Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Akis Abenteuer auf Mac Anu

GeschichteAbenteuer, Krimi / P16 / Div
23.02.2021
23.02.2021
1
1.691
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
23.02.2021 1.691
 
Kapitel 1

23.02.21 - Mac Anu war eine kleine Insel, in welcher wirklich jeder jeden kannte. Manchmal fühlte es sich wie eine große, dysfunktionale Familie an, in der jeder tat was er wollte. Heute war es besonders schlimm, weil jemand Neues eingezogen war und die Leute zerrissen sich die Mäuler darüber, dass sie die Tochter von soundso war und wie still sie sich immer gab. Ehrlich gesagt war Aki auch neugierig- es passierte nicht viel hier, außer wenn Mr. K mal wieder die Insel auf den Kopf stellte, weil er eine neue Idee für ein Bauprojekt hatte oder weil ihm alles überdrüssig wurde und sie alle nach seiner Pfeife dann kollektiv umziehen mussten...es war schwer mit ihm umzugehen, aber sie liebten ihm trotzdem. Sie hatten ja alle letztendlich ihre Macken. Von einen besonderen Anflug aus Langeweile gepackt, ging Aki in den strömenden Regen heraus, quer durch die Stadt, an der Plaza vorbei, wobei Annalena ihn auffing.

„Hey, Aki! Hier drüben!“ Normalerweise war Annalena angenehm, doch manchmal trieb sie ihn in den Wahnsinn auf die schlimmstmögliche Art. Als er sie erreicht hatte, sagte sie: „Eigentlich ist es nicht so wichtig...“ Seht ihr? Diese Unentschlossenheit!
„Können wir den Teil überspringen, an dem ich dir aus der Nase ziehe, was du mir sagen wolltest und direkt zum Punkt kommen? Ich will noch vor Sonnenuntergang meine Jogging-Runden hinter mir bringen.“ Sie wirkte für einen Augenblick ein klein wenig beschämt und für einen kurzen Moment tat es ihm schon fast leid- aber nur fast. Sie nickte als wolle sie sich Mut zusprechen.
„Ich wollte dich fragen, ob du Elise von mir als Willkommensgeschenk ein Buch vorbeibringen kannst.“ Aki kniff die Augen zusammen und sie zuckte ein wenig zurück, nur um trotzig ein Schritt vorwärts zu machen. „Komm schon, was ist schon dabei?“ Vielleicht hatte er ja gar nicht vor, sie zu besuchen. Woher war sie sich so sicher? Der Regen legte erst jetzt so richtig los, sie wurden beide klatschnass. Ihm machte es nichts aus, er mochte das Gefühl von Regen, doch Mädchen waren da anders. Zumindest waren es die Bewohnerinnen hier. Er musste ein wenig schreien über das Geräusch von prasselnden Regen hinweg und eine Gardine aus Wasser schüttete herab.
„Wieso machst du es nicht selbst? Oder besser, fragst Mr. K? Er macht doch so was immer gern. Ich will nicht dass sie mich für eine Leseratte hält.“ Er schnitt eine Fratze, beeilte sich jedoch zu sagen, um seine abweisende Reaktion abzudämpfen: „Ich meine, ich lese schon gern. Halt nicht übertrieben gern. Nur wenn das Buch gut ist. Ist das Buch gut?“, fragte Aki vorsichtig. Kurz herrschte ein leicht eingeschnapptes Schweigen, bis sie sich wohl entschied, was auch immer ihr durch den Kopf ging sein zu lassen und lächelte milde.
„Es ist von der TagNacht-Reihe. Kennst du die Serie?“ Aki durchforstete sein Hirn nach den Sendungen, welche er vor dem Schlafengehen laufen ließ, doch keine traf auf diesen Namen zu. „Ist es einer dieser Liebesgeschichtensachen? Ich habe da nicht so den Nerv für.“
„Natürlich“, meinte Annelena nachsichtig.
„Außerdem will ich nicht, dass sie etwas Falsches von mir denkt“, fügte er verlegen hinzu.
„Deswegen brauchst du dir keine Sorgen zu machen- das Geschenk ist verpackt und hat meinen Namen als Absender darauf. Missverständnisse sind ausgeschlossen.“ Langsam wurde es kalt, er starrte auf das sorgsam in einer Plastiktüte verpackte Buch.
„Fein. Ich hab was gut bei dir!“, erinnerte er sie und schnappte sich das Buch.
„Das hast du. Vielen Dank.“

Aki schnaubte und joggte an ihr vorbei, ein wenig schneller als sonst, den Berg hoch zu ihrem Haus. Es war einer dieser Zeiten, in denen Mr. K die ganzen Häuser anders angereiht haben wollte, deswegen fragte er sich, wie lange sie wohl noch die schöne Aussicht über der Kleinstadt genießen konnte.

