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Die fehlenden Tage des Februars

von Pave
Kurzbeschreibung
OneshotÜbernatürlich / P12 / Gen
28.02.2021
28.02.2021
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Die fehlenden Tage des Februars

Lia räumte im Ferienhaus ihrer Großtante und Namensgeberin Amalia auf. Sie war ins Altersheim gezogen und nun sollte dieses Haus verkauft oder wenigstens vermietet werden. Sie hatte hier viele schöne Tage verbracht, zwischen Heidekraut, Strandhafer, den knorrigen kleinen Kiefern und mit dem wundervollen Blick raus aufs weite Meer.

Am Schreibtisch im Arbeitszimmer ging sie die Unterlagen ihrer Tante durch. Es war ein Ferienhaus, was sollte hier schon wichtiges liegen? Die Bronze beschlagene  Schublade knarrte beim Öffnen etwas. Ein altes Buch mit vielen Zetteln und Zeichnungen offenbarte sich Lia. Interessiert nahm sie es aus der Schublade und schlug es auf. Es war die Handschrift ihrer Großtante, aber was war dies für ein Buch? Ein Kochbuch, ein Tagebuch, ein Skizzenbuch oder einfach nur Notizen? Es war gefüllt mit Zeichnungen und Texten. Der Lavendel aus dem Garten, die Küste, Ornamente, selbst ein Porträt von Lia aus Kindertagen.

Sie erinnerte sich an den Tag an dem es entstanden sein musste. Sie hatte Seeräuber am Strand gespielt. Immer mehr Strandgut hattet sie gesammelt und als Steg in die Brandung gebaut. Am Ende brach ihr Seeräubernest mit ihr zusammen. Pitschnass und schlotternd war sie damals in das Häuschen zurückgekehrt. Amalia hatte ihr gesagt sie solle sich ausziehen und kuschelte sie dann in eine dicke Decke ein. Vor dem brennenden Kamin gab es heißen, süßen Tee und Piratengeschichten von ihrer Großtante. Lia wusste gar nicht, dass sie sie damals beobachtet und sogar gezeichnet hatte.

"Meine Mondscheinprinzessin" stand unter dem Bild. Lia lächelte, ja so hatte ihrer Amalia sie manchmal genannt. Vor Allem, wenn sie im Sommer im Garten lagen und die Sterne beobachteten. Sie las weiter, ihre Großtante hatte ihre Fantasien in diesem Buch ausgelebt. Es standen Rezepte für Zaubertränke, Anleitungen für Rituale und Hinweise auf magische Dinge und Lebewesen in ihm.

"Die fehlenden Tage des Februar" Lia war gespannt, was sich ihre Tante hierzu ausgedacht hatte.
"Wie jedem bekannt sein dürfte, hat der Februar in der Regel nur 28 Tage, was den wenigsten aber bewusst ist, ist die Tatsache, dass die fehlenden beiden Tage von Zauberkundigen genutzt werden für etwas ganz besonderes und sich nur verstecken.
Wer ihren Zauber erleben möchte, muss kurz vor Mitternacht des 28. Februars dreimal "Ich glaube an einen ganzen Monat." sagen. Doch sei gewarnt, es wird nichts sein, wie du es kennst und dich für immer verändern."

Wieviel Fantasie ihre Großtante doch hatte. Lia schmunzelte, denn es war der 28. Februar. Denn Spaß es auszuprobieren würde sie sich auf jeden Fall machen. Das Buch legte sie auf den Wohnzimmertisch, um später darin weiter zu lesen, denn jetzt war erstmal Aufräumen angesagt.

Am Abend nahm sie das Buch mit ins Bett und las darin, über Kräuterauszüge, gemeine Heidebeißer, die leuchtenden Irrlichter, die einen ins Meer locken wollten und andere ausgedachte Dinge ihrer Großtante. Sie sah auf die Uhr und es war kurz vor Mitternacht. "Ich glaube an einen ganzen Monat, ich glaube an einen ganzen Monat, ich glaube an einen ganzen Monat". Nichts geschah, aber es war ja auch noch der 28. Februar. Gähnend legte sie das Buch weg. Sie schloss nur kurz die Augen und war schon eingeschlafen.

