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Heimkehrer

von Lerrex
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Bail Organa Luke Skywalker Obi-Wan Kenobi
27.02.2021
23.06.2022
46
184.712
12
Alle Kapitel
21 Reviews
Dieses Kapitel
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23.06.2022 3.141
 
Da nicht jeden Tag eine Obi-Wan Kenobi-Serie endet, dachte ich mir, ich überrasche euch mit einem Kapitel. Ganz ohne Spoiler: Diese Serie ist eine Kampfansage gegen Obi-Wan-Kritiker, die vielleicht endlich Zugang zu ihm finden (?). Und eine eindrucksvolle Auseinandersetzung mit Obi-Wans Charakter und dessen Entwicklung, die mich erst hat zweifeln lassen, aber wie immer sollte man nicht vor dem Ende urteilen. (Ihr habt jedoch ausdrücklich das Recht, über Heimkehrer zu urteilen.) XD

*** *** ***


Er war sich dessen sehr bewusst, was er hier gerade tat. In jeder Faser seines Körpers fühlte er absolute Gewissheit. Es gab – Diskussionen hin oder her – nur diese Chance, genau das Imperium zu Fall zu bringen, das ihm sein Leben genommen hatte. Und dennoch war er ein Jedi-Meister, der sich den Regeln des Ordens verpflichtet hatte und den letzten Glanz der alten Tage in sich trug.

Im neuen Staat geächtet und verfolgt, kehrte er nun dorthin zurück, wo es seinen Anfang genommen hat. Eine Nexus-Höhle war harmlos gegen den letzten Sith-Lord dieser Galaxis. Sidious war gerissen, bis zu einem gewissen Grad raffiniert und unendlich manipulativ. Und wenn man der Tatsache ins Auge blickte, dass nicht einmal ein Jedi mit der Weisheit Meister Yodas ihn in einem direkten Duell bezwingen konnte, durfte man davon ausgehen, dass er Macht und Lichtschwert zu beherrschen wusste. Im Duell hatte Sidious sich gegen jeden Gegner behauptet. Kein Jedi hatte eine Begegnung mit ihm überlebt.

Obi-Wan fürchtete seinen Tod nicht. Das hatte wenig mit den Jedi-Überzeugungen zu tun, sondern mit seinem Wesen. Die Bereitschaft mit seinem Handeln anderen zu helfen und der Glaube daran, dass das den richtigen Weg symbolisierte war tief verankert. Einem anderen Wesen beizustehen, löste in ihm stets das Gefühl von Erfüllung aus. Er konnte sogar behaupten, dass es ihn glücklich machte.

Sidious Zeit war gekommen. Keine Dunkelheit konnte gegen das grundsätzliche Bedürfnis der Spezies nach Freiheit bestehen. Mit wenigen Schiffen und nur einer Handvoll Soldaten, gemessen an den Truppen, die Obi-Wan früher geführt hatte, begleiteten sein Unterfangen, zusammen mit einem ehemaligen Sith.

Wann Obi-Wan sich das letzte Mal gerührt hatte, wusste er nicht. Mit auf dem Rücken verschränkten Armen stand er an Bord der Aluin, blickte reglos in die Tiefen des Weltalls. Wer zu lange hinaus starrte, den konnte der Anblick des Hyperraums wahnsinnig machen. Das war eine Lehre, die Eltern gern ihren Kindern erzählten. Nur sah Obi-Wan nicht hinaus in die zu Schlieren verzogene Sternenlandschaft, sondern hatte den Blick nach innen gerichtet. Ruhe durchflutete ihn und sein Blick war klar. Seinen Sinnen entging nichts von dem, was in seiner Umgebung und weit darüber hinaus existierte.

Jemand trat hinter ihn.

Noch immer reagierte Obi-Wan nicht, auch nicht auf das Räuspern. Stattdessen führte er seine Gedanken tiefer in die Macht und verschmolz beinahe mit ihr. Seine Verbindung war tief und fest, sodass er ohne einen Muskel zu bewegen, das Lichtschwert, welches neben seinem eigenen befestigt war, anhob und zu seinem Mitreisenden hinüberschweben ließ.

