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Innerer Zwiespalt

GedichtAllgemein / P16 / Gen
02.03.2021
02.03.2021
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Innerer Zwiespalt

Als Dichter bin ich innerlich zerrissen:
Mich drängt die Neigung - und auch mein Gewissen.

Ich will im Reich des Geistes mich bewegen,
Die Fantasie ist dort der hellste Stern;
Der Schönheit dienend, will die Kunst ich pflegen
- Politisch mich zu äußern, liegt mir fern.

Dann höre ich die Aluhüte schwurbeln,
Die laut und dreist wie selten jetzt erstreben,
Die Konjunktur des Hasses anzukurbeln:
Es läßt ihr Blendwerk mich vor Wut erbeben!

Auch wenn sie frech sich Freiheitskämpfer nennen,
Sie werden doch psychotisch immer bleiben;
Sie sind als Extremisten zu erkennen,
Die eifrig Brandstiftung im Geist betreiben.

Wie soll ich solche Infamie bekämpfen,
Die höhnisch uns in schwerer Zeit begleitet?
Wie kann Vernunft der Lüge Wirkung dämpfen,
Wenn Humbug wie ein Virus sich verbreitet?

Kann schreibend die Demokratie ich schützen?
Ich hoffe es, es ist fürwahr mein Ziel;
Doch meine Verse werden wenig nützen,
Ein Kerzenlicht bewirkt des Nachts nicht viel.

Doch länger schweigen kann und darf ich nicht;
Die Stimme zu erheben, ist jetzt Pflicht.


Dieses Gedicht habe ich zum einen für mich selbst geschrieben, da ich das Gefühl habe, die Kakophonie der Desinformation, deren scheußlichen Lärm ich momentan regelmäßig vernehme, nicht kommentarlos hinnehmen zu dürfen; ich habe es auch geschrieben, um vielleicht einige zu erreichen, die in den momentan schwierigen Zeiten verunsichert sind. Ich habe es nicht geschrieben, um solche Leute wie z.B. Coronaleugner, QAnon-Anhänger, Flat Earther etc. (die Liste ließe sich lange fortsetzen) zu erreichen, denn erstens bin ich mir sicher, daß ich diese Leute gar nicht erreichen kann, und abgesehen davon will ich mit ihnen auch nichts zu tun haben.
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