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Gefangen!

von Tatu
GeschichteHorror, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Bobby Singer Dean Winchester Sam Winchester
27.02.2021
12.06.2021
14
22.600
17
Alle Kapitel
89 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
 
27.02.2021 1.206
 
Ihr Lieben,
ich freue mich, euch meine neue Geschichte präsentieren zu können. Toll, dass ihr hierher gefunden habt.

Hier hat wieder die unvergleichliche Wildcat betagelesen. Danke, dass du auch bei dieser Geschichte so intensiv auf meine Schwächen geachtet und mir wieder wertvolle Schreibtipps gegeben hast.

Die Geschichte ist fast fertiggestellt. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich sie auch beenden werde, wie alle meine Storys.
Sie wird aus 14 Kapiteln bestehen. Veröffentlichen werde ich immer am Wochenende.

Nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen und einen schönen Sonntag.
Bleibt gesund
eure Tatu


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Dean rannte. Stolperte durch den Schnee und über den unebenen Boden des Waldes. Ständig auf der Hut, den Bäumen auszuweichen. Seine rechte Seite brannte wie Feuer und das breitete sich aus. Um den Schmerz ertragen zu können, presste er seinen rechten Arm an den Körper.
Kurz blieb er stehen – rang nach Luft. Jeder Atemzug quälte ihn wie hundert Messerstiche, die seine Lunge durchlöcherten.
Er ächzte.
Sein Atem bildete Rauchwolken in der vor Kälte klirrenden Luft.
Er blickte zurück.
Das Monster preschte immer noch hinter ihm her. Er hörte die schweren Schritte und die brechenden Äste.
Er musste weiter. Durfte keine Zeit verlieren.
Hektisch schaute er sich um. Er hatte die Orientierung verloren. In welcher Richtung hatte er den Impala geparkt? Ein Baum sah aus wie der andere. Nur gerade gewachsene Nadelbäume. Er konnte weder den knorrigen Baum noch die umgekippte Fichte ausmachen. Markante Punkte, die er sich auf dem Hinweg gemerkt hatte. Den schmalen Bach, den sie auf dem Weg tiefer in den Wald überqueren mussten, hatte er auch nicht gesehen.
Ein Röhren drang an Deans Ohren. War es näher gekommen?
Dean rannte weiter. Ihm blieb nur eine Möglichkeit, um dem Monster zu entkommen. Er musste ein Versteck finden. Er ärgerte sich über seine Wehrlosigkeit, die ihn zur Flucht trieb. Seine Waffen lagen noch am Kampfplatz.

Er stolperte über eine Wurzel und fiel der Länge nach in den Schnee. Mit seinen Armen fing er sich im letzten Moment ab. Gerade noch, bevor sein Gesicht im Schnee landete. Die plötzliche Bewegung schickte reißende Schmerzen durch seinen Körper.
Er spürte die Vibration, die die schweren Schritte des Monsters verursachten. Sie wurde stärker.
Mit einem Brüllen hievte Dean sich auf und zwang sich zum Weiterlaufen. Keuchend und stolpernd kämpfte er sich vorwärts, aber er hörte das Biest näher kommen.
Er durfte nicht schlappmachen. Er biss die Zähne zusammen und rannte weiter.

Vor ihm sah er graue Felsen. Anscheinend eine Felswand. Vielleicht konnte er hochklettern und so dem Monster entkommen?
Als er an der Felsformation ankam, erkannte er, dass es sich um Geröll handelte. Nutzlos! Dahinter ragte eine Steilwand in die Höhe. Unmöglich, da hinaufzuklettern. Erst recht nicht in seinem Zustand. Dean hielt sich rechts und lief an den Felsbrocken entlang. Direkt am Ende des Geröllhaufens entdeckte er einen senkrechten Spalt in der Felswand.
Er blieb stehen und schaute hinein. Es gab einen Hohlraum. Dean quetschte sich durch die schmale Öffnung und stand in einer Höhle, größer, als er erwartet hatte. Durch den engen Eingang würde das Vieh hoffentlich nicht reinkommen. Er lehnte sich an die Höhlenwand. Schloss die Augen und rang nach Luft. Der Schmerz ließ ihn innehalten. Obwohl er eben gerannt war, zwang er sich, den Atem zu kontrollieren und flacher zu atmen. Reglos lauschte er.
Das Trampeln näherte sich. Er hörte scharfes Schnauben vor dem Höhleneingang. Ein Arm angelte durch den Schlitz. Haarig und mit den langen Klauen, die Dean die Wunde an seiner Seite zugefügt hatten. Das Monster wusste, wo er sich versteckte, konnte ihn aber nicht erreichen. Es war zu groß für den Spalt.
Dean atmete zitternd aus.
Ungezügelt brüllte das Monster und zog seine Pranke zurück. Das Stampfen des massigen Untiers verhallte.