Nach mehreren Minuten war Anakin noch immer nicht gegangen, weshalb Obi-Wan ahnte, wie unruhig er war. Er löste sich und drehte sich um. „Bist du bereit?“

„Das bin ich.“ Sein Blick war auf den Zylinder gerichtet. Die Waffe, die einmal sein Lichtschwert gewesen war.

„Erweist du mit die Ehre einer Meditation?“, fragte Obi-Wan und kniete sich hin, allerdings wurde er von Anakin aufgehalten.

„Ich … ich wollte mit Euch reden.“

Langsam richtete Obi-Wan sich wieder auf. Anakin vermied es gewohnheitsmäßig, in eine Situation zu geraten, die nur die Option eines unangenehmen Gesprächs offen ließ. Es machte dem Jedi Mut, dass sein ehemaliger Schüler von sich aus auf ihm zu kam. Früher hätte er sich vielleicht für das wohltuende Gefühl geschämt, das in ihm aufkam, heute jedoch fühlte er sich in seinem Handeln bestätigt.

Damit sie ungestört waren, zog Obi-Wan ihn hinüber ins Schlafabteil und überließen dafür Amina – eine der Anführerinnen des alderaanischen Widerstandes und, was Auftreten und Aussehen betraf, der Zwilling der Frau, die er in Bails Arbeitszimmer gesehen hatte – das Cockpit. Sie verstand die Intention ihrer beiden Komplizen und kümmerte sich wortlos um eigene Angelegenheiten. Manchmal war sie beängstigend und mit ihrem Eifer und ihrer Tüchtigkeit erinnerte sie den Jedi ein wenig an den Klon-Commander Cody.

Um allen eine Schlafgelegenheit zu ermöglichen hatten sie im Schlafabteil Decken am Boden verteilt. Als sie nun die Tür öffneten, zogen sie zuvor die Stiefel aus und setzten sich anschließend auf die Pritsche. Obi-Wan war Bail dankbar, dass er trotz ihres kurzweiligen Aufenthalts in Aldera seine Handwerker die Kabine hatte sanieren lassen, so hatte sich der einst unbequem kleine Raum ziemlich verändert. Eine kleine Nische, deren Liegefläche in die Bordwand eingelassen worden war, schmückte nun die Ausstattung. Sie ließ sich mit einem Vorhang vom Rest abtrennen, eine angenehme Verbesserung in Sachen Privatsphäre, besonders mit dem Skywalker-Temperament an Bord.

Sie setzten sich auf den teuren Nachfolger der Pritsche, wobei Obi-Wan es vermied, Anakin zu nahe zu kommen. Es war nicht gut, wenn er sich bedrängt fühlte. Dann wurde er unhöflich und verschloss sich nicht selten.

„Ich weiß nicht, was ich machen soll, Obi-Wan. Organa hat mir nicht erlaubt, Leia zu treffen. Wenn ich jetzt sterbe … sterbe ich in dem Wissen, meine Tochter nie kennengelernt zu haben.“ Anakin wirkte verloren, seine Haltung zeugte davon genauso wie seine Worte. Es war nicht schön, ihn so zerbrechlich zu sehen.

„Du hast mit Bail gesprochen?“, wagte Obi-Wan sich behutsam voran.

„Gestern noch, aber er hat nicht mit sich reden lassen.“ Die Schultern seines Gegenübers bebten. „Ich habe alles versucht. Ich habe ihm sogar angeboten … dass ich keinen Anspruch auf Leia erheben werde.“

„Ich weiß“, gestand Obi-Wan ein, woraufhin Anakin zunächst verwundert reagierte, dann jedoch resigniert die Schultern zuckte.

