Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Between the Lantern Lights

von Micaiah
OneshotRomance / P12 / Het
Keqing Tartaglia "Graf"
27.02.2021
27.02.2021
1
3.425
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
27.02.2021 3.425
 
»Hey ... Tartaglia ... was ist das?«
Keqings Stimme riss den Braunhaarigen aus seinen Gedankengängen, in welchen er vor ein paar Minuten versunken war. Kurz schüttelte er den Kopf und nahm erst jetzt wieder den Geruch des frischen Grases des Tianheng Berges wahr und spürte wie ihm eine leichte Brise sanft durch das Haar fuhr. Langsam wanderte sein Blick zu dem Mädchen, welches ihn mit einem leicht zur Seite geneigten Kopf einen fragenden Blick zu warf. Ein sanftes Lächeln bildete sich auf seinen Lippen bevor er näher zu ihr trat und ihr etwas pflanzenähnliches aus den Fingern nahm, die sie ihm entgegen hielt.
Sie konnte sich also wirklich nicht mehr daran erinnern...
»Man nennt es Laternenfasern. Es wird aus Pflanzen gewonnen und ist, wie der Name vermuten lässt, ein wichtiges Material um Laternen herzustellen.«
»... Laternen...?«, wiederholte Keqing in einer leisen, nachdenklichen Stimme. Einen Moment lang sah sie gedankenverloren auf die wenigen Fasern bevor sie verstand wovon er sprach, »Ah! Du meinst daraus werden die Laternen für das Laternenritual von Liyue gemacht von dem du die ganze Zeit redest?«.
Tartaglia nickte und deutete auf die zierlichen Fasern, welcher er in seinen Händen vorsichtig auffächerte.
»Sie sind eine der drei Grundmaterialien. Aus ihnen wird der Schirm gefertigt, damit die Laternen über das Wasser getragen werden können.«, erklärte er und mit einem neugierigen Leuchten in den Augen rückte Keqing etwas näher um die Laternenfasern genauer zu betrachten.
Der sanfte Geruch ihres Haarshampoo, wo er tippte es wäre ganz sicher Brombeere, stieg ihm dabei in die Nase. Wenn er ehrlich war, hatte er diesen Duft schon länger vermisst.
»Was sind die anderen?«, fragte das violetthaarige Mädchen weiter und sah aus ihren amethystfarbenen Pupillen zu ihm auf.
Mehr und mehr wurde sich Tartaglia bewusst, dass der Angriff des wiederkehrenden Cryo Regisvine in irgendeiner Weise Keqings Gedächtnis beeinflusst haben musste. Seitdem er sie vor zwei Tagen völlig durchnässt und halb erfroren in der Nähe des Fluxeisbaumes gefunden hatte, schien sie überhaupt nicht mehr zu wissen wer und wo genau sie eigentlich war. Sofort hatte er sie zurück nach Liyue gebracht wo sie zwei Tage lang schlief und erst heute wieder zu sich kam. Nachdem er sie auf einem kurzen Rundgang durch Liyue begleitete schienen ihr zwar einige Personen und Orte schwach bekannt, jedoch nichts wo es wirklich ›klick‹ zu machen schien. Nicht mal die ganzen Vorbereitungen für den Abend des Laternenrituals brachten ihr Gedächtnis auf die Sprünge, für welches Liyue sonst weit über die Landesgrenzen hinaus vielen Menschen ein Begriff war. Keqing selbst aber schien dies bisher wenig zu stören. Sie wirkte aufgeweckt und lebte im hier und jetzt anstatt dem hinterher zu trauern woran sie sich nicht erinnern konnte. Was vielleicht zum größten Teil daran lag, dass Tartaglia es ihr nicht minütlich vor Augen hielt und sie andauernd fragte ob ihr dieses oder jenes bekannt vorkam... Der Abend des Laternenrituals wo die große Mingxiao-Laterne zusammen mit vielen kleineren in den Himmel steigen, war Tartaglias größte Hoffnung.
Verdammt, was hatte sie sich auch dabei gedacht diesem Monster allein die Stirn bieten zu wollen?!
»Tartaglia?«, ein leichtes Zwicken unterbrach abermals seine Gedanken und mit einem süßen Lächeln pikste Keqing ihm mit dem Zeigefinger in die Wange, »Was sind die anderen zwei Materialien?«.
