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Familie Lucas: Teil II / Maria (* 1787)

von kira 21
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Lady Lucas Maria Lucas Mr. Bennet Mrs. Bennet OC (Own Character) Sir William Lucas
02.03.2021
13.05.2021
22
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06.04.2021 1.250
 
Neben seinem Stammsitz zwanzig Meilen außerhalb von Bath und einem stattlichen Herrenhaus in London besaß Marquess of Bath auch ein prachtvolles Haus in dieser Kurstadt. Bereits in der Eingangshalle trafen Earl und Countess Poulett mit ihren Söhnen auf Mr. und Mrs. Strageways mit ihren Nichten und Familie Bertram. Die Gesellschaft beschloss sich gemeinsam in die lange Schlange einzureihen. Die Miss Lucas bewegte sich mit anmutig gerafften Röcken auf die zum Empfang aufgereihten Mitglieder der Familie des Marquess zu, dabei hatten sie ausreichend Gelegenheit, Lächeln und Verneigungen mit Bekannten auszutauschen, die dem selben Ziel zustrebten.

Während sich Countess Poulett angeregt mit Mrs. Strageways und Lady Bertram unterhielt, ebenso wie sich Miss Lucas mit Mrs. Edmund Bertram und Miss Price war Penelope damit beschäftigt, so unauffällig wie möglich die Reihen der Gäste nach einem ganz bestimmten Mann abzusuchen. Seit Wochen hoffte sie jedes Mal auf seine Anwesenheit, obwohl sie keine Ahnung hatte, ob er diese Mal erscheinen würde.

Der Mann, nach dem sie Ausschau hielt, war Captain Tilney, ihr zukünftiger Ehemann, sie war sich sicher es läge eine großartige Karriere in der Armee vor ihm und sie würde ihn so gut es eben ging unterstützen.

Ihre Gesellschaft war mittlerweile am oberen Ende der Treppe angelangt. Mit betonter Liebenswürdigkeit begrüßte die Marchioness of Bath besonders die jungen Damen, denn sie möchte hübsche junge Mädchen, die ihren Gesellschaften zum Erfolg verhalfen. „Ein schreckliches Gedränge, nicht wahr, meine Lieben?“

„Ganz und gar nicht, Euer Ladyschaft.“ Maria Lucas erwiderte das Lächeln , während sie in einen vorbildlichen Knicks versank. „Ich war vielmehr erfreut über die Gelegenheit, die herrliche Dekoration zu bewundern.“

„Sie sind zu liebenswürdig.“, die Marchioness nickte ihnen huldvoll zu, während sich die Gäste in den Ballsaal begaben. Maria ist es zufrieden Mr. Bertram an ihre Seite zu sehen, dachte Penelope aber wo ist Captain Tilney?

Dank eines gewissen Gedränge gelang es Miss Penelope Lucas sich unbemerkt davon zu stehlen, sie schlenderte durch den Saal und traf schon bald auf einige Kameraden. des Captain`s. Auf ihre Frage wo er sei, lächelten die jungen Offiziere spöttisch. „Oh er sucht sich ein Nest …“

„Ein Nest? Was meint Ihr damit?“

Die jungen Gentlemen lachten, „ein Nest für sich und sein Vögelchen.“

„Ich verstehe nicht, Sir.“, verwirrt blickte Penelope die jungen Offiziere an.

Einer von ihnen wies mit der Hand auf eine kleine Gruppe Debütantinnen, „sie flattern kichernd und  aufgeregt umher wie ein Schwarm Singvögel.“

Ein Zweiter setzte hinzu, „Tilney findet beinah auf jeder Gesellschaft einen ungenutzten Raum …“

Miss Penelope Lucas verstand nicht von was sie sprachen und setzte ihren Weg durch den Saal fort. Als sich Penelope überzeugt hatte, dass Captain Tilney nicht im Ballsaal war verspürte sie keine große Lust zu tanzen. Sie trat durch eine Tür hinaus auf die Terrasse. Penelope zögerte kurz und stieg dann die Stufen zum Garten hinunter, folgte schließlich einem kleinen Pfad bis sie unerwartet vor einem Tee-Pavillon stand.

Statt Stühle und Tische sah Miss Penelope Lucas ein Lager aus Kissen und Decken und auf einem Tablett am Boden entdeckte sie eine Flasche Champagner und zwei Gläser. Am verstörendsten war aber der halbnackte Mann, sein Oberkörper war entblößt und seine Hose hing in seinen Kniekehlen. Penelope keuchte auf und schob sich ihre Faust in den Mund, anscheinend hatte er sie nicht gehört. Wie gebannt starrte Penelope Lucas auf sein entblößtes Gesäß. Er bewegte sich heftig auf und ab und stöhnte, dann hörte Miss Penelope das Keuchen einer Frau. Schließlich stieß er einen Schrei aus und sackte auf der Frau zusammen, Penelope glaubte die Stimme Captain Tilney`s zu erkennen und entdeckte nur Sekunden später seinen Uniformrock auf dem Boden. Langsam rollte der Captain sich zur Seite, Penelope trat hastig zurück ins Dunkle damit er sie nicht bemerkte.

