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Das Abenteuer in Spukstadt

GeschichteKrimi, Mystery / P12 / Gen
Allie Jamison Bob Andrews Justus Jonas OC (Own Character) Peter Shaw
01.03.2021
10.03.2021
13
27.184
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01.03.2021 2.081
 
Bob,der reisekrank auf der Rückbank von Peters Auto lag,schrak auf,als Peter hastig in den Rückspiegel sah und dann abrupt das Lenkrad herumriss und in die Richtung raste,aus der sie  gekommen waren.
"Peter,wirklich!", sagte Justus und hüstelte etwas angestrengt.
"Du übertreibst! Das war nur das Ortsschild!"
"Nur das Ortsschild!", rief Peter ohrenbetäubend und überschritt das Tempolimit bei weitem. Ausser ihnen war keiner zu sehen.
Bob rappelte sich auf. "Du hast Panik vor einem Ortsschild?", fragte er verwirrt.
"Halt an!", rief Justus nun ziemlich sauer.
Peter bremste erst zwei Kilometer weiter und fuhr auf den Parkplatz eines Supermarktes.
"Wir werden nicht durch Spukstadt fahren!", rief Peter unbeherrscht.
"Wir werden nicht durch Spukstadt fahren", bekräftigte Justus,und Peter starrte ihn verblüfft an.
"Wir werden nämlich in Spukstadt wohnen,um einen Fall zu lösen", sagte Justus fest.
"Nee...nein...nö...no...!", schrie Peter auf. "Kennst du nicht die ganzen Gerüchte,die über diese Stadt kursieren?"
"Doch", sagte Justus gleichmütig. "Völliger Unsinn."
Peter war zu überwältigt von Empörung,um zu sprechen.
Bob fragte:"Um was geht es hier? Um die Tatsache,dass Justus uns seit Tagen das Ziel unserer künftigen Ermittlung vorenthält?"
"Und zu Recht!", schrie Peter,als seien seine Freunde taub geworden.
"Wir fahren jetzt nach Hause!"
Allie Jamison kicherte auf dem Beifahrersitz. "Das glaubst du doch wohl selbst nicht,Peter. Wenn der erste Detektiv das Ziel seiner künftigen stümperhaften Ermittlungen fast erreicht hat... Aber bitte,Peter, fahr nicht so ruckartig,sonst muss ich Queenie im Anhänger Reisetabletten geben."
"Sorry", sagte Peter und warf einen besorgten Blick auf den Pferdeanhänger,in dem Allies Stute Queenie sie begleitete.
Er stieg aus und sah nach dem Pferd,das bester Stimmung war und ihn mit munterem "hehehehe" begrüsste.
Queenie war nicht sehr angetan von Peters neuer Fähigkeit,der Raubtierflüsterei,was mit starkem Raubtiergeruch einherging, und seitdem neckte sie den zweiten Detektiv gerne.
Peter gab ihr einen Schokoriegel und stieg wieder ein.
"Wir fahren jetzt nach Rocky Beach zurück und verbringen ein gemütliches Wochenende beim Möbelpolstern auf dem Schrottplatz. Die Zentrale muss auch noch fertig eingerichtet werden."
Vor Monaten war ihre Zentrale zusammengeklappt,und sie hatten erst jetzt eine neue auf Versicherungskosten bauen können.
"Leider trägt die Versicherung nicht die Computer und anderen digitalen Gerätschaften", sagte Justus würdevoll. "Wie drückte sich der Typ aus? Sie könnten nicht jeden Speicherstick ersetzen,der unter Schrotthaufen zusammenbricht."
"Warum habt ihr mich auch nicht mit ihm verhandeln lassen?", beschwerte sich Allie. "Sicher hast du immer genau das Falsche gesagt."
Justus seufzte. Sicher,Allie mit ihrer Art, Versicherungen um Geld zu erleichtern...oder die drei Detektive...hätte dem Mann mit rührenden Geschichten und Nervigkeit mit  Sicherheit einiges sozusagen aus der Börse geleiert.
