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LEGACY - Ice & Caretaker (Devil's of Mayhem MC 1)

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / Het
23.02.2021
08.08.2021
68
249.764
27
Alle Kapitel
101 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
25.04.2021 3.688
 
~ Ice ~


Trotz des etwas holprigen Starts – wenn man die Begegnung zwischen Care und Flo so nennen wollte – genoss ich das Sommerfest sehr. Zu meiner absoluten Freude hielten Laura und ihre Freundinnen in den nächsten Stunden Abstand von uns. Stattdessen flirtete sie immer wieder mit dem neuen Security-Mitarbeiter – Jann wie ich inzwischen wusste – aber auch andauernd mit Flo.
Ich wusste beim besten Willen nicht was sie mit diesem hin und her Gespringe bezwecken wollte. Wollte sie die Männer eifersüchtig machen? Nicht gerade die beste Taktik. Oder mich? Mit Flo? Kein komplett abwegiger Gedanke immerhin war er mein Ex, doch er könnte mir nicht mehr am Arsch vorbeigehen. Solange die beiden es nicht gerade vor meinen Augen miteinander trieben, war mir alles egal.
Jann tat mir im Gegenzug jedoch etwas leid. Soweit Jenna berichten konnte war er erst neunzehn, hatte seine Ausbildung vor zwei Wochen beendet und dann bei Baline angefangen. Er war also „Frischfleisch“ und damit ein gefundenes Fressen für Laura. Ob ihn jemand vor der Bitch gewarnt hat? Wie es aussah eher nicht. Vielleicht aber auch wohl und er wollte eh nicht mehr als einen One-Night-Stand von ihr. So schätzte ich ihn aber eigentlich nicht ein. Es wirkte eher so, als hätte er sich bereits in sie verknallt.
Laura war eine männerverschlingende Sirene und das Kleid, welches sie an diesem Tag trug, zeigte mehr als es verdeckte. Sie war definitiv mit dem Ziel hierhergekommen nicht wieder alleine zu gehen, wobei ich davon ausging, dass das Ziel ihrer Begierde eigentlich ein anderes war. Ihr eigentliches Ziel stand direkt neben mir und machte mich mit dem leichten Streicheln an meinem Oberarm bald wahnsinnig. Wahnsinnig geil versteht sich.
Jennas Freund Mike war noch immer nicht aufgetaucht und das machte mich so langsam wirklich stutzig, doch bisher hatte ich sie noch nicht wieder darauf angesprochen. Irgendwie fand ich es merkwürdig dies zu tun, solange Care in unserer Nähe war. Doch eine Chance sollte sich schneller ergeben als ich dachte.

Seit unserem Eintreffen waren mehrere Stunden vergangen. In der Zwischenzeit war das Buffet eröffnet worden und wir hatten ordentlich zugeschlagen. Jenna war – wie ich auch – keine Frau die immer die Kalorien zählte und auf ihre Figur achtete. Dennoch sah sie absolut fantastisch aus. Sie hatte wundervolle Kurven – die mich immer wieder neidisch werden ließen – und hielt ihren Körper mit viel Sport in Form. Dadurch konnte sie sich so ein Festmahl wie heute auch definitiv erlauben.
Wir saßen noch immer gemeinsam an einem der Tische, der sich in der Zwischenzeit jedoch deutlich geleert hatte. Care saß zu meiner linken und hatte dabei die meiste Zeit seinen Arm lässig auf meine Stuhllehne gelegt, sodass er mich andauernd berühren konnte. Jenna saß auf meiner anderen Seite, sodass wir uns besser unterhalten konnten. Wir hatten Glück das Laura und die anderen ziemlich weit von uns weg saßen. Nicht auszudenken, wenn sie am Nachbartisch oder gar an unserem gesessen hätten.
Irgendwann entschuldigte Care sich und verschwand in Richtung Toilette. Mir kam das ziemlich gelegen, denn so ergab sich endlich ein Moment um Jenna auf Mike anzusprechen. „Also Jenny“ begann ich vorsichtig und hatte so schnell ihre volle Aufmerksamkeit „Auch wenn du mich für diese Frage vielleicht hassen wirst, aber... was ist zwischen dir und Mike los? Du meintest er kommt nach, aber...“ Ich beendete meinen Satz nicht und zuckte stattdessen nur mit den Schultern. Sie wusste immerhin selber, dass er eben nicht nachgekommen war.
Ein leises Seufzen verließ ihre rosanen Lippen und sie drehte ihr Gesicht in Richtung Himmel. „Es ist kompliziert“ begann sie und stockte dann für einen Moment „Und ich weiß nicht einmal warum.“ Verzweifelt sah sie kurz darauf wieder in meine Richtung, doch ich verstand nur Bahnhof.
„Das wirst du mir etwas genauer erklären müssen, Liebes. Im Moment verstehe ich nämlich gar nichts.“ „Ich auch nicht“ erwiderte sie mit einem erneuten Seufzen und mein Herz wurde immer schwerer. Es war schwer mit anzusehen wie meine Freundin um die richtigen Worte rang, doch andererseits lenkte es mich auch von meinem eigenen Gefühlschaos ab.
„Es geht jetzt schon seit ungefähr zwei Wochen so“ begann sie schließlich zögerlich zu erzählen „Ich habe ihn in der Zeit vielleicht... zwei Mal gesehen oder so. Andauernd sagt er unsere Verabredungen ab – kurzfristig wohlgemerkt. Egal ob es ein gemeinsamer Filmabend oder ein kurzes Essen während der Mittagspause werden sollte. Das er heute nachkommen wollte, war von mir übrigens gelogen... ich wollte nicht zugeben, dass er mich versetzt hatte, tut mir leid.“
„Dafür brauchst du dich nicht entschuldigen, Jenna“ versicherte ich ihn schnell „Ich kann das verstehen.“ „Auf jeden Fall ist er irgendwie so... abweisend geworden. Wenn ich ihn anrufe nimmt er nie ab und ruft auch nicht zurück. Auf meine Nachrichten antwortet er erst Stunden später. Manchmal auch erst am nächsten Tag. Ich meine... Gott, wenn er eine andere hat, dann soll er einfach Schluss machen.“ Jenna war wirklich verzweifelt und das brach mir das Herz. Vorsichtig legte ich einen Arm um ihre Schultern und zog sie dann behutsam an mich.

Schweigend saßen wir da und ich hoffte, dass sie nicht auch noch anfangen würde zu weinen. Nicht da ich ein Problem damit hätte sie zu trösten, eher da das die Feier für sie komplett ruinieren würde und das wollte ich lieber verhindern.
Jenna hatte es mit Beziehungen auch echt nicht leicht. Seitdem wir uns kannten – fast 3 Jahre waren es jetzt – war Mike jetzt ihre dritte Beziehung. Der erste hat sie betrogen, mehrfach wie sich anschließend herausstellte. Der zweite hat sich aus heiterem Himmel von ihr getrennt, weil er sich in eine andere verliebt hätte. Wer das gewesen sein soll und ob da eventuell vorher schon was lief, konnte sie jedoch nicht in Erfahrung bringen. Wie lange die Beziehungen dauerten war mir nicht bekannt, doch ein halbes Jahr hatten sie wohl beide nicht erreicht.
War es jetzt mir Mike auch schon wieder vorbei? Und betrog er sie eventuell auch? Zu gerne würde ich meiner Freundin helfen, doch ich hatte keine Idee wie. Vielleicht sollte ich doch Care mal zu Rate ziehen. Apropos Care, wo blieb der eigentlich?
Vorsichtig löste ich mich wieder von Jenna und schenkte ihr ein scheues Lächeln ehe ich mich umsah. Doch von Care war nichts zu sehen. „Was ist los?“ fragte meine Freundin daraufhin leise. „Care ist schon verdächtig lange weg“ erklärte ich unser „So lange braucht doch kein Mann auf dem Klo.“ Als ich dann auch noch Laura nirgends entdecken konnte, wurde mir ziemlich mulmig zumute.
„Das ist wirklich merkwürdig, aber er wird sicher gleich wiederkommen. Vielleicht hat er unsere etwas... bedrückte Stimmung bemerkt und ist erst mal wieder gegangen“ versuchte Jenna mich zu beruhigen, doch sie hatte keinen Erfolg. „Möglich“ murmelte ich leise „Aber ich habe ein ganz komisches Gefühl. Außerdem kann ich auch Laura nirgends entdecken.“ „Oh shit“ fluchte Jenna daraufhin kaum hörbar und wir erhoben uns angespannt von unseren Plätzen.
„Wir versuchen es erst einmal bei den Toiletten“ schlug ich vor und versuchte einen kühlen Kopf zu bewahren „Und wenn er dort nicht ist, werden wir draußen suchen.“ Jenna nickte bestätigend und so machten wir uns zügig auf den Weg. Ich glaubte eigentlich nicht, dass Care Laura auf der Toilette (oder irgendwo sonst) mal eben schnell ficken würde. Das war vielleicht für gewöhnlich sein Stil, doch er war ziemlich schlecht auf sie zu sprechen, da er wusste was sie mir angetan hatte. Aber ich vertraute Laura kein bisschen und Care war auch nur ein Mann. Ein nüchterner zwar, aber dennoch. Es bereitete mir Bauchschmerzen nicht zu wissen wo die beiden waren.

Gott, mir gingen in dem Moment die wildesten Ideen durch den Kopf. Was wenn sie sich ihm einfach aufdrängte und das bildlich festhielt? Und dann überall herumzeigte? Fuck, das wäre eine Katastrophe. „Alex. Du denkst zu viel.“ Jennas mahnende Stimme riss mich wieder aus meinen düsteren Gedanken und ich schenkte ihr ein entschuldigendes Lächeln.
Der Weg zu dem großen Bad im Erdgeschoss, dass die Gäste bei solchen Feiern immer nutzen konnten, war zum Glück nicht weit. Noch bevor wir um die letzte Ecke bogen hörte ich tatsächlich schon Lauras Stimme.
„Ach komm schon Großer. Du verpasst wirklich was“ schnurrte sie und ich blieb wie erstarrt stehen. War tatsächlich Care bei ihr? Fragte ich mich und meine stille Frage wurde nur Sekunden später beantwortet. Alleine schon an dem genervten Seufzen erkannte ich den Enforcer sofort. „Ich wiederhole mich ungern“ sagte er mit schneidender Stimme „Ich habe kein Interesse und jetzt geh zur Seite damit ich zu meiner Freundin zurückkomme.“ Seine Worte, besonders das er mich als Freundin bezeichnete, sendeten ein Kribbeln durch meinen gesamten Körper. Er widerstand ihr tatsächlich?
„Was willst du denn mit der?“ versuchte sie weiter und sprach dabei von mir, als hätte ich eine ansteckende Krankheit „Die ist doch viel zu langweilig. Ich könnte-“ „Jetzt halt mal ganz schnell die Luft an“ unterbrach er sie scharf und ging – wie es klang – zwei Schritte auf sie zu „Ich weiß schon was ich bei dir bekommen würde. Nämlich eine kleine Schlampe, die ihr Höschen einfach nicht sich behalten kann und die Beziehungen ihrer Kolleginnen zerstört.“
Ich hörte wie Laura entsetzt nach Luft schnappen und konnte ein Auflachen gerade so unterdrücken. Hatte sie gedacht Care wüsste nichts davon? Oder war sie entsetzt, weil er sie als Schlampe bezeichnet hatte? Das wagte sich vermutlich wohl so schnell kein Kerl bei ihr, doch Care war noch nicht fertig.
„Meinst du außerdem ich hätte nicht mitbekommen wie… sprunghaft du an diesem Nachmittag warst? Immer dieser Pendel zwischen Cheat-Boy und diesem jungen Kerl, der so aussieht als wäre er kaum volljährig?“ Hat Care Flo gerade wirklich Cheat-Boy genannt? Ich musste beinahe kichern, doch es verwunderte mich mehr, dass er Lauras Umtriebigkeit überhaupt bemerkt hatte. Verdammt, der Kerl war viel aufmerksamer als gesund war… „Und jetzt versuchst du es bei mir. Ganz großes Kino wirklich. Versuchst du schon wieder eine Beziehung von Sasha zu sabotieren oder ist dir einfach nur das Material ausgegangen, dass du es bei mir versuchst?“
Eine kurze Pause entstand in der ich gebannt die Luft anhielt. Schließlich stieß Care geräuschvoll die Luft aus seinen Lungen und setzte sich in unsere Richtung in Bewegung. „Du bist wirklich das Letzte“ brummte er im Gehen und ich verspannte mich augenblicklich. Fuck. Er kam in unsere Richtung! Und wir hatten keine Zeit um zu fliehen.
Verunsichert sah ich zu Jenna, die gerade ihr Hand in ihrer Hosentasche verschwinden ließ und dann nur kurz mit den Schultern zuckte. Im nächsten Moment trat Care auch schon um die Ecke. Als er uns entdeckte schlich sich ein schiefes Grinsen auf sein Gesicht und er nickte in Richtung Garten. Ich nickte bestätigend und wir machten uns gemeinsam auf den Weg nach draußen.
Erst als wir wieder bei unserem inzwischen komplett verlassenen Tisch ankamen und uns setzten, fand ich meine Stimme wieder. „Wusstest du das wir da waren?“ fragte ich, da er kein bisschen verwundert schien. „Ich war mir nicht ganz sicher“ antwortete er mit einem lässigen Schulterzucken „Ich habe Schritte gehört, aber niemanden gesehen. Ich konnte mir aber schon denken, dass du mir irgendwann folgen würdest.“ Kurz wackelte er mit den Augenbrauen und ich spürte wie mein Gesicht anfing zu glühen.
„Ich habe mir Sorgen gemacht“ gestand ich leise „Du kamst nicht wieder und Laura war auch nicht zu sehen. Ich traue dieser Schlampe einfach nicht über den Weg.“ „Alles gut, Eisprinzessin“ erwiderte er leise, während er einen Arm um meine Schultern legte und mich an sich zog. „Ich traue dieser Bitch auch nicht und wenn es dich beruhigt, ich würde nicht einmal ficken, wenn sie die letzte Frau der Welt wäre. Wenn es um Sex geht habe ich eigentlich recht wenige Prinzipien, aber die Frau eines anderen Mannes ist grundsätzlich tabu. Leute die sich absichtlich und wissentlich in Beziehungen widern mich einfach nur an.“
Erstaunt sah ich zu Care auf. Ich wusste bereits, dass er ein Problem mit „Fremdgehern“ und Betrügern hatte, doch so energisch hatte ich ihn bislang noch nicht darüber sprechen hören. Er wirkte so... in dem Thema, das ich einen kleinen Verdacht bekam...
„Hat dich schon mal jemand Betrogen?“ fragte ich leise und spürte wie sich seine Muskeln anspannten. „Nein, Eisprinzessin“ sagte er leise, sodass wirklich nur noch ich ihn hören konnte „Denn ich führe grundsätzlich keine Beziehungen.“

Bähm.

Cares Worte wirkten wie ein Eimer Eiswasser auf mich. Ich konnte es nicht verhindern, dass ein unangenehmer Schauer durch meinen Körper fuhr und dass ich mich verspannte. Am liebsten hätte ich mich von ihm gelöst, doch das wäre komisch rüber gekommen. Also murmelte ich lediglich ein „Verstehe“ und wandte meinen Blick in eine andere Richtung. Eigentlich wusste ich ja, dass es aussichtslos war diesen Biker zu zähmen, dennoch hatte sich mein dummes kleines Herz immer größere Hoffnungen gemacht.
Doch damit war nun endgültig Schluss, das nahm ich mir fest vor. Sobald das Sommerfest vorbei war, gab es für mich keinen Grund Care irgendwo noch als meinen Fake-Freund auszugeben. Ich würde diese... Fick-Beziehung beenden und in meine Wohnung zurückkehren. Die Twins würden mir sicherlich helfen, sollte Care sich quer stellen.


~ Caretaker ~


Fuck. Das ich es verbockt hatte war mir in dem Moment klar gewesen als ich die Worte ausgesprochen hatte. Ich führe grundsätzlich keine Beziehungen. Das war die Wahrheit und Ice wusste das auch. Doch warum fühlte es sich so scheiße an ihr das zu sagen?
Und dann ihre Reaktion. Wie sich ihr schlanker Körper sofort verspannte und sie den Blick von mir abwandte. Nur einen kurzen Augenblick sah ich ihren verletzten Gesichtsausdruck und ich fühlte mich wie der größte Mistkerl auf Erden. Es hätte mich nicht gewundert, wenn sie sich von mir gelöst hätte, doch sie blieb sitzen und so hatte ich die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben.
Es vergingen einige Minuten des Schweigens, ehe ich versuchte das Gespräch wieder aufzunehmen und Ice meine Haltung zu dem Thema fremdgehen etwas besser zu erklären: „Ich war jedoch schon mal in der anderen Rolle in so einem... Fall“ sagte ich leise, woraufhin sie mich mit einem abschätzigen Blick ansah. „Wie meinst du das?“ fragte sie skeptisch und ich war erleichtert, dass sie mich nicht einfach ignorierte.
„Ich war einmal in der... Rolle, die Laura in deinem Fall hatte“ versuchte ich vorsichtig zu erklären. „Du hast eine vergebene Frau gefickt?“ fragte sie entsetzt, aber zum Glück leise „Ich dachte das wäre gegen deine tollen... Prinzipien?“ „Ich wusste nicht, dass sie vergeben war“ erklärte ich seufzend, doch es sollte keine Entschuldigung sein „Doch das ist noch nicht einmal das Hauptproblem...“
„Sondern?“ fragte sie leise und sah besorgt aus. Irgendwie ärgerte es mich, dass ich der Auslöser für diesen Ausdruck in ihrem Gesicht war, andererseits freute es mich, dass sie mich noch nicht komplett abgeschossen hatte. Ich war verloren oder? „Es war noch ganz am Anfang meiner Zeit als Nomad“ sprach ich schließlich weiter „Ich war gerade mal einundzwanzig und habe eigentlich jede Schlampe mitgenommen, die mir vor die Nase gelaufen ist. Wir waren jung und haben es ausgenutzt andauernd in anderen Clubhäusern mit anderen Weibern zu sein.“ Vielleicht war es nicht ganz clever so direkt zu sein, doch ich wollte Ice die Wahrheit sagen. Außerdem wusste sie wie es auf Biker-Partys zuging.
„Der Club den wir damals besuchten war ein ziemlich neuer Supporter, also kam die klare Anweisung von Tiger – dem Pres der Nomads – uns zu benehmen. Sonst wäre unter Umständen die Kooperation sofort wieder vorbei gewesen und wir hätten mächtige Probleme am Hals gehabt. Das wollten wir, also Cash und ich, natürlich nicht riskieren.“ Kurz machte ich eine Pause und fuhr mir mit einer Hand durch die Haare, wobei ein Seufzen meine Lippen verließ.
„Aber gut gemeint ist nicht gleich gut gedacht. Wir haben auf alles geachtet: von ziemlich schwer zu übersehenden Property-Kutten, bis hin zu weniger offensichtlichen Dingen wie Knutschflecken oder Eheringen. Wir wollten uns dieses Mal wirklich tausend-prozentig sicher sein, ehe wir mit einer verschwanden.“
Es war ein komisches Gefühl Ice von diesem Abend zu erzählen, doch irgendwie fühlte es sich auch gut an. Außer dem Nomad-Chapter wussten nur Lord und Preacher über diesen Vorfall Bescheid.
„Ich hatte die Hoffnung an diesem Abend einen wegstecken zu können beinahe schon aufgegeben, denn irgendwie schien sich keine der Clubmäuse für mich zu interessieren. Cash und ich waren bei den Nomads mit Abstand die Jüngsten und dadurch scheinbar uninteressant. Dann stand auf einmal diese langbeinige Schönheit vor mir. Blonde Haare bis zum Arsch und Titten von denen man noch nächtelang träumte. Sie war einige Jahre älter als ich. Ende zwanzig, Anfang dreißig wahrscheinlich. Ich dachte zuerst ich träume als sie tatsächlich anfing mit mir zu flirten und dabei ging sie direkt ziemlich in die Vollen. Spätestens in dem Moment als sie mir mitten im Clubhaus in den Schritt gefasst hatte, war es voll um mich geschehen.“
Ich machte wieder eine kurze Pause und betrachtete für einen Moment Ice‘ nachdenkliches Gesicht. Sie schien förmlich an meinen Lippen zukleben und konnte es vermutlich gar nicht fassen, dass ich ihr tatsächlich von meiner Vergangenheit erzählte. Erst in diesem Moment wurde es mir selber bewusst, dass es das erste Mal war, dass ich ihr Details erzählte und nicht etwas aus ihr herausquetschte.
„Was danach passierte kannst du dir vermutlich denken“ sprach ich weiter und sie nickte mit einem Schmunzeln. „Am nächsten Morgen stand auf einmal ein sehr wütender Biker in meinem Zimmer. Wie sich herausstellte war die Frau, die noch immer nackt in meinem Bett lag, seine Old Lady. Ich hatte keine Ahnung von diesem Status, immerhin trug sie keine Kutte und hat außerdem mich angegraben... Wie ich später erfahren musste waren sie sogar verlobt.“
Kurz schüttelte ich fassungslos den Kopf und ließ dann kurz meinen Blick durch den weitläufigen Garten schweifen ehe ich weitersprach.
„Er war kurz davor mir den Kopf abzureißen, als einige seiner Brüder – angelockt durch sein Gebrüll – in das Zimmer stürmten und ihn zurückhielten. Erst nach und nach wurde mir klar in was für eine Lage ich mich – beziehungsweise sie mich – manövriert hatte. Es war genau das eingetreten vor dem Tiger uns immer wieder gewarnt hatte. Die Bitch neben mir sah das Ganze anscheinend sehr locker und blieb einfach entspannt liegen.
Als die anderen ihren Bruder endlich etwas beruhigt und aus dem Zimmer manövriert hatten, war ich noch immer vollkommen entsetzt wie mir das passieren konnte. Wie in Trance zog ich mich an und schlich nach unten um mir den Kopf abreißen zu lassen. Es fühlte sich tatsächlich so an als würde ich zu meiner Hinrichtung gehen und irgendwie war es das auch.
Unten abgekommen wollte der Kerl, der wie ich bemerken musste auch noch Sergeant at Arms des Clubs war, direkt wieder auf mich losgehen und ich hätte es auch über mich ergehen lassen. Doch das sahen seine Brüder wohl etwas anders und schmissen ihn kurzerhand raus, da er sich einfach nicht beruhigen wollte. Anschließend durfte ich mir eine ordentliche Standpauke von meinem Pres abholen. Ich glaube er war kurz davor mich aus dem Club zu schmeißen oder zumindest zurück zum Mother Chapter zu schicken.“

„Aber das ist ja offensichtlich nicht geschehen“ sagte Ice leise als ich für einen Moment in meiner Erzählung stoppte „Was ist dann passiert?“ „Ich bekam unerwartete Unterstützung“ erklärte ich mit einem gequälten Grinsen „Ein anderes Mitglied des Clubs muss an dem Abend ganz in meiner Nähe gestanden haben und hat die ziemlich aggressive Anmache von der Frau mitbekommen. Er konnte auch bezeugen, dass sie weder ihre Kutte noch ihren Verlobungsring trug – das hatte ich vorher schon gesagt, doch das wollte niemand so recht glauben. Anschließend hat er sich bei mir entschuldigt, weil er mir nicht zwischendurch gesagt hatte, dass sie eine Old Lady war. Er hat allerdings wohl nicht damit gerechnet, dass sie tatsächlich so weit gehen würde.“
„Und dann? Was ist dann passiert?“ fragte Ice neugierig weiter. „Anschließend waren in dem Raum lauter betretene Gesichter zu sehen gewesen. Mein Pres und auch der President des anderen Clubs haben sich bei mir entschuldigt. Danach hat dieser seinem Sergeant wohl die Wahrheit erzählt. Davon bekam ich jedoch nicht mit, da ich quasi in mein Zimmer geschickt wurde und dieses erst verlassen durfte als wir zwei Stunden später wieder aufbrachen. Wie der Kerl auf diese Nachricht reagierte weiß ich nicht, allerdings kam mir zu Ohren, dass er sich von der Schlampe getrennt hat.“
„Bist du deshalb so... vehement gegen Fremdgeher?“ „Auch“ erwiderte ich mit einem leichten Schulterzucken „Ich war vorher schon der Meinung, dass man jemanden, der einem so vertraut, nicht so hintergehen sollte. Dieser Vorfall hat meine Meinung dazu noch bestärkt und hat mich außerdem noch vorsichtiger werden lassen. Es hätte nicht mehr viel gefehlt und ich wäre aus dem Chapter, wenn nicht sogar aus dem Club geflogen, da ich die Beziehung zu einem Supporter-Club gefährdet hatte. Das so deutlich vor Augen zu haben...“
Ich schüttelte sachte den Kopf und wandte meinen Blick von Ice ab. Meine Gedanken waren in einer düsteren Wolke verschwunden und es gab nichts mehr zu diesem Thema zu sagen. Ice schien das zu spüren und schwieg...


~ Ice ~


Meine Gefühle und Gedanken fuhren Achterbahn. Genau als ich mir überlegte mich von Care abzukapseln, begann er mir eine Geschichte aus seiner Vergangenheit zu erzählen. Klar, war es nur eine kleine Geschichte und es passte zu unserem vorherigen Thema – bei dem er mir wohlgemerkt das Herz zertrümmert hat – aber dennoch empfand ich es irgendwie als Anfang und mein kaputtes Herz setzte sich ganz langsam wieder zusammen. Dummes, naives Ding...
Um mich abzulenken richtete ich meine Aufmerksamkeit wieder auf Jenna und verwickelte sie in ein unverfängliches Gespräch. Ich hatte keine Ahnung ob sie etwas von Cares Erzählung mitbekommen hatte, doch sie sagte nichts dazu. Auch wenn ich mich wieder auf Jenna konzentrierte, brachte ich es nicht fertig mich von Care zu lösen. Viel zu wohl fühlte ich mich in seiner Nähe und das war gefährlich. Mehr als gefährlich.
In den Tiefen meines Verstandes war es mir eigentlich bewusst – auch wenn er mir jetzt etwas aus seiner Vergangenheit erzählt hatte, war er noch immer so gesprächig wie ein Felsbrocken. Das würde mein armes dummes Herz nicht lange überlegen. Die logische Konsequenz? Das Ende unserer... was-auch-immer-Beziehung und mein Auszug beziehungsweise Umzug in meine eigenen vier Wände...
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