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Wildblumen

von Calandraa
KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Anthony J. Crowley Erziraphael
26.02.2021
26.02.2021
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26.02.2021 845
 
Die deutsche Fassung einer Kurzgeschichte, die ich für einen Discord Server zum Stichwort "Flowers", also "Blumen" geschrieben habe.

Zum Original: https://archiveofourown.org/works/29716914



Langsam erwachte die Welt aus ihrem Schlummer. Eine leichte Sommerbrise fuhr durch das Zelt. Die Plane raschelte im Rhythmus des Windes und ließ Aziraphale von seinem Buch aufblicken.

Nachdem Aziraphale sein Lesezeichen platziert hatte, setzte er sich auf und lächelte den noch schlafenden Dämon neben sich an. Sie waren letzte Nacht angekommen und Crowley hatte sich so viel Mühe mit dem Zelt gegeben. Er hatte noch etwas Ruhe verdient.

Aber Aziraphale wollte ein bisschen die Gegend erkunden.

Sobald er aufstand, begann das Radio zu spielen. Die Art der Maschine, ihn zu grüßen, vermutete Aziraphale. Aziraphale wusste, dass es Crowleys Schlaf nicht stören würde und ließ es laufen. Das Radio hatte keine Antenne, aber es bot trotzdem Musik. Es spielte einfach eine Erinnerung. Eine Erinnerung, die ein oder zwei nostalgische Lächeln wert war.

Aziraphale fand die Sandwiches, die Crowley für ihn gemacht hatte. Ein warmes Gefühl stieg in seiner Brust auf, als er sah, wie viel Liebe und Mühe Crowley investiert hatte.

Nach dem Frühstück schob Aziraphale die Zeltklappe beiseite und blinzelte in die aufgehende Sonne. Er stieg aus und holte tief Luft.

Das Morgenlicht wurde vom perfekt polierten Bentley reflektiert. Sie war näher an der Zeltöffnung geparkt, als Aziraphale erinnerte. Wie ein Wächter.

Aziraphale tätschelte ihre Motorhaube.

"Gutes Mädchen", flüsterte er, bevor er weiter ging.

Die Natur hatte das Gebiet vollständig zurückerobert, die wenigen Spuren von künstlichen Strukturen waren mit Grün bedeckt und irreparabel. Die Wiese erstreckte sich bis zu einem Wald im Norden und im Süden entdeckte Aziraphale einen See. Im Westen lag die holprige Straße, die sie hierher geführt hatte. Nur im Osten, unter der Morgensonne, blockierte ein kleiner Hügel Aziraphales Sicht.

Mehr von Gewohnheit als von Hoffnung getrieben, stieg Aziraphale hinauf und ließ seine Augen über die andere Seite schweifen. Zu Füßen des Hügels lagen die Überreste eines kleinen Dorfes, lange Zeit und von Wildblumen in verschiedenen leuchtenden Farben überwachsen.

Aziraphale gestattete sich, für einen Moment die ungezähmte Schönheit des Anblicks zu genießen. Der raue und unnachgiebige Stein, umarmt und erhellt von farbenfroher Vegetation, das alles unter einem klaren blauen Himmel, dazu die Vögel singend in der Luft - perfekt. Fast perfekt.

Seufzend beschloss Aziraphale zurückzugehen, bevor Crowley sich Sorgen machen würde. Aber gerade als er sich umdrehte, fiel sein Blick auf etwas. Eine weitere Blume war es, die sich genauso verhielt wie die anderen. Und doch war sie anders.

"Crowley!" rief Aziraphale über seine Schulter. "Crowley!"

Dann eilte er den Hügel hinunter, ohne auf eine Antwort zu warten.

Die fragliche Blume wuchs an den Überresten einer Steinmauer, etwas abseits. Aber immer noch nah genug an den anderen, dass Aziraphale sie zunächst für einen von ihnen gehalten hat.

Es war eine Rosenart.

Aziraphale wusste nicht so viel über Pflanzen wie Crowley. Aber er war sich sicher, dass dies keine Wildblume war, obwohl es definitiv so aussah, als hätte man sie eine Weile frei wuchern lassen. Sie wäre hier jedoch nicht von alleine gewachsen.

Als Crowley endlich ankam, teilte Aziraphale diese Gedanken mit ihm und Crowley nickte.

"Ja, jemand muss sie gepflanzt haben", sagte er zögernd. "Aber wenn wir uns den Rest des Dorfes ansehen ..."

"Ich weiß", seufzte Aziraphale. "Es ist schrecklich. Wir hätten nicht gehen sollen.“

"Wir mussten, Aziraphale! Du und ich hätten dauerhaft zerstört werden können. Sie sind jetzt im Himmel oder in der Hölle."

"Nein, nicht alle", sagte Aziraphale entschieden. "Sie sind immer noch hier." Er zeigte auf die Blume. "Das ist der Beweis."

"Aziraphale! Ja, jemand muss sie gepflanzt haben. Aber das ist eine robuste Blume. Wenn die Bedingungen gut sind..."

"Die Bedingungen waren apokalyptisch, Crowley", unterbrach Aziraphale. "Im wahrsten Sinne des Wortes."

Crowley seufzte.

"Warum können wir sie dann nicht spüren?" fragte er.

"Armageddon hat die Machtstrukturen stark verändert, vielleicht beeinflusst das unsere Sinne", sagte Aziraphale. "Oder vielleicht haben sie einfach einen Weg gefunden, sich vor unserer Art zu verstecken. Verständlich wäre es."

"Vermutlich…"

"Sie sind nichts, wenn nicht einfallsreich", fuhr Aziraphale mit bebenden Lippen fort. "Sie müssen irgendwo sein. Sie können nicht weg sein. Nicht sie. SIE würde nicht zulassen. dass..."

Seine Stimme brach, als er vor der Blume auf die Knie sank.

Nur Sekunden später spürte er Crowleys Hände auf seiner Schulter.

"Es ist okay, Engel", beruhigte ihn Crowley. "Wir werden sie finden. Du hast ja Recht. Sie sind klug und zäher als sie aussehen. Komm schon, lass uns die Überreste der Häuser auf Hinweise untersuchen."

Aziraphale schniefte, nickte und erlaubte Crowley, ihm aufzuhelfen. Arm in Arm gingen sie auf die Ruinen des nächstgelegensten Hauses zu.

"Entschuldige meinen Ausbruch, mein Lieber."

"Ist schon in Ordnung!"

"Ich liebe sie einfach so sehr."

"Ich weiß, Engel. Ich weiß."



Ende
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