Oben angekommen war er ein wenig aus der Puste, klopfte aber schnell und laut, wie er das eben immer tat. Während er wartete schaute er auf seine matschversehenen Turnschuhe und hoffte, drinnen gab es eine Matte oder so, wo er sie abwischen konnte, sollte er hinein eingeladen werden.  Als eine Elefantendame aufmachte, war für ein Moment das was er sagen wollte weg.
„Hallo...hast du keinen Regenschirm...?“, fragte sie besorgt. Er zuckte mit den Achseln.
„Ich soll das von Annalena mitbringen, einer Nachbarin“, entgegnete er kurz angebunden. Sie nahm es entgegen und stammelte dann ein Danke, bevor sie hinzufügte:
„Willst du reinkommen? Ich habe Tee und Kekse.“

Was sie nicht sagte war, dass gefühlt die halbe Nachbarschaft Mac Anus ebenfalls sich in den kleinen, asiatisch eingerichteten Wohnzimmer auf die kleinen Zweisitzer quetschte.
„Hi Leute“, entgegnete er deutlich trockener als er sich fühlte.
„Yo Aki!! Hier's noch 'nen Platz frei!“, sagte Gisbert aufgeregt. Das entlockte Aki schließlich ein kleines Lächeln, vor allem weil er Boris von seinen Platz geschubst hatte und er aussah, als hätte er das eindeutig persönlich genommen. Er glaubte, er wird Gisbert eines Tages auflauern und weiß Gott was antun. Dankend nahm er einen Handtuch entgegen, den Elise ihr überreichte.
„Sorry Boris“, flüsterte Aki und setzte sich neben dem Tiger hin.
„Gisbert hat schon eine Menge über dich erzählt“, meinte Dietmar amüsiert. Aki schaute fragend zu Gisbert, dessen übertrieben vertrauenswürdiges Grinsen beunruhigend war.
„Ach, nur das Nötigste. Name, Muskelmaß, Lieblingssport...“
„Wann du das erste Mal als kleines Häschen das Bett genässt hast“, gluckste Dietmar.
„Ich bring dich um“, sagte Aki monoton. Jetzt zitterte er nicht nur, sondern war bloßgestellt. Nice.
„Ich habe auch erzählt, wann ich meines genässt habe, aber ich wollte nicht der einzige im Raum sein, der das als kleines Kind gemacht hat...und jetzt bist du hier! Was für ein Zufall!“ Aki fuhr sich mit der Hand über das Gesicht, sagte aber nichts mehr bis Elise mit einer Tasse Tee vorbeikam.
„Ich wusste nicht, welchen du am liebsten hast, also habe ich einfach mal Schwarztee genommen.“
„Danke“, meinte Aki wieder einsilbig und nahm die Tasse entgegen. Elise setzte sich auf einem Sessel. Sie fühlte sich deutlich unwohl vor so vielen Leuten und schien auch nicht vorzuhaben, groß Reden zu schwingen, glücklicherweise redeten Gisbert und Dietmar für vier. Oder unglücklicherweise. Aki fiel es natürlicherweise auf, dass neben den Jungs noch Flora und Hilda da waren, welche jedoch mehr unter sich sprachen als mit Elise. So wie er sie kannte wollten sie einfach „dabei sein“.

