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Heimkehrer

von Lerrex
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Bail Organa Luke Skywalker Obi-Wan Kenobi
27.02.2021
14.08.2022
56
225.086
14
Alle Kapitel
28 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
27.02.2021 3.708
 
Hallo, liebe Leser!

Bevor ich euch auf die eigentliche Geschichte loslasse, gibt es noch ein wenig vorweg.
Ich bewege mich hier eindeutig im Alternative Universe-Bereich und behalte mir daher die Freiheit vor, euch auch mit Informationen fern des Kanons zu füttern – und selbstverständlich mit einem Haufen eigener Ideen.

Teilt mir gravierende oder störende Rechtschreibfehler bitte mit. Es liest sich einfach schöner, wenn alles stimmig ist. Immer her mit der Verbesserung, dann ist es später schick für Neulinge. Bleibt aber fair und viel Spaß.

Ihr seid hiermit auch herzlichst aufgefordert ein Review dazulassen.

Besonders in Kapitel eins und zwei werden euch Filmzitate begegnen, die in der Regel kursiv markiert sind. Eine Formatierung, die ich auch für Hervorhebungen innerhalb des Textes benutze.  

Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an Star Wars und den darin vorkommenden Figuren und Schauplätzen. Die Rechte liegen bei Lucasfilm Ltd.    


*** *** ***


In der Galaxis breitete sich die Dunkelheit aus. Einige wenige Wesen, die mit besonderen Fähigkeiten, fühlten es, aber die restlichen Bewohner des Universums wurden durch News-Berichte im HoloNetz über den Wandel der Welt in Kenntnis gesetzt. Der mehrjährige Krieg war beendet worden und beinahe alle Verräter restlos eliminiert. Von nun an gehe es mit neuen Strukturen bergauf, hatten Vertreter der Regierung berichtet.

Doch die Macht tobte schlimmer als ein Unwetter auf hoher See und schwemmte alles in Reichweite unkontrolliert hin und her. Einer Sturmflut gleich schabte sie immer wieder und wieder an den Geistern jener, welche in der Lage waren sie zu fühlen. Selten war die Welt so dunkel und kalt gewesen. So leer. Wo zuvor noch Stimmen und Gefühle durch die Unendlichkeit gereist waren, war nur noch ein schmerzvolles Tosen, laut und rauschend. Wie Wellen, die an der Brandung brachen, stürmten diese Töne immer wieder chaotisch und unkontrolliert umher. In der ganzen Galaxis war das Unheil spürbar.

Für einen Machtsensitiven mutete es surreal an in diesem Aufruhr unbehelligt und sanft auf einem Asteroiden landen zu können und würde ihn an seinem geistigen Zustand zweifeln lassen, hätte er die Gelegenheit, dieses Phänomen genauer zu betrachten.

Die Triebwerke des verchromten Naboo Starskiff fuhren herunter, nachdem die Bedienung routiniert von einem Protokolldroiden übernommen worden war, der nun die Rampe mit watschelnden Schritten hinunter hastete und Obi-Wan, der mit der bewusstlosen Senatorin Padmé Amidala auf den Armen vorweg ging, gemeinsam mit R2D2 folgte.

Der Nubian Typ-J war in einer kleinen Landebucht auf dem Asteroidenfeld Polis Massa zum Stehen gekommen. Weit abgelegen ließ auf den ersten Blick nichts vermuten, dass die im Outer Rim beheimatete Einrichtung über neuste Technologien verfügte. Kaum einer der Mitarbeiter nahm Notiz von den neuen Besuchern und ihrem Schiff.

Bail Organa, der Senator Alderaans, mit dem Obi-Wan während des Anflugs bereits kurz gesprochen hatte, kam ihnen entgegen. Sein Blick richtete sich sofort auf Padmé, doch er sprach seine Gedanken nicht laut aus.

„Zur Medi-Station. Schnell“, befahl er und wies dem Jedi den Weg, während sich um sie herum Droiden sammelten und sie begleiteten. Keiner von ihnen war in der Lage, den Jedi zu überzeugen, die Senatorin in ihre Hände zu geben. Stattdessen trug er sie den gesamten Weg selbst.  Gemeinsam eilten sie durch die Gänge, bis sie ein Operationszimmer erreichten, in dem Obi-Wan Padmé ablegte.

