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Who you gonna call?

von Assan
SammlungHumor / P16 / Gen
Geralt von Riva Rittersporn
23.02.2021
22.07.2021
6
17.445
3
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Dieses Kapitel
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23.02.2021 1.940
 
Hallo ihr! Willkommen zu dieser - nicht immer ganz ernst gemeinten - Sammlung der absurdesten Geschichten und Aufträgen, die man als Hexer so bekommt. Ich wünsche viel Spaß!
Ach ja: wer immer noch Ideen hat für absurde oder lustige Quests aus den Spielen oder eigene Einfälle - meldet euch gern bei mir! Ich bin gespannt ;)

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"Das ist eine dumme Idee."

"Ist es nicht!"

"Doch."

"Nein! Warum denn? Nur, weil sie von mir stammt?"

"Nein. Weil es nicht funktionieren wird."

"Wird es."

"Wird es nicht."

"Geralt, der Plan ist einwandfrei!"

"Er ist dumm. Saudumm."

"Ist er - also gut, was ist denn bitte deiner Meinung nach so dumm daran?"

Geralt tat, als würde er nachdenken. "Alles."

"Geralt!"

"Na hör mal, Rittersporn. Was soll das denn eigentlich? Du brauchst Geld und ich soll deswegen einer alten Freundin von dir Todesangst einjagen?"

"Wenn du das so sagst, klingt es natürlich bescheuert. Wo sind denn die Schwachstellen an dem Plan?"

"Die Schwachstellen?" Geralt seufzte genervt. "Sie wird mich erkennen. Was ist damit?"

Rittersporn machte ein sehr ungläubiges Gesicht. "Sie wird dich nicht erkennen, Geralt. Wie sollte sie denn?"

"Wie sie sollte? Sieh mich an, Barde." Rittersporn tat es, zuckte jedoch nur mit den Achseln.

"Und? Sie kennt dich ja schließlich nicht."

Geralt blinzelte. "Ich bin ein Hexer, Rittersporn. Ein großer, böser Mann mit weißen Haaren und gelben Augen mit senkrechten Pupillen."

"Aaach, das ist halb so wild, Geralt. Abgesehen davon hast du ein richtiges Allerweltsgesicht."

"Hmm, noch dazu eines, dass du dieser Welt durch dein Gesinge bekannt gemacht hast."

Rittersporn sah schwer beleidigt aus. "Nur deine Taten, nicht dein Gesicht. Es ist nicht so, als würden sich so viele Leute für deine Visage interessieren, Hexer."

Geralt überging diese Spitze bewusst.

"Selbst wenn wir davon ausgehen, dass der Rest des Plans klappt, wenn sie mich erkennt, war alles für die Katz. Also lassen wir es."

"Nein!" Mit großer Geste fischte Rittersporn etwas aus der Tasche, das wie ein altes Taschentuch aussah. Verdammt, dachte Geralt, hat er etwas genau auf diesen Moment gewartet?

Er sagte nichts. Einige Sekunden warteten beide Männer darauf, dass sich jemand zu dieser Wendung äußerte, wobei Rittersporn das Tuch wie ein Zauberkünstler hoch vor sich in die Luft hielt: seht her, liebe Leute, nur ein Tuch, ein ganz normales Tuch . . .

"Willst du mich denn nicht fragen, was das ist?", fragte er schließlich ungeduldig. Geralt seufzte erneut.

"Ein Lappen? Das Taschentuch einer deiner Dirnen?"

"Nein!" Der Barde wedelte den Fetzen dramatisch herum. "Dieses Tuch hier wird dich vor der Entdeckung bewahren! Du wirst es dir einfach über Mund und Nase binden und dann -" er warf es hoch in die Luft, wohl, um es sehr elegant wieder aufzufangen, doch das misslang: das Tuch entschwebte seinen Fingern und landete in einer großen Novigrader Pfütze.
"- ähm . . ."

"Und dann werde ich mich mit irgendeiner Scheiße anstecken, die da in der Pfütze schwimmt?", schlug Geralt trocken vor und Rittersporn hustete.

"Nun, es muss ja nicht dieses Tuch sein. Aber dann erkennt man dich nicht mehr!"

"Was denkst du, woran die Leute einen Hexer erkennen? Am Mund?!"

"Stell dich nicht so an! Deine Augen sieht sie bestimmt gar nicht, es ist sehr dunkel dort!"

Geralt verbiss sich den Konter, dass seine Augen gerade im Dunkeln wunderbar leuchteten und fuhr fort, den Plan des Barden auseinander zu nehmen. "Und meine Haare? Wieviele Weißhaarige gibt es in Novigrad, die noch nicht alt und gebrechlich sind?"

"Hmmm", machte Rittersporn nachdenklich. "Wir könnten sie dir ja färben? Da gibt es -"

"Halt deine Griffel von meinen Haaren fern, Barde, oder ich verknote sie dir in den Saiten deiner Laute."

"Jaja, Geralt,schon klar. Nun komm schon, ich brauche das Geld doch! Sei mir ein Freund und hilf mir!"

Geralt knurrte unwirsch. "Man sollte meinen ich wäre dir genug Freund, wenn ich dich mal wieder vor den Rachegelüsten irgendeines Ehemannes rette."

"Na also!", strahlte Rittersporn. "Großartig! Du wirst schon sehen, das wird halb so schlimm!"

Wenn es halb so schlimm wird wie ich es mir vorstelle, dachte Geralt, ist es immer noch schlimm. Und es ist wirkich eine dumme Idee.

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Eine saudumme Idee, dachte Geralt wenige Stunden später, als er mit einem Theaterschwert bewaffnet und einem anderen Tuch "vermummt" in der Gasse auf sein Opfer wartete. Rittersporn hatte ihm Text gegeben, den Geralt brav auswendig gelernt hatte.

Saudummer Text.

In der Gasse näherten sich Schritte, vermutlich die der armen Frau, die er im Zuge der Bereicherung zu überfallen vorgeben sollte. Was für ein Mist.

Als sie um die Ecke kam, sprang Geralt ihr mit gezücktem Schwert in den Weg.

Und stellte fest, dass er sich an kein Wort des Textes mehr erinnern konnte.

Scheiße.

Sie starrte ihn mit großen Augen an. Er starrte zurück.

"Ähh . . ." In seiner Not sagte er das erste, was ihm in den Sinn kam. "Heda! Stehen bleiben!"

Sie starrte ihn immer noch an, offenbar unsicher, was genau sich hier abspielte. Geralt, der Banditen, besonders jene mit nicht sehr originellen Ausrufen und Sprüchen, immer für nicht allzu intelligent gehalten hatte, sah sich nun gezwungen, das zu revidieren: es war nicht so einfach, in einer solchen Situation etwas Kluges hervorzubringen.

Da er sich aus irgendeinem Grund noch beonders gut an einen hervorstechend dummen Wegelagerer erinnerte, hielt er sich in seiner Not an dessen Worte.

"Geld her, aber dalli!" Scheiße, was tat er hier eigentlich, dachte er als Sophronia wie auf Knopfdruck zu kreischen anfing. Für was hatte sie ihn denn zuvor gehalten? Oh, ein Kerl mit einem Tuch vor dem Gesicht und einem blanken Schwert in der Hand - vielleicht ist er Gemüsehändler?

Bin ich etwa nervös, sinnierte der Hexer kurz, als er seine Gedanken ganz unerwartet beim Wandern beobachtete. Wie kommt das? Und wie kommt es, dass Rittersporn immer noch nicht da ist?!

Sophronia war offenbar kurz davor auf die Knie zu gehen, und fingerte unter Tränen enige Münzen aus der Tsche.

"Hier, bitte, mehr habe ich nicht!! Bitte, ich - aaah!"

Der Schrei galt Rittersporn, der sich ohne Vorwarnung neben ihr materialisierte. Geralt hatte ihn natürlich schon kommen sehen, aber für Sophronia war es hier wirklich sehr dunkel.

"Halt! Halt sage ich!", donnerte der Barde und Sophronia ließ vor Schreck das Geld fallen. Geralt hatte indes einiges zu tun, um nicht lauthals zu lachen - was zugegeben selten vorkam, doch Rittersporns Anblick war wirklich . . . ungewöhnlich.

"Ich bin hier, um die Einhalt zu gebieten, Lump!", schrie er weiter und fuchtelte mit der Hand vor Geralts Gesicht herum. "Ich, der Rote Rächer!"

Die Stille, die daraufhin eintrat, war geradezu ohnrenbetäubend. Rittersporn stand da, in heroischer Geste, und tat so, als höre er seinen Worten gerade beim Verhallen zu.

"Ah", machte Geralt trocken und Rittersporn starrte ihn an. "Roter Rächer, hm? Wohl eher die Rote Pissnelke."

Rittersporn wurde unter seiner Aufmachung sehr blass und warf Sophronia einige ängstliche Blicke zu. Diese war zum Glück immer noch viel zu sehr in Panik, als dass sie bemerkt hätte, dass hier etwas grundlegend anders war als in allen Räuber- und Heldengeschichten, die sie so kannte.

"Ger -", begann Rittersporn entrüstet, doch dann fiel ihm auf, dass er sich damit selbst verraten hätte und er versuchte, das Wort umzulenken. "Ger - . . . Ger - anien. Geranien!"

". . ."

". . .

". . ."

"Geranien?", fragte Sophronia schließlich verunsichert und Geralt zog gespannt und amüsiert die Augenbrauen hoch.

"Ja", stammelte der Rote Rächer, "Geranien. Geranien, das ist, äh, er ist, er ist . . . der . . . der Geranienmörder!"

Is nich wahr, dachte Geralt.

"Der Geraniemörder", wisperte sie eingeschüchtert  und sah verängstigt zu Geralt hinüber. "Wer ist denn der Geranienmörder?"

Rittersporn sah so aus, als  hätte er das auch gern gewusst. "Nun, er ist, ähm, sehr, äh, bekannt. Mhm. Er . . . er tarnt sich tagsüber als Blumenverkäufer und nachts raubt er Frauen aus!"

"Als Blumenverkäufer?" Sophronia wirkte keineswegs skeptisch. Eher so, als sei es ein viel größeres Verbrechen, sich als Blumenverkäufer zu tarnen, als des Nachts Frauen auszurauben.

"Hmm", machte Geralt zustimmend.

Rittersporn wurde gerade erst warm. "O ja! Und er arbeitet nicht allein! Er gehört zu einem sehr gefährlichem Syndikat aus Verbrechern, gar einem Verbrechersyndikat! Bei uns Rächern sehr bekannt!" Geralt versuchte, sich eine Gruppe aus Rächern vorzustellen, in rot, grün und pink, und war sehr froh, dass das Tuch sein sardonisches Grinsen verbarg.

"Ein Syndikat?", hauchte Sophronia. Offenbar hatte sie den Geranienmörder schon vergessen und hing nun an Rittersporns Lippen.

"Oh ja, meine Teuerste! Er arbeitet zusammen mit dem . . . dem . . ." Offenbar waren die botanischen Kenntnisse des Barden jedoch bereits erschöpft. Geralt half bereitwillig.

"Dem Rosmarinräuber und dem Thymiantaschendieb?", schlug er unschuldig vor und erntete einen sehr bösen Blick von Rittersporn.

"Genau, du Lump. Und außerdem noch mit, hmm, dem Stachelbeersadisten und dem Fliedervergewaltiger", gab er bitter zurück. Geralt knurrte und hob auffordernd das stumpfe Schwert.

"Dann zeig doch mal, was du kannst, Roter Rächer."

Mit einem Kampfschrei zog Rittersporn sein Schwert. Das heißt, er versuchte es, denn die Klinge verhakte sich in der schlecht gefertigten Scheide. Der Barde benötigte gute fünf Sekunden und mehrere Anläufe, um die Klinge blankzuziehen. Lächerlich lange fünf Sekunden, die Geralt mit geduldigem Warten und Sophronia mit offenmündigem Staunen verbrachten.

Schließlich stand Rittersporn da, Schwert in der Hand, Entschlossenheit in den Augen und eindeutig Herz in der Hose, und begann seinen Angriff mit einem weiteren Kampfschrei samt Ausfallschritt. Geralt legte all seinen Stolz beiseite und wich in Zeitlupe aus, sodass der Rächer ihn am Oberschenkel erwischen konnte. Sophronia quietschte ganz entsetzt und wich einige Schritte zurück, als der Geranienmörder seinerseits zum Angriff überging und einen zuvor vereinbarten Schlag ausführte, den der unbestrittene Held dieser Geschichte meisterhaft parierte. Sophronias Schreien wurde zu einem schmachtenden Seufzer, was Rittersporn offenbar derartig das Testosteron in den Schädel trieb, dass er den Sinn dieses Kampfes vergaß. Er attackierte Geralt mit neu gefundener Aggression, jedoch ohne jederlei Können und scheiterte kläglich an dem Versuch, einen Schwertstreich während eines Sprungtrittes durchzuführen. Unter den verwunderten Kieksern seiner ehemaligen Freundin landete der Rote Rächer auf seinem Rächerhintern.

Geralt seufzte. Warum genau hatte er sich noch gleich auf all das eingelassen? Rittersporn jedenfalls hatte sich offenbar schwer den Steiß geprellt und kam nur äußerst mühsam und unter Stöhnen wieder auf die Füße.

Was solls, dachte Geralt. Schluss für heute.

In scheinbar panischer Angst ob des nun etwas schief stehenden Roten Rächers schmiss der Hexer das Theaterschwert aufs Pflaster, rief irgendetwas von wegen Gnade und Erbarmen und rannte mit ganz und gar schauerlichem Gewinsel ins Dunkel der angrenzenden Gassen.

Von dort hörte er, wie Sophronia sich rührendst um Rittersporn sorgte und den unter Höllenqualen leidenden Held in ihr Haus eskortierte. Geralt schüttelte fassungslos den Kopf.

Ein saudummer Plan. Und trotzdem hatte er funktioniert.
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