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LEGACY - Ice & Caretaker (Devil's of Mayhem MC 1)

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / Het
23.02.2021
08.08.2021
68
249.764
26
Alle Kapitel
100 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
16.05.2021 3.494
 
Hallo liebe Leserinnen und Leser ♥
Im Moment schaffe ich es leider nicht besonders regelmäßig neue Kapitel hochzuladen :/
Anfang des Monats habe ich eine neue Arbeitsstelle angetreten und nun fehlt mir abends die Energie mich noch hinzusetzen und etwas zu machen. Entschuldigt bitte :(
Heute war aber Zeit und Lust da und neben diesem Kapitel von LEGACY war ich auch bei der Kurzgeschichte SUNRISE fleißig. Diese hat heute Sogar schon ihren Abschluss gefunden ♥ wer es noch nicht getan hat - schaut dort mal vorbei ♥
Eure Loane ♥

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Wir hatten es in die finale Runde geschafft. Das war der positive Aspekt dieses Abends. Dennoch war meine Stimmung gelinde gesagt etwas gedrückt gewesen. Auf meine ausdrückliche Bitte hin, hatte Cash nicht wieder versucht meine verkorkste Situation mit Care zur Sprache zu bringen. Ich hätte auch wirklich nichts mehr dazu sagen können ohne mein Herz weiter in Stücke zu reißen. Einige Minuten später bekamen wir ohnehin Gesellschaft in Form der Zwillinge und Fire. Zu meiner Verwunderung suchten sie sich jedoch keine weibliche Gesellschaft, sondern blieben bei uns. Direkt nach der Verkündung des Ergebnisses verabschiedete ich mich und machte mich auf den Weg nach Hause. Cash begleitete mich dabei, da er in dieser Nacht ohnehin Wachdienst vor meiner Tür hatte.
Um kurz vor eins fiel ich todmüde ins Bett, doch besonders erholsam war mein Schlaf nicht. Außerdem war ich bereits um sieben Uhr wieder wach. Der Versuch noch einmal einzuschlafen misslang, sodass ich mich um kurz nach halb acht aus dem Bett quälte und unter die Dusche wanderte. Eigentlich war es ein besonderer Tag, doch mir war absolut nicht nach feiern zumute.
Vielleicht sollte ich Jenna fragen ob sie Lust hatte am Abend mit mir in einen Club zu gehen. Doch der Gedanke daran, wie unser letzter gemeinsamer Clubbesuch endete, trübte meine Stimmung nur noch weiter. Schnell schüttelte ich den Kopf und schlenderte rüber in meine Küche. Ich trug eine lockere Jogginghose und ein schlichtes dunkelblaues Shirt. Meine Haare hingen einfach feucht herunter. Vielleicht hätte ich mir etwas mehr mühe geben können an diesem Tag, doch wozu?
Als ich die Küche betrat fiel mein Blick auf meine Harley Fahne und die Fotos vom Bike meines Dads. „So hast du dir das vermutlich nicht vorgestellt, hm?“ fragte ich in den Raum, wusste jedoch selbst nicht zu hundert Prozent worauf ich anspielte. Die Sache mit den vermeintlichen Schulden? Meine Einsamkeit an diesem Tag? Vielleicht auch auf alles. Ich sollte Jenna besser nicht fragen ob wir ausgehen wollten. Meine miese Stimmung würde sicherlich nur auf sie abfärben und das wäre nicht fair. Ich wusste nicht ob mit Mike wieder alles im Lot war, da wollte ich sie nicht noch zusätzlich stressen.
Ich wollte mir gerade etwas zu Essen suchen, als jemand an meine Wohnungstür klopfte. Da ich so viel Zeit im Bad vertrödelt hatte, war es inzwischen kurz nach halb neun. Seufzend schlich ich durch den Flur. Wer das wohl war? Vorsichtshalber sah ich durch den Türspion und entdeckte zu meiner Verwunderung Cash vor meiner Tür. Was der wohl wollte? Hatte er nicht schon Feierabend?
Verwundert schüttelte ich den Kopf, öffnete aber umgehend die Tür. Ehe ich den blonden Hünen fragen konnte, was er von mir wollte, fand ich mich plötzlich in einer kräftigen Umarmung wieder. Zunächst war ich völlig überrumpelt, legte dann aber doch meine Arme um seinen muskulösen Körper.
„Alles Gute zum Geburtstag, Prinzessin“ sagte er leise. Erstaunt lehnte ich mich etwas zurück und sah fragend zu ihm auf. „Danke... Aber woher weißt du das?“ wollte ich von ihm wissen. „Ich bin ein aufmerksamer Mann, Ice“ erwiderte er grinsend und schob mich kurzerhand zurück in meinen Flur. „Lass uns frühstücken. Ich habe Brötchen mitgebracht“ sprach er weiter und ich war gelinde gesagt etwas überrumpelt. Wie ein verlorener Welpe trottete ich ihm hinterher, zurück in meine Küche.

Kurze Zeit später machten wir uns über das Frühstück her. Ich wusste noch immer nicht genau was ich von Cashs Besuch halten sollte, doch ich freute mich darüber. Es wäre sonst vermutlich ein sehr langweiliger und einsamer Tag geworden. „Muss ich mit noch mehr Überfällen rechnen?“ wollte ich nach einer Weile wissen. „Du solltest dir eine Gute Ausrede überlegen, heute Abend nicht ins Clubhaus gehen zu können“ antwortete er leicht kryptisch, woraufhin ich fragend die Stirn kraus zog. „Außer natürlich du möchtest dahin.“
„Worauf willst du hinaus Cash? Im Moment sprichst du etwas in Rätseln.“ „Soweit ich es mitbekommen habe, wollen deine Cousins dich heute Abend dorthin schleppen“ antwortete er grinsend und ich seufzte genervt. „Das ist derzeit wirklich der letzte Ort an dem ich sein möchte...“ „Sicher?“ hakte er belustigt nach. „Nach Cares Haus versteht sich“ erwiderte ich und rollte genervt mit den Augen. „Habe ich mir gedacht, Prinzessin.“ „Danke auf jeden Fall für die Warnung Cash, darauf hätte ich absolut keine Lust.“
Es war einfach sich mit Cash zu unterhalten. Da Gespräch plätscherte einfach so dahin, ohne das wir uns große Mühe damit geben mussten. Wenn man bedachte wie wir uns damals kennengelernt hatten, irgendwie ein Wunder. Doch so schien Cash eigentlich ein einfacher Typ zu sein. Er ließ sich nicht leicht aus der Ruhe bringen und flirtete auch nicht (mehr) mir mit, sodass es hätte komisch werden können. Manchmal fragte ich mich, warum ich mich nicht in in verlieben konnte. Doch wäre es mit ihm einfacher gewesen? Vermutlich nicht, zumal auf seiner Seite wohl definitiv keine Gefühle vorhanden waren. Außerdem war auch er ein Outlaw, das Ergebnis blieb als das selbe.
„Wo bist du mit deinen Gedanken, Ice?“ Cashs leicht spöttisch klingende Frage riss mich aus meinen Überlegungen und ich hob ruckartig meinen Kopf. Sein Blick wirkte amüsiert, doch das konnte ich ihm nicht verübeln, immerhin hatte ich wohl eine ganze Weile abwesend auf meinen leeren Teller gestarrt. Cashs Augen waren – wie Cares – blau, jedoch ein ganzes Stück dunkler. Beinahe würde ich sie als dunkelblau bezeichnen und das machte sie ähnlich faszinierend. „Ach, egal“ winkte ich ab, woraufhin er fragend eine Augenbraue nach oben zog. Doch ich schwieg dazu.

„Sag mal Cash“ unterbrach ich nach einigen Minuten die neu eingekehrte Stille „Gibt es oder gab es in deinem Leben mal eine Frau? Also eine, die dir wirklich wichtig war? Oder ist?“ Wenn ich ihn nicht ganz genau beobachtet hätte, wäre mir wohl entgangen wie er kaum merklich zusammenzuckte. Doch er fing sich schnell wieder und sah mich stattdessen fragend an. „Warum willst du das wissen?“ „Einfach so“ sagte ich schulterzuckend „Ich bin einfach neugierig, außerdem...“ „Außerdem?“ „Außerdem dachte ich wir wären inzwischen so was wie Freunde“ meine Stimme wurde immer leiser während ich sprach. Nahm ich mir zu viel heraus? War es unverschämt uns als Freunde zu bezeichnen? Immerhin kannten wir uns kaum.
Gebannt wartete ich auf seine Reaktion, doch als sich ein leichtes Grinsen auf seine Lippen schlich, entspannte ich mich wieder. „Es ehrt mich, dass du uns als Freund siehst, Ice“ sagte er und zwinkerte mir aufmunternd zu. Gespannt wartete ich darauf ob er auf meine Frage eingehen würde, doch er ließ sich zunächst Zeit mit seiner Antwort.
„Da gab es tatsächlich eine“ begann er schließlich und ich hielt vor Spannung beinahe die Luft an „Das ist allerdings schon eine Ganze Weile her. Noch bevor ich dem Club beigetreten bin.“ In Diesem Moment wurde mir wiedereinmal bewusst wie wenig ich eigentlich über ihn wusste. Wie lange war sein Beitritt wohl her? Ich wusste, dass er gemeinsam mit Care zu den Nomads gegangen war, das war jetzt acht Jahre her. Ein Jahr Prospect Zeit drauf gerechnet – dann wäre er seit mindestens neun Jahren beim Club. Eine ziemlich lange Zeit für einen Neunundzwanzigjährigen.
„Wie heißt sie?“ fragte ich, da er nicht von sich aus weitersprach. „Ich habe sie Pixie genannt“ antwortete er lachend. „Pixie? Weshalb?“ „Wegen ihrer Frisur“ meinte er schulterzuckend. „Pixie Cut?“ mutmaßte ich daraufhin und er nickte bestätigend. „Eigentlich heißt sie Pia, aber das wusste ich bei unserem ersten Aufeinandertreffen natürlich noch nicht, also habe ich sie Pixie genannt.“ Cashs Gesichtsausdruck bekam irgendwie etwas verträumtes, sodass ich es nicht wagte etwas zu sagen. Egal wie lange er her war – diese Pia schien ihm noch immer etwas zu bedeuten.
„Wir haben uns in der Schule kennengelernt“ erzählte er weiter und schien mich gar nicht mehr wirklich wahrzunehmen „Sie wurde von älteren Schülern bedroht und ich bin dazwischengegangen.“ Natürlich. Cash, der edle Ritter, dachte ich schmunzelnd und stützte mein Kinn auf meiner Hand ab. „Daraufhin haben wir uns angefreundet.“ „Wie alt wart ihr da?“ „Vierzehn“ antwortete er nach einem Moment. „Vierzehn?“ fragte ich erstaunt nach „Da wart ihr aber ja noch verdammt jung.“ „Ja das stimmt. Das war zu beginn der neunten Klasse. Zunächst waren wir einfach nur Freunde, zum Ende des Schuljahres hin so was wie ein Paar.“ „So was wie?“ „Wie Beziehungen in dem Alter halt so aussehen“ gab er lachend zurück „Händchenhalten, ein bisschen herumknutschen. Alles heimlich, da niemand etwas davon wissen durfte.“ „Wieso nicht?“ fragte ich vorsichtig und sah wie sein Blick sich verdunkelte. „Sagen wir es mal so... Ihre Familie stand in der Gesellschaft deutlich besser da als... meine. Das mit uns hätte nie jemand geduldet.“
Daraufhin schwieg Cash für mehrere Minuten. Ich traute mich zunächst gar nicht eine weitere Frage zu stellen doch ich nahm schließlich meinen ganzen Mut zusammen, denn ich wollte wissen wie es weiterging. „Und was ist dann passiert?“ „Was passieren musste“ antwortete er mit einem Schnauben „Anfang des nächsten Schuljahres sind wir aufgeflogen.“ Mehr sagte er nicht dazu und ich spürte, dass sein Limit erreicht war. Der dunkle Ausdruck in seinem Gesicht war geblieben. Zu gerne würde ich ihn fragen ob er wusste, wie es Pixie heute ging, doch ich hielt mich zurück.

Cash blieb noch bis zum frühen Nachmittag bei mir. Nachdem wir zu ende gefrühstückt hatten, räumten wir die Küche auf und zogen ins Wohnzimmer um. Gemeinsam sahen wir fern, quatschten und ignorierten die Außenwelt. Zumindest tat ich das indem ich mein Handy vollständig ignorierte. Erst als Cash sich um kurz nach zwei verabschiedet hatte beschäftigte ich mich mit den zahlreich eingegangenen Glückwünschen zu meinem Geburtstag. Dem fünfundzwanzigsten inzwischen. Neben zahlreichen Glückwünschen via Facebook, hatte ich auch Nachrichten von den Zwillingen, Fire und natürlich von Jenna. Ich bedankte mich schnell bei den Jungs ehe ich meine Freundin anrief.
Es klingelte lediglich zwei Mal ehe sie meinen Anruf entgegennahm. „Das ich von dir noch mal was höre heute“ sagte sie empört und ich schnaubte belustigt. „Aber Spaß bei Seite. Noch mal alles Gute zum Geburtstag, mein Schatz. Gott, ich wünschte ich wäre noch mal so jung.“ „Danke alte Frau“ erwiderte ich lachend „Weil siebenundzwanzig auch so viel älter ist.“ „Noch siebenundzwanzig“ verbesserte sie mich prompt „Mein Geburtstag kommt immerhin noch. Oh Gott... die dreißig kommt immer näher.“ „Jenna“ seufzte ich amüsiert „Du bist nicht alt. Auch mit achtundzwanzig nicht. Außerdem bist du heiß, wen kümmert da schon das Alter? Ist doch nur eine Zahl.“ „Recht hast du“ lachte Jenna „Hast du heute noch etwas vor? An deinem besonderen Tag?“ „Deshalb rufe ich an Jenny. Ich brauche dich“ antwortete ich theatralisch, woraufhin sie leise kicherte. „Das klingt ja dramatisch. Also ich habe noch nichts vor heute, was schwebt dir denn so vor?“ „Zuerst dachte ich daran feiern zu gehen, aber dazu habe ich keine Lust. Daher... Abend auf der Couch?“ „Hmm. Klingt gut für mich. Wie spät soll ich bei dir sein?“

Zwei Stunden später saßen wir zusammen auf meiner Couch, sahen fern und quatschten. Ein wenig wie vorher mit Cash, nur anders. Ich war froh dir Zeit mit meiner besten Freundin genießen zu können. In der Zeit, in der ich bei Care wohnte, kam unsere Freundschaft leider etwas zu kurz, das wollte ich jetzt wieder ändern. Die nächsten eineinhalb Stunden verbrachte ich damit bei Jenna eine Beichte abzulegen. Es war sicherlich nicht die Art von Gespräch, die man an seinem Geburtstag führen sollte, doch ich brauchte das. Ich erzählte ihr alles. Die Verwüstung meiner Wohnung, mein Umzug zu Care, unsere Affäre, der Besuch in Hellweg und natürlich sein Verhalten am Dienstag.
„Ich kenne ihn zwar nur von dem Sommerfest“ sagte Jenna vorsichtig „Aber so etwas hätte ich ihm nie zugetraut.“ Okay, scheinbar war meine Situation uninteressant. Lediglich mein zertrümmertes Herz war ein Gespräch wert. „Ich auch nicht“ erwiderte ich seufzend „Aber es ist vermutlich besser so.“ „Denkst du das wirklich?“ „Zugegeben, das Ende war echt... scheiße. Aber eine Beziehung wäre aussichtslos. Das musste ich scheinbar auf die harte Tour lernen.“ „Hast du versucht mit ihm zu sprechen?“ „Nein“ antwortete ich entschieden „Und ich habe auch nicht vor, dass so schnell zu tun. Selbst wenn ich den Aspekt das ich in in verknallt bin auslasse, hat er sich dennoch wie ein absolutes Arschloch verhalten. So jemanden brauche ich nicht in meinem Leben.“
Ich legte den Kopf in den Nacken und versuchte das Brennen in meinen Augen weg zublinzeln. Ich wollte nicht weinen. Nicht wegen ihm. „Wissen die Zwillinge oder Lord davon?“ hörte ich Jenna vorsichtig fragen. „Gott bewahre. Nein“ keuchte ich und sah sie wieder an „Wenn sie es wüssten wäre er jetzt vermutlich tot. Außer Cash – und dir – weiß niemand etwas davon und das soll auch so bleiben.“ „Verstanden“ erwiderte sie mit einem Nicken und hob ihre Hand zum Schwur „Von mir erfährt niemand etwas. Vorbei ich ja auch keinen kenne.“ Fügte sie lachend hinzu und ich konnte nicht verhindern ebenfalls leise zu lachen. „Du bist echt die Beste Jenna. Wie läuft es eigentlich mit Mike?“
Ich wusste das meine Frage gefährlich war. Bei unserem letzten Gespräch über ihren Freund war ihre Stimmung alles andere als gut gewesen. Dennoch wollte ich das Gespräch endlich wieder von mir ablenken. „Besser“ antwortete Jenna mit einem erleichterten Seufzen „Er hat sich mehrfach bei mir entschuldigt. Offenbar hatte er Stress mit seinem Vater und auf der Arbeit. Ich hoffe einfach nur, dass es nicht wieder vorkommt. Oder das er dann zumindest einfach mit mir redet.“ „Hast du ihm das gesagt?“ „Natürlich. Er will in Zukunft mit mir sprechen, wenn etwas ist.“ „Da bin ich ja mal gespannt“ erwiderte ich leicht skeptisch. Kommunikation war das Wichtigste in einer Beziehung. Das hätte Mike doch eigentlich von Anfang an bewusst sein müssen. Oder nicht?

Der Abend war der entspannteste seit langem. Ohne Prüfungsstress oder Gedanken an den Mist der letzten Monate. Jenna und ich soffen uns halb besinnungslos und pennten danach zusammen in meinem Bett bis Sonntag Mittag. Wie von Cash prophezeit hatte Shade zwischendurch angerufen und versucht mich dazu zu überreden ins Clubhaus zu kommen. Nach etlichen Diskussionen gab er es schließlich auf und ließ mich in Ruhe.
Zweieinhalb Wochen waren seitdem vergangen. Care hatte ich in dieser Zeit nicht ein einziges Mal gesehen, was für mein armes Herz auch definitiv besser war. Ich gab es ungern zu – aber ich vermisste ihn immer noch. Normal war das sicherlich nicht, wenn man bedachte, was bei unserer letzten Begegnung passiert war. Doch mein Herz wollte diesen verdammten Biker zurück. Es war nicht gesund, doch ich konnte nichts dagegen tun.
Es war Mittwoch und damit stand die letzte Probe vor der Finalen Runde des Bandwettbewerbs an. So viel Spaß es mir machte, mit den anderen zu spielen, ich war wirklich froh sobald alles überstanden war. Bei jedem Besuch im Clubhaus lief ich Gefahr Care über den Weg zu laufen, doch zu meinem Glück geschah das nie. Vielleicht ging er mir auch genauso aus dem Weg wie ich ihm.
An diesem Nachmittag hatte ich frei und war in Begleitung von Chuckle nach Hause gefahren. Nach einem kurzen Mittagessen saß ich jedoch irgendwie auf heißen Kohlen. Ich wollte raus. Eine Runde mit dem Bike drehen und alles andere vergessen. Doch mit dem Prospect vor der Tür sah das echt schwierig aus.
Wobei... Ein Grinsen schlich sich auf mein Gesicht, als mir eine geniale Idee kam. Schnell hatte ich mir andere Sachen übergezogen, schnappte mir meinen Helm, meine Lederjacke und die Schlüssel der Softail. Zufrieden mit meiner Idee verließ ich meine Wohnung und verschloss die Tür sorgfältig. Ich ging die Treppenstufen nach unten und verließ das Gebäude anschließend durch den Hinterausgang. Von dort aus gelangte ich direkt zu dem Schuppen hinterm Haus, in dem die Harley ihren Platz hatte. Zum Glück hatte ich sie nach Feierabend dort verstaut und nicht an der Straße stehengelassen. Sonst hätte mein Plan nicht funktioniert. Es dauerte nur wenige Minuten das Bike zu befreien und über den Fußweg, der hinter unserem Grundstück lang führte, zur Seitenstraße zwei Häuser weiter zu gelangen. Erst dort schwang ich mich in den Sattel und startete den Motor. Selbst wenn Chuckle mich hören sollte, würde er niemals mich dahinter vermuten.
Grinsend stülpte ich meinen Helm über den Kopf und brauste davon.


~ Caretaker ~


Drei Wochen war der Abend inzwischen her, an dem ich vollkommen die Kontrolle verloren und Ice aus meinem Leben vertrieben hatte. Es sollte einfacher werden mit der Zeit, doch ich fühlte mich noch immer so beschissen wie am ersten Tag. Ich redete mir ein, dass es besser war. Für sie, für mich. Doch es ging nicht. In meinem Haus hielt ich es nicht mehr alleine aus, sodass ich die meiste Zeit im Clubhaus verbrachte. Ich fuhr lediglich kurz nach Hause um mir neue Klamotten zu holen.
Ich hatte versucht mir die kleine Eisprinzessin aus dem Kopf zu vögeln, doch nach der dritten Nacht mit der dritten Clubschlampe gab ich es auf. Ich überlegte sogar wieder für eine Weile zurück zu den Nomads zu gehen, doch Lord würde eine Erklärung dafür wollen und die konnte ich ihm nicht liefern. Immerhin schien Ice ihrem Onkel nichts von der Sache erzählt zu haben, sonst wäre ich schon längst unter der Erde.
Cash hingegen sprach regelmäßig mit ihr und das brachte mein Blut zum Kochen. Ja, ich war eifersüchtig auf meinen besten Kumpel, doch dazu gab es eigentlich keinen Grund. Ich war es immerhin, der Ice verjagt hatte und zwischen ihr und Cash lief nichts. Das brauchte er mir nicht einmal zu sagen. Trotz meiner Eifersucht war ich froh darüber, dass er sie im Auge behielt.

Seufzend trat ich durch die Tür in den Schankraum unseres Clubhauses. Cash war direkt hinter mir. Ich hatte noch ungefähr eine Stunde ehe Ice auf dem Gelände für die Bandprobe auftauchen würde. Solange würde ich mir ein alkoholfreies Bier genehmigen und mich anschließend im Büro verschanzen um etwas Arbeit nachzuholen. Die letzten Stunden war ich mit ihm unterwegs gewesen um einige Clubs, Bars und Laufhäuser abzufahren, die unter dem Schutz von MOD standen. Regelmäßig statteten wir diesen Besuche ab um nach dem Rechten zu sehen. Normalerweise schob ich das immer gerne an andere ab, doch in den letzten Wochen kam mir diese Ablenkung gerade recht.
Wir saßen noch keine halbe Stunde an der Bar, als Racer mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck in Clubhaus kam. „Care. Du hast Besuch“ sagte er, woraufhin ich skeptisch die Augenbrauen zusammenzog. „Wer denn?“ wollte ich wissen, denn ich erwartete niemanden. Doch bevor Racer antworten konnte, schob sich Polizeihauptkommissar Groote an ihm vorbei. Ich sah wie der Prospect sich anspannte und bereits drauf und dran war Groote an seinem Vorhaben zu hindern. Notfalls mit Gewalt.
„Schon gut, Race. Lass ihn“ rief ich dem Prospect zu, woraufhin der nach kurzem Zögern wieder nach draußen ging. Zwar konnte ich Groote nicht leiden und traute ihm nicht über den Weg, doch er ließ uns eigentlich in Ruhe. Solange wir ihn in Ruhe ließen. Eigentlich war nichts passiert in letzter Zeit, was wollte er also hier?
„Es wundert mich, dich hier so unversehrt zu sehen, Caretaker“ begrüßte er mich und blieb kurz vor Cash und mir stehen. Der warf mir einen fragenden Blick zu, woraufhin ich nur ratlos mit den Schultern zuckte. Keine Ahnung was der wollte. Cash erhob sich von seinem Barhocker und entfernte sich einige Meter von uns. „Was willst du damit sagen?“ wollte argwöhnisch ich von dem Bullen wissen und verschränkte abweisend die Arme vor der Brust.
„Wir haben dein Motorrad in einem Straßengraben gefunden. Das will ich damit sagen“ erklärte er und irritierte mich dadurch komplett. „Mein Bike steht vor der Tür“ erwiderte ich merklich verwundert und nickte in Richtung Parkplatz. Zumindest hatte ich es dort vor einer halben Stunde abgestellt.
Groote verzog fragend das Gesucht und zog danach einen Block aus seiner Hosentasche. „Eidstädter Kennung. H drei-null-vier. Das Motorrad ist auf deinen Namen zugelassen. Oder?“ Fragend zog der Polizist eine Augenbraue nach oben und mir gefror das Blut in den Adern. Fuck! Ich musste mich zusammenreißen nicht auf irgendetwas einzuschlagen. Was zur Hell hatte das bedeuten?
„Ja“ antwortete ich schließlich stockend „Aber ich fahre es nicht.“ „Ah, verstehe“ brummte er „Vom Fahrer fehlte auf jeden Fall jede Spur. Es wurde von einem Autofahrer auf der Forststraße entdeckt. Der hat sich daraufhin bei uns gemeldet. Sorg einfach dafür, dass es da wieder wegkommt.“ Ich bekam es nur wie durch dichten Nebel mit, wie Groote sich verabschiedete und das Clubhaus wieder verließ.
„Care? Care, was ist los?“ hörte ich Cash fragen, doch ich konnte zuerst gar nicht reagieren. „Ice' Bike“ brachte ich schließlich hervor. „Was ist mit Ice' Bike?“ „Sie haben es in einem Straßengraben gefunden...“
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