Er und der Senator wurden angewiesen im Flur davor zu warten. Sie konnten der Behandlung dennoch folgen, da der Raum durch transparente Glaselemente abgetrennt war. Unterdessen schwirrten mehrere Medi-Droiden um Padmé herum, damit beschäftigt Blutwerte und Grafiken auszuwerten. Alles was die kleinen Droiden berichten konnten, war, dass sie nicht wussten, was der Senatorin fehlte.  

Obi-Wan hoffte, dass er schnell genug reagiert hatte. Schnell genug losgeflogen war … schnell genug Mustafar verlassen hatte. Er wusste aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlte, wenn ein Sith die Macht benutzte, um einen Würgegriff anzuwenden. Dort auf der Landeplattform eines grausamen Planeten war die ungestüme, pure dunkle Seite des Hasses an die Oberfläche katapultiert worden und hatte ausgerechnet an der Schwangeren Anwendung gefunden.

Unruhig verschränkte Obi-Wan die Arme vor dem Körper. Er wollte nichts davon an sich heranlassen. Er hatte keine Zeit, sich damit auseinander zu setzen.  

Die Erkenntnis, dass Meister Yoda lebendig zu ihnen gestoßen war, realisierte er kaum. Der kleine Meister zeigte sich besorgt und gesellte sich schweigend zu den beiden Männern.

„Gesiegt du hast, Obi-Wan?“, fragte er nach einer Zeit der Stille. Seine Stimme war mit tiefer Trauer angefüllt.

Obi-Wan wendete den Blick von der Behandlung ab, sah hinüber zum letzten lebenden Ordensmitglied und war kaum in der Lage sich verständlich auszudrücken. „Das war kein Sieg. Es ist jetzt völlig bedeutungslos geworden … In diesem Kampf konnte ich nur verlieren.“

Es war das erste Mal seit seiner Ankunft auf Polis Massa, dass er sprach. Es gefiel ihm nicht. Er wollte schweigen, vielleicht meditieren, wenn die Macht sich nur nicht so grausam anfühlen würde. Doch stattdessen sollte er in Worte fassen, was er nicht mal ansatzweise verarbeitet hatte. Was er nicht verstand.  

„Hm, recht du hast. Was getan du hast? Tot er ist?“

„Ich … die Macht wird über ihn richten. Ich … ich war nicht in der Lage … ich ließ ihn … sterben.“, versuchte Obi-Wan zu beschreiben, was passiert war, als sein über alles geliebter Padawan im Kampf gegen ihn unterlegen hatte und schwerverletzt am Abhang niedergegangen war.

Die Macht heulte in seinem Kopf auf bei den Erinnerungen. Es fühlte sich an, als hätte man ihn durchgerüttelt, geschlagen und getreten. Die Schmerzen gingen weit über einfache Kopfschmerzen hinaus. Yodas folgende Worte gingen unter in einer Kakophonie aus Schreien von Stimmen, die es nur noch in der in seiner Einbildung gab. Benommen schüttelte er den Kopf, verbannte alles, was mit den letzten Tagen zu tun hatte aus seinem Bewusstsein und betrachtete wieder die Senatorin. Sie trug nun ein einfaches Hemd wie auf Krankenstationen meist üblich. Sein Klammern an die Gegenwart, an das Jetzt, half ihm, sich wieder zu fokussieren. Er nahm seine Umgebung wieder bewusst wahr.

„… nur noch die Flucht mir blieb“, endete Yoda.

Obi-Wan nickte, den Sinn der Wörter wieder in den Kontext einordnend. Darth Sidious war der alleinige Herrscher über die Galaxis. Die Jedi und die Republik hatten versagt. Sie waren allein.

„Wenn nicht mal Ihr ihn besiegen konntet, dann … stehen uns dunkle Zeiten bevor“, sagte er.

„Nicht die Hoffnung verlieren du darfst, Obi-Wan“, meinte Yoda und war wahrscheinlich erstmals mit der Situation konfrontiert, dass er seinen eigenen Worten nicht so recht Glauben schenken konnte.

