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Der gute Doktor und der Profiler

von Secreta
Kurzbeschreibung
CrossoverRomance / P18 / MaleSlash
Aaron Glassman OC (Own Character) Shaun Murphy
27.02.2021
02.08.2021
18
85.929
13
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
27.02.2021 4.580
 
Disclaimer: The Good Doctor (Serie - 2017) und seine Welt gehören David Shore. Criminal Minds und seine Welt gehören Jeff Davis. Dies ist eine Fanstory. Sie dient nur zum Lesen und keinerlei kommerziellem Zweck.

Story-Art: Crossover, Romance, OOC, Alternative Universe

Character: Shaun Murphy, Spencer Reid, Aaron Glassman, Penelope Garcia

Zeitpunkt: Also, bevor sich hier jemand beschwert wegen der Zeitlinien der zwei Serien: Es ist eine Alternative Universe Crossover Story. Zeitlinien spielen hier also keine Rolle.

Beta: elli

Widmung: Vickysnape

Vorwort: Ich schreibe diese Fanfiction in dieser heutigen Zeit, in der das Motto heisst. *Bleibt zu Hause. Schränkt eure realen Kontakte ein.*. Ehrlich, es zieht an Gemüts und der einzige Fluchtort, den ich momentan habe, um mich von der Pandemie zu distanzieren, ist meine Kreativität. Entweder male ich oder ich schreibe. Und diese Geschichte fing an, Mitte Januar in meinem Kopf herumzugeistern. Ich fragte mich, wie es wäre, wenn meine Lieblingscharaktere Doktor Spencer Reid von Criminal Minds und Doktor Shaun Murphy aus The Good Doctor aufeinandertreffen würden. Lest es einmal selbst. Ich hoffe, euch gefällt das Endresultat. Mir gefällt es, zu schreiben und dabei für einen Augenblick die Tragödie auf dieser Welt so zu vergessen.

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Kapitel 1

Der Serienmörder und der Diabetiker


Der Assistentsarzt von St. Bonaventure, Doktor Shaun Murphy, sass in einem seiner Lieblingscafés und wartete auf Doktor Aaron Glassman. Ein Blick auf die Uhr liess ihn erkennen, dass sein Mentor sich leicht verspätete. Shaun machte sich darüber aber keine Sorgen. Sie hatten noch genug Zeit zum Frühstücken, wie immer am Montag. Wenn das nicht der Fall wäre, hätte Dr. Glassman ihn schon längst angerufen, damit Shaun alleine frühstücken konnte.

In diesem Café bekam Shaun immer seine Pancakes mit Schokoladenstückchen und ein Glas Milch dazu. Das war sein Lieblingsfrühstück, das er gerne einmal in der Woche mit Dr. Glassman hier einnahm.

Der Besitzerin des Cafés musste er seine Bestellung nicht mehr mitteilen, sie kannte ihn schon lange genug, um zu wissen, was er sich am Montag immer bestellte. Dr. Glassman und Shaun waren seit einigen Monaten hier Stammgäste. Glassman war mit ihm eines Tages hier gewesen, um das Café mit Shaun auszuprobieren. Shaun hatte die Pancakes für sehr gut befunden, seitdem kamen sie jeden Montag etwa um die gleiche Uhrzeit hierher. Entweder kam Shaun von der Nachtschicht hierher, oder ging nach dem Frühstück arbeiten. Für Shaun war das keine grosse Umstellung, da er lieber hier frühstückte als in der Cafeteria im Krankenhaus.

Vor sich hatte Shaun eine Fachzeitschrift aufgeschlagen, um noch zu lesen, bis Dr. Glassman kommen würde. Es war für ihn heute Morgen schwieriger als sonst, sich auf den Artikel zu konzentrieren. Der Vorfall, die sich vor einigen Tagen mit Lea Dilallo ereignet hatte, belastete ihn immer noch sehr. Auch wenn er an diesem Abend seiner Wut Luft gemacht hatte. Die Bilder tauchten immer wieder in seinem Kopf auf. Fast hätte er ihr Auto mit einem Baseballschläger zertrümmert, weil er so wütend auf sie gewesen war, aber etwas in seinem Inneren hatte ihn zurückgehalten. Dafür hatte er Lea saftig seine Meinung gesagt.

