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LEGACY - Ice & Caretaker (Devil's of Mayhem MC 1)

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / Het
23.02.2021
08.08.2021
68
249.764
28
Alle Kapitel
101 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
04.06.2021 4.442
 
Besser spät als nie kommt heute dann auch mal ein neues Kapitel x)
Nummer 50 ist es inzwischen schon. Wahnsinn...
Im Moment komme ich leider nur sehr unregelmäßig zum uploaden.
Ich habe einen neuen Job, der mich mental stark beansprucht und meine Freizeit ist rar.
Habt Erbarmen X)
Jetzt erst Mal viel Spaß mit diesem Chapter und bis zum nächsten Mal.
Eure Loane ♥


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Trotz des weichen Bettes und des warmen Körpers, der dicht an meinen gepresst war, wollte der Schlaf nicht über mich kommen. Zwar war ich erschöpft, aber irgendwie nicht müde. Immer wieder wanderten meine Gedanken zu den Geschehnissen der letzten Tage und das ließ mich einfach nicht richtig zur Ruhe kommen. Langsam hob ich meinen Kopf und sah in Cares Gesicht. Lediglich das schwache Licht des Mondes drang in das Zimmer und ließ seine Gesichtszüge noch markanter aussehen. Seine Augen waren geschlossen und sein Atem ging ruhig und gleichmäßig. Ob er wohl schlief?
Vorsichtig hob ich meine Hand und legte sie auf seine stoppelige Wange. Sofort öffnete er daraufhin seine Augen. Sein Blick war fragend und sorgenvoll, was ein leichtes Ziehen in meiner Brust auslöste. „Kannst du nicht schlafen?“ fragte er leise. Als Antwort schüttelte ich lediglich leicht den Kopf. Anschließend zog ich mich etwas näher an ihn und drückte einen sanften Kuss auf seinen Kiefer.
„Ice“ brachte er beinahe keuchend hervor, doch ich ließ mich davon nicht beirren. Ich verteilte lieber weiter zarte Küsse entlang seiner Kieferlinie bis zu seinem Hals, wo sein Puls kräftig unter meinen Lippen pulsierte. „Ice“ keuchte er erneut „Wir sollten-“ „Scht“ unterbrach ich ihn sanft und legte einen Finger auf seine Lippen „Nicht reden... Lass mich dich einfach spüren... Bitte.“ Flehend sah ich ihn an und konnte seinen inneren Konflikt förmlich spüren. Sein Blick brannte vor Verlagen, doch er musterte mich für einige Sekunden skeptisch.
Als er schließlich geräuschvoll ausatmete und sein Körper sich entspannte, jubelte ich innerlich auf. Wenige Herzschläge später legte er eine Hand in meinen Nacken und zog meine Lippen an seine. Tausend Schmetterlinge begannen in meinem Magen Samba zu tanzen und mein Körper kribbelte vor Aufregung und Verlangen. Es war nur einige Wochen her, doch es fühlte sich an wie Monate. Jahre...
„Wie ich das vermisst habe“ knurrte er gegen meine Lippen und ich konnte ihm da nur zustimmen. Doch mehr wollte ich gar nicht nachdenken und vertiefte den Kuss noch weiter. Ich schob meine kalten Hände unter sein Shirt, was ihn leicht zusammenzucken ließ. „Eine echte Eisprinzessin“ murmelte er daraufhin und biss mir spielerisch in die Unterlippe. Kichernd schob ich meine Hände weiter nach oben, ließ meine Finger die Konturen seiner Muskeln nach fahren während er sich an meinem Hals nach unten küsste und knabberte.

Nach und nach landeten unsere Klamotten auf dem Boden, während wir uns küssten und streichelten. Sanft aber bestimmend drückte Care mich auf den Rücken und schob sich über mich. „Bereit, Eisprinzessin?“ wollte er wissen während er zwei Finger in meine feuchte Mitte steckte. „Ja“ stöhnte ich, legte meine Hände in seinen Nacken und zog ihn zu mir nach unten. Unsere Lippen fanden sich, ich schlang meine Beine um seine Taille und er brachte sich vor mir in Position. Vorsichtig schob er sich in mich. Langsam aber stetig, bis er sich bis zum Anschlag in mir versenkt hatte. Kurz hielt er inne, lehnte seine Stirn an meine und atmete keuchend gegen meine Lippen. Es fühlte sich an wie nach Hause kommen. Das war gefährlich, doch in dieser Nacht wollte ich es einfach zulassen...
Meine Hände wanderten über seinen Rücken bis zu seinem knackigen Hintern, wo meine Finger sich direkt festkrallten. Ich ließ mein Becken kreisen um ihn dazu zu animieren sich endlich zu bewegen. Mit einem Stöhnen versiegelte er meine Lippen mit seinen und kam meinem stummen Flehen wortlos nach. Schnell hatten wir einen gemeinsamen Rhythmus gefunden. Bewegten uns im Einklang gegeneinander. Stetig aber dennoch sanft. Es war so anders, aber so schön – ich hätte heulen können. Wir hatten nicht einfach nur Sex miteinander, wir machten Liebe. Wieder so ein gefährlicher Gedanke, den ich schnell wieder beiseiteschob. Nicht denken – nur fühlen.
Mein Höhepunkt brach wie ein Kartenhaus über mir zusammen. Der Orgasmus kam plötzlich, heftig und lange. Stöhnend drückte ich mich ihm entgegen. Mein gesamter Körper zitterte und meine Muskeln verkrampften sich um ihn herum. Nur am Rande bekam ich durch den Nebel meiner Lust mit wie Care ebenfalls kam und sich tief in mir ergoss. „Ich habe dich vermisst, Eisprinzessin“ hörte ich ihn murmeln, doch ich driftete bereits ins Land der Träume. „Ich dich auch“ konnte ich gerade noch erwidern ehe ich endgültig einschlief.

~


Trotz des weichen Bettes, des warmen Körpers an meiner Seite und des grandiosen Höhepunktes, schlief ich nicht sonderlich lange. Zwar ging die Sonne draußen bereits langsam auf, doch ich war erst weit nach Mitternacht eingeschlafen. Demnach hatte ich nur wenige Stunden geschlafen, aber dennoch fühlte ich mich erstaunlich ausgeruht. Ich lag mit dem Rücken an Cares Brust gekuschelt und fühlte mich dort extrem wohl. Es fühlte sich normal an.
Ich drehte meinen Kopf in seine Richtung und musste feststellen, dass er ebenfalls wach war. „Hast du überhaupt geschlafen?“ platze es mir heraus und ein kleines Grinsen schlich sich auf sein Gesicht. „Ich glaube nicht“ antwortete er mit einem angedeuteten Schulterzucken. „Warum nicht?“ fragte ich skeptisch und drehte mich dabei auf den Rücken. „Ich glaube das lag an der nackten Frau in meinem Bett, auf die ich lieber aufpassen wollte anstatt zu schlafen“ meinte er grinsend und ich schnaubte leicht empört. „Gibt mir ruhig die Schuld, Enforcer“ empörte ich mich, doch eigentlich wurde mir bei seinen Worten warm ums Herz.
„Immer“ meinte er grinsend und gab mir einen Kuss auf die Nasenspitze. Doch dann wurde er schlagartig ernst. „Wir sollten uns unterhalten, Eisprinzessin.“ „Da hast du recht“ erwiderte ich seufzend und richtete meinen Blick an die Decke. „Aber das sollten wir nicht nackt tun“ sprach er weiter und ich prustete amüsiert. „Stimmt. Das könnte dich etwas ablenken“ feixte ich und befreite mich aus seinem Griff. Care schüttelte nur schmunzelnd den Kopf und verließ das Bett. Ich tat es ihm gleich und schlüpfte in die Klamotten, die Care mir in der Nacht gegeben hatte. Er zog sich unterdessen saubere Sachen aus seinem Schrank.

Wieder vollständig angezogen, machten wir es uns wieder im Bett gemütlich. Wir lehnten an dem Kopfteil, wobei ich mich ein wenig in seine Richtung drehte um ihn ansehen zu können. Doch Care schien andere Pläne zu haben, denn er legte einen Arm um meine Schultern und zog mich an sich, sodass ich ihn nicht mehr direkt ansehen konnte. Zumindest nicht ohne mir den Hals zu verrenken.
„Als erstes hast du eine verdammte Entschuldigung verdient, Eisprinzessin“ begann er etwas zögerlich „auch wenn wohl keine Worte dieser verdammten Welt das wiedergutmachen können, was ich an diesem Abend vermutlich gesagt oder getan habe.“ Mein Herz wollte ihm am liebsten sagen, dass bereits alles vergeben und vergessen war, doch mein Verstand zwang mich dazu die Klappe zu halten. Stattdessen hing ich mich unbewusst an einem bestimmten seiner gesagten Worte auf.
„Vermutlich?“ fragte ich nach kurzem Zögern leise „Heißt das du kannst dich nicht mehr daran erinnern?“ Mit seiner Hand zeichnete er sanfte Kreise auf meinen Oberarm während er einen Moment überlegte was oder besser wie er antworten solle und ich musste ein wohliges Seufzen unterdrücken. Seine Berührungen fühlten sich nach allem noch immer wunderbar und geborgen an.
„Nicht an alles“ antwortete er leise „Am nächsten Tag zunächst an gar nichts, aber nach und nach kam ein bisschen zurück und ich muss sagen... ich habe mich noch nie so... gefühlt. Ich war ein absolutes Arschloch.“ Seufzend unterbrach er sich selbst und fuhr sich mit seiner freien Hand durch die chaotischen Haare. Ich konnte es zwar nicht sehen, aber vermutlich standen sie jetzt erst recht in alle Richtungen ab. „Ich kann dir nicht einmal erklären warum ich mich an diesem Abend so abgeschossen habe... irgendwie ist es einfach... passiert und das hat ganz offensichtlich meine schlechtesten Seiten zum Vorschein gebracht.“

„Ich bin so etwas nicht gewohnt, Eisprinzessin.“ „Was meinst du genau Care?“ fragte ich leise und umschloss seine Hand mit meinen viel kleineren, während die andere weiterhin Kreise auf meinem Oberarm zog. „Gefühle“ meinte er zögerlich „Das es jemanden gibt, der sich um mich sorgt und... dass ich mich um jemanden sorge... Klar, habe ich den Club und meine Brüder, doch das ist irgendwie etwas anderes.“ Wieder unterbrach er sich und ich wartete einen Moment ob er von selbst weitersprach, doch er blieb still.
„Hat das mit deiner... Familie zu tun?“ fragte ich zögerlich und spürte wie er sich anspannte „Du reagierst immer etwas... sonderbar, wenn es um deine Mutter geht.“ „Familie... um ehrlich zu sein hatte ich so etwas glaube ich nie...“ antwortete er zu meinem Entsetzen „Irgendwie wahrscheinlich schon, aber es hat sich nie so angefühlt. Meine Mutter... sie hat diese Bezeichnung gar nicht verdient. Sie war eine Junkie-Nutte, die unser gesamtes Geld für Drogen und Alkohol ausgegeben hat.“
Geschockt biss ich mir auf die Unterlippe um nicht erschrocken nach Luft zu schnappen. „Und mein Erzeuger... Sie wusste nicht welcher Schwanz, den sie für Stoff in ihre Muschi gelassen hat, sie geschwängert hat.“ „Heißt das, sie hat vor deiner Geburt schon Drogen genommen?“ „Davor. Danach. Während der Schwangerschaft“ antwortete er mit einem Schulterzucken „Immer. Ich sollte wohl froh sein, dass ich keine verdammten Schäden von ihren scheiß Drogen bekommen habe.“
„Du sagtest sie war ein Junkie? Ist sie...“ fragte ich zögerlich, mochte es aber aus irgendeinem Grund nicht die Frage zu Ende aussprechen. „Ich habe keine Ahnung. Wir haben schon seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr.“ „Wie kam es dazu?“ „Sie hat... Fuck... Das fällt mir echt schwer, Eisprinzessin.“ Wieder unterbrach er sich und es brach mir das Herz ihn so verzweifelt um Worte ringen zu sehen. Normalerweise war Care immer beherrscht und schien in jeder Situation genau zu wissen was er zu tun hatte, doch in diesem Moment wirkte er einfach nur hilflos.
„Ist schon gut“ erwiderte ich leise und drehte mich leicht in seine Richtung, sodass ich einen Kuss auf seinen Kiefer hauchen konnte „Lass dir so viel Zeit wie du brauchst.“ „Weißt du eigentlich wie gut du bist, Eisprinzessin?“ murmelte er und drückte einen Kuss auf meinen Scheitel „Ich weiß gar nicht womit ich das verdient habe.“ Ich erwiderte nichts darauf, denn ich hätte gar nicht gewusst was ich hätte sagen sollen. Ich fand sehr wohl, dass er es verdient hatte, dass ihm jemand zuhörte. Das sich jemand mit ihm beschäftigte. Das was er mir erzählte, bestätigte meine Meinung nur noch. Auch wenn es mich schockierte.

„Sie hat mich verkauft“ antwortete er schließlich nach einigen Minuten und ich riss erschrocken die Augen auf. „Verkauft?“ keuchte ich entsetzt und er nickte leicht. Anschließend legte er eine Hand an meinen Hinterkopf und drückte mich sanft zurück an seine Brust. „Irgendwann ist ihr das Geld ausgegangen“ erklärte er leise „Da sie keine andere Möglichkeit mehr gesehen hat um an ihren Stoff zu kommen, hat sie mich an ihren Dealer verschachert.“ „Wie alt warst du da?“ „Vierzehn...“ „Oh scheiße“ keuchte ich leise und schüttelte fassungslos den Kopf. Ich konnte mir gar nicht vorstellen was für ein Mensch man sein musste um sein eigenes Kind für Drogen zu verkaufen...
„Warum hatte sie kein Geld mehr?“ fragte ich zögerlich. „Im Laufe der Jahre nahm ihr Drogenkonsum immer mehr zu. Hauptsächlich hatte sie es durch das Kindergeld, welches sie für mich bekam, und Prostitution finanziert. Doch je mehr Drogen sie nahm, desto weniger Wichser kamen vorbei um sie zu vögeln. So führt eins zum anderen.“ „Und wovon habt ihr gelebt?“ „Sie von Drogen und Alkohol...“ antwortete er schnaubend „Und ich... die ersten Jahre hat sie immer genug Geld übriggelassen. Doch wie gesagt wurde es im Laufe der Zeit immer schlimmer. Zuerst hat sie noch eingekauft... wie eine Mutter das halt so tut.“ Er spuckte das 'Mutter' förmlich aus, als wäre es eine Beleidigung. In seinem Fall war das auch wohl so... „Irgendwann gab sie mir einfach das Geld und ich musste mich selber versorgen.“
„Wie alt warst du da?“ „Acht ungefähr“ antwortete er überlegend und lachte dann zu meiner Überraschung kurz auf „Und mein erster Einkauf war eine ziemliche Katastrophe.“ „Wieso?“ fragte ich neugierig nach und stellte mir dabei den kleinen Care vor. Sicherlich war er ein niedliches Kind mit diesen faszinierenden Himmelblauen Augen und den strubbeligen Haaren. Umso weniger konnte ich seine... Mutter verstehen.
„Naja, schick mal einen Achtjährigen alleine mit Geld los. Er wird alles kaufen, nur keine Lebensmittel“ erklärte er amüsiert und auch ich konnte ein leises Kichern nicht unterdrücken. „Ich bin also los gestiefelt und habe mir Süßigkeiten gekauft. Und ich glaube noch einige Zeitschriften oder Comics, so genau weiß ich das nicht mehr. Satt wurde ich davon natürlich nicht, aber ich habe daraus gelernt. Das Verhalten dieser Frau hat mich dazu gezwungen früh selbstständig zu werden... verdammt früh.“

Erneut machte Care eine Pause und ich ließ ihm die Zeit, die er brauchte. Ich konnte es spüren wie schwer es ihm fiel über seine Vergangenheit zu reden. Von Cash wusste ich, dass er davon keine Ahnung hatte, also ging ich davon aus, dass wohl kaum jemand Cares Geschichte kannte...
„Irgendwann hat sie nicht einmal mehr Geld für mich übriggelassen und alles für ihre fucking Drogen ausgegeben. Da war ich elf oder zwölf.“ „Und wovon hast du dann gelebt?“ fragte ich fassungslos „Ich meine... Du bist da doch noch zur Schule gegangen.“ Oder? „Was man halt macht, wenn man Essen oder Geld braucht... zumindest, wenn man aus solchen fucking Verhältnissen kommt wie ich... man fängt an zu klauen.“ Seufzend machte er eine Pause. Ich drückte dabei leicht seine Hand um ihm zu zeigen, dass ich bei ihm war. Seine Antwort war ein sanfter Kuss auf meinen Scheitel, der mich unwillkürlich Lächeln ließ.
„Ich kann nicht behaupten stolz darauf zu sein, aber in der Situation hatte ich keine andere Möglichkeit. Es fing klein an. Zunächst habe ich Mitschülern das Pausenbrot oder ihr Essensgeld geklaut.“ „Wenn du mir das ohne den Zusammenhang erzählt hättest, hätte ich gesagt, dass du ein ziemliches Arschloch-Kind warst“ unterbrach ich ihn leise „Aber so...“ Ich konnte ihm beim besten Willen keinen Vorwurf machen. Nicht unter diesen Umständen.
„Ich war dennoch ein Arschloch-Kind – wie du es so schon gesagt hast“ meinte er schmunzelnd „Ich war zu dieser Zeit nicht unbedingt beliebt, da ich versucht habe alle auf Abstand zu halten.“ „Wegen deiner Mutter?“ „Hmm... Sie war mir peinlich, um ehrlich zu sein. Mir war immer klar, dass sie nicht normal war, dennoch habe ich sie zu dieser Zeit auf eine perverse Art und Weise geliebt.“ „Sie ist immerhin deine Mutter...“
„Ja... aber dieses Gefühl ist im Laufe der Jahre gestorben und um ehrlich zu sein... habe ich danach nie wieder jemanden so nah an mich herangelassen.“ Cares Worte schmerzten, doch ich konnte ihn verstehen. Er war vom Leben enttäuscht worden, das steckte wohl niemand so leicht weg. „Bis du ein mein Leben gestolpert bist und es kräftig durcheinandergebracht hast, Eisprinzessin“ sprach er weiter und ich konnte ein dümmliches Grinsen nicht unterdrücken.
„Und wie ging es weiter mit dem kleinen klaustrophobischen Caretaker?“ fragte ich, da ich nicht wusste wie ich auf seine Worte reagieren sollte und er lachte leise. „Der kleine Care klaute immer mehr und immer häufiger. Taschendiebstahl, Ladendiebstahl. Geld, Lebensmittel, Klamotten... Was ich eben so brauchte.“ „Wurdest du jemals erwischt?“ „Nein, dafür war ich zu gut“ antwortete er lachend und ich kicherte leise. Es war eine kleine Erleichterung, dass er zwischendurch so entspannt Lachen konnte, auch wenn das Thema nicht gerade zum Lachen war.
Im Stillen fragte ich mich jedoch, warum nie jemandem etwas aufgefallen war. Lehrer? Nachbarn? Mitschüler? Hätte nicht irgendjemand merken müssen, dass da etwas ganz und gar nicht stimmte?

Für einige Minuten war es still zwischen uns bis Care mit seiner Erzählung weitermachte. „Die Dealer waren eine Gruppe Mexikaner, die sich Aguas nannten“ begann er und ich brauchte einige Sekunden um den Anschluss an die Geschichte wiederzufinden. „Zunächst war es erschreckend in Ordnung bei ihnen... Das mag komisch klingen, aber ich fühlte mich bei ihnen wohler als bei der Frau, die mich auf die Welt gebracht hatte. Ich konnte weiter zur Schule gehen und meinen scheiß Abschluss machen. Ich wurde mit Essen und Kleidung versorgt. Zwar musste ich dafür arbeiten, aber das waren kleine machbare Jobs.“ „Aber keine legalen oder?“
„Nein, dass ganz sicher nicht... Ich wurde als Kurier eingesetzt. Zunächst wusste ich nicht wofür und fuhr einfach mit meinem Rad quer durch Eichen, einem Vorort von Eidstadt wo ich herkomme und wo auch die Aguas ihren Sitz haben. Entweder ich transportierte kleine Pakete oder Umschläge. Irgendwann wurde mir klar, dass es Drogenpakete und Geldumschläge waren.“ „Hast du rein geguckt?“ fragte ich völlig gefesselt von seiner Geschichte.
„Nein. Das hätte ich mich nie gewagt, denn sonst hätten sie mich vermutlich direkt umgebracht“ antwortete er und ich konnte ein Kopfschütteln spüren „Aber einige Empfänger haben die Umschläge in meiner Anwesenheit geöffnet und das Geld gezählt. Da ich wusste, dass es sich bei den Bohnenfressern um Dealer handelte, war alles andere eine logische Schlussfolgerung. Doch auch nach dieser Erkenntnis hat sich für mich nichts geändert. Der Aufenthalt bei den Mexikanern war besser als alles was ich vorher kannte. Auch wenn mir bis heute nicht klar ist, was sie davon hatten einen Teenager von einer Junkie-Hure zu kaufen.“

„Nach meinem Abschluss bekam ich eine neue Aufgabe. Es stand gar nicht zur Debatte eine Ausbildung zu machen. Ich gehörte irgendwie dazu und hatte mich in den zwei Jahren auch damit arrangiert. Ich wurde als Bewacher einer Lagerhalle abgestellt. Beziehungsweise bezeichneten sie es als Hausmeister“ kurz unterbrach er sich und ich konnte eine gewisse Belustigung in seiner Stimme hören. Hausmeister... Caretaker... Ob daher sein Straßenname stammte?
„Ich hatte keine Ahnung was sich in der Halle befand und irgendwie war es mir auch egal. Ich hatte auch keinen Schlüssel dafür. Vor der Halle gab es eine kleine Hütte in der ich quasi lebte. Ich wurde hin und wieder mit Lebensmitteln versorgt, ansonsten war ich alleine. So nach... zwei oder drei Monaten bekam ich unerwarteten Besuch. Auf einmal standen sechs ziemlich düster aussehende und schlecht gelaunte Biker vor mir.“ „Devil's?“ fragte ich neugierig ob wohl die Antwort eigentlich klar war. In Eidstadt gab es immerhin nur eine OMCG. „Natürlich“ antwortete Care mit einem hörbaren Grinsen „Und was soll ich sagen? Ich habe mich verhalten wie der letzte Idiot.“
„Wieso?“ fragte ich verwundert und sah ihn nun wieder direkt an. „Ich war sechzehn, Eisprinzessin“ antwortete er schmunzelnd „Ich stand noch nie einem Outlaw-Biker gegenüber und habe mich dementsprechend verhalten. Wie ein großkotziger Halbstarker. Sie baten mich zunächst erstaunlich höflich die Halle zu öffnen, dann würde ich keine Probleme mit ihnen bekommen. Davon mal abgesehen das ich es gar nicht gekonnt hätte – immerhin hatte ich keinen Schlüssel – wollte ich es schlichtweg auch gar nicht. Es war meine Aufgabe niemanden in diese scheiß Halle zu lassen und das nahm ich auch extrem ernst. Ich glaubte sie mit ein paar dämlichen Sprüchen verscheuchen zu können.“
„Hat wohl nicht geklappt was?“ fragte ich belustigt und er lachte leise. „Kein bisschen. Irgendwann hat Lord dann doch die Geduld verloren und Charming auf mich gehetzt.“ „Charming?“ fragte ich verwundert. Natürlich kannte ich den blonden Biker, der seinen Namen zu Recht verpasst bekommen hatte. Sollte man ihn mit einem Wort beschreiben, war es immer 'charmant'. Egal wen du fragen würdest, alle würden so antworten. Er wirkte immer so ruhig und besonnen und war extrem höflich. Beinahe als könnte er niemandem etwas zu leide tun. Er war etwa Ende dreißig und wirkte mit seinen knappen 1,70 Meter auch nicht gerade sonderlich bedrohlich.
„Kaum zu glauben oder?“ fragte Care belustigt „Doch Charming macht schon seit zig Jahren verschiedene Kampfsportarten. Damals war er erst fünfundzwanzig und brauchte nur drei Schläge um mich auf den Boden der Tatsachen zu befördern.“ „Drei Schläge?“ „Ja, richtig. Er hat irgendwelche Nerven oder so getroffen, sodass ich mich kaum noch rühren konnte. Ich muss aber auch gestehen, dass ich ihn total unterschätzt hatte. Ich hatte selber die 1,80 Meter schon lange überschritten, war allerdings eine ziemliche Bohnenstange damals. Dann kommt dieser Knirps daher und schickt mich einfach auf die Bretter.“ Care schüttelte leicht den Kopf, als könnte er es noch immer selber nicht so recht fassen.
„Nur wenige Minuten später rollte ein Transporter auf das Gelände. Innerhalb kürzester Zeit hatten sie das Schloss geknackt und die Lagerhalle ausgeräumt. Dabei blieb mir nichts anderes übrig als sie dabei zu beobachten. Selbst wenn ich mich hätte bewegen können, ich hatte kein Handy um Verstärkung zu holen.“ „Das war aber ziemlich fahrlässig von ihnen“ sagte ich leise und schüttelte leicht fassungslos den Kopf. Wie konnte jemand einen Sechzehnjährigen so einer Gefahr aussetzen?
„Später habe ich dann auch erfahren, dass sich die Halle auf dem Gebiet der Devil's befand. Demnach haben die Bohnenfresser mich ihnen quasi auf dem Silbertablett serviert.“ „Wie mies“ brummte ich und lehnte meinen Kopf wieder an seine Brust „Und dann? Gab es Ärger?“ „Irgendwie nicht“ murmelte er „Einige Stunden später kam jemand vorbei. Ich erklärte was passiert ist und zunächst war der scheiß Saftsack echt sauer. Aber was hätte ich machen sollen? Ein Sechzehnjähriger gegen sechs beziehungsweise dann sogar acht erwachsene Männer. Ohne Waffe, ohne Telefon um Verstärkung zu rufen... Er sah es irgendwann grummelnd ein und nahm mich mit zurück. In dem Clubhaus angekommen wurde ich in mein Zimmer geschickt. Es vergingen mehrere Tage und ich dachte zwischendurch schon sie würden es einfach so stehen lassen. Ich wusste inzwischen, dass die Biker die Devil's of Mayhem waren und dass sie Stoff im Wert von ungefähr dreihunderttausend Euro mitgenommen hatten.“ „Dreihunderttausend?“ hauchte ich atemlos. Das war eine Summe, sie ich mir nicht einmal vorstellen konnte.

Care schwieg zunächst wieder und ich spürte, dass seine Stimmung sich veränderte. Was auch immer als Nächstes kommen würde, es war sicherlich der traurige Höhepunkt seiner Geschichte und ich war mir für einen kurzen Moment unschlüssig, ob ich das überhaupt hören wollte. Doch wir waren schon so weit gekommen – ich wollte keinen Rückzieher machen...
„Diese ganze Geschichte habe ich kaum jemanden erzählt“ flüsterte er kaum hörbar. Fragend sah ich ihn an, doch sein Blick war an die Decke gerichtet und er wirkte extrem angespannt. „Nach Lord und Preacher... bist du die Erste, der ich davon erzähle.“ „Ich danke dir für dein Vertrauen“ erwiderte ich leise und drückte einen sanften Kuss auf seine stoppelige Wange. „Du hast nichts anderes als die Wahrheit verdient, Eisprinzessin“ gab er ernst zurück und drehte seinen Kopf in meine Richtung. Unsere Lippen fanden sich und schnell verloren wir uns in einer innigen Leidenschaft. Unser Kuss war sanft, dennoch kribbelte mein gesamter Körper.

Nach einige Minuten lösten wir uns wieder voneinander. Leicht atemlos legte ich meinen Kopf zurück auf seine Brust. Sein Herzschlag donnerte in meinen Ohren und raste genauso wie meiner. Care ließ sich Zeit ehe er seine Geschichte fortsetzte.
„Ich glaube du kannst dir denken, dass der Teil der jetzt kommt, der unschönste... ach fuck... Nein, es ist der schrecklichste von allem... Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich nach einigen Tagen dann noch zum Boss der Aguas gerufen wurde. Alles was danach kam... weiß ich nur aus Erzählungen...
Ich stolperte völlig besoffen und zugedröhnt über irgendeine abgelegene Landstraße. Nur durch Zufall lief ich Preacher vors Bike... Er erinnerte sich an mich und wusste wohin ich gehörte. Er erzählte mir später, dass er mich zunächst einfach dalassen wolle... zu meinem Glück entschied er sich aber doch dagegen. Er brachte mich zum Doc, wo ich zwei Tage in einer Art komatösen Zustand vor mich hinvegetierte ehe es mir besser ging.“
Care erzählte das alles mit einer völlig monotonen Stimme. Fast als würde er übers Wetter reden. Ich vermutete, dass er sonst gar nicht anders über das Erlebte sprechen konnte. Irgendwie machte es mich wahnsinnig, dass er sprach, als würde ihn das alles nicht betreffen, aber ich verstand ihn irgendwie und so blieb ich still und hörte ihm angespannt zu.
„Der Doc sagte, dass ich ohne Hilfe den Tag wohl nicht überstanden hätte. Ich wäre an einer Überdosis verreckt. Außerdem ging er davon aus, dass ich wohl nichts von alldem freiwillig zu mir genommen hatte... Ich war also quasi schon dem Tod geweiht, alleine auf dieser Straße. Ich habe es allein Preacher zu verdanken, dass ich noch lebe... Aus Dankbarkeit und da ich sonst nirgendwo hin konnte, blieb ich als Hangaround beim Club. Etwa ein Jahr später wurde ich zum Prospect und mit achtzehn zum Member. Der Rest ist... wie man so schön sagt Geschichte.“
„Gott Care“ keuchte ich und spürte wie meine Augen anfingen zu brennen „Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht was ich jetzt sagen soll.“ „Du musst nichts sagen, Eisprinzessin“ erwiderter er und zog mich dabei noch dichter an sich „Du hast mir zugehört... und du bist noch hier. Das ist das Einzige was zählt.“ Mit einem etwas gequält klingenden Auflachen schwang ich mich rittlings auf seinen Schoß, schlang meine Arme um seinen Nacken und vergrub mein Gesicht in seiner Halsbeuge.
Nähe. Das war das Einzige was ich ihm in diesem Moment geben konnte und er schien es dankbar anzunehmen. Seine starken Arme langen fest um meinen Körper geschlungen, sodass nichts mehr zwischen uns passte.

Mehrere Minuten herrschte eine einvernehmliche Stille zwischen uns, doch irgendwann hatte ich das Bedürfnis diese wieder zu durchbrechen. „Ist dieses... Erlebnis der Grund dafür, dass du keinen Alkohol trinkst?“ fragte ich ihn leise und spürte wie er nickte. „Unter anderem. Der... Lebensstil meiner Mutter hat auch dazu beigetragen. Wenn sie nicht gerade auf einem Trip war, war sie betrunken. Wenn du so etwas regelmäßig erlebst, schreckt es ganz automatisch ab.“ Wieder klang seine Stimme ziemlich nüchtern, doch daran störte ich mich nicht. Nicht mehr.
„Heile Familie kennen wir beide nicht“ flüsterte ich gegen seine warme Haut „Aber ich hatte immerhin meinen Dad... klar war er nicht perfekt und hat mir einige Probleme hinterlassen. Doch er war immer für mich da, wenn ich ihn gebraucht habe. Es tut mir leid für den kleinen Channing, der niemanden hatte... Es ist... Gott... so unfair.“ In diesem Moment konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten und versuchte es auch gar nicht mehr.
Care schwieg zunächst zu meinen Worten und streichelte mir beruhigend über den Rücken. „Der kleine Channing hätte sich sicherlich über eine Freundin wie die kleine Sasha gefreut“ meinte er schließlich und ich kicherte leise. „Vermutlich hätte er mit vierzehn aber nicht viel mit einem neun- oder zehnjährigen Mädchen anfangen können“ erwiderte ich kichernd und auch Care lachte leise.
„Ja, vermutlich hast du recht. Aber ich bin froh, dass ich dich doch noch getroffen habe.“
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