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Heimkehrer

von Lerrex
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Bail Organa Luke Skywalker Obi-Wan Kenobi
27.02.2021
14.08.2022
56
225.086
14
Alle Kapitel
28 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
21.06.2022 3.630
 
Mit der endgültigen Fassung dieses Kapitels habe ich ein wenig gehadert, deshalb die Verzögerung. Wie immer wünsche ich viel Vergnügen beim Lesen!

*** *** ***


„Ihr werdet nicht allein sein, Obi-Wan. Ich war die letzten Jahre nicht untätig“, erklärte Bail Organa seinen Gästen. Sie saßen um einen runden Konferenztisch im privaten Arbeitszimmer des Senators, vor ihnen summte leise ein Holoprojektor, der ein detailgetreues Abbild des Regierungsviertels auf Coruscant projizierte.

„Dann habt Ihr Männer, die uns unterstützen können?“ Obi-Wan beugte sich ein wenig vor und konzentrierte sich auf das Senatsgebäude.

„Es gibt niemanden, der wahnsinnig genug wäre, Coruscant zu stürmen“, kommentierte Anakin trocken. Im Verlauf des Abends hatte sich sein Gesicht immer düsterer verfärbt. Alles in allem wirkte er unzufrieden.

Bail jedoch nickte Obi-Wan bestätigend, aber emotionslos zu. Der Jedi forschte weiter. „Wer sind sie?“

„Der alderaanische Widerstand. Männer und Frauen, die ihre Familien, manchmal auch ihr Zuhause, verloren haben oder in Zukunft fürchten, dass eins von beiden sie heimsucht. Sie sind heiß auf einen offenen Kampf und ich habe dafür gesorgt, dass ihnen die Chance gegeben wird, diesen auch zu überleben.“

„Dem Imperium verkauft Ihr euch als überzeugte Pazifisten. Findet Ihr nicht, dass Ihr ein falsches Spiel treibt?“ Anakin streckte die Beine aus und lehnte sich überheblich lässig in den gemütlichen Stuhl.

„Was Palpatine kann, können wir auch, nur mit dem Unterschied, dass wir es für eine gerechte Sache tun“, verteidigte sich Bail. Seine Stimme war dunkel und angereichert mit der dezenten Aura einer Drohung.

Obi-Wan sah sich genötigt, einzugreifen. „Anakin, das reicht. Wenn du schon nichts beizutragen hast, dann lass doch bitte die störenden Bemerkungen.  Wir können die Besprechung auch ohne dich zu Ende führen.“

Er war dem Vorschlag wohl nicht gänzlich abgeneigt, denn beinahe wäre er aufgestanden, aber Obi-Wan hielt ihn zurück.

Oh, nein, Freundchen, so leicht mache ich es dir nicht.

Missmutig verzog der Skywalker den Mund, ließ ihn glücklicherweise geschlossen und imitierte stattdessen den Inbegriff eines in seiner Würde verletzten Wookies.

„Wie viele habt Ihr auf Alderaan? Und wie viele davon können sofort eingesetzt werden? Sind sie alle kampffähig?“, kam Obi-Wan zum eigentlichen Thema zurück. Der Senator warf ihrem ehemaligen Feind einen strengen Blick zu, bevor er Raymus Antilles bedeutete, ihnen alle Informationen zukommen zu lassen.

„Bekommt keinen falschen Eindruck, Meister Kenobi, Alderaan ist eine friedliche Welt. Aber es gibt genug Leute, die für ihre Freiheit kämpfen wollen. Wir verfügen über mehrere hundert Truppen, die meisten besitzen Erfahrung in bewaffneten Konflikten und wären für einen Einsatz auf Coruscant vorbereitet. Etwa fünfhundert könnten in den nächsten Tagen eingewiesen und abflugbereit sein.“

Zufrieden nickte Obi-Wan vorsichtig und erlaubte sich im Innern vorsichtigen Optimismus. „Ich würde sie in Kompanien einteilen. Sie werden uns Rückendeckung geben müssen und gegebenenfalls imperiale Truppen ausschalten, die uns den Weg zu Sidious blockieren.“