An dem Abend, als Shaun ihr seine Liebe gestanden hatte, hatte er sich verletzt gefühlt von ihrer Zurückweisung. In dem Moment, als sie ihre Worte ausgesprochen hatte, beim Abendessen bei ihm, wurde ihm auch einiges klar. Lea wollte mit ihm keine persönliche Beziehung, wegen seines Autismus und doch wollte sie weiterhin seine beste Freundin bleiben? Shaun verstand das nicht, weiter verstand er nicht, wieso konnte sie mit ihm befreundet sein, aber wollte keine Liebesbeziehung mit ihm eingehen? Shaun hatte einfach das Gefühl, dass er als Freund nicht ernst genommen wurde.

Doktor Aaron Glassman – der Direktor des Krankenhauses, in dem Shaun arbeite - war deswegen ein wichtiger Teil seines Lebens. Beim gemeinsamen Frühstück konnte Shaun seine Routine behalten und mit Dr. Glassman über seine Probleme sprechen.

Shaun arbeitete seit drei Jahren als Assistentsarzt in der Chirurgie, und es war nicht immer einfach gewesen, von seinen Kollegen und seinem Chef akzeptiert zu werden. Aber seit einiger Zeit schien alles zu stimmen und auch sein Chef - Dr. Melendez -hatte Shaun zu verstehen gegeben, als Carly sich von Shaun getrennt und Lea ihm den Laufpass gegeben hatte, dass es weiter gehen musste. Er durfte nicht wegen einer verflossenen Liebe seinen Kopf in den Sand stecken. Nicht Shaun Murphy, der hart darum kämpfen musste, um überhaupt dort zu sein, wo er jetzt war.

Claire Browne, Alex Park und sogar Morgan Reznick gaben sich Mühe, ihn einzubinden in ihre Gespräche, egal um was es ging, da sie wussten, dass Shaun sehr wohl lernfähig sein konnte, auch wenn es manchmal holprig war oder er länger brauchte, um etwas zu verstehen. Shaun wurde aber besser und lernte nach und nach, mit seinen Kollegen zu kommunizieren und seine sozialen Kontakte zu pflegen. Das war in diesem Beruf wichtig, vor allem wegen des Umgangs mit Patienten.

Shaun nahm nur am Rande wahr, dass noch nicht viele Menschen im Café saßen. Die meisten holten ihren Kaffee vorne an der Theke ab und verschwanden schnell wieder. Er selber sass am Fenster, auf einem seiner Lieblingsplätze in diesem Café. Von hier aus konnte er nach draussen blicken, die Menschen kamen ihm nicht zu nah, wenn sie rein oder raus gingen und er hatte die Caféeingang gut im Blickfeld.

Der junge Mann sah kurz auf, als das Glöckchen erklang, das sich immer meldete, wenn die Tür des Cafés auf- oder zuging. Als er sah, dass es nur ein anderer, fremder Mann mit kurzem, lockigem Haar und nicht Dr. Glassman war, senkte er seinen Blick wieder auf seine Zeitschrift.

Doktor Spencer Reid schlenderte gemächlich durch die Strassen und war auf dem Weg zum Café, das ihm von einem der Doktoranten empfohlen worden war, da es dort angeblich den besten Kaffee der Welt geben sollte. Seit etwa zwei Wochen war er jetzt in San José.

San José, diesen Ort hatte Spencer schlussendlich für sein freiwilliges Exil ausgesucht. Diese Stadt hatte einige positive Eigenschaften. Es war nicht so kalt wie in Washington um diese Jahreszeit, die Universität hatte einige interessante Fachgebiete, aber das Beste war: Es lag am anderen Ende der USA - an der Westküste, über 4600 Kilometer von Washington D.C. entfernt. Ein guter Ort, um einmal eine Pause zu machen.

In seinem Team war in letzter Zeit einiges schiefgelaufen. Es wäre nicht so schlimm gewesen, wenn nicht zuletzt Emily Prentiss aufgetaucht wäre, die mit JJ Jareau vor über acht Monaten noch ihren Tod inszeniert hatte. Natürlich war Aaron *Hotch* Hotchner involviert gewesen, er hatte die Entscheidung darüber getroffen und die Verantwortung dazu übernommen. Aber auf ihn war Spencer nicht so sauer wie auf JJ.

