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OneshotFreundschaft / P12 / Gen
Clara Oswin Oswald Der zwölfte Doctor (Twelve)
23.02.2021
23.02.2021
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Clara und Twelve sind jetzt nicht gerade eine Doctor-/Companionkombination, die ich besonders mag, aber nichtsdestotrotz finde ich die Dynamik der beiden wahnsinnig interessant. Deswegen geht’s hier erstmal mit der Abschlussszene von „Deep Breath“ los, als Clara sich entscheidet weiterhin mit Twelve zu reisen.

Wie immer gilt: Wem Rechtschreib-, Zeichensetzungs- oder Grammatikfehler auffallen, darf mir das gerne mitteilen :)

Geschichte: Kerstin-san || Charaktere: Steven Moffat || Beta: Nein


Clara beendet das Telefonat mit zittrigen Fingern und muss tief durchatmen, um ihre Tränen zurückzuhalten. Mit einem Anruf aus der Vergangenheit hat sie nun wirklich nicht gerechnet und sie ist sich nicht sicher, was sie jetzt tun soll. Gehen oder bleiben? Dem Doctor helfen oder ihn zurück lassen?
Ehe sie sich zu einer endgültigen Entscheidung durchringen kann, ertönt die tiefe Stimme des neuen Doctors hinter ihr.
„Und?“, fragt er.
„Und was?“, entgegnet Clara, um Zeit zu gewinnen und dreht sich schwungvoll zu dem Schotten herum. Herausfordernd blickt sie ihn an. Natürlich weiß sie ganz genau, was er wissen möchte, aber sie ist sich noch immer nicht darüber im Klaren, was sie tun soll.
Der Doctor zögert nur kurz.
„Er hat 'ne Frage gestellt“, sagt er. „Hilfst du mir?“ Er. Claras Herz zieht sich schmerzhaft zusammen, als sie das Telefonat noch einmal Revue passieren lässt. Ihr Doctor.
„Man darf nicht lauschen“, weist sie ihn reflexartig zurecht. Aber es klingt nicht wirklich vorwurfsvoll.
„Hab ich nicht“, entgegnet der Time Lord. „Unnötig. Ich hab ja selbst telefoniert.“
Jetzt ist er es, der ihr einen prüfenden Blick zuwirft, ehe er sich mit einem hilflosen Seufzen kurz von ihr abwendet, als würde er ihre Zweifel und Unsicherheit ganz genau bemerken. Was wahrscheinlich auch nicht allzu schwer sein dürfte.
„Du erkennst mich nicht, oder?“, fragt er und klingt beinahe belustigt. „Du siehst mich an und kannst mich nicht sehen“, fährt der Doctor fort, während er nervös den Gehweg entlang schreitet. „Hast du 'ne Ahnung, wie das ist?“, will er fast vorwurfsvoll wissen, aber Clara kann ihn weiterhin nur stumm anstarren. Sie fühlt sich seltsam hilflos und heillos überfordert.
„Ich bin nicht am Telefon, sondern hier!“ Sein altes Gesicht sieht sie grimmig an, ehe der Mann vor ihr seine ruhelose Wanderung wieder aufnimmt und sie kurzzeitig nur seinen Rücken mit den angespannten Schultern sieht. Ein weiteres Mal dreht sich der Schotte zu ihr um und fixiert ihre Augen.
„Ich stehe direkt vor dir“, sagt er eindringlich. „Bitte, sieh hin“, fleht er nachdrücklich. „Sieh in mich hinein.

Und genau das tut sie. Clara nimmt ihn beim Wort, geht auf den ihr noch immer so fremden Mann zu und konzertiert sich auf das ungewohnte Gesicht. Auf die kurzen, grauen Haare und all die Falten. Auf die krumme Nase und die prominenten Augenbrauen. Als nächstes widmet sie sich seiner Kleidung. Dem weißen Hemd und der schwarzen Jacke. Der fehlenden Fliege. Sie sieht wie unwohl der Time Lord sich fühlt, als sie ihn so genau unter die Lupe nimmt, aber er bemüht sich still zu halten und ihre intensive Musterung nicht zu unterbrechen.
Nicht nur, dass er jetzt völlig anders aussieht, hat sie getroffen, sondern auch, dass er sich charakterlich so verändert hat. Ihr letztes gemeinsames Abenteuer hat das deutlich gezeigt.
Rein logisch betrachtet, weiß Clara, dass der Mann vor ihr der Doctor ist. Sie hat gesehen, wie er sich regeneriert hat, aber es ist schwer die beiden Männer miteinander in Einklang zu bringen. Sie hatte keine Zeit sich an all das zu gewöhnen. Auf den Schock, den die Regeneration in ihr ausgelöst hat, folgte erst das Zusammentreffen mit einem echten Dinosaurier und dann fast übergangslos die Bruchlandung im viktorianischen England, wo der neue Doctor außerdem auch noch völlig neben sich stand. Hat weder sie noch seine Freunde erkannt und sich zudem ungewohnt aggressiv verhalten. Dann noch die Sache mit den Cyborgs im Restaurant und wie er sie dort scheinbar allein zurückgelassen und nur sich selbst gerettet hat. Ihr Doctor hätte sie dieser Ungewissheit und Todesangst nie ausgesetzt. Er hätte sie nie einfach so in diesem Keller stehen gelassen, ohne ihr wenigstens eine Erklärung zu geben, aber der Mann vor ihr hat nicht einmal mit der Wimper gezuckt, ehe er einfach verschwunden ist. Sie hat sich so verraten gefühlt. Im Endeffekt kam er ihr zwar zur Hilfe, aber das Gefühl der Erleichterung, dass sie ihm offenbar doch noch vertrauen kann, hat sich sofort wieder verflüchtigt, als er danach einfach in seine TARDIS gestiegen und ohne sie weggeflogen ist. Er hat sie, ohne ein Wort zu sagen, bei Madame Vastra zurückgelassen, ehe er dann später wieder zurückgekommen ist, um sie abzuholen.
Wie soll sie diese beiden so unterschiedlichen Charaktere also als ein und dieselbe Person ansehen? Sie hat schlicht und ergreifend das Gefühl, dass sie ihren guten Freund nicht mehr wiedererkennt. Und doch bringt sie es auch nicht über sich, ihm jetzt kurzerhand den Rücken zuzukehren. Wie könnte sie jetzt einfach weggehen? Wie könnte sie den neuen Doctor im Stich lassen, wenn ihr Doctor sie darum bittet dem anderen zu helfen? Sie sieht dem Mann vor ihr prüfend in die Augen und was sie dort erkennt ist Furcht. Angst davor, dass sie ihn einfach im Stich lassen wird. Unter der scheinbar so harten Schale steckt ein verängstigter und verletzlicher Mann, der sich vermutlich erst einmal an sich selbst gewöhnen muss. Und sie kann ihm dabei helfen. So wie er ihr letztendlich im Keller gegen die Cyborgs geholfen hat. Als sie schon nicht mehr wirklich daran geglaubt hat. Jetzt braucht er ihre Hilfe und die wird sie ihm geben. Mit einem Mal ist jeder Zweifel, was sie tun soll, wie weggeblasen.

Clara lächelt den Time Lord vor ihr schließlich langsam an, woraufhin er sichtlich verunsichert zurück starrt.
„Danke dir“, flüstert sie mit belegter Stimme, während der Doctor verdutzt zu ihr herunter blickt.
„Wofür?“, fragt er zögernd und offensichtlich aus dem Konzept gebracht.
„Für den Anruf“, entgegnet sie schlicht und sieht ihm dankbar in die Augen. Ohne den Anruf seines anderen Ichs hätte sie sich bestimmt dafür entschieden, das gemeinsame Reisen mit ihm aufzugeben.
Einem Impuls folgend, schlingt Clara beide Arme um den Hals des Time Lords und vergräbt ihr Gesicht an seiner Schulter. Vage registriert sie sein überraschtes Ausatmen neben ihrem Ohr.
„Ich...“, stottert der Doctor überfordert und steht seltsam steif und ungelenk da, ohne wirklich auf ihre Umarmung zu reagieren. „Ich glaube eigentlich nicht, dass ich der große Umarmungstyp bin“, stammelt er fahrig, aber Clara klopft ihm nur aufmunternd auf dem Rücken, während sie sich noch enger an ihn schmiegt.
„Ich weiß nicht, ob du da mitreden darfst“, schmunzelt sie und der Doctor scheint das vorerst zu akzeptieren.
„Gut, wie du meinst“, murmelt er, während beide in ihrer seltsamen Position verharren und Clara das vertraute Gefühl der Geborgenheit, das von dem Doctor ausgeht, in sich aufsaugt.
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