„Dem sind sie gewachsen – bei guter und strukturierter Vorbereitung.“

Das entlockte dem Exilanten ein Schmunzeln. „Wer führt den Oberbefehl?“

„Ich.“ Raymus hob die Hand. Damit war klar, warum Bail ihm das Wort übergeben hatte. „In Vertretung für Bail. In der Regel führt jedoch Amina den Widerstand im Feld an. Eine unserer besten übrigens. Ich werde Euch noch mit ihr bekannt machen, sie wird Euch als Verbindungsperson dienen.“

„Das sind zu wenige, Organa. Habt Ihr noch weitere Unterstützer?“, fragte Anakin nun an Bail gewandt. Offenbar hatte er einen kleinen Lichtblick entdeckt, der ihn von seiner Meinung über eine hoffnungslose Mission hinweg tröstete.

„Einige wenige, aber sie sind zu weit in der Galaxis verstreut und es ist nicht an mir, sie zu den Waffen zu rufen.“

Anakin schlug frustriert mit der Hand auf den Tisch, wodurch das Hologramm flackerte. Obi-Wan zog die Augenbrauen zusammen, als er bemerkte, dass Anakin lächelte und mit freudiger Faszination seine schmerzende Hand inspizierte. Leicht schüttelte er mit dem Kopf, was Anakin dazu brachte, reuevoll die Hand zurückzuziehen, anstatt ein weiteres Mal damit auf den Tisch zu schlagen.

„Dann müssen wir also mit fünfhundert Soldaten die am besten gesichertste Stadt der Galaxis durchqueren, bevor wir auch nur in die Nähe unseres eigentlichen Ziels kommen.“

„Habe Vertrauen. An den Wachen kommen wir vorbei. Entscheidend ist Sidious, er darf nicht von uns wissen, bevor wir ihn nicht gestellt haben“, machte Obi-Wan deutlich.

„Ihr müsst danach nur noch durchhalten, bis Hilfe eintrifft. Es haben sich viele Gruppen gebildet, die bereit sind, sich an diesem Kampf zu beteiligen. Wollen wir schnell handeln und das wollen wir, dann müssen diese wenigen reichen.“ Bail sah diesen Punkt damit als beendet an und änderte die Ansicht es Holograms, es zeigte nun den imperialen Palast, den es galt, unter ihre Gewalt zu bringen.

Dass ausgerechnet Anakin darauf zu sprechen kam, förderte die Spannung zwischen ihm und Bail unnötig. „Verzeiht, Senator, aber erlaubt mir eine Frage. Was genau gedenkt Ihr zu tun, wenn es Obi-Wan und mir gelingt, den Imperator auszuschalten? Solltet Ihr die Alleinherrschaft …“

„Ich verbiete mir das, Vader!“, donnerte Bail. „Wir mögen keine Freunde sein, aber ich werde keine Zweifel an meiner Loyalität zur Republik dulden. Vielleicht hättest du dir meine Gesinnung von Obi-Wan bestätigen lassen sollen, bevor du ungeheuerliche Vorwürfe erhebst.“

Obi-Wan war nur froh, dass die Wachen vor der Tür warteten, ansonsten wäre es womöglich noch zu einem Handgemenge gekommen. Gerade wollte er sich um Vermittlung bemühen, da gab Anakin plötzlich nach. „Bitte beruhigt Euch, ich wollte mir nicht anmaßen, Euch zu beleidigen, auch wenn ich meine Bedenken für gerechtfertigt halte. Nehmt mir das nicht persönlich.“

Noch gar nicht besänftigt klappte Bail den Mund auf, bereit das Wortgefecht auf die Spitze zu treiben. Sofort lobte Obi-Wan Anakin so unscheinbar auffällig, dass es schien, als hätte es niemand mitbekommen sollen, obwohl ganz offensichtlich das Gegenteil der Fall war. Bail fiel auf den Trick herein, seine Augenbrauen wölbten sich und er dachte nach. Dann schien er zu erkennen, warum der Jedi Anakin gelobt hatte und lächelte ein Senatorenlächeln.

Ganz recht, Bail. Die Male, während der Anakin nur erwogen hat, Beschwichtigung zu leisten, kann ich an einer Hand abzählen.