Die routinemässige Anhörung, die nach Emilys Wiederauferstehung stattgefunden hatte, zerrte an den Nerven des gesamten Teams. Das Schlimmste war für Spencer aber gewesen, wie das Team einige Monate zuvor auseinandergenommen worden war. Angefangen mit JJs Versetzung ins Pentagon, bis zu Emilys angeblichem Tod oder Hotchs Abkommandierung zu einer Spezialeinheit für einige Monate. Als Spencer bei der Anhörung seine Aussage machen musste wegen des Falls Ian Doyle, kam ihm auch das erste Mal wieder der Gedanke, erneut mit Dilaudid anzufangen. Das war ein Zeichen für ihn, dass er stoppen musste.

Das hatte Spencer zu der Entscheidung bewogen, sich für eine Weile aus der BAU zurückzuziehen und sich wieder einmal dem Studium zu widmen. Er wollte sein Wissen an der Universität um einen weiteren Bachelor erweitern. Er wollte einfach die nächste Zeit hier geniessen, um seinen Kopf wieder frei zu kriegen. Er musste die ganzen Geschehnisse der letzten Monate verarbeiten.

Auch wenn Spencer für einige Zeit hier leben würde, war er für sein Team weiterhin erreichbar. Sein Team griff gerne auf das wandernde Lexikon zurück, das schon drei Doktortitel in der Tasche hatte sowie mehrere Bachelors. Hauptsächlich bekam er Anrufe von Penelope Garcia, die als erstes immer wissen wollte, wie es ihm ging, da sie sich für ihn wie eine grosse Schwester verantwortlich fühlte. Danach kam dann die eigentliche Anfrage. Das Team brauchte immer wieder Informationen von ihm. Spencer war nun mal eine zuverlässige Quelle.

Doktor Spencer Reid war für das BAU-Team einfach nicht wegzudenken und er selber wollte auch nicht für immer fernbleiben. Aber jetzt brauchte er einfach für sich eine längere Pause, da dieser Job wirklich nicht immer einfach war und manchmal zu wenig Zeit zwischen den Fällen lag, um diese auch innerlich richtig abschliessen zu können.

Spencer ging, nachdem er an der Theke seine Bestellung abgegeben hatte, gemächlich an eine der freien Tische, wo er das Café gut im Auge hatte, nicht weit von Shaun Murphys Tisch. Als er seinen bestellten Kaffee bekam sowie auch zusätzlich drei Donuts, packte er eine Handvoll Zuckerpäckchen und fing an, seinen Kaffee zu versüssen.

Er wusste, diese Monstermischung würde seinen Blutzuckerspiegel ins Nirwana hochjagen, aber das war ihm in diesem Augenblick egal. Gesunde Ernährung war gerade etwas, mit dem Spencer auf Kriegsfuss stand, weil er für sich alleine nicht kochte. Normalerweise sorgte sein Team - besonders JJ - dafür, dass er ordentlich und vor allem gesund ass. Aber hier war es gerade wie im Phantasialand und niemand würde ihm vorschreiben, was er zu essen oder zu trinken hatte in den nächsten paar Monaten.

Auf seine Umgebung achtete Spencer in diesen Augenblick nicht wirklich. Er widmete gerade seine ganze Aufmerksamkeit dem Kaffee. Es musste einfach alles stimmen mit der Milch und dem Zucker. Als sein Kaffee perfekt war, nahm er sein Buch hervor. Leicht ärgerte er sich darüber, dass er noch nicht dazu gekommen war, sich ein neues zu besorgen. Er musste das heute ändern. Spencer biss in seine erste Leckerei, einen pinkfarbenen Donut und seufzte zufrieden. Ja, der Tipp war gut, er würde wohl so oft, wie er konnte, hierherkommen. Schon die Donuts waren der Hammer.

Shaun Murphy hatte kurz aufgesehen, als der fremde Mann sich an einen der anderen Tische setzte. Sein Blick blieb kurz auf dessen Hände gerichtet und er war milde gesagt, geschockt, wie viel Zucker der Fremde in den Kaffee warf. Ihm entgingen auch nicht die Donuts, die auf dem Teller neben dem Kaffee lagen. Im Kopf fing er gleich an zu rechnen, wie lange es dauern würde, bis der Mann zu einem Diabetiker wurde, wenn er das jeden Tag tun würde. Shaun wäre am liebsten zu ihm gegangen und hätte ihn medizinisch aufgeklärt, was es bedeutete, jeden Tag so viel Zucker zu konsumieren.

