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Dramione- Über dem Horizont

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Draco Malfoy Hermine Granger
24.02.2021
15.06.2021
26
81.151
112
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Dieses Kapitel
23 Reviews
 
29.03.2021 3.549
 
So, doch früher als erwartet :D
Ich hoffe ihr lässt mir trotzdem noch ein liebes Review da, dann hab ich morgen früh auch noch was zu lesen:D

Gute Nacht und bleibt gesund lesen uns dann Freitag!


——-
Hermine hatte die nächsten drei Tage kaum
geschlafen, kaum gegessen und auch nicht gearbeitet.
Sie war nur bei Krummbein geblieben, hatte Besuch von ihren Eltern und ihren Freunden empfangen, die sich allesamt um Krummbein kümmern wollten.

Doch dieser blieb ständig alleine, schlief nur und aß kaum etwas und ließ sich zudem von niemandem anderen außer Hermine tragen.

Ron hatte sich mit einem schlechten Gewissen für alle Gemeinheiten bei Krummbein entschuldigt und ihm Katzenfutter mitgebracht, was er natürlich nicht fraß.

Nun war es vier Tage später, ca. 21 Uhr und Hermine hatte einen Anruf von Ginny empfangen.


„Hey, Hermine ... ich kann nicht aufhören, an euch beide zu denken. Du hast so niedergeschlagen ausgesehen und warst kaum ansprechbar ...“

„Es tut mir leid ...“, flüsterte Hermine, während Krummbein auf ihrem Schoß schlief.

„Es war mir einfach zuviel die letzten Tage. Ich habe eine schreckliche Angst um Krummbein und - ... bitte lenkt mich ab ...“ Hermine versuchte die Tränen, die ihr in die Augen stiegen sofort weg zu wischen.

„Oh man.. Harry möchte mit dir sprechen, Süße...“

„Ist ok ...“, flüsterte Hermine und hörte wie Ginny das Telefon weiter reichte.

„Hermine?“

„Hey, Harry ...“

„Ginny und ich sind jederzeit erreichbar. Wie geht es ihm denn?“

Hermine seufzte betrübt.
„Danke ... sein Zustand ist unverändert ... ich hoffe, dass er trotzdem auf die Beine kommt.“

„Hm ...“

„Es tut mir leid, dass ich die letzten Tage kaum Zeit für euch hatte. Wie war es denn bei den Dursleys?“


Harry räusperte sich plötzlich und es hörte sich verdächtig nach einem Grinsen an.


„Naja ... es war, sagen wir mal, okay ...“

„Okay? Erzähl!“

„Naja, wir haben gegessen, es war still am Tisch ... Petunia hat Klöße gemacht ... Onkel Vernon hatte gefragt, wie die Schule läuft und ob wir dort immer noch Zaubertricks lernen.“

„Ist ihm entgangen, dass du seit zehn Jahren nicht mehr zur Schule gehst?“, fragte Hermine und Harry lachte.

„Anscheinend schon. Und Big D hat mir am Ende gesagt, dass er findet, dass ich keine Platzverschwendung sei. Das war das schönste Kompliment, dass mir jemals im Leben gemacht wurde.“


Hermine kicherte kopfschüttelnd und schaffte es für einen Moment, ihre Sorge beiseite zu schieben.

„Also war der Tag erfolgreich?“

„Ja, war er ... es hat sich einfach ... gut angefühlt.“

„Und trefft ihr euch wieder?“

„Ja. An Vernons Geburtstag bin ich eingeladen.“

„Wann ist der denn?“

„In 6 Monaten und 7 Tagen.“

Hermine kicherte.

„Oh man ... gibst du mir noch einmal Ginny?“

Hermine streichelte Krummbein über das Fell, als Ginny ran ging und Hermine mit etwas besserer Laune nach dem Theater fragte.

„Und wie wars eigentlich? Warst du mit Luna?“

Ginny schwieg und das kam Hermine seltsam vor.