Als sie aufwachte, war es noch Nacht, die Farbe hatte sich noch davon gestohlen. Aber das war nicht das was Lia stutzen ließ, es schien als hinge ein dunkler Nebelschleier über allem. Lia knipste das Licht ihrer Nachttischlampe an, doch die Farben bleiben verschwunden.
"Lia?"
Sie schreckt auf, eine dunkle Gestalt stand in der Ecke ihrer Zimmers.
"Du hast nach den beiden fehlenden Tagen verlangt. Ich bin Kos, dein Begleiter."
"Ich, ich…" Lia stand unter Schock, sie dachte es wäre ein Spaß ihrer Großtante gewesen, niemals hätte sie erwartet, dass irgendwas passieren würde.
"Ich sehe du bist überrascht hier zu sein. Darf ich dir erklären, was es mit den beiden fehlenden Tagen des Februar auf sich hat?"
Lia schluckte, mit zittriger Stimme antwortet sie "Ja, bitte."
"Nun denn, diese beiden speziellen Tage werden seit jeher von magischen und wissenden Wesen dafür genutzt um mit den Toten zu sprechen. Der Winter ist fast vorbei und der Frühling kommt. Das neue Leben wird erblühen und von dem Alten muss man sich verabschieden. Dies ist der Zeitpunkt, wo die Welten sich fast berühren."
"Ich bin jetzt in der Welt der Toten?"
"Nein, du bist in einer Zwischenwelt. Die dir bekannte Welt bleibt erstarrt für diese beiden Tage, nur die magischen und wissenden und die Toten, die von ihnen gerufen werden, existieren in dieser Welt."
Lia wusste nicht, was sie von dem Ganzen halten sollte. Es war mitten in der Nacht, oder vielleicht auch nicht, so genau konnte sie es bei diesem dämmrigen Licht nicht sagen. "Ich brauche einen Kaffee. Möchtest du auch einen?" Lia stand auf und ging zur Küche.
"Ja, ein Kaffee wäre nett", nahm Kos ihr Angebot dankbar an. Das überraschte Lia nun sehr, sie wollte eigentlich nur höflich sein.
Kos merkte dies. "Sei nicht so überrascht, diese beiden Tage sind die einzigen, die mir noch auf der Erde vergönnt sind, da nehme ich alles mit, was mir angebotenen wird."
"Entschuldige, irgendwie dachte ich du wärst eher so etwas wie ein Geist, auf jeden Fall kein körperliches Wesen."
"Doch, hier hab ich meinen Körper noch. Mein Dienst hier ist übrigens tatsächlich so etwas wie ne Strafe. Hast du Mal was von ‘Autolykos’ gehört?"
"Nein." Sie waren in der Küche angekommen und Lia hatte bereits den Wasserkocher angestellt, nun groß sie das kochende Wasser auf den Kaffee. Sie mochte das brodelnde Geräusch, dass dabei entstand und atmete genüsslich den aufsteigenden Duft ein.
Kos fuhr fort mit seiner Geschichte. "Also, mein Vater ist Hermes und ich war der beste Dieb auf der ganzen Welt. Aber da stehlen nunmal nicht so gerne gesehen wird, hat Zeus entschieden, dass ich meinen Missetaten wieder gut machen muss. Mein Vater kam dann auf die Idee mir diesen Dienst aufzudrücken. Eigentlich müsste ich mich sogar bei ihm dafür bedanken, denn man kann hier interessante Leute kennenlernen, aber ich hab Angst, dass sie mich dann hiervon abziehen."
Lia stellte Kos seine Tasse vor die Nase. Der Typ war ganz schön von sich eingenommen, aber wenigstens wusste sie durch ihn, was hier los war. "Du hast gesagt ich kann mit den Toten sprechen, wie funktioniert das?"
"Also, du nennst mir jemanden mit dem du sprechen möchtest und ich schaue, ob er Zeit für dich hat. Sonst kann ich dich auf die Warteliste für die nächsten Jahre setzen."

Lia dachte nach. Wen kannte sie der tot war und mit dem sie gerne nochmal sprechen wollte. Ihr lief es kalt den Rücken hinunter. Sie schob den Tod immer möglichst weit von sich weg, sie konnte mit dem Thema nicht gut umgehen. Der Tod von Menschen berührte sie nicht sonderlich, es war der Lauf der Dinge. Aber später, wenn sie an die Person dachte, an die schönen Momente mit ihr und das sie dies nie wieder gemeinsam erleben würden, übermannte sie das Gefühl so dermaßen, dass sie es nicht mehr aushalten konnte und in tiefe Trauer versank. Mit wem wollte sie reden? Mit ihrer Oma? Oder würde das die Wunde ihres Todes wieder aufreißen. Sie würde sie spätestens nach zwei Tagen wieder verlieren.