Aber wenn sie so weitermachte,würde sie früher oder später in den Knast einfahren.
Deshalb hatte Justus selbst mit dem Versicherungstypen verhandelt. Ohne viel Erfolg.
"Und wir bekommen eine unfassbare Summe dafür,den Fall in Spukstadt zu lösen", schloss Justus.
"Warum unfassbar?", hakte Peter sofort nach. "Warum eigentlich Lohn? Wir verlangen nie Lohn."
"In diesem Falle können wir einen annehmen,denn es handelt sich bei dem Auftraggeber um einen Multimillionär. Knetenheini."
"Wir arbeiten für Knetenheini!", staunte Bob. "Und warum ausgerechnet wir?"
"Weil niemand ausser uns so doof sein wird,in Spukstadt zu wohnen!", schrie Peter erbost.
Justus stieg aus und zog Peter vom Fahrersitz.
Dann schob er ihn auf die Rückbank,wo er die restlichen Kilometer grummelnd und entsetzte Schreie ausstossend sass,neben Bob, inmitten von zahllosen kargen Vorräten,die Justus als Proviant eingepackt hatte.
Peter starrte wild in den Wald neben der Fahrbahn. Alle paar Sekunden stiess er "da war was!" hervor.
Unvermittelt standen sie dann vor der Stadtmauer von Spukstadt.
Abendnebel hüllte die Stadt in eine Art Spuklicht,und selbst Justus war etwas beeindruckt.
Allie war entzückt.
"Gut,dass ich meinen portablen Verkaufsstand für Zauberartefakte mitgebracht habe! Die Einwohner werden super Kunden sein,unbedingt!"
"Treffen wir Knetenheini hier?", fragte Bob beklommen. Der Aufruhr in seinem Magen würde noch stundenlang andauern nach so einer langen Fahrt,und er wollte sich nur noch in eine Badewanne und danach in ein Bett legen.
"Nein,er hat einen Brief für uns im Gasthof hinterlassen", erklärte Justus,und sein Magen knurrte mehr als lärmig.
Fast seit einer Stunde hatte er nichts gegessen,unfassbar.
"Ich bleibe im Auto sitzen", sagte Peter und versuchte durch den dichter werdenden Nebel zu spähen.
"Ihr könnt ermitteln,ich passe auf das Auto auf."
"Peter,jetzt hör aber auf", sagte Justus ungeduldig und stieg aus, um Peter aus dem Auto zu ziehen.
"Also wirklich,du behandelst mich wie ein Möbelstück!", rief Peter erbost.
"Hoffentlich gibt es in dem Gasthof nur Graupensuppe! Dann habe ich mal was zu lachen!"
Justus schauderte schon bei dem Gedanken an eine solche Speisekarte.
Allie kicherte.
"Wie ich euch kenne,muss Spukstadt nach euren Ermittlungen die Pforten schliessen."
Peter klopfte nervös an die Tür des Gasthofes. Er musste so schnell wie möglich aus dem Nebel raus,der konnte nichts Gutes bringen.
Niemand öffnete. Peter verlor die Nerven und trat die Tür einfach ein, eine Angewohnheit,die er seit einem nicht lange zurückliegenden Fall beibehalten hatte.
Auch wenn er nicht wollte, manchmal passierte das einfach.
Sogar zuhause hatte er schon aus Versehen die Tür des Gästebades eingetreten,als er den Schlüssel nicht sofort fand.
Seine Eltern waren höchst befremdet über dieses Verhalten gewesen,und er hatte vom Taschengeld eine neue Tür kaufen und selbst einbauen müssen.
Auch die Wirtin dieses Gasthofes, Mrs Brotzeit, war sehr erbost über die Tür,die nun in den Angeln quietschte.
Sie verhaute Peter mit einem Küchentuch und brachte ihm dann Werkzeug.
"Warum haben Sie auch nicht sofort geöffnet?", fragte Peter genervt,während er zu reparieren begann.
