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LEGACY - Ice & Caretaker (Devil's of Mayhem MC 1)

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / Het
23.02.2021
08.08.2021
68
249.764
26
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
22.05.2021 3.404
 
~ Ice ~


Ein scharfer Schmerz schoss durch meinen Kopf. Das war das Erste, das ich wahrnahm. Danach spürte ich die Kälte, die durch meinen Körper kroch. Ganz langsam öffnete ich meine Augen, doch zunächst war das Bild vollkommen verschwommen. Ich blinzelte mehrmals ehe sich alles schärfte und ich meine Umgebung erkennen konnte. „Was zur Hölle?“ entfloh es mir und meine Worte hallten von den kahlen Wänden wieder. Blanker dunkelgrauer Stein und Gitterstäbe. Ich saß tatsächlich in einer fucking Zelle!
Ganz langsam setzte ich mich auf. Meine Unterlage war einigermaßen weich, eine dünne nackte Matratze. Darauf lediglich eine dünne Wolldecke und ein schmutzig-weißes Kissen. Fassungslos ließ ich meinen Blick weiter wandern. Das einzige Licht kam von einem kleinen, nur circa dreißig mal fünfzig Zentimeter großen Fenster, oben in einer Ecke meiner Zelle. Natürlich mit Gitterstäben. Dem Licht nach zu urteilen ging draußen gerade die Sonne unter. Vorausgesetzt dieses Fenster führte überhaupt nach draußen...
Auf der anderen Seite der Gitterstäbe gab es lediglich einen Gang und eine Stahltür. Vermutlich führte diese nach draußen... Ein Verstand lief extrem langsam und zu meinem eigenen Erstaunen verfiel ich nicht in Panik. Sollte ich jetzt nicht ausflippen? Hysterisch werden? Herumschreien? Um Hilfe rufen? Das wäre wohl eine logisch nachzuvollziehende Handlung, doch weiter würde es mich ohnehin nicht bringen.
Langsam schüttelte ich den Kopf und erhob mich von der Matratze. In der anderen hinteren Ecke, gab es eine Toilette und ein Waschbecken. Immerhin... Langsam schwankte ich zur Tür. Verschlossen. Natürlich... Seufzend lehnte ich meine Stirn gegen das kalte Metall und versuchte meine Gedanken zu ordnen.
Ich war mit dem Bike unterwegs gewesen. Doch was war dann? Es war eine entspannte Fahrt, doch dann... Genau! Da war dieser Penner mit dem schwarzen Transporter, der mich von der Straße gedrängt hat! Dieses verdammte Arschloch! Ich dachte echt der will mich umbringen! Ich erinnerte mich nur noch daran im Graben gelandet zu sein, danach war alles weg. Vermutlich hatte ich dabei das Bewusstsein verloren. Aber wie war ich dann hier gelandet? Eigentlich gab es dafür nur eine Erklärung. Der Transporter-Fahrer. Doch warum? Wer sollte so etwas machen?
Genervt stöhnte ich und wanderte wieder zurück zur Matratze, wo ich mich niederließ und mit dem Rücken gegen die kalte Wand lehnte. Meine Schulter und das linke Bein schmerzten, doch es war nichts gebrochen. Immerhin etwas positives. Vermutlich würde ich in den nächsten Tagen aber grün und blau werden, doch damit konnte ich leben. Ich trug noch immer meine Boots und die Lederjacke und die Sachen waren voller Erde und Gras. Von meinem Helm war nichts zu sehen. Auch von meiner Handtasche, die in der Satteltasche verstaut war, nicht, doch das wunderte mich nicht weiter.
Konnte das alles mit den Vorfällen der letzten Monate zusammenhängen? Der Überfall auf das Bikers In, der Einbruch in meine Wohnung... Ich war mir nicht sicher, doch eine andere Erklärung hatte ich nicht. Warum musste mein Leben nur so außer Kontrolle geraten?
Langsam zog ich meine Beine an meinen Oberkörper und schlang meine Arme darum. Meine Stirn ruhte auf meinen Knien, während stille Tränen an meinen Wangen hinabliefen. Ich wollte wieder nach Hause...

Ich hatte keine Ahnung wie viel Zeit vergangen war, als die schwere Stahltür mit einem Quietschen geöffnet wurde. Die Sonne war inzwischen untergegangen. Langsam hob ich meinen Kopf und das eingeschaltete Licht blendete meine gereizten Augen. Fahrig fuhr ich mit einer Hand über mein Gesicht um die Tränen wegzuwischen, ehe ich meine Aufmerksamkeit auf den Gang richtete. Ein großgewachsener Mann hatte ihn betreten und sah mit einer nicht zu deutenden Miene in meine Zelle. Ich konnte aufgrund des blendenden Lichts nicht viel erkennen, doch er wirkte etwas... genervt. Ich schätzte ihn auf irgendwas zwischen dreißig und vierzig. Er hatte dunkle kurze Haare und ein breites Kreuz. Ob er hier wohl das Sagen hatte?
Ein Seufzen verließ seine Lippen ehe er das erste Mal seine Stimme erhob. „Und was mache ich jetzt mit dir?“ Seine Stimme war tief und in einem anderen Zusammenhang, hätte ich sie vielleicht als angenehm empfunden, doch jetzt jagte sie einen unangenehmen Schauer durch meinen Körper. Doch als seine Worte richtig zu mir drangen, blinzelte ich verwirrt in seine Richtung. Was sollte das denn jetzt bedeuten? Beinahe klang es, als wäre ich ungeladen hier angetanzt.
„Was wollt ihr von mir?“ fragte ich leise und mit krächzender Stimme, die außerdem vor Angst zu beben schien. „Wir?“ fragte er mit einer beinahe unschuldig klingenden Stimme und schenkte mir ein Grinsen, welches mich jedoch eher an ein Haifischgrinsen erinnerte. „Wir wollen lediglich unser Geld. Eigentlich war das nicht so geplant, aber wo du schon mal hier bist.“ Ein wirklich unangenehmes Gefühl breitete sich in mir aus und mir trat Angstschweiß auf die Stirn. Mein gesamter Körper zitterte, doch ich atmete tief durch und versuchte mich wieder etwas zu beruhigen. Vergeblich. „Was für Geld?“ fragte ich schließlich und bekam dafür zunächst nur ein verächtliches Schnauben.
„Stell dich nicht dümmer als du bist“ herrschte er mich an „Du bist doch die Tochter von Benedikt Haftmann oder etwa nicht?“ „J-ja. B-bin ich“ antwortete ich stotternd und war froh um die Gitterstäbe zwischen uns. Hoffentlich blieb das auch so, denn der Typ machte mir wirklich Angst... „Na also“ sagte er zufrieden und wandte sich zum Gehen. „Warte“ rief ich ihm aus einem Impuls hinterher und tatsächlich stoppte er, drehte sich allerdings nicht wieder um. Mein Herz schien einige Schläge auszusetzen, ehe ich den Mut fand wieder zu sprechen. „Ich habe wirklich keine-“ „Schweig“ fuhr er mir lautstark dazwischen und ich zuckte erschrocken zusammen. „Vielleicht wird dir eine Nacht in dieser gemütlichen Zelle auf die Sprünge helfen, Sasha.“ Mit einem Grinsen sah er kurz in meine Richtung bevor er wieder verschwand und mich alleine im Dunkeln zurück ließ.
Zitternd stieß ich die Luft aus meiner Lunge. Ich hatte noch nicht einmal bemerkt, dass ich sie angehalten hatte... Verdammt.
Was sollte ich den jetzt machen?
Verzweifelt fuhr ich mir mit den Händen durch die Haare und krallte mich krampfhaft an den Strähnen fest. Das durfte doch wirklich alles nicht wahr sein. Mein Vater hatte tatsächlich Schulden gemacht und die wollten nun von mir das Geld... Doch wie viel? Vielleicht sollte ich ihn morgen einfach fragen, das Geld bezahlen und ich hatte auf ewig meine Ruhe. Doch was, wenn ich den Betrag nicht bezahlen konnte?
Krampfhaft kämpfte ich gegen die aufsteigenden Tränen an, jedoch mit eher mäßigem Erfolg. Immer mehr Flüssigkeit sammelte sich in meinen Augen und bahnte sich langsam den Weg nach draußen. „Care“ flüsterte ich leise in die Dunkelheit „Bitte hilf mir...“


~ Caretaker ~


„Diese Wichser hatte Cypher als Möglichkeit auf seiner Liste“ murmelte ich leise. „Bist du dir sicher?“ fragte Preacher daraufhin nach. „Ja ziemlich sicher“ erwiderte ich nickend „Dieser Name bleibt einfach hängen. Allerdings hat er mehr nicht gesagt, da noch zwei andere... Organisationen in Frage gekommen wären.“ „Gut möglich also, dass er mehr über sie weiß als wir.“ „Ja“ seufzte ich und wandte mich dann an Shade „Meinst du du kannst rauskriegen, was Cypher bereits in Erfahrung bringen konnte?“ Wenn sich aus unserer Runde mit Computern auskannte, dann war es Shade. Doch gegen Cypher sah er wohl immer noch aus wie ein absoluter Amateur. „Kann ich versuchen“ erwiderte er wenig optimistisch „Ich würde mir aber keine großen Hoffnungen machen.“
Damit verließ er die Church und ich zwang mich dazu tief durchzuatmen. „Wir sollten Lord Bescheid geben“ warf Cash kurz darauf in die Runde und musste ein genervtes Stöhnen wirklich unterdrücken. „Das sollten wir nicht nur“ erwiderte Preacher entschieden „Das müssen wir. Er ist der President und Ice ist immerhin seine Nichte.“ „Übernimmst du das?“ fragte ich ihn vorsichtig und rechnete schon fest mit einer knallharten Absage, doch er überraschte mich indem er nickte und ohne ein weiteres Wort die Church ebenfalls verließ.
Seufzend wandte ich mich an Shadow, Cash und Fire, die noch übriggeblieben waren. „Jemand eine Idee was wir jetzt machen?“ „Solange Shade nichts rauskriegt? Bleibt eigentlich nur wie ein paar blöde Anfänger durch die Stadt zu fahren und zu suchen“ erwiderte Shadow und mir war für den Moment nicht klar, ob er seine Worte tatsächlich ernst meinte oder nicht. Doch dann schüttelte er den Kopf und seufze leise. Auch wenn man es dem älteren Zwilling nicht ganz so sehr ansah, auch er litt unter dem Verschwinden seiner Cousine. „Ich werde mich gleich mit Preacher zusammensetzten. Vielleicht können wir von einem Supporter Hilfe bekommen.“ Ich nickte bestätigend und dann verließ auch er den Raum. Doch kurz bevor er die Tür schloss winkte er Fire zu sich, der ihm ohne ein Wort folgte.
Seufzend ließ ich mich auf den nächstgelegenen Stuhl fallen und vergrub mein Gesicht in meinen Händen. „Wenn ich sie nicht vertrieben hätte, wäre das Ganze gar nicht erst passiert“ brummte ich leise, doch Cash verstand mich dennoch. „Das kannst du nicht wissen Care.“ „Aber vorher ist sie auch nie alleine weggefahren...“ „Da hast du vielleicht Recht und dabei hatte mehr als genügend Möglichkeiten dazu.“
Schweigend gab ich ihm Recht. Oft genug war sie alleine in meinem Haus gewesen. Sie hätte wegfahren können ohne das jemand dahintergekommen wäre. „Aber warum jetzt? Warum nach unserem Streit? Das ist doch kein Zufall.“ „Vielleicht doch“ antwortete Cash mit ruhiger Stimme „Seit eurem Streit sind immerhin drei Wochen vergangen. Ich würde das nicht in Zusammenhang bringen. Vermutlich ist ihr einfach die Decke auf den Kopf gefallen. Das hätte auch in deinem Haus passieren können.“ „Was wenn wir sie nicht wiederfinden?“ „Wir werden sie wiederfinden, Care.“
Blieb nur die Frage wie...


~ Ice ~


Erschrocken zuckte ich zusammen, als ich wieder das Quietschen der Tür vernahm. Benommen hob ich meinen Kopf und sah in den Gang. Bin ich etwa eingeschlafen? Zu meiner Verwunderung entdeckte ich eine deutlich kleinere und zierlichere Gestalt, die zunächst die Tür schloss und dann das Licht einschaltete. Ich brauchte einige Sekunden bis meine Augen sich an die Helligkeit gewöhnt hatte. Doch als mein Blick klar war, dachte dachte ich zunächst dennoch noch zu schlafen.
Vor meiner Zelle stand eine junge Frau. Sechzehn, vielleicht Achtzehn Jahre alt. Sie hatte lockige goldblonde Haare, eine schöne schlanke, aber dennoch weibliche Figur und ein freundlich wirkendes Gesicht. „Hey“ sagte sie leise. Ihre Stimme war hoch ohne dabei quietschend zu sein. Der melodische Klang war irgendwie beruhigend für meine Nerven. Doch ich fragte mich was sie hier tat? Wo auch immer wir überhaupt waren.
„Hey“ erwiderte ich unsicher, bewegte mich jedoch nicht vom Fleck. „Ich habe dir etwas zu Essen mitgebracht“ überging sie meine Verunsicherung und erst da bemerkte ich das Tablett welches sie in den Händen hielt. Langsam stellte sie es vor meiner Zelle auf den Boden und setzte sich dann im Schneidersitz davor.
„Mein Name ist Savannah. Ich...“ begann sie leise, unterbrach sich dann aber selber und sah einen Moment zur Tür ehe sie weitersprach „Ich dürfte eigentlich gar nicht hier sein.“ „Und warum bist du es dann?“ fragte ich vorsichtig nach und streckte langsam meine Beine aus. Sie waren eingeschlafen von der dauerhaften schlechten Haltung. „Um dir etwas zu Essen zu bringen“ erwiderte sie mit einem Schulterzucken, als wäre das völlig selbstverständlich „Sonst hättest du nichts bekommen.“
Als Reaktion zog ich lediglich eine Augenbraue nach oben. So recht wollte ich ihr und der ganzen Situation nicht trauen. Ein Seufzen war zu hören. „Ich kann mir vorstellen, dass du mir nicht traust. Ich habe eine verschlossene Flasche Wasser und ein paar Brote. Keine Möglichkeit also dich zu vergiften oder ähnliches.“ Entwaffnend hob sie kurz ihre Hände ehe sie weitersprach. „Ich würde dich bitten zu essen. Jetzt. Wenn ich zu lange hier bleibe wird es noch auffallen. Währenddessen kann ich versuchen dir ein bisschen was zu erklären.“ „Okay“ erwiderte ich seufzend. Was hatte ich schon zu verlieren?
Langsam erhob ich mich um meine noch kribbelnden Beine nicht zu überlasten. Als ich mich Savannah gegenüber hinsetzte, reichte sie mir zunächst die Wasserflasche. „Warum hilfst du mir?“ platze es aus mir heraus, bevor ich einige gierige Schlucke aus der Flasche nahm. Gott, mir war gar nicht aufgefallen, wie durstig ich war. „Weil ich es will“ antwortete sie entschieden, woraufhin ich wieder skeptisch eine Augenbraue nach oben zog. „Ich gehöre nicht dazu“ begann sie etwas zögerlich „Mein Bruder ist... quasi ein Mitglied. Wobei das auch nicht freiwillig. Ich bin dann quasi mit rein gerutscht.“ „Wo sind wir überhaupt?“ fragte ich dazwischen, da mit das noch immer nicht klar war. „Du weißt es wirklich nicht?“ fragte Savannah merklich verwundert. „Nein“ gab ich kopfschüttelnd zurück. „Alpha meinte schon, dass du dich... ähm... unwissend stellen würdest. Aber scheinbar weißt du wirklich von nichts.“
Seufzend sah ich kurz zur Seite, ehe ich Savannah wieder fixierte. „Würdest du mich erleuchten?“ Ich sah wie sie auf ihre Unterlippe biss und nachdachte. Vermutlich würde das Ganze viel länger dauern, als sie ursprünglich geplant hatte. „Savannah bitte“ flehte ich sie förmlich an „Ich weiß nur, dass mein Vater sich scheinbar Geld bei diesen Leuten geliehen hat. Der ist aber inzwischen beinahe fünf Jahre tot und ich hatte keine Ahnung davon.“
„Ja okay. Ich versuche mich zu beeilen.“ Savannah nickte entschieden und atmete noch einmal tief durch ehe sie anfing. Währenddessen verschlang ich förmlich die Brote, die sie mir mitgebracht hatte. Fuck, hatte ich einen Hunger. „Die Organisation – oder wie auch immer ich das hier nennen soll – nennt sich Loan Crew. Wie der Name eigentlich schon sagt – verleihen sie Geld. Allerdings ist das ganze Illegal und die Mittel mit denen sie das Geld wieder eintreiben sind... äußerst fragwürdig.“ „Habe ich bemerkt“ murmelte ich zwischen zwei Bissen.
„Meistens läuft alles in irgendwelchen dunklen Gassen oder seit einigen Jahren auch über das Darknet. Wie besagt bin ich kein Mitglied, aber ich bekomme einiges mit, da die Männer mich irgendwie nicht für voll nehmen, glaube ich... Aber egal. Ich habe mitbekommen, dass die Schulden ursprünglich von deinem Vater gemacht wurden und sie jetzt versuchen das Geld von dir zu bekommen. Das du davon gar nichts weißt... das ist ihnen scheinbar nicht klar.“
„Warum erst jetzt Savannah? Mein Vater ist wie gesagt schon einige Jahre tot.“ „Es gab vor rund einem Jahr eine Art... Machtwechsel. Der bisherige erste Mann dieses merkwürdigen Haufens verschwand plötzlich. Zumindest wurde es so dargestellt. Um ehrlich zu sein vermute ich, dass Alpha ihn ausgeschaltet hat. Das sind jedoch Vermutungen.“ Mit großen Augen starrte ich sie an und konnte gar nicht richtig fassen was sie mir da erzählte. „Was hat es mit dem... Alpha auf sich?“
„Er ist hier der Boss. Du hast ihn vor einigen Stunden bereits kennengelernt.“ Knapp nickte ich zwischendurch. Das hatte ich mir ja bereits gedacht. „Nachdem er hier das Sagen übernahm begann er die Crew teilweise als sein Rudel zu bezeichnen. Frag mich nicht warum. Er selbst ist seitdem für alle der Alpha, sein jüngerer Brüder der Beta. Man kann es sehen wie ein Präsident und sein Vize. Durch diese Bezeichnungen wollen sie sich aus irgendeinem Grund von anderen unterscheiden. Der Hintergrund erschließt sich mir jedoch nicht.“
„Weißt du zufällig was sie mit mir vorhaben?“ fragte ich nach einigen Minuten der Stelle vorsichtig. Das Brot hatte ich inzwischen restlos vernichtet, sodass Savannah das Tablett wieder zu sich herüberzog. Auch die Wasserflasche war bereits leer. „Ehrlich gesagt nein“ antwortete sie kopfschüttelnd und lächelte entschuldigend „Ich habe nur mitbekommen, dass diese Aktion vom Alpha nicht geplant war. Ich befürchte sie wissen derzeit selber nicht was sie tun und das macht mir Angst.“

Wenige Minuten später war ich wieder alleine in der Dunkelheit. Savannah war ohnehin viel länger bei mir geblieben, als sie es ursprünglich geplant hatte. Doch zunächst wusste ich alles was ich wissen musste. Mehr konnte sie mir wohl eh nicht sagen. Loan Crew... Das waren also die Arschlöcher, die mir seit Monaten Bauchschmerzen bereiteten. Wie gerne würde ich diese Info jetzt an irgendjemanden weitergeben, doch das ging nicht.
Seufzend legte ich mich auf die dünne Matratze und breitete die Decke über meinem frierenden Körper aus. Während des Gesprächs mit Savannah war mir die Kälte gar nicht mehr so aufgefallen, doch jetzt kehrte alles mit doppelter Stärke zurück.
„Wo hast du mich da nur reingebracht, Dad?“

~


Die Nacht war hart und viel zu kurz. Zwar hatte ich ohne Uhr keine Ahnung wie lange ich geschlafen hatte, doch viel war es definitiv nicht. Ich konnte ewig nicht einschlafen, wachte andauernd auf und als draußen die Sonne aufging war es endgültig vorbei. Nach einem kurzen Gang auf die nicht sonderlich einladende Toilette setzte ich mich wieder auf die Matratze, lehnte mich mit dem Rücken an die Wand und wartete auf die Dinge, die da kommen sollten.
Mein Rücken schmerzte und meine Beine begannen schon wieder zu kribbeln, als die Stahltür geöffnet wurde. Langsam drehte ich meinen Kopf zur Seite und entdeckte den Mann von gestern. Alpha. Jetzt musste ich mich tatsächlich zusammenreißen um nichts falsches zu sagen. Ich wollte mir gar nicht vorstellen was passierte, wenn ich Savannah aus versehen verriet. Der Mann schloss die Tür wieder und blieb direkt vor meiner Zelle stehen. Ich versuchte seinen durchdringenden Blick emotionslos zu erwidern, doch ich war sicher, dass das nur mäßig klappte. Mein Körper bebte vor Kälte, doch zum Teil auch vor Angst und Anspannung.
„So, Fräulein Haftmann“ begann er mit einem schiefen Lächeln und mein Körper spannte sich weiter an, wobei ich natürlich nirgendwohin flüchten konnte. „Konnte diese Nacht in unserem Gästezimmer deinem Gedächtnis etwas auf die Sprünge helfen?“ „Nein“ erwiderte ich entschieden, woraufhin ihm das Lächeln aus dem Gesicht rutschte „Wenn ich das gestern richtig verstanden habe, hat mein Vater bei euch vor seinem Tod Schulden gemacht. Richtig? Davon weiß ich nichts, wirklich nicht. Ich habe auch in seinen Unterlagen nichts darüber gefunden.“ „Du erwartest jetzt aber nicht das ich dir das glaube oder?“ fragte er in einem harten Tonfall der mich zusammenzucken ließ. Fuck. Ich durfte nicht vergessen, dass das die gleichen Typen waren die einfach auf das Bikers In geschossen haben.
„E-eigentlich schon“ erwiderte ich stotternd und zog dabei meine Beine enger an meinen Körper. „Ich muss sagen, dass du uns einiges an Kopfschmerzen bereitet hast“ meinte er dann kopfschüttelnd „Ich hätte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass du dich nach unserer ersten kleinen Warnung ausgerechnet bei den Devil's verstecken würdest. Tja, wer konnte auch schon ahnen, dass Benedikt Haftmann einmal einer von ihnen war.“ Seufzend schüttelte er den Kopf während ich ihn fassungslos mit großen Augen anstarrte. Woher wusste er das? Wusste er auch, dass Lord mein Onkel war? Wenn ja, warum machte er das hier? Müsste ihm nicht bekannt sein, dass er sich damit mächtige Probleme einhandelte? Oder war ihm das schlichtweg egal?
„Aber es war abzusehen, dass du früher oder später unvorsichtig werden würdest. Wir mussten also nur Geduld haben“ fuhr er dann schulterzuckend fort. Hatten sie mich tatsächlich die ganze Zeit beobachtet? „Du fragst dich jetzt vermutlich ob wir dich die ganze Zeit im Auge hatten oder?“ fragte er mich amüsiert und ich zuckte erneut zusammen. „Ja das haben wir. Die ganze Zeit.“ Amüsiert lachte er auf, doch dann wurde die Tür erneut geöffnet. Sofort verstummte er wieder und sah genervt zu dem anderen Mann, von dem ich nichts erkennen konnte. „Wir müssen los“ sagte der andere leise, woraufhin der Alpha nickte und wortlos wieder ging.
Oh fuck. Was war das denn bitte? Warum glaubte er mir nicht? Doch auch wenn er mir nicht glaubte, warum nannte er mir nicht einfach die Summe und ich konnte mir Gedanken darum machen, wie zur Hölle ich ihm sein fucking Geld zurückzahlen sollte...

Was Jenna wohl dachte? Sicherlich machten sie und meine anderen Kolleginnen sich Sorgen, immerhin hätte ich schon längst bei der Arbeit sein müssen. Meinen Cousins und Fire dürfte mein Verschwinden eigentlich gestern bereits aufgefallen sein. Was sie wohl dachten? Machten sie sich Sorgen? Suchten sie eventuell nach mir?
Matt ließ ich meine Stirn auf meine Knie sinken. Ich war noch nicht einmal einen Tag hier unten. Dennoch hatte ich das Gefühl keine Kraft mehr zu haben. Warum musste dieses Jahr auch alles den Bach runtergehen?
Wäre es besser wenn ich bei Care geblieben wäre? Vielleicht hätte ich im nüchternen Zustand noch einmal mit ihm sprechen sollen. Vielleicht wäre... Nein. Das war quatsch. Auch ohne unseren Streit hätten sie sicherlich irgendwann eine Gelegenheit gefunden mich zu schnappen.
Bei dem Gedanken um den sturen Biker wurde mir schwer ums Herz. Mir war bewusst, dass ich solche Gedanken nicht zulassen durfte, dennoch fragte ich mich ob ich ihn noch einmal wiedersehen würde. Bekamen wir die Chance die Sache zu klären oder wäre diese kalte Zelle meine letzte Station...
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