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Dramione- Über dem Horizont

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Draco Malfoy Hermine Granger
24.02.2021
31.07.2021
28
96.465
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24.02.2021 3.406
 
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Hörbuch Kapitel 1: Prolog
Ich freue mich freuen, wenn ihr Melina einen lieben Kommentar für ihre wundervolle Vertonung hinterlässt.

Natürlich auch gerne mit unter den Kapitel :-)

Danke an meine fleißigen Beta: Melina Malfoy & Mara

————

Fünf Jahre zuvor

London

Es knirschte unter ihren Stiefeln und trotz der Tatsache, dass es mitte Februar war, lag Schnee auf der Straße.

Hermine eilte die befüllte Straße in ihrem langen, schwarzen Mantel mit Reverskragen und goldenen Manschetten entlang, in der Hand einen Kaffee to go.
Die Zeit, sich kurz in den beheizten Muggelgeschäften aufzuwärmen, nahm sie sich nicht, denn für ihr freiwilliges Praktikum für das Jurastudium wurde heute eine Gruppe von Studenten ausgewählt, die gemeinsam ein Gerichtsverfahren besuchen und anschließend eine Beurteilung schreiben mussten. Und das, aus Hermines Sicht, Erfreuliche daran war, dass es dieses Mal in einem Muggelgericht stattfand.

Die Brünette war direkt Feuer und Flamme und hatte sich eintragen lassen, immerhin würde es ein gutes Bild abliefern und ihr Zeugnis bei bestandenem Staatsexamen vervollständigen. Diese Gelegenheit ließ sie sich mit Sicherheit nicht entgehen und war froh um die Chance, die das Ministerium ihnen bot.
Die oberste Regel jedoch lautete, keine Magie benutzen.

Hermine sah endlich das große, rote Backsteingebäude von außen, nahm erleichtert einen Schluck von ihrem inzwischen lauwarmen Cappuccino und schritt die leeren Flure zur Information entlang, an der eine freundliche ältere Dame sie zu dem Wartebereich verwies. Dort würde sie auf einer Tafel aufgerufen werden. Hermine schielte schnell hinein und sah vom weiten nur einen jungen, blonden Mann mit Haaren, die ihm bis zum Kinn gingen, sitzen.
Bevor Hermine sich dahin begab, wandte sie sich noch einmal suchend um.

„Verzeihung, aber sind bisher die anderen Studenten noch nicht eingetroffen? Meiner Information nach, sollten es fünf sein.“

Die Dame lächelte.
„Vier haben abgesagt, Ms Granger. Und der Herr drüben ist für das Familiengericht eingeteilt.“

Hermine nickte enttäuscht. Warum hielten so viele Studenten Muggel Prozesse für sinnlos und unwichtig? Sie waren bei weitem komplexer und interessanter als Zaubergerichte.
„Vielen dank.“

Sie nickte der Dame freundlich zu und begab sich in den Wartebereich zu dem blonden, jungen Mann, der gerade über einer Zeitschrift blätterte.

Hermine warf ihren leeren Cappuccino Becher in den Müll und steuerte auf die Kaffeemaschine zu, neben dem der Student saß.
Das erste, das ihr auffiel, war ein angenehmer Duft. Er roch gut. Sein Parfüm ließ das Wartezimmer ganz dezent und hauchzart nach Ozean duften.

„Guten Tag.“, nickte Hermine freundlich mit einem Seitenblick und wollte gerade eine Münze aus ihrer braunen Aktentasche rausholen, als es sie wie ein Blitz durchfuhr.

Der Blondschopf hatte überrascht zu ihr hoch gesehen und sie hatte ihn sofort erkannt, obwohl es fünf Jahre her war, seit dem Abschluss.
Es war Draco Malfoy.
Und sie würde ihn unter Tausenden erkennen, auch wenn er sich absolut verändert hatte.
Bei Merlin, Malfoy war ein erwachsener Mann geworden.
Hermine hielt die Luft an, als dann auch noch seine fremde, doch vertraute Stimme zu ihr sprach, die zu ihrem absoluten Bedauern auch noch unheimlich anziehend, tief, aber auf andere Art und Weise spitzbübisch snobistisch nach Malfoy klang.
„Guten Tag.“