Tartaglia lachte kurz ehe er ihr die Fasern zurück gab, ihre Hand nahm und sie an den felsigen Rand des Berges führte. Mit zwei schnellen Hieben zerbrach er dort ein paar Erzvorkommen und drehte sich zu seiner Begleitung um.
»Sieh her.«
Blinzelt schaute Keqing auf den Felsbrocken in seinen Händen, den er mit einem knackenden Geräusch auseinander in zwei Hälften brach. Zum Vorschein kam ein Stein mit einer blassen, goldenen Farbe und vorsichtig lies Tartaglia ihn los. Keqings Augen weiteten sich erstaunt als sie sah, wie der Stein von alleine in der Luft stehen blieb und zwischen ihnen ohne jegliche Hilfe über der Erde schwebte.
»Das ist ein Plaustritstein. Er ist das Geheimnis aller Mingxiao-Laternen und bringt sie dazu zu fliegen. Ohne ihn wären die Laternen nicht in der Lage in den Himmel aufzusteigen.«, kurz tippte Tartaglia gegen den Plaustrit, »Also ist dies der zweite Baustein für eine Laterne.«.
»Fuaah~«, entwich es Keqing während sie den schwebenden Stein weiter betrachtete, »Er ist hübsch! Uh ... Tartaglia! Lass uns auch eine Laterne basteln!«
Vorsichtig umfasste das Mädchen den Plaustrit und konnte noch immer nicht den Blick davon abwenden. Innerlich schien sich in Tartaglias Brust etwas zusammen zu ziehen als er sie so sah. So eine kindliche Freude zeigte sie selten. Zwar war Keqing auch keine Spaßbremse in Person, aber er wusste wie sie sich bemühte eine eher bestimmte und fleißige Erscheinung an den Tag zu legen. Wenn sie sich erinnern würde, konnte er sich nur allzu gut vorstellen wie peinlich ihr jetziges Verhalten ihr im Nachhinein sein würde.
Ein kurzes Lachen entwich dem Braunhaarigen und er konnte sich nicht zurückhalten Keqing leicht über das Haar zu streichen, »In Ordnung, holen wir noch ein wenig mehr von den Fasern und dem Plaustrit bevor wir uns um das Material für den Docht kümmern. Es ist nämlich gar nicht so einfach seine eigene Laterne herzustellen und wer weiß wie viele Versuche du brauchst.«

Tartaglia hatte schon aufgehört zu zählen als der Laternenschirm ein weiteres mal trotz Keqings sorgsamer Handhabung in alle Einzelteile zerbröselte. Für einen kurzen Moment herrschte Stille ehe das Mädchen mit einem tiefen Seufzer ihren Kopf auf dem Tisch bettete und die Arme ausstreckte.
»Ich werd es nie hinbekommen...«, hörte er sie in die hölzerne Tischplatte murmeln.
Es waren bereits zwei Stunden vergangen seitdem er und Keqing aus den Bergen mit Unmengen Laternenmaterial zurück nach Liyue gekommen waren. Sie hatten sich einen schönen Platz gesucht wo sie die anderen Bewohner möglichst wenig bei den Vorbereitungen störten und Keqing hatte sich voller Eifer an die Arbeit gemacht. Er selbst hatte ihr eher dabei zugesehen und sich etwas mit ihr unterhalten oder das Festgelände beobachtet. Doch trotz aller Mühe waren Keqings Versuche nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Jedes mal wenn sie dachte eine schwierigen Handgriff geschafft zu haben, riss doch an irgendeiner Stelle das dünne Papier und machte ihre Arbeit zunichte.
»Soll ich dir helfen?«
»Nein!«, kam es prompt als Antwort und Keqing hob den Kopf, »... ich möchte es alleine schaffen.«. Obwohl sie dies sagte wirkte sie etwas betreten doch die Entschlossenheit in ihren Augen war ungebrochen.
»Bist du dir sicher?«, fragte Tartaglia mit einem neckischen Grinsen, »Wenn wir noch länger warten sitzen wir sonst noch hier wenn das Fest längst vorb-«.
Kaum ausgesprochen warf Keqing ihm ohne Vorwarnung eine handvoll Pflanzenfasern ins Gesicht und sah ihn herausfordernd an, »Gar nicht wahr! Ich gebe wirklich mein Bestes während du da nur herumsitzt.«
Abwehrend hob Tartaglia die Hände und zupfte sich währenddessen noch ein paar der Fasern aus den Haarsträhnen, »Hey, du lehnst meine Hilfe ab, schon vergessen?«
Leicht schnipste er ihr mit dem Finger gegen die Stirn woraufhin ihr ein leichtes »Uwah!« entwich und sie sich die schmerzende Stelle rieb.
