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The Last Of Us 2 - Fortsetzung Teil I

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P18 / FemSlash
Abby Anderson Ellie
27.02.2021
28.03.2021
46
63.263
4
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28.02.2021 1.069
 
„Scheiße, man“. Ellie schreckte zurück. Rasche Blicke nach links und rechts. Wo war dieser Junge mit dem Bogen, der Dina im Theater niedergeschossen hatte. Er war mit ihr im Boot, als sie gestern Abend aufbrachen. Mitunter ein Grund, warum sie Abby hatte ziehen lassen. Doch niemand war zu sehen.
„Ey“. Ellie trat vorsichtig vor das Holzboot. Entweder sie wird wach oder sie ist tot. Aber so ohne weiteres wird sie ihr nicht den Rücken zudrehen. `Ich kämpfe nicht gegen dich`, waren ihre letzten Worte. `Komm mir nie wieder unter die Augen`, sagte sie ebenfalls, damals im Theater.
„Ey man!“ Ellie trat ein zweites Mal vor das Boot. Jetzt öffnete Abby die Augen. Ellie musterte ihren Körper auf Verletzungen, dann starrte sie Abby direkt in die Augen.
„Wo ist das Kind“, fragte Ellie eilig? Abby schien sie kaum wahrzunehmen. Ellie steckte das Messer rasch in die Tasche ihrer Hose und umklammerte nun den Griff ihrer Pistole, die sie hinten in die graue Jeans gesteckt hatte. Wieder schaute sie nach links und rechts, lief danach einmal um das Holzboot.
„Das Kind!“ Ellie wurde sichtlich nervös. Abby hingegen versuchte angestrengt, die Kontrolle über sich selbst zu finden.
„Ich…“, stotterte sie. Fast nicht hörbar. „Er…“
Bleib konzentriert. Ellie ermahnte sich, nicht fahrlässig zu werden. Die Wunde an ihrer Seite pochte.
„Hab` ihn verloren“, murmelte Abby. „Warum bist du…“
„Verarsch mich nicht“, fauchte Ellie.

Abby versuchte sich aufzurichten. Erschöpft drückte sie sich langsam mit den Armen nach oben, und drehte ihren Kopf jetzt direkt zu Ellie.
„Was, also, warum bist du hier“, Abbys Stimme kratzte. „Dein Shirt. Dich hat es aber auch schwer erwischt,“ fügte sie hinzu.
„Ist nicht meins“, log Ellie, um sich nicht angreifbar zu machen.

