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Indigo Blue

von Jien
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Hikari "Kari" Yagami und Gatomon Mimi Tachikawa und Palmon Sora Takenouchi und Biyomon Taichi "Tai" Yagami und Agumon Takeru "T.K." Takaishi und Patamon Yamato "Matt" Ishida und Gabumon
23.02.2021
28.03.2021
4
12.190
4
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
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02.03.2021 2.940
 
Author's Notes

Yoo! Ein herzliches Danke möchte ich aussprechen an Mira und TheGerman für das liebe Feedback, an die Sternchenspender und für die Favoriteneinträge und Views! Und hier kommt das zweite Kapitel! :)


❈❈❈


Eine schreckliche Nachricht
Kapitel 2


Nachdenklich hatte Takeru den Kugelschreiber an die Unterlippe gelegt. Er hatte eine konkrete Vorstellung davon im Kopf, was er aufschreiben wollte, aber ihm wollte einfach keine zufriedenstellende Formulierung dafür einfallen. Manchmal war es zum Verrücktwerden.

Ein bisschen verzweifelt schaute er auf sein Schriftstück. Es war gerade einmal eine halbe Seite und er saß seit zwei Stunden daran. Das war alles andere als berauschend. Das, was er geschrieben hatte, gefiel ihm noch nicht mal.


Seufzend ließ Takeru sich auf seinem Schreibtischstuhl zurückfallen und warf einen Blick auf die Uhr. Schon fast zwei. Er sollte wirklich langsam Schluss machen und ins Bett gehen. Die Augen brannten ihm entsetzlich.

Er klappte das Notizbuch zu und schob es bei Seite, bevor er die kleine Schreibtischlampe ausschaltete. Als er sein Zimmer verließ, um ins Badezimmer zu gelangen, hörte er das Telefon klingeln.

Seltsam.

Er wartete kurz ab. Normalerweise nahm seine Mutter das Telefon immer mit ans Bett, wenn sie schlafen ging, damit sie nicht in Versuchung kam, morgens mal hektisch aufzuspringen, und für Notfälle.


Unschlüssig blieb Takeru im Flur stehen, bis das Klingeln verstummt war und er die Stimme seiner Mutter gedämpft hinter der Schlafzimmertür vernahm. Er konnte nicht hören, was sie sprach, nur dass sie es tat.

Mit einem Mal war Takeru ganz unwohl. Er erinnerte sich an andere Abende. Er hatte seine Mutter schon aus vielen Gründen bis spät in die Nacht hinein telefonieren hören. Entweder, weil sie sich mit seinem Vater stritt oder weil sie nach der Trennung Beistand bei einer guten Freundin gesucht hatte.

Damals hatte er viele Dinge noch nicht verstanden. Er hatte nicht verstanden, weshalb sie so oft weinte, weshalb sie die Familienfotos von den Wänden genommen hatte. Er hatte nicht verstanden, weshalb seine Familie nicht mehr ganz war und weshalb er seinen großen Bruder nicht mehr so oft sehen konnte. Er hatte auch das komplizierte Verhältnis zwischen Yamato und seiner Mutter nicht verstanden. Es hatte lange gedauert, aber inzwischen glaubte er die Gründe dafür zu ahnen.


Plötzlich vernahm er ein Schluchzen und es fühlte sich fast so schlimm an wie damals. Es fühlte sich noch immer schrecklich an, wenn seine Mutter weinte. Aber warum?

Es konnte nicht an seinem Vater liegen. Sie hatten das lange geklärt und auch, wenn die gemeinsame elterliche Sorge vor neun Jahren nicht dazu geführt hatte, dass die beiden wieder zusammenfanden, so hatten sie etwas verstanden. Sie hatten verstanden, dass sie für ihre Kinder da sein mussten und dass sie ihren Kindern damit schadeten, wenn sie einander das Leben schwer machten.

Also warum weinte sie jetzt?


Takeru spürte eine unangenehme, erdrückende Enge in der Brust und konnte sich nicht rühren. Er war wieder wie erstarrt. Ein eiskalter Schauer rann ihm über den Rücken. Normalerweise bekam man so spät nur dann Anrufe, wenn etwas wirklich Schreckliches passiert war.

Was sollte er nur tun? Wie konnte er ihr helfen? Wäre es okay, wenn er jetzt zu ihr gehen würde um herauszufinden, was los war?


Langsam wandte er sich zur Schlafzimmertür.

Vielleicht sollte er sie wirklich lieber in Ruhe lassen und sich morgen erkundigen, was los gewesen war. Aber seine eigene innere Unruhe wollte sich nicht verdrängen lassen und brachte ihn schließlich dazu, doch zur Tür zu gehen und leise anzuklopfen.

„Mum?“, fragte er und bemerkte, dass seine Stimme wirklich dünn klang. „Mum, ist alles in Ordnung?“ Vermutlich nicht, aber was sollte er sonst sagen?

Es war ihm unheimlich, dass sie nicht auf ihn reagierte, also fasste er kurzerhand den Entschluss selbst nachzusehen, was mit ihr los war.


Zögerlich öffnete er die Schlafzimmertür und schob sich langsam in den halbdunklen Raum. Seine Mutter hatte die Nachttischlampe eingeschaltet und saß nun auf dem Rand ihres Bettes. Das Gesicht hatte sie in den Händen vergraben und ihr ganzer Körper bebte vom Weinen. So schlecht hatte sie schon lange nicht mehr ausgesehen.

Takeru kam mit vorsichtigen Schritten auf sie zu und als er vor ihr stand, fühlte er sich irgendwie hilflos. Er wusste nicht, was er tun sollte. Er wollte nicht, dass sie traurig war.


„Mum?“, fragte er noch einmal. Er klang dabei genauso verzweifelt, wie er sich fühlte, aber ihr Verhalten, dass sie so gar nicht reagierte, machte dem Teenager Angst. Sie war sonst nicht so. Sie war besorgt und sensibel, aber auch sehr stark. Das wusste er.

Natsuko schniefte einmal vernehmlich, bevor sie sich die Tränen aus dem Gesicht wischte und dann endlich zu ihrem Sohn aufsah. So hatte Takeru sie noch nie gesehen. Ihre Augen waren ganz rot und spiegelten nichts als Angst wieder.

„Mum, was ist passiert? Bitte sag mir was los ist“, bat Takeru sie eindringlich und bemerkte, dass er selbst kurz davor war, in Tränen auszubrechen.


Sie öffnete zwar den Mund, aber es wollten einfach keine Worte herauskommen. Sie stand eindeutig unter Schock. Takeru griff nach dem Wasserglas, das sie immer auf dem Nachttisch stehen hatte und reichte es seiner Mutter.

Er hatte sich neben sie auf das Bett gesetzt und einen Arm um sie gelegt. Mehr als sie zu trösten konnte er wohl schlecht tun.

Ungeduldig wartete er ab. Er musste wissen, was passiert war, aber er sah auch ein, dass sie Zeit brauchte, um es aussprechen zu können. Was auch immer es war, es setzte Natsuko ganz schön zu.


Schließlich stellte sie das Glas auf den Nachtschrank zurück und zwang sich zur Ruhe.

Erwartungsvoll blickte Takeru sie an, bis sie begann: „Das war dein Freund, Joe.“ Ihre Stimme klang brüchig, die Worte abgehackt. Es war schwer herauszuhören, wo ein Satz endete und wo ein neuer begann. „Er hat gesagt, dass Yamato einen Unfall hatte.“ Sie griff nach seiner Hand, als sie das sagte. „Mit dem Motorrad und- und er ist sehr schwer verletzt. Er konnte mir noch nicht sagen, ob er- ob er das schaffen wird.“ Es war, als würde sein ganzer Körper mit einem Mal taub und kalt werden. „Joe hat gesagt, dass es- dass...“ Ihre Stimme brach und sie musste noch einmal neu ansetzen. „Er hat gesagt, dass es nicht gut aussieht.“


Es waren Minuten, die gefühlt vergingen, während Takeru einfach nur dasitzen und seine Mutter fassungslos anstarren konnte.

Das konnte nicht sein!

Das durfte nicht sein!

Es war nicht wahr!

Takeru wusste nicht, was er tun sollte. Was er tun konnte.

Er zitterte, er spürte Angst, Traurigkeit, Wut und irgendwie auch nichts davon. Es war seltsam. Sehr seltsam. Er konnte es nicht beschreiben.

„Nein...“ Das war alles, was ihm über die Lippen kam. Er wollte es nicht glauben. Er konnte es nicht glauben. Seinem großen Bruder durfte nichts passieren. Er passte doch immer auf ihn auf. Das konnte nicht passieren. Nicht ihm. Niemals!


Er hatte nicht bemerkt, dass er angefangen hatte zu weinen.

Natsuko zog ihren Jüngsten in ihre Arme, versuchte nun ihrerseits ihn zu trösten. Sie wusste doch, wie sehr die beiden mit einander verbunden waren. Sie wusste, dass es ein Fehler gewesen war, sie auseinander zu reißen. Sie wusste, dass Takeru es niemals verkraften würde, sollte Yamato nicht mehr bei ihm sein können.

Sie wollte das gar nicht zu Ende denken.


❈❈❈


„Oh ja, er ist wirklich total süß!“, schwärmte Hikari, das Handy unter das Ohr geklemmt und blätterte durch eine ihrer Lieblingszeitschriften. Sie saß auf ihrem Bett, das Kopfkissen als Sitzgelegenheit und gab sich Mühe, nicht allzu laut und albern zu kichern. „Nein, nicht der, der Andere“, korrigierte sie ihre Freundin am anderen Ende der Leitung. „Meinst du, sie sollte es ihm sagen?“

Eigentlich sollte sie um diese Zeit ja nicht mehr telefonieren, aber es war Wochenende, viele ihrer Freundinnen gingen bereits in die Discothek und kamen nach Hause wann sie wollten. Noch ein Jahr, dann durfte sie das auch!

„Ja, sie sollte es wirklich tun. Vielleicht sollten wir sie bestärken, damit sie sich traut.“

Hikari hoffte, dass ihre Eltern wirklich schon schliefen und niemand ihr nächtliches Gespräch mitbekam. Es war nun wahrlich nicht das erste dieser Art.

„Nein, bei mir gibt es noch niemandem.“ Ihr Blick fiel auf das gerahmte Foto, das Takeru und sie während ihres USA-Urlaubs zeigte. „Quatsch, wir sind nur Freunde!“


Ein Signalton unterbrach ihr Gespräch. Da rief jemand an. „Warte mal kurz, Natsumi.“ Rasch warf sie einen Blick auf das Display um herauszufinden, wer versuchte sie um diese Uhrzeit noch anzurufen. Hoffentlich war es nicht ihre Mutter, die sie kontrollieren wollte.

Es war Takeru und darüber staunte sie nicht schlecht. Normalerweise ging er immer zeitig ins Bett und wenn er bis spät in die Nacht auf war, dann weil er noch am Schreibtisch saß und an einem der vielen Bücher schrieb, die er begonnen hatte. Aber er rief niemals mitten in der Nacht bei ihr an.

„Kann ich dich später zurückrufen?“, fragte sie ihre Freundin und verabschiedete sich rasch. Dann nahm sie das andere Gespräch an und begrüßte Takeru mit einem: „Hi, also mit dir hätte ich am wenigsten gerech-...“


Weiter kam sie nicht.

Sie hörte Takeru schluchzen und bekam es richtiggehend mit der Angst zu tun. Sofort war Hikari klar, dass etwas Furchtbares passiert sein musste.

„Takeru? Was ist los?“, fragte sie besorgt und es dauerte, bis ihr Freund sich soweit beruhigt hatte, dass er etwas sagen konnte. Sie hörte, wie er die Nase hochzog und schluchzte.

Was hatte er nur?


Y-Yamato... “, begann Takeru mit zitternder Stimme.

„Was ist mit ihm?“, wollte Hikari wissen. Ihr Herz schlug schneller. Yamato war doch wohl hoffentlich nichts zugestoßen. Sie hoffte inständig, dass die beiden nur Streit hatten, aber tief im Inneren wusste sie, dass dem nicht so war. Dafür würde Takeru nicht so spät anrufen.

E-er hat-hatte einen- einen Unfall“, erklärte er mühsam weiter und wurde immer wieder von einem fiesen Schluckauf unterbrochen. „J-Joe hat uns angerufen... Er hat- er hat gesagt dass- dass...


Hikari fühlte sich gerade unendlich hilflos. Am liebsten wäre sie bei Takeru, hätte ihn in den Arm genommen, ihm Taschentücher gereicht und ihn so gut es ging getröstet.

Sie merkte, dass ihre Hände zu zittern begannen, dass ihr Puls anstieg, aber sie zwang sich zur Ruhe. Sie musste für Takeru da sein.

„Was hat Joe gesagt?“, fragte Hikari und hoffte, dass es nicht so schlimm war wie sie vermutete, wie sie befürchtete.

Sie hoffte, dass er lebte, dass es so etwas wie Hoffnung überhaupt gab, sonst wüsste sie nicht, woran Takeru sich klammern könnte, wie sie ihm dann Zuspruch geben konnte.


Takeru musste ein paar Mal tief durchatmen, sich zur Ruhe zwingen. Er war so aufgewühlt.

Er hat gesagt, dass es nicht gut aussieht, dass er sehr schwer verletzt ist“, erklärte er schließlich und brach dann gleich wieder in Tränen aus.


Wie sollte sie ihm nur helfen?

Was konnte sie nur tun?

Sie wusste es einfach nicht.


Eine Weile konnte sie selbst nur dasitzen und an die gegenüberliegende Wand starren.

Konnte das wirklich passiert sein? Es war wie ein schrecklicher Alptraum. Erst gestern hatte Takeru noch gemeint, dass er sich schon so darauf freute, wenn Yamato am Wochenende wieder nach Hause kam, wenn er ihn endlich mal wieder sehen konnte. Und jetzt?


„Takeru?“, setzte sie nach einer Weile an und eigentlich war sie noch immer sprachlos. Sie wusste nicht, was sie dazu sagen sollte, aber sie wusste wenigstens, dass sie ihren Freund jetzt nicht alleine lassen konnte.

J-ja?“ Es ging Hikari ans Herz, wie verzweifelt er klang.

„Ich kann zu dir kommen. Ich kann in einer halben Stunde bei dir sein“, bot sie ihm an. Das war alles was sie tun konnte.

Du musst das nicht tun“, antwortete er wie üblich, aber das würde Hikari heute nicht gelten lassen. Das war eine Ausnahmesituation und was wäre sie ihm für eine Freundin, wenn sie ihn ausgerechnet jetzt alleine ließ?

„Ich möchte es aber“, sagte sie und es dauerte nicht lange, bis Takeru mit einem leisen „Gerne“ nachgab, bevor sie sich von einander verabschiedeten.


Hikari musste das erst einmal sacken lassen. Sie lehnte sich an das Kopfende ihres Bettes und starrte das Handy in ihrer Hand an, als könnte es ungeschehen machen, was sie gerade erfahren hatte.

In erster Linie dachte sie daran, was das für Takeru bedeuten musste, wie furchtbar er sich jetzt fühlen musste. Sie wollte gar nicht daran denken, wie es wäre, wenn Taichi etwas Schlimmes passieren würde, wenn sie einen Anruf bekamen, dass er verunglückt war.


‚Taichi!’


Jemand musste es Taichi sagen. Er war Yamatos bester Freund. Sie hatten ihre komplette Schulzeit in derselben Klasse verbracht und...

Es würde ihn umhauen, wenn er erfuhr, dass Yamato etwas passiert war. Sie überlegte, ob sie ihn anrufen und es ihm sagen sollte, aber sie fürchtete, dass er in seiner Wut und Verzweiflung vielleicht etwas Dummes tun würde. Das würde immerhin zu ihm passen.

Taichi war Yamatos Freund, ja. Sein bester Freund, ja. Aber sie wusste, dass Yamato für Taichi mehr war. Mehr als ein guter Freund. Mehr als ein bester Freund. Hikari wagte gar nicht daran zu denken, wie ihr großer Bruder reagieren würde.


Sie begann in ihrem Mobiltelefon nach einer Nummer zu suchen.

Taichi durfte das nicht am Telefon erfahren. Er musste jemanden an seiner Seite haben. Jemanden, der ihn verstand. Jemanden, der immer für ihn da war. Und abgesehen von Yamato und ihr selbst gab es da nur eine Person...


❈❈❈


Sora drehte sich von einer Seite auf die andere und seufzte innerlich.

Bereits vor vier Stunden hatte sie sich ins Bett gelegt und versuchte zu schlafen, aber irgendwie kam sie überhaupt nicht zur Ruhe. Es kam selten vor, dass sie nicht einschlafen konnte, aber heute war eine dieser Nächte.

Es war ja nicht so schlimm. Sie musste morgen nicht früh aufstehen, aber...


Der Vibrationsalarm ihres Handys riss sie aus den Gedanken.

Am liebsten hätte sie es ignoriert, sich die Decke über den Kopf gezogen und endlich geschlafen, aber...


Sie nahm das Gerät von ihrem Nachtschrank, warf einen Blick darauf und sah Hikaris Namen und Foto auf dem Display aufleuchten. Was war nur los?

Sie nahm den Anruf an und meldete sich mit einem verschlafenen: „Hallo Hikari, was gibt's denn so spät, hm?“

Müde rieb sie sich die Augen und unterdrückte ein Gähnen. Natürlich wusste Hikari, dass sie sie aus dem Schlaf gerissen hatte, aber es war eine Art Reflex, dass sie ihr dieses Gefühl nicht geben wollte, dass sie versuchte möglichst normal zu klingen. Immerhin machte Hikari sich immer gleich schreckliche Vorwürfe.


Sora, es ist etwas passiert“, informierte Hikari sie mit bebender Stimme und hörbar um Ruhe bemüht. Wenn sie so klang wusste Sora, dass sie versuchte ihre Tränen zurück zu halten und stark zu sein. Ihr war gar nicht wohl dabei.

„Was ist passiert?“, wollte sie von Hikari wissen und war augenblicklich wieder hellwach.

Takeru hat mich eben angerufen. Yamato hatte einen Unfall. Es sieht sehr schlimm aus und Takeru ist völlig fertig. Ich würde gerne zu ihm fahren, aber andererseits möchte ich auch für Taichi da sein und es ihm erzählen, bevor er es von jemand anderem erfährt“, erklärte Hikari. „Du weißt doch wie er ist. Wenn Taichi davon erfährt, dann...

„Mach dir keine Sorgen, Hikari. Ich werde zu Taichi fahren und mit ihm sprechen“, bot Sora sofort an. Sie wusste, dass ihre Freundin darauf hinauswollte.


Sie hörte Hikari am anderen Ende ein wenig erleichtert aufatmen, bevor sie sich bedankte. Den Rest ihrer Worte nahm Sora gar nicht mehr so richtig war.

Irgendwann saß sie einfach auf dem Bett, in ihrem dunklen Zimmer, das Handy in der Hand und wusste nicht, was sie tun sollte. Sie wusste nicht wie sie es geschafft hatte, so fest und entschlossen am Telefon zu klingen, aber als sie aufgelegt hatte, schien alles über ihr zusammen zu brechen.


‚Oh, Yamato bitte... das kannst du uns doch nicht antun‘, ging es ihr durch den Kopf.


Es gab niemandem, dem sie es jemals erzählt hatte. Niemand wusste es. Nicht Hikari, nicht Mimi. Sie wusste nicht einmal, wann genau ihr Herz beschlossen hatte, Yamato zu gehören. Nie hatte sie sich getraut, auch nur ein Wort darüber zu verlieren. Immer hatte sie sich dazu gezwungen, diese Gedanken nicht zu zulassen.

Er war Rockstar. Sie ging nicht davon aus, dass Yamato ein Beziehungsmensch war. Sie ging nicht davon aus, dass er sie überhaupt wahrnehmen würde. Nur als gute Freundin und nicht mehr. So war es immer gewesen.

Aber nun, als sie daran dachte, dass sie vielleicht niemals mehr die Möglichkeit haben würde, ihm von ihren Gefühlen zu erzählen, brach eine Welt zusammen. Sie hätte ihre Chance längst nutzen sollen. Immer, wenn er sie beschützt hatte. Immer, wenn er einen Arm um sie gelegt hatte.



Sora wusste nicht, wie lange sie dagesessen hatte. Sie wusste nicht, wie lange sie geweint hatte. Aber sie musste aufstehen. Sie musste zu Taichi. Sie musste es ihm sagen und ihm beistehen. Sie war auch seine Freundin und Hikari hatte sie darum gebeten.

Mechanisch tastete sie nach dem Schalter der Nachttischlampe, stand auf und ging zum Kleiderschrank. Sie achtete nicht darauf, was sie anzog, bevor sie sich eine Jacke von der Garderobe nahm und in ein paar Turnschuhe schlüpfte.


Als sie fertig angezogen war, öffnete sie so leise wie möglich ihre Zimmertür und trat auf den Flur hinaus. Sie wollte ihre Mutter nicht aufwecken. Sie wollte ihr nichts erklären müssen.

Im Vorbeigehen schnappte sie sich noch ihren Haustürschlüssel, bevor sie die Wohnung verließ. Der kalte Novemberwind brannte auf ihrer Haut, als sie sich auf den Weg zu Taichi machte um ihm die wahrscheinlich schlimmste Nachricht seines Lebens zu bringen.


❈❈❈


TBC

Nachwort

Meinungen, Anregungen, Verbesserungsvorschläge? Über Feedback freue ich mich sehr, genauso wie über Herzchen und Sternchen. Danke fürs Lesen. :)
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