"Wie machen die Menschen das, wie können sie ihre Lieben immer und immer wieder verlieren?"
Kos sah zu ihr auf. "Ich bin kein Mensch.” Er beobachtete sie, sie wirkte so verloren. Er probierte es nochmal. “Nicht alle reden mit ihren Verwandten oder Bekannten.”
Lia nickte.
Sie sah immer noch traurig aus. “Du musst auch mit keinem sprechen.”
“Es ist eine unglaubliche Chance, ich muss nur etwas nachdenken.”
“Klar, ich genieß den Kaffee und du denkst nach.”

Lia dachte an berühmte historischen Persönlichkeiten. Dann kam ihr ein Gedanke. “Kann ich mich mit allen unterhalten, also gibt es hier so etwas wie einen Universalübersetzer?”
“Nein.”
“Aber du bist auch Grieche, oder? Und ich kann kein Griechisch.”
“Das ist was anderes, ich bin dein Begleiter.”
“Ok, das schränkt die Auswahl schon mal ein.” Lia wurde immer wacher und aufgeregter. Sie wusste noch genau, wie sie in ihrer Schulzeit beim Kinofestival, fast kein Wort bei dem Treffen mit dem bekannten Regisseur rausbekommen hatte. Sie stand auf und holte die Flasche Whiskey aus der Wohnzimmervitrine.
“Oha, Lampenfieber?”
“Du glaubst gar nicht wie. Was ist, wenn ich es vermassel, wenn ich einen Toten verärgere, vielleicht so doll, dass er mich in die richtige Welt verfolgt und dann bei mir Spukt.”
“Das kann gar nicht passieren, es gibt eine  Dimensionsbarriere.”
Sie goss Kos und sich ein Glas ein. Das angenehme Brennen glitt ihr die Kehle hinunter. “Wie ist das Treffen dann, also wie läuft das?”
“Wenn die Person Zeit hat, kommt sie zu dir, meist klingeln sie oder klopfen, dann ist es wie ein Besuch. Wenn einer keine Zeit mehr hat oder nicht mehr mag, dann geht er. Ganz unhöflich ist es von den Toten einfach zu verschwinden oder vom Gastgeber einen Toten weg zu wedeln.”
Sie atmete tief ein. Weg wedeln, naja das war ja wenigstens eine Option, wenn es ganz schlimm lief. Bevor sie ihre Oma traf, wollte sie es mit jemand anderen ausprobieren, wo ihr der Abschied nicht so schwer fallen würde. “Ich muss mir eine Liste machen, muss mir Fragen aufschreiben.”
“Tue das.”
“Was fragen denn die anderen so und vorallem wen wollen sie sehen?”
“Entschuldige, aber darüber darf ich nicht sprechen.”

Lia holte sich einen Notizblock und einen Stift. Sie dachte angestrengt an Autoren, Künstler, Wissenschaftler. Die meisten waren ihr für den Anfang zu riskant, zu beeindruckend, zu wichtig für sie. Dann kam die passende Idee: Neil Armstrong- Ja, das war eine Option, ihr fielen gleich einige Fragen für den Astronauten ein und es war ein guter Start. Sie schrieb den Namen oben auf das Papier und darunter Fragen.
Kos las den Namen, “Ok, da frage ich gleich mal nach, das wird etwas dauern, du hast auf jeden Fall genügend Zeit dir ein paar Fragen zu notieren. Gute Wahl, für den Anfang, übrigens.”
Lia sah Kos erstaunt an und lächelte dann zufrieden. Er hielt sich die Ohren zu und hatte die Augen geschlossen, als er sich nach einer Minute nicht geregt hatte entschloss sie sich ihren Fragen zu widmen.
Nach einiger Zeit kam wieder Leben in Kos. “Du hast Glück, er hat kurz Zeit für uns, ist aber gleich noch verabredet. Ich hab ihm deine Situation erklärt und ihm versichert, dass uns ein kurzer Moment reicht.”
Es klingelte. Lia nahm noch einen Schluck vom Whiskey, ging dann zur Tür und öffnete sie. Ein Mann im Astronautenanzug stand davor.
“Hi, I'm Neil, Kos explained to me that this is your first time here and I thought to myself, then I'll show myself in my prime role so that you can recognize me.” Er lächelte Lia breit an.
“Oh mein Gott, sie sind es wirklich. Ähm, sorry, what I really wanted to say is thank you, thank you for visiting me and the suit helps a lot. Do you want to come in?”
“No, thanks, unfortunately I have an appointment soon.”
Lia nickte. Ihr Zettel mit den Fragen lag auf dem Tisch.
Neil bemerkte ihr Zögern und ergriff das Wort. “Most people want to know what it was like on the moon.”
“Do you like to talk about it?”
Neil sah sie überrascht an. “Well, actually yes, but I would really like to know if someone has finally made it to Mars.”
“No, unfortunately not yet, but a new Mars rover has just landed there.” Neil strahlte vor Begeisterung. “That's good news.” Er schien etwas zu hören und sah dann wieder Lia an. “It was a pleasure for me, but unfortunately I have to go. Enjoy your life.”
"Good bye Mr. Armstrong, it's been an honor."
Er trat einen Schritt zurück und winkte und schon war er weg.  