Ellie stellte ihren Rucksack auf den Rand des Bootes und öffnete ihn. Abby sah sie an, doch sie bewegte sich nicht. Wenn Ellie jetzt eine Waffe ziehen und auf sie schießen würde, es wäre ihr scheinbar egal. Abwechselt zwischen Abby und dem Inneren ihres Rucksacks blickend fand sie ihre Trinkflasche. Sie öffnete den Drehverschluss der grauen Aluflasche und streckte sie Abby entgegen.
„Trink“, befiehl Ellie, ohne genau zu wissen, warum sie es tat. War es fast Mitleid mit der sonst imposanten Erscheinung Abbys? War es die Angst, Abby könnte mit einem Handzeichen doch diesem Jungen befehlen, aus sicherer Entfernung zu schießen? Ein skeptischer Blick von Abby, dann nahm sie die Flasche entgegen. Sie hatte nichts mehr zu verlieren. Hätte Ellie versucht sie zu töten, hätte sie es gestern vollenden können. Oder jetzt gerade. Sie nahm einen Schluck, benetzte ihre Lippen. Dann reichte sie die Flasche Ellie entgegen. „Trink aus“, sagte Ellie, „ich werd schon Neues finden“. Insgeheim hoffte sie, dass Abby ihr Versteck am Strand verraten würde. Sicherlich gab es dort genug Süßwasser. Wahrscheinlich ganze Kanister. Abby trank. Keine Sekunde verging jedoch, ohne dass sie Ellie anstarrte. Jede Bewegung, jedes Zucken in ihrer Mimik musterte sie genau. So auch Ellie.
Aby leerte die Flasche fast gänzlich und gab sie dann zurück. Ellie trank hastig den letzten Schluck aus und warf Flasche und Drehverschluss getrennt voneinander in ihren Rucksack zurück.
„Was ist passiert“, fragte Abby erneut? Sie erkannte, dass Ellie regelmäßig eine Hand auf ihre Seite legte und die Zähne zusammenbiss, um sich den Schmerz nicht anmerken zu lassen.
„Falle", antwortete Ellie rasch, bevor sie einen weiteren Atemzug nutzte, um die Situation zu schildern. „Muss irgendwo reingetreten sein. Es zog mich direkt kopfüber nach oben. Dann bin ich gegen einen Baum geschlagen. Weiß` nicht, wie lang ich da hing. Gegen Sonnenuntergang haben mich zwei Typen runtergeschnitten. Irgendwie bin ich aus dieser Situation gekommen. Pures Glück. So´n kräftiger Typ mit langen grauen Haaren verriet mir, wo man dich versteckt hielt.“
Abby hörte gespannt zu.
„Die Fireflies. Hatten wohl ein Versteck in Santa Barbara", begann Abby sich zu erklären.
„Ich weiß. Constance 2425. Du hast deine Notizen drüben im Segelboot liegengelassen“, unterbrach sie Ellie.
„Dort haben sie uns erwischt.“ Abbys Augen wurden glasig. „Ich habe die Fireflies erreicht. Dachte ich zumindest. Sie sagten, sie leben drüben auf der Insel in einem großen Kuppelbau. Dem einzigen Haus dort. Haben versucht zu fliehen, die Rattler erwischten uns. Den Rest kennst du“.
„Die Säulen“, fügte Ellie hinzu. „Was ist dann passiert?“
„Naja. Wir wären wohl an den Säulen gestorben. Unabhängig davon, wer den Kampf zwischen den Sklaven und den Rattlern am gestrigen Abend gewonnen hätte. Jeder will hier nur sich selbst retten.“
Abby machte eine kurze Pause, um zu atmen.
„Du hättest mich einfach töten können. Direkt an der Säule. Niemanden hätte das mehr interessiert. Niemand hätte uns je gesucht. Wir waren schon tot.“ Abby stützte ihr Gesicht mit den Händen. Dann strich sie sich kurz durch ihre kurzen Haare. „Du hast uns eine Chance gegeben. Eine Chance, die Fireflies zu finden.“
„Und?“ Ellie drängte.
„Es waren keine dort. Wir sind mit dem Boot an der Sandküste der Insel angekommen. Fackeln zeigten uns den Weg zum Haus. Ich musste Lev tragen. Er war zu schwach. Doch wir fanden keine Fireflies. Wir sind direkt in die Arme einer Gruppe Rattler gelaufen. Ein Außenposten. Sie schossen, ich drehte mich weg. Sie trafen Lev direkt in die Seite. Ich stürzte. Drei, vielleicht vier Rattler kamen auf mich zu. Meine einzige Chance war mich tot zu stellen. Einer der Rattler überprüfte, ob Lev noch atmete. Er war tot.“ Tränen schossen in Abbys Augen.
„Fuck." Ellie blickte weiter in Abbys Augen.
„Ehrlich gesagt habe ich kaum noch etwas mitbekommen. Der eine zog Lev von mir weg, hinüber zu den Fackeln. Die anderen folgten ihm. Es herrschte aufgebrachte Stimmung. Sie schienen einen Funkspruch vom Festland bekommen zu haben. Vielleicht benötigte man Verstärkung. Ich nutzte die Chance und zog mich ins seichte Wasser. Von da aus bis zum Boot. Mit dem letzten Rest Benzin konnte ich das Boot bis hierhin manövrieren. Scheiße, Lev.“
Ellie schwieg. Einige Sekunden verrinnen. Dann unterbrachen Schüsse die Stille und das Rauschen des Meeres. Weit entfernt, an der Küste vor Santa Barbara, vermutete Ellie.
„Wir sollten hier weg." Ellie versuchte sich wieder zu fangen.
„Wir?“ Abby wirkte verwirrt.
„Ich, also. Du siehst jetzt auch nicht so aus, als würdest du es hier allein weit bringen“, stotterte Ellie.
„Scheiße“, fügte sie noch hinzu.

„Was passiert hier gerade?", dachte Ellie und trat einen Schritt zurück.
Abby richtete sich auf und rollte sich über den Rand des Bootes in Wasser. Ohne ein weiteres Wort schlurften die beiden Frauen zurück zum Segelboot.
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