Bevor Shaun irgendeine Entscheidung treffen und seinen Plan durchführen konnte, erschien Dr. Glassman in seinem Sichtfeld. Der ältere Mann entschuldigte sich für die Verspätung, aber seine Frau Debbie hatte ihn noch aufgehalten und dann musste er noch seinen Autoschlüssel suchen. Kurz darauf bestellten sie ihr Frühstück.

„Wie geht es dir, Shaun?“, er wusste, dass Shaun wegen Lea zu kämpfen hatte. Angefangen an dem katastrophalen Abend, an dem Shaun ihr seine Liebe gestanden hatte, bis hin zu der Geschichte, dass Shaun Leas Auto mit einem Baseballschläger hatte demolieren wollte.

Die Besitzerin des Cafés kam vorbei und stellte ihnen das frische Frühstück hin, dann verschwand sie wieder.

„Ich mag darüber nicht reden.“, sagte Shaun, als sie weg war. Er sah Dr. Glassman nicht an. Er konzentrierte sich darauf, sich um sein Frühstück zu kümmern.

Spencer konnte das Gespräch nicht überhören, da er nicht weit von ihnen sass. Er war eigentlich nicht so, aber er fand dieses Gespräch interessant und auch den jungen Mann, der jetzt leicht verärgert wirkte, nachdem der ältere Mann eine Frage nach seinem Befinden gestellt hatte. Spencer fing automatisch an, das Ganze zu analysieren.

„Shaun, dein Verhalten ihr gegenüber war an dem Abend nicht wirklich freundlich. Du wolltest ihr Auto mit einem Baseballschläger kaputtmachen. So etwas tut man nicht.", ermahnte ihn Dr. Glassman. „Sei froh, dass Lea so nachsichtig war und nicht die Polizei eingeschaltet hat, denn sonst wäre es zu einer Katastrophe gekommen. Sogar Ärger mit dem Krankenhaus hätte es gegeben. Wäre der Ärger für dich wirklich so viel wert gewesen?“, fragte er ihn mit einem sanfteren Ton. Der ältere Mann wollte Shaun nicht verärgern, sondern nur erklären, was sein Verhalten für Konsequenzen gehabt hätte, wenn er wirklich Leas Auto demoliert hätte.

Der Profiler tat so, als würde er weiterlesen. Er hatte damit kein Problem, gleichzeitig zu lesen und zuzuhören. Er studierte gerne solches Verhalten von anderen Menschen. Es war lehrreich.

„Ich bin wütend auf sie!", schoss es aus Shaun heraus und schob eine Gabel voller Pancakes in seinen Mund. Sein Blick wirkte jetzt dunkler. Das Thema war ihm definitiv unangenehm.

Der Direktor seufzte und redete beruhigend weiter auf Shaun ein. „Ihr müsst miteinander reden, eine Lösung finden, nicht dass die Streitigkeiten sich auf deine Arbeit im Krankenhaus auswirken.“

Spencer warf einen Blick Richtung Fenster, als würde er etwas Bestimmtes anschauen und sah auf Shaun. Spencer erkannte, dass Shaun wirklich wütend war. Seine eine Hand hielt die Gabel so fest, als wollte er gleich jemanden damit erstechen, die andere Hand ruhte auf dem Tisch.

„Ich werde sie ignorieren.“, entschied Shaun und nahm dann wieder etwas von seinem Essen.

Dr. Glassman seufzte und schüttelte leicht mit dem Kopf. „So einfach wird es nicht gehen, Shaun. Und das weisst du.“

Spencers Blick fiel erneut auf das ungleiche Paar. Der junge Mann war für Spencer definitiv interessant. Er fragte sich, ob er ein Serienmörder werden könnte, verwarf aber den Gedanken schnell wieder. So was würde sich viel früher festigen. Vermutlich war dieser Mensch harmlos und hatte einfach einen schlechten Tag. So wie Spencer herausgehört hatte, hatte er ziemliche Beziehungsprobleme.