„Ich persönlich freue mich darauf, wenn die Bäckerei endlich fertig ist“, kommentierte Dietmar gerade und spielte mit einem Biscuit in der Hand, „aber sie suchen noch immer nach Personal. Wieso bewirbst du dich nicht dafür, backi?“ Er starrte direkt zu Elise. Irgendetwas an Dietmar fand Aki schon immer mal unheimlich, vielleicht waren es die schwarzen, seelenlosen Augen, oder die Art, wie er sich immer Zeit ließ beim Reden, als wolle er seine eigene Stimme genießen.
„Ich? Ich habe keinerlei Erfahrung mit dem Verkauf von Backwaren...“, gestand sie. „Außerdem muss ich im Moment nicht jobben. Wieso fragst du nicht Hilda oder Flora?“, fragte sie in einen mageren Versuch, die beide ins Gespräch einzuschleusen. Immerhin schaffte sie es, dass die beiden bei ihren Namen aufschauten. Flora schüttelte entschieden den Kopf.
„Geht gar nicht. So was von nicht“, entgegnete sie. „Hilda und ich haben schon genug in der Musik AG, wir können nicht auch noch jobben.“
„Oh, schade. Und du, Dietmar? Wieso jobbst du nicht?“ Dietmar schnappte scharf nach Luft.
„Dietmar hat eine ganz miese Arbeitsallergie“, brummte Boris augenrollend. „Allein beim Wort kriegt er eine halbe Krise.“ Gisbert lachte höhnisch.
„Arbeit! Arbeit! Arbeit!“, johlte er.
„Hör auf Gisbert, du machst ihm noch Angst!“, zischte Aki. Dietmar schüttelte den Kopf.
„Ich erwartete es auch gar nicht anderes von unseren Muskelprotzen.“ Das entlockte Elise immerhin ein bezauberndes Kichern. Warte- bezaubernd? Das war ein Wort, das Aki so gar nicht benutzte. Klang nach etwas, was Hilda oder Flora sagen würde.
„Wieso runzelst du so die Stirn, Alter?“, flüsterte Gisbert. Ich bemühte mich um ein halbes Lächeln.
„Mein eigener Kopf ist mir ein Rätsel.“
„Wem sagst du das“, sagte Gisbert verständnisvoll und Aki hatte das Gefühl, sie sprachen aneinander vorbei.

Mittlerweile sprachen sie über Anna und wie jemand ihre schwarzen Rosen an der Plaza zertreten hat. Für mich war das kein Rätsel- das war wahrscheinlich Mr. K. Er rannte überall hin wie ein Besessener.
„Es gibt noch etwas, was mich wurmt“, grummelte Boris. „Die verschwundenen Anzeigen hier in Mac Anu. Sie sind schon bei drei“, sinnierte er. „Ich habe die ganze Insel abgetreten, und nichts gefunden. Ob sie wohl tief in den kleinen Wald hin sind?“
„Sicher dass Mr. K sie nicht schon wieder weiß wer wohin verfrachtet hat?“, gab Aki ihm sarkastisch zu bedenken, doch er ging nicht auf seinem Scherz ein.
„Nein, ich hab auf der digitalen Karte im Servicecenter geschaut, dort sind sie nicht.“
„Du meinst, die Häuser sind auch verschwunden?“, meldete sich Elise überrascht. Er hatte sie wohl an der Angel mit dieser Schauergeschichte.
„Alles. Als wären sie nie hier gewesen.“ Hilda schauderte und selbst Gisbert wirkte unbehaglich beim Gedanken. „Wir werden das wohl weiter beobachten müssen. Naja, danke für die Kekse und den Tee, ich muss los. Wollte Anna helfen mit dem Rosen pflanzen“, ergänzte er. „Da der Regen nachgelassen hat.“ Alle lauschten. Tatsächlich war das Geräusch von strömenden Regen verschwunden.
„Warte, ich helfe auch!“, meinte Gisbert. „Kommst du auch mit, Aki?“, fragte er und Aki sah wie seine Augen leuchteten, als wären sie wässrig. Er vertrug Gruselgeschichten nicht gut.
„Ja, ich glaube, ich begleite euch. Danke für den Tee und die Kekse“, Aki verbeugte sich und Elise winkte verlegen ab. „Ich würde zum Aufräumen bleiben, aber...“
„FREIHEIT“, hörte er Gisbert draußen schreien.
„Ohne mich überlebt er nicht. Freundliche Grüße noch von Annalena“, fügte Aki höflichkeitshalber hinzu. Elise lächelte schüchtern. Eine Sekunde, die Aki wie eine Ewigkeit vorkam, blickten sie sich an. Dietmar räusperte sich, als würde er irgendetwas unterbrechen.
„Ich helfe dann. Mach dir keine Sorgen. Rette diese Rosen, bevor Mr. K es herausfindet- er kriegt sonst einen Kollaps.“ Aki grinste bei der Vorstellung, den sonst so schweigsamen aber doch launischen Mr. K mal bei einem Wutanfall zu erleben. Immerhin hatten sie ihm eine Menge Emotionen beigebracht seit er hier war.
„Danke, Dietmar.“
„ENDLICH WIEDER SONNE“
„Ich muss wirklich los.
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast