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Five Minutes

OneshotFantasy / P16 / Gen
Amarantha Cerridwen Nuala Rhysand
26.02.2021
26.02.2021
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„Ihre Majestät lässt nach Euch schicken, High Lord.“, stammelte ein niederer Fae-Diener, der nur Sekunden zuvor die Tür zu seinem Raum geöffnet hatte: „Sie erwartet Euch in spätestens fünf Minuten in ihrem Zimmer.“ Sogleich schloss der Fae die Tür hinter sich und war verschwunden. Rhysand nickte trotzdem mit einem Blick auf die verschlossene Tür, als Zeichen, dass er verstanden hatte.

Fünf Minuten..die Zeit lief.

Er stand aus dem Sessel vor dem Kamin auf und stellte nebenbei das Glas Wasser auf den Tisch. Er wünschte sich, er hätte Wein statt Wasser getrunken. Und nicht nur ein Glas, sondern eine Flasche.

Rhysand strich seine schwarze Tunika glatt und fuhr sich mit den Händen durch die Haare. Es wurde ein ordentliches Bild von ihm erwartet, ein ansprechendes, ein verführerisches. Er hätte sich am liebsten jetzt schon übergeben, aber er schluckte den Kloß in seinem Hals geräuschvoll hinunter. Es half nichts, nichts half ihm.

Vier Minuten...unaufhörlich schien die Zeit zu ticken.

Langsam glitten seine Schritte in Richtung Tür. Am Rande nahm er die Anwesenheit von Naula und Cerridwen wahr. Ihre Schatten schienen ihn mitleidig zu verfolgen. „Ich bin bald zurück.“, seufzte er leise in den Raum und griff die Türklinke, wartete bis er sie schließlich hinunterdrückte.

Drei Minuten...die Zeit raste.

Mit dem Klicken der Tür als er sie hinter sich ins Schloss zog, legte er die Maske des grausamen High Lords auf. Ein tödliches Grinsen erschien auf seinem Gesicht und seine Augen wurden undurchdringlich. Es wurde gesagt, dass Augen die Spiegel der Seele waren, aber hatte er überhaupt noch eine Seele. Nach all den Grausamkeiten, den Schmerzen, die er hier erlebt und anderen zugefügt hatte, konnte da überhaupt eine Seele überleben? Er glaubte es nicht. Und wenn da noch ein Fünkchen Seele übrig war, dann verlor auch sie mit jedem weiteren Tag hier Unter dem Berg an Leuchtkraft. Irgendwann würde auch der letzte Rest seiner selbst verglühen und in einem bodenlosen Schwarz verschwinden aus dem es keine Rettung mehr geben würde.

Zwei Minuten...er war früh dran.

Nur noch wenige Meter trennten Rhysand und die Tür zu seiner persönlichen Hölle. Er nutzte die letzten Schritte dort hin, um auch den letzten Rest seiner Gefühle sorgfältig in einer Schublade im hintersten Eck seines Verstandes zu verstauen. Niemand sollte an diese Gefühle, an die Gefühle für seine Heimat, seine Leute, seine Welt, herankommen können. Bei jedem Gang zu dieser Hölle tat er das. Er verschloss sich, schloss sein wahres Ich, den letzten Rest seiner selbst, den er jedes Mal wieder mühsam zusammenkehrte, ein. Übrig blieb der eiskalt berechnende Killer, das Monster, welches jeden das Fürchten gelehrt hatte. Das Monster, das es genoss, wenn die rothaarige Hexe sich ihm voll hingab. Das Monster, welches selbst die Schmerzen, die sie ihm mit ihren spitzen Fingernägeln zuführte, zum Schnurren brachte. Ekelerregend.

Eine Minute...er war dort...zu früh.

Rhysand klopfte an die Tür und strich nochmals über seine Tunika. Ein Fae, der an ihm vorbeilief verzog angewidert das Gesicht. „Hure“, hörte er es in Gedanken schallen. Das Monster ignorierte die Beleidigung, war auf seinen Befehl fokussiert.