Lia schloss die Tür und setzte sich an den Küchentisch. So fühlte es sich also an. Es war etwas merkwürdig, aber nicht beängstigend oder unangenehm. Sie hatte tatsächlich gerade den Geist von Neil Armstrong getroffen. Ihr Magen knurrte, sie hatte Hunger und machte sich und Kos erstmal Frühstück.
”Kann man eigentlich auch jemanden doppelt rufen?”
“Nein, es ist auf ein Treffen begrenzt.”
“Warum?”
“Keine Ahnung, ich hab die Regeln nicht gemacht.”

Nach dem Frühstück räumte sie noch auf, es sollte ja ordentlich für ihren nächsten Besuch aussehen.
“Na, hast du genug von dem Ganzen?”
“Nein, aber ich bin mir noch nicht sicher, wen ich jetzt sehen will.”
Kos nickte.
Alles war aufgeräumt, gewischt und geordnet, nun war sich Lia sicher.
“Ich glaube ich bin jetzt bereit für meine Oma.”
“Alles klar, ich frag nach. Darf ich dir vorher noch einen Tipp geben?”
Lia nickte.
“Redet nicht über den Tod oder das Leben danach, die Toten wissen selber nichts darüber, das macht euch beide nur traurig.”
“Danke für den Tipp.”
Er nahm wieder die Hände zu den Ohren und schloss seine Augen. Kurze darauf öffnete er sie mit einem Lächeln und schon klingelt es. Lia ging aufgeregt zur Tür und dort stand ihre Oma, genau so wie Lia sie in Erinnerung hatte.
“Meine Liebe, ich freu mich ja so dich zu sehen.”
“Oh, Oma, ich mich auch.” Ihr standen die Tränen in den Augen und sie umarmte sie glücklich. “Wollen wir am Strand spazieren gehen?” Lia wollte raus aus dem kleinen Haus, sie brauchte mehr Platz hierfür.

Sie genoss die Zeit mit ihrer Oma, die alten Geschichten, die Erinnerungen, sie kochten zusammen, so wie früher und sie saßen am Abend zusammen auf der Veranda. Lias Oma griff ihre Hände. “Ich glaube es ist Zeit für mich zu gehen mein Kind.” Lia fühlte es auch und es war in Ordnung für sie. Trotzdem hatte sie einen Kloß im Hals. Sie umarmte ihre Oma zum Abschied. Dann ging diese hinunter zum Strand und winkte noch einmal bevor sie langsam verschwand.

Kos hatte sich den ganzen Tag zurückgezogen, aber Lia wusste, dass er in der Nähe war. Nun tauchte er an der Ecke der Veranda auf.
“Und wie geht es dir?”
“Ganz gut denke ich, es war ein schöner Tag und ich weiß ja, dass es nur zusätzliche Zeit mit ihr war und nichts für immer. Dein Tipp war gut, so konnte ich mich auf die Zeit mit ihr konzentrieren.”
"Sehr elegant deine Oma, der Abschied hatte Stil, nicht jeder kann sich so langsam auflösen."
Lia musste lachen, ja Stil hatte ihre Oma schon immer.
“Und wer kommt als nächstes?”
“Für heute hab ich genug, aber Morgen würde ich gerne mit J.R.R. Tolkien sprechen.”
“Ich probier mein Bestes.”
“Super, ich hol uns was zu trinken.”