Dean rutschte an der Felswand herab und lehnte den Hinterkopf an den Stein. Er holte Luft. Sogleich schoss ihm der flammende Schmerz in die Lungen.
Sachte tastete Dean nach seiner Verletzung. Der Stoff um die Wunde herum fühlte sich nass und lauwarm an. Er zog seine Hand zurück und betrachtete sie. Blut!
Verdammt.
Er war schwerer verletzt, als vermutet. Er hätte das Biest nicht alleine angreifen, sondern auf Sam warten sollen. Was hatte er sich bloß dabei gedacht?
Obwohl ihm gar keine Wahl geblieben war. Das Mistvieh war plötzlich vor ihm aufgetaucht. Er hatte geschossen und das Monster getroffen, aber die Silbermunition hatte keine Wirkung gezeigt.
Nachdem das Monster ihn angegriffen hatte und ihm die Waffe aus der Hand gefallen war, hatte er nur noch eine Möglichkeit gehabt: weglaufen.

Umständlich zog er die Jacke aus. Zuerst den Arm der gesunden Seite, dann den Arm der verletzten. Er hielt die Schmerzen kaum aus. Bei jeder Bewegung grunzend, biss er die Zähne zusammen. Anschließend quälte er sich aus seinem Hemd. Nachdem er das T-Shirt hochgezogen hatte, betrachtete er die Wunde. Vier Risse zogen sich von seiner rechten Seite nach vorne und hörten mittig des Rumpfes auf. Sie waren tief. An zwei Stellen sah es so aus, als ob die Rippen frei lagen. Zumindest sah er etwas Helles hervorschimmern.
Was ihm allerdings noch mehr Sorgen machte, war die Blutung unterhalb des Rippenbogens. Dort klaffte eine tiefe Wunde.
„Scheiße“, stieß Dean kraftlos aus.
Er brauchte eine Kompresse. Was stand ihm zur Verfügung? Gedanklich ging er den Inhalt seiner Taschen durch. Ein Taschentuch oder Halstuch hatte er nicht dabei.
Kurzentschlossen rupfte er den unteren Teil des T-Shirts, der durch die Risse ohnehin schon lose herumhing, vollkommen ab und legte den Stofffetzen zusammen. Damit deckte er die Verletzung ab. Er faltete das Hemd als breiten Streifen, sodass die Ärmel die Enden bildeten. Anschließend band er es sich als notdürftigen Verband um den Körper und zog die Ärmel zu einem festen Knoten. Sobald der Stoff auf die Wunde drückte, schickten die Nerven erneut Schmerzen durch seinen Körper. Er keuchte auf.
Das musste genügen. Mehr hatte er nicht. Durch den Blutverlust und das Ablegen seiner Kleidung fror er erbärmlich.
Mit zitternden Händen zog er sich die Jacke wieder an. Angesichts seiner steifen Finger brauchte er drei Anläufe, bis es ihm gelang, den Reißverschluss einzuklinken und hochzuziehen. Seine Finger schmerzten vor Kälte.
Dean führte die Außenkanten der Hände zusammen und legte die Handinnenflächen über Nase und Mund. Er hauchte, um die Hände zu wärmen. Aber das Stechen in den Lungen und der Seite ließ ihn aufhören.
Der Schnee auf seinen Schuhen war geschmolzen und das Tauwasser durchweichte das Leder. Wasser tränkte die Socken und ließ seine Füße eisig werden. Probeweise wackelte er mit den Zehen. Er spürte sie nicht mehr.
Zum Glück hatte er eine Daunenjacke aus Rufus‘ Fundus mitgenommen. Vorübergehend hielt die ihn warm. Fragte sich nur wie lange?
Er musste Sam anrufen, um ihn zu warnen, dass die Silbermunition nutzlos war. Sam musste erfahren, dass es sich bei dem Vieh weder um einen Werwolf, noch um einen Höllenhund handelte. Außerdem sollte Dean seinem Bruder mitteilen, wo er sich aufhielt. Dean rechnete damit, dass das Monster zurückkommen würde, schließlich hielt sich seine Beute in der Höhle auf. Dann konnte Sam ihm auflauern. Umständlich fischte Dean sein Handy aus der Hosentasche.
Kein Netz stand auf dem Display. „Verdammte Scheiße, auch das noch.“
Er ließ die Hand mit dem Handy sinken.
Kraftlos und ergeben blieb er sitzen.
Nur kurz ausruhen.
Er schloss die Augen.
 
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