Hier wurde Spencer klar, dass er nicht so schnell Vorurteile fällen sollte, nur weil jemand einen schlechten Tag hatte. Aber nicht nur das, hier störte ihn auch wieder, dass er nicht abschalten und sich mit anderen Dingen beschäftigen konnte. Aus dem Augenwinkel beobachtete er die beiden weiter. Er war wirklich neugierig geworden, vor allem er versuchte ein Profil von dem jungen Mann zu erstellen. Allerdings war das gar nicht so einfach, da dessen Verhalten nicht das eines gewöhnlichen Menschen war. Irgendetwas war an ihm sonderbar.

Dr. Glassman sah Shaun mit einem gewissen Mitgefühl an. Shaun faltete irgendwann seine Hände vor sich auf dem Tisch und sah über Aarons Schulter hinweg. Das restliche Pancakes auf dem Teller liess er stehen.  „Ich habe keinen Hunger mehr.", sagte er trocken und wirkte nicht mehr wütend, sondern traurig.

„Lass ein wenig Gras über die Sache wachsen und dann redet noch einmal miteinander.", ermutigte ihn sein Mentor.

„Es gibt nichts zu reden. Ihre Aussage war eindeutig. Sie möchte mich nicht als Freund, weil ich Autist bin.", sagte er sichtlich niedergeschlagen.

„Es tut mir leid, Shaun, dass ich dir hier nicht weiterhelfen kann. Versuch dich davon zu distanzieren, es darf nicht deine Arbeit im Krankenhaus beeinflussen, das weisst du, oder? Und du hast morgen wieder eine Operation, die du leitest, für Dr. Lim ist das Ausbildungsprogramm sehr wichtig, wie auch für Dr. Melendez."

Diese Informationen waren für Spencer mehr als nur spannend. Sein Gehirn lief ein wenig Marathon mit den neuen Erkenntnissen aus dem Gespräch. Dieser Shaun war ein autistischer Arzt und davon gab es nicht wirklich viele. Spencer selbst kannte nicht einmal einen Autisten.

„Ich bin Chirurg und ich will es auch bleiben", sagte Shaun entschlossen. Er würde es nicht von einer Frau kaputt machen lassen. Es reichte ihm schon, dass er im zweiten Jahr um seinen Stand kämpfen musste, weil Dr. Han ihn aus dem Weg haben wollte.

„Gut - das wollte ich von dir hören, Shaun!", sagte Dr. Glassman zufrieden und lächelte ein wenig. „Und jetzt iss weiter, du musst bald los, nicht dass dein Chef noch sauer auf dich wird." Sie assen dann weiter und sprachen über belanglose Themen. Dr. Glassman war froh, dass Shaun einsah, dass er seine Karriere nicht weiter auf Spiel setzen durfte nur wegen Liebeskummer.

Weiter hörte Spencer gar nicht mehr zu, da sein Handy in seiner Tasche vibrierte. Er seufzte und nahm es heraus. Entspannte sich aber, als er sah, dass es nur Garcia war. Also brauchte sein Team wieder einmal Informationen. Sicher meldete sie sich mindestens einmal am Tag bei ihm, aber er hatte sich gerade kurz zuvor mit ihr privat ausgetauscht in seiner 1-Zimmer Wohnung, in der er wohnte, solange er hier studierte. Aber jetzt schien es sich um etwas Dringenderes zu handeln.

„Reid.“, meldete er fast widerwillig. Garcia klickte man nur in einem absoluten Notfall weg, sonst riskierte man, dass sie sich bitter rächte.

Die Blondine am anderen Ende der Leitung fing gleich an zu sprechen. „Hey Wunderknabe. Wir brauchen deine Hilfe...", und dann legte sie los und sprudelte heraus, was benötigt wurde. Sie warf mit medizinischen Fachausdrücken, die sie von ihrem Bildschirm ablas, nur so um sich und tippte etwas. Sie war nun mal multitaskingfähig und suchte daher parallel noch nach anderen Infos, die das Team brauchte.

Spencer hörte ihr aufmerksam zu und gab sein Feedback. Er half Garcia, ein Profil zusammenzustellen und zeichnete vor seinem geistigen Auge einen Plan mit den Informationen, die er von Garcia per Telefon bekam. Er versuchte, ihr beim Eingrenzen des Suchgebiets zu helfen und die passenden medizinischen Informationen hinzuzufügen. „Wenn das nicht hilft, schick mir die Daten per Handy…“, er warf ein paar Beispiele ein, was es medizinisch sein konnte, wenn bestimmte Laborwerte vorlagen. Er war nicht wirklich ein Spezialist dafür und hatte sich auch nie wirklich damit auseinandergesetzt. Er kannte nur Informationen, die er entweder einmal gelesen oder gehört hatte. „Ich weiss, dass die Informationen nicht gerade viel sind, aber ich hoffe, es reicht, um euch weiter zu helfen Ich denke in der Uni-Bücherei werde ich mehr...“, er wollte weitersprechen, aber wurde überraschendweise von jemand anderem unterbrochen.