Hermine spürte, wie ihr warm wurde, denn sie stand vielleicht zwei Meter von ihm entfernt. Sie hörte, wie er in der Zeitung blätterte und wagte es sich nicht, nochmal hinzuschauen.
Mit ein wenig Glück hatte er sie nicht erkannt. Immerhin hatte auch Hermine in diesen fünf Jahren eine kleine Veränderung durchlebt. Sie war mehr oder weniger in ihre damaligen Vorderzähne hineingewachsen, und die Haare waren gebändigt an der Vorderpartie zur Hälfte gebunden. Zwar trug sie noch immer die niedlichen Sommersprossen auf dem Gesicht, aber allgemein wirkte sie vielleicht auch älter als damals, was zum größten Teil auch ihrem formellen Stil zu verschulden war. Den Umhang und den Stapel Bücher vor der Brust hatte sie gegen Blazer, Anzüge und Aktentaschen getauscht. Der Blick war etwas frostig, was in dieser Branche notwendig war, denn mit dieser niedlichen Stupsnase hätte sie sonst niemand ernst genommen. Und ihre dunklen, braunen Augen würden nichts über sie und ihr Geheimnis bezüglich ihrer Vergangenheit verraten, auch wenn manchmal, wie Rita Kimmkorn es so charmant über Harry beschrieben hatte, der Schatten der Vergangenheit in ihren Augen glitzerte.

Alles in allem war Hermine froh drum, respektiert zu werden. Und das war ihr mehr als nur wichtig. Eine Frau musste selbstbewusst sein, stark sein und ganz gleich, wie zierlich und sanft sie aussah, diese Stärke nach außen transportieren. Dann konnte man auch ohne ein lautes Stimmorgan gehört werden, selbst wenn jemand neben einem brüllte.
Respekt war ihr unheimlich wichtig. Doch jetzt drohte ihre hart erkämpfte Selbstsicherheit unter diesen ozeanfarbenen Augen flöten zu gehen.
Ironie des Schicksals.

Nach dem Hermine die Münze eingeworfen und Cappuccino gewählt hatte, setzte sie sich auf einen Platz schräg gegenüber, der ,ihres Erachtens, weit genug weg war, um sich vor seinen Blicken zu flüchten.

Während sie sich auf einen der Wandstühle setzte und ihren Kaffee für einen Moment an einen der kleinen Tische abstellte, um sich den langen warmen Mantel auszuziehen, spürte sie aus den Augenwinkeln Blicke auf sich, die sie gekonnt ignorierte.
Mist, er hatte sie doch erkannt.

Die Minuten vergingen nicht und die peinliche Stille wurde unerträglich. Hermine versuchte an dem Cappuccino zu nippen, doch er war noch immer zu heiß. Sie blickte auf die Uhr rechts von ihr. Zehn Minuten waren bereits verstrichen und nichts passierte.

Etwas zögerlich riskierte sie einen Blick auf Malfoy, der lässig mit dem Rücken am Sitz gelehnt über der Zeitschrift hockte, die Hermine beim näheren spionieren als eine Muggel Fußball Zeitschrift identifizierte. Sie verkniff sich das Lächeln und zückte ihr Handy heraus, um irgendwie beschäftigt zu sein.
Sie spürte aus den Augenwinkeln wieder seine Blicke auf sich, doch diese ignorierte sie tapfer. Dann hörte sie erneut ein umblättern und schließlich schlug er das Heft zu. Und bei Merlin! Nun stand er auch noch auf und Hermine starrte konzentriert auf ihr Handy und tippte eine sinnlose Nachricht in die Notizen, nur um so zu tun, als würde ihr gegenüber nicht existieren.

Er ging zur Kaffeemaschine. Dort stand er mit dem Rücken zu ihr und zog aus seiner eleganten Anzughose ein paar Münzen. Dies war für Hermine die perfekte Gelegenheit, um einen Blick auf ihn zu erhaschen.  

Er trug ein weißes Hemd, das an den Ärmeln lässig hochgekrempelt war, darüber eine schwarze Weste und eine Krawatte, die sich Hermine vom ersten kurzen Blick merken konnte. Er war groß und Himmel, hatte er einen guten Körper! Er besaß eher eine schlanke und sportliche Statur, die Arme waren muskulös. Ob er Quidditch trainierte?

Ihr Blick wanderte zu seinen Schuhen und fast musste sie schmunzeln. Es waren spitze Drachenleder Schuhe. Sie war perplex, dass er sich überhaupt freiwillig zu einem Muggelgericht begeben hatte.

Desweiteren fand sie es überraschend, dass sie wohl das selbe studierten und er sich für Jura interessierte. Für welchen Bereich er wohl hier war? Auf der Universität hatte sie ihn noch nie gesehen. Er musste woanders studieren. Vielleicht an der Bricks-Nationality-Wizard-University? Gerüchten zufolge, studierten im Westen nur die Snobs.

Aber es war auch egal.
Aus ihm war ein durchaus attraktiver junger Mann geworden. Sie war ehrlich beeindruckt. Aber von ihm hätte sie eh nichts anderes erwartet.
Er war schon immer schön, nur sein Charakter machte ihn hässlich.

Plötzlich rüttelte er leicht an den Automaten und ließ seinen Kopf wandern, als wüsste er nicht wie er funktionierte. Hermine beobachtete ihn eine Weile, doch noch immer stand er da, unwissend, wo das Geld hin musste, während er nacheinander die Knöpfe drückte.
Irgendwann wurde ihr die Stille zu albern.
Merlin, es war doch nur Malfoy.

„Die Münze muss in den rechten Schlitz in der Mitte. Dann kann man das Wunschgetränk auswählen.“

Er wandte sich zu ihr um und ihre Blicke trafen sich. Seine hellen Augen wirkten irgendwie ... überrascht. Hermine spürte wie die Hitze in ihr Aufstieg. Sie bemühte sich besonders desinteressiert zu schauen.

Er nickte, während er sie kurz musterte.
„Danke.“
Als er sich wieder zu dem Automaten umwandte, suchte er nach dem Schlitz, was Hermine wirklich zu kindisch wurde.
Merlin, er studierte Jura?
Nur schön sein konnte er, mehr nicht.

Während sie zu ihm hinlief, nahm sie ihm, ohne ihn anzublicken, die Münze aus seiner Hand, warf sie in den Schlitz und wandte sich stirnrunzelnd zu ihm um.

„Welches Getränk?“

Er lehnte sich plötzlich lässig gegen den Kaffeeautomaten und tat, als müsse er überlegen. Dabei verzog er seine schönen Mundwinkel und Hermine hätte ihm eine reinhauen können. Er genoss den Moment sehr, dass sie nachgegeben hatte und ihn als erstes ansprach.

„Ein Espresso wäre jetzt vielleicht nicht schlecht.“

Hermine rollte mit den Augen und drückte die Tastenkombination für Espresso, während er sie musterte.

„Vielleicht solltest du hinschauen, damit du es beim nächsten mal alleine schaffst, Malfoy.“, sagte sie schnippisch und spürte sein hämisches Grinsen.
Jetzt hatte sie das Kind beim Namen genannt.

Der Becher füllte sich mit Espresso und Hermine dachte sich in dem Moment, dass nur Draufgänger Espresso tranken.
Und bei Merlin, der war er.
Espresso passte hervorragend zu Malfoy.

Sie jedoch liebte den Moment und genoss ihn in allen Zügen. Deswegen war Cappuccino ihr lieber. Cappuccino Trinker sahen die Liebe im Detail, Espresso Trinker wollten einfach nur alles schnell hinter sich bringen.
Hermine mochte noch nie Espresso.

„Long time, no see ...“ , sagte er unerwartet und seine kristallklaren Augen blickten ihr mit einem verschmitzten Lächeln in ihre. Seine langen Haare verliehen ihm ein aristokratisches Aussehen und das schmunzeln war so niedlich, dass sie ihm am liebsten den Kaffee ins Gesicht geschüttet hätte.
Denn der Mann unter der Maske war alles andere als niedlich.

„Stimmt.“

Sie drückte ihm den fertig gefüllten Becher in die Hand, lächelte einmal übertrieben, ließ ihre Mundwinkel wieder hinunter und lief zügig an ihren Platz zurück. Schließlich schnappte sie sich eine Zeitung, schlug sie auf und beachtete ihn nicht mehr.

Das schien ihn jedoch nicht zu stören, denn er setzte sich ihr nun unmittelbar gegenüber.
Er schlürfte an seinem Espresso und Hermine blickte ihn über die Zeitung hinweg feindselig an.
Plötzlich lehnte er sich in den Stuhl, als hätte er Lust, das Gespräch zu vertiefen und legte einen Arm um die Lehne eines anderen Stuhls.

„Und wie geht’s dem Weasel? Seid ihr schon verheiratet?“

Hermine blickte ihn erneut über die Zeitung hinweg an.

„Gut und nein.“
Sie blätterte eine Seite um und musste sich eingestehen, dass sie absolut keine Ahnung hatte, worum es in dem Artikel ging.

„Also eine typische Single Studentin?“

Hermine schlug die Zeitung kurz verärgert zu.
Er blickte sie belustigt an.

„Malfoy, es gibt auch Frauen, die nicht darauf aus sind, sich einen reichen Typen zu angeln. Ich habe im Leben wichtigeres zu tun, als mich auf Partnersuche zu begeben, wie du siehst.“

Hermine verdrängte, dass Viktor Krumm und sie nach jahrelanger Funkstille im Jahr 2003 wieder Kontakt hatten und er ihr an Silvester versprach, dass das neue Jahr ihr gemeinsames Jahr werden würde.
2004 war der Kontakt schon wieder vorbei und Hermine ließ das Daten seitdem, denn die nervige Unentschlossenheit beider Parteien, wenn man sich kennenlernte, war einfach nur nervig.
Sie wollte nicht jagen.
Auch nicht gejagt werden.
Sie wollte entweder nur ihre Ruhe oder jemanden, mit dem sie sich gut verstand und auf einer Wellenlänge war. Von großer Liebe zu einem Menschen verstand sie eh nichts. Von großer Liebe zu Büchern verstand sie jedoch viel.
Die Kapitel veränderten sich nicht.
Menschen hingegen schon.
Meistens jedenfalls.
Wobei, Malfoy blieb auch immer der selbe.

Er unterbrach ihre Gedanken.

„Ah ja.“
Er schien zufrieden mit ihrer Antwort, zückte kurz seinen Zauberstab und ließ die Zeitung, die Hermine wieder aufschlug, mit einem winken verschwinden.

„Malfoy!“, flüsterte Hermine empört und wandte sich kurz um.
„Wir sind hier nicht alleine! Hier sind Muggel!“

„Welcher Schwerpunkt?“, fragte er unbeeindruckt und Hermines Augen weiteten sich ungläubig.
Er wollte ein Gespräch mit ihr anfangen? Wenn sie das Dumbledore erzählen würde, dann würde selbst er sich im Grab umdrehen.
Wer würde ihr das abkaufen?

„Was soll denn jetzt der Smalltalk, Malfoy?“,  fragte sie süffisant, aber der Blonde ließ sich nicht beirren.
Er zuckte lässig mit der Schulter.
„Nur so. Du siehst nach Strafrecht und Kriminologie aus.“

Hermine lächelte belustigt, nahm ihren Cappuccino zur Hand, um ebenfalls daraus zu trinken.
„Das wäre eher dein Fachjargon, oder?“, antwortete sie schnippisch.

Seine Augen blitzten belustigt.
„Stimmt.“

Hermine schwieg einen Moment.
Er erwartete eine Antwort.
Diese gab sie ihm schließlich. Er schien einfach nur etwas reden zu wollen. Und so unfreundlich schien er nicht mehr zu sein. Außerdem konnte sie ihn dabei mustern, ohne dass es auffällig wurde.
„Arbeit und Soziales. Und du?“

Er nahm einen Schluck und blickte sie über seinen Becher hinweg an.
„Familien und Erbrecht.“

Hermine lachte kurz kopfschüttelnd auf.
Er sah sie fragend an.
„Warum lachst du?“

„Und was steht heute an?“, fragte sie ihn mit erhobenen Brauen.

„Scheidung.“

Hermine trank erneut aus ihrem Cappuccino und senkte den Kopf dann zu ihrem Becher.
„Sind meistens viele Emotionen mit im
Spiel. Du musst geduldig sein mit den Mandanten.“
Sie blickte auf.
„Das passt irgendwie nicht zu dir.“

Plötzlich richtete er sich auf und setzte sich aufrecht hin. Hermine spürte, wie sie innerlich nervös wurde, ließ es sich jedoch nicht anmerken. Jetzt schien er das Gespräch noch weiter vertiefen zu wollen. Wieder roch sie seinen Duft im Windzug.
Er verunsicherte sie, doch sie ließ es sich keinesfalls anmerken.
Ihre Haltung war aufrecht und selbstbewusst und über die Jahre hatte Hermine sich den perfekten Blick angeeignet, der keineswegs Emotionen zuließ. Das hatte sie ihrem trockenen Studium zu verdanken.
Seine Augen funkelten sie an.

„Es gibt vieles, dass auf den ersten Blick nicht zusammen passt, weil es zu unterschiedlich scheint. Aber wenn man es aus augenscheinlicher Sicht betrachtet, sind es genau diese Dinge, die am meisten zusammen passen. Plus und Minus ziehen sich an.“
Hermine musste zwei mal überlegen, was er genau meinte. Ihr schien seine Frage nicht ganz klar zu sein. Dementsprechend blickte sie ihn ohne jegliche Gefühlsregung an.
„Was genau meinst du mit ‚Dinge‘?“

Irgendwie hatte er einen seltsamen Blick aufgesetzt.
„Du weißt was ich meine. Es kann alles sein. Ein Job, ein Hobby oder menschliche Beziehungen.“

Hermine spürte, wie ihr heiß wurde, allerdings runzelte sie nur schnippisch die Stirn, um ihre Unsicherheit zu verbergen. Wollte er damit irgendwas andeuten?

„Du meinst ...“, sagte Hermine langsam und legte ihren Kopf schief, als würde sie erwarten, dass er ihren Satz vervollständigte.

Er grinste und nahm einen Schluck.

Hermine weitete ihre Augen und hob ihre Finger um abwechselnd auf sich und ihn zu zeigen.
„Du meinst? ... ich ... du - ... nein, nein, nein, nein.“

Hermine schüttelte heftig den Kopf, setzte ihren Cappuccino ab, um besser mit beiden Händen zu gestikulieren.
„Ich bitte dich, Malfoy. Das beste Beispiel ist die Tide Line am Mississippi River, wo sich Süßwasser und das salzige Meerwasser kreuzen.“

Hermine hob ihren Finger und zog waagerecht eine imaginäre Linie.
„Das Salzwasser und das Süßwasser zeigen eine klare Grenze auf und würden sich niemals miteinander vermischen. Da ist eine klare Schranke zwischen den beiden Gewässern.“, erklärte sie ihm ganz diplomatisch.

„Granger, es gibt Naturphänomene aller Art. Physikalische, biologische, chemische ...“, zählte er in aller Ruhe auf, während sie ihn ohne Verständnis anstarrte.

„Die Naturphänomene von denen ICH rede, basieren auf Anziehungskraft.“

Hermine blickte etwas verstört drein und er fing an zu schmunzeln.
„Komm schon Granger, wir sind das beste Beispiel. Wir können uns nicht leiden, habe ich recht?“

Hermine legte ihren Kopf erneut fragend schief und er nahm es als Zeichen der Bestätigung.
„Aber, wir beide fühlen uns zueinander hingezogen. Es war schon immer so.“

Hermine lachte kurz trocken auf.
„Malfoy, du bist echt nicht normal. Das erinnert mich an unser zweites Schuljahr … auf dem Quidditchfeld.“

Draco grinste und äffte sie mit seiner Stimme piepsig nach, was unfassbar komisch klang, denn seine normale Stimme war tief und äußerst anziehend.
„Wenigstens musste sich bei uns niemand einkaufen, da zählt nur Talent.“

Nun äffte Hermine ihn in einer tiefen Stimme nach und vergaß, wie unfassbar albern das eigentlich war.
„Nach deiner Meinung hat niemand gefragt. Außerdem stehst du auf mich du dumme Muggel.“

Draco lachte ausgelassen und seine weißen Zähne funkelten dabei.
„Und dann hat Weasley sich darüber geärgert, wollte mich verfluchen und hat seine eigenen Schnecken gespuckt.“

„Und das nur, weil du dich tatsächlich in die Mannschaft eingekauft hast.“, antwortete Hermine mit einem süffisanten Grinsen und blinzelte mehrmals gespielt.

„Und was ist mit Potter? Hat er damals nicht den Besen von der alten McGonagall bekommen?“, empörte sich Draco schnaubend.

Hermine schüttelte den Kopf. Dann wiederholte Draco seinen Satz aus Kindertagen und beugte sich zu ihr vor.
„Ich glaube bis heute, dass du auf mich stehst.“

Hermine hörte auf zu lächeln und schaute ihn an. Er schien es ernst zu meinen und das Gespräch wurde für ihren Geschmack viel zu persönlich und zutraulich.
Doch was sie am meisten ärgerte, war, dass seine Meinung dominierte, als hätte er die Macht über ihre Gefühle.
Aber sie würde niemals klein beigeben. NIEMALS. Selbst wenn das der Fall wäre.
Er wollte ihr nur den Kopf verdrehen.
Malfoy war schon immer so.
Er wollte immer der Gewinner in allem sein.  Außerdem war er sich seiner Anziehung bewusst. Diesen Triumph würde sie ihm nicht lassen. Nicht vor zehn Jahren, nicht heute und auch nicht in zehn Jahren.
Dafür war ihr Ego und ihr Stolz einfach zu groß.
Er unterbrach ihre Gedanken, während sie ihn nachdenklich anstarrte.