„Ich möchte keinen Zwiespalt zwischen uns. Ich werde Euch sagen, was mir für die Zeit nach dem Imperium vorschwebt.“ Bevor Bail weitermachte, wurde sein Gesicht ernst. „Ich werde gemeinsam mit Vertrauten und republiktreuen Senatoren solange eine Übergangsregierung führen, bis es eine neue Republik und eine entsprechende Verfassung gibt.“

Anakin versteifte sich neben Obi-Wan, der jedoch gab seine Zustimmung. „Eine andere Lösung, die uns nicht zurück in die Unterdrückung führt, gibt es nicht. Es kann nur ein neues System geben, wenn das alte gefallen ist, so lehrt es uns die Geschichte. Sehe ich das richtig, dass der imperiale Senat nicht in der Lage wäre, für Ordnung zu sorgen?“

„So ist es leider. Wir sind nichts weiter als eine machtlose Zusammenkunft von Senatoren. Die wahre Macht liegt im imperialen Palast. Der Imperator sieht uns Senatoren als seine einfachen Berater, damit bezweckt er die Gefolgschaft der Leichtgläubigen. Ich bin sicher, ist seine Macht erst unantastbar, wird der Senat endgültig aufgelöst.“ Unzufrieden trommelte Bail mit den Fingerspitzen auf den Tisch. Seine gerunzelte Stirn erlaubte Obi-Wan einen Einblick in sein Inneres zu erhaschen. Noch immer suchte er die ideale Lösung.

„Ähnliches habe ich mir schon gedacht. Das stellt uns nämlich vor mehrere Herausforderungen. Wir müssen mit weiteren Putschversuchen rechnen, liegt die Regierungsgewalt erst wieder in der Hand demokratisch Gesinnter“, erklärte Obi-Wan. „Mit dem Sturz des Imperators ist es nicht getan.“

„Deshalb werde ich noch heute andere Widerstandsbewegungen informieren und um Hilfe bitten.“

„Du meinst, sie werden kommen?“ Raymus blinzelte zweifelnd und streckte sich, um den verspannten Rücken zu entlasten.

„Sie werden für unsere Republik kämpfen, davon bin ich überzeugt. Mon und Garm stehen zu Alderaan, so ist es verabredet.“ Bail lächelte ihm aufmunternd zu, wonach der Bruder seiner Gemahlin ein Stück selbstsicherer wurde.

Obwohl Anakins Unmut über die Pläne seiner Verbündeten ihm im Gesicht abzulesen war, beließ er es bei dem Besprochenen und suchte sich eine neue Schwachstelle, wie – wenn Obi-Wan sich richtig daran erinnerte – er es auch gemacht hatte, als sie noch gemeinsam auf Missionen gewesen waren.

„Und wie gedenkt Ihr uns nach Coruscant zu bringen? Über den normalen Luftweg liegen wir in Ketten, bevor wir die Oberfläche überhaupt erreicht haben.“ An dem Blitzen in den Augen des Mannes erkannte Obi-Wan, dass er einen Einfall hatte, der ihm gar nicht behagte.

Glücklicherweise kam Bail dem zuvor. „Newport. Zu unserem Glück besitze ich den Raumhafen. Ich kann euch unbemerkt direkt in das Herz des Imperiums bringen. Von dort ist es nur noch ein Ewok-Sprung bis zum imperialen Palast.“

Sofort meldeten sich in Obi-Wan Befürchtungen. Der Preis für diesen Vorteil konnte untragbar hoch werden. „Bail, das könnt Ihr nicht tun. Wenn man uns entdeckt, dann fliegt Ihr auf und es gäbe nicht die kleinste Chance, dass Euer Widerstand und Alderaan überleben.“

„Newport ist perfekt“, widersprach Anakin euphorisch. „Es gibt keinen besseren Ort für einen Angriff auf den Imperator.“

„Wir können das nicht von Euch verlangen.“ Bail nach all seinen Entbehrungen so in Gefahr zu bringen, war nicht fair.

„Es geht um unsere Republik. Dafür bin ich bereit, Opfer zu bringen.“ Der Alderaaner erwiderte Obi-Wans Blick unerschrocken – und eisig. Jede Menge Missgunst sprach aus ihm und der Jedi wusste, woher sie rührte.