„Wann sprechen Sie mit meinem Vater?“, fragte die junge Frau und versuchte ihre Blöße zu bedenken.

„Mit Ihrem Vater sprechen.“, wiederholte Captain Tilney mit Sarkasmus in der Stimme. „Weshalb sollte ich mit Ihrem Vater sprechen?“

„Ich … ich dachte … nach … dem wir …“

Er lachte grausam wie Penelope fand, erhob sich langsam und kleidete sich wieder an. „Wir hatten unser Vergnügen und nichts darüber hinaus. … Die Frau, die ich zu meiner Frau mache muss untadelig sein …“

Es erschien Miss Penelope Lucas als ließ der Captain seinen Blick verächtlich über den Körper der jungen Frau gleiten.

„… von großer Schönheit, hohem gesellschaftlichem Rang und mit einem überaus großen Vermögen.“ Sie stieß einen mörderischen Schrei aus, „Sie … Sie haben … mich ruiniert.“

„Dass, Madam haben Sie selbst getan!“, er verbeugte sich spöttisch und verließ den Pavillon, dann verharrte er einen Moment. Penelope wich noch weiter zurück, „er kann mich nicht sehen … er kann mich nicht sehen.“ Murmelte sie flüsternd als er kurz in ihre Richtung blickte, endlich eilte er davon.

Penelope wartet und musterte die junge Frau mitleidig. Sie war verloren und hatte sich selbst aus der guten Gesellschaft ausgeschlossen, wenn sie Glück hat bemerkte noch niemand ihre Abwesenheit im Saal und wenn nicht … Penelope schloss gequält die Augen, ich könnte an ihrer Stelle sein. Miss Penelope fühlte wie ihr übel wurde, sie drehte sich um und rannte durch den Garten zurück zum Haus. An der Tür hielt sie inne und blickte sich vorsichtig um, niemand achtete auf die Tür zum Garten und so huschte Penelope hinein. Direkt neben der Tür stand ein Stuhl auf den sich Penelope Lucas sinken ließ, „Penelope da bist du ja. Geht es dir gut Kind?“, Mrs. Strageways tauchte neben ihr auf.

„Mir war plötzlich so heiß und unwohl, Tante.“

„Natürlich, Liebes. Die Aufregung dieses Tages … fühlst du dich besser?“, Miss Penelope Lucas nickte und erhob sich um ihrer Tante durch den Saal zu folgen. Als beide Damen bei ihrer eigenen Gesellschaft ankamen, reichte Mr. Poulett Penelope seinen Arm und führte sie zum Souper in den Ball Souper Room. Beim Essen waren die Miss Lucas ungewöhnlich schweigsam, was nicht weiter auffiel, da die jungen Gentlemen die Damen auf das Hervorragendste unterhielten.

Auf ein unsichtbares Signal hin erhoben sich die Ballgäste um zum Tanz in den Saal zurückzukehren. Was soll ich tun oder sagen wenn Captain Tilney plötzlich auftaucht fragte sich Penelope die nächste halbe Stunde während sie nacheinander mit Mr. Poulett, Mr und Lieutenant Osborn, Viscount Hinton und Mr. Bertram tanzte.

Dann bemerkte Miss Penelope die junge Frau aus dem Tee-Pavillon, hoch aufgerichtet schritt sie durch den Saal und blieb unerwartet vor Penelope stehen. „Hüten Sie sich vor Captain Tilney, Madam!“

„Was meinen Sie?“, fragte Miss Penelope Lucas nervös.

„Ich bemerkte durchaus, dass Sie für ihn schwärmen. … Sie dürfen ihm keinesfalls trauen, sonst ergeht es Ihnen wie mir.“, ein Schluchzen entwich ihrer Kehle. Plötzlich erschien eine ältere Dame neben ihr, ihre Mutter dachte Penelope, legte ihren Arm um die junge Frau und führte sie aus dem Ballsaal.

Aufgeregtes Gemurmel erhob sich und schwoll immer weiter an. „Skandalös das Benehmens dieses jungen Offiziers. … Er schadet nicht nur dem Ansehen seines Regiments sondern dem Ansehen der gesamten Armee.“

„Es ist spät.“, ließ sich Mr. Strageways hinter Penelope vernehmen. „Zeit aufzubrechen.“

Der Gentleman reichte seiner Gattin den Arm und geleitete sie zur Kusche hinaus, gefolgt von Maria Lucas mit Mr. Bertram an ihrer Seite. Ihre Schwester wurde von Mr. Poulett zur Kutsche hinaus geführt.

In der Kutsche musterte Mr. Strageways seine Nichte eindringlich, „Penelope?“

„Es war nichts, Onkel. … Eine harmlose Schwärmerei ohne jede Bedeutung. … Der Gentleman, dem ich meine Hand zum Ehebund reiche muss einen tadellosen Ruf haben. Ja er muss ein Mann von großer Ehre und Anstand sein, eine hohe gesellschaftliche Stellung innehaben und ein großes Vermögen besitzen.“

Mr. Strageways knurrte und ließ es dabei bewenden.
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