„Wir beide würden gut zusammenpassen. Findest du nicht?“

Irgendwie hatte sie die ganze Zeit im Gefühl gehabt, dass er sie auf diese Art und Weise ansprechen wollte. Auch wenn sie auf seine Worte eine Gänsehaut bekam und die Hitze in ihre Wangen stieg … es war eine Genugtuung für sie, dass Malfoy ihr gerade mehr oder weniger beichtete, dass er sich zu ihr hingezogen fühlte. Er wollte mit ihr flirten und ihr Gefühl hatte sie all die Jahre auf Hogwarts nicht getäuscht. Er hatte sie schikaniert, weil er sie nicht haben konnte.
Und Merlin, sie würde nicht nachgeben. Keinesfalls. NIE.
Denn Malfoy spielte.
Schon immer.
Und er war ein Rätsel.
Und Hermine mochte keine Rätsel.

„Nein.“, antwortete sie trocken.

„Warum nicht?“, erwiderte er sofort ohne den Blick von ihr zu lassen.

Hermine sah mit einem Blitzen in den Augen zu ihm auf.
„Ich würde dir das Herz brechen.“

In dem Moment ertönte ein lauter Gong und eine Ziffer erschien auf der Anzeige.
Es musste Malfoys Nummer sein, da er langsam aufstand und sie anblickte.

„Vielleicht würde ich dir dein Herz brechen?“

„Niemand bricht mir mein Herz.“
Hermine hatte den Satz so entschlossen und überzeugt gesagt, dass er plötzlich anfing zu lächeln.
Sie wüsste zu gern, was in dem Moment in ihm vorging, aber das würde sie wahrscheinlich nie erfahren. Jedoch sah er so entzückend aus, dass sie nicht anders konnte, als das Lächeln zu erwidern.

Statt nun hinaus zugehen, lief er lässig zum Kaffeeautomaten, nahm eine Münze, steckte sie ein und tippte eine Kombination.
Hermine beobachtete ihn dabei.
Kurz danach entnahm er dem Automaten ein Schokoriegel.
Mistkerl!
Er wusste von Anfang an, wie es funktionierte.

Danach lief er in Richtung Ausgang des Wartezimmers und warf ihr überraschend den Schokoriegel zu.
Reflexartig fing Hermine ihn auf.

Quidditch.
Er spielte Quidditch.
Und er war Sucher.

„Wir passen zusammen Granger. Du weißt das. Ich warte nur auf den Tag, an dem du es dir endlich eingestehst.“

Gerade wollte er aus der Tür verschwinden, als er erneut einen Schritt zurück trat.
Mit einem unwiderstehlichen Grinsen im Gesicht.
„Ich warte nicht nochmal fünf Jahre. Du weißt, wo du mich findest.“

Er klopfte zum Abschied auf den Türrahmen, zwinkerte und lief lässig zu der Gerichtsverhandlung, an der er teilnahm.

Hermine blieb zurück, nahm einen tiefen Luftzug, ehe sie sich dann ihre beiden Ellenbogen auf den Knien abstützte und luftpustend ihre feuerroten Wangen in den Händen hielt.

Als Kind konnte man noch schnell über die Schulhofliebe hinwegkommen, wenn diese einen abwies. Oder?
Sie beide hatten sich zu Anfang der Schulzeit sehr oft beleidigt und geärgert, was manchmal auch in schlimmeren Szenarien geendet hatte. Je älter sie wurden, desto mehr ignorierten sie sich und dateten andere.
Doch nun waren sie erwachsen verdammt. Sie waren 23 Jahre alt!

Die Brünette schloss die Augen und atmete den betörenden Duft seines Parfüms ein, dass er hinterließ. Und sie wünschte sich in dem Moment, dass sie eine Ampulle hätte, in der sie den Duft von ihm festhalten konnte.

Hermines blick fiel auf den Riegel in ihrer Hand, den er ihr soeben geschenkt hatte.
Er hätte so ein toller Mann sein können, wäre er nur nicht so furchtbar arrogant, gehässig und selbstsicher.
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