Er räusperte sich, versuchte so, seine Beklemmung zu überspielen. „Habt Ihr Pläne der Räume?“

„Ich bin seit Jahren im Staatsdienst, natürlich verfüge ich über welche. Wir müssen allerdings darauf vertrauen, dass sie immer noch aktuell sind. Soweit ich weiß, hat Palpatine einige Umbauten vorgenommen.“ Organa tippte auf der Schaltfläche des Holoprojektors, bis vor ihnen das dreidimensionale Bild eines Gebäudes erschien. Es war gigantisch. Vielleicht so groß wie der Jedi-Tempel. Früher war es wesentlich kleiner gewesen.

„Wie kommen wir da rein?“ Es bedurfte keiner Aufforderung, Anakin wusste, an wen sich die Frage richtete.

Er bemächtigte sich der Steuerung und zoomte auf einen Abschnitt weit oben im Gebäudes, der von den anderen Bereichen getrennt schien. „Die ehemalige Präsidentenresidenz.“

Mit dem Finger zeigte Anakin die entsprechenden Räume an. „Der Imperator hat sie massiv umbauen lassen, diese Pläne hier sind bestenfalls antik. Hier, seht, dort sind drei Meter dicke Durastahlwände, die Fenster wurden modifiziert und halten selbst einem Laser stand. Hier, hier und hier stehen Palastwachen. Dort vor dem Eingang zu seinen Privaträumen sind mindestens zwei Gardisten der imperialen Ehrengarde platziert. Entweder dort oder in seinem Thronsaal werden wir ihn antreffen, aber hofft lieber nicht auf letzteres, der Thronsaal ist kein Ort, der zum Verweilen einlädt.“

Zielsicher fand Anakin die genannten Orte und erklärte weiter: „Um die Wachen der Ehrengarde werden Obi-Wan und ich uns kümmern, aber Eure Männer, Senator, werden ein Ablenkungsmanöver leiten müssen. Die reine Anzahl an niederen Wachpersonal würde uns festsetzen. Newport liegt dicht genug, damit wir uns über die Tunnel direkten Zugang verschaffen können. Ursprünglich dienen sie für eine spontane Flucht und als Schleichweg für Agenten, aber für unsere Zwecke lassen sich diese Gänge ebenso nutzen.“

Ein Bild von den unteren Stockwerken erschien, Tunnel waren nur vereinzelt sichtbar und keiner in der Nähe des Raumhafens.

„Früher gab es noch kein so komplexes Tunnelsystem wie heute, mein Meister hat sich damit sein eigenes Grab erbaut. Die Männer werden die Fluchtwege blockieren und im Inneren für Chaos sorgen.“ Kaum hatte er geendet, wechselte das Bild wieder in die Außenansicht.

Er verschwendete keinen weiteren Gedanken an das Gesagte, anders dagegen Obi-Wan.

„Kennst du dich da unten gut genug aus, um uns anzuleiten?“, fragte der Jedi und es gelang ihm, den aufflammenden Schmerz zu verstecken.

„Ich könnte Euch sogar blind dadurch führen.“ Herausfordernd hob Anakin den Kopf und räumte damit letzte Bedenken aus.

„Dann ist es entschieden“, erklärte Bail unglücklich. Bedauern lag in seinen Augen, als er mit ihnen den imperialen Palast streifte. Er deutete auf die beiden Machtanwender. „Ihr kümmert euch um Palpatine, der Widerstand unterstützt euch und ich werde außerhalb des imperialen Zentrums auf Nachricht warten.“

Er erhielt zustimmendes Gemurmel von der Zusammenkunft, nur Raymus hatte noch eine letzte Anmerkung. „Wir sollten Männer zurückhalten, die Euren Rückzug decken können, Meister Kenobi.“

Das einstige Team antwortete wie aus einem Munde: „Nein.“

Der Alderaaner schluckte und war sichtlich irritiert. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen und seine Körperhaltung drückte nun Abwehr aus.

„Entweder wir siegen oder wir gehen unter,“ machte Obi-Wan es einfach.



Sie beschlossen, eine kurze Pause einzulegen, die Obi-Wan nutzte, um ein Glas Wasser zu trinken. Seltsamerweise folgte Anakin ihm auf den Fuß und nahm ihn daraufhin sogar zur Seite, damit sie ungestört sprechen konnten.

„Das vorhin, ich habe nur nachgedacht“, erklärte sich Anakin.

Einen Moment lang war Obi-Wan nicht klar, worauf er hinaus wollte, erinnerte sich dann aber an den Anblick, den er in seinem Quartier vorgefunden hatte, als er Anakin zu diesem Treffen bat.

„Von mir hast du nichts zu befürchten“, meinte Obi-Wan verwirrt.

„Ich will nicht darüber sprechen.“ Für Anakins Verhältnisse unruhig, musterte er aufmerksam die wenigen Menschen, die an ihnen vorbei gingen.

Nun hatte Obi-Wan erst recht den Verdacht, dass etwas nicht stimmte und bemühte sich, vertraulich an Anakin heranzutreten. „Das Angebot steht noch. Du kannst mir sagen, was dich bedrückt.“

Schnaubend wendete Anakin ihm den Rücken zu. „Es ist alles in bester Ordnung.“

Von der lockeren Art, mit der sein Verbündeter sich versuchte herauszureden, ließ Obi-Wan sich nicht beeindrucken. „Wenn es Sidious oder deine Loyalität betrifft, geht es mich etwas an, das weißt du.“

„Fangt nicht schon wieder so an!“ Anakin wirbelte herum und hätte wohl zu gern dem ersten Impuls nachgegeben. Nur hatte er sich verändert und was früher einmal ein beleidigendes Wortgefecht gewesen war, wäre nun bitterer Ernst und hätte den Jedi nicht unversehrt zurückgelassen. Anakins Selbstkontrolle war jedoch im Anbetracht seiner jüngsten Vergangenheit beachtlich und zumindest in Teilen seiner neuartigen Verbindung zur Hellen Seite geschuldet, weshalb er es nun dabei beließ und Obi-Wan fast freundschaftlich auf die Schulter klopfte.

„Ich habe über mein Leben nachgedacht. Das fällt nicht in Euren Interessenbereich, oder?“, fragte er provozierend und setzte sich wieder auf seinen Platz im Arbeitszimmer. Während Obi-Wan noch einige Augenblicke unschlüssig draußen stehen blieb, kam er nicht umhin, über Anakins Worte nachzudenken. Sie hatten ihren Zweck nicht verfehlt und der Stich in Obi-Wans Herzen bereitete ihm dieselben Qualen, die er zu seinem Leidwesen schon lange kannte.



Schließlich wandte er auch sich wieder den galaktischen Problemen zu. Gemeinsam mit einer dunkelhaarigen Alderaanerin, die ihre langen Haare zu einem Dutt zusammengebunden hatte, betrat er den Raum. Sie blieb nicht lange. Im Flüsterton erteilte sie Bail Meldung und hinterließ ihm ein Datapad, dann ging, sie ohne einen der anderen gegrüßt zu haben. Ernst legte er die Mitteilung weg, nachdem er sie stumm gelesen hatte.

„Coruscant ist in Aufruhr“, teilte Bail mit und straffte die Schultern. Ein Zeichen dafür, dass er angespannt war. „Es wird ein Treffen der höchsten Offiziere stattfinden. Der Grund ist streng vertraulich.“

„Aber Ihr kennt ihn“, behauptete Obi-Wan. Er selbst konnte sich denken, was die imperiale Elite dermaßen beunruhigte. Nachdem er die Holonachricht an Bord der Aluin empfangen hatte, wartete er eigentlich nur noch auf derartige Neuigkeiten.

Der hochaufgeschossene Mann nickte. „Es gehen Gerüchte um, dass Vader verschollen ist. Palpatine beruft all seine Offiziere nach Coruscant, er fürchtet wohl eine Verschwörung.“

Damit war zu rechnen gewesen. Indem Anakin bekehrt worden war und seine neue Gestalt angenommen hatte, war der Heerführer der Truppen vom Erdboden verschluckt worden. Es galt herauszufinden, inwieweit Sidious über den Verbleib seines Schülers Bescheid wusste.

„Wisst Ihr, ob er etwas von Anakin ahnt? Wenn er davon weiß, dann ist unser Vorhaben zum Tode verurteilt.“

„Ich denke nicht“, verneinte Bail langsam. „Mein Informant berichtet nur von einem Befehl, die Truppen auf Coruscant zu sammeln.“

„Auf Coruscant?“, rief Anakin aus. Ihn hielt es nicht länger auf dem Stuhl, mit einer ruckartigen Bewegung stand er auf und trat an den Holoprojektor heran. Belustigt bemerkte Obi-Wan, dass er sich nachdenklich übers Kinn strich, sich dessen bewusst wurde und den Arm schleunigst am Tisch abstützte. „Wenn die Einheiten ins imperiale Zentrum verlegt werden, ist der Imperator so gut geschützt wie seit Gründung des Imperiums nicht mehr. Was wir auch tun, wir müssen handeln, bevor diese Kräfte nach Coruscant gelangen.“

„Er hat Recht“, stimmte Raymus mit Widerwillen zu. „Wir müssen die aktuelle Unterbesetzung nutzen. Verpassen wir dieses Schlupfloch, dann ist es aus.“

„Je mehr Zeit vergeht, desto wahrscheinlicher ist es, dass Palpatine herausfindet, welches Spiel mit ihm gespielt wird. Uns bleibt womöglich keine Vorbereitung mehr.“ Im Gegensatz zu Anakin hatte Bail sich gar nicht dazu herabgelassen, sich nach Eintreffen seiner Agentin zu setzen und tigerte nun im Raum auf und ab.

„Sidious darf nicht erfahren, dass Anakin zur Hellen Seite zurückgekehrt ist, nicht bevor wir uns ihm stellen.“ Düster wog Obi-Wan den Kopf.

„Das ist es bereits jetzt. Wenn er auch nur eine Verschwörung wittert, kann uns das das Genick brechen. Vergesst nicht, er ist ein Meister dieser Kunst.“ Anakin verharrte steif in seiner Position. Er war sich sehr wohl bewusst, wie unangenehm die Situation für alle Anwesenden war, immerhin hatte er diesem Mann bis vor kurzem selbst gedient.

„Hoffen wir, dass er die Verschwörung spürt, nicht den Verrat“, meinte Obi-Wan nachdenklich. Mit etwas Hilfe der Macht würde der Sith sich auf seine Arroganz verlassen, auf den Glauben, dass ein einmal ernannter Sith nie den Weg der Rückbesinnung einschlagen konnte.

Da beendete Bail seinen Gang durch den Raum und wandte sich ihnen eindringlich zu. „Allen Beteiligten muss klar sein, dass das, was wir vorhaben, Hochverrat ist.“

„Ich lebe seit Jahren in diesem Wissen“, schmetterte Obi-Wan ihn gnadenlos ab. Auch Anakin nickte – für ihn hatten Regeln und Gesetze sowieso nie einen hohen Stellenwert eingenommen.

Die Besprechung war beendet. Obi-Wan machte Anstalten sich von dem alderaanischen Senator zu verabschieden, doch der bedachte ihn mit einem abweisenden Blick, sodass er das Arbeitszimmer lieber wortlos verließ. Er musste schlafen und danach … danach würde er nach Coruscant fliegen.

Im Begriff in den Flur abzubiegen, hielt er plötzlich inne, als er Anakin sprechen hörte. Er verzichtete darauf, in das Zimmer zurückzukehren, sondern lauschte nur dem Gesprochenen, von dem er schnell erkannte, dass es nicht für seine Ohren gedacht gewesen war.

„Habt Ihr noch einen Moment für mich, Senator Organa?“

Akten wurden verschoben und das Erlöschen das Holoprojektors war zu hören, als das Summen abbrach.

„Was gibt es den noch? Bekommt Ihr kalte Füße?“ Das war nicht die Senatoren-Stimme. Bail war angespannt, misstrauisch und deutlich ablehnend eingestellt.

Eine kurze Stille folgte, dann: „Es geht um etwas anderes. Ich möchte Euch bitten …“

„Kommt nicht in Frage.“ Die Benotung der Worte implizierte Unnachgiebigkeit und Obi-Wan wusste um die Schwierigkeit, durch diese Wand zu brechen.