Doch auch damit wollte und konnte Obi-Wan sich jetzt unmöglich auseinandersetzen, denn dann wäre ihm klar geworden, wie sehr die Ereignisse seinen Glauben erschüttert hatten. Es war einiges aus den Fugen geraten, dass ihn, den Jedi, nicht kalt ließ. Ihn am allerwenigsten. Was ihn jetzt beschäftigte, war Padmé. Sie zählte und dass sie wieder gesund wurde. Auf Polis Massa erhielt sie die beste Versorgung. Die Forschung war hier weit entwickelt und das medizinische Equipment hochmodern. Sie konnten nur abwarten und auf das Beste hoffen.



Schließlich wandte sich einer der behandelnden Droiden von seiner Patientin ab und schwebte auf sie zu, doch entgegen aller Erwartung hatte er schlechte Nachrichten. „Medizinisch betrachtet ist sie vollkommen gesund. Aus Gründen, die wir nicht erklären können, verlieren wir sie.“

Senator Organa sah mindestens genauso entsetzt aus wie Obi-Wan, als ihnen die Bedeutung der Worte bewusst wurde. Also musste er seiner Fassungslosigkeit irgendwie Ausdruck verleihen. „Sie liegt im Sterben.“ Eine Feststellung, die erschütternder nicht hätte sein können.

Wir wissen nicht, warum. Sie hat ihren Lebenswillen verloren. Wir müssen schnell operieren, wenn wir die Babys retten wollen“, erklärte der Droide weiter, ohne dass sich seine Stimmlage geändert hätte, jedoch seine Worte mit fast menschlicher Gestik seiner kleinen Ärmchen unterstützte.

Babys?“, fragte der Senator nach, dem seine Stimme entglitt.

Sie bekommt Zwillinge.“

Selbst Yoda schloss in stiller Anteilnahme die Augen. Auch mit der Erfahrung von Jahrhunderten und seiner Weisheit vermochte ihn diese Eröffnung noch überraschen. Obi-Wan spürte den Blick des alten Meisters auf sich, während er selbst noch nach Fassung rang. Den Kopf gesenkt trat er an die Scheibe zum Behandlungsraum und fuhr sich mit der Hand durch den Bart. Padmé war nicht nur mit einem Kind schwanger, sondern gleich mit zweien. Seine Augen brannten fürchterlich, doch musste er jetzt stark sein. Padmé brauchte ihn jetzt mehr denn je zuvor. Und zwar als Freund. Er konnte sich nicht erlauben, Trauer zu versinken.

Er spürte, dass Bail und Yoda ihn erwartungsvoll betrachteten. Er war Anakins Freund und Meister gewesen und außerdem war Padmé eine Freundin. Es war an ihm, Anakins Platz einzunehmen.

„Ich werde ihr zur Seite stehen.“ Obi-Wan trat an den Medi-Droiden heran und wollte eintreten. „Darf ich?“

„Bitte folgt mir. Ihr müsst Eure Hände reinigen“, meldete der Droide steif.

In dem Zimmer gab es ein Waschbecken, das er nun nutzte, um dunklen Staub von seinen Händen zu spülen, der auf Mustafar vorgeherrscht hatte und noch immer an seiner Tunika haftete, als würde er ihn auf immer verfolgen wollen. Und vielleicht tat er das auch. Obi-Wan trug auf Anweisung des Droiden Desinfektionsmittel auf, dann ließen sie ihn vor. Padmé atmete mittlerweile unruhig.

Obi-Wan trat zu ihr, eine Hand über ihren Kopf abgestützt. „Senatorin Amidala. Hört Ihr mich?“ Als er keine Antwort erhielt, drohte er an seinen Emotionen zu versagen, doch dann flatterten ihre Augenlider. Er versuchte es wieder, diesmal sehr sanft und die Formalität über Bord werfend. „Padmé? Wacht auf, Padmé. Eure Kinder brauchen Euch. Padmé!“

„Obi-Wan?“

„Ich bin bei Euch, Ihr braucht Euch keine Gedanken machen“, versicherte er sofort, ohne sich von den kraftlosen Augen beirren zu lassen.

