu kam. Ich befand mich in einer Art Schockstarre, als er sich zu mir auf die Bettkante setzte.

Er sah mich fragend an. Ich hatte augenblicklich Angst. Angst, er würde seine Frage stellen. Ich sah vermutlich scheu bittend zu ihm herauf. Er sollte keine Fragen stellen. Er sollte nur bei mir sein!

Still begann er wieder seine Hand kraulend in meine Haare zu schieben und ich konnte nicht anders als es zu genießen. Wortlos legte er sich zu mir und zog die Decke fürsorglich über uns. Wir lagen uns zum ersten Mal zugewandt. Ich merkte trotz meiner geschlossenen Lider seinen vorsichtigen Blick erkundend über mein Gesicht streifen.

Gerade wollte ich erleichtert sein, da unangenehme Fragen scheinbar ausblieben, doch seine Stimme schlug mir versehentlich, mit aller Vorsicht heiß und plötzlich direkt ins Gesicht:

„Warum bist du hier?“

Ich riss die Augen auf. Sicher wollte er nicht, dass ich mich von der Frage geschlagen fühlte. Panisch musterte ich seinen Blick. Seine Stimme klang zaghaft. Hatte er mich gefragt, oder sich selbst die Frage gestellt? Hatte er sich selbst gefragt, warum er gerade bei mir war? Ich wusste es nicht so uneindeutig, fast naiv hatte sich sein Ton angehört.

Die Frage erschlug mich im ersten Moment trotzdem.

Ich wusste keine Antwort, obwohl ich mit ähnlichen Fragen gerechnet hatte.

Ich ließ eine Sekunde später doch meine Antwort zu. Es fühlte sich anstrengend an sie zurückzuhalten, aber es war gleichzeitig auch so schwer auszusprechen. Ich brauchte mehrere Anläufe. Meine Stimme war belegt vor Angst, als ich meine Lider senkte und mich damit unter seinem sorgenvoll schützenden Blick hinwegduckte:

„Ich wollte bei dir sein.“

Und dann schob ich noch hinterher, weil ich plötzlich Tränen unter meinen geschlossenen Lidern hervorquellen spürte, weil ich ihm das eigentlich schon lange sagen wollte, weil ich gerade sowieso am Reden war und weil plötzlich alles einfach herausbrechen wollte: „Das ist nicht normal, Hyung!“ Es war alles so seltsam!!! Warum muss ich ausgerechnet seine Nähe so sehr mögen? Ich versuchte mich zusammenzureißen, nicht zu schluchzen, doch die Tränen flossen in Strömen. Es war mir so peinlich.

„Ich weiß“, waren seine einzigen, zitternden Worte. Dass das hier nicht mehr ganz normal war, wussten wir also beide... Jimin Hyungs Hand löste sich aus meinen Haaren und begann die kontinuierlich fließenden Tränen wegzuwischen, immer weiter und weiter, bis irgendwann zum Glück endlich keine mehr kamen. Ich traute mich gar nicht mehr die Augen zu öffnen, so peinlich war es mir. Dass Jimin Hyung da war, war trotzdem gut. Irgendetwas an ihm wirkt beruhigend auf mich...

Ich ließ mich tröstend in seine Arme ziehen, nahm von seinem behütenden Geruch umgeben sein panisches Herz wahr und spürte seine vertrauten Finger zärtlich sein, während Müdigkeit immer weiter und weiter um sich griff, mich erfasste und weg von meinem engsten Vertrauten zog. „Es ist alles gut“, hatte mein Hyung dabei immer wieder geflüstert.

„Jungkook, es ist in Ordnung, solange es sich gut anfühlt, glaube ich“, hatte er gesagt.

Ich wachte am nächsten Morgen mit Jimin Hyung im Arm auf. Es war das erste Mal, dass wir tatsächlich zusammen eingeschlafen waren. Goldene Sonnenstrahlen fielen durch das Fenster auf Jimin Hyungs Wangen und ließen die Schatten seiner geschlossenen Wimpern tanzen. Friedlich lag er in meinem Arm. Ich spürte seinen sanften Atem zartes Herzklopfen über mich hauchen...

...

Es war der Moment, in dem ich mir zum ersten Mal eingestand, was ich eigentlich schon lange wusste.
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