„Hört mich an“, flehte Anakin. Stühle wurden aufgeregt verschoben.

„Geht. Seid dankbar für Euer Leben. Wenn dieser Sith gestellt ist, müsst auch Ihr Euch verantworten und glaubt nicht, dass ich so freundlich bin wie Obi-Wan. Ohnehin erinnere ich mich nicht daran, Euch erlaubt zu haben ohne seine Begleitung in meinem Palast zu spazieren.“

„Ich möchte nur einmal meine Tochter sehen, bitte! Ich kann nicht aufbrechen, bevor ich sie kennengelernt habe. Wenn ich sterbe, werde ich nie die Chance haben …“

„Genug. Geht jetzt.“

Das war für Obi-Wan das Zeichen, endlich zu Luke und Gawein zurückzukehren. Er wollte nicht entdeckt werden und beschleunigte sein Schritte. Als er jedoch Anakin hörte, so resigniert und verloren, versagten seine Beine und er blieb stehen.

„Ich werde sie Euch nicht wegnehmen. Sie gehört zu Euch, das habe ich nun erkannt. Ihr … Ihr seid Leias Vater.“

„Haltet mich nicht für dumm.“

„Ich habe mit Obi-Wan gesprochen und nachgedacht. Luke … er hat mir von ihr erzählt und sie ist glücklich. Ich wollte immer glückliche Kinder und ich bin Euch dankbar für Euren Dienst. Ich werde meine Schuld nicht begleichen können, doch Ihr und Obi-Wan ebenso wenig. Also lasst uns ohne Streit auseinander gehen. Ich bitte Euch nur um dieses eine. Ich bin bereit Leia freizugeben.“

Vielmehr ertrug Obi-Wan nicht. Einen Fuß von den anderen setzend strebte er seine Räume an, aber das lähmende Gefühl wurde er den ganzen Abend über nicht los. Anakin sah er an diesem Tag nicht mehr und das war wohl auch besser so, ansonsten wäre Obi-Wan seinen Gefühlen endgültig erlegen gewesen, was für ihn einen ganz persönlichen Rückschlag bedeutet hätte. Er hatte gelernt diese Empfindungen zu zulassen, aber er war und blieb ein Jedi des alten Ordens.

Nachdem Luke eingeschlafen war, setzte Obi-Wan sich nach draußen auf den Balkon in die kühle Nachtluft und meditierte lange Stunden. Qui-Gon half ihm seine Aufgewühltheit abzulegen und den Frieden zu finden, den er schon so lange suchte. Und endlich, endlich spürte er ein Gefühl in Bezug auf Anakin, das ihn bisher noch nicht ereilt hatte.

Er war der Jedi gewesen, der einem Sith die Heilung angeboten hatte.

Er war es, der einen Sith zu einem geheiligten Ort der Jedi geführt hatte.

Er hatte in der Macht für einen Sith Rettung ersucht.

Er hatte damit den Hohen Rat der Jedi hintergangen.

Sein wahnwitziger Versuch war nicht vergebens gewesen. Nicht umsonst hatte er einen zweifelhaften Weg eingeschlagen, ohne sich im Moment der Tat bewusst zu sein, für wen er sich ins Zwielicht vorwagte. Warum er Verlorenes nicht aufgab und seine Pflicht tat. Für diese Taten konnte ihn niemand schuldig sprechen, nur er selbst. Aber was er getan hatte, war richtig gewesen.

Er – hatte – einen – Sith – bekehrt.

Die Worte der Weisen stimmte. Die Liebe war stark und sie würde die, die sie kannten immer stärken und aufrecht halten. Und selbst wenn sie verloren gegangen war, sie konnte wieder gefunden werden. Und mit ihr eine Freundschaft, die das Schicksal der Galaxis in sich trug. Nicht von heute auf morgen und auch nicht von einer Woche auf die nächste, aber die Zeit konnte es schaffen.

Und als die Sonne langsam aufging und ihre Fühler allmählich über den Horizont Alderaans erstreckte, war Obi-Wan so weit.

Er vergab Anakin Skywalker seine Verbrechen.
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