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Schlaf ruhig

von Vem-chan
OneshotFamilie / P12 / Gen
Jean Gunnhildr Kaeya Alberich Klee
24.02.2021
24.02.2021
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Es war kurz vor Mitternacht, als es plötzlich an der Tür des Arbeitszimmers des Rittmeisters im Hauptquartier des Ordo Favonius klopfte.

Kaeya war heute nicht wie üblich in die Taverne gegangen, sondern hatte sich dem stetig wachsenden Haufen an Papierkram auf seinem Schreibtisch gewidmet. Nicht aus Pflichtbewusstsein oder weil Jean ihm eine Frist gegeben hatte. Er war aus einem anderen Grund hier geblieben. Nicht sicher, ob es wirklich nötig war, aber nicht gewillt das Risiko einzugehen.

„Komm rein“, rief er und blickte von seiner Arbeit auf.

Hinter der Tür kam Klee, Haare zerzaust, ein Stofftier fest umschlungen, in ihrem Pyjama zum Vorscheinen.

Sofort stand Kaeya auf und ging zu ihr hinüber. Es gab nur einen Grund, warum Klee um diese Uhrzeit zu ihm kommen würde und das war auch der Grund, weshalb er ursprünglich im Hauptquartier geblieben war.

Er kniete sich hin und breitete einladend die Arme aus. „Alles ist gut.“, sagte Kaeya um einen beruhigenden Tonfall bemüht als er das Mädchen, welches sich sofort in die Umarmung gestürzt hatte, festhielt. Das war nicht grade sein Fachgebiet, aber er hatte viel gelernt seit Alice ihr Kind in der Obhut des Ritterordens gelassen hatte.
„Es war nur ein Traum.“, versuchte er erneut, nicht wirklich wissend, worüber er redete, aber ziemlich sicher, dass es das Richtige zu sagen war. Diluc hatte etwas in die Richtung immer zu ihm gesagt, wenn er als Kind einen Alptraum gehabt hatte. Er hatte zu dem Zeitpunkt gewusst, dass es Khaenri’ahn gab, dass es dort wirklich so zu ging und, dass seine Mission echt war, aber trotzdem hat es geholfen. Dass Diluc da gewesen war und ihn gehalten hatte, hatte geholfen. Und auch wenn die Alpträume des kleinen Funkenritters nicht so schlimm waren, wie seine damals, zumindest hoffte er das inständig, so wollte er jetzt für Klee da sein.
Er hielt sie noch eine Weile umschlungen, bis sie sich schließlich beruhigt zu haben schien.

“Willst du nochmal versuchen zu schlafen?”, fragte er sie vorsichtig, nachdem sie sich gelöst hatte. Klee schüttelte heftig den Kopf. “Ich will, dass Kaeya mir eine Geschichte erzählt.”, verlangte sie, “Kaeya erzählt die besten Geschichten!”
“Dann hab ich wohl keine Wahl.”, erwiderte Kaeya ergeben. Ein zufriedenes Lachen fand den Weg auf sein Gesicht. Er hob Klee kurzerhand hoch und trug sie zurück zu seinen Schreibtischstuhl, wo er sich setzte und das giggernde Mädchen auf seinen Oberschenkeln platzierte.
“Was für eine Geschichte möchtest du denn hören?”, fragte er Klee für Alles bereit.
“Jean erzählt immer Geschichten von Vanessa und der Befreiung von Mondstadt. Das ist langweilig.”, überlegte das kleine Mädchen, “Ich will Geschichten von Kaeya und Jean und Amber und alle den anderen Rittern!”
“Oh”, entkam es Kaeya überrascht. Er hatte mehr mit sowas wie Drachen, Abenteurern, Schätzen und vielleicht Explosionen gerechnet.
“Jetzt sag mir nicht, dass es da nichts zu erzählen gibt! Das sagt Jean auch immer!”, protestierte Klee schmollend.
“Da gibt es bestimmt mehr als genug Geschichten.”, beruhigte er das Mädchen schnell, “Ich muss mich nur für eine Entscheiden.” Eine, die kinderfreundlich, aber trotzdem spannend, war. Kaeya überlegte.
“Okay”, sagte er und räusperte sich, als ihm Etwas geeignete einfiel, bevor er seine Erzählung mit dezenten Ausschmückungen begann. Er musste ja seinen Ruf als “bester Geschichtenerzähler” gerecht bleiben.

~

Als Jean später in Kaeyas Arbeitszimmer einen Blick warf, verwundert, dass dieser noch im Hauptquartier war und ursprünglich mit der Bitte auf den Lippen ihr bei der Suche nach einem gewissen Funkenritter zu helfen, fand sie den Blauhaarigen mit besagten kleinen Ritter gegen ihn gelehnt schlafend vor. Der Blick des Rittmeisters ging ruhig aus dem Fenster.

“Hier ist sie also.”, stellte die stellvertretende Großmeisterin gleichzeitig erleichtert und überrascht fest. “Was macht sie bei dir Kaeya?”, fragte sie anschließend, “Ich hab mir Sorgen gemacht.” Seit sie die sperrangelweit offen stehende Tür zu Klees Raum und das kleine Mädchen nirgends gesehen hatte, hatte sie das ganze Hauptquartier nach ihr abgesucht.

“Sie hatte einen Alptraum.”, erklärte der Angesprochene knapp und drehte seinen Kopf zu Jean um. “Jetzt schläft sie.”, ergänzte er mit einem leichten Lächeln.

“Ich wusste nicht, dass sie Alpträume hat.”, entfuhr es Jean bestürzt und sie machte ein paar Schritte auf die beiden zu.

“Es ist normal in ihrem Alter.”, beruhigte Kaeya sie schnell, auch wenn er nicht ausschloss, dass der Vorfall mit dem dem Reisenden und der Abgrund Magier etwas damit zu tun hatte.

“Ich hätte es trotzdem wissen müssen.”, meinte Jean ernst und schüttelte den Kopf, “Du kannst sie jetzt mir überlassen. Du brauchst auch Schlaf, Kaeya.”

“Genauso wie du.”, erwiderte der Blauhaarige, “Miss Märtyrer.” Dann erhob er sich vorsichtig Klee dabei nicht zu wecken und reichte das kleine Mädchen schließlich Jean.
“Ich habe ihr übrigens die Geschichte vom Windstieg erzählt.”, informierte er seine Vorgesetzte schnell. “Und eventuell habe ich dabei ein bisschen übertrieben, also mach dich auf Bewunder- und Begeisterung gefasst.”, warnte er sie mit einem Zwinkern.

Jean schüttelte leicht genervt ihren Kopf. Damit würde sie sich morgen dann auseinandersetzen müssen.

“Gute Nacht, Kaeya.”, sagte sie als eine Art der Verabschiedung und lächelte ihn noch einmal dankend an.

“Gute Nacht, Jean”, erwiderte er die Geste und lächelte zurück, bevor er sich tatsächlich auf den Weg nach Hause machte. Um noch in der Taverne vorbei zu schauen war es bereits zu spät. Es war allerdings eine gute Sache gewesen, dass er heute nicht gegangen war.


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Dieser kleine Oneshot ist sehr stark von dem englischen Oneshot „Sparks in the Night “ von PencilofAwesomeness auf AO3 inspiriert, den ich sehr empfehlen kann. Das hier ist quasi ein Versuch die Stimmung und auch die Situation ins deutsch zu holen, die Idee weiterzugeben, ohne es exakt zu übersetzten.

Mata ne~
Vem-chan
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