„Ginny? ...“, fragte Hermine gedehnt. In dem Moment stand Krummbein auf, weil er sich gestört fühlte und stakste schwach auf sein Kissen auf der anderen Seite des Zimmers zu.

„Ach scheiße Hermine! Ich sags jetzt einfach! Wir haben Malfoy dort mit einer anderen Frau gesehen! Aber vorab, sie war nicht so hübsch, wie du! Sie hatte komische weite Hosen an, einen schwarzen Kurzhaarschnitt und wirkte allgemein, als hätte sie kein Interesse an ihm. Außerdem hatte sie eine komische grüne Strumpfhose unter der weiten Hose an und schwarze Boots, kombiniert mit einer grünen Jacke. Ekelhaft, ehrlich. Bestimmt eine Malerin oder Künstlerin. Die sind eh immer abgehoben und halten sich für etwas besonderes.“


Hermine spürte Übelkeit in sich aufzusteigen und ihr Herz verkrampfte sich.
Ihr Herzschlag setzte kurzzeitig aus.

„Hermine? ...“, flüsterte Ginny und Hermine rang nach Worten, fand jedoch keine.
Das war definitiv nicht der richtige Zeitpunkt gewesen, ihr das zu erzählen.

„Ginny ... ich - ...“

„Vielleicht war sie nur eine Freundin?“, versuchte es Harry schwach und Hermine atmete tief Luft aus, merkte allerdings, wie es in ihrer Kehle zu brennen anfing.
Es war zwei Wochen her seitdem sie den Kontakt abgebrochen haben.
Malfoy ließ anscheinend nichts anbrennen.
Hätte sie sich denken können.
Es war alles fake von seiner Seite aus.
Und trotzdem tat es verflucht weh.

Ginny riss das Telefon an sich.
„Aber als er Luna und mich gesehen hatte, schien er nicht begeistert zu sein! Naja, vielleicht lag es daran, dass ich ihm Todesblicke zugeworfen habe. Und weißt du was? Das Theaterstück hatte nicht einmal richtig angefangen, da hatte er das Stück mit der Ollen schon verlassen!“

Das war kein Trost. Überhaupt nicht. Hermine setzte eine betont desinteressierte Stimmlage ein.

„Naja, hätte ich mir bei dem denken können ... Aber du hättest es nicht tun müssen Ginny, denn es gibt wichtigeres als Malfoys Liebeleien. Und ich weiß, dass du die Frau aus Solidarität mir gegenüber beleidigst, aber schließlich kann sie ja nichts dafür ...“

„Mhh ... dann hätte ich sie vielleicht vor dem Idioten warnen sollen ...“, antwortete Ginny verächtlich.

„Nicht nötig. Soll er einfach glücklich werden. Ich muss jetzt Schluss machen, ich melde mich später bei euch. Okay?“, erwiderte Hermine mit kratziger Stimme.

Ihre beiden Freunde verabschiedeten sich etwas geknickt von ihr und Hermine wollte vor Wut ihr Handy an die Wand pfeffern, doch hielt sich in letzter Sekunde zurück. Sie wollte Krummbein nicht erschrecken, der gerade unruhig auf seinem Kissen lag.

——

Gegen 02 Uhr am Morgen schreckte Hermine auf, weil irgendetwas ihre Füße streifte. Sie blinzelte und versuchte in der Dunkelheit etwas zu sehen. Sie war sitzend auf der Couch eingeschlafen und Krummbein hob schwach seine Pfoten gegen ihre Füße, als würde er mit seiner letzten Kraft zu Hermine wollen.
Ab diesem Zeitpunkt, stellte Hermine verzweifelt fest, dass sie ihm nicht mehr helfen konnte.
Sie fing an zu weinen und hob Krummbein auf ihren Schoß. Und so, wie es Mama Mädchen machten, nahm sie, auch noch mit 28 Jahren, ihr Handy zur Hand und tippte hektisch und zitternd auf 'Mum', um ihre Mutter in der verzweifelten und ausweglosen Lage anzurufen, in der sie jegliche Hoffnung verlor.