„Ihre Informationen sind nicht korrekt.“ Shaun hatte unabsichtlich zugehört, als er aufgestanden war. Er konnte es nicht überhören, vor allem als dieser mit medizinischen Fachwörtern um sich warf. Die hatten seine Aufmerksamkeit gleich geweckt, weil er wusste, was daran falsch war. Nebenher hatte er seine Sachen eingepackt und seinen Rucksack geschultert. Er war an Spencers Tisch vorbeigegangen, als dieser wieder etwas sagte, was nicht hundertprozentig korrekt war, weswegen er sich entschloss, etwas in das Telefonat einzuwerfen. Er schwankte leicht, sah Spencer nicht an, als er dessen Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte und wiederholte noch einmal seine Aussage: „Ihre Informationen sind nicht korrekt.“

Shaun fing an, Spencer zu korrigieren, ohne ihn dabei einmal anzuschauen. Shaun zählte eine Liste auf. Es waren ziemlich viele Informationen und Spencer wagte nicht, ihn zu unterbrechen. Der Agent wusste, dass Garcia am anderen Ende der Leitung auch zuhörte, denn er hatte schnell das Mikro eingeschaltet, als der Arzt angefangen hatte zu sprechen.

Der junge Arzt ratterte eine Liste runter, sein Gehirn arbeitete und hatte einige Werte und Organe vor seinen Augen. Dann wurde er plötzlich still und es schien ihm einzufallen, dass er arbeiten gehen musste. „Ich muss gehen. Ich komme sonst zu spät zur Arbeit.“, dann ging er ohne weitere Worte weg. Als wäre die Unterbrechung nicht da gewesen. Er wartete nicht auf Spencers Reaktion. Shaun musste gehen, Dr. Glassman wartete im Auto schon auf ihn, dieser war verwundert, dass Shaun nicht gleich mitgekommen war.

Spencer hatte das Mikro wieder deaktiviert und nahm das Handy wieder ans Ohr. Er war über den Unbekannten leicht irritiert. „Es ist unhöflich, etwas in den Raum zu werfen ohne weitere Begründung und einfach davon zu gehen.", rief er dem Kerl hinterher. Shaun hatte ihn gehört, aber sagte nichts. Er verliess das Café und stieg in Dr. Glassmans Auto ein. Spencer sah nur noch, wie sie wegfuhren.

„Was war das?“, fragte Garcia neugierig am anderen Ende der Leitung.

„Das versuche ich noch herauszufinden. Kannst du mit den Informationen etwas anfangen?“, fragte Spencer nach.

„Es war eine Menge Informationen. Ich setze mich dran und melde mich später wieder, wenn ich es ausgewertet habe. Garcia aus.“, sie kappte die Verbindung.

Spencer seufzte und fragte sich wirklich, was das für ein Auftritt des Arztes war. Der andere Mann wurde für ihn noch interessanter, das konnte er nicht abstreiten. Er packte seine Sachen zusammen, es war auch für ihn Zeit zu gehen. Die Uni rief.

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In den nächsten Tagen kehrte er immer wieder in das Café zurück. Er sah Shaun erstaunlicherweise aber nicht mehr, was ihn doch ein wenig enttäuschte. Er hatte sich aus reiner Neugier in der Bibliothek einige Informationen über Autismus besorgt und gelesen.

Dieser Arzt, das wusste Spencer, war nicht nur Autist, er besass auch eine Inselbegabung, die er in einem Krankenhaus als Arzt einsetzen konnte. Was faszinierend für Spencer war. Dazu kam: Die Informationen von diesem Arzt waren für Garcia sehr hilfreich gewesen und hatten einen Beitrag geleistet, den Fall erfolgreich abzuschliessen.