Erst als Obi-Wan auffiel, wie sehr Anakin in Hoffnungslosigkeit zu versinken drohte, erhob er abermals das Wort. „Du hast mich stolz gemacht, Anakin. Du hast dich bereit erklärt, das größte aller Opfer zu bringen. Ich kann heute endlich verstehen, wie schwer das wirklich für dich ist und darum kann ich deine Bereitschaft nur mit tiefer Bewunderung bestaunen, denn ob du es nun willst oder nicht, damit hast du dich zu den größten Jedi erhoben. Vielleicht größer als ich selbst.“

Anakin fühlte sich augenscheinlich nicht ernst genommen, was er mit seinem Kopfschütteln kundtat, aber das wandelte sich innerhalb weniger Sekunden, in denen er entgeistert zu ihm aufsah. „Das sagt Ihr nur so, Ihr seid der Beste von ihnen allen. Nur Ihr habt überlebt und nur Ihr … Ihr seid der Kodex.“

Genau wie Anakin war auch der Jedi nicht ganz immun gegen die Befürchtung, sein Leben zu lassen. Was hauptsächlich an liebgewonnenen Menschen lag, die dann zurückgelassen wurden. Obi-Wan wollte nicht aus dieser Welt scheiden, ohne Anakin die Wahrheit gesagt zu haben. Ebenso schwer wie die Offenbarung seines Aufenthaltsortes empfand er auch die Bürde von seiner Familie zu berichten. In den Augen Anakins war er noch immer der Vorzeige-Jedi und nicht der gebrochene Mann, der mit Mühe und Not auf Stewjon ein neues Leben begonnen hatte.

„Ich habe ihn mehrfach auf eine Weise gebrochen, für die die Hälfte des Rates mich vom Orden ausgeschlossen hätte, wüssten sie, was ich getan habe.“

Allmählich wurde Anakin misstrauisch. Er hatte Witterung aufgenommen, war neugierig, was es Neues zu erfahren gab.

„All die Jahre auf Stewjon, da habe ich bei meiner leiblichen Familie gelebt. Und … Sie sind … Sie stehen mir …“ War Obi-Wan eben noch stolz auf seine Unnachgiebigkeit gewesen, so versagte ihm jetzt die Stimme. „Sie sind mehr geworden als bloße Verwandte.“

Das saß. Anakins Schock schallte laut in die Macht hinein. Es währte kurz, was wiederum Obi-Wan verwunderte. „Dann waren Eure Worte auf Almas wahr.“ Der einstige Sith lachte ohne Vorwarnung auf und das bitter genug, um seine Mimik Lügen zu straffen. „Vader hätte Euch nie gefunden.“

Still verharrte Obi-Wan und erwartete irgendeine weiterführende Reaktion, doch es sollte sich als vergeblich herausstellen. Hielt Anakin ihn nun für einen Hochstapler und Lügner? Mal wieder?

„Hast du nichts dazu zu sagen?“, fragte er schließlich. Unsicherheit kroch in ihm hinauf. So oft hatte er seinen Schüler für dessen Emotionalität kritisiert und war am Ende selber in dieses Schema verfallen.

„Was soll ich denn sagen? Ich freu mich für Euch?“

„Zum Beispiel.“ Dann war sein vorlauter Verbündeter ein seltenes Mal seiner vorlauten Zunge beraubt. Schweigen konnte schrecklich sein und einen von Anakins Sprüchen hätte er jetzt lieber ertragen.

„Gawein ist übrigens mein Bruder“, offenbarte er freizügig und lockte ihn damit tatsächlich aus der Reserve.

„Euer Bruder? Ihr habt einen Bruder? Oh, ist er etwa genauso wie Ihr?“    

„Er ist fröhlicher“, meinte Obi-Wan. In gewisser Weise war Gawein ihm wirklich ähnlich und sie hatten sicher das ein oder andere voneinander übernommen, aber Gawein war unbelastet und hatte nie die Gewalt in der Galaxis erleben müssen.

„Was habt Ihr die ganze Zeit gemacht?“ Sichtlich abgelenkt war Anakin in seinen Gedanken gefangen. Er sprach reuevoll, mit einem Hauch von Bedauern.

„Ich habe versucht, mein Leben zu leben.“ Obi-Wan dachte an die schwierige Anfangszeit zurück. Er hatte sich mit einem Angriff Owens abfinden müssen, der sich sofort auf ihn gestürzt hatte, die Differenzen mit seinem Vater, den er schätzte wie alle anderen Familienmitglieder, hatte er hinter sich lassen können. Cailen, der Junge, dem es gelungen war in ihn hineinzusehen, war mittlerweile erwachsen und Irina, seine Nichte, hatte ihre Schüchternheit ihm gegenüber aufgegeben und war zu einer wunderbaren Tierärztin gereift. Nur Obi-Wan selbst – trotz all der Freuden mit seiner Familie – war im Herzen immer das geblieben, wozu die Macht ihn ausersehen hatte. Mit allem, was er hatte und was bieten konnte, war er überzeugt von seiner Aufgabe als Jedi. Und die hatte ihn zurück auf die Oberfläche des galaktischen Geschehens geholt hatte.