»Wie wäre es damit? Ich hole uns was zu trinken und du fragst Jingming ob er dir nochmal ein paar Handgriffe für den Zusammenbau erklären kann, hm?«, schlug Tartaglia vor und bettete sein Kinn auf seiner Handfläche.
Stumm lag Keqings Blick auf den Einzelteilen die sich vor ihr auf dem Tisch ausbreiteten.
»Wenn ich ihn frage...gilt sie dann trotzdem noch als selbstgemacht?«, fragte sie leise und kniff die Augen ein wenig zusammen.
»Natürlich, mach dir deswegen keine Sorgen.«, antwortete Tartaglia sanft und stand von seinem Platz auf, »Möchtest du etwas bestimmtes?«.
»Eistee...«

Jetzt zum Abend hin war der Aufbau des Festes nahezu fertig als Tartaglia durch die Hauptstraßen Liyues schlenderte. Die Dekoration war so gut wie komplett und die unzähligen Imbissstände hatten ihren Betrieb bereits aufgenommen. Es waren auch viel mehr Menschen unterwegs und egal wohin man schaute sah es gemütlich aus. Die verschiedenen Gerüche mehrerer köstlichen Gerichte ließen einem regelrecht das Wasser im Mund zusammenlaufen und es fiel Tartaglia immer schwerer sein Magenknurren zu unterdrücken und wirklich nur die beiden Getränke zu besorgen. Immerhin war das Frühstück das letzte gewesen was er und Keqing zu sich genommen hatten bevor sie aufgebrochen waren. Unwillkürlich stoppte er als er an einem Stand vorbei kam wo sich bereits eine lange Menschenschlange gebildet hatte und der Duft, welcher zu ihm rüber wehte, nahezu gemein war. Ein leichtes Seufzen entfuhr ihm ehe er sich geschlagen gab. Ein kleiner Snack würde wohl drin sein.
Als Tartaglia zu Keqing zurück kam war er überrascht wie weit sie tatsächlich gekommen war. Sie war sogar so konzentriert, dass sie seine Rückkehr gar nicht richtig bemerkte und sah erst auf als er sich neben ihr nieder ließ.
»Ah! Guck!«, stolz hielt sie ihm die Laterne direkt vor das Gesicht sodass er ein wenig zurückweichen musste um sie im ganzen betrachten zu können. Sie sah wirklich nicht schlecht aus. Hier und da zwar etwas schief, aber im Großen und Ganzen hatte sie es tatsächlich geschafft.
»Nicht schlecht.«, gab er sein Urteil und Keqings Augen strahlten als sie ihr Werk betrachtete und gleichzeitig lag etwas sanftes in ihrem Blick. Als wenn sie etwas unheimlich wertvolles ansehen würde.
»Es waren wirklich nur ein paar Kleinigkeiten, welche ich ändern musste und schon schien es zu klappen.«
»Tja ... manchmal sind es genau diese Kleinigkeiten, die zählen und etwas ausmachen. Findest du nicht?«
Keqing lächelte ihn an und legte den Plaustrit neben die Papierlaterne, »Ja... da hast du wohl recht, hehe. Ah!«
Erst jetzt schien das Mädchen seine Mitbringsel zu bemerken und keine Sekunde später hörte man wie ihr Magen ein deutliches Zeichen von sich gab.
»Dachte ich mir, dass es dir genauso gehen wird.«, mit einem Grinsen schob er ihr den Teller mit den frittierten Shrimpbällchen entgegen, »Du wirst sie lieben.«
Natürlich wusste Tartaglia, dass dies ihr Lieblingsgericht war.
Dankbar nickte Keqing und ihr Augen strahlten als sie den ersten Bissen nahm, »Waaah! Tartaglia! So lecker!«
»Hau rein.«
»Nimm du auch!«, und schon hielt sie ihm ihre Stäbchen mit einem der Shrimpbällchen entgegen, »Schließlich sollst du nicht verhungern, hehe.«
Für einen kurzen Augenblick hielt Tartaglia die Luft an bevor sich ein Lächeln auf seine Lippen stahl und er dankend ihr Angebot annahm. Der Geschmack von frittierten Kartoffeln und der frischen Shrimps breitete sich auf seiner Zunge aus und sie waren weder zu heiß noch zu kalt. Es schmeckte wirklich unheimlich gut und nun war es kein Wunder mehr wieso die Leute dafür Schlange standen - andernfalls hätte er sich wirklich geärgert dafür ebenfalls nahezu 15 Minuten gewartet zu haben wenn er ehrlich war.
Die Shrimpbällchen hatten die beiden schneller verputzt als ihnen lieb war und so beschlossen sie sich langsam nach ihrem richtigen Abendessen umzusehen. Keqings Laterne konnten sie freundlicherweise bei Jingming zwischenlagern, sodass sie sich keine Gedanken darum machen mussten, dass sie auf ihrem Weg über das Fest beschädigt werden könnte.
Die Straßen füllten sich immer mehr mit Besuchern und Tartaglia merkte, wie Keqing gar nicht wusste was sie zuerst bewundern sollte. Ihre leuchtenden Augen wanderten über die Souvenirstände, die verschiedenen Imbisswagen, Plätze wo man sich kleinen Spielen widmen konnte und Menschen, welche selbst dabei waren ihre eigenen Laternen anzufertigen. Hier und da spielte Musik begleitet von fröhlichen Gelächter.
»Gibt es etwas, was du probieren möchtest?«, fragte der Braunhaarige und zog seine Begleitung etwas näher damit er sie nicht in den Menschenmassen verlor.
»Hmm....«, überlegend huschte ihr Blick erneut über die Köstlichkeiten bevor sie zu ihm aufsah, »Lass uns von jedem etwas probieren!«
Ihr Grinsen steckte ihn an und er nahm sie bei der Hand, »Herausforderung akzeptiert! Pass auf das du kein Baumweh bekommst, wenn zu viel isst!«
»Selber!«, frech streckte sie ihm die Zunge raus und Tartaglia ließ sich von ihr in die Richtung des ersten Wagens ziehen, der dampfende Fischspieße verkaufte.


Sichtlich erschöpft, und vielleicht leicht angetrunken, lehnte Keqing mit geschlossenen Augen an seiner Schulter.
Nach ihrer Odyssee durch die verschiedensten Gerichte, lies Keqing es sich nicht nehmen ihn zu ein paar Runden Theater Mechanicus herauszufordern und er musste zugeben für ihre ersten Runden war sie sogar ziemlich gut. Je mehr Partien sie gegeneinander spielten, desto stärker musste Tartaglia sich tatsächlich konzentrieren damit Keqing keinen seiner Fehlentscheidungen ausnutzte und den Sieg davon trug.
Da die Sonne bereits untergegangen war, rätselten beide noch zusammen mit ein paar anderen Festbesuchern über das Illumiscreen, welches von Qian aufgebaut worden war. Angeblich soll an den bestimmten Punkten, welches das Lichtspiel zeigte irgendwo mehrere Schätze verborgen sein. Ob daran aber etwas wahres dran war wagte Tartaglia ein wenig zu bezweifeln, doch Keqing war davon überzeugt, dass sie irgendwann diese Schätze finden würden während sie auf reisen waren.
Nun mit merklich müden Beinen und vollgefutterten Bäuchen hatten sich die Beiden etwas abseits des Hauptfestes im Außenbereich des Wanmin Restaurants niederzulassen. Ihnen gegenüber saßen zwei ältere Abenteurer, die sie schon seit einer ganzen Weile zuquatschten, aber irgendwie schien es Tartaglia diesmal nicht sonderlich zu stören. Er brauchte nicht viel antworten, da die zwei Herren eigentlich schon fast einen Monolog führten und sichtbar erfreut darüber waren wie jemand ihren Geschichten Gehör schenkte.
»Junger Herr, wie wäre es mit noch einem Sake? Geht aufs Haus.«, fragte Mao, der Chef des Wanmin, und stellte ihm ein weiteres Kännchen auf den Tisch noch bevor Tartaglia ablehnen konnte.
»Oh, vielen Dank. Eigentlich genügt es mir be-«
»Oi Oi, die jungen Leute von Heute vertragen echt nicht viel!«, lachte der ältere Abenteurer laut und füllte Tartaglias kleine Tasse bevor er sie ihm entgegen schob, »Deine Freundin hat schon genug, aber ein wenig würde bei dir doch noch drin sein Jungchen! Gib dir einen Ruck, schließlich ist das Laternenritual nur ein mal im Jahr! Das muss man genießen!«.
Mit einem Schluck leerte der Ältere seine eigene Tasse und stellte sie geräuschvoll auf den Tisch. Tartaglia unterdrückte ein Seufzen. Okay... wenn er ehrlich war, waren diese zwei Gesellen doch ein wenig anstrengend. Leicht drehte er seine Tasse in den Händen bevor er den Sake in einem Schluck trank und die warme Flüssigkeit ein kurzes Brennen in seinem Hals hinterließ.
Er ertrug noch einen weiteren Monolog der alten Herren bevor sich diese nach einer halben Stunde, oder gefühlten zwei Stunden, langsam erhoben und sich nach einer kurzen Verabschiedung wankend auf den Weg zum Hafen machten.
Tartaglia merkte wie seine Muskeln sich entspannten und die einkehrende Ruhe kam ihm wie ein Segen vor. Nur das weit entfernte Murmeln aus Richtung Hafen war im Hintergrund zu vernehmen. Sein Blick wanderte auf Keqing. Er wusste nicht genau ob sie einfach nur vor sich hin döste oder wirklich eingeschlafen war, doch auf jeden Fall sah sie zufrieden aus. Vorsichtig hob er eine Hand und strich ihr sanft über das Haar. Es war weich und erneut stieg ihm der Duft von Brombeere in die Nase.
»Hmm...«, entwich es dem Mädchen leise und umarmte daraufhin seinen linken Arm etwas fester, »... ist ... irgendwas ...?«. Ihre Stimme klang verschlafen und war gerade noch laut genug sodass er sie verstehen konnte.
Sie war also noch wach.
Tartaglia lächelte sanft. Ihre amethystfarbenen Augen wirkten leicht gläsern als sie ihn anschaute und ihre geröteten Wangen ließen keine Zweifel, dass ihr die zwei Gläschen Pflaumenwein schon genug gewesen waren. Andächtig fuhr er mit dem Zeigefinger ihre Wangen entlang bis zu ihrem Kinn und hob es leicht an.
Sein Puls beschleunigte sich innerhalb von Sekunden als Keqing sich daraufhin weiter an ihn lehnte und ihre Lider langsam schloss. Ihre leicht rosafarbenen Lippen glänzten im orangenem Schein der Lampions und Tartaglia ging nur eines durch den Kopf: Er wollte sie berühren.
Schon so lange... immer wenn sie zusammen waren...
Er legte einen Arm um ihre Taille um sie näher an sich zu ziehen und er merkte, wie ihr Herz mindestens so schnell schlug wie seines. Deutlich konnte er bereits ihren warmen Atem auf seinen Lippen spüren. Nur noch ein bisschen...

»Oh, dass sieht  mir doch aus als wenn es gleich losgehen würde was? Die große Mingxiao-Laterne! Sie sieht jetzt schon beeindruckend aus was?«

Keqing spürte sofort wie Tartaglia zurück zuckte als Maos laute Stimme die Atmosphäre zerriss und platzen ließ wie eine Seifenblase. Für einen Moment schien er tatsächlich etwas desorientiert, fing sich jedoch nach ein paar Sekunden wieder und schüttelte kurz den Kopf während ihm ein genervtes Seufzen entwich. Ihre eigene Sicht hingegen fühlte sich noch immer ein wenig schwummerig an und ihre Gedanken kamen ihr ein wenig langsam vor.
Ungeachtet von dem was sie eben fast getan hätte, zupfte Keqing an Tartaglias Oberteil, »Was... meint er... ?«.
»Du bist wirklich ein wenig beschwipst was?«, hörte sie ihn sagen und der Klang seiner Stimme zauberte ihr ein warmes Gefühl in der Magengegend. Mit einem leisen Raunen nestelte sie sich weiter an seinen Oberkörper... er fühlte sich so wunderbar warm an...
»... und anhänglich wohl auch. Komm her.«
Vorsichtig legte er einen Arm um ihren Rücken und den anderen unter ihre Kniekehlen um sie anschließend hochzuheben. Automatisch umschlossen ihre Armen seinen Hals um sich an ihm festzuhalten.
