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Die Neue Epoche

GeschichteFantasy, Übernatürlich / P18 / Mix
Engel & Dämonen Gestaltwandler Vampire Werwölfe Zauberer & Hexen
28.02.2021
28.02.2021
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Heute ist mal wieder so ein Tag. So ein Tag, welchen ich am liebsten überfliegen möchte. Welchen ich am liebsten aus meinem Leben ausradieren möchte. So ein typischer Tag, den ich abgrundtief hasse, da dieser nur so voller Strukturen und Befehlen strotzt. Nichts, absolut nichts kann ich an diesen Tagen entscheiden. Diese Tage sind wie ein dunkles Gefängnis, in welches ich eingesperrt werde. Wie eine einsame dunkle, muffende Zelle ohne Fenster. Es ist, als ob mich jemand in einer Zwangsjacke steckt. Luft zum Atmen? Fehlanzeige. Spaß und Freude? Fehlanzeige. Einfach nur funktionieren. Einfach nur Befehle ausführen und hoffen, dass die Zeit schnell vergeht. Für mich, grausame Zeit, albtraumhafte Tage. Tage an denen mein Dad nicht mein Dad ist, sondern sich zum grausamen, diktatorischen, barbarischen Folterer wandelt. Tage an denen ich ihn abgrundtief hasse.

Ein lauter Knall weckt mich aus meinem Halbschlaf. Kurz darauf donnert meine Zimmertür und mein Dad steht stramm vor meinem Bett. „Bist du eigentlich von allen guten Geistern verlassen?!“, hallt der Schrei meines Dad`s in meinem Ohr. „Du weißt ganz genau, dass heute Samstag ist. Warum liegst du noch im Bett. Beweg deinen fetten Arsch hoch!“. Ich kann nicht anders, als ihn anzustarren. Es ist jedes Mal dasselbe, wenn ich nicht pünktlich beim Apell erscheine und doch bin ich jedes Mal aufs Neue von seiner Wandlung geschockt.

Mein Dad ist an diesen Tagen nicht wiederzuerkennen. Niemand würde auf die Idee kommen in diesem Typen meinen Dad zu sehen. Dafür ist er an allen anderen Tagen zu herzlich und aufopferungsvoll. Seitdem meine Mum vor zehn Jahren verstarb, behandelt er mich an allen anderen Tagen wie einen König, um es in den Worten meiner Oma zu sagen. Er tut alles für mich und möchte nur mein Bestes. Für ihn zähle nur noch ich. Er selbst kümmert sich fast gar nicht mehr, um sich selbst. Alles was ich brauche und möchte, erhalte ich. Ich kann mich nicht beklagen, wären da nicht diese schrecklichen Tage.

„En-Entschuldigung, I-Ich komme“, stammle ich als Antwort, während ich aus meinem Bett steige. Mein Dad sieht mich mit einem Blick der absoluten Bosheit an, baumt sich vor mir auf, was kaum nötig ist, da er ohnehin schon einen Kopf größer ist, und schreit: „Deine Entschuldigung interessiert mich nicht! In drei Minuten bist du unten!“. Mit diesen Worten verlässt er stampfend und wutentbrannt mein Zimmer.
Ich bleibe wieder einmal schockiert und erstarrt zurück. Eigentlich kaum in der Lage mich zu rühren, krame ich aus meinem Kleiderschrank meine beige Trainingshose und meine schwarze Trainingsjacke hervor, welche ich direkt anziehe und eilig nach unten eile. Dort schlüpfe ich schnell in meine schwarzen Kampfstiefel. Bevor ich hastig in den Garten eile, werfe ich im Flur noch einen flüchtigen Blick in den Spiegel. Meine dunkelblonden Haare sind trotz ihrer Kürze versaust, besonders oben, wo sie etwas länger sind. Meine blauen Augen sehen verschlafen aus und sind mehr zu, als auf. Draußen angekommen, eile ich geradewegs auf die Wiese des Folterns.

Wir besitzen ein riesengroßes Grundstück mit gefühlt unendlich weiter Wiese, welche in mehrere Abteile eingegrenzt ist. In einem Abteil grasen Pferde. In einem anderen sind unsere Hundezwinger samt unserer zehn Hunde. In einem anderen, welcher direkt hinter unserem Haus liegt, befindet sich unsere Terrasse und auf einem weiteren befindet sich die Wiese des Folterns. Auf ihr befinden sich zahlreiche Parcours samt Hindernissen und ein großer Schuppen mit Kampfausrüstung.

Mein Dad steht mit seiner Trillerpfeife in der Mitte dieser und schaut auf seiner Uhr an seinem Handgelenk: „Sagte ich nicht großzügige drei Minuten?“. „Entschuldigung. Ich habe versucht mich zu beeilen“, entschuldige ich mich kleinlaut. „Entschuldigungen bringen dich in dieser Welt nicht weiter! Das Einzige das dich weiterbringt ist Disziplin, Disziplin und Disziplin!“. Die Stimme meines Vaters müsste man aufgrund seiner Lautstärke normalerweise noch in paar Kilometern Entfernung wahrnehmen. Zum Glück haben wir keine Nachbarn, diese würden meinen Dad wohl für verrückt halten und wegen Lärmbelästigung und Züchtigung die Polizei alarmieren.

„Nun gut. Wer nicht gehorchen will, der muss fühlen. Denk immer dran: Ich mache das nur zu deinem Besten! Ich mache das alles nur für dich!“, seine Stimme hat sich mittlerweile wieder gelegt. Nichts sagend stehe ich vor ihm und warte auf seinen Befehl. „fünfzig Liegestütz, fünfzig Kniebeugen, vierzig Sit-Ups, sechzig Klimmzüge!“, lautet dieser. Mit diesen Worten setzt sich mein Dad auf seinem Stuhl, welcher direkt neben ihm steht und von welchem er einen perfekten Überblick über den gesamten Parkour besitzt. Automatisch folge ich seinem Befehl.

Irgendwann, ich weiß nicht wann, absolviere ich den letzten Klimmzug. Schwitzend und außer Atem lasse ich mich auf den Boden nieder. Lasse mich einfach fallen und liege mit dem Rücken im Dreck. Aber das ist mir im Moment egal. Ich möchte gerade nur etwas Pause haben. Mich etwas ausruhen und wieder ruhig atmen können. „Sehr gut! Dann erwarte ich dich in einer Minute im Schuppen“, lächelt mein Dad und verschwindet in Richtung Schuppen. Genervt schließe ich die Augen. Kann er mich nicht einmal in Ruhe lassen? Kann er nicht einmal mit mir mitfühlen? Kann er mir nicht einmal eine Pause gönnen? Bevor ich wieder zu spät komme, richte ich mich wieder auf und folge meinen Dad.

Im Schuppen angekommen wirft mir mein Dad ein langen hölzernen Kampfstock zu, welchen ich mit einer Hand fange. Zeit zu reagieren habe ich nicht viel, denn kaum gefangen, greift mich mein Dad auch schon mit einem eigenen Kampfstock an, welchen ich gerade noch mit einer schnellen Bewegung abwehren kann. „Nicht schlecht!“, sagt mein Dad und weicht einen Schritt zurück. Nur um auszuholen und erneut anzugreifen. Auch diesen Angriff wehre ich gekonnt ab. Diesmal bin ich es der zum Angriff ausholt. Doch auch ich werde geblockt. Nach einigem hin und her lande ich einen Volltreffer, in dem ich auf die Füße meines Dad`s ziele und ihn zu Fall bringe. „Ah!“, schreit dieser, als er fällt. Auf den Boden liegend, schleicht sich ein Lächeln auf sein Gesicht. „Du lernst. Du lernst dazu. Du kannst viel mehr, als du dir selbst zutraust“, sagt er. Für mich ist dieser Kampf beendet, weshalb ich mich umdrehe und den Schuppen verlassen möchte. Doch schon nach drei Schritten spüre ich die Präsenz meines Dad`s direkt hinter mir, drehe mich um und schlage zu. Mein Dad ist zum abwehren zu überrascht und fällt erneut zu Boden. „Der Kampf ist beendet. Ich gehe nun!“, sage ich gereizt und verlasse den Boden ohne meinen Dad noch eines Blickes zu würdigen. Den Kampfstock lasse ich einfach zu Boden fallen. Lasse ihn samt meines Dad`s zurück.

Ich will nicht mehr. Ich kann nicht mehr und dennoch ist es jede Woche das Gleiche. Immer kommt der eine Tag, an dem mich mein Dad quasi versklavt. Mir Befehle aufdrückt und mich zur Kampfmaschine abrichten möchte. Dies geht nun schon seit meinem vierzehnten Lebensjahr so und bis heute habe ich noch keine Erklärung hierfür bekommen. Aber das ist wohl mein Leben. Ich kenne es nicht anders. Dennoch habe ich die Schnauze voll und beende die Session für heute eigenmächtig. Auch wenn ich weiß, was es für mich bedeutet.

An der Terrassentür zum Haus angekommen, fängt mich mein Vater noch einmal ab. „Jay! Bleib bitte stehen. Lass mir dir kurz etwas sagen“. Er legt seine Hand auf meine Schulter und klingt wieder wie mein Dad und nicht mehr wie ein verrückter Sklaventreiber. „Ich weiß, dass du diese Tage hasst und das verstehe ich. Ich hasse sie auch. Aber ich kann nicht anders. Verstehe doch, ich tue das nur für dich!“. Er klingt traurig und nachdenklich zugleich. So habe ich ihn an diesen Tagen noch nie erlebt. Ich drehe mich um und blicke ihm direkt in seine Augen. „Für mich? Willst du mich verarschen?“, erwidere ich genervt. „Ich kanns dir noch nicht sagen. Noch nicht. Aber bitte glaube mir. Ich würde niemals etwas tun, dass dir nicht guttut. Das nicht zu deinem Vorteil ist. Du bist das Wichtigste in meinem Leben. Du besitzt eine Kraft, die unvorstellbar ist. Die so mächtig ist, dass man es sich kaum vorstellen kann. Eine Macht nach der viele zehren. Eine Kraft, die viele als Bedrohung ansehen. Du bist der Schlüssel zum Licht dieser Welt. Dein Wohlbefinden steht über allem. Ohne dich, ist die Welt der schwarzen Macht geweiht“. Stirnrunzelnd blicke ich meinen Dad in die Augen. Von Sarkasmus ist keine Spur zu sehen. Der meint das wirklich ernst. Der ist doch total verrückt. „Kraft? Macht? Licht? Schwarze Macht? Egal was, aber lass es sein. Lass die Finger von dem, was du einnimmst. Es tut dir nicht gut. Und verarsche mich nicht! Ich habe die Schnauze voll!“, erwidere ich, wende meinen Dad den Rücken zu und gehe irritiert sowie wütend wieder in mein Zimmer.
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