Hermine schluchzte bereits in den Hörer, im Hinterkopf das schlechte Gewissen, da ihre Mutter frühst in die Praxis musste und sie sie jetzt weckte. Doch sie brauchte jetzt niemanden dringender.

Als nach dem fünften Klingeln endlich abgenommen wurde, brach es wie ein Damm über Hermine.
Sie weinte.

„Mum, ich glaube es ist schon soweit, ich habe so eine Angst ...“

„Granger?“

Hermine brauchte zwei Sekunden um zu realisieren, dass die Stimme nicht ihrer Mutter gehörte und es eine männliche Stimme war. Dazu eine ihr verdammt vertraute.

Zitternd blickte sie auf ihr Display und stellte zu allem Überfluss auch noch fest, dass statt 'Mum' dort 'Malfoy' stand.

Verdammt! Sie hatte sich verwählt!
Entsetzt wischte Hermine sich die Tränen weg, stotterte zitternd ein „Hab mich verwählt.“ und legte auf.

Wie versteinert stand Hermine vom Sofa auf und hockte sich zu Krummbein hin. Das letzte Mal, als sie sich so schlecht gefühlt hatte, war, als sie glaubte, Harry sei tot gewesen. Ermordet von Voldemort. Und für viele mag das Leben eines Haustiers nicht so viel wert zu sein, wie das eines Menschen, aber Krummbein gehörte zur Familie und Hermine sah ihn auch als vollwertiges Mitglied an. Sie hatte sich seit sie ein kleines Mädchen war um ihn gekümmert und gute und schlechte Zeiten mit ihm überstanden. Manchmal zankten sie sich, aber Krummbein verließ Hermine NIE. Und dass er jetzt zu Hermine angetapst kam, als würde er sich verabschieden wollen, als würde er Angst haben, ohne sie zu sein, brach ihr das Herz.

Sie versuchte nochmal ihre Mutter zu erreichen, die mit aller Wahrscheinlichkeit fest schlief und deshalb nicht abhob.
Dann versuchte sie Ginny anzurufen, dann Harry und schließlich Ron die allesamt nicht ans Telefon gingen.
Hermine war auf sich alleine gestellt.

„Bitte halt durch Krummbein! Du darfst nicht sterben!“, flüsterte sie und nahm ihn in den Arm, um ihn innig zu drücken.

Ihr Handy klingelte in dem Moment und Hermine riss es zu sich in der Hoffnung, dass es ihre Mutter war oder jemand, der sich doch noch nach ihr erkundigte.
Doch seltsamerweise war es Malfoy.

Und Hermine wusste selbst nicht warum, denn sie verachtete ihn momentan mehr als alles andere, aber sie nahm den Anruf zitternd ab, ohne ein Wort zu sagen.

„Granger was ist los?“

Hermine spürte die warmen Tränen aus ihren Augen fließen, denn dass er nach ihr fragte, löste seltsamerweise etwas in ihr aus, dass sie noch mehr weinen ließ.
Und Hermine wusste nicht, wie sie diese Worte so ruhig herausbringen konnte, während sie leise schluchzte, doch sie tat es.

„Krummbein stirbt gerade.“

Schweigen am anderen Ende der Leitung. Hermine holte tief Luft, während sie sich die Tränen weg wischte, die ihr immer wieder über die Wange liefen.

„Möchtest du das ich komme?“, fragte er.
Sie war für einen Moment viel zu sprachlos, viel zu traurig, viel zu enttäuscht und viel zu sehr am Boden zerstört.
Und er war der, den sie gerade am aller wenigsten sehen wollte.
Sie wollte seine Hilfe nicht.

„Vielen dank, aber nicht notwendig. Machs gut.“

„Granger.“, sagte er in so einer Selbstverständlichkeit, dass Hermine sich seltsam machtlos fühlte und schwieg.
„Bis gleich.“

Er legte auf und Hermine wusste nicht so recht, wie das gerade überhaupt geschehen konnte, das aus einem versehentlichen Anruf wieder ein Zusammentreffen nach Wochen stattfinden würde.
Allerdings war sie viel zu aufgelöst um weiter darüber nachzudenken. Es war tröstlich zu wissen, dass sie vielleicht doch nicht mit ihren Gefühlen alleine sein musste.

Und es dauerte keine drei Minuten als ihre Haustür klingelte.
Sie stand zitternd mit Krummbein auf dem Arm auf und lief hin, um sie zu öffnen.
Er stand vor ihr. Nach Wochen. Und sie sahen sich an, als hätten sie sich so viel zu sagen, aber irgendwie auch nichts. Wie empfing man jemanden, von dem man so enttäuscht war, dass man ihn nie wieder sehen wollte?

Hermine ließ ihren Blick kurz schweifen.
Er sah verschlafen aus. Er trug einen schwarzen Wollpullover und eine graue Jogginghose, die er sich schnell übergestreift haben musste.

Während sie wie betäubt vor ihm stand, der Kater in ihrem Arm, schritt er nach einem langen Blick kommentarlos hinein und schloss die Tür hinter sich.

„Warst du beim Heiler?“, fragte er und musterte den schwachen Kater, dessen Atemzüge nur noch ganz flach gingen.

Hermine nickte, ohne ihn anzusehen.
Am liebsten hätte sie ihm darauf eine sarkastische Antwort gegeben, aber das war bei Merlin nicht der richtige Zeitpunkt dafür.
Sie konnte es einfach nicht ertragen, ihm
in seine Augen zu sehen.
Aber es fühlte sich auch ... erleichternd an, dass er da war.

„Und?“, fragte er weiter und kam noch näher an sie heran, um seinen Arm sanft nach Krummbein auszustrecken .

„Marasmus senilis.“

Eigentlich wollte Hermine ihn mit dem Fachbegriff provozieren, doch er war klüger als erwartet.

„Altersschwäche“, antwortete er und sah ihr in die Augen.
Hermine spürte, wie ihr Puls hochstieg, als sich ihre Blicke trafen.
Es war eine seltsame Mischung aus, Vertrautheit und Befremdung ...
Warum war er zurückgekommen?
Warum?
Und warum sah er ihr so sanft in die Augen, als würde er plötzlich Mitleid verspüren?
Ausgerechnet heute, an dem Tag, an dem sie besonders schwach und anfällig dafür war, jede Hilfe anzunehmen die sie kriegen konnte, weil in der Nacht jeder andere schlief.
Warum tat er das?!
Sie wollte kein Mitleid von ihm, verdammt!

Sie lief mit Krummbein in ihren Armen ins Innere der Wohnung und setzte sich aufs Sofa, während Malfoy sich die Schuhe abstreifte.
Hermine warf einen Blick über die Schulter.
Als er zu ihr aufsah, wandte sie sich schließlich wieder zu Krummbein um.
Sie hörte, wie er einfach in ihre Küche lief und eine Tasse aus dem Schrank holte.
Hermine spürte wieder die Wut in sich aufsteigen.
Er tat einfach, als wäre nichts zwischen ihnen vorgefallen.
Als wäre alles okay.
Und das nach WOCHEN!
Es war kein Wellness Urlaub verdammt, Krummbein lag im Sterben!
Hermine hörte seine Schritte näher kommen.
Er setzte sich neben sie, eine Tasse Tee in der Hand.
Dann hob er einfach ihre Hand von Krummbeins Fell und drückte sie ihr in die Hand.
Hermine blickte erstaunt in seine hellblauen Augen, als sie die Wärme unter ihrer Hand von der Tasse und seine warme Hand über ihrer spürte.

„Granger, mach eine Pause. Ich kümmere mich um ihn.“

Hermine verharrte für einen Moment in der Position, weil sie irritiert über diese Geste war. Und er nahm ihr mit einem langen Blick kommentarlos Krummbein aus den Armen, um ihn sich auf den Schoß zu setzen.
Sie senkte ihren Blick zu der Tasse.
Es roch nach Kamillentee.
„Warum?“, fragte sie nur.

„Du sprichst in Rätseln.“, war seine Antwort und Hermine sah ihn an.

„Warum bist du gekommen, Malfoy?“

Er lehnte sich mit dem Rücken gegen das Sofa und streichelte Krummbein mit seinen Fingerknöcheln.
Er ließ sie dabei nicht aus den Augen, fast als würde er sie für diese Frage belächeln.

„Hätte ich dich etwa alleine lassen sollen?“

„Ich brauche deine Hilfe nicht.“
Hermine wandte sich stur um.

„Trink deinen Tee, Granger. Du bist vom Weinen schon ausgetrocknet.“

Er sagte die Worte in so einer Sanftheit, dass Hermine spürte, wie ihre Kehle kratzte.
Bevor sie sich die Blöße gab und vor ihm weinte, nahm sie doch einen Schluck.
Und es tat gut. Es wärmte sie von innen und sie fühlte sich sofort besser und kräftiger. Nicht mehr so ausgelaugt. Solch eine Wirkung konnte aber kein heilender Kamillentee erbringen, dafür war er zu schwach.

„Hast du einen Stärkungstrank reingemacht?“, fragte sie ihn sofort und wandte sich zu ihm.

„Natürlich.“, erwiderte er wie selbstverständlich.

Hermine sah ihn lange an und er erwiderte den Blick, als hätten sie für den Moment einvernehmlich einen Waffenstillstand eingeführt, ohne wirklichen Grund für einen Krieg zu haben.
Und sie musste sich eingestehen, dass sie ihn noch nie so sehr gehasst und gleichzeitig gebraucht hatte, wie in diesem Moment.

So saßen sie lange nebeneinander auf der Couch. Mit jeder Minute mehr ebbte ihre Wut ab und füllte sich in grenzenlose Dankbarkeit.

Gegen 03 Uhr brach er die Stille und fragte müde, was denn Krummbeins Lieblingsessen sei. Abseits jeder Vorstellungskraft, kochte er ein Spaghettigericht für Krummbein, als Hermine es ihm sagte. Er war der Meinung, dass er einen würdigen Abschied verdiente.

In der Küche hatte er Hermine immer mal wieder gefragt, wo die jeweiligen Zutaten lagen und Hermine war gezwungen ihm zu antworten. Als er fertig war, kam er mit einem Teller zurück.

„Hier Krummbein, Malfoy hat dir Spaghetti gemacht. Du musst bitte was essen. Du hast seit einer Woche so gut wie nichts gegessen. Dir wird es dann viel besser gehen.“, versuchte es Hermine eindringlich und Krummbein wandte sich vom Teller ab, während er schwer atmete.
Dies war ein Moment, der sie wieder in die Tiefe riss, doch Malfoy handelte sofort, nahm ihr den Teller aus der Hand und hielt es Krummbein vor die Nase.

„Hey Kleiner, ich habe das erste Mal in meinem Leben Spaghetti gekocht. Wenigstens einen Bissen um es zu würdigen, wäre nicht schlecht. Findest du nicht? Du musst ja nicht aufessen, wenns nicht schmeckt.“

Hermine starrte gespannt von Malfoy zu Krummbein, als dieser plötzlich ganz vorsichtig anfing, zu fressen, als hätte er ihn verstanden und sie konnte nicht anders, als ihn verwundert anzustarren.

„Wie hast du das gemacht?“

Er blickte ihr tief in die Augen und sprach mit leiser tiefer Stimme zu ihr.
„Granger ... er ist bereit ... aber du lässt ihn nicht. Er spürt, wie schlecht es dir geht, deshalb geht es ihm noch schlechter.
Lass ihn gehen. Das heißt nicht, dass du ihn deswegen weniger liebst. Seine Zeit ist gekommen.“

Hermine spürte, wie sich wieder Tränen in ihren Augen sammelten, während Krummbein deutlich ruhiger, gesättigt und zufriedener auf seinen Schoß zutapste und es sich gemütlich machte, als wäre er Draco mehr als dankbar für diese Worte.
Bis er weiter sprach.
„Es sei denn, wir schlachten ein Einhorn, nehmen das Blut und kreieren ein paar Seelenstücke damit er unsterblich wird ...
Es gibt eh einige Leute die mir auf die Nerven gehen ... und auf deine Spitzenunterwäsche als Horkrux würde bestimmt auch keiner kommen ...“

Hermine runzelte in all ihrer Traurigkeit die Stirn und schnaubte, in der Hoffnung, sie würde ihr kleines Lächeln am Mundwinkel damit verstecken können.
„Dein schwarzer Humor ist gerade unangebracht. Findest du nicht?“

Er strich Krummbein durchs Fell und sah schließlich selbstgefällig auf.
„Stimmt.“

Hermine lächelte nun doch.
Denn es fühlte sich an, als wäre nie etwas passiert zwischen ihnen.
Sie sahen sich an. Lange. Bis Hermine sich räusperte.

„Du bist der Einzige den Krummbein mag.“

Malfoy lächelte das erste Mal an diesem Abend und wandte sich zu Krummbein um, der ruhiger atmete und die Berührungen genoss.

„Ich weiß.“

Und erstmals in dieser Nacht entfuhr ihr ein Lachen.
Er hatte sie mit seiner Nächstenliebe entwaffnet und ihre grenzenlose Wut in Dankbarkeit gewandelt.
Doch diesen einen Seitenhieb musste sie ihm noch verpassen.
Sie hob spöttisch ihre Brauen und wandte sich leise flüsternd von ihm weg.

„Wenigstens einer hier ...“

Draco sagte nichts mehr dazu. Sie saßen nur gemeinsam auf der Couch und horchten dem ruhigen Atem Krummbeins.

Als Hermine ihn wieder übernehmen wollte, reichte Draco ihn ihr und ihre Hände berührten sich dabei, was Hermine versuchte zu ignorieren.
Irgendwie war es unangenehm angenehm und erinnerte sie an Zeiten, in denen sie dachte, es wäre etwas zwischen ihnen.

Als Krummbein nun auf ihrem Schoß lag, schien das Konzept von Draco tatsächlich aufgegangen zu sein. Er atmete zwar noch immer flach, schien sich aber deutlich wohler und ruhiger in ihren Armen zu fühlen.

Eine halbe Stunde später wurde die Stille zwischen Malfoy und ihr unerträglich.
Es fühlte sich nicht mehr richtig an, sich anzuschweigen.

„Malfoy, musst du nicht in einigen Stunden arbeiten?“

Er hatte erschöpft die Augen geöffnet, während er es sich auf der anderen Seite des Sofas bequem machte, ohne dass die beiden sich berührten.

„Nein.“

Das war die einzige Antwort die er gab und gerade als Hermine seufzte, weil Mysterium Malfoy ein hoffnungsloser Fall war, schien er doch noch nicht fertig zu sein.
Ob er sich mit der Frau vom Theater treffen würde?
Hermine spürte Wut in sich aufsteigen, als er ihre Gedanken unterbrach.

„Ich habe einen Termin gegen 18 Uhr. Den sag ich später ab.“

Hieß das ...

„Du brauchst ihn nicht absagen ...“, sagte Hermine und fühlte ihr Herz in diesem Moment unangenehm schneller schlagen.
Wollte er bei ihr bleiben, den ganzen Tag oder nach Hause schlafen?
Sie ertappte sich dabei, wie der Gedanke, dass er womöglich gehen könnte, sie störte.