Padmé war sich im Klaren darüber, dass der Tod nahte, das sah er ihr an. Ihr Körper lag kraftlos auf der Liege und war kaum fähig, sich aufzurichten. Sie öffnete den Mund, brachte jedoch nichts heraus.

„Schhh, es ist gut. Ruht Euch aus“, blockte er weitere Versuche ab, doch gegen die Sturheit einer Padmé Amidala war er machtlos.

„Wie … wie geht es Euch … Seid Ihr unversehrt?“, fragte sie nach einer Sekunde der Desorientierung. Im ersten Moment war er sprachlos und konnte nicht antworten.

„Obi-Wan?“ Sie drehte den Kopf zur Seite und scannte ihn nach Verletzungen ab. Etwas in ihm brach.

„Ich bin unverletzt.“ Er versuchte ihr zu zulächeln, scheiterte jedoch kläglich. Seine Worte waren zu kalt um das, was sich in seinem Gesicht zeigte, ein Lächeln zu nennen. Der Kloß in seinem Hals machte es ihm unmöglich weiterzureden.

„Das … das ist gut“, antwortete sie etwas kräftiger und wirkte erleichtert.

Obi-Wan dagegen stiegen Tränen in die Augen, jetzt war er nicht mehr in der Lage diese zurückzuhalten. Er konnte jetzt nicht stark sein. Er konnte einfach nicht. Er hatte den Vater dieser beiden ungeborenen Seelen verstümmelt und ermordet. Seinen Schüler. Welcher Meister tat so etwas? Und jetzt, jetzt fragte ausgerechnet Padmé danach, wie es ihm ging?

Es war zu viel, seine Beine gaben nach, während sich seine Hände um die Liege klammerten und seinen Oberkörper aufrecht hielten. Schluchzend versenkte er sein Gesicht in den langen Ärmeln, damit die Töne, die er ausstieß, gedämpft wurden. Seine Knie zuckten unter Schluchzen und scheuerten über den kalten, leblosen Boden.

Wie lange er dort schon zusammengekauert saß, wusste er nicht. Irgendwann spürte er eine Hand, die ihm sanft über den Rücken strich, ganz vorsichtig, beinahe schüchtern und ihn tatsächlich beruhigte, obwohl er aus Instinkt davor zurückschrecken wollte. Ein Jedi ließ solche Vertrautheit nicht zu. Aber es fühlte sich gut an.

„Habe ich etwas Falsches gesagt?“, hörte er Padmé, was ihn dazu brachte aufzusehen. Das Licht blendete, trotzdem erkannte er, dass die Droiden immer noch die Geburt vorbereiteten und dass Padmé sich zu ihm herüber gelehnt hatte. Gegen die Helligkeit blinzelnd registrierte er, wie ihr Arm sich bewegte. Die Erkenntnis sickerte nur langsam zu ihm durch. Die Senatorin war es, die ihm den Rücken tätschelte, wobei ein strahlendes Lächeln auf ihrem Gesicht erschien.

Ein neuer Schwall Tränen schoss ihm die Wangen hinunter, während er hilflos nach Worten suchte, ohne die Oberhand zurückgewinnen zu können. „Ich … ich … Ihr solltet Euch nicht um mich kümmern.“

„Und wer tut es dann, Obi-Wan?“, fragte sie und setzte, bevor er antworten konnte, schnell hinterher: „Und kommt bloß nicht auf die Idee, mir erzählen zu wollen, Ihr würdet selber auf Euch achtgeben.“

Daraufhin wischte er sich mit seiner Tunika übers Gesicht und stand langsam wieder auf, wobei er einen flüchtigen Blick in den Flur warf, wo immer noch Bail und Yoda standen. Der Senator schien erstaunt über diesen Ausbruch, doch versteckte es mittlerweile meisterhaft. Zudem war es nicht das erste Mal, dass er Obi-Wan am Boden zerstört sah. Für das zur Schaustellen von typischer Jedi Emotionslosigkeit war in letzter Zeit zu viel geschehen.

Mit einem tiefen Luftholen wandte er sich wieder an Padmé. „Verzeiht, ich…“

„Nein“, unterbrach sie ihn in alter Vehemenz. Fast glaubte er, das hier wäre die alte Padmé, die unbeirrbar ihrem Weg folgte.

„Nein?“

„Ihr werdet Euch sicher nicht dafür entschuldigen, dass Ihr mir wenigstens ein einziges Mal einen Blick in Euch gewährt und dafür, dass Ihr menschlich seid. Ihr Jedi scheint das nie wahrhaben zu wollen, aber ihr seid nicht unverletzlich.“

Obi-Wan schluckte und erlangte gewaltsam seine gewohnte Gelassenheit zurück. „Ich hatte mich gerade nicht unter Kontrol…“

„Auch Ihr seid nicht nur Jedi, sondern auch Mensch. Bleibt so, auch wenn ich nicht mehr …“ Sie schluckte und schien deutlich Mühe beim Sprechen zu haben.

Bei Obi-Wan meldete sich nun endgültig der Beschützerinstinkt zurück. „Ihr überanstrengt Euch. Legt Euch wieder richtig hin, bitte. Eure Kinder werden es Euch danken.“

Er half ihr, sich wieder auf den Rücken zu drehen, musste jedoch einsehen, wie sinnlos es war, der Senatorin etwas vorschreiben zu wollen, als sie angestrengt den Kopf zu ihm drehte.

„Ich bekomme also tatsächlich Zwillinge“, stellte sie fest, wobei sie die Mundwinkel nach oben verzog.

„Ihr lächelt“, kommentierte er, doch die Antwort hätte er nicht erwartet, müssten ihre Gedanken sich doch jetzt eigentlich nur um ihre Kinder drehen und nicht um seinen beschämenden Gefühlsausbruch.

„Es ist schön zu sehen, dass Ihr endlich mal jemanden hinter Eure Mauern habt schauen lassen.“

„Ein Jedi …“

„Ich weiß, was Ihr sagen wollt“, unterbrach sie ihn. Obi-Wan unternahm keinen erneuten Versuch ihr erklären zu wollen, über welche Fähigkeiten er verfügen sollte. „Ihr … wart immer da, wenn ich Euch gebraucht habe, Obi-Wan. Lasst mich Euch dafür danken.“

„Das braucht Ihr nicht“, wies er sie sanft ab. „Ich konnte mich auch immer auf Euch verlassen.“

„Es tut mir leid, dass wir … ich meine … es war alles so unsicher. Ana… Anakin hatte solche Angst“, flüsterte sie erschöpft, doch er wagte nicht sie zu unterbrechen. Es gab Dinge, die musste man loswerden, bevor man sich aus der Welt der Lebenden verabschiedete. „Die Jedi hätten ihn … Ich hätte es nicht ertragen … Ich habe wirklich gehofft, er überwindet sich dazu Euch endlich …“

„Padmé, bitte. Lasst uns unsere Freundschaft nicht damit belasten“, bat Obi-Wan, als er erkannte in welche Richtung sich dieses Gespräch zu wenden drohte. „Das ist jetzt bedeutungslos. Schont Euch.“

Sie gab nickend ihr Einverständnis, doch schon kurz darauf schrie sie laut auf.

„Es geht los“, informierte ein Droide.

„Ich bewundere Euch für Eure Stärke, Padmé, wisst Ihr das? Gebt jetzt nicht auf“, meinte Obi-Wan kaum hörbar. Er dachte schon, sie hätte ihn nicht gehört, als sie doch noch erwiderte: „Ihr wart es immer, der stark war … und das werdet Ihr auch in Zukunft sein.“

Es sollte keine Gelegenheit mehr geben, sie danach zu fragen, woher sie diese Entschlossenheit nahm, denn sie schrie erneut. Mit einer Hand über Padmés Kopf abgestützt und die andere um ihre Hand gelegt, stand Obi-Wan ihr bei, während er besorg mit ansah, wie ihre Kraft mit jeder vergangenen Minute aus ihr herausrann. Vor Schmerz hatte sie Tränen in den Augen; die Wehen plagten sie.

Obi-Wans Züge wurden sanft, als er das Schreien eines Babys hörte. Er sah auf und nahm dem Droiden das in weiße Laken gewickelte Kind ab.

Luke“, bestimmte Padmé und strich ihrem Sohn über die Wange, während Obi-Wan sich zu ihr hinabbeugte.