"Warum!", lachte die voluminöse Dame. "Warum! Hierher kommen nie Gäste,denkt ihr,ich stelle mich den ganzen Tag in  eine leere Wirtschaft,um imaginäre Gäste zu bedienen? Ich stelle dem Werwolf abends etwas vor die Tür,und damit hat es sich auch schon."
"Werwolf!", schrie Peter auf und haute sich mit dem Hammer auf den Fuss. Jammernd hüpfte er herum.
"Werwolf! Sie stellen ihm was hin! Werwolf! Warum? Werwolf!"
Jusstus kam sich vor wie bei der Lesung eines äusserst modernen Gedichts.
"Werwolf! Hier! Werwolf! Warum!", rief Peter weiter.
"Ihr seid doch nicht die Detektive,bitte sagt,dass ihr es nicht seid!", sagte die Wirtin fassungslos. "Ihr habt nicht gerade starke Nerven,wie wollt ihr denn hier ermitteln?"
"Warum ein Werwolf!", rief Peter so lärmintensiv, dass ein Glas in der Kneipenwand zerbrach.
"Was,wer,wann,wie,wo,warum!?"
Die Wirtin sah ihn verblüfft an.
"Was: spukt herum. Wer: Werwolf. Wann: eigentlich jede Nacht. Nur Dienstags nicht,da kauft er sich eine neue Badehose. Wie: nun ja,er tappert durch die Stadt und heulte schaurig herum. Warum: das kann ich nicht sagen."
"Woher...warum denken Sie,dass er sich dienstags neue Badehosen kauft?", fragte Justus fasziniert.
"Na,weil er mittwochs immer eine neue über dem Fell anhat", sagte die Wirtin.
"Er könnte auch viele Badehosen gewonnen haben", meinte Bob.
"Aber warum trägt er denn eigentlich Badehose über dem Fell?", forschte Justus. Das schien ein unterhaltender Fall zu werden!
Queenie und Allie kamen ebenfalls in die Wirtschaft,und Allie rechnete mit einem Anpfiff.
Doch dann sah sie,dass im hinteren Teil der Wirtschaft eine Kuh stand und Heu frass.
Queenie gesellte sich dazu.
"Ich kenne mich nicht aus mit Bademoden für Werwölfe", kicherte Bob dann. "Aber das muss ja merkwürdig aussehen!"
"Ob mit oder ohne!", rief Peter panikerfüllt. "Von mir aus im Ballettrock mit Cowboyhut,ein Werwolf bleibt ein Werwolf!"
"Was stellen Sie ihm denn raus?", fragte Allie neugierig.
"Was so übrig bleibt von meinen Mahlzeiten", erzählte die Wirtin. "Und dann jeden Abend eine Nudelsuppe. Die schlürft er direkt ein."
Justus horchte auf.
"Haben Sie ihn schon einmal dabei gesehen,wie er mit der Zunge die Suppe frass?"
"Sicher", sagte Mrs Brotzeit. "Eine lange Wolfzunge."
Justus war irritiert. Er ging natürlich davon aus,dass der Werwolf ein verkleideter Mensch war.
Die Wolfzunge passte nicht wirklich in diese Theorie.
Peter liess draussen den Motor an.
Bob und Justus mussten ihm die Schlüssel wegnehmen,damit er nicht sofort wieder abfuhr.
Murrend liess der zweite Detektiv sich neben Allie an einem der Kneipentische nieder.
Allie konnte Kampfsport. Er wusste nicht,ob das gegen Werwölfe half,aber...
"Wir sind die Detektive", sagte Justus jetzt und überreichte die Visitenkarte.
"So. Mr Knetenheini hat mir eine Beschreibung von euch gegeben,mal sehen,ob die stimmt. Ein Dicker...ein Bibberer...ein Hygienefimmelkerl...eine Nervensäge... ein Ross. Ja,das müsst ihr sein. Hier habt ihr den Brief mit dem Auftrag."
"Aber...Sie wissen das von dem Auftrag? Und wenn Sie die zentrale Verdächtige wären?", staunte Bob.