„Komm herein!“ Rhysand befolgt die Anweisung, trat in das Zimmer ein und schloss geräuschlos die Tür. „Hallo, mein Lieber.“, schnurrte die Hexe. Rhysand blickte in Richtung Bett, da von dort die Stimme kam. Er lies das einstudierte Grinsen über die nur leicht bekleidete Frau auf dem Bett gleiten. Amarantha hatte sich in einen Hauch von schwarzem Nichts gehüllt und sich auf dem Bett ausgebreitet. Sie hatte die Hand gehoben und winkte ihn mit einem Finger herbei. Da er schon wusste auf was sie hinauswollte, begann er langsam seine Tunika an der Vorderseite zu öffnen. Seinen Blick hielt er stur auf die Stirn der Hexe gerichtet, da er es hasste ihr dabei in die Augen zu sehen. Er kannte sie mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass dort nun ein Blitzen erschien, die stumme Aufforderung genau so weiter zu machen.

Also blieb er gut einen Meter vor der linken Seite des Bettes stehen und streifte sich langsam die geöffnete Tunika von den Schultern. Seine Schuhe kickte er mit einer geschickten schnellen Bewegung von seinen Füßen. Er fuhr mit der Hose fort, öffnete sie und ließ sie dann zu seinen anderen Sachen auf den Boden rutschen. Bevor er zu seiner Unterhose kommen konnte, hatte die Hexe ihn genau an dieser gepackt und ihn mit ihrer Stärke auf das Bett gezogen, wobei das gepackte Kleidungsstück in Fetzen zu Boden segelte. Er fing seinen Sturz geschickt mit seinen Knien und Händen auf, landete also leicht über sie gebeugt. Natürlich passte ihr diese Position überhaupt nicht, weshalb sie ihn in der nächsten Sekunde auch schon auf den Rücken warf. Er lies es geschehen, wehrte sich nicht, sondern gab sich ganz als der unterwürfige Liebhaber, den sie haben wollte und begehrte.

Null Minuten...die Zeit zog sich.

Amarantha schwang eines ihrer Beine über ihn, sodass sie nun rittlings auf ihm saß. „Ich hab auf dich gewartet.“, schnurrte sie ihm entgegen und fuhr ihm mit den Fingernägeln über die Brust. Seine Haut leistete keinen Widerstand und platzte sofort auf. Blut rann aus den feinen Wunden.
Die Hexe tauchte einen Finger in einen Tropfen, der sich oberhalb seiner Brustwarze gesammelt hatte. Sie nahm den Tropfen Blut auf und bewegte ihn langsam zu ihren Lippen. Ihre Zunge schnellte heraus und leckte den roten Saft ab. Ein Stöhnen entwich ihr. Ihre Pupillen weiteten sich vor Erregung und füllten ihre Augen mit einer bedrohlichen Schwärze aus.
Sie wiederholte die Prozedur, zerschnitt ihm mit ihren messerscharfen Nägeln auch den Bauch. Jetzt führte sie den Finger mit dem Bluttropfen aber zu seinen eigenen Lippen. Er wusste sie erwartete von ihm, dass auch er diese Gabe genussvoll in sich aufnehmen würde. Also tat er wie von ihm erwartet und nahm ihren Finger in seinen Mund auf, leckte mit seiner Zunge darüber. Er konnte es sich nicht verkneifen, deshalb biss er ihr auch leicht hinein. Ruckartig entzog sie ihm ihre Hand und schnitt ihm als Strafe die bereits geheilten Schnitte auf der Brust nochmal auf. „Böser Lord.“, zischte sie, wobei das grausame Grinsen auf ihrem Gesicht aber eher von Vergnügen als Wut zeugte. Als sie ihm auch nochmal den Bauch zerkratzen wollte, hielten seine Hände unwillkürlich die ihren fest.
Das brachte ihm einen Blick zu, der ihm sagte, dass er das besser gelassen hätte.

Die Hexe stand von ihm auf und verließ das Bett. Rhysand stützte sich auf seine Unterarme, um zu beobachten was sie tat. Amarantha lief zu einem ihrer Schränke, öffnete ihn und nur kurz später war sie wieder bei ihm. Sie hatte Fesseln geholt.
„So nicht, Rhysand.“, tadelte sie ihn und wedelte dabei wie beim Schimpfen mit einem kleinen Kind mit ihrem Zeigefinger vor ihm rum. „Na, na, na.“, machte sie weiter und nahm seinen linken Arm. Schnell hatte sie ihn mit Ketten an der Rückseite ihres Bettes festgebunden. Sie stieg wieder rittlings auf ihn drauf und verfuhr auf gleiche Weise mit seinem rechten Arm.

Eine Minute...langsam tickte die Uhr weiter.

Wehrlos lag Rhysand vor ihr. Sie hatte ihn schon öfter gefesselt, doch jedes mal traf ihn diese Behandlung besonders hart. Sein Atem wollte schneller gehen, doch er drängte die Panik sorgfältig zurück. Die Situation erinnerte ihn jedes Mal an die Zeit im Krieg als er als Gefangener gefesselt war und als Folter ausgepeitscht wurde. War das hier aber so viel anders?

„Böser Lord.“, wiederholte die Hexe ihre Worte von zuvor. Da sie aber jetzt die volle Kontrolle wieder hatte, merkte man ihr an in welche Richtung es nun endlich gehen sollte. Rhysand begann sich dafür zu wappnen. Während sie auf ihm saß, küsste sie feuchte Spuren über seinen Oberkörper, biss ihn hin und wieder und kratze über seine neben seinem Kopf hängenden Arme.
Er knurrte lustvoll, weil genau das es war, was sie hören wollte. Ein Stöhnen bestätigte seine Annahme. Natürlich fand er das Ganze alles andere als erregend, aber er spielte dieses Spiel schon so lange, dass seine Reaktionen immer genau zum richtigen Zeitpunkt kamen. Sein Monster schnurrte beim nächsten Biss in seine linke Brustwarze und er lies seine Hüfte kurz nach oben zucken. Da Amarantha an gewissen Stellen an seinem Körper eine gewisse Härte für ihre Spielchen erwartete, konzentrierte sich ein Teil seines Monsters nun auf seine Körpermitte. Wäre sein wahres Ich im Spiel, dann hätte er mit Errektionsproblemen auf höchstem Maße zu kämpfen, aber dieser Teil seines Verstandes war vor der Tür geblieben. Sein Monster hatte damit keinerlei Probleme, denn es wusste wenn er seine Sache gut machte, dann wäre sie fürs erste zufrieden, würde die Fesseln schon bald lösen und ihn für heute in Ruhe lassen.

Zwei Minuten...die Zeit schien beinahe still zu stehen.

Ein zufriedenes Geräusch entfloh aus Amaranthas Kehle als sie die wachsende Härte zwischen ihren Beinen spürte. „Braver Lord.“, lobte sie Rhysand, der sich daraufhin ein weiteres lustvolles Knurren abrang. Die Hexe hob ihre Hüften ein Stück an und griff seine nun harte Mitte mit einem festen Griff. Zu fest. Er knurrte und wehrte sich leicht, was ihm wiederum ein Kratzen mit der anderen Hand über den Bauch einbrachte. Erneut floss Blut aus ihm heraus. Doch die Hexe kannte keine Gnade und verfestigte gleichzeitig auch den Griff ihrer anderen Hand. Am liebsten hätte Rhysand schmerzerfüllt die Augen geschlossen, doch er würde ihr diesen Sieg nicht gönnen, also stieß er stattdessen seine Hüften nach oben und erreichte so ihre heiße Mitte, die dank eines geschickten Schlitzes in diesem Hauch von Nichts, gut zu erreichen war. Hätte er diese Frau gern gehabt, dann hätte ihn dieses Detail wohl verrückt gemacht, aber so nahm er es eben als gegeben und weniger Aufwand hin. Amarantha stöhnte lachend auf als seine Spitze die Feuchte berührte, die sich dort gesammelt hatte.

Rhysand traf ein lustvoller Blick als sie ruckartig die Hand löste und im gleichen Augenblick vollständig auf seine Härte glitt. Ein erneutes Kratzen als er sie vollständig ausfüllte. Rhysand bewegte sich nicht, schaltete noch mehr ab als zuvor und lies sie tun was auch immer sie wollte, da es so umso schneller gehen würde.