Es stimmte den Jedi traurig zu sehen, wie viel Liebe sie ihrem Sohn entgegen brachte. Luke würde sich nie daran erinnern können. Würde nie seine Mutter kennenlernen, die ihn mit tränennassen Augen anschaute. Obi-Wan konnte nicht weiter darüber nachdenken, denn in dem Augenblick kündigte sich das zweite Kind an.

Er übersetzte das unverständliche Tönen des Medi-Droiden für sie. „Es ist ein Mädchen.“

Leia“, hauchte sie erstickt.

Es konnte einem das Herz brechen. Obi-Wan wusste, dass Padmés Zeit gekommen war. Sie hatte ihre Kinder zur Welt gebracht und ihre letzten Kraftreserven bei der Geburt verbraucht. Kaum war Leia auf der Welt, ging ihr Atem rasselnd. Ohne Anakin fehlte ihr der Wille weiterzuleben.

Unbemerkt von Obi-Wan hob sie ein letztes Mal die Hand, die sie die ganze Zeit fest um einen Gegenstand gekrallt hatte. Der Jedi spürte die sanfte Berührung kaum, als sie ihn den kleinen Anhänger in die Hand drückte.

Obi-Wan … es gibt Gutes in ihm. Hehhh. Ich weiß … ich weiß, dass dass es so ist. Hehhh“, sagte sie kraftlos und mehr keuchend denn wirklich sprechend, bevor sich ihr Kopf mit geschlossenen Augen leblos zur Seite drehte und es zu den letzten Worten Padmé Amidalas machte.

Ein zutiefst betrübter Obi-Wan stand mit dem jungen Luke auf dem Arm neben ihr und betrachtete die ehemalige Senatorin Naboos, die einzigartig in der Galaxis bleiben sollte mit ihrem unerschütterlichen Drang an das Gute in dieser Welt zu glauben und dafür bis zum Äußersten gegangen war. Eine der eifrigsten Verfechterinnen der Demokratie war gestorben. Ihr Ideal verschwand mit ihr aus der Galaxis.



Mitten in einem gigantischen Unwetter trat ein Shuttle in die Atmosphäre Coruscants ein und steuerte prompt ein Rehabilitations-Center an. Es setzte sanft auf der Landeplattform auf und hinaustraten mehrere Coruscant-Wachen in roter Rüstung, gefolgt von einer medizinischen Versorgungskapsel, die von weiteren Klonen flankiert wurde. Die Kapsel barg die letzten menschlichen Überreste von dem, was einst der Jedi-Ritter Anakin Skywalker gewesen war. Der völlig entstellte Leib wurde über eine Maske mit Sauerstoff versorgt und so am Leben erhalten.

Der Prozession folgte mit langsamen Schritten der Sith-Lord Darth Sidious, der sein Gesicht mit einer dunklen Kutte bedeckte.

Sein Schüler wurde in einen kalten von Maschinen beherrschten Raum gebracht, um dort eine peinigende Behandlung erfüllt von brennender Marter über sich ergehen zu lassen. Droiden begannen sofort damit Haut- sowie Kleidungsfetzen zu entfernen, was ihn qualvoll kreischen ließ. Die Überdosis Schmerzmittel wirkte aufgrund der Schwere der Verletzungen nicht einmal geringfügig.

Die im Kampf abgetrennten Gliedmaßen wurden nun von Prothesen ersetzt, die ebenso Ersatz für die verletzten Organe schafften. Brustkorb und Lunge waren zerstört und mussten mithilfe von umfangreichem künstlichen Material dazu gezwungen werden, nicht den lebenswichtigen Dienst zu versagen. Sein Kopf war ebenso von der unmenschlichen Hitze auf Mustafar entstellt worden, seine einst vollen Haare restlos verbrannt. Er stand an der Schwelle des Todes und nur durch Maschinen wurde sein hilfloser Körper davon abgehalten, das Schlagen seines Herzens zu beenden.

Nach Stunden der folternden Behandlung steckte Darth Vader vollständig in einer schwarzen, zentnerschweren Rüstung, die nichts anderes darstellte als ein mobiles Lebenserhaltungssystem.