Als Lia wieder auf die Veranda kam, saß Kos schon mit einem siegreichen Lächeln auf der Bank.
“Morgen 15 Uhr und er würde sich über Kekse freuen.”
Lia grinste. Sie saßen noch lange auf der Bank und Kos erzählte von seinen unglaublichsten Taten. Er war ein großartiger Geschichtenerzähler. Lia ließ sich gerne ablenken und schlief schließlich auf der Bank ein. Am Morgen wurde sie von den Rufen der Möwen geweckt. Der Himmel hatte immer noch diesen grauen Schleier über sich und die Farben waren auch noch nicht zurückgekehrt. Zuerst wollte sie wieder eine Liste mit Fragen machen, doch dann entschied sie, dass sich das Gespräche auch so irgendwie entwickeln würde. Kos hatte auf dem Stuhl neben ihr geschlafen und betrachtete sie nun. Sie lächelte ihn an.
“Guten Morgen, was hältst du von Kaffee und einem Frühstück? Danach müssen wir dann allerdings die Kekse backen” sagte sie.
"Hört sich gut an, aber ich kann nicht backen."
"Kein Problem, ich bring es dir bei."

Lia hätte niemals gedacht, das ein Mensch, mit der Fingerfertigkeit des weltbesten Diebes, so schlecht im Formen von Keksen sein könnte. Und er verstand es ja selbst nicht, der Teig klebte so dermaßen an ihm, dass er entmutigt aufgab. Lia grinste, als Kos die Teigreste von seinen Fingern leckte und machte die letzten Kekse für ihn fertig.

Um 14 Uhr klopfte es. Lia fiel auf, dass sie von Tolkien nur ein einziges Bild von einem Bucheinband kannte, sie war gespannt. Ein Herr im Tweed Anzug stand vor ihr und lächelte sie an. “There is a wonderful smell of biscuits in the air. I hope there are still some left for me. " “Mr. Tolkien, it's an honor. Please come in, the biscuits are waiting for you in the kitchen. Would you like some coffee or a cup of tea?" "A tea would be excellent." Im Augenwinkel sah sie, dass sich Kos zurückziehen wollte. “Is it okay, if my companion Kos stays with us?” “Yes, I'm used to having an audience.” Kos guckte sie ungläubig an, aber gesellte sich dann zu ihnen.

Das Gespräch war wunderbar, sie genoss es sich mit diesem genialen Autor zu unterhalten und die Zeit die sie zusammen hatten ging viel zu schnell vorbei. Ähnlich wie bei Neil richtete John irgendwann seinen Blick in Richtung Himmel und verabschiedete sich dann herzlich von ihr und Kos und verschwand durch die Tür.

Ganz beseelt setzte sich Lia auf die Bank auf der Veranda.
“Und möchtest du noch jemanden treffen?”
“Nein, besser kann es gerade nicht werden.”
Kos betrachte sie und genoss es wie glücklich sie aussah. "Warum wolltest du, dass ich dabei bin?"
Lia ließ ihren Blick auf dem Meer ruhen. "Ich dachte du hättest Spaß daran einem anderen großen Geschichtenerzähler zu lauschen."
Ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Sie hielt ihn also für einen großen Geschichtenerzähler, dabei hatte er ihr gestern nur von seinem Leben erzählt. "Danke, ich durfte noch nie bleiben."
Lia sah zu ihm hoch. "Gerne." Dann stand sie auf und holte eine Flasche Rotwein und zwei Gläser. Gemeinsam ließen sie den Abend auf der Veranda ausklingen. Der Mond stand tief über dem Felsen im Meer, Lia wusste, dass es bald Mitternacht sein würde.
"Wie wird es sein? Verschwindest du gleich einfach?"
"Ja."
"Und sehen wir uns dann nächstes Jahr wieder?"
"Nur, wenn es der Zufall so will, es gibt viele Begleiter."
Lia schluckte. "Danke, du hast das wirklich gut gemacht."
"Du hast es mir einfach gemacht."
Lia wollte ihn noch anlächeln, aber da war er schon verschwunden. Die zwei geschenkten Tage waren vorbei. Der Mond leuchtet, so nah am Horizont, in einem satten gelb und das Meer hatte den leichten Stich vom dunklen Blau wieder. Lia leerte ihr Glas und ging schlafen. Sie musste morgen unbedingt mit ihrer Großtante telefonieren.
 
 
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