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Dramione- Über dem Horizont

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Draco Malfoy Hermine Granger
24.02.2021
08.04.2021
25
75.879
104
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08.04.2021 4.945
 
„Malfoy?“

Hermine schickte ab und wartete wie gebannt. Ob er sein Handy überhaupt dabei hatte?

Sie beobachtete, wie er seine Hand lässig in die Hosentasche steckte und unter dem Tisch die Nachricht las. Hermine spürte wie ihr heiß wurde. Als er dann sein Gesicht wieder zum Veranstalter hob, als würde er die Nachricht nicht beantworten, tippte Hermine zitternd ein.

„Ich bin’s Hermine. Lynette hat mir deine Nummer gegeben.“

Sie hob wieder ihren Blick zu ihm und beobachtete, wie er sich die zweite Nachricht durchlas.

Er fuhr sich durch sein Kinn und wandte sich kurz in ihre Richtung um sie anzusehen.

Hermine spürte, wie ihr Herz pochte.
Jetzt gab es kein zurück mehr.
Er tippte unter dem Tisch ein.

„Ja bitte?“

Er hob seinen Blick wieder zum Veranstalter, der gerade etwas über die Dekoration erzählte und dabei einen Witz machte. Hermine hörte Pansys Stimme.

„Wie ööööde.“

Wie gut, dass sie abgelenkt waren. Hermine tippte wieder ein.

„Können wir uns gleich unterhalten? Unter vier Augen...“

Hermine schickte die Sms ab und beobachtete, wie Draco sie unter dem Tisch las. Er wirkte nachdenklich. Dann tippte er wieder ein.

„Denkbar schlechter Zeitpunkt. Worum geht’s?“

Hermine las die Nachricht und das Zittern hörte nicht auf. Sie senkte ihren Kopf wieder zum Handy.

„Ich habe einige Fragen. Vielleicht nach der Ansprache?“

Er las die Nachricht erneut und tippte ein.
„Wir unterhalten uns nach der Veranstaltung.“

Hermine las die Nachricht und fühlte, wie ihr Herz in die Hose sank. Wie betäubt blickte sie zu ihm auf und er wandte seinen Blick wieder zu dem Veranstalter, der etwas über Wohltat erzählte.
So ein Müll.
Wieso tat Malfoy, als wäre alles andere interessanter.
Als würde es ihn überhaupt nicht interessieren.
Wieder spielte er.
Das tat er jedes Mal, wenn sie ihm die Aufmerksamkeit schenkte.

Hermine langte es.
Zitternd vor Wut, Schüchternheit und Angst tippte sie die alles entscheidende SMS ein.

„Du warst das mit Harrys Verwandten, dem Theater und dem Ministerium! Du hast Barkley die Stelle bei euch angeboten, damit sie für mich frei ist. Warum hast du das getan?“

Hermine schickte die Nachricht ab und Harry stupste sie an.

„Warum zitterst du?“

„Später“, wisperte Hermine ihm zu. Es war gerade ein sehr schlechter Zeitpunkt, sich mit Freunden zu unterhalten. Hermine studierte Dracos Mimik, wie er erneut unter dem Tisch blickte und die Sms las. Er starrte die sms einige Sekunden länger als, als notwendig gewesen wäre.

Und zum ersten Mal, bemerkte Hermine, dass er sich ertappt fühlte, denn er nahm eine andere Stellung ein beim Sitzen und schien nachzudenken, was er antworten solle, während er aufs Handy starrte.
Nun gehörte Hermine seine ganze Aufmerksamkeit. Er tippte ziemlich lange ein und Hermine spürte, wie sich alles vor Aufregung in ihr verkrampfte. Nach endlosen Minuten erhielt sie eine SMS.

„Die Erkenntnis kommt etwas spät. Findest du nicht?“

Hermine starrte auf die Nachricht und spürte ein Stechen im Herzen. Sie hob ihren Blick zu ihm und er sah sie ebenfalls an. Dabei strich er sich durch sein Kinn. Hieß das, zu dem Zeitpunkt mochte er sie tatsächlich mehr als angenommen? Hermine schrieb ihm.

„Du hast mich die ganze Zeit im Dunkeln gelassen. Ich verstehe nicht warum.“

„Worauf willst du hinaus?“

Hermine nahm tief Luft. Sie hatte das Gefühl, als würde es ihr in dem Moment immer schlechter gehen. Dabei blendete sie immer mehr ihre Umgebung aus. Sie hörte nichts, sah nichts, überhörte das ständige Applaudieren der Gäste, das Gelächter, die Unbeschwertheit. Sie schrieb ihm.

„Ich will wissen, ob du etwas für mich empfindest. Ich habe dich das nie gefragt.“

Hermine wurde schlecht. Minutenlang wartete sie auf seine Antwort. Er tippte ziemlich lange und sie hielt die Anspannung kaum aus. Dann kam die Sms.

„Vielleicht hast du mich das nie gefragt, weil du deine Zeit damit verschwendet hast, ständig zu betonen, dass unsere Freundschaft einmalig sei.“

Hermine las sie, während er sich noch immer unaufhaltsam durch seinen Bart strich und aufs Handy blickte.

Hermine tippte zitternd ein.
„Das ist keine Antwort auf meine Frage. Was sind wir gewesen, wenn nicht Freunde Malfoy? Du hast nie etwas zu mir gesagt und nun kommt es mir so vor, als wäre doch etwas von deiner Seite aus gewesen.“

Er las die Nachricht und schien einen langen Moment nachzudenken. Hermines Blick wanderte zu Astoria, die mit ihren Freundinnen lachte. Ob Malfoy nebenbei mit ihr geschrieben hatte? Ob er und sie sich bereits unterhalten hatten? Ob er sich entschieden hatte?

Doch Hermine war fast, als würde er verstohlen lächeln.
„Granger, du nervst mich schon seit Wochen. Irgendwann reicht es, findest du nicht?“

Er packte sein Handy einfach zurück in die Hosentasche und wirkte wieder seriös und aufrecht. Zumindest nach außen hin. Hermine beobachtete, wie er mit den Füßen trippelte, was ein Indiz dafür war, dass er nervös war.
So kannte sie ihn überhaupt nicht!
Aufgeregt blickte sie aufs Handy.
Und dann klappte ihr die Kinnlade auf.
SIE nervte ihn seit Wochen?!
Sie blickte ihn ungläubig an, er erwiderte verstohlen grinsend den Blick.

In der Zeit redete der Veranstalter darüber, dass das fabelhafte Festmahl, das von der liebreizenden Narzissa Malfoy ausgewählt wurde, nach den Tänzen stattfinden würden.
Erneut Applaus und Jubel.
Malfoy beugte sich zu seinem Vater, der ihm etwas ins Ohr flüsterte. Der jüngere nickte kurz und richtete sich wieder in seinem Sitz, während Narzissa charmant den Applaus mit einem Nicken quittierte. Sie verhielten sich genau wie die reichen Snobs, die sie auch waren.
Hermine tippte verärgert ein.

„Ich nerve dich? Wenn dann nervst wohl du mich, mit deiner ständigen Geheimnistuerei.“

Er nahm sein Handy wieder zur Hand, las, strich sich über sein Kinn, um sein lächeln zu verbergen und steckte sein Handy wieder ein.
Hermine schickte ihm empört ein Fragezeichen hinterher. Wieder nahm er sein Handy zur Hand, las es und antwortete nicht?!
Dabei richtete er sich in seinem Sitz auf.
Hermine tippte in einer Kurzschlussreaktion ein.

„Mistkerl. Ich hasse dich.“

Er las die Nachricht erneut, lächelte verschmitzt und wieder keine Reaktion.
Und in dem Moment spürte Hermine, wie sie ihm am liebsten den Hals umdrehen wollte. Wieder hatte er es geschafft, dass sie wie der allerletzte Idiot da stand. Erst tat er dies alles, um sie zu manipulieren und so zu tun als würde er das beste für sie wollen, nur um sie dann so stehenzulassen.

Sie verdeckte ihr Gesicht mit ihren Haaren vor ihren Freunden, während sie die Luft anhielt, um nicht zu weinen vor Wut. Schließlich riss sie sich zusammen und unterdrückte das weinen. Sie würde warten, bis alle abgelenkt waren und dann einfach nur raus flüchten. Wobei..
Hermine blickte sich verstohlen um und sah die ganzen fröhlichen Gesichter der Gäste.
Sie tippte sich mit den Fingern in die Augeninnenwinkel, um ihre Tränen zu stoppen. Nein. Sie würde nicht gehen. Sie würde nicht einfach abhauen. Dieses Mal nicht. Sie würde sich amüsieren. Und beim besten Fall den Mistkerl später zu Rede stellen. Mit seinen Antworten war sie nicht zufrieden. Er würde erleben, wie sie wirklich war, wenn sie nervte.

„Nun bitte ich alle Damen und Herren, die für die Wohltat einen Tanz versteigern, sich durch die Tür hinter der Tribüne zu begeben. Und die restlichen Gäste können sich für einen Moment eine Pause genehmigen. Seien Sie bitte in 15 Minuten zurück auf ihren Plätzen.“

Plötzlich tuschelten die anwesenden Gäste und um die 15 Teilnehmer/innen standen auf, so wie einige der Gäste, sie aufs WC verschwinden wollten.