Sie ritt ihn erbarmungslos, schnell, hart, tief. Hin und wieder warf auch Rhysand ein Stöhnen ein, welches ihre Lust noch mehr anfachen sollte und dankenswerterweise auch tat.
Amarantha stützte sich auf seiner Brust ab, ihr Fingernägel bohrten sich tief in sein Fleisch und ein weiteres wehrhaftes Knurren entwich ihm. Natürlich hörte die Hexe diesen veränderten Ton und zog ihre Hand langsam nach unten. Tiefe Wunden entstanden als ihre Nägel ihren Weg Richtung Bauch fanden. Der Anblick des Blutes lies die Hexe heftig kommen. Ein Zucken ging durch ihren Körper und sie sackte kurz auf seiner Mitte zusammen.

Drei Minuten...die Zeit steht.

Da die Hexe keine Erholung brauchte, stand sie schon nach wenigen Sekunden von ihm auf. Ein boshaftes Grinsen huschte über seinen geschundenen Oberkörper. Zum Glück würde er bis morgen heilen, zu bluten hatte es schon aufgehört. „Danke Lord.“, grinste Amarantha und löste eine Fessel nach der andern: „du bist für heute entlassen.“

Sobald die zweite Fessel fiel, stand er auf. Keine Sekunde zögerte er seine Kleidung anzuziehen, wobei er auf eine Unterhose wohl oder übel verzichten musste.
Kichernd beobachtete das die Hexe von ihrem Platz aus, den sie auch zu Anfang inne hatte. Ausgebreitet lag sie auf der Mitte des Bettes und beobachtete ihn mit einem zufriedenen Blick. „Ich sollte dich öfter fesseln, mein Lieber.“ Sie leckte sich über die Lippen als könnte sie das nächste Mal kaum abwarten.

Rhysand nickte nur und wandte sich zur Tür. „Bis morgen.“, verkündete die Hexe als er die Tür hinter sich zuzog.

Vier Minuten...die Zeit läuft endlich wieder schneller.

Erleichterung durchströmte Rhysand als die Tür sich schloss. Rhysand stieß den Atem aus von dem er gar nicht wusste, dass er ihn angehalten hatte. Zum Glück war es eine schnelle Sache gewesen und hatte nicht wie schon so oft, die halbe Nacht in Anspruch genommen.

Er wand sich von der Tür ab und ging schnellen Schrittes auf seinen Raum zu, der nur wenige Flure weiter lag. Auf dem Weg dort hin begegnete er mehreren Fae, die ihm wieder nur angewiderte Blicke zuwarfen, welchen er mit einem boshaften Grinsen entgegentrat. Wenn sie nur wüssten.

Sein Monster zog sich langsam zurück, doch es musste mit verschwinden noch warten bis er endlich die Tür in seinem Raum hinter sich zugezogen hatte.

Fünf Minuten...die Zeit ist wieder in ihrer normalen Bahn.

Sobald das Klicken seiner Tür hinter sich erklang, seufzte Rhysand erschöpft auf. Er war komplett ausgelaugt. Das Monster, das ihn während der Zeit bei Amarantha stützte, verzog sich.

Die Schublade in seinem Innersten mit all den verschlossenen Gefühlen sprang zeitgleich auf und überwältigte ihn mit einer Flut von Angst, Schuld, Wut und Scham. Er stürzte auf die Knie als ihn diese Flut überrollte und begann hektisch zu atmen. Rhysand musste einen Schwall Galle erbrechen, was ihn erstickt husten ließ. „High Lord?“, fragte eine leise Stimme neben ihm, Naula: „Können wir etwas für Euch tun?“

Er schüttelte ruckartig den Kopf und stand stolpernd auf, wobei er sich an dem Tisch vor dem Kamin abstützen musste. Seine Umgebung verschwamm um ihn herum und die Wellen von Gefühlen schlugen immer stärker auf ihn ein. An den Möbeln entlang tastete er sich in Richtung Badezimmer, zog sich währenddessen aus und schmiss seine Kleidung mit einer geübten Bewegung in den Kamin. Das tat er jedes Mal. Er konnte die Kleidung, die einmal dieses andere Zimmer von innen gesehen hatte nicht noch einmal anziehen. Sie war schmutzig und dieser Schmutz konnte nur verbrannt werden.

Auch er fühlte sich unglaublich schmutzig, sodass er im Badezimmer angekommen sofort in die Badewanne stieg und Wasser hineinfließen ließ. Mithilfe seiner übrigen Kraft heizte er das Wasser auf bis es dampfte und seine Haut bei Berührung mit dem heißen Nass sofort rot anlief. Ihm war es recht. Sollte diese Hautschicht nur verbrühen, abblättern und durch eine neue Schicht ersetzt werden. Als das Wasser die Wunden an seinem Oberkörper erreichte, zische er vor Schmerz und griff sich reflexartig an die Stelle. Selbst die Wunden kamen ihm schmutzig vor, sodass er nicht anders konnte als sie mit seinen eigenen Krallen auch nochmal zu öffnen. Das Wasser färbte sich langsam rot und das Brennen in seinem Oberkörper verstärkte sich mit jedem Schnitt, den er sich selbst zufügte. Gut so.

Aber all das kam ihm nicht genug vor. Deshalb nahm er wie immer den gröbsten Schwamm den es gab und der schon für ihn hier bereitlag, und schrubbte seinen Körper. Mit unnachgiebiger Härte bewegte er den Schwamm hin und her. Ihm war es egal, dass er sich auch dabei die Haut stellenweise ablöste. Je mehr er schrubbte, desto besser ging es ihm.

Also machte er weiter, ließ das heiße blutrote Wasser seinen Körper verbrennen, während er sich zusätzlich rote Striemen überall auf den Körper zeichnete. Auch vor seiner Körpermitte machte er damit keinen Halt. Dies war der schmutzigste Teil seines ganzen Ichs und musste aus diesem Grund auch besonders gründlich gewaschen werden. Wie es ihn anekelte.

Mit jeder Stelle, die er mit dem Schwamm in Angriff nahm, stieg auch seine Verzweiflung. Er fühlte sich mit jedem Besuch bei der Hexe schmutziger und mit jedem Mal schien dieser Schmutz weniger abzugehen.
Als er mit verzweifelten Schüben des Schwammes über die Wunden an seinem Bauch schrubbte, heulte er schmerzerfüllt auf und das Wasser schien noch eine Spur dunkler zu werden.

„High Lord?“, hörte er daraufhin die Stimme von Cerridwen, die das Badezimmer betrat. Rhysand sah nicht auf, sondern ließ seine Schultern nach vorne sacken und den Kopf hängen. Er hatte aufgehört sich zu schrubben als er ihre Anwesenheit bemerkt hatte. Mal wieder sahen die beiden ihn in dieser Situation.
Naula spürte er nahe bei sich. Sie legte eine Hand auf seinen Arm, was ihn zusammenzucken ließ. „Sie sollten frisches Wasser nehmen, High Lord.“, sagte der Schatten sanft und am Rand der Wanne wurde der Hebel zum Öffnen des Abflusses gezogen. „Lassen Sie mich Euch frisches Einfüllen.“, meinte Cerridwen und nachdem die blutrote Wanne einmal leer war, wurde der Abfluss wieder verschlossen und der Wasserhahn betätigt. Rhysand spürte, dass die beiden tröstend auf ihn einwirken wollten, aber er ignorierte sie. Er konnte den Blick nicht vom Wannenboden heben, wo er das blutige Rinnsal verfolgt hatte bis es in der Öffnung verschwunden war und wo sich nun neues klares Wasser sammelte.
Die Schatten verstanden ihn auch ohne Worte, hatten sie diese Situation doch schon oft genug miterlebt. Bei den ersten Malen war er ausgerastete als sie ihm helfen wollten, hatte sie lautstark weggeschickt, doch irgendwann hatte er sich damit abgefunden. Wie mit so vielem, hatte er sich einfach damit abgefunden, dass jemand für ihn da war. Und er wusste, dass die beiden es nur gut meinten, weshalb er sie nach einiger Zeit einfach machen ließ, so wie jetzt. Als die Wanne wieder voll war und das Wasser abgestellt wurde, spürte er wie Naula und Cerridwen sich wieder genauso leise wie sie hereingekommen waren, aus dem Bad verzogen.

Er war wieder allein. Er blieb einfach reglos sitzen, heizte das Wasser auf und gab sich seinem wahren Ich vollkommen hin. Von seiner Verzweiflung und der Scham, die ihn jedes Mal dazu brachten alles von sich abzuschrubben, war nichts mehr übrig. Er fühlte sich weiterhin dreckig, aber auch furchtbar erschöpft.
Er war aber auch wütend auf sich selbst, da er einfach nichts anderes machen konnte als den gehorsamen Lord zu spielen. Was sollte er auch sonst tun? Wenn er sich widersetzte dann würde Amarantha ganz andere Dinge mit ihm anstellen. Und vielleicht nicht nur mit ihm. Die altbekannte Angst folgte auf die so gewohnte Wut. Was wenn sie herausfand, dass er doch noch etwas hatte, was er vor ihr geheim hielt? Was wenn sie sein Geheimnis lüftete und seinen wahren Hof fand? Was wenn sie seine Leute hierher brachte? Was wenn er niemanden von ihnen beschützen konnte? Was wenn...

Die Welle seiner Gefühle schlug weiterhin ohne Erbarmen auf ihn ein, verbrannte sein Inneres wie das aufgeheizte Wasser sein Äußeres verbrannte. Er wusste nicht wie lange er das noch aushalten konnte, da nach jedem Brand ein Stückchen weniger Asche zum Zusammenkehren übrig blieb. Aber er wusste auch, dass diese letzten Reste das wichtigste waren. Sie waren das, was er immer auffangen musste, sich bewahren musste. Ohne diesen letzten Rest, der ihn zusammenhielt, der ihn zu dem machte, was er war, wäre alles verloren. Er musste stets dafür sorgen, dass diese Gefühle, die ihn so unglaublich verletzlich machten, ihn verzweifeln ließen, ihn vor Wut fast platzen ließen, wichtig waren, denn sie ließen ihn auch durchhalten. Diese Gefühle vereinten alles was er für seinen Hof noch aufbringen konnte und er würde den Teufel tun, um diesen zu beschützen.

Ihm war es egal wie oft sie ihn noch zu sich rufen ließ, wie oft sie ihn sich ausziehen ließ, ihn aufs Bett warf und seine Haut mit ihren Nägeln durchbohrte. Ihm war es egal, dass dabei immer ein Stückchen seiner Seele starb oder ein bisschen mehr wenn sie ihn wehrlos machte indem sie ihn fesselte. Ihm war es egal, dass er sich selbst fast nicht mehr ertragen konnte, sein Spiegelbild hasste und jeden Millimeter seiner Haut, der mit ihr in Berührung kam am liebsten wegschneiden würde. Ihm war es egal, dass er die Berührungen anderer mied, da sie sich wie ätzende Säure anfühlten und ihn an jede noch so gehauchte Berührung der Hexe erinnerten.
Ihm war mittlerweile so vieles egal. Er war nur noch ein Schatten seiner selbst. Er war nicht mehr der lebensfrohe High Lord, der mit seinen Freunden betrunkene Abende verbrachte, aus vollem Herzen lachte und den Menschen mit offenen Armen begegnete. Nein. Dieser Teil von ihm war schon vor langer Zeit verschwunden und das Fach in der Schublade seines Geistes war leer. Er wusste nicht, ob dort jemals nochmal nur ein Funke seiner Vergangenheit auftauchen würde, aber es war ihm auch egal. So war es einfacher.

Und während er darüber nachdachte, brannte er weiter und die Welle spülte einen weiteren Teil seiner Seele fort. Irgendwann würde die Welle ihn komplett fortspülen. Es würde ein Wunder brauchen, um ihn dann wieder zurück zu bringen.
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