Er winkte ab.
„Ist nicht so wichtig. Bin mir dabei eh nicht sicher gewesen.“

Hermine sah ihn an.
Was war denn das für eine seltsame Aussage?
Ihr Blick fiel wie automatisch auf seinen Arm, der von seinem Pullover bedeckt wurde.
Ob es das war, was sie dachte?
Er bemerkte ihren Blick und Hermine wandte sich schnell um.

„Was auch immer es ist, du solltest deinen Termin wahrnehmen. Eine Beratung schadet nie.“

Er schmunzelte, als würde er wissen, dass sie über sein Vorhaben Bescheid wusste. Hermine ließ dieses hinreißende Lächeln nicht zu sich durchdringen, obwohl es doch viel in ihr auslöste. Immernoch.
Und wieder musste sie an die Worte von Ginny denken. Er war mit einer anderen Frau unterwegs und es tat furchtbar weh.
Vielleicht dachte auch er, dass sie einen Freund hätte, wegen dem bescheuerten Tagespropheten. Vielleicht war es aber besser so, dass er es glaubte.
Er sah sie an, als hätte er ihre Gedanken gelesen.
„Und du willst ins Ministerium einsteigen?“

Hermines Kopf schnellte zu ihm. Seine Augen waren fest auf ihre gerichtet.
Er hatte den Artikel doch gelesen.

„Ich denke, sollte ich eine Zusage bekommen, dann lehne ich die Stelle ab.“

„Und warum?“

„Ich bin glücklich.“

„Lüge ...“, flüsterte er höhnisch.

Hermine rollte genervt die Augen.
„Malfoy, es geht dich nichts an.“

Sie spürte eine Hand, die sich für drei Sekunden auf ihre legte und Hermine nahm einen tiefen Luftzug, ehe sie sich zu ihm wandte.

„Machen wir uns nichts vor, Granger. Du bist unglücklich in der Kanzlei. Wieso ergreifst du die Chance nicht? Eine Veränderung muss nicht immer schlecht sein.“

Hermine wandte sich ab.
„Ich bin nicht unglücklich. Ich arbeite dort gerne, aber nach fünf Jahren hat man doch Lust auf etwas anderes.“

„Dann tu es, du Feigling.“

„Dann musst du zum Tätowierer.“, erwiderte sie ohne jegliche Emotionen in der Stimme.

Er schwieg eine Sekunde, dann hörte sie seine snobistische Stimme neben sich flüstern, während er ihr wieder Krummbein abnahm.
„Abgemacht.“

Sie musste lächeln, verkniff es sich aber ganz schnell. Als sie sich jedoch nach einigen Minuten umwandte, war er tief und fest eingeschlafen, wieder mit dem Kater in seinem Arm, der ebenfalls regelmäßig atmete.
Hermine hockte sich vor dem Sofa hin und streichelte Krummbein in seinem Arm. Ihr Blick wanderte zu dem schlafenden Mann, der die Augenlider so unschuldig geschlossen hielt, dass Hermines Herz in diesem Moment dahin schmolz.
Sie beobachtete ihn eine Weile, stand schließlich auf und holte eine Decke, die sie ihm leise um die Schultern legte. Als sie unmittelbar vor seinem schönen Gesicht stand, kam es über sie und sie streichelte so sanft seine Wange, dass er es mit Sicherheit nicht gespürt hatte.
Blitzschnell setzte sie sich wieder auf die Couch neben ihn und legte ihren Kopf hinten auf die Lehne.
Ihr Herz klopfte so schnell, dass sie Angst hatte, er würde dadurch wach werden.
Als sie es wagte, einen Blick zu riskieren, schlief er unverändert in derselben Position und seine Lider mit den langen Wimpern waren immer noch geschlossen.
Er hatte, Merlin sei Dank, nichts bemerkt.
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