Spencer erstaunte es, dass er seit Tagen diesen jungen Arzt nicht mehr sah, weil Autisten eigentlich einen geplanten Tagesablauf führten. Anscheinend war es bei diesem Arzt anders und er konnte seinen Tagesverlauf anpassen. Wenn Spencer darüber nachdachte, war es logisch. Shaun war Arzt und musste wohl ebenso in Schichten arbeiten wie andere Ärzte im Krankenhaus auch und so konnte nicht jeder Tag gleich sein. Also war dieser Mann ein Autist, der gelernt hatte, sich anzupassen.

Eine weitere Besonderheit, da nicht jeder Autist dazu fähig war. Es hing immer davon ab, wie der Verlauf der Krankheit war, wie stark die neurologische Störung war und in welchem Umfeld dieser Mensch aufwuchs. Es gab so viele Arten von Autismus und auch wenn man diesem jungen Mann ansah, dass er sonderbar war, schien Shaun sein Leben doch eigenständig in Griff zu haben.

An diesem Montagmorgen war Spencer recht früh in diesem Café. Er hatte nicht mehr schlafen können, da einer seiner Alpträume ihn wieder einmal heimgesucht hatte. Er hatte ein Buch vor sich aufgeschlagen, sein Kaffee stand daneben - mit viel Zucker natürlich - und seine leckeren Donuts. Ja, so war es gut, so war er zufrieden und würde seine Lebensgeister wieder zurückkehren lassen. Er sah kurz auf, als das Türglöckchen erklang und sah den jungen Arzt wieder. Er senkte seinen Blick wieder auf sein Handy, er musste noch einige Nachrichten beantworten. Derek hatte ihm geschrieben, ihn antwortete Spencer hin und wieder, aber auch den anderen. Auf JJ und Emily reagierte er aber eher selten und verhalten, und immer nur mit kurzen Antworten.

Shaun betrat wie jeden Montag das Café. Es passte zu seinem Tagesverlauf und er würde mit seinem Mentor hier wieder Pancakes essen. Er steuerte auf seinen gewohnten Platz zu. Die Beisitzerin winkte ihm freundlich zu und lächelte. Shaun erwiderte Ihr Lächeln zurückhaltend und winkte ihr kurz zu. Sie war für ihn kein Fremder mehr. Dr. Glassman hatte ihm beigebracht, sozial zu agieren, wenn er begrüsst wurde. Shaun hatte es gelernt und sich angepasst.

Es war niemandem entgangen, dass er in den letzten paar Monaten Fortschritte gemacht hatte, was das anging - und Fortschritte vor allem auch in Sachen Kommunikation. Einige Mitarbeiter im Krankenhaus, die mit Shaun eng zu tun hatten, waren überzeugt, dass es mit seiner früheren Beziehung mit Carly zu tun hatte, dass er gelernt hatte, besser damit umzugehen.

Der Arzt hob eine Augenbraue, als er sah, wie viel Zucker Spencer gerade in seinen Kaffee warf. Shaun war davon nicht begeistert. Wortlos setzte er sich dann hin, nachdem er seinen Rucksack abgestellt und seine Jacke über den Stuhl gehängt hatte.

Spencer bekam den Blick des Arztes am Rande mit. Er warf eine weitere Zuckerportion in seinen Kaffee und rührte um. Aufmerksam sah er zu, wie sich der Strudel bewegte. Der Kaffee müsste jetzt perfekt sein. Dass Shaun ihn dabei beobachtete, störte ihn nicht. Spencer war überzeugt, dass der Arzt gerade berechnete, wie lange es noch dauerte, bis Spencer einen Zuckerschock erlitt.

Shaun wurde abgelenkt, als sein Handy losging. Er nahm den Anruf entgegen, als er sah, wer es war. „Murphy.“ Der Direktor von St. Bonaventure entschuldigte sich, dass er es heute nicht zum Frühstück schaffen würde, da er direkt ins Krankenhaus fahren musste. Letzte Nacht war etwas vorgefallen und der Vorstand hatte eine Sitzung einberufen.

„Wenn du möchtest, gehen wir heute Abend etwas essen, wenn du Feierabend hast. Ich weiss, du magst..." Dr. Glassman schlug ein Lokal vor, von dem er wusste, dass Shaun es mochte.

„Okay. In Ordnung. Wir sehen uns heute Abend.“ Shaun beendete kurz darauf die Verbindung. Er hatte damit kein Problem, es war nicht das erste Mal, dass er alleine hier frühstückte.

