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LEGACY - Ice & Caretaker (Devil's of Mayhem MC 1)

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / Het
23.02.2021
08.08.2021
68
249.764
27
Alle Kapitel
101 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
25.05.2021 3.761
 
An dieser Stelle möchte ich mich einmal für die Reviews bedanken, die mich immer wieder erreichen ♥
Egal ob regalmäßig oder einmalig, ich freue mich immer sehr darüber, weiß jedoch nie was ich schreiben soll, sodass die Antworten meist sehr unkreativ ausfallen xD
Sorry dafür :*
Mehr möchte ich jetzt auch gar nicht sagen und wünsche euch stattdessen viel Spaß mit dem neuen Kapitel.
Eure Loane ♥


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~ Shade ~


Drei Tage. Drei verdammte Tage war es her, dass Ice verschwunden war und wir waren keinen fucking Schritt weitergekommen. Zwar wussten wir, dass die Loan Crew scheinbar hinter allem steckte, doch die waren nicht aufzufinden. In alle Richtungen hatten wir unsere Fühler ausgestreckt, doch ohne Erfolg. Wie es aussah waren wir ohne Cypher in diesem Fall tatsächlich komplett aufgeschmissen und das ärgerte mich extrem, denn unser Technik-Genie war noch immer nicht wieder zurück und niemand wusste wann sich das ändern würde. Entweder hatte er nie einen Zeitpunkt genannt oder es hatte ihm tatsächlich keiner richtig zugehört. Es war wirklich zum Verzweifeln...
Inzwischen war es Samstagnachmittag und ich fuhr wieder wie ein nichtsnutziger Anfänger durch die Gegend und versuchte irgendwelche Hinweise zu finden. Bisher ohne jeden Erfolg. Ich war gerade auf der Umgehungsstraße unterwegs als der Motor meiner Street Bob auf plötzlich begann komische Geräusche zu machen und irgendwie ins Stottern geriet. „Auch das noch“ fluchte ich genervt und steuerte kurz darauf einen kleinen Rastplatz an, der zum Glück nur etwa einen Kilometer entfernt war. Kaum hatte ich die leere Parkfläche erreicht und abgebremst, verreckte mir das Bike auch schon unterm Arsch.
„Verdammte Scheiße“ fluchte ich, stieg ab und hängte meinen Helm an den Lenker. Beinahe hätte ich ihn einfach auf den Boden geschmissen, doch ich konnte mich gerade noch zusammenreißen.
Planlos sah ich auf mein Bike. Ich musste ehrlich zugeben, dass ich keine Ahnung von Motoren hatte. Computer waren eher meins, auch wenn ich gegen Cypher natürlich wie ein Amateur aussah. Shadow war bei uns derjenige, der sich mit den Bikes beschäftigte.
„Das fehlt mir gerade noch“ brummte ich absolut schlecht gelaunt und zog mein Handy aus der Innentasche meiner Kutte. Nach einem kurzen Blick auf das Display hätte ich das Ding beinahe auf den Asphalt gedonnert. Kein Netz! Das konnte ich nun wirklich nicht gebrauchen. Warum musste denn jetzt alles schieflaufen?

Verzweifelt raufte ich mir die Haare, da hörte ich auf einmal das sich nähernde Motorengeräusch eines Bikes. Verwundert drehte ich mich in Richtung Straße. Suchte einer der anderen auch zufällig hier? Doch das Motorrad, das gerade auf den Rastplatz abbog, war mir vollkommen unbekannt. Es war eine weiße Harley Low Rider, wenn ich es richtig erkannte. Der Fahrer blieb einige Meter von mir entfernt stehen und schaltete den Motor aus.
Okay, ich musste mich korrigieren. Es war eine Fahrerin! Ihre schlanken Beine steckten in einer dunklen Jeans und ihr Oberkörper wurde von einer taillierten Lederjacke verhüllt. Als sie schließlich nach einigem Zögern den weißen Helm absetzte, stockte mir für einen kurzen Moment der Atem. Verdammt, sah die gut aus. Grüne Augen funkelten mir entgegen. Ihre Haselnussbraunen Haare waren zu einem Zopf geflochten, der unter dem Helm etwas gelitten hatte. Doch dieses leicht verstrubbelte ließ sie in meinen Augen nur noch heißer aussehen.
„Kann man dir helfen?“ fragte sie mit einer angenehmen Stimme, die mich wieder für einige peinliche Sekunden ins Stocken brachte. „Ähm“ brachte ich geistreich hervor und sah wie sie amüsiert eine ihrer Augenbrauen nach oben zog. Verdammt, sonst ließ ich mich doch auch nicht von einer Frau aus der Ruhe bringen. „Kennst du dich damit aus?“ fragte ich schließlich und deutete dabei auf mein Bike. Immerhin würde mir ihre Hilfe nichts bringen, wenn sie genauso ahnungslos wäre wie ich.
„Zufälligerweise ja“ antwortete sie mit einem amüsierten Lachen. Das Geräusch fuhr mir direkt in die Eier und ich musste schnell an irgendetwas abturnendes Denken um nicht hart zu werden. Mit einer geschmeidigen Bewegung stieg sie von ihrem Bike und stellte es auf den Seitenständer.
„Ich bin gelernte KFZ-Mechatronikerin und habe mich mehr oder weniger auf Motorräder spezialisiert“ erklärte sie mit einem Schulterzucken und öffnete dabei ihre Lederjacke „Also ja, ich kenne mich damit aus.“ Das leichte Grinsen, dass sie mir schenkte, wirkte merkwürdig wissend, doch ich traute mich nicht einen Blick auf meinen Schritt zu riskieren um zu kontrollieren ob ich einen Ständer hatte. Ob sie merkte, was für eine Wirkung sie auf mich und meinen Körper hatte?
„Da bin ich erleichtert“ erwiderte ich daher schnell und bemühte mich um einen neutralen Tonfall „Ich habe um ehrlich zu sein keine Ahnung davon und zu allem Überfluss auch noch kein Netz.“ Lachend zog sie ihre Jacke aus und gab mir so den Blick auf ihren schlanken Oberkörper frei. Sie hatte keine riesigen Brüste und wirkte recht trainiert, was mich irgendwie an meine Cousine erinnerte. Sie trug ein schwarzes hochgeschlossenes ärmelloses Shirt ohne Aufdruck, welches sehr eng anlag. Unweigerlich musste ich schlucken und ließ meinen Blick auf ihren linken Arm wandern, den ein ziemlich großes Tattoo zierte.
„Genug geguckt?“ durchbrach sie meine Gedanken und ich richtete meinen Blick ruckartig wieder auf ihr Gesicht. Zum Glück schien sie jedoch eher amüsiert zu sein, als verärgert. „Mit wem habe ich eigentlich das Vergnügen?“ überging ich ihre Bemerkung einfach nach einem Räuspern, woraufhin sie sich leicht auf die Unterlippe bis.
„Ley“ antwortete sie schließlich nach kurzem Zögern. Ich war mir nicht sicher, ob das tatsächlich der Wahrheit entsprach, doch ich würde nicht weiter danach fragen. „Shade. Freut mich“ er widerte ich mit einem kleinen Grinsen und sah wie sich ein leichter Rotschimmer auf ihre Wangen schlich. Doch schnell schüttelte sie den Kopf und ging an mir vorbei zu meinem Bike. „I-ich werde dann mal schauen was ich... ähm... machen kann“ stotterte sie währenddessen.
Belustigt drehte ich mich in ihre Richtung und beobachtete wie sie vor meiner Street Bob in die Hocke ging. So schnell konnte sich das Blatt wenden. Nun war sie scheinbar diejenige, die etwas aus der Fassung war. Doch der Anblick ihres knackigen Hinterns in der engen Jeans, ließ meinen Schwanz schon wieder gegen meine Hose drücken. Ley war recht klein, maximal 1,60 Meter und somit noch etwas kleiner als Ice. Doch das änderte nichts daran, dass sie verdammt heiß war. Außerdem schien sie ein gesundes Selbstvertrauen zu haben.
Doch der erneute Gedanke mit meiner Cousine ließ mich wieder an das Drama denken, welches ich die letzten Minuten unbeabsichtigt komplett verdrängen konnte. Erneut zog ich mein Handy heraus, doch das Ergebnis war das Gleiche wie noch vor wenigen Minuten. Genervt Schnaubte ich und schob das Smartphone zurück in meine Tasche, was mir einen fragenden Blick von Ley einbrachte.
„Alles okay?“ fragte sie vorsichtig. „Ja... nein. Nein, eigentlich nicht“ erwiderte ich und raufte mir verzweifelt die Haare „Was meinst du wie lange du brauchst?“ „Schwer zu sagen“ erwiderte sie ruhig und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihre Arbeit „Noch habe ich den Fehler nicht gefunden. Du musst dich also noch etwas gedulden.“ Wieder schnaubte ich genervt. Sie konnte nichts dafür, aber ich konnte es nicht unterdrücken.

„Willst du darüber reden?“ fragte sie nach einigen Minuten Stille vorsichtig. „Worüber?“ fragte ich skeptisch nach. „Über das, was dich hier die ganze Zeit auf und ab laufen lässt. Entschuldige Shade, aber du machst mich wahnsinnig“ antwortete sie und ich stoppte augenblicklich in meiner Bewegung, die ich gar nicht richtig realisiert hatte. „Entschuldige“ brummte ich etwas verhalten. „Kein Grund sich zu entschuldigen“ erwiderte sie entspannt „Also?“ „Meine Cousine, sie...“ begann ich zögerlich, stoppte jedoch zunächst. Sollte ich ihr das wirklich erklären? Was hatte ich schon zu verlieren? Eigentlich nichts. „Sie ist verschwunden“ schloss ich daher und sah wie Ley leicht zusammenzuckte. „Fuck“ flüsterte sie kaum hörbar und zog zischen die Luft ein.
„Was ist passiert?“ fragte sie nach einigen Sekunden der Stille zögerlich nach. „Sie wurde entführt“ erklärte ich, woraufhin Ley in ihrer Arbeit stoppte und ihren Kopf in meine Richtung drehte. In ihren schönen grünen Augen lag Sorge. „Das... tut mir leid“ sagte sie verunsichert „Auch wenn dir das gerade nicht wirklich weiterhilft.“ „Schon gut“ meinte ich abwinkend und zwang mich zu einem Lächeln. Ley konnte immerhin nichts dafür.
„Wisst ihr wer es war?“ fragte sie weiter. „Ja“ seufzte ich „Aber wir können die Typen einfach nicht finden.“ Nach meiner Erklärung zog Ley skeptisch die Augenbrauen zusammen und betrachtete mich einige Sekunden lang mit einem Blick, den ich nicht wirklich deuten konnte. Schließlich murmelte sie ein „verstehe“ und machte sich wieder ans Werk.

Einige Minuten später erhob sie sich wieder und stellte sich neben mein Bike. Ich sah wie sie kurz durchatmete, ehe sie versuchte die Maschine zu starten. Erleichterung durchflutete meinen Körper, als das vertraute Geräusch des Motors in meine Ohren drang. Etwa eine Minute ließ sie ihn laufen, ehe es wieder still wurde und sie sich in meine Richtung drehte. „Dir jetzt zu erklären, was los war wäre vermutlich Zeitverschwendung“ stellte sie fest woraufhin ich sie schief angrinste. „Wie du hörst läuft es wieder. Du solltest dennoch so schnell wie möglich in eine Werkstatt fahren um alles noch einmal checken zu lassen.“ „Wird gemacht“ erwiderte ich nickend. Sobald wir Ice gefunden hatten, fügte ich in Gedanken hinzu.
„Und wegen der Entführung deiner Cousine... Kannst du mir sagen wer es war? Vielleicht... kann ich euch helfen.“

Sprachlos starrte ich die junge Frau mir gegenüber an. „Du kannst uns helfen?“ „Vielleicht“ sagte sie prompt und hob dabei entwaffnend ihre Hände „Ich kann dir nichts versprechen.“ „Okay...“ erwiderte ich skeptisch. Sollte ich wirklich? Irgendetwas in mir schrie danach es zu lassen, doch was wenn das die Chance war Ice zu finden.
„Loan Crew“ sagte ich dann ohne noch weiter darüber nachzudenken. Ich sah wie ihre Augenbrauen nach oben wanderten und sie einige Sekunden über meine Antwort nachdachte. „Was für ein bescheuerter Name“ brachte sie schließlich kopfschüttelnd hervor und ich konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. So hatte ich am Anfang auch gedacht.
„Also? Kannst du mir helfen?“ fragte ich mit einem kleinen Anflug von Ungeduld. „Lass mich kurz telefonieren“ erwiderte sie mit einer beschwichtigenden Geste. Kurz war ich versucht ihr zu sagen, dass es hier keinen Empfang gab, doch da war sie schon wieder bei ihrem Bike, zog ein Smartphone hervor und entfernte sich soweit von mir, dass ich sie nicht mehr verstehen konnte. Zu meiner anfänglichen Verwunderung schaffte sie es offenbar tatsächlich jemanden anzurufen. Ich tippte daher mal darauf, dass sie schlichtweg einen anderen Anbieter hatte, der dieses Fleckchen Erde besser vernetzt hatte als meiner...
Es vergingen einige Minuten in denen ich unruhig umher tigerte, bis sie ihr Gespräch beendete und zu mir zurückkehrte. Doch zunächst ging sie zu ihrem Bike und holte einen Zettel und einen Stift aus ihrer Satteltasche, womit sie etwas notierte. Erst nachdem sie die Sachen wieder verstaut hatte kam sie zu mir und übergab mir den Zettel auf dem zwei Adressen notiert waren.
„Frag einfach nicht“ seufzte sie leise „Beide Adressen gehören zu dieser... Loan Crew. Die Wahrscheinlichkeit ist aber höher sie an der ersten anzutreffen. Man kann das als ihr Hauptquartier bezeichnen.“ Wieder starrte ich sie einfach nur sprachlos an. Mir brannte schon die Frage auf der Zunge woher sie diese Information hatte, doch hatte mich ja mehr oder weniger darum gebeten nicht zu fragen... Mein nächster Gedanke war ob sie mich wohl verarschen würde, doch ihr Blick war dermaßen Ernst... das konnte ich mir nicht vorstellen.
Oder viel mehr hoffte ich es einfach.
„Wie kann ich dir dafür danken Ley? Auch wegen dem Bike“ fragte ich etwas überfordert mit der Situation und verstaute den Zettel sicher in meiner Kutte. „Hol sie einfach da raus“ antwortete sie lächelnd und strich mir dabei mit einer Hand über meinen Oberarm. Die leichte Berührung setzte augenblicklich meinen gesamten Körper unter Strom. Aus einem Impuls heraus packte ich ihren Arm und zog sie in eine dankbare Umarmung. Zunächst verspannte sie sich komplett, doch schnell wurde sie wieder locker und lachte leise. „Ich danke dir vielmals, Ley“ sagte ich leise und inhalierte dabei den angenehmen Geruch ihrer Haare. Vanille und Honig... „Ich hoffe sehr, dass ihr sie finden werdet, Shade“ erwiderte sie ebenso leise.

Kurz genoss ich noch das Gefühl ihres Körpers an meinem, dann löste ich mich wieder von ihr. Meine Hände legte ich dabei jedoch auf ihre Schultern um sie nicht direkt entwischen zu lassen. Aufmerksam musterte ich ihre grünen Augen und ihre sanften Gesichtszüge, während sie mich ebenso betrachtete. „Verrätst du mir noch deinen richtigen Namen?“ fragte ich sie leise. Für einen kurzen Moment weiteten sich ihre Augen erschrocken, ehe sie sie für einige Sekunden schloss. Als sie mich wieder ansah, wirkte ihr Blick irgendwie traurig. „Nein“ hauchte sie kaum hörbar „Es ist besser so... Glaub mir.“ Ich sah wie ihr Blick zu meinen Lippen rutschte und dort für einige Herzschläge verharrte. Sollte ich? Ach, scheiß drauf!
Als ich meine Hände an ihre Wangen legte flatterte ihr Blick wieder nach oben, doch sie wich nicht zurück. Das gab mir die letzte Entschlossenheit die restlichen Zentimeter zwischen uns zu überbrücken und meine Lippen auf ihre zu legen. Sofort schloss sie ihre Lider und erwiderte den Kuss, der zärtlich begann doch schnell intensiver wurde. Bereitwillig öffnete sie sich für mich und unsere Zungen begannen spielerisch miteinander zu kämpfen.
Ich weiß nicht wie lange wir dort einfach so standen, doch irgendwann mussten wir uns aus Luftmangel voneinander lösen. „Ich werde dir dennoch nicht mehr verraten“ flüsterte sie leicht atemlos. Ihr Blick war glasig und erregt und es fiel mir wirklich schwer sie loszulassen und einen Schritt zurückzutreten. Mein Schwanz drückte schon wieder gegen meine Jeans. Ein Umstand, der ihr Sicherlich nicht entgangen war.
„Ich sehe das als Herausforderung Ley“ erwiderte ich grinsend. Ich beobachtete wie sie sich auf die Unterlippe biss, ganz offensichtlich mit sich ringend. Doch dann schüttelte sie den Kopf und ging zurück zu ihrem Bike. Schweigend zog sie sich ihre Lederjacke an, setzte den Helm auf und schwang sich auf die weiße Maschine. Sie hatte die Hand bereits am Schlüssel, als sie noch einmal innehielt. Nach kurzem Zögern schob sie das Visier ihres Helmes nach oben und sah noch einmal in meine Richtung. „Mach's gut Shade.“
Ohne auf eine Erwiderung zu warten startete sie den Motor und rauschte von dem kleinen Rastplatz. Beinahe wehmütig sah ich ihr hinterher. Auch wenn ich nicht lange das Vergnügen mit ihr hatte war ich mir sicher, dass diese Frau etwas ganz Besonderes war.
Vielleicht würde ich, wenn das alles vorbei war, einmal einen Ausflug nach Midden machen...


~ Caretaker ~


„Woher zur Hölle hast du das denn jetzt auf einmal?“ Fassungslos starrte ich zwischen dem kleinen Zettel, der auf der Mitte des Tisches lag, und dem schief grinsenden Shade hin und her. Abwehrend hob er seine Schultern. „Frag besser nicht“ winkte er ab „Glaubst du eh nicht.“ Doch dann wurde sein Blick ernst und er sah angespannt durch die kleine Runde, die sich in der Church versammelt hatte. „Ich gebe keine Garantie für diese Angaben. Kann auch sein das meine... ähm... Quelle mich verarscht hat.“ Schulterzuckend endete er und ich wurde den Verdacht nicht los, dass seine Quelle ein hübsches Paar Titten hatte. Hofften wir nur, dass sie eine gute Quelle war...
„Das werden wir später herausfinden“ mischte Lord sich daraufhin ein und sofort lag die Aufmerksamkeit aller auf ihm. Der ganze Club stand in den letzten Tagen in ständiger Alarmbereitschaft. Als Lord und Wood gestern wiedergekommen waren, hatte man das Gefühl es würde noch schlimmer werden. Auch wenn heute Samstag war und damit Wochenende, hatte niemand auch nur einen Gedanken an eine Party verschwendet. Selbst die Clubschlampen wirkten betroffen – naja, die meisten zumindest – auch wenn sie nicht wirklich wussten was überhaupt passiert war.
„Shade, Shadow. Ihr werdet die zweite Adresse übernehmen“ wandte Lord sich an seine Söhne, die wenig begeistert die Gesichter verzogen. „Warum zur Hell denn das?“ empörte Shade sich auch direkt „Sie ist doch vermutlich bei der ersten Adresse.“ „Genau deswegen fahrt ihr zu der anderen“ erwiderte unser Präsident mit einer Ruhe, die er als Onkel eines Entführungsopfers eigentlich nicht haben sollte „Ihr seid emotional viel zu belastet und würdet alles nur viel zu komplizierter machen.“
Nach Lords Worten an unsere Sergeants spürte ich Cashs Blick förmlich auf mir brennen. Wenn die beiden emotional belastet waren, dann war ich es wohl erst recht und Cash wusste das. Zu meinem Glück war er jedoch loyal und hielt seine Fresse.
In den nächsten Minuten erklärte Lord uns den Plan für unseren Einsatz. Da wir für beide Adressen jedoch keinen Lageplan hatten, war alles ziemlich wage. Auch wussten wir nicht mit wie viel Mann Gegenwehr wir rechnen mussten. Shadow und Shade würden mit sechs weiteren Männern zur zweiten Adresse fahren. Mehr als doppelt so viele – insgesamt zwanzig – zur ersten. Darunter waren Cash und ich. Der Rest der Männer blieb im Clubhaus, da Lord es nicht komplett ausschließen konnte, dass Shades „Quelle“ zu ihnen gehörte und uns durch diesen Tipp weglocken wollte. Shade glaubte daran zwar nicht, doch er gab die Diskussion mit unserem Prez ziemlich schnell auf.

„Also gut Männer, holen wir sie da raus.“ Mit diesen Worten beendete Lord den Gottesdienst. Laute Zustimmungsrufe waren zu hören, bevor sich alle erhoben, die Church verließen und sich bereit machten.
„Caretaker.“ Ich war gerade im Begriff die Church ebenfalls zu verlassen, als Lords Stimme mich innehalten ließ. Irgendwas in seinem Tonfall gefiel mir nicht, dennoch drehte ich mich gehorsam wieder in seine Richtung. „Ja Prez?“ „Wenn das alles vorbei ist“ begann er und sah mich dabei eindringlich mit seinen stahlgrauen Augen an „Dann werden wir uns über das unterhalten, was tatsächlich in den letzten Monaten passiert ist.“ Seine Worte wirkten wie eine kalte Dusche und ließen mich regelrecht erstarren. Was zur Hell...?
Auch wenn ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen, schien meine Reaktion ihn absurderweise irgendwie zu amüsieren. „Verstanden Prez“ brachte ich schließlich etwas gestelzt hervor. Jetzt eine Diskussion anzufangen oder irgendetwas zu leugnen wäre in dieser Situation ein Fehler. Jetzt ging es darum Ice zu retten, alles andere war zweitrangig. Auch meine Zukunft in diesem Club...
Mit einem Schmunzeln schlug Lord mir im vorbeigehen kräftig auf die Schulter, sodass ich beinahe nach vorne gekippt wäre. Nur wenige Sekunden später war ich allein in der Church. „Fuck“ fluchte ich leise. Was wusste Lord? Oder ahnte er nur etwas? Hatte Ice doch mit ihm gesprochen? Oder einer der Zwillinge? Doch vermutlich hatte niemand auch nur ein fucking Wort zu ihm gesagt. Lord war immerhin unser President und bekam mehr von dem mit was in seinem Laden lief, als man meinte...
Schnell schob ich diese Gedanken beiseite und verließ die Church beinahe fluchtartig. Mein Weg führte mich durch den Schankraum nach draußen, wo Cash schon ungeduldig auf mich wartete. „Wo warst du?“ zischte er während wir uns auf den Weg zu dem schwarzen Transporter machten, mit dem wir gemeinsam mit Lord und Wood fahren würden. „Lord“ antwortete ich knapp. „Probleme?“ fragte Cash prompt und leicht besorgt nach. „Wird sich noch zeigen.“
Als wir das Fahrzeug erreichten begaben wir uns in den hinteren Teil des Wagens, der eigentlich als Ladefläche diente. Bei diesem war es jedoch so, dass der Boden gepolstert war damit möglichst viele Leute einigermaßen bequem auf einmal transportiert werden konnten. Alles nicht erlaubt, aber wen interessiert das schon...


~ Ice ~


Seufzend streckte ich meine Beine von meinem Körper. Ich war mir nicht sicher wie viele Tage inzwischen vergangen waren. Ich glaubte drei, also müsste inzwischen Samstag sein. Das Finale vom Bandwettbewerb haben wir somit verpasst, dachte ich sarkastisch. Doch so richtig sicher war mich mir damit nicht. Manchmal wachte ich mitten in der Nacht auf und schlief dann mitten am Tag vor Müdigkeit wieder ein. Sicherlich hatte ich fette Augenringe und sah aus wie ein Zombie. Ich hatte seit Tagen nicht geduscht und stank mit hoher Wahrscheinlichkeit wie ein Iltis. Doch das war mit inzwischen beinahe egal. Mein ganzer Körper zitterte, vor Kälte, vor Angst.
Der Alpha war nicht wieder bei mir gewesen. Ich hatte ihn heute zwar schon gesehen, aber er hatte mich nicht einmal beachtet. Zum Glück, denn das was ich vor meiner Zelle beobachten musste, reichte mir definitiv. Wieder begannen meine Augen zu brennen, doch ich kämpfte das Gefühl gewaltsam nieder. Es brachte mir nichts zu Heulen verdammt!
Doch durch die Ignoranz des Alpha, wuchs meine Sorge eher noch weiter. Ich hatte noch immer keine Ahnung was er überhaupt von mir wollte. Klar, das Geld, aber er hatte noch immer keine konkrete Forderung gestellt. Stattdessen wurde ich ignoriert und ohne Savannah wäre ich wahrscheinlich bereits verdurstet. Mein Magen gab es unbestimmtes Grummeln von sich uns eine Welle der Übelkeit packte mich. Aus meiner Not heraus hatte ich etwas Wasser aus dem Wasserhahn des Waschbeckens getrunken, doch das schmeckte so widerlich, dass mir seitdem permanent schlecht war.

„Savannah?“ fragte ich leise in die Dunkelheit. Inzwischen dürfte es mitten in der Nacht sein und ich war völlig erledigt. Dennoch fand ich wie so oft keinen Schlaf. „Savannah?“ versuchte ich es erneut, doch in der Zelle neben mir blieb es still. Es war mittlerweile etliche Stunden her, dass der Alpha meine blonde Helferin vor meinen Augen missbraucht und hier unten eingesperrt hatte. Und seitdem hatte ich keinen Ton von ihr gehört. Ich wusste nicht ob sie mich ignorierte oder ob sie noch immer nicht bei Bewusstsein war und das machte mich wahnsinnig vor Sorge. „Savannah bitte. Ich mache mir Sorgen um dich.“ Meine Stimme brach und ich konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Es war ganz allein meine Schuld, dass sie in dieser Zelle gelandet war...

Ich wusste nicht wie viel Zeit verging. Ein mittlerweile ziemlich bekanntes, dennoch aber nicht gerade angenehmes Gefühl. Ein Lauter Knall riss mich aus meiner Trance und ich spürte wie der Boden unter mir erzitterte. „Eine Explosion?“ flüsterte ich in die Stille. War vielleicht jemand gekommen um mich zu retten?
Bei deinem Glück fackelt gerade eher jemand die Bude über deinem Kopf ab, zeterte meine Innere Stimme und ich hätte beinahe darüber gelacht. Wäre der Tod vielleicht die bessere Alternative? Nein, sicherlich nicht. Besonders bei lebendigem Leib zu verbrennen wäre definitiv schlimmer als hier eingesperrt zu sein. „Savannah?“ fragte ich erneut, doch es blieb still.
Nur Sekunden später hörte ich lautes Gebrüll, das durch die Stahltür nur gedämpft zu mir drang. Schüsse hallten durch die Luft und ließen mich zusammenzucken. Panisch zog ich meine Beine an meinen Oberkörper und drückte meine Hände auf meine Ohren. Die Geräusche weckten unschöne Erinnerungen in meinem Kopf. Erinnerungen an den Tag im Bikers In, doch damals hatte Cares Körper mich vor allem abgeschirmt...
Mein Körper bebte vor Angst, als plötzlich die Tür aufflog und meine Zelle erleuchtet wurde. Bitte, lass mich das Ende dieses Tages noch erleben...
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