Als letztes setzten mechanische Arme einen Helm auf das verbrannte Fleisch des Sith, der kurz darauf geräuschvoll seinen ersten Atemzug mithilfe eines Beatmungsgerätes durch die eiserne Maske nahm.

Dieses Geräusch sollte ihn für den Rest seines Lebens begleiten. Er hatte Zeit sich an das ungewohnte Gefühl zu gewöhnen, bis irgendwann sein auf der Trage fixierter Körper aufgerichtet wurde und sein neuer, machtvoller Meister an ihn herantrat.

Lord Vader, könnt Ihr mich hören?“, fragte die Gestalt ruhig.

Ja, Meister“, antwortete Vader und ließ danach einige Momente verstreichen, die sein Verstand nutzte, um die neue Stimme, mit dem ungewohnten Stimmverstärker, als seine eigene einzuordnen, doch zwangsläufig jagten seine Gedanken wieder zu dem einen Punkt zurück, der ihn seit Wochen unruhig sein ließ. Der ihn bis in seine Träume verfolgt hatte. Der Grund, warum er die Seiten gewechselt hatte. Der Mensch, für den er absolut alles tun würde.

Er drehte seinen Kopf umständlich in Sidious’ Richtung, eine Bewegung, die früher selbstverständlich gewesen war, jetzt aber in keinster Weise mehr an die Geste eines Lebewesens erinnerte.

Wo ist Padmé? Ist sie in Sicherheit? Geht es ihr gut?“ Seine Stimme war seltsam entstellt und ließ eher ein Computersystem hinter der Maske vermuten, was der Wahrheit auf eine gewisse Weise sehr nahekam. Das Wenigste an Vader war noch Mensch. Über das Äußerliche hinaus hatte er sich in eine Maschine verwandelt.

Bedauerlicherweise habt Ihr sie wohl in Eurem Zorn getötet“, meinte Sidious einfühlsam und mit tiefem, geheucheltem Bedauern, während er voller Spannung die Reaktion seines Schülers erwartete.

Das ist unmöglich. Sie hat gelebt! Ich habe es gespürt!“, donnerte Vader und reizte die mechanische Roboter-Stimme zum ersten Mal voll aus. Doch dabei blieb es nicht.

Die Macht vibrierte vor Spannung, dann begannen einzelne Elemente des Raumes unter dem Druck der dunklen Seite zu bersten, bis schließlich die komplette Einrichtung in tausende von Splittern zersprang. Der Schmerz und die Trauer waren fühlbar, doch wurden sie von einem Orkan der Wut übertüncht, die alles zu verschlingen drohte.

Mitten im Chaos begann sich unbändige, beinahe übermütige Freude in dem Sith Darth Sidious breitzumachen. So viel Wut und Hass, völlig unbefleckt und rein waren Balsam für seine Seele und während Vader seinen Gefühlen ihren Lauf ließ und sich von der Trage, die ihn hielt, gewaltsam löste, worauf seine ersten steifen Schritte in dem schwarzen Durastahl Anzug folgten, breitete sich ein Lächeln auf dem Gesicht des Imperators aus, der am Ziel all seiner Intrigen war, der sein gigantisches Spiel bravourös gewonnen hatte und nun unanfechtbar auf dem Thron über die ganze Galaxis saß. Neben ihm die Verkörperung seiner Macht und der größte Machtnutzer, den dieses Universum zu bieten hatte als sein persönlicher Untertan.

Der markerschütternde Schrei Vaders, der verloren hatte, was er mit seinem Leben hatte schützen wollen, ließ die Macht wanken. Er musste diesem unendlichen Schmerz, der sein Herz ausfüllte, Luft machen und ihn in die Welt hinaus brüllen: „NEEEEEIIIIIN.“

Auf groteske Art ähnelte dieser Akt der Verzweiflung jenem, welcher Obi-Wan Kenobi an einem lavagefluteten Abhang überfiel, als er seinen ehemaligen Schüler Anakin Skywalker gepeinigt anbrüllte und ihn kurz darauf dem Tod überließ. Sie hatten jeder ihren Pfad gewählt, den es nun zu bestreiten gab.

Die Transformation des Darth Vader war vollendet.
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