Nach dem kurzen Telefonat, bestellte Shaun bei der Besitzerin sein übliches Frühstück. „Dr. Glassman kommt heute nicht, ich werde alleine frühstücken, Mrs. Bine.", sagte er zu ihr. Die Besitzerin lächelte und ging, um für ihn das Frühstück zu machen. Sie wusste genau, was Shaun wollte, seitdem er zum ersten Mal hierhergekommen war.

Während Shaun nun auf sein Frühstück wartete, nahm er ein Fachbuch aus dem Rucksack und legte das Handy daneben. Sein Handy würde ihn informieren, wenn er zur Arbeit gehen musste.

Der Agent hatte die Worte des Arztes vernommen und sah ihn neugierig an. Sein Buch hatte er schon fertiggelesen und die Nachrichten auf dem Handy beantwortet. Er nahm dann ein neues Buch aus der Tasche, diesmal ging es darum, eine Studie zu lesen, die seine Mutter betraf. Er suchte nebenher immer noch Lösungen für sie, um ihr weitere gute Tage zu ermöglichen. Dann nahm er sein Handy und wählte Garcia Nummer.

Sie sprachen miteinander über Neuigkeiten, danach bat Spencer sie, ihm den neusten Bericht der Medikamentenstudie zu schicken, die seiner Mutter vielleicht helfen konnte. Er wollte mehr davon erfahren und bat drum, dass sie Daten auf sein Handy schickte, die er dann später in der Uni ausdrucken konnte. Er liebte es, alles in Papierform in seinen Händen zu halten.

Shaun frühstückte friedlich, er hatte um sich herum alles ausgeblendet und las nebenher die Lektüre von einer Arbeit, die ihn interessierte. Shaun musste sich langsam aber sicher darüber Gedanken machen, in welche Richtung er in der Chirurgie weiter gehen wollte. Es gab verschiedene Fachbereiche, die ihn interessierten. Er ass nebenbei zu Ende. Irgendwann ging der Alarm von Shauns Handy los. Da er ja alleine war, musste er selbst alles unter Kontrolle halten, und er durfte nicht spät zur Arbeit kommen.

Im dritten Jahr war er bis jetzt kaum spät gekommen und daran wollte er nichts ändern. Er packte seine Sachen ein und sein Blick landete auf Spencers Kaffee, dieser hatte sich gerade einen neuen bestellt und gab erneut übermässig viel Zucker hinzu. Shaun machte seinen Mund auf und wieder zu. Er erinnerte sich daran, was Dr. Glassman ihm einmal gesagt hatte: Wenn es geht, nicht einzumischen in Sachen, die ihn nichts angingen - und wenn er die Menschen nicht kannte.

Shaun zuckte mit der Schulter. Wenn der Mann je in seinem Krankenhaus landen und er dessen Blutzuckerwerte ablesen würde, dann konnte er ihn das sagen, was ihm gerade auf der Zunge lag, aber jetzt war es besser, sich raus zu halten. Shaun bezahlte kurz darauf und ging.

Spencer war sehr wohl Shauns Blick aufgefallen, als er seine neue Tasse Kaffee wieder mit Zucker beladen hatte. Er hatte den Blick erwidert, zuletzt sogar provozierend. Er hatte ein Grinsen nicht unterdrücken können. Er hatte gehofft, dass der junge Arzt ihn darauf ansprechen würde, aber dann bemerkt, dass dieser innegehalten hatte und endlich entschlossen und wortlos gegangen war. Was Spencer leicht bedauerte, er wollte gerne mit diesem jungen Mann in ein richtiges Gespräch kommen.

Der Agent lehnte sich zurück und hob seine Tasse an, seine Gedanken schweiften wieder zu seinem Team zurück. Er dachte darüber nach, wie lange man ihn wohl in Ruhe lassen würde, bevor er zurückmusste. Er hoffte, dass er wenigstens ein Semester fertig machen konnte. Er fand die Uni gerade sehr entspannend - und diesen Doktor Shaun Murphy überaus spannend.


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Neue Kapiteln sind immer für Ende Woche geplant. Die Geschichte an sich ist fertig geschrieben. Es wird hochgeladen, wenn die Beta-Verson vorhanden ist.
 
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