Und wieder kam der Wärter von vorhin auf Draco zu, um ihm etwas ins Ohr zu flüstern.
Es musste furchtbar anstrengend sein, solch einer Familie anzugehören, dachte Hermine sich bitter.
Malfoy nickte den Wärter zu und Narzissa legte lächelnd ihre Hand auf seinen Rücken, während Lucius zufrieden grinste. Und Hermine blickte so gedankenverloren auf diese Familie, dass ihr für einen Moment nicht auffiel, dass die Blicke der ältesten Malfoys ihre auffingen. Als die beiden Hermine bemerkten, wandte sie sich sofort ertappt von ihnen weg. Und sie schämte sich in dem Moment für sich selbst.

Draco hatte in der Zeit seine Krawatte zurechtgerückt und war in eine ruhige Ecke gelaufen, an der die Presse stand, bestehend aus ein Fotograf und einem Reporter. Daneben standen einige ältere Herren, die Hermine vom sehen aus dem Ministerium kannte.
Also war die Befragung beruflichen Zwecks, nahm sie an.
Plötzlich standen Pansy und Theo auf.
„Wir gehen mal die Lage checken. Ich hoffe wenn ich zurückkomme, ist Potter weg.“

„DITO“, erwiderte Harry verärgert und stand auf.
„Ich gehe mal eben auf die Toilette. Du bist ein gutes Abführmittel.“

Pansy streckte Harry den Mittelfinger aus und lief mit dem genervten Theo davon. Der schwarzhaarige rückte seine Brille empört zurück.

„Die hat sie doch nicht alle!.. Hermine? Alles okay?“

Harry legte seine Hand besorgt auf ihren Arm, während sie wie paralysiert nachdachte, was gerade geschehen war.

„Ja. Alles okay..“ sagte sie betont lächelnd und Harry nickte.
„Ich komme gleich, ok?“

Die Brünette lächelte bestätigend und senkte den Kopf. Als Harry gegangen war, rückte Lynette näher an sie heran.

„Was ist wirklich los?“

Hermine nahm einen tiefen Luftzug, um sich zusammenzureißen und drückte Lynette einfach ihr Handy in die Hand, sodass sie die Nachrichten selber lesen konnte. Aus einem ihr unerfindlichen Grund vertraute sie Lynette ihre Gedanken gerne an.

Lynette las die Nachrichten, seufzte und rückte näher zu Hermine ran um sie in den Arm zu nehmen.

„Oh man süße.. Er will dich nur aus der Reserve locken..“

Auf die Berührungen der maskulinen Schönheit hin wurde Hermine nur noch emotionaler.
Doch abermals unterdrückte sie diesen Schmerz.

„Ich bin es von ihm nicht anders gewohnt. Er spricht immer um den heißen Brei. Naja.. Vielleicht versuche ich es später wieder.“
Hermine senkte den Blick und rollte kopfschüttelnd mit den Augen.
„Wenn es dann nicht schon zu spät ist.“

„Soll ich mal mit ihm sprechen?“

„Nein bitte nicht“, erwiderte Hermine und atmete tief aus.
Sie legte ihre Hand auf die von Lynette.
„Dieses Mal muss ich da alleine durch.“

„Aber das Mistkerl war auch nicht schlecht. Hat sich bisher auch noch keiner gewagt..“ lachte Lynette und Hermine Stimme grinsend mit ein.

„Ja das ist mir herausgerutscht..Und seine Eltern starren mich so seltsam an. Ich gehe mal eben an die frische Luft.“

Lynette lächelte und hielt Hermines Hand fest.
„Gib ihn nicht auf. Vielleicht will er nur wissen, ob es dir etwas bedeutet..“

Hermine lächelte mit gesenktem Blick.
„Vielleicht. Ich muss darüber nachdenken.“

Hermine rückte den Stuhl zurecht und ihr war es in dem Moment egal, dass sie nun wieder alle Blicke auf sich erntete. Das einzige, was sie in dem Moment wollte, war es, nicht schwach zu wirken. Verdammt nochmals, Molly hatte ihr ein wunderschönes Kleid genäht, Ginny hatte Stunden mit ihrem Make-up verbracht und Harry musste sich anfangs im Tarnumhang herumschleichen! Alleine für ihre Freunde und für ihre Familie musste sie diesen Abend durchstehen. Und deswegen straffte Hermine ihre Schultern und lief geradewegs auf den Eingang, bzw. Ausgang zu, an dessen keine 2 Meter entfernt an der Säule Malfoy mit den ganzen Leuten stand und sich unterhielt.

Und Hermine setzte ihre selbstbewussteste Miene auf und spürte, wie die Zeit still bleiben zu schien. Gerade als Malfoy sich mit Jack Wolf, den Tagespropheten Reporter unterhielt, wandte dieser sich zu Hermine um, sodass auch Draco sich umwandte. Hermine sah ihn an. Und sie strahlte. Ja, er sollte wissen, dass es ihr gut ging. Das er sie nicht verletzen konnte. Das sie stark war. Er sollte wissen, dass sie kein kleines Sensibelchen war.

Vielleicht war er sogar bemitleidenswert, weil er nicht wusste, was wahre Liebe ist. Weil er es nur gelernt hatte, dass man ihm sein lebenslang alles hinterher schmiss. Er bekam Geld hinterher geschmissen, er bekam einen guten Ruf hinterher geschmissen, er bekam das Charisma und das gute Aussehen hinterher geschmissen, so wie auch Frauen, die sich sogar um ihn Prügeln würden.

Und während sie sich in dieser Sekunde absagen, während sich die anderen Augenpaare ebenfalls auf sie fixierten, musste Hermine daran denken, dass sie so naiv war zu glauben, dass er sich zumindest bei ihr Mal wie ein Normalsterblicher verhalten würde. Das er mal nichts hinterher geschmissen bekam. Dass er sich die Liebe erst verdienen, sogar erkämpfen musste.
Und das war, ebenso dafür zu kämpfen, dass er sie mochte, so wie er es ständig von ihr erwartete.
Und ja, heute wäre Hermine dazu bereit gewesen. Alleine, weil sie das mit dem Theater und dem Ministerium erfahren hatte. Aber anscheinend war sein Interesse genauso schnell verflogen, wie es gekommen war. Hermine hatte heute etwas getan, dass sie noch nie in ihren Leben getan hatte. Sie war ausgerechnet auf ihn einen Schritt zugegangen und er hatte ihr den nächsten verweigert. Und jetzt stand er hier, mit diesen vielen alten Männern und seine Ozean blauen Augen sahen sie so an, als wäre sie die einzige Frau auf der Welt.

Hermine war in diesem Moment mehr als glücklich, den anti Rutsch Zauber angewendet zu haben, denn das Adrenalin stieg so an, dass es ohne hätte schiefgehen können. Doch es lief genauso, wie Hermine es sich erhofft hatte. Und ja, sie hoffte, dass der Duft ihres Lieblingsparfüms ihm in dem kleinen Windzug, dem sie mit ihrem pompösen Kleid hinterlassen würde, ihn in die Nase steigen würde. Und er diesen Duft nie wieder vergessen würde. Genauso, wie er es mit ihr getan hatte.
Und noch immer sahen sie sich an, seine Strähne fiel ihm ins Gesicht, doch er dachte nicht daran, sie zurückzustreifen. Er sah sie einfach nur weiter an, während auch Hermine ihren Blick fest auf ihn richtete.

Nun waren sie sich nah genug, dass sie ihren Blick von ihm, Bad-bitch-alike löste, sich abwandte und schwungvoll an ihm vorbei hinaus aus dem Saal lief. Und sie sah auch nicht, dass die versammelte Mannschaft ihr hinterherblickte.
Eingeschlossen ihm.

—-

Hermine beschwor ihre rote Robe aus ihrer Handtasche und legte sie sich um die Schultern. Je weiter die Distanz zum Ball war, desto gedämpfter war die Musik, die stimmen, das Gelächter. Hermine spazierte eine halbe Stunde und es war ihr egal, dass sie die Tänze verpassen würde. Sie wusste, dass dieser Abend nicht einfach werden würde. Sie wusste, dass sie heute alles auf eine Karte gesetzt hatte. Und sie wusste, dass sie verlieren könnte.
Sie fragte sich, warum er sie eben an der Tür so angesehen hatte. Ob er doch etwas empfand? Aber waren das wirklich Gefühle? Fühlte sich die Liebe so an? Denn wenn es so war, dann war sie ohne die Liebe besser dran. Diese Art von Liebe war schmerzhaft.
Doch sie war trotz allem stolz auf sich. Sie war gekommen und hatte sich ihm gestellt. Sie wollte mit ihm sprechen. Ihm alles sagen.
Ihm ihre Gefühle Beichten.

Nachdem sie eine ganze Runde gelaufen war, blieb sie abrupt stehen. Sie sah das haarige Biest, von dem die ganze Zeit die Rede war, in einen Hof laufen.
Für einen Moment überlegte sie, was sie tun solle. Ob er gesprächig war? Es interessierte Hermine brennend, so folgte sie ihm langsam. Er bog um die Ecke des Gebäudes ab und Hermine tat dies nach einigen Minuten ebenfalls.

Sie entdeckte einen wundervollen Hinterhof, auf dem in der Mitte ein Springbrunnen, so wie Sitzbänke platziert waren. Rundherum waren Blumen. Und siehe an, da saß das Biest, dass Hermine als halb-Zentaur und halb Mensch identifizierte. Nur dass diese „Bestie“ zwei Beine statt vier besaß.
Ob er freundlich war? Doch es schien so, denn er hockte gerade über ein Buch. Hermine versteckte sich etwas vor einer Säule. Sie musste selber lächeln. Er schien zahm zu sein. Sie lief langsam auf ihn zu. Als er plötzlich aufsah und sie entdeckte, wirkte er überrascht. Hermine nahm sich den Moment, ihn zu mustern. Er war haarig, besaß braune Augen, zwei riesige Hörner und bei Merlin, er war groß. Riesengroß. Vielleicht 2 1/2 Meter? Er trug einen blauen Anzug und ein weißes Hemd. Sein Aussehen war furchteinflößend, sein Blick schien jedoch sanft. Er wirkte nicht, als würde Hermine ihn stören können. Sie setzte sich schüchtern zu ihm.

„Hey, ich hoffe ich störe Sie nicht.“

Er klappte das Buch zu.

„Hey, nein!“, antworte seine sehr tiefe, brummige Stimme.

Hermine musste lächeln, er wirkte noch zahmer als gedacht. Und irgendwie so vertraut... Dann erkannte sie das Buch Cover, dass er versuchte, zu verstecken. Wie niedlich. Und das, obwohl er zwei riesige Hörner trug, die einen Normalsterblichen mit Sicherheit entzweiten werden. Hermine hätte nicht gedacht, dass ein Halbblut Zentaur wie dieser, so freundlich, fast zurückhaltend konnte, da Zentauren sehr stolze Wesen waren.

„Über dem Horizont! Das ist mein Lieblingsbuch!“ sagte Hermine lächelnd.

„Ja.. Ich mag das Buch auch sehr. Sie war wirklich sehr mutig.“ brummte er überzeugt und sah Hermine schließlich so intensiv an, dass er ihr schon vertraut vorkam. Sie senkte schüchtern den Kopf, presste die Lippen zusammen und sah schließlich auf, ihm ins Gesicht. Es klang schon fast wie eine Anspielung.

„Ja das war sie..“, nickte sie und sah ihn schüchtern an.
„Ich wünschte, ich wäre es auch.“

„Ach was!“, antwortete er schon fast verärgert, als wäre er überzeugt, dass Hermine es war.
Dann sah er sie vorwurfsvoll an.

Hermine lächelte traurig, nahm tief Luft und sah ihm betrübt in die Augen.
„Ich habe ihm nie gesagt, was ich fühle.“

Das Biest schien für einen Moment etwas irritiert über diese plötzliche Offenbarung, wirkte fast verwundert und zögerte. Aber natürlich, es setzte sich nicht jeden Tag eine junge Frau zu ihm und erzählte ihm ihre Gefühle über einen jungen Mann. Ob er wusste, dass es um Malfoy ging?

„Es ist noch nicht zu spät dafür“, antwortete er, noch immer erstaunt. Er sprach weiter mit gehobenen Brauen.

„Was hast du zu verlieren? Nichts.“

Hermine lächelte und blickte gerade aus.

„Vieles.“
Das Biest sah sie an und Hermine wandte sich ebenfalls zu ihm um.
„Entweder bricht er mir das Herz, oder seine Familie.“

Das Biest blickte Hermine konzentriert an, schien sich wirklich die Zeit zu nehmen ihr zuzuhören. Und so legte Hermine die Karten auf dem Tisch und grinste spielerisch.

„Und mit den Malfoys will man sich nicht anlegen.“

Sie hatte es getan.
Sie hatte es wirklich getan.
Sie hatte dem Biest von den Gefühlen zu Draco erzählt. Und er schien sie ernst zu nehmen. Ihre sorgen ernst zu nehmen. Denn ihr spielerisches Lächeln verwandelte sich in eine traurige Miene, als sie wieder ihren Kopf senkte.
Er sah sie nachdenklich an.

Und es war eine gute Entscheidung, dies auszusprechen. Es tat gut, bei den Biest Trost zu suchen. Bei ihm, als Außenstehendes Wesen, der nicht so tat, als wäre die Welt rosa und rot. Der kein Freund war, der ihr ständig erzählen wollte, wie einfach es sei jemandem, seine Gefühle zu gestehen, als wäre das Firlefanz. Nicht zu wissen, ob die Person, die vorgab, einen zu mögen, auch für immer bleiben würde, oder es nur auf Zeit wäre. All die Wochen und Monate hatte sie ihre Gefühle unter Verschluss gehalten. Sogar vor sich selbst. Und nun saß sie keine zwei Minuten mit dem Biest und es sprießte nur so aus ihr heraus, weil sie sonst drohte, vor lauter Gefühlen zu explodieren. Denn es hatte sich zu viel angestaut.

Doch in dem Moment, fühlte es sich so an, als würde Hermine zum ersten Mal jemanden offen ihre Gefühle gestehen können. Sie wusste nicht warum, sie wusste nicht weshalb, aber sie verspürte das Bedürfnis, es ausgerechnet diesem Biest zu sagen. Er wirkte in seiner ganzen Art so reif und weise, dass es sich befreiend anfühlte. Der Schmerz wurde real beim Aussprechen dieser Worte, doch gleichzeitig heilte dieser Schmerz sie.

Er sah sie noch immer intensiv an, als wäre er überrascht darüber, dass sie ausgerechnet den jüngsten Malfoy meinte. Schließlich beugte er sich zu Hermine vor.

„Wieso vertraust du ihm nicht?“

Hermine lachte kurz unsicher und blickte schließlich ihn die Ferne.

„Leichter gesagt, als getan.“

Für einen Moment blieb Hermine mit dem Biest schweigend sitzend, blickte einfach nur in die Ferne.
Und diese stille war angenehm.
Dann sprach Hermine weiter.

„Ich kenne ihn schon so lange. Mein halbes Leben, etwas länger. Und ich habe ihn gehasst..“

Hermine lächelte und schwelgte in Erinnerung. Es war fast, als würde sie zu sich selbst sprechen, so ruhig war das Biest. In dem Moment hörte man nur den Wind pfeifen, fast als würde er ein Lied singen.. er war angenehm kühl, verschaffte ihr eine Gänsehaut, während das Wasser vom Brunnen hinter ihnen fröhlich plätscherte. Ihre Robe spendete ihr wärme. Die Laternen gaben ein sanftes gelbes Licht in der Abenddämmerung ab. Und Hermine sprach weiter.

„Wir hatten keine leichte Vergangenheit. Und die Fronten waren verhärtet zwischen Muggelgeborenen und Reinblütern. Wer hätte es ahnen können, dass er mich nach all den Jahren dazu bringt, ihn zu mögen und ihm zu vertrauen. Ja, ich habe meine Zeit gebraucht.. Vielleicht länger als andere Frauen..“

Hermine sah dem Biest intensiv in die Augen.

„Wieso hat er aber nicht gewartet, wenn ich ihm etwas bedeutet habe? Wieso hat er entschieden, einach zu heiraten?"

Das Biest antwortete nicht, wartete nur und Hermine senkte den Blick.
„Ich konnte oft nicht schlafen, weil Erinnerungen hochgekommen sind. Und ich habe ständig an mir gezweifelt, weil es jeder besser wusste, statt mir mein Tempo zu lassen. Aber ich schätze, das war schon immer der Unterschied zwischen ihm und mir. Ich bin eine Person, die Zeit braucht, liebe, vertrauen. Er ist schnelllebig. Kein Wunder. Er trinkt Espresso.“

Hermine fing an zu lächeln und blickte wieder in die Ferne.

„Ich hätte mir gewünscht, dass er mir seine Gefühle zeigt. Ich weiß, er ist nicht der Typ dafür.. Er ist kühl und ein Aristokrat.. Mag keine gefühlsduseleien.. Aber wieso hat er mich nicht an die Hand genommen, auch wenn ich es vielleicht in manchen Momenten nicht verdient hätte.. Wieso war er nicht klüger als ich?“

„Was, im Himmel, genau mögen Sie dann an ihm?“, fragte das Biest mit der sanften, brummigen Stimme.
Hermines Augen fingen an zu Tränen und sie wischte sich ihre Tränen schnell weg. Dabei lachte sie verzweifelt.

„Es gibt vieles, dass ich an ihm mag. Er war immer zuvorkommend. Er kam nie mit leeren Händen zu mir. Mal waren es Pralinen, mal Blumen. Diese hatte er aus dem Foyer des Manors gepflückt. Behauptet zumindest er. Und er hat manchmal einen komischen Humor.“

Hermine lächelte und das Biest erwiderte das Lächeln verhalten. Er schien zu warten, dass Hermine weiter sprach. Sie stützte ihre Hände auf dem kalten Stein ab.

„Ständig wollte er mich einladen, eben ein echter Gentleman. Er hielt mir Türen offen. Er beschützte mich, auch wenn ich den Schutz nie brauchte. Und wir haben viel geredet. Stundenlang. Über alles. Seine Weltanschauung ist faszinierend. Übrigens, wollte ich ihm das Buch dass Sie lesen, auch leihen. Wir sprachen darüber und er hatte vergessen, es mitzunehmen..“

Hermine deutete auf das Buch, dass neben ihm lag und lächelte. Das Biest wandte sich ebenfalls zu dem Buch um. Hermine sprach weiter.

„Er hat mich nie in Situation ausgenutzt, in denen es für ihn möglich gewesen wäre. Ich habe mich immer gefragt, worüber er nachdenkt, wenn er mich mit diesen hellen Augen ansah. Ich mag seine Augen. Sie wirken auf den ersten Blick kalt und arrogant. Aber sie sind in Wirklichkeit so tiefgründig und.. Voller Geheimnisse. Wie ein Ozean. Ich muss immer an einen tiefen Ozean denken, wenn ich in seine Augen sehe.“

Ihre Augen fingen bei den Erinnerungen an zu Tränen und ihr Herz schmerzte sie. Diese Momente würde es nie wieder geben.
Das wurde ihr so eben klar.

„Ich will eigentlich nicht weinen. Aber der Schmerz, den ich ihm nicht zeigen kann, zerreißt mich. Er bedeutet mir so viel, dass es mir weh tut. Und dieser bescheuerte Mistkerl hat es all die Zeit nicht gesehen.“

Hermine fuhr sich lächelnd über ihr Gesicht.
„Ist ja auch egal. Ich will nicht ihre Zeit verschwenden Sir.“

„Meine Zeit verschwenden Sie nicht, Ms. Davon habe ich genug. Ich gehe davon aus, dass auf dem Ball niemand mit mir tanzen wird“, brummte das Biest lächelnd und sah aufgrund der Größe und Hermine herab. Sie erwiderte den Blick und wurde so furchtbar traurig, dass das Biest wahrscheinlich mit viel Ablehnung rechnete. Und sie nervte ihn mit ihren Luxus Problemen.

„Warum sind Sie eigentlich zum Tanz geladen worden? Ist diejenige, die mit ihnen nicht tanzt, seine Auserwählte?“

Das Biest runzelte seine haarige Stirn, soweit es möglich war. Er blickte Hermine mit einer Grimasse an.

„Nein. Wer erzählt denn so einen Schwachsinn?“

Hermine presste verlegen die Lippen zusammen.
Harry.....

Das Biest sprach weiter.
„Das macht der Junge bestimmt selber. Meine Auserwählte darf entscheiden, in welche wohltätige Instution die heutigen Spenden fließen werden. Und jungen Mädchen ist es egal.“

Das Biest blickte Hermine plötzlich zögernd an.
„Haben Sie denn nicht Lust, den Tanz mit mir zu bestreiten? Dann fühl ich mich nicht so einsam.“

Die Brünette wischte sich lächelnd die Tränen weg und legte ihre Hand spielerisch lächelnd mit gerecktem Näschen auf die riesige des Biests.

„Falls sich niemand findet.. Dann fühle ich mich als Vorstand zur Aufsicht und Führung magischer Geschöpfe dazu verpflichtet, die Tanzfläche mit Ihnen zu bestreiten. Und dann finden wir schon eine Institution, denen die Spenden mehr als helfen werden. Ich hätte da auch schon eine Idee!“

Das Biest sah Hermine in die Augen und hob plötzlich seine riesige haarige Hand, um Hermine ebenfalls sanft die Tränen von Gesicht zu wischen. Hermine ließ es etwas irritiert über sich ergehen.

„Bei so einem wunderschönen Gesicht, sollten Sie mehr lachen als weinen Ms. Es wird alles gut. Ich verspreche es Ihnen.“

Hermine lächelte zurückhaltend und wusste nicht so recht, was sie auf diese Geste antworten solle, als der nervige Wärter in den Hinterhof schritt.

Das Biest stand auf und wandte sich zu Hermine um.

„Wir sehen uns.“

Hermine lächelte.

Das Biest schritt mit schweren Schritten davon, wandte sich beim Gehen nochmal zu Hermine um.

Hermine blieb für einen Moment sitzen und blickte ins Leere, um in sich zu gehen. War es richtig, dass sie ihm den Tanz angeboten hatte? Gerade als sie aufstehen wollte, sah sie neben sich sein Buch liegen dass er vergessen hatte. Kurz entschlossen steckte sie es sich in die Tasche, um es ihm später zu geben.
Die Brünette nahm ihr Handy hinaus und sah drei verpasste Anrufe und eine Nachricht von Harry.

„Hermine wo bleibst du? Bist du mit Malfoy? Er ist auch nicht im Saal.“

Sofort schrieb sie ihm verwirrt.
„Nein! Wie kommst du darauf? Ich komme.“

Sie lief zurück in den Saal und die Stühle waren Plötzlich alle reihenweise aufgestellt. Die Tische waren verschwunden und der Saal wirkte plötzlich so leer, sodass die riesige Tanzfläche das Highlight war.
Die Gäste saßen bereits, einige waren aufs WC verschwunden, es herrschte leichte Unruhe und Aufregung. Und zu Hermines größten Entsetzen saßen Harry und Lynette zwei Reihen vor Zabini. Der Platz neben ihm war frei. Mit Sicherheit für Draco. Ob er doch nicht tanzen würde? Hermine fühlte sich elendig. Hätte sie die ‚Mistkerl‘ SMS lieber sein gelassen!

So lief sie wie betäubt auf ihren Platz neben ihren Freunden und ließ ihre Augen wandern. Sie sah die Freundesgruppe von Astoria, die sie anstarren. Die schwarzhaarige jedoch war nicht da. Ob sie sich zum Tanzen anbieten würde? Ob sie Draco bitten würde, mit ihm zu tanzen? Als sie ihren Blick weiterhin wandern ließ, sah sie auch ihn nirgends.
Hermine bekam Panik in dem Moment.

Die Brünette setzte sich links neben Lynette, die neben Harry saß. Und links von Hermine saßen einige junge Herren, die sie kindisch angrinsten.

In dem Moment, stupste Harry Hermine an und deutete auf den Eingang des Saals, an dem Draco gerade hinein geschritten kam.

„Geht’s dir gut?“, flüsterte Lynette und Hermine nickte lächelnd. Zumindest versuchte sie es. Sie hatte ein komisches Gefühl. Entweder war es ein verdammt gutes oder ein verdammt schlechtes.
„Du musst heute echt ganz schön was durchmachen..“, seufzte Lynette und nahm ihre Hand.

„Ich werde es überleben“, flüsterte sie lächelnd und blickte zu Harry, der sie durch seine Brillengläser hinweg anlächelte.
Er beugte sich vor.

„Malfoy wirkt gerade nervös. Aber schau nicht hin.“

Hermine nickte und Malfoy setzte sich nach hinten zu Zabini, während einige Frauen ihm schmachtend hinter blickten. Ob er sie inzwischen bemerkt hatte? Hermine wandte sich eine Sekunde zu ihm um. Er schien sich in dem Moment flüsternd mit Zabini zu unterhalten und nicht zu merken, dass sie vor ihm saß. Na super, jetzt würde er ihr ständig auf den Rücken starren können.

Und so füllte sich Saal wieder mit Gästen. Es war seltsam unruhig, seitdem der Pianist nicht spielte.

Schließlich riskierte Hermine einige Minuten später erneut einen Blick nach hinten. Sein Blick war auf sein Handy gerichtet, während Blaise Zabini neben ihm einem Mädchen ganz offensichtliche Avancen machte.
Das veranlasste den blonden dazu, seinen Blick zu heben. Hermine wollte sich wieder nervös umdrehen bevor er es bemerkte doch er fing ihren Blick auf. Sofort fühlte Hermine ihren Puls steigen. Die pampigen Nachrichten waren in dem Moment vergessen, die sie sich erst vorhin geschickt hatten.
Denn sie lächelte ertappt und er erwiderte das Lächeln. Und sein Lächeln wirkte irgendwie anders, als sie es von ihm gewohnt war. Sie konnte es nicht einmal identifizieren.
Fast behutsam und vorsichtig.
Hermine wandte sich sofort wieder nach vorne um, bevor es jemand bemerkte und spürte seinen Blick auf sich im Rücken.

„Was hast du da in der Hand?“, fragte Lynette und Hermine senkte den Blick zu dem Buch, dass das Biest vergessen hatte. Bevor Hermine irgendwelche Erklärungen abgeben konnte, nahm Lynette ihr das Buch ab und blätterte darin interessiert. Die Brünette beobachtete sie dabei, als Lynette plötzlich eine Seite aufschlug, auf der ein Eselsohr gefaltet wurde. Als auch Harry einen Blick darauf warf, sah er Hermine erstaunt an.

„Ist das dein Buch? Seit wann faltest du Eselsohren?“

Hermine fühlte plötzlich ein flaues Gefühl im Magen und es erschlich sie eine Vorahnung.

Kapitel 25
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