Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Overhill - die unglaublichen Abenteuer von Jake und Willow

von Sof
GeschichteHumor, Sci-Fi / P12 / Gen
25.02.2021
25.02.2021
1
3.032
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
25.02.2021 3.032
 
Als ich aus dem Fenster blickte, hatten sich kleine Eisblumen darauf gebildet. Kein Wunder. Ich lebe in Michigan, da verwandelt sich das Land während des Winters nunmal in eine eiskalte Schneewüste. Allerdings tuht sich aus genau diesem Grund auch die Frage auf, warum eine private Junior-High nicht das nötige Geld aufbringen kann, um die Schule richtig zu beheizen. Ich seufzte, wobei ein kleines Wölkchen Dampf aus meinem Mund stieg. Selbstverständlich war ich, das mittlere Kind auch derjenige, der noch in die Schule musste um sich der bitteren Kälte blank auszusetzen. Meine Geschwister – eine Grundschülerin und ein Highshool-Freshman – waren aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen bereits in die Winterferien entlassen Wurden. Glück? Vielleicht. Es war der 20 Dezember, also müsste ich noch drei Tage schuften. Das war doch vollkommen unfair! Ich hätte mich sicherlich mehr geärgert, wenn ich mich nicht ungemein auf Wienachten freuen würde. Es gibt vielleicht Leute, die es peinlich finden, mit ihrer ganzen Familie zusammen zu sitzen, zu essen und sich zu unterhalten aber ich liebte diese Ferien! Ich weiß nicht warum, aber immer, wenn meine Großmütter mir sagten, wie groß ich doch geworden sei und was für ein hübscher, junger Mann ich doch wäre, dann erfüllte mich das immer mit einer gehörigen Portion Stolz. Die Stimme meiner Klassenlehrerin hohlte mich zurück ins Diesseits, weg von Weinachten und zurück in die Kühltruhe, welche unser Klassenzimmer in seinem aktuellen Befund darstellte. Wenn meine Uhr nicht falsch ging, dann sollte der Unterricht eh in ein paar Minuten zuende sein. „Wie ihr sicherlich alle gemerk haben solltet sind einige der Heizkörper in unserer Schule ausgefallen!“ Begann sie. Mit gewissem Interesse wölbten meine Augenbrauen sich nach oben. In den letzten Tagen nicht mehr frieren? Jetzt wurde es interessant. „Wir werden sie bald reparieren lassen. Dafür werden einige Mechaniker in die Schule kommen. Leider sind die Termiene und Zeiten, in denen sie Arbeiten etwas unpassend gelegt und überschneiden sich mit unserem Lehrplan, weswegen der Unterricht für den gesamten achten Jahrgang – Also auch für euch – Von Heute an ausfallen Wird.“ Meine Augen leuchteten Auf. Hieß das etwa…? „Ihr habt also alles in allem drei Tage früher Ferien!“ Die Klasse Jubelte auf, so lauf, das sie beinahe das klingeln der Glocke übertönte welches, wie ich nun wusste, endlich zwei ganze Wochen Flucht vor meinem langweiligen Alltag bringen Würden! Ich schaufelte meine Hefte so schnell es ging in meine Tasche nur, um dann gemütlich aus dem Gebäude zu schlendern und darüber nachzdenken, was ich in den Ferien machen könnte. Snowboarding? Ein wenig in Antiquitätenläden stöbern? Oder mich nur in meinem Zimmer verziehen und zum vermutlich hundersten Mal meine Indiana-Jones-Sammlung durschauen? Es