»Gehen wir deine Laterne holen; sonst verpassen wir noch das Hauptevent des Laternenrituals.«
Keqing antwortet nur mit einem leisen »Uhu...«, welches sie ihm ins Ohr säuselte und lies sich widerstandslos von ihm über das Festgelände tragen. Sie wusste nicht wieso, aber sie mochte seine Nähe. Die ganze Zeit schon hatte sie dieses warme Gefühl in ihrem Bauch gehabt, wenn er sie anlächelte und von jeder Stelle, die er berührte, ging ein wunderbares Kribbeln aus was sich in ihrem ganzen Körper zu verteilen schien.
Ein wenig drehte sich noch ihre Sicht, nachdem Tartaglia sie ein paar Minuten später etwas außerhalb von Liyue in das Gras setzte. Von hier aus hatte man wirklich einen wundervollen Blick auf die nur von Laternen erleuchtete Stadt und je länger Keqing diese Aussicht betrachtete, desto wohliger wurde ihr.
»Es ... ist so hübsch...«
»Es wird noch besser pass auf.«, Tartaglia ging neben ihr in die Knie und hielt ihr die Laterne hingegen, die sie am Nachmittag zusammengebaut hatte, »Wir werden sie gleich zusammen mit allen anderen Dort unten am Hafen und allen Dörfern in Liyue steigen lassen.«.
Keqings Herz begann vor Aufregung noch schneller zu schlagen und gebannt hielt sie den Atem an, als am Pier sich die große Mingxiao-Laterne, welche einem riesigen Hirsch nachempfunden war, unter einem großen Lichtspiel in den Himmel erhob. Es sah beinahe so aus, als würde sich die Seele des Skybracer Adepten aus der Laterne lösen und in wundervollen Farben über den Himmel tanzen gefolgt von hunderten, wenn nicht sogar tausenden, Mingxiao-Laternen aus ganz Liyue.
Tartaglias Arme umschlossen sie von hinten, »Nun bist du dran. Vergiss nicht dir etwas zu wünschen.«
Es war sein sanftes Flüstern, welches ihr einen warmen Schauer über den Rücken jagte und sie spürte wie die Tränen sich in ihren Augenwinkeln sammelten. Sie wusste nicht wieso, aber sie war gerade so unheimlich glücklich. Nur mit größter Mühe die Tränen zurückzuhalten und zeitgleich strömten zahlreiche Erinnerungen ihre Gedanken. Zaghaft platzierte sie den Plaustrit in der Laterne und lehnte ihre Stirn kurz an den Laternenschirm während sie sich auf ihre ganzen Emotionen konzentrierte die in ihr tobten. Die vielen Momente, welche sie vergessen hatten fügten sich Teil für Teil wieder wie ein Puzzle zusammen und die Art und Weise wie sie sich die letzten Tage ihm gegenüber verhalten hatte trieben ihr abermals die röte ins Gesicht... Aber sie wusste, es war etwas gewesen, was sie sich sonst nie trauen würde ihm oder irgendjemandem zu zeigen. Eine Keqing, die nicht den ganzen Tag hart arbeitete. Eine Keqing, die es genoss ein paar Tage so zu leben als würde es keine Sorgen geben. Eine Keqing, welcher es einfacher fiel, offen ihre Zuneigung der Person zu zeigen, die sie lie-
»Und? Hast du dir etwas gewünscht?«
Erschrocken öffnete Keqing ihre amethystfarbenen Augen. Die Laterne war aus ihren Händen verschwunden. Für einen kurzen Moment verspürte sie Panik in sich aufsteigen bevor sie nach oben schaute und direkt über ihnen die Laterne langsam von dem Wind davon getragen wurde. Ein paar Minuten lang herrschte Schweigen zwischen den beiden in denen sie einfach nur die Szenerie und die Wärme des jeweils anderen auf sich wirken ließen.
Solche Momente waren rar in der heutigen Zeit und irgendwie ... wollte Keqing, dass zumindest dieser Augenblick so lange wie möglich anhielt...
Sie wollte, dass er sie länger in den Armen hielt...
Sie an sich drückte...

»Ajax...«
Die Augen des Braunhaarigen weiteren sich überrascht als er seinen Namen hörte, denen sonst nur eine handvoll Personen wussten. Unbewusst verstärkte er seine Umarmung und bettete sein Kinn auf ihrem Kopf bevor er mit einem leisen »Mhm...« antwortete.
Keqing verfiel für einen Moment erneut in ein kurzes Schweigen bevor sie sich mit geröteten Wangen weiter an ihn lehnte und die Augen schloss.

»Bleib ... einfach genau so... und lass nicht los...«
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast