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LEGACY - Ice & Caretaker (Devil's of Mayhem MC 1)

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / Het
23.02.2021
08.08.2021
68
249.764
28
Alle Kapitel
101 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
21.04.2021 3.883
 
Hallo ihr Lieben ♥
deutlich schneller als gedacht melde ich mich aus der Pause von LEGACY zurück.
Das bedeutet: der Plot für Teil 2 steht, LEGACY ist dementsprechend überarbeitet und die ersten vier Kapitel sind auch schon fertig ^^
Einen Namen hat das neue Baby allerdings noch nicht.
Derzeit habe ich Urlaub, kann den aber nicht recht genießen, da ich eine Schleimbeutel-Entzündung auf der rechten Kniescheibe habe X.X Unschön sage ich euch. Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings, dass ich viel Zeit habe zum Schreiben xD man muss es positiv sehen :D
Jetzt aber erst Mal viel Spaß mit Kapitel Nummer 40.
Eure Loane ♥


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Die Fahrt zum Wohnsitz meiner Chefin dauerte ungefähr eine halbe Stunde. Sie wohnte etwas außerhalb in einer ruhigen Wohngegend für die... sagen wir mal besserverdienenden Bewohner Eidstadts. Als ich das erste Mal dort war, war ich recht erschlagen von ihrem Anwesen – ja, Anwesen. Das Ganze als Haus zu bezeichnen wäre eine Beleidigung.
Die Zufahrt zu der Landhausvilla war von hohen Bäumen umgeben und auch rings um ihren großen Garten standen einige grobe Bäume, die an heißen Sommertagen wunderbaren Schatten spendeten. Auch an diesem Tag war es ziemlich warm und ich bereute beinahe die Entscheidung das Bike genommen zu haben. Nicht wegen der Fahrt an sich, eher da ich sicherlich verschwitzt ankommen würde.
Als wir auf der großen Rondell Auffahrt mit dem leicht protzigen Springbrunnen in der Mitte ankamen, parkte ich mein Bike in der Nähe des Tores und möglichst weit weg von den schon eingetroffenen Autos. Es dauerte ein wenig bis ich die schwere Maschine rückwärts auf ihren Platz manövriert hatte, doch es gelang mir schließlich. Bei Care sah das Ganze natürlich deutlich eleganter aus.
Ich parkte mit Absicht etwas außerhalb des Geschehens. Nicht da ich Angst um die Bikes hatte, es lag viel mehr an der Lackierung von Cares Bike. Zwar konnte ich ihm seine Kutte verbieten, doch daran, dass das Logo des Clubs seinen Tank zierte, konnte ich natürlich nichts ändern. Zumindest nicht, wenn ich meinen nächsten Geburtstag noch erleben wollte.
Als Care sich seinen Helm absetzte und sich lässig mit einer Hand durch die Haare fuhr, konnte ich es nicht verhindern ihn anzuschmachten, während er sich umsah. „Ziemlich protzig“ brummte er schließlich und riss mich so aus meiner Starre. Schnell setzte ich meinen Helm ab und hängte ihn an den Lenker meiner Slim. „Finde ich auch“ erwiderte ich schmunzelnd „Aber Silke – also meine Chefin – ist wirklich in Ordnung. Sie verdient mit dem Laden echt gut und genießt das auch, aber sie ist recht normal geblieben.“
„War sie eigentlich auf der Hochzeit?“ fragte er mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck, während wir unsere Jacken in den Satteltaschen verstauten. Vermutlich überlegte er jetzt gerade ob er Silke schon mal gesehen hatte. „Nein“ antwortete ich kopfschüttelnd und steckte mein Handy in die Gesäßtasche meiner Jeans „Sie hatte irgendeinen wichtigen Termin, weshalb sie nicht kommen konnte. Aber unter uns gesagt – ich glaube sie hatte einfach keine Lust.“ Meine Aussage brachte Care dazu leise zu lachen ehe er mich verschlagen angrinste.
„Und was bringt Sie zu dieser Annahme Frau Haftmann?“ „Sie hat vorher mal was gesagt, was mich darauf schließen ließ“ erklärte ich kichernd „Sie kennt wohl Sandras Mutter und meinte, dass sie sich nie wieder freiwillig mit dieser Person in einem Raum aufhalten würde.“ „Ja okay, das kann einen natürlich zu so einer Annahme verleiten.“

Grinsend schnappte Care sich meine Hand und wir gingen gemeinsam in Richtung der großen Eingangstür. Unsere Finger verflochten sich wie von selbst miteinander während wir sonst still blieben. Ich hatte mich bereits so an das Gefühl gewöhnt ihn andauernd in meiner Nähe zu haben, dass ich gar nicht wusste wie ich irgendwann einmal wieder ohne ihn zurechtkommen sollte. Ich wusste, dass der Tag kommen würde an dem wir unsere Sex-Beziehung beenden mussten. Spätestens wenn ich wieder zurück in meine Wohnung ziehen konnte. Wobei ich ja mittlerweile vermutete, dass dies schon längst der Fall war und das Care mich einfach nur nicht gehenlassen wollte. Oder war das vielleicht nur eine Wunschfantasie meines verknallten Verstandes?
Bei der Tür wurden wir von einem schwarz gekleideten Mitarbeiter begrüßt und hineingelassen. Ich konnte sehen wie er Cares Tattoos kritisch beäugte, aber das störte diesen nicht im Geringsten. Stattdessen schenkte er ihm ein ziemlich provozierendes Grinsen und ich zog ihn lieber schnell ins Innere des Hauses. Pardon – der Villa. Durch meine vorherigen Besuche kannte ich mich etwas aus und brachte uns zielsicher über die riesige Terrasse in den Garten.
Dort angekommen brauchte ich erst einmal einen Moment um mich zu orientieren. Es gab ein großes Zelt, in dem Vermutlich das Catering aufgebaut werden sollte, eine Bar und Unmengen an Sitzmöglichkeiten. Außerdem hatte Silke es sich nicht nehmen lassen sogar eine Tanzfläche aufzubauen. Direkt daneben lag eine kleine Bühne, auf der später wohl eine Band spielen würde. Derzeit lief Musik aus den zahlreichen Boxen. Alles war schick dekoriert und passte haargenau zum Geschmack meiner Chefin.
Naja, ich fühlte mich eher etwas fehl am Platz und ein Blick in Cares Gesicht verriet mir, dass es ihm genauso ging.
„Du bist freiwillig hier“ zog ich ihn auf woraufhin er spöttisch den Mund verzog. Doch bevor er darauf etwas erwidern konnte wurde ich förmlich von ihm gerissen und in eine stürmische Umarmung gezogen. „Endlich bist du hier“ hörte ich Jennas erleichterte Stimme direkt an meinem Ohr. Schmunzelnd löste ich mich wieder von ihr und sah meine Freundin skeptisch an. „Ich freue mich zwar auch sehr dich zu sehen, Schatz, aber wir sind nur fünf Minuten zu spät. Kein Grund also so ein Drama zu machen.“
Daraufhin zuckte sie lediglich mit den Schultern und wirkte irgendwie etwas betrübt. Erst da fiel mir auf, dass sie alleine vor mir stand. „Wo ist denn Mike?“ fragte ich verwundert, woraufhin sie ein Gesicht machte als hätte sie auf eine Zitrone gebissen. Ich konnte mich von an eine Zeit erinnern an dem er sie völlig besoffen aus einem Club gefischt hat und er sie am liebsten nirgendwo alleine hingehen lassen wollte. Die beiden waren wirklich ein niedliches Paar. Sie also jetzt hier alleine zu sehen machte mich wirklich stutzig. „Der kommt nach“ brummte sie in einem Tonfall, als würde sie selbst nicht daran glauben.
Doch dann schüttelte sie kurz ihren Kopf und sah an mir vorbei zu Care. „Willst du uns nicht vorstellen?“ fragte sie mit einem schiefen grinsen was mich kurz lachen ließ. Der Blick, mit dem sie Care dabei betrachtete, ließ sich ziemlich leicht deuten – sie fand ihn heiß. Dennoch hatte ich absolut keine Sorge, dass sie sich an ihn ran schmeißen könnte. So ein Typ war Jenna nicht, außerdem war sie in einer Beziehung, auch wenn sie im Moment nicht gerade glücklich zu sein schien.
„Jenna, das ist Channing“ sagte ich schließlich und trat dabei einen Schritt zurück um nicht zwischen den beiden zu stehen. „Channing, das ist meine beste Freundin Jenna.“ „Freut mich dich kennenzulernen“ sagte Jenna daraufhin und streckte ihm ihre Hand entgegen „Ich habe schon viel von dir gehört.“ „Ich hoffe nur Gutes“ erwiderte Care grinsend während er ihre Hand schüttelte. „Überwiegend“ meinte Jenna lachend woraufhin Care mich mit einer hochgezogenen Augenbraue ansah. Ich zuckte jedoch nur grinsend mit den Schultern. Er musste nun wirklich nicht alles wissen.

Wir plauderten ein wenig mit Jenna und wie von selbst fanden unsere Hände wieder zueinander. Es war keine bewusste Handlung – zumindest nicht von mir, doch es fühlte sich einfach zu gut an um etwas daran zu ändern. Jenna sah mehrfach mit einem fragenden auf unsere verflochtenen Hände, doch ich ignorierte sie komplett. Dinge, die ich selbst nicht verstand, konnte ich wohl niemandem erklären.
„Jenna. Alexandra.“ Die Stimme unserer Chefin ließ mich beinahe zusammenzucken, doch als sie kurz darauf neben Jenna auftauchte hatte ich mich schon wieder gefangen. Silke war bereits Ende fünfzig, ging jedoch locker für Ende vierzig durch. Sie hatte zwar Unmengen Geld, doch alles an ihr war echt – wenn man von den blondierten Haaren einmal ansah. Silke hatte einfach hervorragende Gene, die wohl jede Frau neidisch machten. Zusammen mit ihrer sehr gesunden Lebensweise schien sie einfach nicht alt werden zu lassen.
„Schön, dass ihr es geschafft habt“ begrüßte sie uns mit einem herzlichen Lächeln. „Es ist uns wie immer eine Freude“ erwiderte Jenna und ich nickte zustimmend. „Absolut. Du hast dich mit der Organisation wieder selbst übertroffen.“ Lachend winkte Silke meinen Kommentar bei Seite. Sie organisierte fast alles selbst, doch Lob nahm sie dafür nie wirklich an. Zwar stand Jenna ihr immer helfend zur Seite, aber es war eher so, dass meine Freundin einfach das tat, was Silke ihr sagte.
Anstatt noch weiter etwas über das Sommerfest zu sagen richtete sie ihre Aufmerksamkeit stattdessen auf Care. „Sie müssen dann Alexandras Freund sein. Ich habe schon einiges über Sie gehört“ begrüßte sie ihn lächelnd und mir viel ein Stein vorm Herzen, dass sie ihn nicht herablassend behandelte. Doch zugleich musste ich über ihren Kommentar schmunzeln und fragte mich unweigerlich was sie schon über ihn gehört hatte. Und vor allem von wem.
„Richtig Ma’am. Es ist mir eine Freude hier sein zu dürfen“ erwiderte er mit einem Lächeln, das mein Höschen schon wieder feucht werden ließ, und führte ihre Hand, die sie ihm zur Begrüßung entgegengestreckt hatte, an seine Lippen um einen leichten Kuss darauf zu setzen. Ich biss mir leicht auf die Unterlippe um ein Lachen zu unterdrücken. Diese krassen Gentlemen-Seite hatte ich auch noch nicht an ihm gesehen. Dass er sich extrem zusammenreißen und benehmen konnte war mir bewusst, aber das? Ma’am und Handkuss? Wenn ich das einem seiner Brüder erzählen würde, wäre er das Gespött des gesamten MCs.
Silke kicherte leise als sie ihre Hand wieder zurückzog. Dann verabschiedete sich fürs erste von uns um sich unter die Gäste zu mischen. „Was sie wohl über ihn gehört hat?“ fragte ich schmunzelnd in Jennas Richtung, die jedoch auch nur planlos mit den Schultern zuckte. „Ich habe mit Silke nicht über ihn gesprochen, aber du weißt doch wie die Verkäuferinnen sind. Die tratschen über alles“ meinte sie abwinkend und ich musste ihr im Stillen Recht geben.
„Gibt es hier eigentlich auch was zu trinken?“ murrte Care daraufhin und machte ein wenig begeistertes Gesicht „Ich glaube ich ertrag das nicht ohne Alkohol.“ „Du trinkst keinen Alkohol“ erwiderte ich mit einer hochgezogenen Augenbraue. „Es wäre ein guter Tag damit anzufangen.“ „Stell dich nicht so an, Großer. Ich habe dir oft genug gesagt, dass du nicht mitkommen musst. Das hast du dir alles selbst zuzuschreiben.“ „Und deinen Arsch ungeschützt durch einen Haufen Fremder laufen lassen? Vergiss es!“ „So wie du das formulierst klingt es, als würden wir hier eine Orgie feiern. Ich glaube du bist mit deinem Kopf noch in der falschen Lokation, Enforcer. Und was soll das überhaupt heißen Fremde? Das ist eine Firmenfeier du Hohlbirne.“ „Firmenfeier“ schnaubte er verächtlich „N‘ bisschen viele Leute für eine Firmenfeier, meinst du nicht?“ „Ja okay. Mit Anhang und Zulieferer-Firmen und einigen Großkunden. Zufrieden?“
Genervt verschränkte ich meine Arme vor der Brust und sah ihn abwartend an. „Nein, eigentlich nicht“ antwortete er nachdenklich und trat einen Schritt dichter zu mir. Unsere Körper waren nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt als er sich zu mir herab lehnte, sodass nur ich ihn noch verstehen konnte. „Zufrieden bin ich erst wenn ich dich wieder in meinem Bett habe. Nackt, schreiend unter mir“ raunte er in mein Ohr und trat wieder einen Schritt zurück.
Mein Puls hatte sich augenblicklich beschleunigt, doch ich versuchte es mir nicht anmerken zu lassen, dass mein Höschen bereits wieder feucht war. Er war ein verdammter Idiot, der viel zu genau wusste, wie er mich wahnsinnig machen konnte. Doch ich gab ihm diese Genugtuung an diesem Nachmittag nicht. Klar stand ich darauf, wenn er so mit mir sprach, aber nicht in der Öffentlichkeit, wenn meine beste Freundin neben uns stand, die sich in diesem Moment mit einem Räuspern auf sich aufmerksam machte.
„Seid ihr euch sicher, dass ihr kein Paar seid?“ fragte sie amüsiert woraufhin ich genervt die Augen verdrehte. „Ja ich bin mir sicher, Jenna-Hase“ erwiderte ich in einem sarkastischen Tonfall, was Care offenbar dazu veranlasste kurz zu lachen. „Ach komm schon, Eisprinzessin“ sagte er amüsiert und legte dabei einen Arm um meine Schultern um mich an sich zu ziehen „Sei nicht so herzlos. Ich weiß doch, dass du mich liebst.“ Ich wusste das seine Worte ironisch gemeint waren, doch als er mir dann auch noch einen Kuss auf die Schläfe drückte blieb mein Herz für einige Sekunden stehen. Er hatte absolut keine Ahnung wie wahr seine Worte waren und das versetzte mir einen Stich. Ich verzog daraufhin das Gesicht und versuchte ihn irgendwie von mir zu schieben – mit wenig Erfolg versteht sich.
„Achtung. Bitches im Anmarsch“ warnte Jenna aus heiterem Himmel und ich stelle meine Bemühungen mich aus Cares Griff zu befreien augenblicklich ein. Leicht panisch sah ich zu meiner besten Freundin, die mit einer Nickbewegung hinter Care und mich deutete. Ich war in diesem Moment absolut noch nicht bereit Laura und ihrem Anhang zu begegnen. Fuck. Was sollte ich jetzt machen?
Diese Entscheidung wurde mir abgenommen, als Care sich auf einmal in Bewegung setzte und mich einfach mit sich zog. „Kommt. Wir holen uns was zu Trinken, Ladys.“ Im Vorbeigehen schnappte ich mir Jennas Hand, sodass sie keine andere Chance hatte als uns zur Bar zu folgen. Ich hatte keine Ahnung ob unsere kleine Flucht überhaupt Sinn machte, immerhin konnten wir uns nicht an der Bar verstecken. Doch es gab mir zumindest etwas Zeit um wieder runterzukommen.

Kurz darauf stehen wir drei an der Bar. Care und ich jeweils mit einem alkoholfreien Bier, Jenna hat sich für den Beginn für einen Sekt entscheiden. Diesem Blubberwasser konnte ich noch immer nichts abgewinnen. Jenna und ich unterhielten uns die ganze Zeit, während Care einfach still danebenstand. Ein Arm lag dabei jedoch besitzergreifend um meine Taille. Das störte mich nicht im Geringsten. Ich fühlte mich wohl in seinem Griff, auch wenn das Jenna zunehmend zu verwirren schien. Sie konnte mit unserer Beziehung wahrscheinlich nichts anfangen. Oder wusste nicht wie sie diese einordnen sollte. Ich auch nicht. Doch sie wusste ja, dass Care und ich miteinander ins Bett gingen, daher war körperliche Nähe zwischen uns nichts Ungewöhnliches.
Während unseres Gesprächs behielt ich unsere Umgebung immer wieder im Auge um auf ein eventuelles Auftauchen von Laura vorbereitet zu sein. Doch ich sah sie nur von weitem. Sie hatte sich inzwischen von ihren Freundinnen gelöst und flirtete mit einem neuen Security Mitarbeiter.
„Was will der denn hier?“ knurrte Care plötzlich woraufhin ich fragend zu ihm aufsah. Schnell folgte ich seiner Blickrichtung und entdeckte niemand geringeren als Flo – meinen Ex.
„Scheiße“ murmelte ich leicht geschockt „An ihn hatte ich gar nicht gedacht.“ „Soll heißen?“ fragte Care, wobei er Flo nicht aus den Augen ließ. „Er arbeitet für eine Zuliefererfirma. Dadurch ist er automatisch eingeladen. Das weiß ich eigentlich auch, aber ich habe überhaupt nicht an ihn gedacht.“
Meine Gedanken liefen in dem Moment Amok. So wie Care aussah war er noch immer stocksauer auf meinen Ex und wirkte so als würde er gleich auf ihn losgehen. Doch es gab noch ein anderes Problem: Flo wusste, dass Care zu den Devil’s gehörte – immerhin hatte er die Rückseite seiner Kutte mehr als deutlich gesehen. Würde er es riskieren dieses Detail auszuplaudern? Immerhin wusste er gar nicht, dass es ein Geheimnis war... Er wusste immerhin auch nicht, dass einer der Biker, die ihn in meiner Wohnung eingeschüchtert hatten, inzwischen mein Freund war. Fake-Freund.
„Ich bin gleich wieder da“ meinte Care dann nach einem kurzen Moment der Stille und marschierte zielstrebig ausgerechnet in Flos Richtung. „Care. Warte“ reif ich mit einem Anflug von Panik und wollte ihm noch nachsetzen, doch da hielt Jenna mich zurück. „Lass ihn“ flüsterte sie warnend „Er wird hier schon keine Prügelei anzetteln.“ „Schön, dass du dir da so sicher bist“ zischte ich leicht gereizt zurück.
„Hey“ kam es daraufhin versöhnlich von ihr und sie legte ihre Hände auf meine Schultern um meine volle Aufmerksamkeit zu bekommen. „Er ist hier um auf dich aufzupassen, nicht um dir Ärger zu machen“ sagte sie leise, aber eindringlich „Vermutlich will er ihm nur etwas Angst machen.“ „Das hoffe ich“ seufzte ich leise und sah dann wieder in die Richtung wo Flo vorher noch gestanden hatte, doch er war weg. Genauso wie Care.
„Verdammt“ murmelte ich verzweifelt. „Was?“ fragte Jenna irritiert und folgte meinem Blick. „Sie sind weg.“ „Sie werden schon wieder auftauchen. Lass uns hier einfach auf ihn warten.“ „Ja, okay...“ „Sag mal Alex...“ begann Jenna vorsichtig, doch ich sah weiterhin wie gebannt auf die Stelle an der ich Flo das letzte Mal gesehen hatte. Ich machte mir keine Sorgen um diesen Bastard, eher darum, dass man Care von der Party schmeißen würde – für den Fall das er tatsächlich auf meinen Ex losgehen würde.
„Kann es sein, dass du ihn mehr magst, als Fick-Freunde das eigentlich tun sollten?“ hörte ich Jenna fragen, doch ich drehte mich noch immer nicht wieder in ihre Richtung. „Nicht jetzt, okay?“ meinte ich lediglich, bekam es jedoch gar nicht mit ob sie mir eine Antwort darauf gab.


~ Caretaker ~


Es war sicherlich nicht die beste Idee auf dieser Veranstaltung mit diesem übergriffigen Arschloch zu sprechen, doch ich konnte mich in diesem Moment nicht zurückhalten. Zwar hat dieser kleine Bastard sich nach unserer kleinen Ansprache von Ice ferngehalten – zumindest hat sie nichts anderes erzählt – dennoch war eine kleine Auffrischung sicherlich nicht verkehrt. Außerdem wäre es gesünder für ihn, wenn er meine Verbindung zu den Devil's für sich behalten würde. Nicht für mich, sondern für die kleine Eisprinzessin.
„Hey Kumpel.“ Mit einem schiefen Grinsen trat ich von hinten an ihn heran, legte einen Arm um seine Schultern und zog ihn dann einfach mit mir ins Innere der Villa. „Alter was-“ versuchte er sich zu beschweren, doch ich unterbrach ihn direkt wieder. „Halt die Fresse sonst bekommst du richtige Probleme.“ Meine Warnung war nicht mehr als ein leises Knurren, doch es zeigte Wirkung und er blieb still.
Reichlich grob zog ich den Wichser in einen etwas abgelegenen Seitengang, wo ich ihn schließlich wieder losließ. Sofort entfernte er sich taumelnd einige Schritte von mir ehe er sich mit einem wütenden Gesichtsausdruck wieder umdrehte. Sofort öffnete er den Mund, doch dann erstarrte er völlig in seiner Bewegung. Offenbar hat er mich jetzt erst erkannt und macht sich vor Angst wahrscheinlich gleich in die Hose. Gut so.
„W-was willst du denn hier?“ fragte er stockend und sah sich bereits panisch nach einem Ausweg um, doch die Mühe war vergebens. Er stand in einer Sackgasse, der einzige Ausweg führte an mir vorbei. „Eigentlich wollte ich nur etwas entspannt feiern“ erwiderte ich mit einem kleinen Grinsen und verschränkte die Arme vor der Brust. Dabei spannte ich meine Muskeln etwas fester an als nötig und ich sah wie sein Blick kurz dorthin rutschte und er schluckte.
„Allerdings habe ich nicht mit deinem Erscheinen gerechnet. Aber wo du schon mal da bist dachte ich mir wir könnten auch etwas miteinander plaudern.“ „Und dafür schleppst du mich hierher?“ zischte er zurück. Wie es aussah versuchte er jetzt seine Angst mit Ärger zu überspielen – mit mäßigem Erfolg. „Ja. Ist doch schön gemütlich hier findest du nicht?“ fragte ich grinsend, doch keinesfalls fröhlich.
Abwehrend verschränkte er daraufhin die Arme vor seiner wenig beeindruckenden Brust. Bei unserer letzten Begegnung wirkte er etwas trainiert, zumindest definiert, doch anscheinend hatte er sich seitdem etwas gehenlassen. Kurz fragte ich mich was Ice an ihm fand, doch dann rief ich mir wieder ins Gedächtnis, dass sie eigentlich ein normales Leben führte. Zumindest führen wollte ehe die Vergangenheit ihres Vaters sie scheinbar einholte.
„Okay Cheat-Boy“ brummte ich schließlich und sah wie er leicht zusammenzuckte. Was für eine Flasche... „Ich habe zwei Ansagen für sich. Erstens wirst du Sasha den Tag hier nicht verderben. Zweitens: solltest du auch nur ein Wort von unserer ersten kleinen Begegnung oder meiner Verbindung zu den Devil’s verlieren, werde ich dich eigenhändig kastrieren. Verstanden?“
Um meinen Worten noch etwas Nachdruck zu verleihen trat ich noch zwei Schritte auf ihn zu und baute mich bedrohlich vor ihm auf. Zum Glück war er eine Flasche und nickte schnell. „Ich kann dich nicht hören, Cheat-Boy“ stichelte ich weiter und sah wie er mehrfach schlucken musste ehe er den Mund auf bekam.
„V-verstanden“ stotterte er woraufhin ich ihm beinahe freundschaftlich auf die Schulter klopfte. Viel zu hart versteht sich. „Braver Cheat-Boy.“ Damit drehte ich mich um, um wieder zu Ice zurückzukehren, doch seine Stimme hielt mich auf. „Du hast mir noch immer nicht gesagt warum du hier bist.“ Er bemühte sich um einen unbeteiligten Tonfall, doch ich konnte die Angst noch immer hören.
Grinsend drehte ich mich wieder etwas in seine Richtung und wartete einige Sekunden ehe ich ihm antwortete. „Glaubst du Sasha trauert dir noch nach? Eher nicht Cheat-Boy. Sie lebt ihr Leben auch ohne dich weiter.“ Es brauchte einige Sekunden ehe er meine Worte richtig interpretierte und sich seine Augen weiteten. Erkenntnis tauchte in seinem Blick auf, aber auch ein Schock.
„D-du bist Channing?“ „Du hast also schon von mir gehört?“ erwiderte ich mit einem Lachen. Vermutlich von den Tratschtanten, wie Ice und Jenna sie so schön nannten. Eine von ihnen war immerhin die Beziehungskillerin, mit der Cheat-Boy die kleine Eisprinzessin betrogen hatte. Mistmaden, alle samt. Ohne weiter auf den Bastard zu achten machte ich mich wieder auf den Weg nach draußen zu Ice und ihrer Freundin.

Ich fand die beiden bei der Bar vor, wo ich sie zurückgelassen hatte. Ice entdeckte mich ziemlich schnell und sah mich mit einem schwierig zu definierendem Blick an. War sie erleichtert? War sie sauer? Ich konnte es nicht richtig deuten, doch als ich die beiden schließlich erreichten fiel sie mir förmlich um den Hals. Also überwog wohl die Erleichterung. Hatte sie sich Sorgen gemacht? Um mich? Oder eher um ihren Mistkerl von Ex?
„Ich hoffe du hast ihn in Ruhe gelassen“ murmelte sie gegen meine Schulter und ich lachte leise als ich meine Arme um ihren schlanken Körper legte. „Habe ich“ versicherte ich ihr „Ich habe ihm nur etwas... ins Gewissen geredet.“ Daraufhin löste sie sich wieder ein Stück von mir und sah mich eindringlich an. Es hatte fast den Anschein als wollte sie versuchen in meinem Blick zu erkennen was passiert war. Ihre Hände ruhten an meinen Seiten und ich hatte das Gefühl, dass sie ein Loch in mein Shirt brennen würden. Dabei hatte Ice eigentlich immer kalte Hände. Typisch Frau, aber das passte ja zu einer Eisprinzessin.
„Alex, da ist er wieder“ sagte Jenna dann auf einmal woraufhin Ice sich ein Stückchen von mir schob um an mir vorbei spähen zu können. Ich folgte der Blickrichtung der beiden Frauen und entdeckte tatsächlich Ice‘ Ex, der gerade wieder nach draußen trat. Suchend und deutlich unsicher sah er sich in dem großen Garten um. Als sein Blick mich schließlich erwischte zuckte er merklich zusammen und eilte aus meinem Blickfeld.
„Körperlich unversehrt sah er ja schon mal aus“ murmelte Ice daraufhin „Aber offenbar hat er jetzt Angst vor dir.“ „Hatte er vorher auch schon“ erwiderte ich nüchtern und warf dann einen kurzen Blick zu Ice‘ Freundin. Wusste sie über diese Sache wohl auch Bescheid? Frauen erzählten sich ja gerne alles, doch sprachen sie über eine Vergewaltigung und darüber, dass anschließend ein Haufen gefährlich aussehender Outlaw-Biker den Peiniger eingeschüchtert haben?
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