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The Last Of Us 2 - Fortsetzung Teil I

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P18 / FemSlash
Abby Anderson Ellie
27.02.2021
28.03.2021
46
63.263
4
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27.02.2021 1.055
 
Ellie raffte sich auf. Wohin nur? Hinter ihr tobte die Schießerei zwischen Sklaven und Rattler. Vermutlich hatte es auch eine Menge Runner und Clicker angezogen. Nein, der Weg ins Inland ist keine Option, während sie sich mit einer Hand am zweiten Holzboot festhielt, die andere auf die offene Wunde ihrer Seite gelegt.

Mit letzter Kraft zog sie sich ins Boot und verharrte regungslos. Wieder schossen ihr Tränen in die Augen, als sie in den nebligen Himmel aufblickte. Tiefes Grau am Horizont, während sich der Himmel über Santa Barbara aufgrund der brennenden Häuser in verblichenes Orange färbte. Was war gerade passiert? Das Versprechen an Tommy, die wochenlange Reise… sie verließ sogar Dina und JJ. Nur für das eine Ziel: Die Rache an Abby.

Ellie zog sich hoch, schaute ein letztes Mal in die Richtung der Säulen am Strand. Dann startete sie den Motor, fuhr zur Sicherheit ein Stück tiefer in den Nebel und dann rechts die Küste entlang. Irgendwann, so dachte sie, sollte sie zum Segelboot kommen. Von dort aus ins Inland ist wesentlich einfacher. Es war schließlich ihr Hinweg.

Schemenhaft tauchte kurze Zeit später das Boot auf. Es lag dort, wie sie es am Morgen auf dem Weg Richtung Santa Barbara und Constance 2425 verlassen hatte. Ein leises „Klock“ verriet Ellie den Zusammenstoß mit dem Segelboot. Sie richtete sich auf. Ihr Körper glich schon jetzt einem einzigen Muskelkater. Nach einem tiefen Durchatmen schwang sie sich mit letzter Kraft aufs Boot und ließ sich an Ort und Stelle nieder. Mit ihrer Taschenlampe kramte sie im Rucksack nach Nadel und Faden, Alkohol und, sowie sie aussah, am besten nach einer Blutkonserve. Mit zusammengebissenen Zähnen nähte sie die Wunde, die glücklicherweise nur teilweise aufgerissen war, wieder zusammen. Langsam legte sie sich zurück mit dem Kopf auf ihren Rucksack. Ob Abby ihr Boot ebenfalls sucht? Hatte sie doch die Fireflies gefunden? Dann umfing Ellie Dunkelheit und Schlaf wich der vollständigen Erschöpfung.

Der Nebel hatte sich verzogen und die Sonne begann von neu, das Wasser des pazifischen Ozeans aufzuwärmen. Ellie blinzelte in den strahlend blauen Himmel. Ein Wetter, das dem gestrigen Schrecken, dem Feuer, der vielen Leichen sicher nicht gerecht werden würde. Geschwächt vom Verlust ihres Blutes drehte sie sich auf den Bauch und drückte sich mit Armen und Beinen hoch. Der Alkohol neben ihr war ausgelaufen, Nadel und Tücher lagen blutverschmiert neben dem kleinen Etui, in dem sie das Nähzeug eigentlich aufbewahrte. „Bitte keine Überraschungen“, flüsterte sie sie sich selbst zu und stemmte ihren Körper hoch auf ihre Beine. Sie blickte auf den Strand. Das Segelboot lag direkt davor. Gut. Ihr kleines Holzboot hatte sich neben dem Segelschiff in den Sand gegraben. Es stand noch im Wasser, doch bewegte sich keinen Zentimeter. Ihr Blick wanderte weiter nach rechts. Strahlend blauer Himmel über St. Barbara im Tal hinter der Küste. Dem Sonnenstand zu urteilen schätzte Ellie die Uhrzeit auf 10 oder 11 Uhr. Nichts Auffälliges also an der Küste. Der Blick drehte auf die offene See.

Das erste Mal in den letzten 24 Stunden fiel ihr auf, dass sie am pazifischen Ozean war. Zum ersten Mal in ihrem Leben.  Und wie verdammt schön es hier ist. Die Sonne fiel auf ihren Nacken und Ellie fühlte sich lebendig. Zum ersten Mal, seit Wochen. Wenn man es genau nimmt, seit der Party am letzten Abend vor Joels Tod. Oder JJ´s Geburt. Definitiv vertrug sie mehr positive Höhepunkte in ihrem Leben. Da war sie sich sicher.

Ellie blinzelte weiterhin auf den schier unendlichen pazifischen Ozean. Das blaue Wasser, der Horizont. Wenn Dina und JJ das sehen könnten. Zu gern hätte sie jetzt eine Kamera, wie damals mit Riley. Obwohl ein Polaroid vom Meer sicher nicht diese unfassbare Schönheit auch nur im Geringsten wiedergeben könnte.
Doch etwas störte sie am unendlichen Ausblick. Etwas Dunkles schimmerte in der aufgehenden Sonne vielleicht 200 Meter vor ihr im Wasser. Treibgut wird es wohl sein. Ein Grund für Ellie, sich dem offenen Meer abzuwenden.

Lange kann sie hier nicht bleiben. Viele Vorräte gibt es auf dem Boot nicht. Das Nötigste. Alles andere hatte Abby wahrscheinlich an der Küste vergraben. Damit man einen Einbruch verkraften kann. Hätte sie genauso gemacht, dachte Ellie. Sie schob ihr Shirt hoch und musterte ihr Werk. Nun, eher ein Kunstwerk als eine chirurgische Meisterleistung. Sie zog das mittlerweile vollständig blutgefärbte Shirt wieder runter und öffnete ihren Rucksack: eine halbe Flasche Wasser, vereinzelt unsortierte Munition, ihr Etui mit Medizin, ein Klappmesser, eine Handvoll Nüsse (Kalifornien sei Dank) eine Karte der vereinigten Staaten und ihr Kompass. Die leere Flasche Alkohol zum Desinfizieren liegt noch immer auf dem Boden des Segelboots. Ellie schloss den Rucksack und setzte ihn auf. Gänsehaut machte sich auf ihrer Haut breit, der Rucksack fühlte sich nass und kalt auf ihrem Rücken an. Wenn sie Segeln könnte, könnte sie nach Süden und hätte einen weitaus kürzeren Weg nach Texas und Jackson. Das würde unfassbar schief gehen. Ein letzter Blick auf den Ozean. Dann drehte sie sich um und verharrte. Erneut drehte sie sich zurück. Das Stück Treibgut lag nun rund 50 Meter vor ihr. Wesentlich näher als vor wenigen Minuten. Es war auch kein Treibgut. Sondern ein Holzboot.
Sie warf einen kurzen Blick zurück zur Küste. Dort stand das Holzboot, mit dem sie angekommen war. „Shit“, flüsterte Ellie. Wirre Gedanken flogen ihr durch den Kopf. Was war das für ein Boot? Einige Sekunden betrachtete sie es. Nichts regte sich. Hastig überflog Ellie die Küste. Dann schaute sie auf beiden Seiten am Segelboot herunter. „Bereit sein, nicht überraschen lassen“, flüsterte sie sich selbst zu. „Wahrscheinlich war eh niemand im Boot. Hier wird bestimmt andauernd etwas angespült“.

Ellie zog ihr Messer, ließ die Klinge aber nicht aufklappen. Dann sprang sie vom Segelboot ins Wasser. Ein rascher Blick nach links, dann nach rechts. Meter für Meter schleppte sie sich durch das kniehohe, warme Wasser auf dem Weg zum Ruderboot auf der Sandbank. Noch immer regte sich nichts. Ellies Hand umschloss ihr Klappmesser fester. Noch 10 Meter. Sie versuchte, auf ihren Fußspitzen zu gehen, um früher einen entscheidenden Blick in das Boot zu erhaschen. Sie atmete schwer. Sie spürte jeden einzelnen ihrer Muskeln. Das Messer in ihrer Hand. Doch bereit war sie nicht. Egal, was auf sie wartet. Noch 5 Meter. Das Boot schien nicht leer zu sein. Irgendwas lag darin. Weitere zwei Schritte. Ellie blieb stehen. Ihre Augen wurden groß. Im Boot lag Abby.
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