gab so viel zu tun! Und bis ich irgendwann ein großer Archäologe und Abenteurer wurde wollte ich meine Jugend so sehr auskosten, wie es nur ging. Schließlich war dies ein gefährlicher Job! Zumindest sah das alles in meinen Lieblingsfilmen immer sehr gefährlich aus. Ich setzte Einen Fuß nach draußen in die Kälte und sah, dass eine Traube an Mädchen sich um ein Objekt auf der vom Schnee befreiten Straße gebildet hatte. Wollte ihr keine weitere Beachtung schenken und mich auf den Weg zur Bushaltestelle zu machen, bis sich eine kräftige, hübsche Hand aus der Traube erhob und mich zu sich rief. Nein, es war nicht die Hand, die mich rief. Es war ihr Besitzer, dessen Stimme ich unter tausenden wiedererkennen würde: „Bro! Hast'e mich etwa nich' gesehen?“ Die Mädchen wichen überrascht zur Seite und gaben die Sicht frei auf einen muskulösen Sechzähnjährigen, der breit und grenzdebil grinsend auf seinem Motorrad hockte. Mein großer Bruder Darin. „Mum is' noch auf Arbeit. Zäher Fall heute. Hat mich in der Pause angerufen und gesagt, 'ch soll dich abhohlen!“ Er lächelte mich an. Ich lächelte zurück und schwang mich Auf sein Motorrad. Darin tippte sich an die Stirn und zwinkerte den Mädchen zu. „Man sieht sich bestimmt wieder, Ladies! Sayonara! Das ist Italienisch und heißt 'schönen Tag noch!'“ Und schon drückte er das Gaspedal durch wie ein Rennfahrer und wir sausten los. Erstaunt blickten meine Klassenkameradinnen uns hinterher. Darin hatte in der genetischen Lotterie wirklich gewonnen – Alle attraktiven und gutaussehenden Teile unserer Eltern waren in ihm vereint. Er besaß einen Schopf an vollen, dunkelroten Haaren wie Mum und strahlende blauen Augen von Dad. Zudem war er groß und durchtrainiert, seine Haare trug er genau so wie Elvis Presley – alles was man sich eben an einem stereotypischen Schönling vorstellte! Und trotzalledem hatte er in seinen 16 Lebensjahren noch nie eine Freundin gehabt. Langsam fing ich an zu vermuten, er wäre vielleicht Schwul – wenngleich er auch noch nie einen Freund hatte, obwohl es für ihn auf beiden Seiten wohl genug Auswahl gibt. Aber so weit sollte ich die Klappe da nicht aufreißen, denn wärend Darin in allen äußerlichen Punkten das Siegerlos gezogen hatte, konnte ich mich gerade noch so über meinen Trostpreis freuen. Mittelgroß und knochig, immer wenn ich versuchte Muskeln aufzubauen scheiterte dieser Versuch kläglich. Meine Haare waren ebenfalls dunkelrot, allerdings nicht voll und nicht glänzend und auch nicht in einer perfekten 50ger Jahre-Tolle. Meine Augen waren braun und zwar nicht in einem schönen Braun, wie Haselnüsse oder Bäume – sondern in der Farbe von Kloakensosße deren einzelne Bestandteile man gar nicht erst wissen wollte. „Darin, stell dir bloß vor! Ich habe jetzt auch Ferien!“ Darin lachte – Für meine Verhältnisse Deutlich zu Laut. „Wunderbar Bro! Tut mir leid, dass ich dich noch ein paar Minütchen von deinem wohlverdienten Feierabend abhalten muss!“ Ich runzelte die Strin. „Warum dass denn?“ Fragte ich ihn skeptisch. „Kayley hat doch heute noch Bandprobe! Hast du das etwa vergessen?“ Hatte ich.