"Zentrale Verdächtige für was?", fragte Peter ziemlich weinerlich. Gegen einen echten Wolf hätte er nicht das Geringste gehabt,er verstand sich gut mit Wölfen. Aber ein Werwolf!
"Das müsst ihr eben einfach hinnehmen", lachte Mrs Brotzeit. "Ich hole euch jetzt Abendessen."
Justus hatte keine grosse Hoffnung betreffend des Abendessens. Es duftete nicht nach Essen.
Gut,dass er Proviant mitgebracht hatte!
"Wir lesen den Brief gleich im Schlafzimmer", meinte er und musterte gleich darauf die merkwürdige Silberplatte mit Abendessen.
Eine seltsame Kräutersuppe. Festes Brot,von dem jemand oder etwas die Rinde abgeknabbert hatte. Einige Stücke Würfelzucker. Zerkrümelter Zwieback. Fadenscheiniger Tee.
Justus griff hastig nach den Zuckerstücken. "Die gehören mir,denn ich habe sie schon angefasst!"
Allie bekam einen Lachflash.
Justus benahm sich manchmal wie beim Kindergeburtstag.
"Diese Suppe geben Sie auch dem Werwolf?", fragte der erste Detektiv schwach,nachdem er einige Löffel probiert hatte. Kein Wunder,dass der Werwolf herumheulte.
"Nein,der kriegt Essen aus der Büchse. Aber meine Gäste bewirte ich nur mit bester Reformküche!"
Sie rauschte in den hinteren Teil des Hauses,wo anscheinend die Küche war.
"Was genau soll eigentlich Reformküche sein?", fragte Bob und schob das angeknabberte Brot auf seinem Teller herum.
"Man nimmt aus allen Mahlzeiten soviel Fett und Zucker wie möglich heraus,ersetzt sie durch Wasser, und dafür muss man dann Unmengen bezahlen", stotterte Justus.
Peter weigerte sich,auch nur etwas zu essen.
"Peter,du wirst nur umkippen!",sagte Justus und deutete auf die Suppe. "Nun nimm schon ein paar Löffel."
"Nein! Ich wette,wer davon nimmt,verwandelt sich in einen Werwolf", sagte Peter fiebrig. "Wenn ihr also Werwölfe werdet,kann ich ein Ritual durchziehen,das euch wieder in Menschen verwandelt."
Justus räusperte sich. Seine Politik der Ermittlung ohne vorherige Absprache mit seinen Freunden schien zu grosser Verwirrung bei Peter geführt zu haben.
Statt etwas zu essen,durchsuchte er fiebrig ihr Gepäck und seine Klamotten,dann die Schränke der Wirtin.
"Was soll das denn?", fragte Bob entsetzt."Lass die Sachen in den Schränken!"
In wenigen Minuten hatte Peter einen unfassbaren Verhau angerichtet. Flaschen rollten durch das Gasthaus,eine zerbrach. Der zweite Detektiv hatte alle verfügbaren Schränke geöffnet,und dann, beim Anblick seiner eigenen derangierten Person im Spiegel der Kneipe hinter dem Tresen, erschrak er so, dass er mehrere Stühle umwarf.
Die wiederum einige Flaschen umwarfen.
Die Wirtin schaute geradezu sensationsgierig nach,was den Lärm veranstaltete.
Während Peter aufräumte,die Bar aufmöbelte, den Fussboden wienerte, die Pferdeäpfel und Kuhhinterlassenschaften hinausbeförderte,nahm Bob in einem ziemlich grossen Bad ein immenses Schaumbad,und Justus und Allie stemmten die Vorräte nach oben.
Peter schwieg erbittert. Er hatte nur Silber suchen wollen. Was ja gegen Werwölfe half.
In diesem Augenblick ertönte hohles Pochen von der Wirtshaustür her.
Die Wirtin schien verwirrt.
"Ich habe nur euch hier erwartet", meinte sie. "Und der Werwolf hat schon sein Fresschen bekommen,wer kann das also sonst sein?"
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