„Ist es Euch gelungen?“ Strahlend blaue Augen fixierten ihn, aber Obi-Wan weigerte sich. Stattdessen dachte er über Vader und Anakin nach. Die Holonews hatten ihm beinahe den Boden unter den Füßen weggezogen, als er Vader das erste Mal durch das Hologramm marschieren gesehen hatte. Das Schlimmste war seine allumfassende Schuld gewesen. Sein Versagen, sich zwischen der Galaxis und seinem Freund zu entscheiden, denn am Ende hatten beide gelitten. Die lebensverachtenden Nachrichten der folgenden Jahre waren eine schlimmer als die andere gewesen. Vader und seine Einheiten hatten so gut wie jeden Jedi verfolgt und grausam hingerichtet. Trotzdem verzieh Obi-Wan ihm. Es machte sein Leid nicht geringer, aber es gab ihm ein Stück eines Freundes zurück.

„Ich vergebe dir, was du getan hast“, sagte er plötzlich und er wusste, es war das Letzte, mit dem sein Gefährte gerechnet hatte.

„Das könnt Ihr nicht, es ist nicht an Euch.“ Fast traurig lächelte Anakin, aber er hatte nicht mit der Vehemenz seitens Obi-Wans gerechnet.

„Du hast meine Freunde getötet, Anakin. Mein Leben war der Orden, du hast es mir genommen. Du hast mich gebrochen. Ich bin sehr wohl befähigt, meinen Groll ruhen zu lassen.“ Obi-Wan hatte sanft gesprochen, obwohl in ihm alles zu reißen drohte und ihn daran erinnerte, dass es manchmal keine Erlösung gab. Wie in seinem Fall. Seine Fehler waren schrecklich und unverzeihlich. Sein Unverständnis und seine Unnahbarkeit Anakin gegenüber hatten eine ganze Galaxis zu Fall gebracht.

Betroffen senkte Anakin den Kopf, weshalb er nicht bemerkte, wie Obi-Wan erwartungsvoll zu ihm hinüber sah.

Als er nach einiger Zeit wieder sprach, war seine Stimme rau. „Außerdem möchte ich, um Vergebung bitten, meine Schuld wiegt ebenso schwer wie die deine.“

Diesmal schüttelte Anakin erneut den Kopf. „Wieso? Wieso sprechen wir jetzt darüber? Warum nicht schon …“

Wie gut Obi-Wan ihn verstand, würde Anakin wohl nie nachvollziehen können, genauso wie seine Schuldgefühle und Bedauern um eine gescheiterte Freundschaft, deren Ende ihn bis zum Tag seines Todes belasten würde.

„Wir sind jetzt weiser. Die Vergangenheit wird uns beide einholen, aber jetzt sollten wir uns auf die Gegenwart fokussieren“, schärfte Obi-Wan ihm ein. Er wagte kaum auf ihre Chancen zu spekulieren, denn wenn kein Jedi den Sith-Lord je besiegt hat, wie sollte es denn ausgerechnet ihnen gelingen?

„Ihr solltet Euch besser abschirmen, Eure Gedanken muss selbst unsere Begleitung gehört haben. Aber wenn ich anmerken darf, ich bin kein Jedi, Meister.“

So erhielt Obi-Wan, was er sich gewünscht hatte. Anakin hatte ihm eine seine Bitte nicht verwehrt.

 



Coruscant – oder imperiales Zentrum wie es jetzt genannt wurde – und Alderaan lagen nicht weit auseinander. Die Hälfte der Wegstrecke war zurückgelegt und es trennten sie weniger als fünf Parsec von ihrem Ziel. Irgendwo dort draußen, hinter ihnen versetzt befanden sich die Schiffe des alderaanischen Widerstandes, den Raymus Antilles in Vertretung ihres Anführers Bail Organas anleitete. Amina, die eine hohe Stellung innerhalb der Organisation innehatte, sollte eine sichere Kommunikation zwischen den Truppen herstellen und würde die die beiden Machtanwender persönlich begleiten. Sie sprach nicht viel, nicht ein Anzeichen von Neugier war ihr anzusehen, dafür arbeitete sie unablässig an ihrem Datapad und gab hin und wieder Anweisungen an R2. Obi-Wan war ihr gegenüber im ersten Moment misstrauisch gewesen, doch sie hatte keine Zweifel an ihrem Befähigung aufkommen lassen und selbst Anakin hatte ihm signalisiert, dass er von ihrem Auftreten beeindruckt war.

Als Obi-Wan und Anakin ins Cockpit zurückkehrten, mühte Amina sich gerade damit ab, in die Uniform eines Majors zu schlüpfen. Mit verschränkten Armen stellten sich beide in die Tür. Zwar war Obi-Wan nicht dazu zu bringen, den Anblick lustig zu finden, dafür machte sich in Anakin umso mehr Schadenfreude breit.

Amina bemerkte die beiden, kam jedoch gar nicht zu Wort. „Können wir helfen, Lieutenant Commander?“

Obi-Wan drängte ihn beiseite und half Amina, die Offiziersplakette an der der Kleidung zu befestigen. Unwirsch löste sie sich von ihm, als alles an Ort und Stelle saß und forderte die beiden Männer heraus: „Was gibt es, Jedi?“

„Ihr seht nicht aus wie ein imperialer Offizier“, kommentierte Anakin.

„Ihr habt Euch geweigert, da bleibt der Dreck an mir stecken, Junge. Und glaubt nicht, dass ich gerne in diesem abartigen Grau sterben will.“

Ein Streit zwischen den beiden war gerade Obi-Wans kleinstes Problem und war er froh darum, dass niemand von Anakins Zeit als Vader wusste, ansonsten wären Schwierigkeiten mit ihren Truppen vorprogrammiert gewesen.

„Genug, wir haben Arbeit vor uns.“ Der Jedi prüfte die Sternenkarte auf dem Monitor des Schiffes. Sie mussten sich etwa auf Höhe Chandrilas befinden, was ihnen noch etwas Zeit ließ, bevor Coruscant vor ihnen aufragen würde. Von Chandrila würde sich bald der nächste Widerstand erheben, Bail hatte ihm mitgeteilt, dass seine Freundin, die Senatorin des zugehörigen Sektors Mon Mothma, die Anhänger des chandrilanischen Widerstandes mobilisieren würde. Von dort konnten sie schon bald weitere Hilfe erwarten.

„Nun, soll ich jetzt Lietenant Commander oder Major sagen?“, wollte Anakin provozierend wissen und unternahm nicht einmal den Versuch, sein Vergnügen zu unterdrücken.

„Ich führe Euch gefesselt in den Palast, wenn Ihr nicht endlich Vernunft annehmt, Junior-Jedi.“ Amina setzte sich geschäftig auf den herunterklappbaren Co-Pilotensitz und tätigte Eingaben auf ihrem Datapad. Ihren Unmut über den Kleidungswechsel ließ sie sich nicht anmerken, sondern kontrollierte mit einer Handbewegung wie nebenbei, ob die versteckten Waffen alle vorhanden waren.



Es waren die letzten Stunden, vor ihrer großen Aufgabe, die galaxisweite Auswirkungen haben würde. Der imperiale Palast war eine regelrechte Festung, zumal zeitgleich ganze Flotten mit ihren Kommandanten ins imperiale Zentrum unterwegs waren.

Großzügig hatte Anakin dem älteren Mann den Platz in der Bettnische zugestanden und lag nun selbst am Boden. Obi-Wan dankte es ihm aufrichtig. Indem sie sich zur Ruhe gelegt hatten, wollten sie noch einige Stunden Erholung im Schlaf finden, trotzdem war Obi-Wan sicher, dass Anakin ebenso wach lag wie er.

Nicht einmal Yoda hatte geschafft, Sidious zu entmachten und Obi-Wan glaubte dem Meister seine damaligen Worte im Jedi-Tempel. Stark genug diesen Lord Sidious zu besiegen, du bist nicht.

Was nur. wenn es nicht einmal mit Anakin gelang? Selbst mit der Überraschung auf ihrer Seite. Wäre Yoda nur an ihrer Seite. Doch dort, wo der Jedi war, kam kein Schiff schnell genug hin, um ihn abzuholen und seine Kräfte ließen sich nicht mehr im Kampf verwenden. Außerdem hatte Obi-Wan nur die Wahl zwischen Yoda oder Anakin. Yodas Hilfe hätte er nur unter Ausschluss Anakins bekommen.

Wahre Größe ist es, zu vergeben. Die Stärke liegt in der Gnade, nicht im Urteil.

Qui-Gon hatte wie so oft Recht. Und er hatte mehr Milde gezeigt, als man es mit seiner Vergangenheit erwarten durfte. Obi-Wan hatte getan, was niemand zuvor je gewagt hatte. Die Helle Seite mochte sich nicht für eine Diktatur nach Palpatines Vorbild eignen, aber sie besaß Kräfte, die den Sith-Anhängern verwehrt waren. Die Jedi erhielten, die Sith vernichteten.

„Ich wünschte Padmé wäre hier“, sagte Anakin in die Stille hinein. „Sie hätte so nicht streben dürfen, nicht in dem Wissen, dass ich … einen anderen Weg gewählt habe.“

„Du unterschätzt sie. Sie hat nie daran gezweifelt, dass dir ein Zurück offensteht.“ Obi-Wan dachte an sein letztes Gespräch mit ihr zurück. In der dunkelsten Stunde hatte sie weder ihn noch Anakin aufgegeben, dafür bewunderte er sie heute mehr denn je.

„Das passt zu ihr. Sie wollte sogar Euch ins Vertrauen ziehen, als meine Albträume anfingen.“ Ihm war sein Belustigung anzuhören, ganz so als wäre die Vorstellung völlig abstrus.

Obi-Wan schwieg daraufhin sehr lange. Bereits nach Anakins Heilung auf Dantooine hatte der ihm erklärt, warum er sich eher dem Kanzler anvertraut hatte als ihm. Aber war das eine ausreichende Begründung? Im Krieg, an der Front hatten sie blind aufeinander bauen können. Sie hatten das Verhalten des anderen besser gekannt als ihr eigenes. Wenn man jemandem sein Leben anvertraute, sollte dann nicht auch ein Geheimnis sicher verwahrt werden können? Und was Anakin nicht wusste …

„Wenn du glaubst, deine Beziehung vor mir geheim gehalten zu haben, dann täuscht du dich gewaltig.“ Obi-Wan hörte, wie Anakin sich umdrehte. Die Decke raschelte leise.

„Ihr habt es gewusst?“ Bestürzt setzte Anakin sich auf.

„Ich bin damit nie vor den Rat getreten“, meinte Obi-Wan und wusste, hätte er es getan, sähe die Galaxis heute anders aus.

„Warum habt Ihr nichts dagegen unternommen?“

„Ich hatte Angst.“ Damit drehte Obi-Wan sich auf die andere Seite und schloss die Augen.



In sich gekehrt tappte Obi-Wan ins Cockpit, um Amina abzulösen, die sich ins Schlafabteil zurückzog. Sie befanden sich im Hyperraum, aber das würde nicht mehr lange so bleiben. Als der Bordcomputer noch einen Parsec Entfernung meldete, ploppte plötzlich eine Nachricht im Kommunikator auf. Das war verwunderlich, denn im Hyperraum sollte das eigentlich nicht möglich sein. Neugierig machte Obi-Wan sich an der Com-Einheit zu schaffen. Die Zahlenkolonne, die den Absender darstellte, war ihm fremd. Die drei Nullen zu Beginn verrieten ihm, dass der Absender sich auf Coruscant befand. Noch während er die Stirn runzelte, öffnete er die Mitteilung. Es war ein Hologramm.

Ihm lief ein Schauer über den Rücken, als der in ein Gewand mit weiter Kapuze gehüllter Mann ihn ansprach.
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