„....And so you end your life with a blood-boiling scream! AAAHHH!“ Schrie die Lead-Sängerin der Ultimate-Despairs theatralisch und ließ sich, das Mikrofon fest umklammert auf die Knie fallen. Als sie mich und Darin erblickte, hellte sich ihr Gesicht auf, obwohl ihr dicker Mascara und schwarzer Liedschatten vom Schweiß verlaufen war und sie ziemlich mitgenommen aussehen ließ. „Jackie, Darwin Award!“ Rief sie fröhlich, zuckersüß, mit einer Stimme die man der Frontfrau einer Deatmetal-Band gar nicht zutrauen würde. „Wie hat euch meine Show gefallen?“ Die ‚Ultimate Dispairs‘ waren eine Schülerband, welche man nur mit dem Wort 'bemerkenswert' beschreiben konnte. Und das nicht, weil sie bereits in ihren jungen Jahren heftigeren Death Metal auf die Bühne brachten als so manche erwachsene Band. Ein kräftiger Freshman am Schlagzeug, ein Mittelschüler in meinem Alter an der Gitarre, Ein weitrer als Bassist. Und die Lead-Sängerin – Das wohl ikonischte an der Band – ein Kleinwüchsiges, zehnjähriges Mädchen mit hellblonden Haaren und Hellblauen Augen, die Darin uns mich überglücklich anstrahlte, als hätte sie gerade ein Pony gewonnen. „Ihr werdet echt immer besser!“ Sagte ich, weil mein Gehirn Kayley Hobby nach all den Jahren noch immer nicht richtig verkraftet hatte. „Ihr werdet echt immer besser, Kay!“ Stimmte Darin mir zu. Was gab es über Kayley zu erzählen? Nun – Sie kommt ganz nach Dad. Und das nicht nur im Erscheinungsbild. Kayley war ein Genie und hätte bereits Klassen und Klassen überspringen können. Himmel, was rede ich? Es ist wäre nicht undenkbar, das sie bereits in meinem Alter – mit 13 – mehrere Doktorietel träge. Leider widmet sie sich nur ihrer einzige wahren Leidenschaft – Der Musik. Ihr Traum war es, eines Tages der größte Stern in der Metal-Szene zu werden. „Wartet ihr zwei Pappnasen noch kurz auf mich? Ich will mich eben umziehen!“ Zwitscherte Kayley und sprang von der Bühne. Irgendwie kommt es mir so vor als laufe in unserer Famile eine Linie an überdurchschnittlich klugen Menschen, die nicht wissen, ihren Geist richtig einzusetzten. Da gibt es Kayley und unseren Dad, in der mathematischen Welt eine Legende, aber in der Realen eine Niete. Er war von einer chronischen Panophobie, also einer Angst vor allem verflucht, aber ganz oben stand die Interaktion mit anderen Menschen. Er mochte technisch klug sein, ja, aber wenn es zu Smaltalk kam, dann war Dad noch dämlicher und peinlicher als Darin. Ich bin mir nicht mal sicher, ob er außer Mum Freunde hatte. Auch unsere Großtante Penelope soll in dieses Raster fallen, Dads Lieblingstante, aber niemand weiß, ob sie tatsächlich existiert und wo sie sich zur Zeit befindet. Kayley stackste mit einer rosanen Sporttasche über der Schulter auf uns zu, die schwarze Lederjacke hatte sie eingetauscht gegen eine hellblaue Strickjacke, von ihren Zehn Ohrlöchern waren nur noch zwei besetzt. Auch die Moderne Kunst in ihrem Gesicht hatte sie sich abgeschminkt und ihre Haare steckten in den zwei Seitenzöpfen, die beide mit einer pinken Schleife versehen waren. Ein beeindruckendes Mädhen, meine kleine Schwester. Sie konnte sich nicht zwischen Metal und Einhörnern entscheiden, also wählte sie beides. Würde ihr ein Flaschengeist einen Wunsch eröffnen, so wünsche sie sich vermutlich eine rosane E-Gitarre mit Stacheln. Erwartungsvoll blickte sie mir und Darin in die Augen. „Wie sieht es aus, liebe Brüder? Wollen wir hier den ganzen Tag herumstehen oder möchten wir uns auf den Heimweg begeben?“

Zuhase kamen wir zeitgleich mit Mum an, einer der gefragtesten und renomiertesten Staatsanwältinnen in ganz Michigan: Laurena Overhill, schlau, energisch, wenn auch leider immer noch in den achziger Jahren festsitzend. Dies erkannte man nicht nur an ihrem Musikgeschmack, ihrem Kleidungsstil und Ihren vulominösen, dunklen Haaren, sondern auch an ihrer Art im allgemeinen. Sie liebte Aerobic und auch ihre Rollschuhe staubten nie ein. Als ich ihr erzählte, das ich nun auch Ferien hatte, freute sie sich in erster Linie natürlich für mich, aber ihre Miene verriet, dass ich damit auch eine Idee ins Rollen brachte. Sie lächelte und gab mir einen kleinen Kuss auf die Stirn. „Wunderbar, Jake! Das Freut mich zu hören!“ Wir aßen gemeinsam zum Mittag und ich musste nicht lange darüber Rästeln, was ich ins rollen gebracht hatte, denn Mum klatschte nach dem Essen in die Hände und erhob die Stimme. „Kinder! Heute Abend treffen wir uns zu einer Familiensitzung! Mir ist gerade eine wunderbare Idee gekommen und ich bin mir sicher, sie wird euch allen ganz wunderbar gefallen!“ Das Lächeln verzog sich, als sie sich einer verschlossenen Tür mit der Aufschrift ‚LAB‘ zuwand. „Das gilt auch für dich, Raymond!“ Doch von Dad war nichts zu Hören. Er arbeitete für eine Computerfirma namens ‚Sixty-Two Willow Trees‘, doch seitdem er als einziger Programmierer für die Erste KI der Firma von Zuhause Arbeiten durfte, blieb er wahnsinnig gerne in seinem Zimmer und schrieb Codes. Einerseits gut für uns, da Dad nun viel mehr Zeit für seine Familie hatte und auf uns aufpasste, wenn Mum mal wieder in einer langen Verhandlung steckte, allerdings schlecht für ihn, da ohne den täglichen Kontakt zu den Kollegen seine Soziale Kompetenz noch weiter in den Keller brach. Himmel, ich glaube, dieser Mann hat seid den Sommerferien, als wir bei Uhroma Gracy waren, kein Sonnenlicht mehr gesehen! Vielleicht gerade wegen Uhroma Gracy. Und vielleicht auch, weil Dad seine Arbeit und seine Firma einfach mochte. Ich weiß nicht warum, aber seit ich mich erinnern kann, mochte ich Dad’s Firma nie besonders. Zwar produzieren sie nachhaltige Computer und setzten sich unglaublich viel für die Umwelt ein, darunter leidet jedoch die Qualität ihrer Produkte. Meine Computerbaterie ist unfassbar schwach – Da sie mit einem großen Solarpanel auf der Rückseite des Displays betrieben wird – Und das Gehäuse aus recyeltem Plastik könnte ich wohl noch mal neu recylen, hätte ich ihm nicht mit einem Exosklett aus Klebeband geholfen. Vermutlich war ein weiterer Grund für diese schier unerklärliche Abneigung auch meine rrste Erinnerung an das Firmengebäude. Damals arbeite Dad noch in einem Büro und hatte mich zur mitgenommen da ich an jenem Tag krank gewesen war, er und Mom jedoch beide zur Arbeit Mussten. Es Roch Stark nach verbranntem Kaffe und die Stromsparlampen flickerten bedrohlich, was einen kleinen, Sechjährigen selbstverständlich ungemein verunsicherte. Der Teppigboden stellte sich nach genauer Inspition als unfassabr fusselig heraus und die Wände waren in einem düsterem, schmutzigen Grün gestrichen. Auch an mein Schülerpraktikum in der Firma habe ich keine guten Erinnerungen, aber diese ringen sich haupsächlich um den frostigen Hof in welchem ein großer, stinkender Müllcontainer stand. Aber herumsitzen war eh nichts für mich, ich hatte andere Pläne! Mit einem freundlichen Wink stand ich vom Tisch auf und ging einer überraschend lehrreichen Tätigkeit nach: Ich laß ein Buch.

Das Buch wurde schnell unfassbar eintönig und Langweilig, Weswegen ich einfach begann, einen Film zu schauen. Als der Film vorbei war, entschied ich mich, mal wieder meinen lieblings-Professor-Layton-Teil anzufangen und viel zu schnell ging mein erster Feriennachmittag vorbei. Alle Anderen Saßen Bereits in Reih und Glied da, Mum strahlte vor Aufregung und Dad – Ein kleiner, dürrer Mann mit zotteligen, hellblonden Haaren, blauen Augen und einer großen, Runden Brille im Gesicht Starrte nur ein wenig deprimiert auf seinen Teller. Darrin trainierte mit einer kleinen Hantel und Kayley laß in einem Wissenschaftlichen Magazin, welches sich als ein durch und durch Expliziter Boys-Love-Manga herausstellte. Diese Guilty Pleasure meiner kleinen Schwester entstammt einer Lustigen Anekdote: Ihre Klasse hatte einmal einen Ausflug in einen Buchladen unternommen und meine kleine Schwester – welche schon einen Großteil der Bücher gelesen hatte – fragte ihre Lehrerin, ob sie nicht mal bei den Mangas schnuppern Dürfte. So hatte Kayley einen ganzen Grundschultag zeit, durch die Regale von asiatischen Comics zu stöbern, wobei auch über die Boys-Love-Abteilung stolperte. Und sie war sofort hellauf Begeistert. Immer, wenn sie jemand beim Erwerb der Bücher fragte, ob sie nicht viel zu jung dafür wäre entgegnete sie immer nur mit einem süßen Lächen: ‚Ach, die sind für meinen großen Bruder!‘ Und seit jeher mache ich mir Immer Sorgen, das ich damit gemeint bin. Mum klatschte in die Hände und wir alle blickten auf. „Was haltet ihr davon, über die Ferien wegzufahren?“ Fragte Sie und blickte in die Runde. „Wir Alle! Als Familie! Auf eine Tropische Insel im Süden!“ Er folgte eine lange, erstaunte Stille, in der Mum uns alle ein weiteres mal erwartungsvoll anschaute und wir alle nicht so recht wussten, was nun zu sagen und zu tun war. „Urlaub? Juhu!“ Kayley hatte als erste ihre Sprache wiedergefunden. Sie strahlte und applaudierte, ohne ihre Zeitung dabei wegzulegen. „Vielleicht Trifft Mister Bubbles ja andere Beuteltiere auf der Insel! Das mit dem Urlaub hört sich Supidupigut an!“ Mister Bubbels ist Kayles Lieblingsstofftier – Ein lebensgroßer Wombat, mit welchen sie in ihrem Zimmer oft  über die Milleniumsprobleme diskutierte. „Find' ich auch!“ Rief Darin Enthusiastisch. „Ich muss meine Muskeln mal wieder aufwärmen, sonnst gefriertrocknen sie noch und fallen ab!“ Die Begeisterung meiner Geschwister überraschte mich, da ich sie nicht teilen konnte. „Aber… Was ist mit Weinachten?“ Stammelte ich entrüstet. „Und mit unseren Geschenken?!“ „Noch ist nichts beschlossen, Jake... Wir stimmen ab.“ Versuchte Mum mich zu beruhigen, bevor sie sich zu Dad drehte. „Was sagst du denn dazu, Ray?“ Dad biss sich auf die Unterlippe. Seine Unterlippen waren von dieser Angewohnheit konstant spröde, vermutlich auch von der Kälte in Michigan. „Nun... eigentlich arbeite ich da gerade schon an einem Geschenk für die Kinder, auch, wenn es noch nicht ganz fertig ist...“ Begann er vorsichtig. „Wann würden wir denn losfahren?“ „Übermorgen!“ Sagte Mum mit klarer Stimme. „Ich habe da ein Ganz Phantastisches Last Minute Angebot im Internet Gefunden! Was meinst du?“ Hier kommt ein kleines Problem ins Spiel: Dad kann Entscheidungen nicht ausstehen. Die wichtigen Entscheidungen trifft Mum für ihn, weil er sich zu sehr darum sorgt, was für Folgen sie haben könnten. Das ist es. Das Schiksaal eines Mathematikers. Aber nun war er mit der Situation konfrontiert, eine Entscheidungen ohne Mums Hilfe zu treffen. Er schluckte trocken, klammerte sich steif am Weidenholztisch fest, wobei seine Fingernägel tiefe Rillen hinterließen und sagte: „Ich enthalte mich!“ Selbst der Klügste Mathematiker konnte in dummen Situationen überreagieren, denn Dad hatte unser Schiksaal soeben besiegelt: Er und Mum enthielten sich, ich war dagegen, Kayley und Darin dafür. Zwei gegen einen. Wir fuhren in den Urlaub.

Es war der Abend vor der Abreise und unser aller Koffer standen bereits fest gepackt im Auto. Ich hatte vor, früh schlafen zu gehen, wollte mir nur noch einen Podcast zum einschlafen anmachen, als eine Nachricht von Kayley mein Display erhellte. Sie Schrieb: „Ich habe ein Geheimniss herausgefunden und ich möchte es unbedingt mit meinen tollen, großen Brüdern teilen! Also schwingt doch bitte beide euren Popo in mein Zimmer, damit ich euch davon erzählen kann!“ Ich runzelte die Stirn. Ich wollte mich nicht mit Kayley anlegen, also ging Ich. Darin saß bereits auf dem Fußboden vor Kayleys Himmelbett und schaute zu ihr und Mister Bubbles auf wie zu einem weisen Orakel – Was sie im Grunde genommen auch für uns war. Trotz den zerzausten Haaren und der rosanen plüsch-Schlafmaske strahlte dieses Mädchen eine unfassbare Authorität aus. Und so kniete auch ich mich nieder vor der allmächtigen Schwester. „Ich habe Mumsy und Papsi gestern noch belauscht.“ Flüsterte Sie. „Eigentlich alles Friede, Freude, Eierkuchen aber es gibt da ein paar Dinge, die mir dann doch ein wenig komisch vorkamen... Mum hat für sechs Personen gebucht. Nicht Fünf – sondern sechs. Wir sind zu dritt, Mum und Dad sind zwei Personen. Das macht also...?“ Kalyey ließ es sich nie nehmen, Darin und mich zu belehren, ohne ihre süße 'Kleine Schwester' ausstrahlung zu verlieren. „Fünf.“ Stöhnte ich. Darin schaute hastig von den abgespreizten Fingern seiner Hand auf und nickte beständig. Kayley klatschte. „Richtig! Und nicht nur das: Davor hatte sie genervt geseufzt und Dad gefragt: ‚Musst du ihn denn wirklich mitnehmen?!’“ Sie schwieg, um ihren Worten mehr Ausdruck zu verleihen. Ihr Blick starrte in die Leere, Darin und ich blickten immer noch auf sie in der Hoffnung, eine Lösung des Rätsels zu finden. Das Auto war jetzt bereits überfüllt mit unseren Koffern und den unendlichen Horden an Krimskrams, auf die niemand verzichten wollte. „Wer ist… Er?“ Fragte ich Kayley. Mir war nichts aufgefallen, was mir sonderbar erschien, außer das Dad viel und lange in seinem Labor saß und auf die Tatsaturen schlug, als gäbe es keinen Morgen. Ob er wohl einen alten Freund wiedergefunden hatte und ihn nun auf eine Reise mit seiner Familie einladen wollte? „Ich habe nicht den blassesten Schimmer, Jackielein.“ Sagte Kayley bitter, sichtlich unzufrieden damit, es nicht zu wissen. Es verunsicherte mich, das selbst unsere kluge, kleine Schwester keine Ahnung hatte, was los war. „Aber wir werden es schon bald erfahren, da bin ich mir sicher!“
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast